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Lutz Hundelshausen – ein Christdemokrat der ersten Stunde

Es war eine besondere Verabredung für mich. Ich wollte mich mit einem CDU-Mitglied der ersten Stunde treffen. Er ist seit 1946 Mitglied der Partei und wohnt in meiner Heimatstadt Gelnhausen.
1926 ist Lutz Hundelshausen in Oberschlesien geboren worden. Mitten in der Zeit der Weimarer Republik und nicht in den schlechtesten Jahren der ersten deutschen Demokratie. Das Schicksal von Flucht und Vertreibung bleibt ihm und seiner Familie erspart – wer weiß, ob er es überlebt hätte –, denn bereits vor dem Krieg findet der Vater eine Stelle in Gelnhausen, und die Familie zieht von Oberschlesien in das beschauliche hessische Städtchen um. Auch hier geben in den dreißiger Jahren die Nazis den Ton an. Der Vater schafft für die Familie mit Fleiß ein Eigenheim. Der junge Lutz Hundelshausen muss bei Kriegsende noch als Luftwaffenhelfer in Kassel dienen, gerät im Harz in Kriegsgefangenschaft, aber darf schon im Sommer 1945 zurück nach Gelnhausen. Im benachbarten Büdingen macht er Abitur. Er wird Lehrer, u.a. für katholische Religion an der Gelnhäuser Kreisrealschule. Noch heute lebt er in der Barbarossastadt, nimmt Anteil am Zeitgeschehen, der Entwicklung seiner Kinder und Enkel und pflegt seine Ehefrau.
Er ist trotz dieses für seine Generation nahezu typischen Lebenslaufs ein besonderer Mensch. Ein Demokrat der ersten Stunde. Einer der ersten Christdemokraten – und das bereits drei Jahre bevor die Bundesrepublik überhaupt gegründet wird. Denn an vielen Orten in den vier Besatzungszonen gründen sich schon kurz nach Kriegsende Parteien, die sich dem C verpflichtet fühlen. Viele wählen als Namen bereits die Abkürzung CDU. Einer von diesen tritt Lutz Hundelshausen schon 1946 bei. Christlichen Werten fühlen sie sich verpflichtet, Demokraten sind sie, und in einer Union wollen sie Grenzen von Klassen, Schichten und Konfessionen überwinden. Alle vereinen Protestanten und Katholiken. Das ist die Lehre aus dem Nationalsozialismus: Man will das Gemeinsame betonen und nicht auf das Trennende schauen. Erst 1950 wird aus all diesen Gründungen in Goslar eine gemeinsame bundesweit agierende CDU. In der östlichen Besatzungszone ist unter der Knute der Kommunisten die CDU dort längst unterwandert, viele Christdemokraten aus der SBZ geflohen, inhaftiert oder sogar ermordet.
Lutz Hundelshausen ist gerade 20 Jahre alt. Er ist nicht völlig desillusioniert von der Politik – wie die meisten seiner Generation. Vielleicht hat ihm dabei auch sein christlicher Glaube geholfen. Er ist schnell dabei, als ihn die älteren Männer in Gelnhausen – auch in der Kirchengemeinde – fragen, ob er mithelfen will, eine neue Partei mit aufzubauen, die auf christlichen Werten gründet. Er engagiert sich ebenfalls in der Jungen Union. Er sagt ja. Er ist voller Tatendrang und vor allem voller Zuversicht.
So begleitet er den ersten Landrat im Landkreis Gelnhausen nach dem Krieg, Heinrich Kreß, und beteiligt sich an den ersten Wahlkämpfen, die noch ohne Social Media, moderne Werbemittel und die neumodischen Plakate aus Plastik auskommen. Mit einem Bus geht es übers Land. Überall werden die Plakate aufgehängt.
Er erlebt, dass es durchaus gefährlich werden konnte, Plakate der CDU in den roten Arbeiterdörfern der Gegend aufzuhängen und und dabei auf Mitglieder der SPD oder der KPD zu treffen. „Man musste schnell genug weglaufen können“, beschreibt er das damals Erlebte heute.
Als 1946 auf Schloss Vollrads die Junge Union in Hessen gegründet wird, ist er dabei. Er erinnert sich an die Erbensuppe und die Unterbringung in Privatwohnungen von „CDU-Leuten“.
Bis heute verfolgt er das politische Geschehen engagiert, liest die Tageszeitungen und informiert sich. Sorgen bereitet ihm der Glaubensrückgang in der Gesellschaft und die damit einhergehenden Folgen – materialistische Denkweise, fehlende Bereitschaft, sich ehrenamtlich in der Gesellschaft einzubringen. Er ist nicht nur katholisch, sondern auch Mitglied der Malteser und beim DRK. Die Werte, für die seine Kirche, die Vereine, in denen er Mitglied ist, und die CDU stehen, sind ihm wichtig. Er fasst seine Sicht kurz in einem Satz zusammen: „Wer nichts glaubt, glaubt alles.“
Angela Merkel als Bundeskanzlerin unterstützt er. Das ist „schon meine Frau“ an der Spitze des Landes, beschreibt er seinen Blick auf die Arbeit Merkels. Die Aussage des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Albig, gegen Merkel solle die SPD auf einen eigenen Kanzlerkandidaten verzichten, kommentiert er kurz und knapp: „Albig sieht das Wesentliche.“ So spricht ein überzeugter Christdemokrat. Und aus seinem Mund klingt der Satz nicht frech, sondern nüchtern, erfahren.
Lutz Hundelshausen hat die Geschichte unserer Republik bewusst erlebt. Und inzwischen – nicht nur durch die Deutsche Einheit – hat sich unser Land immer wieder verändert. Auch die CDU als Volkspartei hat diese Veränderungen nicht nur gestaltet, sondern selbst nachvollzogen. Das ist sicher auch ein Grund für ihren Erfolg. Nicht selbstverständlich ist es aber, dass Menschen wie Lutz Hundelshausen diese Veränderungen „mitgehen“, dass sie ihrer Partei dabei trotz allen Wandels treu bleiben.
Als ich mich von ihm verabschiede, kann ich nicht anders, als mich beeindruckt zu zeigen. Was für ein Leben, was für ein Christdemokrat. Auf Männer wie ihn sind wir als CDU stolz. Sie sind Motivation und Verpflichtung zugleich.

