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Lichtgrenze: Ballon 1692

Die Lichtgrenze zog sich 15km durch Berlin entlang des ehemaligen Mauerverlaufs. Mitunter vorbei an noch heute erhaltenen Teilstücken, wie hier in der Niederkirchnerstraße. (Foto: Tobias Koch)

Die Lichtgrenze zog sich 15km durch Berlin entlang des ehemaligen Mauerverlaufs. Mitunter vorbei an noch heute erhaltenen Teilstücken, wie hier in der Niederkirchnerstraße.


Der Fall der Berliner Mauer ist einer der glücklichsten Momente in der Geschichte unseres Volkes. Die Bilder von 1989 – Menschen, die voller Freude über den Sieg der Freiheit zugleich lachen und weinen – machen mir auch heute  noch Gänsehaut.

Am vergangenen Wochenende konnten wir alle in Berlin das Wunder der friedlichen Revolution zum 25. Jubiläum noch einmal nachempfinden: 8.000 weiß leuchtende Ballons bildeten als „Lichtgrenze“ den ehemaligen Mauerverlauf nach, die Kunstinstallation erinnerte so noch einmal an die Teilung Berlins. Die ganze Stadt wandelte von Freitag- bis Sonntagabend an der erleuchteten Grenze entlang, die Fotos von den weißen Ballons auf dünnen schwarzen Stelen gingen um die ganze Welt.

Am Sonntagabend dann, am Jahrestag des Mauerfalls, war es soweit: An jeder Stele stand ein Ballonpate – auch ich war einer davon, mein Ballon hatte die Nummer 1692. Gemeinsam mit Kollegen aus dem Konrad-Adenauer-Haus und vielen tausend anderen Ballonpaten in den roten Anoraks ließ ich meinen Ballon mit Blick auf Spree, Reichstag und Kanzleramt aufsteigen. Hurra, die deutsche Hauptstadt war wieder ungeteilt!

Es war mir eine Ehre, als Ballonpate an dieser beeindruckenden Aktion teilnehmen zu dürfen. (Foto: Tobias Koch)

Es war mir eine Ehre, als Ballonpate an dieser beeindruckenden Aktion teilnehmen zu dürfen. (Foto: Tobias Koch)

Botschafter der Freiheit

Besonders fasziniert hat mich, wie alle miteinander ins Gespräch kamen: Wir standen in unseren roten Jacken bei unseren Ballons, die in unserem Abschnitt in langer Reihe den Spreebogen säumten. Während wir auf den Start warteten, spazierten unzählige Menschen an uns vorbei. Dabei sahen sie uns neugierig an, stellten Fragen und lasen unsere Botschaften, die wir am Ballon befestigt hatten.

Ich habe mich an diesem Abend wie ein Botschafter der Freiheit gefühlt. Die Stimmung entlang der Lichtgrenze war bezaubernd und schön, freudige Aufregung mischte sich darunter – fast ein bisschen wie an Silvester, wenn man auf den Jahreswechsel wartet, und doch ungleich viel ergreifender.

Die vorbeikommenden Menschen waren meist sehr interessiert. Ich habe viele interessante Gespräche führen können. (Foto: Tobias Koch)

Die vorbeikommenden Menschen waren meist sehr interessiert. Ich habe viele interessante Gespräche führen können. (Foto: Tobias Koch)

Hoffnungsfunke

Der Fall der Mauer ist zum Symbol für die Kraft des Freiheitswillens und für das Scheitern eines unmenschlichen Regimes geworden. Gerade mit Blick in die Ukraine, nach Syrien oder in den Irak weiß ich: Frieden und Freiheit sind auch heute nicht selbstverständlich. Ich wünsche mir, dass unsere friedliche Revolution den Menschen in Krisengebieten auf der ganzen Welt Hoffnungsfunke ist und ihnen Mut macht.

Teil dieses wunderbaren Projektes zu sein, macht mich glücklich und froh – erinnert es uns doch an die Opfer an der Mauer, an den Mut der Revolutionäre und an die überwundene Teilung unseres Vaterlandes.

