Che Guevara – Der Mann auf dem T-Shirt

Man spaziert durch deutsche Fußgängerzonen und in regelmäßigen Abständen begegnen einem – meist junge – Menschen, die entweder T-Shirts, Taschen oder Buttons mit dem „berühmten“ kubanischen Revolutionsführer Che Guevara tragen. Selbstverständlich – berühmt ist diese Person. Aber wissen die Menschen die ihn in bunten Farben auf der Brust tragen auch, wie die Leistungsbilanz des Barfußrevolutionärs aussieht? Welche Verdienste er sich erworben hat? Rechtfertigen diese, dass junge Leute in einer freiheitlichen Demokratie sein Konterfei spazieren tragen? Umfragen an deutschen und ausländischen Universitäten haben Erstaunliches ergeben. Fast jeder Befragte kennt Che Guevara, aber kaum einer ist in der Lage Angaben zu seinem Leben oder seiner „politischen Arbeit“ zu machen. Mich nervt das. Darum hier ein paar Anmerkungen.

Fidel Castro und Che Guevara stürzten Ende der 1950er Jahre nach langer Vorbereitung den bisher auf Kuba regierenden Diktator Batista und zogen mit ihren Revolutionstruppen in Havana ein. Doch sie beendeten damit nicht die Diktatur, sie ersetzten sie lediglich durch eine neue. In den Anfangsjahren der kommunistischen Herrschaft noch für seinen aktiven und alles andere als gewaltlosen Wiederstand gegen den Diktator Batista gefeiert, wurde Che Guevaras neue Ideologie sehr schnell zum Alptraum für viele Menschen in Kuba.

Che Guevaras Antrieb war der Kommunismus. Durch seinen Mentor und Ziehvater Fidel Castro wuchs sein politischer Einfluss und er wurde Kommandant der Gefangenenanstalt La Cabana. Das berüchtigte Lager Guantanamo Bay sieht dagegen wie ein ordentliches Gefängnis aus. Vielmehr ähnelte das Lager unter Ches Kommando den deutschen Konzentrationslagern des Dritten Reiches. Dort war er für die Ermordung einiger hundert – manche Quellen sprechen von einigen tausend – Menschen verantwortlich. Seine kommunistische Überzeugung pflegte er durch regelmäßigen Kontakt zu Diktatoren und Führern der Sowjetunion und „der DDR“. Ein besonderes Verhältnis pflegte er aber zu Josef Stalin, er vergötterte den sowjetischen Machtinhaber regelrecht. Briefe unterschrieb er nach Stalins Tod zu Gedenken mit dem Kürzel „Stalin II“. Er wurde immer radikaler in seiner Handlungs- und Denkweise. Man muss an dieser Stelle noch einmal betonen, dass es um einen Mann geht, der heute eine Reihe von Devotionalien schmückt und tiefste Zuneigung und Verehrung für einige der schlimmsten Mörder und Diktatoren unserer Zeit empfunden hat. Was sagt das über die Träger seiner T-Shirts aus, außer, dass man ihnen mindestens mangelhafte Geschichtskenntnisse attestieren muss?

1962 reiste Che Guevara in die UDSSR und verhandelte mit Stalins Nachfolger über die Stationierung sowjetischer Atomraketen auf der Karibikinsel. Die Kubakrise hätte fast zum Dritten Weltkrieg geführt. Nach Beilegung der Krise sagte er zu einem britischen Journalisten, er hätte die Raketen gezündet, wenn die Sowjets ihn gelassen hätten. Er beendete den Kontakt mit der ehemaligen Sowjetunion und der DDR, da ihn diese Staaten zu sehr vom eigentlichen Ideal des Kommunismus abwichen. Mit anderen Worten: Die DDR und die UDSSR waren ihm nicht mehr radikal genug! Kurze Zeit später begann auf Kuba die Errichtung von Arbeitslagern, in denen auf Che Guevaras Anweisung hin Tausende Katholiken, Homosexuelle und andere unbescholtene Menschen den Tod finden mussten.
Bevor er im Oktober 1967 durch die bolivianische Regierung umgebracht wurde, hatte er sich als Guerilla-Kämpfer in Bolivien „einen Namen gemacht“. Unter seiner Führung entstand eine gewalttätige Untergrundorganisation. Die Destabilisierung Boliviens diente keineswegs der Befreiung des bolivischen Volkes, sondern sollte allein die USA, die gerade in den Vietnam Krieg verwickelt waren, schwächen. Boliviens Regierungschef machte Che Guevara für die Guerilla- und Bürgerkriege in Bolivien verantwortlich und ließ eine Kopfgeldprämie auf ihn aussetzen. Am Ende wurde „Che“ Opfer der von ihm selbst entfesselten Spirale aus Gewalt und Haß.

Kann heute jemand ernsthaft die Wertvorstellung Che Guevaras teilen? Wohl kaum. Sie sind weder mit den Menschenrechten noch mit dem Artikel 1 des Grundgesetzes – „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – in Einklang zu bringen. T-Shirts mit seinem Konterfei offenbaren also nicht nur eine mangelnde politische Bildung des Trägers und mangelnde Geschichtskenntnisse, sie sind einfach uncool.