Lutz Hundelshausen

Meine Laufergebnisse #laufpeter

2015 Laufen 02

Ich laufe. Und zwar gerne. Immer wieder. Warum ich das tue, kann man u.a. in meinem Interview mit Achim Achilles und dem Interview mit Julian Heissler nachlesen. Außerdem nutze ich eine App um eine Läufe aufzuzeichnen. Darüber kann man ebenfalls nicht nur streiten, sondern hier nachlesen, wie es dazu kam. Nicht jeder hat das so gut verstanden wie Mike Kleiss. Aber echte Läufer verstehen sich eben.

Wer meiner Lauferei folgen will, der kann das in sozialen Netzwerken unter dem Hasthag #laufpeter tun. Wer den erfunden und eingeführt hat, weiß ich gar nicht mehr. Aber eine der Ursachen, war die oben mehrfach thematisierte Kritik an meinem Sport und dem Umgang damit. Vielleicht war in der Tat der eine oder andere genervt, dass er den Spiegel vorgehalten bekommen hat. Andere habe ich seitdem für das Laufen begeistern können. Das ist eine schöne Erfahrung und diese Ergebnisse zählen mehr als die Resultate von Wettkämpfen und offiziellen Läufen.

Gleichwohl: Und hier sind nun meine Ergebnisse – also die der offiziellen Läufe, an denen ich teilgenommen habe:

Brüder Grimm Lauf

Der Brüder Grimm-Lauf ist eine Institution. Fünf Etappen in 48 Stunden über 82 Kilometer vom Marktplatz in Hanau bis in die Altstadt von Steinau an der Straße – im wahrsten Sinne des Wortes auf den Spuren der Brüder Grimm. Unterwegs unterstützen die örtlichen Vereine von den Turnern bis hin zu den Maltesern die Läuferschar. Ich habe bis jetzt sieben mal Mal teilgenommen und fünf Mal das ersehnte „Finisher“-Trikot in der Katharinenkirche übergeben bekommen – nicht ohne Stolz. Auf das nächste Jahr freue ich mich schon.

2011 7:50:22
2012 7:42:00
2014 7:53:34
2015 7:11:33
2016 6:48:13 PB

Marathon

Im Jahr 2015 bin ich meinen ersten Marathon gelaufen. Auf der schönen und leicht hügeligen Strecke von Schmitten bis Weilburg war der kleine aber feine Weiltalmarathon Bühne für meine Premiere. Ankommen war das Ziel. Ob und wann ich den nächsten Marathon laufe, erfahrt ihr dann.