Der Moment kurz vor dem Aufstieg des Ballons: Jeder aufgestiegene Ballon wurde von den Menschen bejubelt. (Foto: Tobias Koch)

Der Moment kurz vor dem Aufstieg des Ballons: Jeder aufgestiegene Ballon wurde von den Menschen bejubelt. (Foto: Tobias Koch)

Gastbeitrag: Die Arbeit im Bundestag so wie ich sie erlebt habe.

Wenn man zwischen Anfang März und Ende Juli durch die Gebäude des Deutschen Bundestages läuft, trifft man ständig eine bestimmte Gruppe von Praktikanten, die sich von allen anderen Praktikanten ein bisschen unterscheidet. Wodurch? Hm… Gerüchten zufolge, erkennt man sie an den lustigen Akzenten und nicht zuletzt, an der Art sich anzuziehen (den ein oder anderen hat man sogar in Nationaltracht im Bundestag gesehen – und das ist KEIN Witz!). Sie sind überall zu finden: in den Arbeitsgruppen und Arbeitskreisen, in den Ausschüssen, Plenarsitzungen und Fraktionssitzungen, bei allen möglichen Veranstaltungen und während der Mittagspause in der Kantine des Jakob-Kaiser-Hauses natürlich auch. Sie alle kennen sich untereinander und sind damit eine der größten „Gemeinschaften“ in dem Deutschen Bundestag. Und das stimmt doch!

Daniela und Peter. Foto: Tobias Koch

Daniela und Peter. Foto: Tobias Koch

In diesem Jahr sind es 115. Aus 30 unterschiedlichen Ländern. Und ich bin eine von ihnen. Daniela Ceban – die IPS-Praktikantin aus dem Büro Dr. Peter Tauber.

Seit vier Monaten gehört also zum Team Tauber noch eine Person: eine junge Moldauerin, die vor kurzem ihr Masterstudium in Deutscher Philologie an der Staatlichen Pädagogischen „Ion Creanga“ Universität in Chisinau abgeschlossen hat.

Das Hauptziel des Internationalen Parlaments-Stipendiums (und auch meins) ist es, die vorbildliche deutsche Demokratie und den Parlamentarismus direkt am „Produktionsort“ kennenzulernen und die parlamentarische Willensbildung persönlich zu erleben. Und das tu ich.

Das Leben einer IPS-lerin (und eines IPS-lers, genauso) ist hochinteressant und spannend. Es ist bei allen im Grunde genommen ähnlich, aber es ist auch vom Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Zu meinen Aufgaben im Büro gehören zum Beispiel die Durchführung der Recherchen zu verschiedenen aktuellen Themen, das Erstellen von Antwortentwürfen, die allgemeine Bearbeitung der Post, die jeden Tag in unser Büro ankommt, und ich habe auch die Möglichkeit selbst wissenschaftlich bei der Vorbereitung der Zusammenfassungen zu arbeiten. Außerdem durfte ich Ausschüsse, Plenarsitzungen und einmal sogar die Fraktionssitzung besuchen. Was mir am meisten am Herzen liegt ist die Transparenz der deutschen Politik. Neben den anderen Praktikanten hatte ich die Chance die Diskussionen der Abgeordneten, die meistens unterschiedlicher Meinung sind, während der Sitzungen mitzubekommen. Das hat mir sehr geholfen, die politischen Prozesse in Deutschland besser zu verstehen. Und natürlich darf ich auch mit Herrn Dr. Tauber verschiedene Veranstaltungen besuchen, was einen genaueren Einblick in die Arbeit eines Abgeordneten ermöglicht hat.

Ich bin ein Glückspilz, da ich mein Praktikum im Büro von Dr. Peter Tauber absolvieren darf. Und das meine nicht nur ich, und nicht nur aus Höflichkeit (oder weil ich weiß, dass Peter das auch lesen wird). Das meinen alle meine Mit-Stipendiaten, die ihn inzwischen als den „tollsten (eigentlich coolsten) Abgeordneten“ kennengelernt haben. Mein Praktikum besteht also aus noch einem höchstrelevanten Teil und nämlich: Einführungskurs in Freundlichkeit, Lebensfreude und Verhaltensgrundlagen beim Telefongespräch (was ich persönlich sehr gebraucht habe).

