Der gegebene Zeitpunkt

Angeka Merkel gibt am 20.11.16 in Berlin im Konrad-Adenauer-Haus eine Pressekonferenz. / Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Angela Merkel am vergangenen Sonntag im Konrad-Adenauer-Haus. / Foto: Tobias Koch

Der gegebene Zeitpunkt – am vergangenen Sonntag war er endlich da: Angela Merkel tritt bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr erneut als Kanzlerkandidatin für die CDU an. Das ist eine gute Nachricht für unser Land, für Europa – und nicht zuletzt auch für Barack Obama, wie der scheidende US-Präsident vergangene Woche bei seinem Besuch in Berlin verriet: „Angela Merkel steht für große Glaubwürdigkeit und ist bereit, für diese Werte zu kämpfen. Ich bin froh, dass sie da ist und die Deutschen sollten sie wertschätzen.“

Soviel Lob aus berufenem Munde blieb natürlich nicht folgenlos. Als „letzte Verteidigerin des freien Westens“ hat die New York Times die Kanzlerin nach dem Wahlerfolg von Donald Trump bezeichnet. Doch während andere sich von solchen Lorbeeren vielleicht geschmeichelt fühlen würden, hat Angela Merkel mit der ihr eigenen Uneitelkeit auf diese Aussage reagiert. Sie fühle sich geehrt, empfinde diese Erwartungshaltung aber als teilweise grotesk und geradezu absurd, da kein Mensch alleine in der Lage sei, die aktuellen politischen Herausforderungen – angefangen von der Euro-Krise über die Flüchtlingsfrage bis hin zum Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union – im Alleingang zum Guten zu wenden. Dieser klare Blick und der feste Wille, nicht dem eigenen Ego, sondern dem Land zu dienen, sind es, die diese Kanzlerin so wertvoll für uns machen.

Denn in den kommenden Monaten wird uns ein Wahlkampf erwarten, wie wir ihn wahrscheinlich noch nie erlebt haben, mit Anfeindungen von rechts und links und einer polarisierten Gesellschaft, in der sich allzu oft nicht derjenige im Recht wähnt, der die besseren Argumente auf seiner Seite hat, sondern derjenige, der am lautesten schreit. Diesen Parolen müssen wir Inhalte entgegensetzen. Die CDU hat dafür erste Eckpunkte festgelegt: Wir setzen auf die Themen Wirtschaft und Arbeit, Unterstützung von Familien und Stärkung der Mitte der Gesellschaft, die Förderung von Zusammenhalt und Identität, Sicherheit als Voraussetzung für Freiheit sowie auf ein starkes Europa. Um diese Ziele zu erreichen, treten wir in einen fairen Wettbewerb mit allen demokratischen Parteien. Oder wie Angela Merkel es formuliert: „Streiten, nicht hassen.“

Foto: Tonbias Koch

Foto: Tobias Koch

Was ist typisch Deutsch? – Buchvorstellung: Emitis Pohl: „Deutschsein für Anfänger. Integration ist meine Pflicht“

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Vor kurzem habe ich das Buch „ Deutschsein für Anfänger –Integration ist meine Pflicht“ gelesen. Und ich bin beeindruckt, aus mehreren Gründen: Zum einen behandelt es ein Thema, was uns in der CDU besonders beschäftigt und zum anderen, weil die Autorin dort Ihre eigene, persönliche Sicht auf dieses hochaktuelle Thema bietet.

Die Autorin ist Emitis Pohl. Manche haben Frau Pohl vielleicht bereits im Februar 2016 in der Talkshow „Hart aber Fair“ gesehen, wo sie mit Samy Charchira, Wolfgang Bosbach, Rüdiger Thust, Ingo Lindemann und Frank Plasberg diskutierte. Es ging dabei auch um die Ereignisse der Kölner Silvesternacht. Dies ist auch der Ausgangspunkt ihres Buchs.

Darin werden die Ereignisse des vergangenen Jahres und die Asyl-und Flüchtlingspolitik thematisiert. Es wird aber getragen durch die biographische Erzählung. Emitis Pohl ist im Iran aufgewachsen, floh mit 13 Jahren nach Deutschland und ist heute Mutter, Autorin, Unternehmerin und Kommunikationsexpertin. Ein wirklich beachtlicher Lebenslauf, der neugierig macht. Gleiches gilt für die einleitenden Sätze:

„Ich möchte kein Buch über Religion schreiben; ich beteilige mich nicht an den Debatten über die Frage, welche Sure jetzt wie zu lesen ist, weil das eine zweitrangige Frage ist. Es geht mir um Menschen, um unsere Gesellschaft und wie wir alle friedlich zusammenleben können – und nicht um die Frage, wer an welchen Gott glaubt.“

Dieser Ansatz der Autorin verspricht einen spannenden Blickwinkel auf die Frage, die uns alle beschäftigt: Wie kann Integration gelingen? Wie Sie ihre ganz eigene Antwort auf diese Frage gefunden hat erzählt sie manchmal polarisierend, manchmal entwaffnend, aber immer authentisch.

Frau Pohls Ehrlichkeit, Optimismus und Ehrgeiz machen offensichtlich, dass Integration und das „Ankommen“ in einem neuen Land nichts mit Selbstverleugnung oder gar Zwang zu tun hat. Aus ihrer Biografie tritt klar hervor, dass es zwar harte Arbeit ist, noch einmal mit allem komplett neu anzufangen: Sprache, Schule, Freundeskreis, in einem völlig fremden Land. Wenn aber die nötige Unterstützung auf die Bereitschaft trifft, diesen Weg zu gehen, ist das Potential immens. Und davon können alle in Deutschland profitieren.

Die Politik kann dafür die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen, so wie wir es getan haben. Worauf es aber genauso ankommt sind die persönlichen Bindungen. Besonders eindrücklich schildert Frau Pohl zum Beispiel das Engagement von einem Ihrer Lehrer, der sich besonders um sie und ihre Fortschritte kümmerte und damit anspornte.

Eines ist klar: Keine zwei Geschichten gleichen sich. Dennoch hat mir dieses Buch auch Mut gemacht – vor allem das Resümee:

Was entscheidend ist, es gibt diese Sehnsucht nach den eigenen Wurzeln, die in uns allen steckt. Und Integration heißt nicht, diese Wurzel zu verleugnen, abzulegen oder zu ersetzen, sondern einfach, dieses Pflänzchen in neue Erde zu stecken. “

Wenn man anfangen will zu laufen #laufpeter

Wenn man anfangen will zu laufen. Ein paar einfache Regeln für alle, die loslaufen wollen.

Ich laufe gerne. Manche sagen, ich laufe viel. Das liegt im Auge des Betrachters. Aber in der Tat ist Laufen ein Thema. Ich werde oft darauf angesprochen und zwar nicht nur von Menschen, die auch laufen, sondern oft von denen, die gerne laufen würden. Die meist gestellte Frage ist die nach dem „richtigen“ Laufen. Offensichtlich gibt es eine große Unsicherheit und die Sorge, etwas falsch zu machen, wenn man sich entscheidet, den eigenen Astralkörper vom Sofa hochzuwuchten und in Bewegung zu versetzen. Daher ein paar Tipps von mir, die zwar lediglich auf subjektiver Erfahrung beruhen, aber mich seit Jahren beim Laufen begleiten:

Wichtig: Zu Beginn nicht völlig verausgaben. Wer am Limit läuft, der wird das in den Tagen danach spüren – also die Schuhe dann nicht so schnell wieder anziehen. Lieber kleine Einheiten und dann aber bitte regelmäßig. Zwanzig Minuten und das jeden zweiten Tag. Klingt viel, aber das schaffst Du. Und nach und nach kann man Dauer und Distanz ja steigern.

Hilfreich: Jemanden suchen, der mitläuft und dabei bitte keine falsche Bescheidenheit. Warum soll nicht ein erfahrener Marathonläufer mit Dir um die Häuser ziehen? Er kann ja nach den ersten zwanzig Minuten mit Dir weiter seine Runden drehen. Auf jeden Fall hilft eine Laufverabredung. Mir zumindest. Denn der innere Schweinehund, der lauert an vielen verschiedenen Ecken.