13. Weiltalmarathon 19.04.2015 04:12:14
34. Frankfurt-Marathon 24.10.2015 04:36:56
33. Reykjavik-Marathon 20.08.2016 04:17:23
43. Berlin-Marathon 25.09.2016 04:07:35
35. Frankfurt-Marathon 30.10.2016 04:00:58 (PB)

Halbmarathon

Meinen ersten Halbmarathon bin ich im Jahr 2013 gelaufen. Der heimatliche Vogelsberger Südbahnlauf stand damals auf dem Programm und ist definitiv aufgrund der Landschaft und trotz der 240 Höhenmeter (ungewöhnlich bei einem Halbmarathon) meine Lieblingsstrecke auf dieser Distanz. Hier meine Ergebnisliste für die „halbe Distanz“.

11. Vogelsberger Südbahnlauf 21.07.2013 1:57:57
13. Vogelsberger Südbahnlauf 19.07.2015 1:54:55
14. Händellauf Halbmarathon Halle 06.09.2015 1:45:55 (PB)
14. Vogelsberger Südbahnlauf 17.07.2016 1:47:50

Fortsetzung folgt…

„Denken Sie einfach an Gelnhausen, dann wissen Sie Bescheid“

Bereits zum zwölften Mal hat das Magazin „politik & kommunikation“ den „Politikaward“ an herausragende Politiker, Agenturen und Kampagnen verliehen. Ich durfte die Auszeichnung als „Aufsteiger des Jahres“ in einer feierlichen Gala im Tipi am Kanzleramt entgegennehmen. Die Laudatio hielt mit dem Verleger und Publizisten Wolfram Weimer, ehemaliger Chefredakteur von „Cicero“ und „Focus“, ebenfalls ein gebürtiger Gelnhäuser. Dementsprechend drehte sich in den Ausführungen Weimers auch vieles um die gemeinsame Herkunft aus der Barbarossastadt.
Nachfolgend die Laudatio von Wolfram Weimer im Wortlaut.

Gemeinsam mit Wolfram Weimer bei der Verleihung des Politikawards (Foto: Junghanns)

Gemeinsam mit Wolfram Weimer bei der Verleihung des Politikawards (Foto: Junghanns)

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Kollegen, (lieber Herr Tauber).

Es gibt um den diesjährigen Preisträger in der Kategorie „Aufsteiger des Jahres“ einige Rätsel, ja Mysterien:
Zum Beispiel, wie es sein kann, dass jemand aus der Hessen-Dregger-Kanter-Koch-CDU so liberal sein kann?
Oder wieso ein leiser Hinterbänkler plötzlich Generalsekretär geworden ist?
Oder warum er in Talkshow wie ein knuffiger, brummender Erklärbar auftritt, wo doch seine SPD-Kontrahentin Fahimi wie die strenge Oberschwester-Supernanny los schnappt?
Darf ein Generalsekretär überhaupt so podolskihaft nett sein?
Und wieso sieht er so entschieden aus wie Bruce Willies mit Hornbrille, redet aber so smart-weich ist wie Giovanni di Lorenzo – nur ohne Haare?

Rätsel über Rätsel. Aber ich bin heute da, um diese Rätsel zu lösen. Ich kann es Ihnen erklären, ja – im Grunde – ein gewaltiges Geheimnis verraten. Es gibt einen Geheimcode zu Peter Tauber und der besteht aus 10 Buchstaben: Er lautet: Gelnhausen

Nun werden manche sagen, Gelnhausen, nie gehört, aber das können nur die ganz Banausigen unter Ihnen tun, also gewissermassen die Journalisten unter den Geografen.

Denn Gelnhausen ist – wie jede halbwegs weit gereiste Globalist weiß – natürlich die schönste Stadt der Welt. Gelnhausen liegt – jetzt für die zwei Banausen in der hintersten Reihe – zwischen Frankfurt und Fulda, 22.000 Einwohner, mittelalterlich-fachwerkhausig-romantisch. und ist nicht nur die allerschönste unter den Städten, sondern auch die Stadt deren sublime Magie größte historische Figuren hervorbringt, und zwar solche die immer ein wenig anders sind als man denkt.