Aber wenn ich auch ein bisschen ernst sein darf, dann kann ich nur eins sagen: auf dem Wege zu meinen Zielen war ich in dem Deutschen Bundestag und ein Stück der deutschen Demokratie werde ich mit nach Hause nehmen. Und nicht nur… Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Danke Berlin, Bundestag, Team Tauber!

P.S.: Und das ist noch nicht das Ende. Eine Wahlkreisreise folgt…

 

 

 

Mein Bericht von der 15. Bundesversammlung

Der Tag der Bundesversammlung begann mit einem ökumenischen Gottesdienst. Danach kamen die Wahlfrauen und Wahlmänner noch einmal zu einer Fraktionssitzung zusammen. Auch heute war die Laune gut. Ich habe mich mit meiner Kollegin Nadine Schön noch einmal abgestimmt, da wir gemeinsam Schriftführerdienst hatten.

Otto Rehagel wurde separat begrüsst. Volker Kauder erklärte, die Union wünsche sich einen starken Fußballclub in der Hauptstadt, auch wenn das gestern gegen Bayern nicht geklappt hätte. Rehagel ergriff das Mikrofon und antwortete: „Denk ich an Bayern in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.“ Angela Merkels Antwort, dass sie trotz Bayern gut schlafe, sorgte für Heiterkeit.

Nach gut 20 Minuten war die Fraktionssitzung beendet. „Nun gehen wir geschniegelt und gestriegelt nach unten und machen einen guten Einduck – wie es sich für die Union gehört“, mit diesen Worten beschloss Angela Merkel die Fraktionssitzung.

Dann begann das Warten auf den Beginn der Bundesversammlung. Nachdem Norbert Lammert alle Anwesenden begrüßt hatte, mahnte er, dass es das Ziel sein müsse, Verfassungsnorm und  und politische Realität wieder in Einklang zu bringen. Die nächste Bundesversammlung solle erst in fünf Jahren zusammentreten.

Seine mahnenden Worte zum Rücktritt Christian Wulffs waren klug gewählt. Eine faire Bewertung sei wohl erst mit einem gewissen Abstand möglich, so Lammert. Alle müssten sich die Frage stellen, welche Rolle sie in den letzten Wochengespielt hätten.

Die veröffentlichte Meinung gebe wie vieles andere auch Anlass zur selbstkritischen Betrachtung – nicht nur an ein Adresse. Wohl wahr!

Lammert erinnerte darüberhinaus an die historische Ereignisse, die mit dem 18. März verbunden sind: den Märzaufstand, die Paulskirchenrevolution und vor allem die ersten freien Wahlen in der DDR.

Zwei Dinge erwähnte Lammert, die ich bedenkenswert fand: Demokratie brauche Vertrauen. Und dieses Vertrauen gründe auf Vertrauen in die Repräsentanten. Das gelte für Gewählte aber auch für Wählerinnen und Wähler. Und werbe für dieses Vertrauen.

Das angebliche Twitterverbot wurde faktisch durch das zusammengebrochene Netz durchgesetzt. Es war während der Versammlung fast unmöglich zu twittern oder SMS zu schicken.

Gleich zu Beginn des Wahlaktes nahm ich meinen Platz an einer der Urnen ein. Die Mitglieder der Bundesversammlung mussten hier vor der Stimmabgabe ihren Wahlausweis vorzeigen bzw. abgeben. Das Verlesen der über tausend Namen und der Wahlakt selbst dauerten weit über eine Stunde. Nach 31 (!) Minuten wurde ich dann abgelöst und konnte gegen Ende selbst zur Wahl schreiten. Diesmal war Joachim Gauck auch mein Kandidat. Ich habe ihn gewählt.

