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Eine digitale Agenda für Deutschland

Derzeit schreiben alle Parteien fleißig an ihren Wahlprogrammen. Ich beteilige mich an verschiedenen Stellen auch an der Gestaltung des Wahlprogramms der CDU. Neben dem u.a. von mir mit gestarteten Vorstoß zur  Vereinfachung des Steuersystems möchte ich auch weitere  Impulse für die Weiterentwicklung der Freiwilligendienste setzen, denn ich finde, der Bundesfreiwilligendienst und der Ausbau der Jugendfreiwilligendienste sind Meilensteine der Gesellschaftspolitik in den letzten vier Jahren und echte Erfolge unserer Politik. Ein weiterer Punkt ist die eigenständige Jugendpolitik, die wir als Union maßgeblich vorangetrieben haben.

2013-03-21-Keynotespeaker Tauber

Ganz besonders interessiert mich aber das Wahlprogramm von CDU/CSU mit Blick auf die digitale Zukunft unseres Landes. Als Netzpolitiker der Union und als Sprecher des cnetzes bringe ich mich gemeinsam mit anderen Freunden in die Debatte ein und bin zuversichtlich, dass wir ein paar spannende Vorschläge und Eckpunkte im Wahlprogramm der Unionsparteien verankern können.

Ich bin der Überzeugung, dass wir ein digitales Weißbuch für Deutschland brauchen. Was verbirgt sich hinter dieses Idee? Darauf will ich hier etwas näher eingehen, aber zunächst zwei andere Punkte aus dem Wahlprogramm für ein digitales Deutschland ansprechen, die ich für wesentlich halte. Wir brauchen im deutschen Parlament ein Gremium, das sich explizit mit Netzpolitik beschäftigt. Die Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft, der ich angehört habe, war ein Schritt in diese Richtung. Nun müssen wir den nächsten Schritt gehen. Ideal wäre es, wenn der Bundestag in der nächsten Legislaturperiode einen Ausschuss einrichtet. Ein Kollege aus meiner Fraktion hatte diesen Vorschlag gemacht, den sich die Enquete-Kommission in ihren Handlungsempfehlungen zu eigen gemacht hatte..

Ein zweiter wichtiger Punkt ist eine andere Form der Koordinierung der verschiedenen netzpolitischen Vorhaben und Aufgaben. Darum bin ich dafür, im Kanzleramt eine entsprechende Schnittstelle einzurichten, in der eine Bündelung und Koordinierung der deutschen Netzpolitik erfolgt.  Ein Staatsminister für Netzpolitik im Kanzleramt ist eine Lösung. Wir brauchen eben nicht nur eine Sensibilisierung für netzpolitische Fragen in den einzelnen Ministerien, sondern auch eine engere Abstimmung zwischen den verschiedenen Häusern. Damit ist es aber nicht getan.

Wir brauchen eine digitale Agenda für Deutschland. Wir müssen wissen, wo wir hinwollen. Darum bin ich dafür, dass wir ein digitales Weißbuch schreiben. Ein solches Vorhaben hat viele Vorteile.

  1. Wir können auf der Basis eines Multi-Stakeholder-Ansatzes alle gesellschaftlich relevanten Gruppen aus Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft einbinden, um Ziele für die Digitalisierung Deutschlands festzulegen.
  2. Wir schaffen ein öffentliches Bewusstsein, dass die Digitalisierung eine gemeinsame Aufgabe für Deutschland ist. Eine regelmäßige Bestandsaufnahme hilft, künftige Entwicklungsziele zu definieren.
  3. Wir bestimmen Handlungsfelder und definieren Zielaufgaben. Wo steht Deutschland beim Breitbandausbau, bei der Medienkompetenz, bei Innovation und Forschung und der Digitalisierung von Bildungsprozessen?
  4. Wir können daraus Positionen ableiten, die Deutschland in Europa und beim IGF künftig vertritt. Es wird für die Zukunft wichtig sein, dass wir unsere Werte auch international vertreten.

Ein cyber white paper oder digitales Weißbuch würde sicherlich auch international für Aufmerksamkeit sorgen. Ich finde, die Arbeit daran würde sich lohnen. Bis zur Fertigstellung muss die Politik ja nicht stillstehen. Auf jeden Fall würde mich freuen, wenn die CDU sich dieses Ziel ins Wahlprogramm schreibt. Damit wäre die Arbeit der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft verstetigt und unser Land würde auf dem Weg in die digitale Zukunft enorm profitieren.

Eine Neuausrichtung der Jugendpolitik

In der zurückliegenden Sitzungswoche konnte ich ein langes „Projekt“ endlich abschließen: Ein von mir entworfener Antrag zur Jugendpolitik wurde in den Bundestag eingebracht. Dies hört sich für einen Abgeordneten erst einmal nicht ungewöhnlich an. Bis ein Antrag aber letztendlich alle Hürden übersprungen hat und „reif für das Plenum“ ist – dauert es einige Zeit… und kostet viele Mühen. Zunächst einmal gilt es die Fraktion zu überzeugen, dass das eigene Thema so wichtig ist, dass es verdient, im Bundestag und in den Ausschüssen beraten zu werden. Dann geht es an die Arbeit und die Verfasser beginnen, den Antrag zu formulieren. Oft bringt die christlich-liberale Koalition gemeinsam Anträge ein, d.h., dass ich mich mit meinem Kollegen Florian Bernschneider, mit dem ich mich sehr gut verstehe, zusammengesetzt habe und wir darüber gesprochen haben, welche Punkte in wir in den Antrag aufgreifen wollen. Damit ist es nicht getan. Oft berühren die Inhalte des Antrags auch andere Fachbereiche, so dass wir uns mit den dort zuständigen Kolleginnen und Kollegen abstimmen und sie von unseren Ideen überzeugen müssen. Und ganz besonders „gefürchtet“ sind bei Union und FDP die Haushaltspolitiker, die peinlich genau darauf achten, dass die Vorstellungen der Abgeordneten mit den Vorgaben der Schuldenbremse und der Konsolidierung der Haushalte konform gehen.

Worum ging es nun in dem von mir mitverfassten Antrag? Gemeinsam mit meinem Kollegen Florian Bernschneider hatte ich mir zum Ziel gesetzt, in dieser Wahlperiode einen Antrag in den Bundestag einzubringen, der sich mit der Neuausrichtung der Jugendpolitik in Deutschland beschäftigt. Über lange Zeit wurde Jugendpolitik immer als Kriseninstrument betrachtet. Im Mittelpunkt der Jugendpolitik standen Jugendliche in schwierigen Lebenslagen – Sucht, Arbeitslosigkeit, Gewalt, keinen Schulabschluss. Sich dieser jungen Menschen anzunehmen und über Hilfsmaßnahmen zu reden ist richtig, doch über viele Jahre ging dabei der Blick für die Belange und Bedürfnisse von Jugendlichen, die keiner „Problemgruppe“ zuzuordnen waren verloren. Nach unserem Verständnis ist es aber auch Aufgabe der Politik, diesen jungen Menschen zu helfen, selbstbestimmt ihren Weg gehen und Verantwortung zu übernehmen, etwas über sich und die Welt zu lernen. Darum haben wir beispielsweise die Jugendfreiwilligendienste als Lerndienste massiv ausgebaut.

Wir sind der Meinung, dass Jugendpolitik für alle Jugendlichen da sein muss und wollen daher entsprechende Änderungen in den jugendpolitischen Konzepten auf den Weg bringen. Von fachlicher Seite erfährt dieser Ansatz großen Zuspruch, was uns natürlich freut. Dazu gehört auch, die Kinder- und die Jugendpolitik als eigenständige Bereiche zu betrachten und nicht zu vermischen. Ein entscheidender Ansatzpunkt ist dabei der Kinder- und Jugendplan des Bundes als zentralem Förderinstrument, in dem die Lebenswirklichkeit der jungen Menschen in Deutschland abgebildet werden muss. Uns ist dabei besonders wichtig, Lösungen nicht auf dem Reißbrett zu entwickeln und auf alle Jugendlichen zu übertragen, sondern die vielen verschiedenen Lebenswirklichkeiten junger Menschen gleichberechtigt zu berücksichtigen. Dazu haben wir Vorschläge gemacht, um die Beteiligung der Jugendlichen an Entscheidungen, die sie betreffen, zu verbessern.