Just aus diesem Gelnhausen kommt Peter Tauber. Wer das größte Rätsel Berlins, das Psychogramm dieses Aufsteigers dechiffrieren will, der muss Gelnhausen studieren. Denken Sie nur an die Odo Marquardts Philosophendekret: Keine Zukunft ohne Herkunft.

Aus Peter Taubers Gelnhausen kommt sein großes politisches Vorbild, die Potenzierung von Angela Merkel, Helmut Kohl und Konrad Adenauer – wir reden über Barbarossa, der wohl bekannteste Großkoalitionär der deutschen Geschichte, Wahl-Gelnhäuser und von ihm hat Tauber – wenn schon nicht die (rote) Haarpracht, so doch den Instinkt für Macht, die Lust auf hessische Lebensart (inklusive Worscht) und den Sinn für Timing: Barbarossa wurde mit 17 König, Tauber trat mit 17 in die CDU ein. Barbarossa musste in seinem Reich permanent die Machtzentren austarieren, insbesondere die mit den Bayern (hörthört!) und er setzte im höfischen Zeremoniell eben auf ritterliche Tugenden der Konzilianz. Es ist also das Genom des Gelnhäuser Barbarossas, die diesen Generalsekretär in seinem Umgang mit der Macht zutiefst prägt.

Die zweite wichtige Figur Gelnhausens ist der größte Dichter des Barocks, Grimmelshausen. Jeder kennt seinen Simplicissimus und Peter Tauber hat vom ihm zwei Geheimnisse der sozialen Intelligenz. Die eine ist, sich selber im Zweifel klein zu machen, der Held im Simplicissmismus nennt sich klugerweise Simpl, obwohl er keiner ist, das lässt ihn überleben im Getümmel der Macht. Der zweite Trick besteht im Einsatz von Humor und Selbstironie als rhetorisches Instrument. Dieser Generalsekretär nennt seinen Blog „schwarzer Peter“, veralbert sich auf Twitter wie einst eben Simplicissimus. Sein größter humoristischer Beitrag besteht übrigens in seiner latenten Sympathie für Kickers Offenbach (das muss ich als Erzrivale und Eintracht Frankfurt-Fan einfach mal sagen: Sehr lustig).

Der dritte wichtige Sohn Gelnhausens ist der Erfinder des Telefons, Philipp Reis. Sein erster Satz, der je – kein Witz – durch ein Telefon gesprochen wurde „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“ hätte von Tauber kommen können. Aber so bodenständig-gewitzt sind die hessischen Gelnhäuser eben. Doch das Kommunikative, das Kommunikation innoviert werden muss, dass Telefonier-Gen, das Philippreishafte wiederum ist auch für tauber typisch. Er ist der offizielle Digitalexperte der CDU, der große Twitterer, Poster, Blogger, Sozialmediaexperte der CDU – ich vermute auch ihr einziger. Der Mann kann alleine in einer Intensität kommunizieren, wie die ganze Hessen-CDU in fünfzig Jahren zusammen nicht. Der Geist der Gelnhäuser Philipp Reis’ steckt eben im Gelnhäuser Peter Tauber.

Mit diesen Gelnhäuser Genen ausgestattet ist der CDU-General jedenfalls kein bisschen generalig. Tauber ist anders. Er ist unprätentiös, kann mit Grünen ebenso wie mit Muslimen. Umgänglich und bodenständig kommt er daher, und wenn er sagt: „Mit gefällt an der CDU das U so gut, weil es das Einende betont“, dann verrät das sein Wesen. Tauber ist kein Spalter, er ist Versöhner.

Wenn Sie sich also über diesen Aufsteiger des Jahres in den kommenden Jahren wundern, wie er als zu Fleisch gewordene Klimamaschine die CDU durchlüften, digitalisieren und mit jungenhafter Offenheit die Partei entkrampfen will. Wenn man sich fragt, ob er dieser Merkel-Streichelzoo-Mitte-CDU wieder einen Willen verschaffen kann. Oder ob ihm vielleicht ein roter Bart wächst oder er im Adenauerhaus das Internet neu erfindet oder eine Comedyshow mit Simpeln – denken Sie einfach an Gelnhausen, dann wissen Sie Bescheid.

Ich gratuliere Peter Tauber also zu dieser Auszeichnung nicht ohne einen gewissen Stolz, denn – es ist hier der Ort es zuzugeben – auch ich komme aus Gelnhausen!