Nachdem der Wahlgang geschlossen wurde, begann das Auszählen. Bei der zweiten Wahl Horst Köhlers kam es zu einem kleinen Eklat, weil die Kollegin Julia Klöckner das Ergebnis vorab per Twitter weitergegeben hatte. Dieser Versuchung habe ich widerstanden, denn ich finde, dass es weitaus würdevoller ist, wenn Norbert Lammert diese Aufgabe übernimmt – unabhängig des ausgesprochenen „Verbots“. Außerdem war es ein ganz gutes Gefühl einmal etwas vor anderen zu wissen! 🙂

„Was für ein schöner Sonntag“, damit begann Gauck seine Dankesrede und meinte damit den 18.3.1990, den Tag der ersten freien Wahlen in der DDR. Damit machte er gleich klar, worum es ihm in den nächsten fünf Jahren gehen wird: die Freiheit. Aus dem Glück der Freiheit entstehe die Verantwortung. Er könne sich ein Land nicht ohne die „Praxis der Verantwortung“ vorstellen. Er wolle für eine Annäherung zwischen Regierenden und Bevölkerung werben. Er werde sich mit ganzer Kraft der übertragenen Verantwortung stellen. Sein letzter Satz war ein formulierter Wunsch: Er wolle daran mitwirken, dass die nächste Generation auch von „unserem Land“ spreche, wenn es um Deutschland ginge. Dann erfolgte das Singen der Nationalhymne.

Der 18. März ist in der Tat damit einmal mehr ein historisches Datum. An diesem Tag fanden die ersten freien Wahlen in der DDR statt. Wie hatte es Joachim Gauck gestern in der Fraktionssitzung formuliert? Auch aufgrund dieser Erfahrung werde er „nie nie nie eine Wahl versäumen“ – einen Satz, den er in seinen Dankesworten wiederholte. Und die Freunde und die Notwendigkeit von Demokratie und von Parteien wolle er den Bürgern vermitteln. Gerade das wäre gut. Wenn Parteien für sich selbst werben, dann kann das nicht funktionieren. Und Bundespräsident der das tut, wäre ein Segen für die parlamentarische Demokratie. Auch das ist eine der vielen Erwartungen, die an Joachim Gauck nun herangetragen werden. Ich wünsche ihm Glück und Gottes Segen für sein Amt.

Die Berliner Abendplanung

Dem Klischee nach ist der Politikbetrieb in Berlin ja von den so genannten „Häppchen-Partys“ geprägt. An den Abenden werden die Abgeordneten angeblich von Unternehmen und Verbänden durchgefüttert und von Lobbyisten belagert. Für die Öffentlichkeit kaum nachvollziehbar werden dann – so die böswillige Vermutung – die wichtigen Entscheidungen im Hinterzimmer und ohne Öffentlichkeit getroffen. Wie so oft sieht die Wirklichkeit dann doch ein bisschen anders aus.

Auch ich bekomme pro Tag in der Sitzungswoche mindestens 20 Einladungen zu Veranstaltungen, die ich an den Abenden besuchen könnte. Parlamentarische Abende, Diskussionsveranstaltungen, Hearings, Hintergrundgespräche, Abendessen, Präsentationen: es gibt fast nichts, was es nicht gibt. Da fällt die Auswahl schwer. Was tun? Sinnvoll kann man aus meiner Sicht maximal zwei Termine pro Abend wahrnehmen. In der Regel entscheide ich mich für die Veranstaltungen, die einen Bezug zu meiner inhaltlichen Arbeit in den Ausschüssen haben. Ein Abendessen mit der Evangelischen Jugend oder ein Gespräch mit Freiwilligenorganisationen steht dann in der Abwägung der Vorstellung einer Jugendstudie oder einem Gedankenaustausch in vertrauter Runde mit der Arbeitsgemeinschaft Jugendhilfe gegenüber. Will man nicht nur kurz reinschauen und winken und zum nächsten Termin weiterhetzen, dann sollte man sich mindestens eine Stunde Zeit nehmen. So versuche ich es zumindest zu handhaben.