CDU/CSU und FDP fordern einen Laptop für jeden SchülerEin weiterer wichtiger Aspekt, mit dem wir uns auseinander gesetzt haben, ist die Frage, wie Jugendpolitik auf die Digitalisierung unserer Gesellschaft reagieren muss. Ein nicht zu unterschätzender Teil der Lebenswelt junger Menschen spielt sich heute in sozialen Netzwerken ab. Längst ist das Internet keine fragwürdige Freizeitbeschäftigung junger Leute, sondern fester Bestandteil der Lebenswirklichkeit. Das „Internet der Dinge“ ist aus unserer Arbeitswelt schon gar nicht mehr wegzudenken. Dies darf nicht spurlos an unserer Jugend- und Bildungspolitik vorbei gehen. Ein Vorschlag, der mir in diesem Zusammenhang besonders wichtig war, ist die Forderung, zukünftig jeder Schülerin und jedem Schüler ein Laptop bereit zu stellen, damit die jungen Menschen gleichberechtigt Erfahrungen mit der multimedialen Welt sammeln und Medienkompetenz in der Schule erlangen können.

Es hat mich sehr gefreut, innerhalb meiner Fraktion sehr viel Zustimmung zu erhalten und bin sehr zuversichtlich, dass der Antrag positive Auswirkungen auf unsere zukünftige Jugendpolitik haben wird. Nun stehen die Beratungen im Ausschuss an. Auf meine Rede im Bundestag zur Einbringung des Antrags hatte ich mich schon gefreut. Doch zu früh. Leider war der Tagesordnungspunkt so spät angesetzt, dass aufgrund der Verzögerung der vorangegangenen Punkte die Rede „nur“ zu Protokoll gegeben wurde. Nun gut. Ich bin zuversichtlich, dass der Antrag am Ende auch beschlossen wird. Und damit haben wir etwas Gutes für die junge Generation auf den Weg gebracht.

Sie können den Antragstext auch auf meiner Internetseite unter www.petertauber.de nachlesen

Vor der 15. Bundesversammlung

Für mich als Historiker ist es das letzte Mal ein besonderes Ereignis gewesen, als Wahlmann an der 14. Bundesversammlung teilzunehmen. Meine Eindrücke und Erlebnisse habe ich damals niedergeschrieben und auf meinem Blog veröffentlicht: http://tinyurl.com/7arkqg8.

Diesmal war die Stimmung unter den Wahlmännern und Wahlfrauen der Union gelöst. Eine deutliche Mehrheit für Joachim Gauck war absehbar. Und so war der Samstag so etwas wie ein „Familientreffen“, das abends mit einem Empfang im Konrad-Adenauer-Haus endete. Besonderen Zuspruch fand übrigens der “schwarz-rot-goldene” Nachtisch!

Vorher mussten die Wahlfrauen und Wahlmänner ihre Unterlagen im Reichstag in Empfang nehmen. Direkt im Anschluss fand eine erste Fraktionssitzung statt, die mit einem „Zählappell“ endete. Übrigens stellt unsere Fraktion mit dem 91jährigen Günter-Helge Strickstrack das älteste Mitglied der Bundesversammlung. Der Platz war knapp. Kein Wunder, waren doch fast doppelt so viele Personen anwesend. Findige Kollegen hatten sich ihren Platz bereits vorher mit einem Handtuch, äh mit ihren Sitzungsunterlagen reserviert.

Gemeinsam mit Angela Merkel hatte Joachim Gauck den Fraktionssitzungssaal betreten und spontaner Applaus brandete auf. Der von allen demokratischen Parteien getragene Kandidat hatte den Wunsch bekundet, sich allen Mitgliedern der Bundesversammlung aus den Reihen der Union noch einmal mit kurzen Worten vorstellen zu wollen. So kurz waren die gewählten Worte dann gar nicht, denn Gauck schien es offensichtlich ein Anliegen zu sein, zu den aktuell auch öffentlich diskutierten Fragen noch einmal Stellung zu nehmen.

Gleich zu Beginn stellte er klar, dass er natürlich um die Bedeutung von Gerechtigkeit in einer Gesellschaft wisse. Auch Integration werde für ihn ein Thema sein, aber gleichwohl werde er nicht die Reden halten, die man ihm aufträgt oder die alle halten, sondern er werde bei seinem Thema Freiheit bleiben. Diese Freiheit münde vor allem in Verantwortung. Er wolle aber gerade die Freude daran und die Bereitschaft dazu stärken. Besonders gut gefiel aus meiner Sicht den Anwesenden der Satz Gaucks, nachdem der erste Artikel des Grundgesetzes eben nicht davon spreche, dass „der Besitzstand unantastbar“ sei, sondern die Würde.

Auch dankte Gauck nicht nur Bundeskanzlerin Merkel für ihre gute Arbeit in Europa, sondern er erinnerte an die Leistungen Helmut Kohls im Zuge der deutschen Einheit und der europäischen Einigung. Diese Leistungen Kohls seien ohne Freiheit nicht denkbar gewesen. Nur in Verbindung mit Werten und Verantwortung hätte damals die jeweils richtige Entscheidung getroffen werden können. Auch dies habe er sich zum Ziel gesetzt, die Deutschen dafür zu sensibilisieren, dass nicht jede Entscheidung allein nach Kostengesichtspunkten getroffen werden könne – und damit spielte er wohl auf die aktuelle Eurokrise an.

Ich hoffe und wünsche, dass Gauck ein kluger, mahnender und zugleich streitbarer Präsident wird. Und ich hoffe, dass wir ihn auch dann als unseren Bundespräsidenten annehmen, wenn er etwas sagt, was uns nicht gefällt. Wenn es dann noch gelingt, dass wir ihn als unser Staatsoberhaupt mit Respekt behandeln – und zwar mit dem Respekt, dem wir auch jedem anderen Menschen zubilligen sollten -, selbst wenn er Fehler macht, dann wäre für unser Vaterland viel gewonnen.

71. Kreisparteitag der CDU Main-Kinzig

Am vergangenen Samstag fand der 71. Kreisparteitag der CDU Main-Kinzig mit Vorstandswahlen in Schlüchtern statt. Fast pünktlich konnte ich über 200 Delegierte in der Stadthalle begrüßen, die sich in aller Frühe auf den mitunter weiten Weg in den Bergwinkel gemacht hatten. In der gut gefüllten Stadthalle habe ich meinen Rechenschaftsbericht als Kreisvorsitzender gehalten. „Wir meckern nicht, wir jammern nicht. Wir wissen, dass wir eine Aufgabe haben.“ Diesen Spruch habe ich an den Anfang und das Ende meiner Rede gestellt.

Ich habe mir das Ziel gesetzt, die Mitglieder dafür zu begeistern, sich noch aktiver in der Partei zu beteiligen. Dazu fand zum Beispiel im letzten Jahr ein mitgliedsoffener Parteitag zum Thema Energiewende statt. Über mehrere Stunden haben die Mitglieder sehr lebhaft miteinander diskutiert. Es hat mich sehr gefreut, mit welcher Bereitschaft und energischem Einsatz gestritten wurde. Und das Ergebnis kann sich mit dem Leitantrag „Frischer Wind für den Main-Kinzig- Kreis – vor Ort die Energiewende gestalten“ sehen lassen.

Zudem ist es uns im Kreisvorstand gelungen, die Schulden der Kreispartei innerhalb kurzer Zeit um 20 000 Euro zu reduzieren. Wenn wir künftig auch gemeinsam an einen Strang ziehen und weiterhin so kostenbewusst handeln, dann werden wir die Schulden schneller als geplant tilgen – ohne dass unsere politische Arbeit darunter leidet. Für die Zukunft ist es mir ein Anliegen, dass der neue Vorstand aktiver in die tägliche Arbeit eingebunden wird. Jeder Beisitzer soll ein politisches Themenfeld betreuen und hier sowohl Positionen erarbeiteten als auch Themen nach außen vertreten.