Dran denken: Aufs Tempo achten. In den zwanzig Minuten musst Du keine fünf Kilometer abreißen. Die richtige Geschwindigkeit erkennst Du daran, dass man sich dabei gut unterhalten kann. Ganz entspannt. Und stumm nebeneinander her hecheln, dass kann es ja auch nicht sein. Ich freue mich ja auf meine Laufverabredung. Also Tempo raus und mal hören, was es Neues gibt.

Auftanken: Wer nach dem Laufen so fertig ist, dass er zu nichts mehr zu gebrauchen ist, der macht was falsch. Das Gegenteil sollte der Fall sein. Wer nach dem Duschen aufgeräumt, gut gelaunt und voller Tatendrang ist, der hat beim Laufen alles richtig gemacht. Das hat was mit Geschwindigkeit, Dauer und Distanz zu tun. Also sich selbst prüfen!

Dem Glücklichen schlägt keine Stunde: Wann ist die richtige Zeit zum Laufen? Das musst Du selbst rausfinden. Manche laufen gerne morgens, andere lieber am Abend. Für viele spielt das keine Rolle. Probier aus, was Dir liegt. Und noch etwas: Das Wetter (egal welches) ist übrigens keine Ausrede, zuhause zu bleiben.

Laufen ist ein Gewinn: Laufen kann ein sehr teures Hobby sein, aber für den Einstieg ist es „günstig“. Trotzdem sollte man sich gut überlegen, welche Schuhe mal wählt und ob eine gute Jacke für die kalte Jahreszeit nicht auch etwas kosten darf. Aber auch die teuersten Schuhe dürfen nicht darüber hinwegtäuschen: Laufen muss man selbst!

 

Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

 

 

 

„The Political Issues Concerning Israel and Palestine“ – Summer School in Israel

Shalom!
Vom 13. – 25. Juli nahm ich im Rahmen meines Studiums an der Summer School „The Political Issues Concerning Israel and Palestine“ in Israel Teil und konnte dort als Mitglied einer internationalen Studiengruppe im Rahmen von Seminaren, Vorlesungen und Exkursionen den Konflikt zwischen Israel und Palästina untersuchen und erleben. Das englischsprachige Programm, welches vom israelischen „Galilee International Management Institute“- kurz: GIMI – angeboten wird, ist einzigartig und für jeden wärmstens zu empfehlen, der sich für Politik im Nahen Osten im Allgemeinen und Israel im Besonderen interessiert.
Ich spreche hier bewusst auch von einem „erleben“, da sich die rein akademische Auseinandersetzung mit dem Thema von der Erfahrung vor Ort massiv unterscheidet. Dieses Erleben begann bereits mit der Unterbringung im Kibbuz ‚Mizra‘ im Norden Israels, welches neben unserer Unterkunft auch die Räumlichkeiten des GIMI beherbergte sowie als Ausgangspunkt für die Exkursionen und Studienreisen diente. Ziel des Programms war es uns Teilnehmern einerseits einen möglichst umfassenden Blick auf die relevanten Fakten und Hintergründe des Konflikts zu verschaffen und andererseits dessen enorme Komplexität durch die Bereitstellung verschiedener Perspektiven zu verdeutlichen. Daher wurde uns zu Beginn des Programms mitgeteilt, dass wir Israel „mit mehr Fragen, als Antworten“ verlassen würden. Dies war keine Übertreibung.

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Während der gesamten zwei Wochen wurden wir über diverse Aspekte der politischen Realitäten in Israel und Palästina informiert: Die Frage nach einer Ein- oder Zweistaatenlösung erwies sich als vergleichsweise harmloser Streitpunkt im Vergleich zu den wesentlich tiefgreifenderen Thematiken. Beispielhaft wären hier der Status der palästinensischen und jüdischen Flüchtlinge der Kriege von 1948 und 1967, die Frage nach Siedlungen und Terror und der Status Jerusalems anzuführen. Zu diesen direkt dem Konflikt zugehörigen Fragen gesellen sich noch die jeweiligen Spannungen innerhalb der israelischen und der palästinensischen Gesellschaft, ökonomische und infrastrukturelle Probleme und die (gemeinsame) Geschichte der Araber und Juden. Man kann anhand dieses „kurzen“ Auszugs einiger behandelter Themen erahnen, wie vielschichtig der israelisch-palästinensische Konflikt ist und mit welchen Herausforderungen dessen politische und wissenschaftliche Behandlung fertig werden muss. Umso höher ist der persönlichen Einsatz einzuschätzen, den viele Menschen auf beiden Seiten für eine friedliches Zusammenleben und eine politische Lösung des Konflikts aufbringen. Dr. Yair Hirschfeld beispielsweise hielt einen beeindruckenden Vortrag über seine Tätigkeit im Vorlauf zum Oslo Friedensprozess zwischen Israel und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Ende des Jahres 1992 begannen Hirschfeld und der befreundete Akademiker Ron Pundak geheime Verhandlungen mit Vertretern der PLO, welche die offiziellen Verhandlungen erst ermöglichten. Wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, als israelischen Staatsbürgern solche Kontakte gesetzlich verboten waren. Dank ihres Einsatzes wurden die offiziellen Verhandlungen zwischen der israelischen Regierungen und der PLO erst möglich, welche am 13. September 1993 mit dem Handschlag von Yitzak Rabin und Yasir Arafat auf dem Rasen des Weißen Hauses gipfelten.

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Hirschfeld zog in seinem Vortrag ein zwiespältiges Fazit des Osloer Friedensprozesses, der zwar in vielem gescheitert sei, aber die Zwei-Staatenlösung 1 Dr. Yair Hirschfeld und ich dauerhaft auf die Tagesordnung katapultiert habe. Vorher sei eine solche Annäherung und vor allem gegenseitige Anerkennung Israels und der Palästinenser nahezu undenkbar gewesen. Ich persönlich empfand Yair Hirschfelds Vortrag besonders bewegend und informativ. Nicht nur wegen seiner persönlichen Geschichte als jüdischer Auswanderer aus dem Nachkriegswien, sondern auch wegen seines langjährigen Friedenengagements, allen Rückschlägen nach dem optimistischen Beginn der Oslo Verträge zum Trotz. Ein weiterer Höhepunkt, war der Besuch bei der NGO „Roots“ in der Westbank. Hier treffen jüdische Siedler und Palästinenser zusammen und versuchen zaghaft einen Austausch auf einer zivilgesellschaftlichen und persönlichen Ebene. Das Ansinnen, sein Gegenüber zu verstehen und die gemeinsame und doch unterschiedliche Beziehung zu der geteilten Heimat zu erfahren, treibt die Mitglieder an. Dennoch bereiteten diese Aktivitäten ihnen in ihren jeweiligen Umfeldern oft Schwierigkeiten, weil in den Köpfen vieler der Kontakt zur jeweils ‚anderen‘ Seite gleichzusetzen ist mit Verrat. Die NGO bietet den Juden und Palästinensern Räumlichkeiten für ein Zusammenkommen, was sonst in der Westbank praktisch unmöglich ist und arbeitet darüber hinaus mit Kindern und Jugendlichen, welche sonst keinerlei Kontakt haben und die jeweils anderen nur als bedrohliche Unbekannte kennen lernen würden. Auch dieser Einsatz unter widrigen Bedingungen beeindruckte mich tief und die Vorträge der Aktivisten ließen wie so oft in den zwei Wochen das Nebeneinander von Schmerz und Hoffnung erleben.

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Diese und viele weitere Eindrücke, Fakten und Bilder konnte ich von der Summer School mitnehmen und sie werden mich auf meinem persönlichen und professionellen Weg begleiten. Daher bin ich Dr. Peter Tauber dankbar, dass er meinen Aufenthalt in Israel finanziell unterstützt und somit zu dieser einmaligen Gelegenheit beigetragen hat!

Über den Autor: Jonas Jäger, 25, studiert in an der Goethe Universität Frankfurt und der Technischen Universität Darmstadt im Master „Politische Theorie“.

Wo die CDU steht

1. Die CDU ist die Volkspartei der Mitte. Das christliche Menschenbild ist die Grundlage unserer politischen Überzeugungen und speist auch unsere drei Wurzeln als CDU: die konservative, die christlich-soziale und die liberale Wurzel. Als zentrale Werte haben wir Freiheit, Solidarität und Gerechtigkeit in unserem Grundsatzprogramm niedergelegt.