Bei den größeren Veranstaltungen kommt noch etwas hinzu: das gemütliche Essen fällt meist deswegen flach, weil ständig Menschen auf mich zukommen, die ein Anliegen haben, um einen Termin bitten oder mich als Ansprechpartner für ihre Anliegen kennenlernen wollen. Auch nach zwei Jahren im Bundestag treffe ich immer wieder engagierte Menschen und Verbandsvertreter aus dem weiten Feld der Kinder- und Jugendpolitik, die ich noch nicht kenne. Und natürlich trifft man viele bekannte Gesichter. „Wann stellen Sie Ihre nächste Studie vor?“ „Konnten Sie unsere Stellungnahme zum neuen Gesetzesvorhaben schon lesen?“ „Darf ich Sie zu einem Gespräch mit 150 Freiwilligen in den Odenwald einladen?“ Außerdem sind diese Veranstaltungen oft auch eine tolle Gelegenheit, um mit den meist ebenfalls zahlreich anwesenden Kolleginnen und Kollegen – auch aus den anderen Fraktionen – zu sprechen. Oft kann man noch einmal Diskussionen fortführen. Fraktionsübergreifend entstehen gute Gespräche. Man kennt und schätzt oft die Kollegen der anderen Feldpostnummer – bis hin zur freundschaftlichen Verbindung.

Für nicht wenige Kollegen enden diese Abende recht spät im Büro. Denn schließlich warten da noch Briefe, die unterschrieben werden wollen und Post, die beantwortet werden muss. Wer glaubt, man könne sich an den Abenden als Bundestagsabgeordneter dem süßen Nichtstun hingeben, den lade ich gerne einmal ein, mich einen Tag zu begleiten. Damit ich nicht falsch verstanden werde: viele dieser Termine sind durchaus angenehm. Aber jedem Gesprächspartner die verdiente Aufmerksamkeit zu widmen, sich Anliegen und Fragen zu notieren, sich natürlich auch kritischen Diskussionen zu stellen – das ist ein Teil meiner Arbeit und es ist durchaus anstrengend. Mir macht es trotzdem Spaß, denn es ist die Gelegenheit, mit Fachleuten, Journalisten und Kollegen auch dort über die Richtigkeit von Entscheidungen zu diskutieren.

Ganz oft kommt es übrigens auch vor, dass ich meine Abendplanung über den Haufen schmeißen muss. Dann darf mein Büro noch kurzfristig um 20 Uhr beim Gastgeber anrufen, um mich zu entschuldigen. Der Grund ist in der Regel die Präsenz im Plenum. Auch letzten Donnerstag habe ich bis 23 Uhr an der Plenardebatte teilgenommen. Statt Häppchen gab’s dann Currywurst an der S-Bahnstation in der Nähe meiner Wohnung im Wedding. Ganz ehrlich: nach einem langen Tag schmeckt die tausendmal besser als Louisanna-Flußkrebse oder Antipasti.