Während meines Rechenschaftsberichts.

Mit einem Ergebnis von 87 Prozent haben mir die Delegierten erneut das Vertrauen als Kreisvorsitzender ausgesprochen. Unterstützt werde ich von meinen bewährten Stellvertretern Johannes Heger aus Gründau, Michael Reul aus Bruchköbel, Maja Weise-Georg aus Schlüchtern und Dr. Karl-Heinz Dehler aus Hanau. Neuer Kreisschatzmeister ist Bernd Michael Matt aus Langenselbold, der das Amt vom CDU-Urgestein aus Nidderau, Helmut Wieder, übernimmt.. Neuer Schriftführer ist Konrad Jung aus Schöneck.

Insgesamt erhielten 12 Beisitzer das Vertrauen der Delegierten. Prof. Dr. Maria Wagner aus Biebergemünd und Michele Stephan als JU-Vertreter erhielten die mit Abstand besten Ergebnisse. Der Altersunterschied beider Mitglieder beträgt sensationelle 62 Jahre und spricht für uns als Volkspartei. Gemeinsam wird es die Aufgabe des Kreisvorstandes sein, Antworten auf die Frage zu geben, was eine bürgerliche Politik für den Main-Kinzig-Kreis bedeutet. Ich freue mich auf die Arbeit und bin echt stolz auf „meine“ CDU vor Ort.

Alles in allem, habe ich eine große Geschlossenheit unter den Mitgliedern gespürt. Nach der verlorenen Kommunalwahl, den finanziellen Problemen und personellen Veränderungen haben wir wieder deutlich an Fahrt aufgenommen. Wir wollen uns für den Main-Kinzig-Kreis, unsere Heimat und für Deutschland, unser Vaterland einsetzen. „Wir meckern nicht, wir jammern nicht. Wir wissen, dass wir eine Aufgabe haben.“ Hurra!

Tauber trifft… Dr. Bernhard Vogel

Heute Abend war Dr. Bernhard Vogel, ehemaliger Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und Thüringen, ehemaliger Chef der Konrad-Adenauer-Stiftung und christlich-demokratisches “Urgestein” zu Gast im Langenselbolder Schloss. Wir wollten gemeinsam über Werte und Bildung sprechen. Trotz des schlechten Wetters war der Saal gut gefüllt. Mehr als 80 Zuhörer waren gekommen und längst nicht alle waren Parteimitglieder der Union. Nach meiner Begrüßung legte Bernhard Vogel auch gleich los. Grundlage für das Leben in Deutschland sei die gemeinsame Geschichte und die Schicksalsgemeinschaft, die die Deutschen aneinander binde. “Wir sind Erben unserer Kultur.” war einer der prägnanten Sätze Vogels.

Kurz ging Vogel dabei auf die geistesgeschichtlichen Wurzeln Europas ein, die er in Athen, Rom und Jerusalem verortete und deren Prägekraft noch heute gelte. Darüber gebe das Grundgesetz die “Hausordnung” für die Bundesrepublik Deutschland vor, deren Kernsatz sicherlich der Art. 1 “Die Würde des Menschen ist unantastbar” sei. Vogel: “Wer bei uns zu Besuch ist, der muss sich nicht zwingend an die Hausordnung halten. Aber wer eine Wohnung mietet, der schon.” Damit machte er die Werte des Grundgesetzes zum Kernpunkt der Integration. Der Union maß er dabei eine besondere Aufgabe unter den politischen Parteien zu. Aus ihrer Geschichte heraus sei die Union die “Partei der ausgestreckten Hand”. Aufgrund der Erfahrungen des Nationalsozialismus hätten sich die Gründerväter der CDU bereits vor Kriegsende vorgenommen, dass in einer künftigen Partei jung und alt, Menschen aus allen Regionen des Landes, unterschiedlicher Konfession und aus verschiedenen sozialen Schichten gemeinsam für das Land zu arbeiten.

Vogel empfahl in diesem Zusammenhang eine Blick ins Grundsatzprogramm der CDU. Dort sei klar niedergelegt, dass die Union auf drei Säulen ruhe; einer christlich-sozialen, einer liberalen und einer wertkonservativen. Dann ging Vogel entlang der Frage, ob die von ihm skizzierten Werte noch Gültigkeit hätten auch auf aktuelle politische Fragen von der Energiewende über die Aussetzung der Wehrpflicht bis hin zu ACTA ein. Zu Bildungspolitik kritisierte er bspw. die Debatte um Schulformen. Es sei relativ leicht, das Schild “Hauptschule” abzuschrauben und an dessen Stelle das Schild “Realschule plus” zu setzen. Dies sage aber nichts über die Chancen für Schüler aus, gemäß ihren Begabungen gefördert zu werden. Vogel: “Bildungspolitik heißt nicht, jedem die gleiche, sondern jedem seine Chance zu geben.” Besonderen Wert legte er auch auf das Thema Europa. Er erinnerte daran, dass er noch das in Trümmern liegende Deutschland erlebt habe. Deswegen dürfe man bei allen aktuellen Debatten um die Staatsschuldenkrise und mögliche Hilfsmaßnahmen nicht vergessen, was Europa vor allem bedeute. Vogel wörtlich: “Europa ist ein anderes Wort für Frieden.”

Dann hatten alle Teilnehmer die Gelegenheit, Fragen zu stellen. Und unheimlich viele Themen wurden angesprochen. Der Bundespräsident, der Berliner Kreis der CDU, die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft, die Eigenverantwortung des Bürgers, Politikverdrossenheit und Wahlbeteiligung. Es war spannend und die Antworten von Bernhard Vogel waren klug und wohlüberlegt. Mir hat gut gefallen, dass er beispielsweise das Internet als Grundlage für revolutionäre Veränderungen beschrieben hat, die aber nicht dazu führen müßten, dass man grundsätzliche Werte in Frage stellt. Bei der Nachfrage zu ACTA war Vogel so ehrlich, dass er zugab, nicht alle Details zu kennen und zu verstehen, sondern nur die Berichte darüber gelesen zu haben. Er gehe davon aus, dass dadurch keine neuen Gesetze in Deutschland notwendig seien und gab den Ball aber dann indirekt an mich weiter. “Dass müssen die Abgeordneten des Bundestages entscheiden. Einen haben Sie hier.” Ich habe dann erklärt, dass mich vor allem stört, dass ich auf den Inhalt keinen Einfluss habe, aber nun entscheiden soll und auf die mit Thomas Jarzombek und Daniel Caspary geplante Veranstaltung in Berlin verwiesen.

Am Ende macht Vogel vor allem der jungen Generation Mut. Sie sollten an die Zukunft glauben und sich etwas zutrauen. Er sei sicher, dass sie die vor ihnen liegenden Aufgaben meistern würden – und die Union mit ihren Werten und Überzeugungen sei dabei ein guter Wegbegleiter und Partner. Einer der Zuhörer schrieb auf twitter: “#tauber trifft war kurzweilig, werteorientiert und unterhaltsam.” Dem kann ich mich nur anschließen und freue mich auf den nächsten Gast.

Das Internet ist ein Segen und kein Fluch

Anmerkungen: Gestern durfte ich auf dem Kreisparteitag der CDU Oldenburg-Land zum Thema Internet und Digitalisierung sprechen. Vor mir saßen vor allem so genannte Silver-Surfer. Als ich nach fast zwei Stunden Ehrungen, Wahlen, Rechenschaftsberichten und Grußworten mit meiner Rede dran war, hatte ich schon Sorge, dass die Parteimitglieder nun alles wollten, nur keine Einführung in das Thema Internet und Antworten auf die Frage, welche Herausforderungen die Digitalisierung für unsere Gesellschaft bedeutet. Doch ich hatte mich getäuscht. Meine gut 45 Minuten dauernde Rede wurde aufmerksam verfolgt und noch mehr habe ich mich über die positiven Reaktionen und die große Zustimmung zu den meisten meiner Aussagen im Anschluss gefreut. Man könnte behaupten, dass unsere Parteibasis bei dem Thema weiter ist, als manch ein Mandats- und Funktionsträger der Partei. Das ist aus meiner Sicht erstmal eine gute Sache. Ich bin mehrfach gebeten worden, meine Rede öffentlich zugänglich zu machen. Dies tue ich hiermit. Allen, die neue Erkenntnisse erwarten, sei gesagt, dass dies nicht Ziel der Rede war. Die Rede richtet sich an die Parteimitglieder der CDU und hat das Ziel, sie mit meinen netzpolitischen Überlegungen vertraut zu machen und zu dem einen oder anderen Thema auch einführende Gedanken mit auf den Weg zu geben.