7 Kommentare zu “Che Guevara – Der Mann auf dem T-ShirtEinen Kommentar schreiben →

  1. Schon wahr und diese Erkenntnisse sind eigentlich auch in jeder Biographie nachzulesen, doch ist der Mangel an Wissen auch auf die Schule zurück zu führen, die diese Persönlichkeit des 20. Jahrhunderts überhaupt nicht behandelt und der Tatsache, dass viele Leute nicht lesen, obwohl das meiste auch in dem Wikipedia-Artikel drin steht.

    Trotzdem möchte ich erwähnen, dass auch etwas sehr Ideelles in Che Guevara steckt, dass man nicht vergessen darf. Ich habe mit 14 selber ein Guevara-Shirt getragen und mich mit 16, als ich dann mehr über ihn wusste, distanziert, aber die Opferbereitschaft gegen ein bestehendes System anzugehen, dass keineswegs menschlicher ist als das in Bolivien oder auf Kuba damals herrschende, ist schon bewundernswert. Che Guevara erfüllt heute einen Inspirationszweck, der nicht auf Grund seiner Biographie vergessen werden darf.

  2. Sehr amüsant zu lesen. Wenn jeder immer wüsste, wessen Konterfei er auf der Brust trägt, also was derjenige tatsächlich für ein Mensch war, wie er gelebt hat, welche Ansichten er hatte, wie er privat war, liefen wir alle oben ohne herum. Oder eben mit anständigen Hemden ohne Aufdruck, sicher ist sicher.
    Dennoch enthält der Artikel einen Fehler: T-Shirts werden mit Symbolen bedruckt. Che Guevara ist ein Symbol für Freiheitskampf, Widerstand und Befreiung der Welt von Diktatoren. Aber nicht die historische Figur, nein, es ist doch eigentlich nur das Photo, das Alberto Korda gemacht hat: „Guerrillero Eroico“. Das gehört zum Weltkulturerbe (gibt es auch ein Weltsubkulturerbe?) – und das schmückt die T-Shirts wie Marilyn Monroe von Warhol. Bei der geht es auch nicht um eine Schauspielerin, die was mit dem amerikanischen Präsidenten hatte oder auch nicht, sondern um ein Bekenntnis zur Popart (Leute unter 40 sagen „was war das gleich wieder?“, tragen aber das T-Shirt durchaus selbst).
    Eine Ikone der 68er ist Che Guevara also – und die 68er sind keineswegs „uncool“, sie sind höchstens „voll retro“. „Uncool“ hingegen ist „uncool“, denn dieses Wort zu sagen ist sowas von retro 🙂

  3. Kann mich den bisherigen Kommentaren mehr oder weniger anschließen. Die -gestalterisch- großartige Schwarzweiß-Umsetzung von Jim Fitzpatrick hat sich von ihrer Bedeutung her längst weit von Figur, Leben und Wirken Che’s entfernt. Sie steht heute für einen ganzen Mischmasch von unterschiedlichsten und mitunter gegensätzlichen Symboliken.

    Hannah Charlton von der „Sunday-Times“ schrieb (lt. Wikipedia – „Che Guevara in popular Culture“) „Das Tragen eines T-Shirt’s mit Che’s Abbild ist für viele mehr oder weniger ein Ersatz für tatsächlichen Widerstand“.

    T-Shirts, Mousepads und was es sonst noch alles gibt mit diesem überstrapazierten Che-Symbol kann man einfach nicht mehr sehen, man ist ihrer überdrüssig geworden weil sie einerseits inflationär und andererseits weitgehend ohne Hirn getragen oder eingesetzt werden. Ob nun mit oder ohne Kenntnis von Che’s Lebenslauf.

  4. Sicherlich sind hier die meisten Kommentare richtig:-) jeder sollte darum wissen, was man tut und auch trägt, wenn man sich mit Bildern geschichtsträchtiger Persönlichkeiten oder Symbolen ähnlicher Art umgibt, beschmückt und diese auch in Form von Kleidung trägt. Ehrlich gesagt bei Che seh ich da kein Problem, da geht es, wie Tobias Schwarz hier schon angemerkt hat, um das Ideelle diesen Menschen, auch ich trage aus diesen Gründen ein T-Shirt von ihm. Hierzu sei mal angemerkt, was ist denn mit den sogenannten Markenartikeln von Nike, Esprit, Adidas oder ähnlichem dergleichen. Wer sich damit schmückt und kleidet, der unterstützt doch mehr die Konsumgier und Gleichschaltung, die dann wohl mehr das Ausbeutende des Kapitalismus unterstützt, anstatt soziale, demokratische und gleichberechtigte Bewegungen – nur mal als Denkhinweis, denn mit den Symbolen der sogenannten Markenhersteller, die auch auf der Kleidung,den Schuhen etc. zu finden sind, unterstützt man ja mehr den Hersteller, als seinen eigenen Geldbeutel. Dies mal als Gegenüberstellung zu Che Guevara. Vielen Dank trotzdem für die Infos hier:-)

    Beste Grüße
    Michaela-Alexandra

  5. ich muss ehrlich sagen ich habe seine biografie gelesen und bin mir bewusst was er getan hat. und dennoch trage ich diese t-shirt, denn ich glaube an dass was er auch geglaubt hat. auch wenn ich nicht mit allen seinen ideen und handlungen einferstanden bin. aber ist dass was er gemacht hat wirklich besser als der gelobte kapitalismus in dem täglich mehr als 16 000 personen verhungern obwohl die erde genug essen für 12 billionen menschen zur verfügung stellt. also befor ihr gegen die bösen jungen lästert die noch etwas verändern wollen. beginnt eimal vor eurer hütte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.