Pilgerreise Tag 1: von Berlin in das Storchendorf Linum

Die Sonne scheint herrlich. Max Schad und ich sind bereit für unsere erste Pilgerfahrt nach Wilsnack in der Mark Brandenburg. Die Stadt war im Mittelalter der wohl bedeutendste Pilgerort Nordeuropas und wurde in einem Atemzug mit Santiago, Rom und Aachen genannt. Aus ganz Europa kamen die Menschen in die Wunderblutkirche, um drei Hostien zu verehren, die 1383 den Brand der Kirche unbeschadet überstanden hatten. In den Trümmern der Kirche blieben nur die Hostien, auf denen nun Blutstropfen zu sehen waren, unversehrt. Damals wie heute pilgern Menschen, um Buße zu tun, um Fürbitte zu halten, Dank zu sagen oder auch aufgrund eines Gelübdes.
Ich hatte mir im Falle meiner Wahl drei Dinge vorgenommen. Eine davon war die Pilgerreise nach Wilsnack, die ich nun einlöse. Der Dank steht für mich im Vordergrund für die Dinge, die Gott an mich gewandt hat. Aber auch die Sorge, vielleicht vor der Größe der Aufgabe nicht zu bestehen. Auch hier bitte ich Jesus Christus, meinen Herrn, um Hilfe. Und schön, das mein Freund und Bruder im Glauben Max mich auf diesem Weg begleitet. Für ihn ist es die Suche oder der Weg zu seinem Glauben.
Am Sonntag Jubilate war der Gottesdienst im Berliner Dom ein guter Anfang für unseren Weg.  „Nun danket Alle Gott“ – den Choral von Leuthen – haben wir noch gesungen und uns dann auf den Weg gemacht.
Nach einem strammen Marsch durch Berlin erreichten wir in Henningsdorf   die Stadtgrenze. Über den märkischen Sand geht es bei blauem Himmel weiter Richtung Bützow, ein Dorf mit einer schönen alten Kirche aus   Feldsteinen und mittelalterlichem Geläut. Alle Menschen, denen wir
begegnen, sind freundlich und herzlich. Ein Sonntag wie gemalt.
Der weitere Weg führte und durch die unverwechselbare Landschaft, die  auch Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ so trefflich beschreibt. Ob schweigend, singend oder im  Gespräch: ohne die Zwänge des Alltags fühlt man sich herrlich frei.
Der Höhepunkt des Tages war sicherlich der Besuch der alten Kirche in  Flatow. Am Ortseingang hielt auf einmal ein Auto neben uns: „Seid ihr  Pilger? Wollt ihr in die Kirche?“ Wir nickten. „Klar!“ „Gut. Ich hab den Schlüssel. Ich fahr vor und schließ euch auf.“ Sprach’s und fuhr davon. Wir schleppten unsere schon recht müden Beine die gut 1,5 Kilometer bis zur Kirche hinterher. Auch oder gerade ein Mann Gottes hat offensichtlich kein Einsehen mit uns oder er wollte uns schlicht und einfach nicht in Versuchung führen.
Das alte Gotteshaus war eine Offenbarung. Die kleine Kirche aus dem 15. Jahrhundert hatte nicht zuletzt dank des Einsatzes von Herrn Sandow, so hieß unser Mann Gottes, die DDR mit nur wenigen Blessuren überstanden. Mit wieviel Begeisterung und Herzblut der gute Mann von „seiner“ Kirche und ihrer Geschichte sprach, faszinierte uns.  Nach einem halbstündigen Vortrag und einem Stempel in unserem Buch ließ er uns dann kurz zum Gebet am Altar, den er selbst renoviert hat, allein. Inzwischen war nämlich ein weiterer Pilger eingetroffen und der solte schließlich auch alles über das Kirchlein erfahren. Wir dankten unserm guten Hirten, beteten und zogen weiter.
Nach weiteren 8 Kilometern kamen wir im Storchendorf Linum an. Nach 32 Kilometern endete hier unsere erste Etappe. Im Landgasthof Storchenklause wurden wir begeistert begrüßt. Die Gäste quittierten  unseren Bericht und den Grund unserer Wanderung mit liebevollen  Scherzen, durchsetzt mit Respekt für die zurückgelegte Wegstrecke und  belustigt, ob der Freiwilligkeit unseres Tuns. Und als wir von Herrn Sandow in Flatow berichteten war die Freude doppelt groß. Den kannten nämlich alle.
Unser erster Tag klang auf der Terrasse der Storchenklause bei gutem Essen in einer lauen Frühlingsnacht aus.