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde,
 
Sie haben mich zu ihrem Kreisparteitag eingeladen, damit ich über das Internet oder besser gesagt über die Digitalisierung unserer Welt spreche. Ich möchte heute die Gelegenheit nutzen, einige Gedanken mit ihnen zu teilen – und das will ich vorab deutlich sagen – die in unserer Partei umstritten sind. Gerade gestern hat sich Ansgar Heveling, wie ich Mitglied der Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft, auf eine Art und Weise über das Internet geäußert, die ich nicht unwidersprochen stehen lassen kann und will und die eine parteiinterne Debatte befeuert hat, deren Ausgang derzeit durchaus offen ist. Im Kern geht es darum, ob wir als Christdemokraten verstehen, welche Herausforderungen durch die Digitalisierung entstehen, ob wir vor ihnen davon laufen oder uns ihnen stellen und die Chancen, die zweifellos darin liegen, ergreifen. Um es vorab zu sagen: ich plädiere für Letzteres.
 
In einem ersten Punkt möchte ich mit Ihnen über die Voraussetzungen reden, die wir aus meiner Sicht brauchen. Die Frage sollte uns umtreiben: Wie schaffen wir es, dass das Internet zu einem Segen für unsere Gesellschaft wird? Ob es zu mehr Demokratie oder zu Unfreiheit führt? Zu staatlicher Regulierungswut oder Verantwortung des Bürgers? Das Internet ist weder gut noch böse. Wir entscheiden, was geschieht. Und wir sollten uns darüber Gedanken machen, welchen Beitrag wir dafür leisten, dass daraus eine positive Entwicklung für unser Land folgt.
 
In einem zweiten Punkt möchte ich Ihnen anhand einiger Beispiele vor Augen führen, worin aus meiner Sicht die Herausforderungen bestehen und Sie herzlich einladen, meine Rede vor allem als einen Diskussionsbeitrag zu verstehen, der uns dann zum Schluss zu der Frage führt, welche Rolle wir als Partei dabei spielen. Was wir tun können oder tun sollten.
 
Das Internet ist nach der Seßhaftwerdung, der Erfindung des Buchdrucks, der französischen Revolution und der Industrialisierung Auslöser und Grundlage für eine fundamentale Veränderung unserer Gesellschaft und der Art und Weise, wie Menschen leben und arbeiten, auf absehbare Zeit sogar wie sie denken.
 
Wenden wir uns zunächst einmal den technischen Voraussetzungen zu: sie selbst haben in ihrem Programm der Breitbandversorgung ein ganzes Kapitel gewidmet. Die Frage, ob schnelles Internet vorhanden ist, ist längst nicht nur für Unternehmen eine Standortfrage. Viele Familien fragen beim Kauf eines Grundstücks oder vor der Unterschrift unter einem Mietvertrag nicht mehr nur nach der Kinderbetreuung vor Ort, sondern sie fragen nach der Breitbandversorgung. Diese Frage zeigt schon, dass das Internet weit mehr ist, als nur ein technisches Instrument zur Optimierung von Prozessen in der Arbeitswelt. Das Internet befähigt uns zur gesellschaftlichen Teilhabe, zur Information, es dient der Unterhaltung, wir tauschen uns mit anderen Menschen aus, treffen dort Freunde, die auf der anderen Seite des Globus wohnen und reden über die Hausaufgaben mit denjenigen, die morgens in der Klasse noch neben uns gesessen haben. Wir kaufen im Internet ein, wir schauen Filme, chatten. Kurz – das ganze Leben spielt sich im Internet ab. Dass unter diesem Aspekt eine Volkspartei wie die CDU gut daran tut, entsprechende Angebote zur Information und zur Partizipation im Internet bereitzustellen und über neue Formen der Beteiligung nachzudenken versteht sich von selbst.
 
Die von mir beschriebene Situation hat natürlich eine Kehrseite – im Internet gibt es all die Dinge, die wir für schlecht, für böse halten. Wie auf der Reeperbahn in Hamburg gibt es im Internet Sex, wie auf manchen Schulhöfen oder nach Fußballspielen gibt es im Internet Gewalt. Der entscheidende Unterschied ist, dass der Zugang leichter ist und das wir damit im Zweifel unmittelbar konfrontiert werden. Und damit wird augenfälliger, wie wichtig ein Diskurs über Werte in einer Gesellschaft ist.
 
Wichtig ist, dass wir uns von einer Sichtweise, die leider immer wieder vorherrscht, lösen: Es gibt nicht auf der einen Seite „das Internet“ und auf der anderen Seite „die reale Welt“. Das Internet und die reale Welt sind eins. Wir erleben im positiven wie im negativen dieselben Dinge. Wir finden Pornografie im Internet und zugleich gehört Jesus Christus zu den Menschen mit den meisten Fans auf Facebook. Wir müssen verstehen lernen, dass das Internet uns einen Spiegel unserer Gesellschaft vorhält und wir viel unmittelbarer auch mit den Dingen konfrontiert werden, die uns nicht gefallen. Die Reaktion darauf sollte aber nicht Wegschauen sein. Doch noch einmal zurück zu den technischen Voraussetzungen:
 
Was brauchen wir für ein Internet? Wir brauchen einen Internetzugang für alle Menschen in unserem Land. Deswegen ist der Netzausbau eine wichtige Aufgabe. Ich gehöre nicht zu denen, die einem Universaldienst das Wort reden. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als es nur die gute alte gelbe Post gab und man zwischen einem grünen und einem roten Telefon wählen konnte. Ich bin der Überzeugung, dass technische Innovationen wie  beispielsweise die LTE-Technologie für ein mobiles Internet nur durch einen Wettbewerb und Markt im Bereich der Telekommunikation möglich werden. Bezahlbare Tarife sind ein Ergebnis dieses Wettbewerbs. Dort wo betriebswirtschaftliche Modelle sich nicht rechnen – und dies gilt für Teile des ländlichen Raums – bedarf es konkreter Investitionsanreize durch die Politik. Aber wir sollten uns nicht dem Irrglauben hingeben, dass die Politik in der Lage wäre, schnell und umfassend die gewünschte Infrastruktur zu schaffen. Das wird sie mit Steuermitteln auch mit Blick auf die Schuldensituation der öffentlichen Hand nicht leisten können.
 
Ein wesentliches Element des Internets ist die Netzneutralität. Was ist damit gemeint? Dies bedeutet, dass die Daten im Internet ungeachtet ihres Inhalts weitergeleitet werden. Natürlich gibt es technische Notwendigkeiten: ein Voice-over-IP-Dienst (also das Telefonieren über das Internet) braucht eine schnelle und gute Datenverbindung als Grundlage, damit das Gespräch nicht abreißt. Aber ob unsere Emails uns fünf oder zehn Sekunden später erreichen, ist relativ egal. Nicht egal ist es, wenn mein Netzprovider beispielweise Filme aus dem Internet von unterschiedlichen Anbietern mit unterschiedlicher Geschwindigkeit weiterleitet, ja vielleicht sogar den eigenen Dienst bevorzugen und wir somit gezwungen wären, nur noch Filme eines bestimmten Anbieters zu schauen. Wir wollen als Nutzer das Internet uneingeschränkt nutzen können. Dafür steht Netzneutralität und darum ist sie eine wichtige Grundlage des Internets.
 
