SCHWARZER PETER

Dein Jahr für Deutschland – Freiwilliger Wehrdienst im Heimatschutz

Als die Bundeswehr im Sommer den neuen „Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz“ (FWD-HSch) im Juni vorgestellt hat, da gab es eine Fülle von kritischen Nachfragen. In der Tat steht die Bundeswehr ja vor vielen Herausforderungen. Die materielle Einsatzbereitschaft hat nicht den Stand, der wünschenswert wäre, trotz steigender Zahlen ist der Haushalt noch nicht ausreichend, um alle notwendigen Rüstungsvorhaben zu finanzieren und die Rekrutierung ist angesichts der Demographie eine weitere spannende Aufgabe. Zudem gibt es bereits einen Freiwilligen Wehrdienst. Warum also eine weitere Form? Was ist der Mehrwert? Einige der zahlreichen Fragen will ich hier in Kürze beantworten.

Wofür brauchen wir eine neue Form des Freiwilligen Wehrdienstes?

Die Bundeswehr wächst – in der Zukunft sollen 203.000 Männer und Frauen Uniform tragen. Darüber hinaus plant die Bundeswehr mit einer Reserve von 100.000 Soldatinnen und Soldaten. Diese Zahlen ergeben sich aus den Schlussfolgerungen des Weißbuchs der Bundesregierung, der Konzeption der Bundeswehr, dem Fähigkeitsprofil unserer Streitkräfte und der Strategie der Reserve. Mit einer Grundbeorderung der ausgeschiedenen Zeit- und Berufssoldaten wird man die Aufwuchsfähigkeit der Bundeswehr und die Einsatzbereitschaft der Reserve alleine nicht gewährleisten können. Der FWD-HSch ist ein Mittel, um den notwendigen militärischen Bedarf an Soldatinnen und Soldaten in der Territorialen Reserve zu generieren.

Was ist der Unterschied zum etablierten Freiwilligen Wehrdienst?

Schon heute leisten rund 8.000 junge Männer und Frauen einen Freiwilligen Wehrdienst. Die Dauer des Dienstes variiert stark – genauso wie die Aufgaben, in denen die so genannten FWDL’er eingesetzt werden.

Die Soldaten im FWD-HSch werden gezielt für die Aufgaben im Heimatschutz ausgebildet – klassisch in den Fähigkeiten eines Wach- und Sicherungssoldaten –, heimatnah beordert und ihre aktive Dienstzeit ist auf sieben Monate beschränkt. Weitere fünf Monate dienen sie im Laufe der folgenden Jahre in den aus den Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanien aufwachsenden Heimatschutzkompanien und Heimatschutzbataillonen. Die Übungen finden jeweils in unterschiedlichem Zeitrahmen und Dauer statt.

Die freiwillig Wehrdienstleistenden im Heimatschutz werde nach drei Monaten Allgemeine Grundausbildung und vier Monaten Spezialausbildung Heimatschutz in die Reserve überführt. Die verbliebenen fünf Monate Dienstzeit sollen heimatnah und zeitlich flexibel gestaltet werden. Die Gesamtdauer des FWD-HSch beträgt somit zwölf Monate.

Was bedeutet „Heimatschutz“ und warum wird die Regionalität so betont?

Der Heimatschutz ist eine von mehreren wichtigen Aufgaben der Bundeswehr, die in der Konzeption der Bundeswehr beschrieben werden. Neben der nationalen Krisen- und Risikovorsorge und den subsidiären Unterstützungsleistungen in Deutschland trägt der Heimatschutz zur gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge und zur Resilienz von Staat und Gesellschaft bei.

Naturkatastrophen und besonders schwere Unglücksfälle in den vergangenen Jahren in Deutschland haben gezeigt, dass die Bundeswehr nicht nur im Rahmen des internationalen Krisenmanagements mit aktiven militärischen Beiträgen wichtige Unterstützung leisten muss. Hochwasser, schwere Wald- und Moorbrände, heftige Schneefälle mit weitreichenden Folgen für Mensch, Tier und Infrastruktur und nicht zuletzt die aktuelle Corona-Pandemie: Die Bundeswehr packt auch innerhalb Deutschlands mit an, schnell einsatzbereit und durchhaltefähig, wo immer nötig, und innerhalb der Vorgaben des Grundgesetzes.

Wir wissen, dass für viele, die sich für einen Dienst in den Streitkräften interessieren, eine enge Bindung zu ihrer unmittelbaren Heimat wichtig ist. In der Territorialen Reserve kann sichergestellt werden, dass die Reservisten in ihren regionalen Heimatschutzverbänden beordert werden.