Wolfram Weimer

„We don’t have a Partner for Peace“

Junge Deutsche und israelische Nachwuchspolitiker treffen sich in Gelnhausen

Neulich traf ich in Berlin eine Gruppe junger Israelis, um mit ihnen über unser parlamentarisches System zu diskutieren. Sie haben das politische Berlin erlebt, viele Institutionen besucht und kritisch diskutiert – nicht nur mit mir. Alle engagieren sich in Israel in unterschiedlichen Parteien. Sie waren sehr gut informiert, wussten um die zentralen Probleme von der zu niedrigen Geburtenrate bis hin zur Eurokrise gut bescheid. Für Israel ist der Blick auf Europa und vor allem auf Deutschland dabei wichtig, denn dort sieht man mit einer gewissen Sorge die aktuelle Entwicklung. Bleiben Deutschland und Europa verlässliche Partner und Verbündete Israels?

2013-04-20-Israel und GGG

Einen Beitrag zum gegenseitigen Verstehen konnten die jungen Politiker aus Israel am darauffolgenden Wochenende selbst leisten. Sie wollten einen Abgeordneten in seinem Wahlkreis besuchen, um die Arbeit vor Ort kennenzulernen. Ich habe mich daher sehr darüber gefreut, Sie in Gelnhausen begrüßen zu können. Neben dem obligatorischen Rundgang durch die Altstadt der Barbarossastadt war der Höhepunkt des Tages aber sicherlich die Diskussion mit rund 30 Schülerinnen und Schülern des Grimmelshausen Gymnasiums Gelnhausen. Hier sei ein großer Dank an die jungen Leute gesagt, die sich an einem Samstag die Zeit dafür genommen hatten. Und natürlich geht ein Dank an die Schulleitung, die diese Begegnung ermöglicht hatte.

Neben dem persönlichen Kennenlernen stand in den Gesprächen natürlich immer wieder der Konflikt im Nahen Osten im Mittelpunkt. Und ich weiß, wie kontrovers man das Thema diskutieren kann. Wie dünn die Grenze dabei zwischen einer kritischen Auseinandersetzung mit israelischer Politik und dem Verbreiten antisemitischer Aussagen ist, erleben wir in der deutschen Öffentlichkeit immer wieder. Bei all den Debatten bleibt für mich festzuhalten: Wir Deutsche haben gut reden und es ist leicht aus der Mitte  Europas gute Ratschläge zu geben. Wir leben seit 70 Jahren im Frieden und sind „umzingelt von Freunden“ wie es ein Bundesverteidigungsminister einmal ausgedrückt hat. Das israelische Volk kann sich keine Fehlentscheidung leisten. Eine solche kann und würde voraussichtlich das Ende des Staates Israel bedeuten. Dass dies auch die jungen Israelis so empfinden, wurde in dem Gespräch schnell deutlich.

Im Kern der Kritik steht die israelische Siedlungspolitik. Bei aller kritischen Auseinandersetzung darf man aus meiner Sicht ein paar Dinge nicht vergessen: Israel ist das einzige demokratische Land im Nahen Osten. Es ist das einzige Land, in dem Frauen gleichberechtigt sind und die Rechte von Homosexuellen geschützt werden. Nicht nur aufgrund der Geschichte, sondern auch aufgrund gemeinsamer Werte sind Deutschland und Israel darum Partner und Freunde.

In den Gesprächen ging es um die große Politik, aber auch um das tägliche Leben. Und manchmal verschwammen die Grenzen sogar. Es ist wahrscheinlich für uns als Deutsche nur schwer vorstellbar, wie es sich lebt, wenn man nach jedem Anschlag auf einen Bus erst einmal die ganze Familie anruft, um herauszufinden, ob alle noch leben. Wir können es uns nicht vorstellen, dass fast täglich Krankenhäuser Zielpunkte von Attacken von Terroristen sind und welches Misstrauen in einer Gesellschaft entsteht, wenn es keine Räume gibt, die frei von Kampfhandlungen, Terror und Gefahren für das eigene Leben sind. Wir können uns nicht vorstellen, welche Kraftanstrengung es für eine Gesellschaft auch bedeutet, wenn alle jungen Menschen – Männer und Frauen – zwei Jahre lang Wehrdienst leisten. Eine junge Israeli antwortete auf die Frage, ob sie sich Frieden wünsche mit einem klaren Ja. Aber sie fügte hinzu: „We don’t have a Partner for Peace.“ Ob das pauschal so stimmt, ist von außen schwer zu beurteilen. Wahr ist aus meiner Sicht aber, dass es vor allem auf Seiten der Palästinenser zu viele Kräfte gibt, die nach wie vor nicht bereit sind, die Existenz eines jüdischen Staates zu akzeptieren. Solange eine solche Haltung weit verbreitet ist, scheint ein dauerhafter Friede nur schwer vorstellbar.