Was ist noch wichtig? Wir müssen uns fragen, wie wir gewährleisten, dass Regeln und Gesetze durchgesetzt und eingehalten werden. Das ist ein zentraler Punkt und an der Stelle sei mir ein Einschub erlaubt: Es gibt ein paar Sätze, die mir persönliche körperliche Schmerzen verursachen, wenn sie aus dem Mund eines Politikers kommen. Einer dieser Sätze lautet: „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum.“ Ich kenne niemanden, der behauptet, dass dem so sei. Alles was bisher verboten war – von Kinderpornografie, der Leugnung des Holocausts bis hin zum Diebstahl – ist auch im Internet verboten. Wir stehen allerdings vor der Herausforderung, mit welchen Instrumenten wir Recht und Gesetz zur Geltung verhelfen. Wie können Strafverfolgungsbehörden gewährleisten, dass Kriminelle zur Rechenschaft gezogen werden? Und was machen wir mit völlig neuen Delikten?
 
Ich behaupte dass wir in zahlreichen Bereichen bisher eine schlüssige Antwort auf die Frage, wie wir die Instrumente weiter entwickeln oder ihre Akzeptanz fördern, schuldig geblieben sind. Das Thema Netzsperren ist ein gutes Beispiel, war es doch der hilflose Versuch mit einem ungeeigneten Instrument ein offenkundiges Problem zu lösen. Ich möchte versuchen, Ihnen das anhand eines weiteren kurzen Beispiels zu verdeutlichen: aktuell wird über das Urheberrecht gestritten. Eine für uns als Nutzer diverser Medien wichtiger Punkt ist das im Urheberrecht verankerte Prinzip der Privatkopie. Beim Kauf von Medien und Tonträgern sowie diverser technischer Geräte zahlen wir meist eine so genannte Urheberrechtsabgabe, die quasi einen Ausgleich darstellt für die Kopie einer Musik-CD, die wir unserer Schwester überspielen oder für das spannende Buch, dass uns so gut gefallen hat, dass wir es im Bekanntenkreis empfehlen und folgerichtig verleihen. Wenn wir den Leitgedanken aufgreifen, dass digital und analog die identischen Regeln gelten sollen, dann müßte ich folgerichtig auch von meinem neuen Lieblingsfilm eine Kopie für meine Eltern machen dürfen oder aber das im Internet erstandene E-Book verleihen oder gar weiterverkaufen dürfen. Das darf ich aber nicht. Ein Kopierschutz verhindert, dass ich den Film auf anderen Datenträgern als der erworbenen DVD nutze. Es werden also diejenigen, die einen Film im Original kaufen benachteiligt gegenüber denjenigen, die den Film illegal im Internet downloaden. Das ist weder logisch, noch erhöht es die Akzeptanz des Urheberrechts. Dabei muss es das Ziel sein, einen fairen Ausgleich zwischen den Nutzern und den Künstlern, Produzenten und Rechtsverwertern herzustellen.
 
Der Datenschutz und der Jugendschutz stellen uns vor ähnliche Herausforderungen. Die Deutschen sind besonders sensibel wenn es um ihre eigenen Daten geht – könnte man meinen. Allerdings zeigen die Debatten von Google Street View bis hin zur elektronischen Gesundheitskarte, dass wir keineswegs rational diskutieren. Wir ertrinken geradezu einen Datenflut. Es entstehen täglich neue Daten, wir selbst produzieren sie. Wir stehen eigentlich nicht in erster Linie vor der Frage, wie wir unsere Daten schützen, sondern wir stehen vor der Frage, wie die Daten uns helfen, unserer Leben leichter zu machen und Probleme zu lösen. Wenn wir auf einer Auslandsreise sind, wollen wir dann nicht, dass im Falle eines Unfalls sichergestellt ist, dass der dortige Arzt alle relevanten Fakten unsere Gesundheit betreffend kennt, damit er uns helfen kann, selbst wenn wir nach einem allergischen Schock nicht mehr ansprechbar sind? Ich glaube schon. Die Frage ist aber, wie wir sicherstellen, dass nur dieser Arzt, bzw. ein Arzt generell Zugang zu den entsprechenden Daten bekommt.
 
Es kommt also auf die Frage an, wer unsere Daten nutzen darf und wie unsere Daten genutzt werden. Ein Beispiel aus den USA will ich Ihnen schildern. Um Kosten im Gesundheitssystem zu sparen hat eine der größten Kliniken sich mit der Frage beschäftigt, warum eine signifikante Zahl an Patienten, obwohl sie als gesund entlassen worden sind, nach zwei Wochen erneut krank wieder ins Krankenhaus eingeliefert wurden. Man hat anhand der Daten Krankheitsbilder verglichen, man hat überprüft, ob die behandelnden Ärzte identisch waren, man hat die Jahreszeiten verglichen, man hat die Speisepläne überprüft. Keine der Fragen hat eine befriedigende Antwort geliefert. Erst als man die Daten insgesamt betrachtet hat, fiel sofort ins Auge, was der Grund gewesen sein muss für die erneute Erkrankung der Patienten. Alle hatten im selben Zimmer gelegen. Das Zimmer war durch Viren verseucht. Die Daten haben geholfen, dieses Problem zu lösen. Ist es also grundsätzlich gut, so viele Daten wie möglich zu sammeln? Sicherlich nicht. Sensibilität und klare Regeln sind wichtig. Wir werden aus meiner Sicht aber auch erleben, dass der Umgang mit unseren Daten sich verändern wird und bereits verändert hat.
 
Beim Thema Datenschutz will ich noch einige kurze Sätze zum Thema VDS, der so genannten Vorratsdatenspeicherung, sagen. Letzte Woche hat das Max-Planck-Institut eine Studie vorgestellt, nach der die Vorratsdatenspeicherung kein wirksames Mittel in der Kriminalitätsbekämpfung darstellt. Ich kann es mit meinem persönlichen Freiheitsbegriff nur schwer vereinbaren kann, dass der Staat meine sämtlichen Telefondaten für eine bestimmte Dauer ohne Verdacht auf eine vorliegende Straftat speichert. Diese Haltung begründet durchaus eine prinzipielle Ablehnung der VDS. Allerdings verwundert mich in der Debatte doch sehr, dass viele, die eine Vorratsdatenspeicherung aus den genannten Gründen ablehnen, kein Problem damit haben, ihre Daten amerikanischen Unternehmen wir Facebook oder Google anzuvertrauen. Wir misstrauen unserem eigenen Staat also mehr als amerikanischen Konzernen – das ist keine gute Entwicklung, die ich mir nicht zu eigen machen will. Darum müssen wir uns auch die Frage stellen, ob und wie das Internet zu einer Stabilisierung von Demokratie und Freiheit beitragen können. Das Vertrauen in den eigenen Rechtsstaat ist sicherlich eine wichtige Voraussetzung dafür.
 
Auch der Jugendschutz stellt uns vor neue Herausforderungen und zeigt uns die Grenzen staatlichen Handelns auf. Wie kann ein „effektiver“ Jugendschutz mit Blick auf das Internet gewährleistet werden? In der digitalen Welt steht der Jugendschutz vor völlig neuen Herausforderungen. Stichworte wie Cyber-Mobbing, Cyber-Bulling oder Cyber-Grooming – die gezielte Ansprache Minderjährige mit dem Ziel sexueller Annäherung – sind bisher unbekannte und völlig neue Probleme.
 