2. In einem ihrer Gründungsaufrufe bezeichnet sich die CDU als Sammlungsbewegung. Ausdruck findet das im Gedanken der Union im Namen unserer Partei. Wer unsere Werte und Überzeugungen teilt, der ist aufgefordert mitzumachen – egal welcher Herkunft er ist oder welchen Glauben er lebt. Christdemokraten suchen nach dem, was verbindet. Das C schließt dabei niemanden aus, sondern es ist ein Orientierungspunkt und eine Einladung. Auch an die, die unseren christlichen Glauben nicht teilen.

3. Christdemokraten sind stolz auf unser Land. Die Bundesrepublik ist das beste Deutschland, das es je gab. Frauen und Männer aus unseren Reihen haben dazu in den Städten und Dörfern, den Ländern, dem Bund und in Europa ihren Beitrag geleistet. Unser Volk lebt seit über 70 Jahren in Frieden – länger als je zuvor in der deutschen Geschichte. Die Deutschen sind frei und haben sich einen Wohlstand erarbeitet, den die Generationen vor uns nie kannten. Daraus erwächst für uns die Verpflichtung, unserem Land auch weiter treu zu dienen. Patriotismus und die Liebe zu unserem Vaterland finden durch das C für uns dabei eine klare Grenze nach rechts.

4. Die CDU ist die Europapartei. Von Konrad Adenauer über Helmut Kohl bis heute sind wir der Überzeugung, dass es die Einheit unserer Nation nicht ohne europäische Einigung geben konnte und kann. Europa ist auch für die Zukunft die Grundlage für Frieden, Freiheit und Wohlstand der Deutschen. Die deutsch-französische Freundschaft ist der Motor beim Zusammenwachsen Europas

5. Für uns ist klar, dass auch in der Zukunft die Einbindung Deutschlands in die westliche Werte- und Verteidigungsgemeinschaft der Nato die Grundlage für Frieden und Freiheit des deutschen Volkes ist. Dazu gehört auch das Bekenntnis zur transatlantischen Partnerschaft mit den USA sowie das Eintreten für das Existenzrechts Israels als Teil der deutschen Staatsräson.

Peter Tauber am 19.10.16 in Berlin im Deutschen Bundestag. / Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

6. Die deutsche Volkswirtschaft profitiert von offenen Grenzen und freiem Handel. Deswegen sind wir als CDU der Überzeugung, dass die soziale Marktwirtschaft auch in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung den richtigen ordnungspolitischen Rahmen vorgibt. Sie hat den Deutschen ein Maß an Wohlstand beschert, das 1945 völlig undenkbar schien. Wir wollen auch weiter ein Land sein, in dem es sich lohnt, sich anzustrengen und fleißig zu sein. Dem Erbe Ludwig Erhards fühlen wir uns verpflichtet. Vor diesem Hintergrund setzen wir weiter auf freien weltweiten Handel und lehnen Protektionismus ab.

7. Die Geschichte der Bundesrepublik ist eine Erfolgsgeschichte. Unser Land hat sich in den letzten Jahrzehnten immer wieder verändert. Doch viele grundlegende Dinge sind geblieben und bis heute prägend. Wir wollen keine andere Republik. Aber wir wollen Veränderungen eine gute Richtung geben, damit die unser Land prägenden Werte, die auch im Grundgesetz verankert sind, Bestand haben.

8. Wenn sich eine Gesellschaft verändert, dann braucht es etwas Verbindliches und Verbindendes. Und für uns Christdemokraten ist das die deutsche Leitkultur. Sie ist mehr als nur das Grundgesetz. Es sind die Werte, die das Zusammenleben in unserem Land ausmachen – beispielsweise dass wir eine Aufsteigergesellschaft sind, dass sich Leistung lohnt, dass wir stolz auf Schwarz-Rot-Gold sind. Inzwischen haben auch andere Parteien erkannt, dass eine gemeinsame Leitkultur Voraussetzung für das gelingende Zusammenleben ist. Hier hat die CDU einen Kulturkampf gewonnen. Darauf können wir stolz sein.

9. Wenn es neuen Parteien wie der AfD gelingt, mit rechtspopulistischen Forderungen, die unseren Grundüberzeugungen zentral widersprechen, Zuspruch bei Bürgerinnen und Bürgern zu finden, dann darf die CDU sich programmatisch nicht danach ausrichten. Wir müssen stattdessen immer wieder neu und stärker für unsere Überzeugungen werben. Die AfD will unsere Gesellschaft spalten und Deutschland abschotten. Sie wendet sich unter anderem gegen die Religionsfreiheit, gegen die Pressefreiheit und gegen die Meinungsfreiheit. Sie grenzt Menschen aus, weil sie „anders“ sind. Damit bekämpft die AfD elementare Überzeugungen der CDU und Errungenschaften unseres Landes.

10. Christdemokraten stehen im Wettbewerb mit allen anderen demokratische Parteien. Die CDU als Volkspartei der Mitte darf dabei nicht den Eindruck erwecken, sie richte sich in ihren Koordinaten nach anderen, denn sie steht seit 1945 für sich selbst und zu ihren Grundwerten, die unser Land und unsere Partei groß gemacht haben. Christdemokraten weichen keiner Diskussion aus und treten offensiv für ihre Überzeugungen ein. In der Mitte der Gesellschaft.
Veröffentlicht am 23. September 2016 in der WELT.

<i>(Foto: Tobias Koch)</i>

Wenn das kleine Ammerland im großen Berlin auf Sendung ist

Der Morgen danach, ich fühle mich ausgelaugt. Wie nach einer guten Party; gestern Abend noch total geflasht von dem tollen Erlebnis – heute haben die Aufregung und Anspannung nachgelassen und ich muss erst einmal Luft holen.

Jedesmal ärgere ich mich kurz vor einer neuen Veranstaltungsform über mich selber – warum habe ich nur wieder gemeint, eine vermeintlich gute Idee auch gleich in die Tat umsetzen zu müssen? Ich könnte heute Abend so schön auf dem Sofa liegen und einfach mal nichts tun.

Statt dessen: ich habe vor 9 Tagen über meine Kontakte in den sozialen Netzwerken direkt Menschen angeschrieben, von denen ich mir vorstellen kann, dass sie an folgender Einladung interessiert sind: Hallo „Hugo“! Wichtig! Save the Date! Wir bieten nächste Woche Mittwoch eine bundesweite Skype-Konferenz mit der Bildungs- und Forschungsministerin Johanna Wanka an. Am 24.8.16 von 19 – 20 Uhr im Kaminzimmer der Kreisgeschäftsstelle. Wärest du dabei?

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Gut, ein bisschen geschummelt habe ich bei der Einladung. Es war kein Skype, sondern ein anderes Format. Ein „Digitales Fachgespräch mit Johanna Wanka“, an dem bundesweit 500 Teilnehmer zugeschaltet werden können und das später auf CDU TV Verbreitung findet. Ich dachte mir, unter „Skype“ kann sich jeder was vorstellen, es passt in die Zeit und könnte die Leute anprechen. So war es dann wohl auch: innerhalb von zwei Stunden hatte ich 30 Zusagen, mehr, als das Kaminzimmer fassen kann.

Entstanden ist die Idee im Gespräch mit meiner Kollegin Ute. Die Tatsache, dass die „Digitalen Fachgespräche“ auf unsere Nachfragen bei Mitgliedern im Ammerland noch gar nicht wahrgenommen werden und die Hürde, dass sich nur CDU-Mitglieder beteiligen können, nicht aber interessierte, die wir ja gern zu Neumitgliedern überzeugen möchten, brachte uns darauf, ein gemeinsames, gemütliches „Public Viewing“ anzubieten.

Gestern dann die Vorbereitungen: es sollte ein gemütlicher Abend werden – die Gäste sollen sich wohl fühlen, ein bisschen wie in ihrem eigenen Wohnzimmer. Was eignet sich da besser, als Käsewürfel, Weintrauben und Gummibonbons? Beim Einkaufen habe ich streng selektiert! Was knackt und knuspert zu laut, dass es die Übertragung oder deinen Sitznachbarn stören könnte? Gouda, Kernlose und Joghurt Gums haben den Test bestanden.