Ich hatte am Ende den Eindruck, dass deutsche und israelische Gesprächspartner nicht in allen Fragen einer Meinung waren, aber dass die persönliche Begegnung die Bereitschaft zum Verstehen gefördert hat. Darum wäre es schön, wenn die Idee des stellvertretenden Schulleiters Joachim Kanthak, dass das „Grimmels“ eine Schulpartnerschaft mit einer israelischen Schule begründen möge, bald Wirklichkeit würde.

Facebook in Gelnhausen

Das soziale Netzwerk Facebook sorgt immer wieder für Diskussion. Das liegt auch daran, dass inzwischen mehr als 25 Millionen Deutsche dort ein Profil haben. In Gelnhausen sind knapp 6.000 und im Umkreis von 16 Kilometern über 30.000 Bürgerinnen und Bürger Teil dieses sozialen Netzwerkes.

Meist wird beim Thema Facebook über die sich ändernden Allgemeinen Geschäftsbedingungen geklagt. Viele schimpfen über die Datensammelwut des Unternehmens. Angesichts der Tatsache, dass allen Nutzern das Netzwerk kostenlos zur Verfügung steht sind die Daten der Nutzer die Währung. Das muss einem nicht gefallen, ist im Internet aber ein gängiges Prinzip – gerade dann, wenn Dienste kostenlos sind. Die Wahrheit ist aber auch, dass der Missbrauch von Daten und Internetkriminalität an anderer Stelle eine deutlich größere Gefahr darstellen als auf Facebook.

Richtig ist der immer wieder zu hörende Hinweis, dass man sich mit den diversen Funktionen und Möglichkeiten beschäftigen sollte, bevor man sein ganzes Leben online preisgibt. Medienkompetenz ist das Stichwort. Auch hier erlebe ich, dass die meisten Nutzer sehr sorgfältig abwägen und auch junge Leute sehr viel vernünftiger agieren, als man gemeinhin annimmt. Dass der eine oder andere „dummes Zeug“ schreibt oder sich im Ton vergreift findet man hingegen leider nicht nur in sozialen Netzwerken. Das Internet hält uns hier wohl eher einen Spiegel unserer Gesellschaft vor.

Inzwischen arbeitet auch die Polizei mit dem sozialen Netzwerk und nutzt es sogar zur Verbrechensbekämpfung. Die Polizei in Hannover hat für Furore gesorgt, indem sie ähnlich wie bei der altbekannten Fernsehserie „Aktenzeichen XY ungelöst“ auf Facebook die Nutzer um Hinweise und Mithilfe bei der Aufklärung von Verbrechen bittet. Die Erfolge sind so groß, dass man trotz der immer wieder vorgetragenen Kritik von Datenschützern nun überlegt, wie man soziale Netzwerke noch nutzen kann. Auch die hessische Polizei denkt darüber nach, wie sie Facebook nutzen kann – nicht nur, um dort verdeckt zu ermitteln.

Es gibt noch weitere positive Beispiele für die Nutzung des Netzwerkes. Mir ist noch der Fall des Schülers Martin Stolle vor Augen. Er war an Leukämie erkrankt und im Altkreis Gelnhausen – teilweise sogar darüber hinaus – gab es eine Welle der Solidarität. Die vielen Leute, die sich aufgrund des Aufrufs auf Facebook typisieren ließen, um zu prüfen, ob sie als Knochenmarkspender infrage kommen, übertrafen alle Erwartungen. Doch damit nicht genug. Der junge Mann mit einer wirklich beeindruckenden Haltung gründete eine Facebookgruppe mit dem Namen „Martin Stolle gegen Leukämie“, in der er andere an seinen Erfahrungen teilhaben ließ und damit auch anderen an Krebs erkrankten Mut machen will.