Wie wollen sie deutsche Jugendschutzbestimmungen in einem globalen Medium wie dem Internet durchsetzen? Wie wollen Sie dafür sorgen, das zu bestimmten Uhrzeiten bestimmte Seiten von Minderjährigen nicht besucht werden? Wie verhindern sie das an den Pranger stellen durch Gleichaltrige im Netz? Wir reden über Jugendschutzsoftware und Filterprogramme. Nur welchen Sinn machen diese Programme für den PC, wenn die Internetnutzung sich auf Smartphones und tabloids verlagert? Der Schlüssel ist deswegen die Medienkompetenz. Wir müssen uns also dringend fragen, wie wir nicht nur Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Medien schulen, sondern auch Pädagogen und Eltern, in die Lage zu versetzen, dass sie verstehen, was junge Menschen im Internet tun. Und wir brauchen eine Kultur des Hinschauens – in der Schule und zuhause. Dieser Prozess mag individuell nicht leicht sein, aber jedes Kind hat theoretisch zwei Regulierer daheim – die eigenen Eltern. Eine höhere „Betreuungsdichte“ wird der Staat kaum gewährleisten können und es liegt eben in der Verantwortung der Eltern – das entspricht zutiefst unserem christdemokratischen Verständnis von Familie – den eigenen Kindern das notwendige Rüstzeug mit auf den Weg zu geben.
 
Nun habe ich über Eigenverantwortung gesprochen. Damit will ich zum zweiten Teil meiner Rede kommen: Was ist die Grundlage für unsere Auseinandersetzung mit dem Internet. Welcher Gedanke begleiten uns? Welche Werte sind handlungsleitend?
 
Das ZDF hat vor einigen Monaten im Zusammenhang mit dem Internet von einem „Kulturkampf in der Union“ gesprochen. Ich will ganz ehrlich sagen, dass ich diese Formulierung nach meinen Erfahrungen der letzten Monate für ziemlich treffend halte. Wie in unserer Gesellschaft insgesamt gibt es in der Union derzeit drei Gruppen.
 
Die erste Gruppe – und es mag die größte Gruppe sein – erlebt die Veränderungen durch das Internet, nimmt sie mehr oder weniger selbstverständlich hin, partizipiert in unterschiedlichem Maße an dieser Entwicklung, freut sich darüber oder beklagt sich je nach Laune und Erfahrung ohne dass sie diesen Prozess reflektiert. Sie lebt in ihrer Zeit und das ist auch in Ordnung.
 
Die zweite Gruppe hat erkannt welche Veränderungen das Internet auslöst und welche Chancen es bietet und überlegt nun – ohne freilich schon auf alle Fragen eine Antwort zu haben – wie die Politik die erkennbaren Entwicklungen so begleitet, dass sie sich am Ende positiv auswirken.
 
Die dritte Gruppe sind zahlreiche Entscheidungsträger in Partei und Fraktion, die sehr wohl registriert haben, dass das Internet unsere Welt dramatisch verändert. Ihre Reaktion ist aber abwehrend und sie prägen leider zu einem großen Teil die Wahrnehmung der Union in der Öffentlichkeit maßgeblich, wenn es um das Internet geht. Sie leben in der Illusion, diesen Prozess durch das Aufhalten von Veränderungen abzuwenden oder wenigstens zu verzögern. Vielleicht verstehen sie auch schlichtweg einfach nicht, was gerade in unserer Gesellschaft geschieht, denn im Gegensatz zur örtlichen Senioren Union, die ihre Einladungen längst per Email verschickt, hat die CDU in der ersten und zweiten Reihe zu viele Entscheidungsträger, die man getrost als „Internetausdrucker“ bezeichnen kann. Und mir macht gerade diese Gruppe große Sorgen, denn sie verspielt damit sowohl die Zukunft unserer Nation, als auch die Zukunft der Partei, denn schon längst können und wollen die meisten Menschen nicht mehr auf das Internet verzichten.
 
Nun könnte man sagen, dass es nicht so schlimm ist, wenn ein paar Abgeordnete der CDU nicht verstanden haben, welche Herausforderung das Internet ist und wie man ihre am besten begegnet. Hauptsache ist doch, dass wir auf die drängenden Fragen der Zeit von der Energiewende bis zur Eurokrise als CDU Antworten geben. Das mag so sein, aber es blendet eine Erfahrung aus, die ich nahezu täglich mache, wenn ich in Berlin mit Besuchergruppen diskutiere: die Menschen nehmen sehr wohl war, wie das Thema Internet in unserer Partei diskutiert wird. Und nicht nur junge Menschen, sondern auch die, für die das Internet Grundlage ihres Arbeitsplatzes ist, fragen sich zu Recht, ob die CDU Antworten hat auf die Herausforderungen der Zeit. Für diese Menschen ist das Internet ein unverzichtbarer Teil ihrer eigenen Lebenswirklichkeit.
 
Die Bürger werden einer Partei, von der sie den Eindruck haben, dass sie diese Lebenswirklichkeit nicht versteht, ausblendet oder keine Antworten auf die sich daraus ergebenen Fragen liefert keine Lösungskompetenz für andere politische Probleme zubilligen. Im Klartext: Wie sollen Politiker einer Partei, die nicht einmal „das Internet verstehen“ so schwierige Probleme wie die Energiewende meistern? Die Frage, ob die CDU sich mit den Chancen des Internets für unser Land beschäftigt und kluge Antworten gibt, ist also keine Frage, die sich auf ein zusätzliches Politikfeld, die Netzpolitik, bezieht. Sie ist grundsätzlicher Natur, wenn wir wollen, dass die Menschen uns vertrauen.
 
Es ist also ein Problem, wenn manche Entscheidungsträger unserer Partei sich einer gesellschaftlichen Entwicklung verweigern, an der Millionen von Menschen in unserem Land partizipieren. Die Internetwirtschaft hat im vergangenen Jahr mehr als 110 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Wir reden also von einer tragenden Säule unserer Volkswirtschaft und nicht allein von sozialen Netzwerken und bunten Internetseiten! Über 400.000 Menschen finden in dieser Branche, die eine Wachstumsrate von fast 10 Prozent hat, Arbeit! Wir reden also auch über Wirtschaftspolitik und es sollte uns als Christdemokraten umtreiben, warum es kein deutsches Google und kein deutsches Facebook gibt.
 
Ich erwarte von Politikern und vor allem von Christdemokraten, dass sie für Werte stehen und Haltung haben. Aber ich erwarte vor allem auch, dass sie die Wirklichkeit und ihre Probleme wahrnehmen und nach Lösungen suchen. Ich komme aus dem Wahlkreis von Alfred Dregger. Ich bin ein Konservativer in der Union. Und ich habe es immer als Stärke empfunden, dass Konservative in der Union nicht eine Wirklichkeit formen, wie sie sie gerne hätten, sondern sich die Welt sehr genau anschauen, um dann die Dinge zu bewahren, die es wert sind, bewahrt zu werden und die Dinge infrage stellen, die keine Antworten mehr auf aktuelle Herausforderungen und Probleme geben.

Ich bin in die CDU eingetreten, weil für mich die CDU die Partei der Freiheit ist. Wenn wir über das Internet reden, dann sprechen viele in der Union nicht von Freiheit. Sie sprechen von Sicherheit. Sie wollen Regeln, Kontrollen, neue Gesetze und sie haben nicht verstanden, dass das Internet gerade deswegen funktioniert, weil es auf der Freiheit aufbaut. Diese Freiheit darf und soll nicht Beliebigkeit heißen. Sie bedeutet nicht, dass im Internet keine Regeln gelten. Sie bedeutet aber, dass wie in der analogen Welt auch wir mit Blick auf das Internet aushalten müssen, dass Menschen es missbrauchen für ihre eigenen Interesse, für kriminelle Handlungen, zur eigenen Vorteilsnahme auf Kosten anderer. Aber: so ist nicht nur das Internet, so ist unsere Welt.
 
Ich finde, dass die Diskussion über das Internet für uns als Christdemokraten eine gute Gelegenheit ist, uns daran zu erinnern, wie wichtig die Freiheit für uns ist. Und das für uns Freiheit ohne Verantwortung keinen Wert hat. Sie ist kein Selbstzweck, sondern sie befähigt uns. Und sie ist für uns die Gelegenheit, darüber zu sprechen, dass wir mit der Politik die Rahmenbedingungen setzen, damit die Menschen in unserem Land eigenverantwortlich ihre Probleme lösen und nicht die Politik der Versuchung unterliegen, die Probleme der Menschen lösen zu wollen. Wir glauben als Christdemokraten an den zur Freiheit berufenen Menschen auf der Grundlage des christlichen Menschenbilds. Und ich halte es für lohnend, darüber zu sprechen, wie wir Menschen dazu befähigen, dieser Verantwortung gerecht zu werden – gerade und auch in der digitalen Gesellschaft.
 