Dann 25 Stühle und 2 Stehtische in unser kleines Sitzungszimmer gequetscht, die Dachfenster bei 31 Grad weit aufgerissen und anschließend das bange Warten, wie vor jeder Veranstaltung: Steht die Technik? 20 Minuten vor der Sendung läuft mal wieder gar nix – vermutlich liegt es an meinem veralteten Laptop (kleine Kreisverbände können leider nicht regelmäßig in moderne Technik investieren, immerhin hat das Geld in diesem Jahr für eine Raumkamera und ein Raummikro gereicht). Meine Freundin schickt mich daraufhin aus dem Sitzungsraum raus, voller Vertrauen in unseren Technik-Experten Nils. Gut, Nils macht das beruflich… trotzdem schwindet mein Vertrauen – ungerechtfertigterweise – von Minute zu Minute in seine Fähigkeiten. Ich gehe in mein Büro in der Geschäftsstelle, schnappe mir im Vorbeigehen einen wackeligen Stuhl vom Flur und krame nach dem Imbus in meinem kleinen Werkzeugkasten. Dann baue ich in10 Minuten den Stuhl auseinander und wieder zusammen, permanent lauschend, ob ich von oben eine Erfolgsmeldung bekomme. Der Stuhl wackelt nicht mehr, meine Freundin ruft von der Treppe „Verbindung steht“, das Adrenalin steigt.

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Und schon kommen trotz der lang ersehnten Hitze 20 CDU Mitglieder und Noch-Nicht-Mitglieder, machen es sich im Kaminzimmer so gut es geht gemütlich und unter der Moderation unseres Bundestagsabgeordneten Albani werden Fragen an die Ministerin gesammelt. Noch schnell eine
„Auf den Tisch-Klopf-Abstimmung“ für die beliebtesten Fragen und schon sehen wir Frau Wanka auf der Leinwand unseres Sitzungszimmers lächeln. Ton und Bild laufen etwas ruckelig, ein wenig nostalgische Stimmung kommt auf – wie beim Super-8-Filmabend mit der Familie vor vierzig Jahren. Aber wir bekommen alles gut mit und sind als zweite auf Sendung.
Wieder kurzes Entsetzen, das Zuschalten der Raumkamera funktioniert nicht – das Video-Format akzeptiert nur unsere kleine Laptop-Kamera! Nils dreht schnell den Laptop Richtung Moderator und Stephan Albani darf sogar zwei Fragen an die Ministerin aus unserer Runde stellen (vermutlich weil er ihr mit dem Hinweis geschmeichelt hat, dass er sich nächste Woche auf ihren Besuch bei uns in Niedersachsen als Kohlkönigin freut?).

Was hält die Ministerin davon, dass die TU Ilmenau zum Wintersemester wieder einen Diplom-Studiengang einführen will? Ist das eine Abkehr von Bachelor und Master? Ein entschiedenes „Nein“ erklingt aus unserem kleinen runden Lautsprecher auf dem Tisch. Wenn auf das Zeugnis unter Bachelor oder Master ein Zusatz mit Diplom kommt, das im Ausland immer noch hoch angesehen ist, dann ist das in Ordnung. Viel wichtiger ist, dass die Qualität der Studiengänge überzeugt. Eine Rolle rückwärts wird es bei dem Thema nicht geben.

Albani legt mit der zweiten Frage nach: Wie kann unser viel beachtetes duales Ausbildungssystem gestärkt werden? Antwort von Frau Wanka: Eine neue Werbekampagne über Kino- und Netzspots für Ausbildungsberufe wird gerade gedreht. Wichtiger findet sie aber erfolgreiche Modellversuche, die sich um die realistische Berufsorientierung mit den Schülern kümmern. Diese Modellversuche zu einem dauerhaften Teil der Berufsvorbereitung umzuwandeln hält sie für den richtigen Schritt.

Ein beiderseitiges Danken folgt, der Berliner Moderator wünscht den Ammerländern viel Erfolg bei der anstehenden Kommualwahl (man spürt, dass er ein gebürtiger Niedersachse ist) und schon erscheint der nächste Teilnehmer aus Paderborn auf dem Bildschirm.

Die Video-Konferenz wird weiter gespannt verfolgt. Kleine Aufheiterungen bei ernsten Themen: Eine gemustertete Tapete aus Omas Zeiten im Hintergrund einer jungen Studentin, ein nervöses, niedliches Kichern einer anderen Teilnehmerin nach jedem Satz… man guckt den Leuten ins Wohnzimmer und manch einer traut sich offensichtlich hier Fragen zu stellen, der bei einer großen Veranstaltung mit einer Bundesministerin nicht vor einem großen Publikum aufstehen würde.

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Punkt 20 Uhr verabschieden sich Moderator und Ministerin aus Berlin und die Ammerländer Runde schweigt. Vorerst. Ein paar Sekunden… so viele Fragen in einer Stunde aus unterschiedlichsten Bereichen der Bildung und Forschung… das muss kurz sacken. Dann beginnt eine angeregte Diskussion, die restlichen gesammelten Fragen werden vom Bundestagsabgeordneten Albani beantwortet. Ich lasse mir ein kurzes Feedback geben:
− Wer von euch hat vorher schon einmal an einem „Digitalen Fachgespräch“ der CDU teilgenommen? Außer mir niemand!
− Möchtet ihr eine Wiederholung? Wen soll ich wieder einladen, wenn ein interessantes Thema ansteht? Jeder zeigt schulmäßig diszipliniert mit dem Finger auf!

Alles klar – der Abend war ein voller Erfolg!

Gut gelaunt helfen alle mit die leeren Teller und Gläser in die Küche zu tragen, wo noch etwas weiter diskutiert und geklönt wird, um 21 Uhr liege ich dann auf meinem Sofa und bin froh, dass ich die drei Stunden vorher nicht auch schon dort gelegen habe…

 

Vielen Dank an Ilka Studnik von der CDU Ammerland für den Gastbeitrag!

Eine Woche bei der Truppe

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Ich bin Oberleutnant der Reserve. Nach meinem Grundwehrdienst habe ich während des Studiums in den Semesterferien regelmäßig Wehrübungen abgeleistet. Inzwischen dürften das fast 400 Tage sein. Während des Berufs und nun als Abgeordneter war und ist es mir wichtig, den Kontakt zu den Kameraden in der Truppe zu halten. im Rahmen des Grundwehrdienstes und auf den Lehrgängen und Übungen habe ich bei der Bundeswehr viel gelernt, nicht allein das soldatische Handwerk, sondern auch viel über mich selbst und andere. Ich habe viele Erfahrungen gesammelt, die ich nicht missen möchte und die mich heute ausmachen. Kameradschaftlich mit anderen unserem Land zu dienen, ist etwas Besonderes. Auch deshalb bin ich stolz und dankbar, als deutscher Offizier in unseren Streitkräften einen Beitrag zu leisten.
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Natürlich hat sich die Bundeswehr in den letzten 20 Jahren massiv verändert. Auch diese Veränderungen mitzuerleben ist mir wichtig. Das geht nur durch regelmäßiges Üben in der Truppe. Als Historiker und Offizier interessiert mich nicht nur die Geschichte und Tradition, sondern eben auch der Wandel im Auftrag, in Ausrüstung und Selbstverständnis der Soldatinnen und Soldaten. Um das zu dokumentieren, ist das Militärhistorische Museum der Bundeswehr eine wichtige Institution. Es bewahrt nicht nur die historische Erinnerung an die Wehrpflichtarmee oder die Auslandseinsätze, sondern setzt sich auch mit der Rolle des Militärs in der heutigen Gesellschaft auseinander. Es ist außerdem wichtig, dass es einen Ort gibt, wo sich Bürgerinnen und Bürger mit der Geschichte nicht nur der Bundeswehr, sondern des Militärs in Deutschland beschäftigen können. In seiner Konzeption ist das Museum dabei einzigartig. Die Ausstellung und die wissenschaftliche Arbeit genügen dabei höchsten Ansprüchen und sind auch museumsdidaktisch auf dem neuesten Stand.

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Im Rahmen meiner zweiten Wehrübung vor Ort, die leider nur eine Woche dauerte, habe ich wie bereits bei der erstenÜbung für eine im kommenden Jahr geplante Ausstellung recherchiert und zugearbeitet. Dabei konnte ich auf meiner bisherigen wissenschaftlichen Arbeit als Historiker, unter anderem auch auf meine Dissertation, die sich mit einem militärhistorischen Thema beschäftigt hat, aufbauen.