Für mich und meine politische Arbeit ist das soziale Netzwerke neben den örtlichen Tageszeitungen die zweite wichtige Säule, um Menschen im Altkreis Gelnhausen (und darüber hinaus) über meine Arbeit zu informieren. Der große Vorteil ist darüber hinaus, dass ich eine unmittelbare Reaktion bekomme. So merke ich, welche Themen den Bürgerinnen und Bürgern wichtig sind und welche nicht. Immer mehr nutzen diese Möglichkeit, meine politische Arbeit zu verfolgen. Ich möchte daher derzeit Facebook nicht missen. Ob es in den nächsten Jahren ein neues soziales Netzwerk geben wird, dass Facebook ablöst, werden wir erleben. Die Chancen, die diese Art von Kommunikation bietet, sollten wir nutzen.

Stolpersteine sind wie ein Loch im Strudel der Zeit

Vor dem Haus, in dem ich wohne, sind mehrere „Stolpersteine“ in den Gehweg eingelassen. Sie sind nicht mehr so schön glänzend und neu, wie damals, als sie verlegt worden sind, aber doch fallen sie zumindest mir sofort ins Auge. Kein Wunder – ich wohne ja schließlich in dem Haus (Moment! Nicht jeder weiß, was Stolpersteine sind? Unter diesem Titel erinnern „Steine“ – kleine Quader aus Beton mit einer Messingplatte inklusive einer Gravur – an ehemalige jüdische Bewohner der Häuser, vor denen die Stolpersteine liegen. Mancherorts wird auf diese Weise auch anderen Opfern des Nationalsozialismus gedacht. Nähere Informationen unter www.stolpersteine.com).

Mich hat bereits während meiner Schulzeit interessiert, wie das damals in meiner Heimat, im Kinzigtal, war, als die Nazis sich anschickten, die Macht zu ergreifen. Anschließend habe ich Geschichtswissenschaften studiert und das dunkelste Kapitel in der Geschichte unseres Volkes hat mich auch während meines Studiums intensiv beschäftigt. Das vermittelte Schulwissen hatte mir außerdem nicht gereicht. Ich wollte wissen, wie der Nationalsozialismus nicht nur die Macht erobern, sondern eine ganze Gesellschaft „gleichschalten“ konnte. Zum Glück stellen sich auch heute viele junge Menschen diese Frage. Leider gibt es immer weniger, die von dieser Zeit erzählen können. Das macht das Verstehen nicht leichter und es verführt dazu, mit dem Wissen von heute und den Werten, die unsere Gesellschaft prägen – Helmut Kohl sprach in diesem Zusammenhang nicht ganz zu Unrecht von der Gnade der späten Geburt –, das Handeln der Menschen damals zu bewerten. Davor sollten wir uns hüten. Und wir sollten uns auch davor hüten, aus Unverständnis oder aufgrund der fortschreitenden Jahre zu vergessen, was damals nicht nur in Auschwitz, sondern in deutschen Städten und Dörfern geschah. Denn dort begann mit der Ausgrenzung der deutschen Juden der Holocaust. Hier begannen Diskriminierung und Unterdrückung von Mitbürgerinnen und Mitbürgern.

Beim Erinnern helfen die Stolpersteine, denn dem aufmerksamen Fußgänger lassen sie innehalten. In den Gassen der Gelnhäuser Altstadt fallen die Stolpersteine besonders ins Auge. Sie zeigen, dass es in unserer Stadt früher offensichtlich eine lebendige jüdische Gemeinde gab, denn man findet sie sprichwörtlich an jeder Ecke. Auch die ehemalige Synagoge zeugt von dem jüdischen Leben in Gelnhausen, doch ist sie ein Gebäude ohne Namen. Anders ist das mit den Stolpersteinen. Die Namen, verbunden mit dem Geburts- und Todesdatum und dem Datum der Deportation, sind wie ein Loch im Strudel der Zeit, durch das man zurückschauen kann.

Die Stolpersteine sind dabei nicht nur ergänzende Hinweise für die vielen Touristen und Gäste, die aufgrund der mittelalterlichen Geschichte Gelnhausens den Weg hierher finden. Noch wichtiger fast sind sie aus meiner Sicht für die Gelnhäuser selbst. Gerade weil unsere Stadt so geschichtsträchtig ist und wir mit einem gewissen Stolz immer wieder an Kaiser Barbarossa, an Grimmelshausen oder Philipp Reis erinnern, sollten wir auch den Mitbürgerinnen und Mitbürgern einen Namen geben, die in der Regel ebenso begeisterte und überzeugte Gelnhäuser waren wie die, die sich heute als solche empfinden und diese Stadt als ihre Heimat ansehen.