Und damit bin ich beim dritten Punkt meiner Rede. Wir müssen uns fragen, wie das Internet die Politik und die Demokratie verändert. Ich möchte Ihnen anhand eines Beispiels verdeutlichen, warum ich glaube, dass wir längst am eigenen Leib erleben, wir sehr das Internet die Politik und auch politische Prozesse umformt oder herausfordert und dass wir noch weit davon entfernt sind, die richtigen Antworten auf die Herausforderungen, die durch das Internet für unsere Demokratie entstehen, zu haben.
 
Wahrscheinlich haben Sie sich zur Beginn der Legislaturperiode geärgert über den Streit in der christlich-liberalen Koalition. Sie waren nach der Debatte um den Koalitionsvertrag, dem Streit um das Wachstumsbeschleunigungsgesetz, der Laufzeitverlängerung und der Frage, ob man die Wehrpflicht aussetzen soll, verärgert. Mir haben viele Parteifreunde gesagt: „Streitet nicht so viel, entscheidet mal lieber was.“ Wenn ich aber mit den erfahrenen älteren Kollegen in der Bundestagsfraktion spreche, dann kann man immer wieder hören, dass es früher viel öfters die Fetzen geflogen sind, heftiger gestritten wurde und Türen flogen. Wie passt das zusammen? Inzwischen ist für den Bürger nicht nur die erste Äußerung einer politischen Idee und der dazu passende Beschluss nachvollziehbar, sondern der dazwischen liegende teilweise monatelange, nervenaufreibende, ermüdende und selten erquickliche Diskurs ebenso. Dass dies so ist, daran werden wir uns gewöhnen müssen. Doch was folgt daraus?
 
Die Arbeit von Parteien und Politikern wird sich verändern. Wir sind aufgefordert, den Diskurs zu suchen, denn sonst findet er ohne uns statt. Ich glaube nicht, dass sich eine Volkspartei das erlauben kann. Die Frage, wie wir das Internet als Grundlage für den Dialog nutzen, wäre Stoff genug für einen zweiten Vortrag. Meine persönliche Erfahrung ist, dass wir in unserer Arbeit ein größeres Zeitfenster für das Erklären und Diskutieren einplanen sollten.
 
Darüber hinaus werden sich die politischen Prozesse selbst verändern. Es geht nur vordergründig um die Frage, ob ein Politiker ein Facebookprofil hat. Es geht darum, Entscheidungsprozesse zu optimieren, transparenter zu machen und im Idealfall auch schneller. Es kann eigentlich nicht sein, dass wir über den Neubau eines Bahnhofs erst 15 Jahre diskutieren und dann am Ende der Eindruck entsteht, dass sei im stillen Kämmerlein entschieden worden. Verfahrensweisen müssen ebenfalls auf den Prüfstand. Handlungen werden künftig in weitaus stärkerem Maße simuliert und algorithmisch bewertet werden können. Dies erlaubt es, (politische) Prozesse zur standardiesieren, zu verkürzen und zu beschleunigen. Dies bedarf neuer Organisationsformen von Politik. Parteien und Politiker werden u.U. noch stärker diesem Prozess annähern müssen.
 
Christoph Kappes, einer der Vordenker des Internets, hat den schönen Satz geprägt: „Man kann nicht erst das Auto erfinden und dann noch von Berlin nach München zu Fuß gehen wollen, wenn man eine Aufgabe hat, die weltlich ist.“ Er fordert uns dazu auf, uns der Instrumente zu bedienen, die uns zur Verfügung stehen, um Probleme zu lösen, Herausforderungen zu meistern und die Zukunft zu gewinnen. Das bedeutet, dass wir die Chancen des Internets nutzen müssen, damit es zu einem Segen für unsere Gesellschaft werden kann.
 
Die Union war immer die Partei, die sich auf der Grundlage eines festen Wertegerüsts neuen Herausforderungen gestellt hat. Wir haben Deutschland nach Europa zurückgeführt, wir haben Deutschland fest in die westliche Wertegemeinschaft integriert, wir haben den Sozialstaat gebaut, wir haben die soziale Marktwirtschaft geschaffen. Wir sollten die Digitalisierung als Chance begreifen, unserem Land die Zukunft zu eröffnen. Das ist unsere Aufgabe.
 
Wir bauen auf den Werten und Erfahrungen auf, die Deutschland zu dem gemacht haben, was es heute ist. Wir feiern dieses Jahr den 300. Geburtstag des großen Preußenkönigs Friedrich des Großen. Er hat einen Satz geprägt, den wir uns vor Augen führen sollten, der handlungsleitend für uns sein sollte und den ich im Internet gefunden habe:
 
„Pflicht eines jeden guten Bürgers ist es, dem Vaterland zu dienen, daran zu denken, dass er nicht allein für sich auf der Welt ist, sondern dass er zum Wohl der Gesellschaft, in die ihn die Natur gesetzt hat, arbeiten muss. Ich habe mich bemüht, diese Pflicht nach meinen schwachen Kräften und Einsichten zu erfüllen.“ (Friedrich der Große)
 
Lassen Sie uns mit Zuversicht und Mut die Digitaliserung als große Chance begreifen, Frieden und Freiheit für die Zukunft zu gewinnen. Daran mitzuarbeiten ist für uns Christdemokraten eine große Aufgabe und Ehre zu gleich. Überlassen wir diese Aufgaben nicht den anderen.

Endlich! Schwarze Netzpolitik!

Jetzt hat die CDU endlich auch einen eigenen Ort im Netz, um die netzpolitischen Vorstellungen und Ziele deutlich zu machen und zur Diskussion zu stellen. Zu finden unter: www.netzpolitik.cdu.de.

Ich freue mich sehr, dass wir damit ein Angebot sowohl für die Partei selbst, aber auch darüber hinaus machen, um netzpolitische Vorstellungen der CDU zu erarbeiten und zu diskutieren.

Ziel ist dabei nicht, irgendjemandem hinterherzulaufen. Spackeria oder Netzaktivisten, die sich dem linken politischen Spektrum zuordnen, werden angesichts unserer Positionen nicht laut jubeln und applaudieren. Kein Wunder, denn sie werden bei uns nicht ihre einfachen Antworten wiederfinden. Wie meist, ist die Position der CDU differenzierter.

Das Thema Netzneutralität ist hierfür ein gutes Beispiel. Da die CDU eine gesetzliche Regelung nur für den Fall treffen will, dass Netzneutralität ernsthaft gefährdet sein sollte – und entgegen den Behauptungen der politischen Linken ist sie es in Deutschland derzeit nicht –, riecht manch einer sofort Verrat. Wer also nicht für eine „Vorratsgesetzbung“ zur Netzneutralität ist, der ist anscheinend grundsätzlich gegen Netzneutralität, so die Unterstellung. Das ist natürlich falsch. Die CDU ist für Netzneutralität. Kein Wunder, denn wir sehen darin einen Grundpfeiler des Internets.

Wir wollen aber weder eine Vorratsgesetzgebung noch errichten wir Dogmen. Netzwerkmanagement lehnen wir genauso wenig grundsätzlich ab wie unterschiedliche Qualitätsklassen. Diese kann nicht anstelle des Best-Effort-Internets geben, sondern allenfalls ergänzend. Mehr zu diesem Thema unter: http://petertauber.wordpress.com/2011/10/20/netzneutralitat-ja-bitte/
Die Forderungen des AK Netzpolitik sind auch ein Debattenbeitrag zur Meinungsfindung in der CDU. Dass die Union hier bereits zahlreiche Diskussionen ausgefochten hat – beispielsweise zum Thema Netzsperren, aber auch noch zahlreiche Positionen formuliert und gefunden werden müssen, ist kein Geheimnis. Ich gebe zu: Wir haben dabei in unserer Partei noch Überzeugungsarbeit zu leisten.