Die Sonne scheint herrlich. Max Schad und ich sind bereit für unsere erste Pilgerfahrt nach Wilsnack in der Mark Brandenburg. Die Stadt war im Mittelalter der wohl bedeutendste Pilgerort Nordeuropas und wurde in einem Atemzug mit Santiago, Rom und Aachen genannt. Aus ganz Europa kamen die Menschen in die Wunderblutkirche, um drei Hostien zu verehren, die 1383 den Brand der Kirche unbeschadet überstanden hatten. In den Trümmern der Kirche blieben nur die Hostien, auf denen nun Blutstropfen zu sehen waren, unversehrt. Damals wie heute pilgern Menschen, um Buße zu tun, um Fürbitte zu halten, Dank zu sagen oder auch aufgrund eines Gelübdes.
Ich hatte mir im Falle meiner Wahl drei Dinge vorgenommen. Eine davon war die Pilgerreise nach Wilsnack, die ich nun einlöse. Der Dank steht für mich im Vordergrund für die Dinge, die Gott an mich gewandt hat. Aber auch die Sorge, vielleicht vor der Größe der Aufgabe nicht zu bestehen. Auch hier bitte ich Jesus Christus, meinen Herrn, um Hilfe. Und schön, das mein Freund und Bruder im Glauben Max mich auf diesem Weg begleitet. Für ihn ist es die Suche oder der Weg zu seinem Glauben.
Am Sonntag Jubilate war der Gottesdienst im Berliner Dom ein guter Anfang für unseren Weg.  „Nun danket Alle Gott“ – den Choral von Leuthen – haben wir noch gesungen und uns dann auf den Weg gemacht.
Nach einem strammen Marsch durch Berlin erreichten wir in Henningsdorf   die Stadtgrenze. Über den märkischen Sand geht es bei blauem Himmel weiter Richtung Bützow, ein Dorf mit einer schönen alten Kirche aus   Feldsteinen und mittelalterlichem Geläut. Alle Menschen, denen wir  begegnen, sind freundlich und herzlich. Ein Sonntag wie gemalt.
Der weitere Weg führte und durch die unverwechselbare Landschaft, die  auch Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ so trefflich beschreibt. Ob schweigend, singend oder im  Gespräch: ohne die Zwänge des Alltags fühlt man sich herrlich frei.
Der Höhepunkt des Tages war sicherlich der Besuch der alten Kirche in  Flatow. Am Ortseingang hielt auf einmal ein Auto neben uns: „Seid ihr  Pilger? Wollt ihr in die Kirche?“ Wir nickten. „Klar!“ „Gut. Ich hab den Schlüssel. Ich fahr vor und schließ euch auf.“ Sprach’s und fuhr davon. Wir schleppten unsere schon recht müden Beine die gut 1,5 Kilometer bis zur Kirche hinterher. Auch oder gerade ein Mann Gottes hat offensichtlich kein Einsehen mit uns oder er wollte uns schlicht und einfach nicht in Versuchung führen.
Das alte Gotteshaus war eine Offenbarung. Die kleine Kirche aus dem 15. Jahrhundert hatte nicht zuletzt dank des Einsatzes von Herrn Sandow, so hieß unser Mann Gottes, die DDR mit nur wenigen Blessuren überstanden. Mit wieviel Begeisterung und Herzblut der gute Mann von „seiner“ Kirche und ihrer Geschichte sprach, faszinierte uns.  Nach einem halbstündigen Vortrag und einem Stempel in unserem Buch ließ er uns dann kurz zum Gebet am Altar, den er selbst renoviert hat, allein. Inzwischen war nämlich ein weiterer Pilger eingetroffen und der solte schließlich auch alles über das Kirchlein erfahren. Wir dankten unserm guten Hirten, beteten und zogen weiter.
Nach weiteren 8 Kilometern kamen wir im Storchendorf Linum an. Nach 32 Kilometern endete hier unsere erste Etappe. Im Landgasthof Storchenklause wurden wir begeistert begrüßt. Die Gäste quittierten  unseren Bericht und den Grund unserer Wanderung mit liebevollen  Scherzen, durchsetzt mit Respekt für die zurückgelegte Wegstrecke und  belustigt, ob der Freiwilligkeit unseres Tuns. Und als wir von Herrn Sandow in Flatow berichteten war die Freude doppelt groß. Den kannten nämlich alle.
Unser erster Tag klang auf der Terrasse der Storchenklause bei gutem Essen in einer lauen Frühlingsnacht aus.