Gibt es genug Bewerberinnen und Bewerber für den FWD-HSch?

Die Bewerberzahlen sind schon jetzt sehr gut, obwohl der Startschuss erst am 1. April 2021 fällt. Derzeit finden die ersten Beratungsgespräche statt und die Karrierecenter der Bundeswehr sind vorbereitet, alle Fragen rund um den neuen Dienst zu beantworten. Wir gehen davon aus, dass der Dienst aufgrund der zeitlichen Konzeption, der Unterteilung in aktive Dienstzeit und Reservedienst, dauerhaft attraktiv ist. Ergänzend ist die Möglichkeit, den Reservedienst heimatnah zu absolvieren, für viele ein Attraktivitätsfaktor.

Warum wird nicht gleich die Wehrpflicht wieder eingeführt?

Die Wehrpflicht ist nicht abgeschafft, sondern lediglich ausgesetzt. Die Sicherheitslage macht derzeit die Heranziehung von Wehrpflichtigen nicht notwendig. Hinzu kommt, dass viele Waffensysteme, wie zum Beispiel der neue Schützenpanzer PUMA eine Komplexität haben, die den Einsatz von Wehrpflichten in einer Dienstzeit von 12 Monaten nahezu verunmöglicht.

Außerdem würden sich viele Fragen stellen, wenn die Bundeswehr künftig wieder Wehrpflichtige heranziehen würde: Sollten dann nicht auch die Frauen gleichberechtigt neben den Männern einen Wehrdienst leisten? Diese Frage würde sicher mit Ja beantwortet werden. Daraus folgt, dass jedes Jahr rund 800.000 Rekrutinnen und Rekruten gemustert werden müssten. Die Bundeswehr hat weder einen Bedarf an einer solch hohen Zahl an Soldatinnen und Soldaten noch die Ausbildungskapazitäten. Viele verbinden zudem mit dem Ruf nach der Wehrpflicht die Idee, den Zusammenhalt in der Gesellschaft und das Miteinander zu stärken. Das sind wichtige Ziele, aber die Wehrpflicht ist zunächst ein sicherheitspolitisches Instrument. Wenn man den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken will, dann sollte man besser über die Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht, die ihren Schwerpunkt in sozialen Aufgaben hat, aber auch eine Dienstmöglichkeit in den Streitkräften enthalten könnte, diskutieren.

Warum sollen sich junge Menschen für einen solchen Dienst überhaupt begeistern?

Viele junge Menschen wollen einen Dienst für unser Land leisten. Und im zivilen Bereich kann man das ja bereits mit dem Bundesfreiwilligendienst oder dem klassischen Freiwilligen Sozialen Jahr. Aber unsere Freiheit muss im Zweifel verteidigt werden. Die Erweiterung des Freiwilligen Wehrdienstes um eine Version, die andere Vorstellungen und Lebensplanungen von jungen Menschen abbildet, ist daher nur konsequent.

Was genau beinhaltet die Ausbildung im Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz?

Die Ausbildung besteht zunächst aus einer dreimonatigen Grundausbildung an einem von insgesamt elf Grundausbildungsstandorte. Diese sind deutschlandweit verteilt und sollen die Rekrutinnen und Rekruten möglichst heimatnah ausbilden. Nach der Grundausbildung folgt die viermonatige Spezialausbildung. Diese Spezialausbildung besteht aus zwei Anteilen. Ein Teil ist die Ausbildung „Heimatschutz“ mit den Schwerpunkten Wach- und Sicherungsaufgaben sowie ABC-Abwehr und Feldjägerdienst. Sie findet an den Ausbildungsstützpunkten Wildflecken, Berlin und Delmenhorst statt. Der zweite Teil ist die Ausbildung an den jeweiligen Landeskommandos der Heimatbundesländer der Rekrutinnen und Rekruten. Hier liegt der Schwerpunkt auf den regionalen Besonderheiten im Bundesland. Anschließend folgt der Dienst in Heimatnähe der freiwillig Wehrdienstleistenden. Dieser dauert insgesamt fünf Monate, die sich nach Absprache phasenweise auf die folgenden sechs Jahre aufteilen lassen.

Weitere Fragen zum Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz?

Bei weiteren Fragen zum FWD-Hsch – von der Besoldung bis hin zur Möglichkeit der Weiterverpflichtung –  empfehle ich die Internetangebote der Bundeswehr. Antworten gibt es beispielsweise hier.

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