IMG_6661Danke für eine Woche bei der Truppe. Danke für erlebte Kameradschaft und Korpsgeist. Danke für Soldaten und zivile Mitarbeiter, die ihren Auftrag erfüllen und dabei keine „Kommissköpfe“ sind, sondern in der Lage leben. Es war mir eine Ehre, wieder dazugehören zu dürfen.
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Laufen und Lesen #laufpeter

Vier Tage Isle of Man, vier Bücher über das Laufen und 80 Kilometer

Blog Laufen Rezension

Bei meinem diesjährigen kurzen Urlaub auf der Isle of Man, den ich vor allem wegen der inspirierenden Landschaftsbilder einer Läuferin gebucht habe, haben mich vier Bücher begleitet, die ich im Bus, im Flieger oder im Café gelesen habe. Hier nun meine Buchbesprechungen für Euch. Nebenbei war ich auch noch Laufen. Ein paar Bilder gibt es zusätzlich. Wunderbare Insel. Tolle Geschichte(n). Eine Reise lohnt sich auf jeden Fall.

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Haruki Murakami, Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede

Murakami ist ein bekannter Schriftsteller – und er läuft. Nun hat er vor einigen Jahren auch darüber ein Buch geschrieben und seine Erfahrungen mit dem Laufen und seine Gedanken über das Laufen festgehalten. Vorab: Wer keine Anleitungen erwartet, aber dafür die Auseinandersetzung mit der Frage, was uns am Laufen hält, der wird nicht enttäuscht werden. Mir hat das Buch so gut gefallen, dass ich es an einem Vormittag durchgelesen hatte. Murakami hält sich zu Beginn nicht zurück. Ob er nun ehrlich etwas übers Laufen oder über sich selbst schreibt, das sei fast das Gleiche. In der Tat offenbart sich uns ja beim Laufen die eine oder andere Selbsterkenntnis und manchmal lohnt es sich eben, diese zu teilen. Genau das ist der Impuls des Buches. Dass der Autor liebevoll an seinem Discman festhält, die iPods in seiner Umgebung – vor allem bei den jungen gut aussehenden Studentinnen mit Pferdeschwanz – zwar wahrnimmt, er aber Laufen und Computer strickt getrennt sehen will, mutet im Zeitalter des Trackens und Teilens von Läufen in sozialen Netzwerken etwas aus der Zeit gefallen an, aber bis heute gibt es ja Puristen, die über diese Frage trefflich philosophieren.

Mich haben in der Tat all seine persönlichen Schilderungen sehr gefesselt. Ausführlich geht er auf sein Verhältnis zur Musik beim Laufen ein – auch ein beliebtes Thema. Und besonders gut hat mir das Kapitel über seinen Lauf von Athen nach Marathon gefallen. Spannend und unterhaltsam geschrieben. Man spürt die unerträgliche Hitze beim Lesen und leidet mit. Der Frage, was man beim Laufen denkt, geht er ebenfalls nach. Gar nichts zu denken, das hält er für unmöglich. Aber die Gedanken beim Laufen seien eben nicht zwingend zielführend und daher würde das Laufen eben helfen, uns zu entspannen. „Die Gedanken, die mir beim Laufen durch den Kopf gehen, sind wie die Wolken am Himmel. Wolken in verschiedenen Formen und Größen. Sie kommen und ziehen vorüber.“ Mehr Schriftsteller sollten laufen und darüber schreiben, denkt man bei solchen Sätzen. Und Sätze wie diesen findet man an vielen Stellen des Buches. Ehrlich gesagt habe ich als Politiker, der soziale Netzwerke intensiv nutzt auch einen Lieblingssatz im Buch, in dem ich mich wiederfinde: „Wenn ich unberechtigten Vorwürfen ausgesetzt bin (oder es zumindest so empfinde) oder wenn jemand, von dem ich erwarte, dass er mich akzeptiert, es nicht tut, laufe ich immer eine längere Strecke als sonst, um den Teil in mir, der sich unbehaglich fühlt, physisch zu erschöpfen. Dabei erkenne ich, wie begrenzt meine Fähigkeiten sind und wie schwach ich bin. Ich erfahre meine Begrenzungen. Zugleich gewinne ich durch diese längeren Läufe an Körperkraft.“ So ist es.

Daher wundert es nicht, dass der Zusammenhang von Laufen – also der körperlichen Betätigung – und der geistigen Arbeit als Schriftsteller breiten Raum einnimmt. Und die Empathie darf man nicht vergessen. Das Scheitern gehört nicht nur zum Leben, es gehört auch zum Laufen. Wer dann nicht nur einen „Runners Blue“ erlebt, sondern „mit Wärme angefeuert wird“, der kann sich glücklich schätzen. Der These Murakamis, dass das Laufen einen in die Lage versetzt, gelassener aber auch geistig leistungsfähig(er) zu sein, stimme ich voll zu. So empfinde ich es auch. Der letzte Satz des Buches soll auch die Buchbesprechung beschließen: „Zum Schluss möchte ich dieses Buch allen Läufern widmen, denen ich auf meinem Weg begegnet bin, die ich überholt habe und die mich überholt haben. Wenn ihr nicht gewesen wärt, wäre ich vielleicht nie weitergelaufen.“ Wie gesagt: So ist es.

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Kilian Jornet, Lauf oder stirb. Das Leben eines bedingungslosen Läufers

Ganz ehrlich. Nach den ersten Seiten wollte ich das Buch gleich wieder zur Seite legen. „Sport ist egoistisch, weil man egoistisch sein muss, um kämpfen und leiden zu können, um die Einsamkeit und die Hölle zu lieben. Stehenbleiben, husten, frieren, die Beine nicht mehr spüren, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Blessuren, Blut. Was gibt es Schöneres?“ Danach hatte ich keine Lust mehr weiterzulesen. Das ist weder mein Verständnis von Sport noch sind die beschriebenen Dinge „schön“. Aber wie beim Langstreckenlauf kann sich das Buch ja noch entwickeln, habe ich mir gedacht. Also weiter.

Kilian Jornet ist sicherlich das, was man einen Ausnahmeathleten nennt. Und deswegen sind seine Erfahrungen zwar bisweilen spannend zu lesen, für den „normalen“ Läufer gibt es aber neben Bewunderung und Faszination nur wenige Aspekte, die man für sich selbst entdecken kann. Dennoch – oh Wunder – findet man im Buch solche Passagen. Angesichts des Auf und Abs, des Leidens und der körperlichen wie seelischen Höhenflüge und Abstürze, an denen der Autor uns bei der Schilderung seiner vielen Ultraläufe von den Pyrenäen bis hin zum Kilimandscharo teilhaben lässt, passt das am Ende doch wieder gut zusammen. Zumindest mich ließ es beim Lesen aufhorchen, wenn ich neben den krassen Beschreibungen auch Stellen entdeckte, bei denen ich zu mir selbst sagen konnte: „So ist es.“ oder „Das kenne ich.“

Wie man mit Entscheidungen umzugehen lernt, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen ohne zurückzublicken, das beschreibt Kilian Jornet anhand seines Lebensweges. Das Laufen und der Ausdauersport schienen ihm in die Wiege gelegt. Dass er dabei den Sieg über andere so sehr in den Mittelpunkt rückt, unterscheidet ihn von vielen anderen die übers Laufen schreiben. Ist das nun ehrlicher? Oder macht diese von ihm selbst als solche beschriebene Sucht nach Siegen ihn überhaupt erst zu dem Ausnahmeathleten der er zweifellos ist? Diese Absolutheit, die mir zumindest mit Blick auf das Laufen so fremd ist, hat mich das Buch an dieser Stelle fast wieder zur Seite legen lassen. Aber nun gut. Ist man erstmal losgelaufen, dann ist umkehren auch blöd. Also weiter.