Ich beteilige mich gerne an den Debatten im Arbeitskreis Netzpolitik meiner Partei, denn ich denke, wir bleiben bei den nun gefundenen Positionen in vielfacher Hinsicht unserer grundsätzlichen Linie als Christdemokraten treu: Wir haben selten spektakuläre Ziele formuliert, sondern wir suchen meist nach einem dritten Weg. Die Soziale Marktwirtschaft redet weder dem Sozialismus noch dem Kapitalismus das Wort, sondern ist ein erfolgreicher Versuch, etwas Neues zu schaffen. Genauso wollen wir mit unseren netzpolitischen Vorstellungen einen anderen Weg suchen: Wir setzen weder auf die Regulierungsmacht des Staates noch auf die vollständige Freiheit – was immer darunter zu verstehen wäre.

Übrigens stelle ich immer wieder mit Erstaunen fest, dass es gerade diejenigen sind, die eben noch den Staat und seine Institutionen verdächtigen, Bürgerrechte aushöhlen zu wollen, die dann von eben diesem Staat erwarten, dass er das „freie Internet“ durch Gesetze sichert. Das ist ein Widerspruch, den die politische Linke bis heute nicht ausräumen kann.
Wir wollen, dass das Internet zu einem Segen für unser Land, für unsere Bürgerinnen und Bürger und für unsere Volkswirtschaft wird. Wie so oft sind wir dabei auch der Überzeugung, dass die Politik in wesentlichen Punkten nur die Rahmenbedingungen setzen darf.

In kaum einem anderen Politikfeld wird in der Netzpolitik deutlich, wie wichtig der Einzelne ist. Die Verantwortung, die aus der Freiheit erwächst, verlangt eben von jedem Bürger nicht nur eine stärkere Beteiligung am öffentlichen Diskurs in der digitalen Gesellschaft. Wir sollten uns auch fragen, wie wir diesen Diskurs führen und wie wir öffentliche Teilhabe organisieren.

Weil der Staat im Netz nicht alles regeln kann, regeln will und regeln darf, wird die Verantwortung des Einzelnen wachsen. Wie wir miteinander umgehen – gerade auch im Internet – wird am Ende zeigen, ob wir eine aufgeklärte, reife und wirklich tolerante Gesellschaft sind.

Sind die Grünen auf dem Weg ins bürgerliche Lager?

Von der Sozialdemokratisierung der CDU kann man hin und wieder in kritischen Kommentaren lesen, die SPD drohe an der Auseinandersetzung mit der Linkspartei zu zerreißen, warnen andere, und die Grünen hätten entdeckt, dass sie in manchen Politikfeldern auffallend große Gemeinsamkeiten mit den Christdemokraten haben. Die FDP als liberale politische Kraft hat auf der einen Seite ihr soziales Gewissen wieder entdeckt und stilisiert sich auf der anderen Seite als letzter Gralshüter der sozialen Marktwirtschaft. Wer kennt sich da noch aus? Worin unterscheiden sich die Parteien noch? Wie lassen sich diese Unterschiede, die ja wichtig sind, damit die Bürgerinnen und Bürger bei Wahlen eine Entscheidung treffen können, in wenigen Worten umschreiben? Bei der grundlegenden Frage, wie sich unser Land entwickelt, stehen sich immer wieder das linke politische Lager, bestehend aus SPD, den Grünen und neuerdings der Linkspartei, und das so genannte bürgerliche Lager, bestehend aus den Unionsparteien und der FDP, gegenüber. Man könnte kritisch fragen, ob die Zusammenfassung von CDU, CSU und FDP unter der Bezeichnung bürgerliches Lager noch den Kern der Sache trifft, schließlich seien – Gott sei es gedankt – alle Menschen in der Bundesrepublik Bürgerinnen und Bürger in dem Sinne, dass sie bürgerliche Rechte und Pflichten haben. Dennoch spricht vieles dafür, an dieser historisch gewachsenen Bezeichnung festzuhalten. Man kann die drei genannten Parteien dem linken Lager nicht als rechtes Pendant gegenüberstellen. Natürlich versteht es die Union als ihre Aufgabe, Konservativen und patriotisch denkenden Menschen ein Angebot zu machen. Wir brauchen keine demokratische Partei rechts von der Union. Aber die Union und auch die FDP sind Parteien die eben vor allem die Mitte unserer Gesellschaft repräsentieren. Und in der Mitte verortet sich eben das Bürgerliche. Der deutsche Philosoph Odo Marquard hat diese Mitte treffend umschrieben: „Die liberale Bürgerwelt bevorzugt das Mittlere gegenüber den Extremen, die kleinen Verbesserungen gegenüber der großen Infragestellung, das Alltägliche gegenüber dem Moratorium des Alltags, das Geregelte gegenüber dem Erhabenen, die Ironie gegenüber dem Radikalismus, die Geschäftsordnung gegenüber dem Charisma, das Normale gegenüber dem Enormen…“ Bürgerliche Ideale umfassen außerdem nicht nur persönliche Grund- und Freiheitsrechte, Volkssouveränität und einen demokratischen Rechtsstaat, die ja auch von SPD und Grünen offensiv vertreten werden. Hinzu kommen bürgerliche Werte und Normen, die im persönlichen Bereich eine Rolle spielen: Familie, Leistung, Fleiß, Arbeit, Pflicht, Disziplin, Dienst, Bildung und Kultur – um einige wesentliche zu nennen. Ob Grüne und Sozialdemokraten diesen Werten einen ähnlichen Stellenwert einräumen wie die bürgerlichen Parteien? Schön wäre es. Vor diesem Hintergrund habe ich meine Zweifel, ob Linkspartei und NPD für sich in Anspruch nehmen können, die Bürgerinnen und Bürger zu vertreten. Viele Anhänger dieser beiden Parteien – hoffentlich nicht alle Wählerinnen und Wähler – würden sich auch nicht im positiven Sinne als Bürger der Bundesrepublik definieren. Sie lehnen die freiheitlich-demokratische Grundordnung ab und träumen von einem nationalen oder wie auch immer gearteten Sozialismus. Die große alte Dame SPD, die viele Jahre auch die Bundesrepublik geprägt hat, vertritt natürlich die Interessen der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes. Ihr dies abzusprechen wäre töricht, deswegen tut es auch niemand. Aber klar ist auch: die SPD definiert sich als linke Volkspartei. Sie ist also bestenfalls eine Bürgerpartei aber eben keine bürgerliche Partei. Spannend ist die Rolle der Grünen. Spätestens seit einem durch einen grünen Außenminister legitimierten Krieg unter deutscher Beteiligung im Kosovo in der Wirklichkeit angekommen, sind die Grünen in der Tat nicht nur mit Blick auf ihre Wählerstruktur eine in Teilen bürgerliche Kraft. Auch die gegenwärtige Auseinandersetzung in der Partei um die Energiepolitik, die sich mehrenden Stimmen, die dem Radikalismus in der Ablehnung von Kohle und Kernenergie eine Absage erteilen, zeigt dies. Politikfelder wie die Nachhaltigkeitsdebatte, das Verschuldungsverbot, die besondere Bedeutung der Ökologie oder die Verantwortung für die nachfolgende Generation sind ganz klar politische Sichtweisen, die von bürgerlichen Werten gespeist werden. Die Grünen haben sich dieser Themen in besonderer Weise angenommen. Sie können hier keinen Alleinvertretungsanspruch geltend machen – denn auch CDU, FDP und SPD billigen diesen Fragen einen hohen Stellenwert zu – aber haben doch vielfach Diskussionen neuen Schub verliehen. Hinzu kommt: sie haben mit einem zunehmend erkennbaren Pragmatismus ihren antibürgerlichen Nimbus endgültig abgestreift. Wie die SPD sind auch die Grünen nach ihren radikalen Anfängen schnell zu einer Bürgerpartei geworden. Inwieweit sie im bürgerlichen Lager ankommen, bleibt abzuwarten. Koalitionen in Frankfurt und in Hamburg deuten an, dass das bürgerliche Lager Zuwachs erfahren kann. Unserer Republik kann das nicht schaden.