Nach dem Krieg fanden viele Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten in Gelnhausen ein Zuhause. Aus dem Zuhause wurde eine neue Heimat. In den letzten Jahrzehnten sind viele Menschen aus anderen Teilen Deutschlands in der Barbarossastadt heimisch geworden und natürlich gibt es eine große Zahl an Gelnhäusern, deren Eltern und Großeltern aus anderen Teilen der Welt kommen. Die Stolpersteine sind auch für diese Menschen wichtig, denn sie sollen die Geschichte ihrer neuen Heimat kennen und kennenlernen. In Gelnhausen ist es recht leicht, sich der eigenen Geschichte bewusst zu werden. Man braucht nur nach oben zu schauen, auf die Marienkirche oder die schönen Fachwerkgiebel der Häuser. Manchmal hilft aber auch der Blick nach unten und da sind sie dann, die Stolpersteine.

Das Haus, von dem ich am Anfang sprach, steht in Berlin. Es ist ein großes, um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gebautes Haus. In der Straße in der ich wohne, leben mehr Menschen mit Migrationshintergrund als gebürtige Deutsche. Wie viele der Migranten allerdings Deutsche, wie viele Ausländer sind, kann man schlecht sagen. Auch sie alle sehen die Stolpersteine. Ob sie um die Bedeutung wissen? Ob sie sich dafür interessieren? Wir wollen es hoffen, denn wenn Deutschland nun auch ihre Heimat ist, dann wird die Geschichte unserer Nation automatisch zu ihrer Geschichte. Und es ist eine wichtige Aufgabe für und Voraussetzung von Integration, nicht nur das hier und jetzt zu verstehen und die Werte des Grundgesetzes anzunehmen, sondern auch zu lernen, wie das heutige Deutschland zu dem geworden ist, was es ausmacht – im Guten wie im Schlechten.

„Zukunft braucht Herkunft“ lautet ein kluger Satz. In einer sich schnell verändernden Welt hat Heimat heute wieder einen hohen Stellenwert. Noch vor wenigen Jahren galt dieser Begriff als angestaubt, heute wünschen sich die Menschen Heimat, denn Heimat vermittelt Vertrautheit und Geborgenheit. Unsere Geschichte – nicht nur im Großen, sondern auch im Kleinen – gehört dazu. Sie schafft dieses besondere Gefühl des Zuhauseseins, das auch auf gemeinsamen Erinnerungen und Gefühlen basiert. Und es sind nicht immer nur die glückseligen Momente, sondern auch schwierige und traurige Erinnerungen, die uns einen Ort zur Heimat werden lassen. Daher sind die Stolpersteine für mich mehr als „nur“ die Erinnerung an Menschen, denen großes Unrecht und Leid widerfahren ist. Die Stolpersteine können helfen, uns bewusst zu werden, warum wir heute sind was wir sind. Das moderne Deutschland, ein demokratischer Rechtsstaat, in dem Menschen frei, sicher und in Wohlstand leben können, in dem sie Chancen haben wie kaum in einem anderen Land auf der Welt, ist erst nach dem zerstörerischen Nationalsozialismus entstanden und aufgebaut worden.

Wir tun gut daran, uns zu erinnern, dass es viele Menschen gab, die von so einem Deutschland vielleicht geträumt, aber die es nie erlebt haben. Zu ihnen gehören sicherlich auch die Menschen, an die wir uns dank der Stolpersteine erinnern sollten. Sie geben nachwievor dem unfassbaren Schrecken des Nationalsozialismus ein Gesicht und lassen die Opfer nicht dem Vergessen anheimfallen. Sie erinnern uns zugleich aber auch daran, wie wertvoll und verletzlich zugleich Einigkeit und Recht und Freiheit auch heute noch sind und dass es an uns liegt, ob auch künftige Generationen in einem Deutschland leben, das Raum hat für diese Form der Erinnerungskultur. Ich würde mir das wünschen. Darum unterstütze ich die Stolperstein-Initiative in Gelnhausen.