Spannend ist es, wenn er ausführlich die akribische Wettkampfvorbereitung beschreibt. Wer über 100 Kilometer am Stück läuft, der muss natürlich gut vorbereitet sein. Und dann schon wieder einer dieser Sätze: „Das morgendliche Aufstehen am Wettkampftag ist vergleichbar mit der Geburt und das Überqueren der Ziellinie mit dem Tod.“ Geht’s noch? Und irgendwie scheint er zu wissen, dass das keine normale Sicht auf die Dinge ist, denn auf Seite 55 dann neben spannenden Beschreibungen seiner Erfahrungen der erste aus meiner Sicht sinnvolle Satz über das Laufen an sich: Der Sieg über sich selbst, die Erfahrung, etwas, dass man selbst für unmöglich gehalten hat, zu schaffen, dass sei es schließlich, worauf es eigentlich ankomme beim Laufen.

Spannend und unterhaltsam sind die im weiteren Verlauf des Buches geschilderten Läufe: 40 Stunden und 270 Kilometer unterwegs zu sein, dass ist kaum vorstellbar. Für Kilian Jornet kein Problem. Staunend und gebannt liest man von seinen inneren Kämpfen und Triumphen über sich selbst und andere Gegner im Wettkampf. Und bevor er uns zu seinem Lauf von Atlantik zum Mittelmeer durch die Pyrenäen mitnimmt überrascht uns das Buch noch mit einer Liebesgeschichte. Auch das findet man in Büchern über das Laufen selten. An überraschenden Wendungen fehlt es also nicht.

Dann wieder eine dieser Stellen im Buch, die auch von Haruki Murakami hätte stammen können. Der Autor verläuft sich und muss umkehren. Er kommentiert diese Situation wie folgt: „Aber sind solche Momente tatsächlich verlorene Zeit? Wollen wir uns nicht verirren und – wie früher als Kinder – ganz eins werden mit dem Wald, all die Pflanzen und Tiere entdecken, so viel Lebendigkeit, um gleichzeitig auch etwas über uns, über unser innerstes Selbst zu erfahren?“ Am Schluss ist mein Urteil über das Buch nicht ganz so hart, wie anfänglich gedacht. Es war keine „verlorene Zeit“ und Kilian Jornet lässt den Leser in der Tat nah an sich heran. Mein Bezug zum Laufen ist aber ein gänzlich anderer. Darum wird es keinen besonderen Platz in meinem Bücherregal erringen.

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Joschka Fischer, Mein langer Lauf zu mir selbstIch gebe es zu: Wegen des Autors wollte ich das Buch unbedingt lesen. Der Weg zum Laufen und seine persönlichen Einschätzungen haben mich neugierig gemacht. Da ich selbst Politiker bin und gerne laufe, wird man zwangsläufig immer nach dem Buch von Fischer gefragt und ob man es denn gelesen habe. Diese Frage kann ich nun positiv beantworten.

Anlass, um sich wieder dem Sport zuzuwenden, ist bei Joschka Fischer eine persönliche Lebenskrise, das Ende einer Beziehung. Er selbst beschreibt sich als sportlich, war aber aufgrund seines Berufs als Politiker immer dicker geworden. Auf stattliche 112 Kilo hatte er zugenommen und den „Aktionsradius auf der Größe eines Bierdeckels“. Neidisch auf den drahtigen und zugleich deutlich älteren Heiner Geißler sei er gewesen, schreibt Fischer. Sehr treffend hat er dabei die täglichen Rituale und den Lebensstil im Umfeld des Parlaments und der Regierungszentrale – damals noch in Bonn – dargestellt. In Berlin ist die Zahl der parlamentarischen Abende und Empfänge mit gutem Essen und alkoholischen Getränken nicht geringer geworden. Die Zahl der Ausreden, warum man keine Zeit zum Sport hat, auch nicht. Die Erfahrung Fischers, dass gerade durch das Laufen sein Arbeitspensum höher, er konzentrierter und gelassener geworden sei, teile ich aus persönlicher Erfahrung. Es ist falsch zu behaupten, dass das Laufen oder der Sport Zeit koste. Das Gegenteil ist der Fall: Man gewinnt Zeit – egal ob man am Morgen läuft und frisch und hellwachem Kopf in den Tag startet oder ob man vor dem Nachtgebet eine Runde läuft und damit auch den Ärger des Tages hinter sich lässt.

Die biologischen und allgemein politischen Analysen Fischers will ich nicht näher bewerten und erörtern. Jeder möge diese Passage, die man so auch in anderen Büchern findet, selbst bewerten. Spannend fand ich seine Gedanken, wie er angesichts seiner Bekanntheit und öffentlichen Funktion mit dem Laufen umgehen sollte. Schließlich sei es unumgänglich, dass Journalisten seinen Gewichtsverlust bemerken würden, wenn er mit dem Laufen beginne, selbst wenn man diese selten morgens um 7 Uhr antreffe. Wie also damit umgehen, wenn er nicht mehr als „wandelndes Faß von Mensch“ erkennbar sein würde?

Fischer offenbart ein paar Eigenarten. So möchte er beim Laufen für sich sein und nicht mit anderen sprechen. Schließlich steigert er sich und die Pfunde purzeln. Bei einem Lauf mit einen Journalisten lässt es sich dann auch zu der Aussage hinreißen, einen Marathon laufen zu wollen. Mit der Hilfe von Herbert Stefny meistert er dann die Vorbereitung, die er exemplarisch schildert. Am Ende läuft er den Marathon deutlich unter vier Stunden. Respekt.  Auch dieser Lauf ist Teil seines „Laufs zu mir selbst“. Das hohe Lied auf „die tiefgreifende Änderung des persönlichen Programms“ und sein selbst gesetzter Anspruch und das hohe Maß an Zufriedenheit, dass aus den Zeilen spricht, wird leicht gemindert, wenn man bedenkt, dass Fischer inzwischen sein persönliches Programm offensichtlich wieder geändert hat. Ob die Zwänge des Amtes als Außenminister dabei zu stark waren, kann ich nicht beurteilen. Auf jeden Fall zeigt es, dass man gerade als Leistungsträger in der modernen Gesellschaft auch die körperliche Fitness im Auge behalten muss, um den Herausforderungen gewachsen zu sein. Christopher McDougall würde an dieser Stelle darauf hinweisen, dass auch Nelson Mandela und Abraham Lincoln regelmäßig gelaufen sind. Das Buch von Joschka Fischer liest sich schnell und flüssig und beinhaltet ein paar schöne Anekdoten, wie die Begleitung durch einen Boulevardjournalisten während des Hamburg Marathons, der unterwegs die Redaktion per Handy auf dem Laufenden hielt , aber keine grundlegenden Erkenntnisse über das Laufen.

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Christopher McDougall, Born to run. Ein vergessenes Volk und das Geheimnis der besten und glücklichsten Läufer der Welt.

Gleich vorweg: Das bisher umfassendste und beste Buch über das Laufen, dass ich bis dato gelesen habe. Am Anfang habe ich gedacht: Was schreibt der Mann da? Wer ist Caballo Blanco und wer sind die Tarahumara? Daraus wurde dann die wildeste Geschichte über ein in der Tat vergessenes Volk gespickt mit Fakten und klugen Gedanken rund ums Laufen. Wenn ich eine Zusammenfassung liefern wollte, würde das den von mir gesetzten Rahmen sprengen. Roger Bannister, britischer Mittelstreckenläufer, der auch zitiert wird, hat die Quintessenz des Buches gut in eigenen Worten zusammengefasst: „Wenn die Sonne aufgeht, fängst du am besten an zu laufen.“ Wer sich von dem Buch philosophischen Gedanken über das Laufen erhofft, der wird genauso wenig enttäuscht sein, wie derjenige, der auf spannende Anekdoten aus der Laufgeschichte der Jetztzeit aus ist.

Ganz nebenbei wird biologisch fundiert erklärt, warum der legendäre Emil Zapotek mit seinem Satz „Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft“ recht hatte und wieso der Homo Sapiens nicht nur dem Neandertaler, sondern auch nahezu allen anderen Säugetieren überlegen war und ist: Er konnte und kann (Dank McDonalds und Nike nur noch eingeschränkt) länger laufen. Darum gewinnt beim jährlich im Oktober in Arizona stattfindenden Wettlauf zwischen Mensch und Pferd über die Distanz von 80 Kilometern auch regelmäßig ein Mensch. Wer hätte das gedacht? Für ungläubiges Stauen sorgt da Buch auf jeden Fall an vielen verschiedenen Stellen.

Wer jetzt noch eine Erklärung für die steile These des Buches, dass die modernen Laufschuhe Verletzungen eher gefördert haben als für gesundes Laufen sorgten, der muss das Buch wirklich lesen. Es ist das umfangreichste und spannendste der vier hier vorgestellten Bücher. Und mein kürzester Text. Das Buch muß man einfach selbst lesen, wenn man gerne läuft. Ich laufe gerne. Nach dem Buch werdet ihr euch in eurer Leidenschaft für das Laufen bestätigt sehen oder zumindest neugierig darauf geworden sein, was ihr durch das Laufen über euch selbst erfahren könntet. Darum hat am Ende des Blogposts auch Caballo das Wort: „Laufen sollte nicht dazu da sein, die Menschen irgendwelches Zeug kaufen zu lassen. Laufen sollte nichts kosten, Mann.“

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Die Bürokratie schlägt zurück

Zwei Termine und eine Vielzahl von Eindrücken und die Erkenntnis: Wir Deutschen können offensichtlich nicht aus unserer Haut.

Ich habe die Erstaufnahmeeinrichtung in Hanau sowie das Jugendhilfezentrum Don Bosco in Sannerz besucht. Mir war wichtig zu erfahren, wie die tägliche Arbeit mit Flüchtlingen aussieht, was inzwischen gut funktioniert und wo wir noch besser werden müssen.

Meine erste Erkenntnis: Die Einsatzbereitschaft sowohl der Fachleute in den Einrichtungen als auch der ehrenamtlichen Helfer ist nach wie vor groß. Das ist gut, denn leider kommen sie in der öffentlichen Diskussion kaum zu Wort und finden zu wenig Aufmerksamkeit. Laut hingegen sind die ganzen Meckerer und Leute, die – sich hinter vielen Sorgen versteckend – oft in Wahrheit einfach ausländerfeindlich sind, am liebsten keinen einzigen fremd aussehenden Flüchtling hier haben wollen und dabei den Art. 1 des Grundgesetzes geflissentlich ignorieren.

Besuch des Jugendhilfezentrums Don Bosco während der Sommertour 2016 in Schlüchtern.  (Foto: Tobias Koch)

Besuch des Jugendhilfezentrums Don Bosco während der Sommertour 2016 in Sinntal. (Foto: Tobias Koch)

Die zweite Erkenntnis: Die übergroße Zahl der Flüchtlinge bringt eine hohe Bereitschaft zur Integration mit. Sie wollen Deutsch lernen, sie wollen eine Ausbildung machen, sie wollen etwas zurückgeben. Das trifft beispielsweise auf die sieben jungen Männer aus Eritrea, Somalia und Afghanistan zu, die ich in Sannerz kennengelernt habe. Ein Jahr lang haben sie sich in einem Orientierungskurs des Jugendhilfezentrums Don Bosco in Kooperation mit der Berufsschule auf eine Ausbildung zum Schreiner vorbereitet. Das handwerkliche Geschick ist vorhanden, erste Deutschkenntnisse ebenfalls und die Motivation ist hoch, das hat mir der Werkstattleiter berichtet. Allein: Aufgrund bürokratischer Hürden mangelt es derzeit an einem passenden Qualifizierungsangebot, weil sich die Behörden über die Finanzierung nicht einig werden. Das kann aus meiner Sicht nicht sein. Wir dürfen diese jungen Menschen sich nicht alleine überlassen, sondern müssen dafür sorgen, dass sie mit einer entsprechenden Ausbildung selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen können. Tun wir es doch, werden wir die negativen Konsequenzen am Ende alle zu spüren bekommen.

Besuch des Jugendhilfezentrums Don Bosco während der Sommertour 2016 in Schlüchtern.  (Foto: Tobias Koch)

Besuch des Jugendhilfezentrums Don Bosco während der Sommertour 2016 in Sinntal. (Foto: Tobias Koch)

Die dritte Erkenntnis: die Bürokratie schlägt zurück. Ich hatte gehofft, dass wir nach der schwierigen Situation im Oktober, November und Dezember, wo wir viele Verordnungen und bürokratische Vorschriften beiseiteschieben mussten, um schnell und effektiv zu handeln, mal ernsthaft überlegen, welche dieser nicht angewandten Regeln in Wahrheit überflüssig sind und abgeschafft gehören. Alle mit denen ich sprach schildern mir aber das Gegenteil. Da werden Parallelstrukturen aufgebaut, weil für die Erstaufnahmeeinrichtungen das Land verantwortlich zeichnet, die so genannten „Kontingentflüchtlinge“ aber von den Kommunen betreut werden, und vorhandene Synergiepotenziale, beispielsweise bei simplen Dingen wie dem passenden Raumangebot für Deutschkurse – aus reinem Formalismus heraus nicht genutzt werden. Kluge Aktionen vor Ort wie die „Bäderlotsen“ für Hanauer Schwimmbäder enden für Organisatoren und Teilnehmer in einem Wust aus Bürokratie. Das bringt uns aus meiner Sicht keinen Millimeter weiter. Das können wir besser!

Und dann sind da noch die berührenden Momente, wenn aus der abstrakten „Flüchtlingskrise“ plötzlich Einzelschicksale werden, wenn Themen wie Krieg, Flucht und Vertreibung plötzlich in einem idyllischen Ort wie Sannerz ganz nah erscheinen. So hat mich die nur auf den ersten Blick simple die Antwort, die mir die bereits eingangs erwähnten jungen Männer auf meine Frage, was sie sich vor ihrer Flucht von einem Leben in Europa erhofft haben, gegeben haben, sehr bewegt: „Frieden“. So einfach ist das. Und für Millionen Menschen auf dieser Erde dennoch oft unerreichbar.

Sprachunterricht in der Erstaufnahme Einrichtung für Flüchtlinge in Hanau. (Foto: Tobias Koch)

Sprachunterricht in der Erstaufnahme Einrichtung für Flüchtlinge in Hanau. (Foto: Tobias Koch)

Ich habe die Jungs am Schluss gefragt, was ihnen gut an Deutschland gefällt und was nicht. Es gab nichts Negatives. Wir haben dann noch zweimal nachgefragt. Wieder Schulterzucken. Mein Freund Günter Frenz meinte dann: „Jetzt hört mal auf zu fragen, was bei uns schlecht ist. Ist doch schön, wenn jemand unser Land einfach mal gut findet. Wir selber meckern schon genug.“ Da hat er Recht.

 

Das war meine Praktikumswoche

Wie schon im letzten Jahr, habe ich auch in diesem Sommer wieder eine Praktikumswoche gemacht. Jeden Tag habe ich in einem anderen Betrieb oder einer anderen Einrichtung hospitiert und dort mit angepackt, wo gerade eine helfende Hand gebraucht wurde. In vier Bundesländern standen ganz unterschiedliche Stationen auf dem Programm. Viele Leute hatten mir dazu bei Facebook konkrete Vorschläge geschickt. Nicht alle Anregungen konnte ich aufgreifen, aber doch wenigstens ein paar.

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Mein Praktikumstag am Montag auf dem Hofgut Marjoß (Foto: Ruppert)

Los ging es am vergangenen Montag im Hofgut Marjoß, einer Einrichtung des Behinderten-Werks Main-Kinzig e.V., in meinem Wahlkreis. Dort habe ich beim Füttern und Ausmisten sowie beim Sammeln, Sortieren und Stempeln der Bioland-Eier geholfen. Rund 50 Menschen mit Handicap sind auf dem Hofgut beschäftigt. Beeindruckt hat mich, mit wieviel Konzentration und Ernsthaftigkeit alle bei der Sache waren und ihre Aufgaben dennoch immer mit einem Lächeln auf den Lippen erledigt haben. Wir als CDU wollen die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt weiter ausbauen. Daher hat die unionsgeführte Bundesregierung im vergangenen Jahr ein Sonderprogramm zum Ausbau der bislang bestehenden rund 800 Integrationsbetriebe deutschlandweit auf den Weg gebracht. Für die Schaffung von rund 5.000 neuen Arbeitsplätzen stehen in den Jahren 2015 bis 2017 jeweils 50 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Selbstbestimmung und Teilhabe am Arbeitsmarkt stehen auch im Mittelpunkt der Reform des Bundesteilhabegesetzes, über die wir im Herbst im Bundestag entscheiden. Dafür werden unter anderem die Kommunen ab dem Jahr 2018 jährlich um rund 5 Milliarden Euro finanziell entlastet. Aus meiner Sicht ein richtiger und wichtiger Schritt, denn Integrationsbetriebe wie das Hofgut Marjoß, wo die Menschen gezielt gemäß ihrer Talente und Neigungen gefördert werden, bilden eine wichtige Brücke in den ersten Arbeitsmarkt. Der Weg dorthin ist bereits einigen ehemaligen Hofgut-Mitarbeitern gelungen, wie mir Leiter Dietrich Hunsmann berichtet hat. Eine echte Erfolgsgeschichte, auf die alle Beteiligten zu Recht stolz sein können.

Schweißtreibend ging es am Dienstag beim Straßenbauunternehmen Strassing-Limes (Foto: Wiegelmann)

Schweißtreibend ging es am Dienstag beim Straßenbauunternehmen Strassing-Limes (Foto: Wiegelmann)

Am Dienstag wurde es dann richtig schweißtreibend. Neben einigen Schwielen an den Händen gab es noch einen heftigen Sonnenbrand. Einen Tag lang war ich bei einem Straßenbauunternehmen in meinem Wahlkreis tätig. Meine Schicht begann um 7 Uhr in der Fahrzeug- und Gerätewerkstatt des Bauunternehmens. Meine Aufgabe war es, das Team bei einer umfassenden Überprüfung und Wartung eines Pritschenwagens zu unterstützen. Das ist vor jedem Einsatz zwingend erforderlich, damit es auf den Baustellen später nicht zu Verzögerungen kommt. Am Mittag ging es dann zu einer Baustelle nach Kefenrod. Dort durfte ich in einer Asphaltkolonne mitarbeiten. Es ist spannend zu sehen, wie viele Arbeitsschritte alleine beim oberen Straßenbelag notwendig sind und welche Fallstricke beim Asphaltieren drohen. So darf beispielsweise der Asphalt trotz weiter Anfahrten zur Baustelle beim Verarbeiten in keinem Falle kälter als 110 °C sein. Damit der Verkehr demnächst nicht nur wieder in Kefenrod problemlos fließt, sondern in ganz Deutschland, hat die CDU-geführte Bundesregierung die Mittel für Verkehrsinvestitionen auf Rekordniveau erhöht: Bis zum Jahre 2018 steigen sie um rund 40 Prozent gegenüber 2014. Das zeigt: Wir bringen unser Land voran. Denn ungehinderte Mobilität ist für unser privates wie berufliches Leben unabdingbar.

Zwischenstopp in Berlin an meinem dritten Praktikumstag bei der Jugendberufshilfe und der Volkshochschule (Foto: Blind)

Zwischenstopp in Berlin an meinem dritten Praktikumstag bei der Jugendberufshilfe und der Volkshochschule (Foto: Blind)

An meinem dritten Praktikumstag habe ich bei zwei verschiedenen Einrichtungen hospitiert. Den Vormittag verbrachte ich bei der Jugendberufshilfe der „Neues Wohnen im Kiez GmbH“ in Berlin-Friedrichshain. Dorthin werden Jugendliche übers Jugendamt oder Jobcenter vermittelt, um ihnen Ausbildungsperspektiven zu eröffnen. In zwei Bereichen arbeiten dort junge Leute zwischen 16 und 23 Jahre: Hauswirtschaft und Malerei. Das Angebot ist auch offen für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Neben dem Schnippeln von Gemüse und Malereiarbeiten konnte ich mit den engagierten Mitarbeitern der Einrichtung auch darüber reden, wie die Jugendhilfe in Zukunft aufgestellt sein sollte. Nach diesem spannenden Einblick in einen wichtigen, häufig zu wenig beachteten Bereich, war ich noch bei der Volkshochschule in Berlin-Mitte. Dort habe ich an einem Integrationskurs teilgenommen. Die sechstgrößte VHS in Deutschland verfügt über eine langjährige Erfahrung in der Integrationsarbeit, wie man an vielen positiven Beispielen sieht: Integrationskurs-Zeugnisse werden feierlich überreicht, es  gibt berufsbezogene Deutschkurse in Verbindung mit Betriebspraktika. In dem Kurs, den ich besuchte, lernen Teilnehmer unter anderem aus Syrien, Aserbaidschan, China, Neuseeland und Polen. Wir haben ausführlich über gesellschaftliches Zusammenleben, Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie religiöse Vielfalt diskutiert. Besonders hat mich das große Engagement der Teilnehmer, ihre Freude am Lernen und die schon sehr guten Deutschkenntnisse beeindruckt – und mit wie viel Begeisterung sie ihr neues Leben in Deutschland aufbauen wollen. Ich habe die Gruppe eingeladen, sie im Herbst mal durch den Bundestag zu führen.

Im Marine Science Center im Ostseebad Warnemünde (Foto: Blind)

Im Marine Science Center im Ostseebad Warnemünde (Foto: Blind)

Am Donnerstag war ich im Marine Science Center im Ostseebad Warnemünde. Dort erforscht eine Arbeitsgruppe des Instituts für Biowissenschaften der Uni Rostock die Sinnessysteme und kognitiven Fähigkeiten von Meeressäugern, also Seehunden, Seelöwen und Seebären. Zunächst stellte mir Arbeitsgruppenleiter Prof. Dr. Guido Dehnhardt die Einrichtung vor. Sie ist die größte Haltungsanlage dieser Art weltweit. Rund 15 Mitarbeiter sind dort tätig, die zwölf Tiere sind wirklich Teil des Teams. Besucher können auf dem Schiff in Warnemünde Forschung hautnah erleben. Über 40.000 kommen jedes Jahr, darunter viele junge Leute. Die Einrichtung ist damit auch eine Werbeplattform für naturwissenschaftliches Arbeiten. Nach der Einführung hieß es, selbst mit anzupacken. Jeder macht hier alles – ob Putzen der Anlage, Vorbereitung des Fisches oder Fütterung. Am Mittag stand dann die Begleitung der Forschungsarbeit auf dem Programm. Ich konnte den jungen Wissenschaftlern bei verschiedenen akustischen Versuchen über die Schulter schauen. Die Arbeit des Marine Science Center hat mich tief beeindruckt. Und sie ist ein schöner Beleg, für die Vielfalt und Attraktivität des Forschungsstandorts Deutschland.

Abschluss der Praktikumswoche am Freitag bei Bahlsen in Hanover (Foto: Blind)

Abschluss der Praktikumswoche am Freitag bei Bahlsen in Varel (Foto: Blind)

Das letzte Unternehmen meiner Praktikumswoche wäre für das Krümelmonster das Paradies gewesen! Und ich hatte auch einen tollen und spannenden Tag: Ab sechs Uhr habe ich eine Schicht in der Keksproduktion von Bahlsen im niedersächsischen Varel mitgemacht. Das dortige Werk ist einer von drei Standorten in Deutschland. Jedes Jahr produzieren die 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Varel rund 25.000 Tonnen Kekse und Kuchen. Zunächst konnte ich mir – nach der obligatorischen Einweisung in die Hygienevorschriften – die gesamte Produktionskette von der Teigherstellung über das Backen und Verzieren bis hin zur Verpackung anschauen. Bei der letzten Station durfte ich dann selbst mit Hand anlegen und die einzelnen Kekstüten in Kartons packen und diese auf Paletten stapeln. Bei den vielen Gesprächen mit den temporären Kolleginnen und Kollegen war die große Verbundenheit mit dem Unternehmen förmlich zu spüren. Das liegt sicher auch daran, dass Bahlsen ein Familienunternehmen ist. Ich finde: Wir können stolz sein auf unsere starken Familienunternehmen – und wir als CDU wollen gute Rahmenbedingungen schaffen, damit sie auch weiterhin erfolgreich arbeiten können.

Zum Abschluss möchte ich allen danken, die mir diese spannende und informative Woche ermöglicht haben – also den Menschen in den Betrieben und Einrichtungen, die mir so viel erklärt und gezeigt haben, die mich in ihre Arbeit einbezogen haben, die das offene Gespräch gesucht haben, die auch mal ein Auge zugedrückt haben, wenn ich Anfängerfehler gemacht habe. Die Praktikumswoche war wieder eine sehr tolle und wichtige Erfahrung, aus der ich für meine politische Arbeit in Berlin viele Anregungen mitgenommen habe.