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Wenn man anfangen will zu laufen #laufpeter

Wenn man anfangen will zu laufen. Ein paar einfache Regeln für alle, die loslaufen wollen.

Ich laufe gerne. Manche sagen, ich laufe viel. Das liegt im Auge des Betrachters. Aber in der Tat ist Laufen ein Thema. Ich werde oft darauf angesprochen und zwar nicht nur von Menschen, die auch laufen, sondern oft von denen, die gerne laufen würden. Die meist gestellte Frage ist die nach dem „richtigen“ Laufen. Offensichtlich gibt es eine große Unsicherheit und die Sorge, etwas falsch zu machen, wenn man sich entscheidet, den eigenen Astralkörper vom Sofa hochzuwuchten und in Bewegung zu versetzen. Daher ein paar Tipps von mir, die zwar lediglich auf subjektiver Erfahrung beruhen, aber mich seit Jahren beim Laufen begleiten:

Wichtig: Zu Beginn nicht völlig verausgaben. Wer am Limit läuft, der wird das in den Tagen danach spüren – also die Schuhe dann nicht so schnell wieder anziehen. Lieber kleine Einheiten und dann aber bitte regelmäßig. Zwanzig Minuten und das jeden zweiten Tag. Klingt viel, aber das schaffst Du. Und nach und nach kann man Dauer und Distanz ja steigern.

Hilfreich: Jemanden suchen, der mitläuft und dabei bitte keine falsche Bescheidenheit. Warum soll nicht ein erfahrener Marathonläufer mit Dir um die Häuser ziehen? Er kann ja nach den ersten zwanzig Minuten mit Dir weiter seine Runden drehen. Auf jeden Fall hilft eine Laufverabredung. Mir zumindest. Denn der innere Schweinehund, der lauert an vielen verschiedenen Ecken.

Dran denken: Aufs Tempo achten. In den zwanzig Minuten musst Du keine fünf Kilometer abreißen. Die richtige Geschwindigkeit erkennst Du daran, dass man sich dabei gut unterhalten kann. Ganz entspannt. Und stumm nebeneinander her hecheln, dass kann es ja auch nicht sein. Ich freue mich ja auf meine Laufverabredung. Also Tempo raus und mal hören, was es Neues gibt.

Auftanken: Wer nach dem Laufen so fertig ist, dass er zu nichts mehr zu gebrauchen ist, der macht was falsch. Das Gegenteil sollte der Fall sein. Wer nach dem Duschen aufgeräumt, gut gelaunt und voller Tatendrang ist, der hat beim Laufen alles richtig gemacht. Das hat was mit Geschwindigkeit, Dauer und Distanz zu tun. Also sich selbst prüfen!

Dem Glücklichen schlägt keine Stunde: Wann ist die richtige Zeit zum Laufen? Das musst Du selbst rausfinden. Manche laufen gerne morgens, andere lieber am Abend. Für viele spielt das keine Rolle. Probier aus, was Dir liegt. Und noch etwas: Das Wetter (egal welches) ist übrigens keine Ausrede, zuhause zu bleiben.

Laufen ist ein Gewinn: Laufen kann ein sehr teures Hobby sein, aber für den Einstieg ist es „günstig“. Trotzdem sollte man sich gut überlegen, welche Schuhe mal wählt und ob eine gute Jacke für die kalte Jahreszeit nicht auch etwas kosten darf. Aber auch die teuersten Schuhe dürfen nicht darüber hinwegtäuschen: Laufen muss man selbst!

 

Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

 

 

 

Mein persönlicher Rückblick aufs Jahr 2015

Mein persönlicher Jahresrückblick ist keine politische Analyse des Jahres 2015. Vielmehr will ich ein paar Dinge beschreiben, die mir in Erinnerung geblieben sind, die mir wichtig erscheinen oder über die ich mich gefreut habe.

Veröffentlichung mit Urhebernennung "Foto: Tobias Koch". Fotograf: Tobias Koch www.tobiaskoch.net  Kontaktadresse für Rückfragen: contact@tobiaskoch.net www.facebook.com/tokography

Dabei war es ein Jahr mit vielen Herausforderungen. Nicht alle sind bewältigt. Manche werden uns durchaus noch eine ganze Zeit beschäftigen. Vor allem die Zukunft Europas scheint offen. Das Friedenswerk und die politische Ordnung der letzten Jahrzehnte ist vielleicht nicht so stabil und selbstverständlich wie manche denken. Und aktuell ist sie herausgefordert durch die Staatsschuldenkrise und die große Zahl an Flüchtlingen, die nach Europa streben. Dazu ist schon viel gesagt und geschrieben worden. Die Antwort, die die CDU auf dem Parteitag in Karlsruhe mit ihrem Beschluss und der Rede von Angela Merkel gegeben haben, seien hier genannt. Und sicherlich war dieser Parteitag auch einer der wesentlichen Höhepunkte meines Jahres. Selten ist im Vorfeld so viel spekuliert worden, und selten war die Berichterstattung aufgrund der großen Geschlossenheit und der guten Ergebnisse nachher so positiv.

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Auch die weltweiten Terroranschläge haben uns alle beschäftigt. Mich nicht nur politisch, sondern auch persönlich. Man denkt viel darüber nach, warum Menschen glauben, anderen die Art und Weise wie sie zu leben haben, vorschreiben wollen. Und es ist doch immer wieder erstaunlich, welche Kraft in der Freiheit steckt, was Menschen bereit sind zu tun, um sie zu erlangen. Aber vielleicht muss man auch mehr darüber nachdenken, was zu tun ist, um sie zu erhalten. Dazu gehört auch die Frage, wie man es schafft, den Zusammenhalt einer Gesellschaft zu stärken. Das Thema hat die CDU in einer Zukunftskommission intensiv beschäftigt. Armin Laschet hat sie geleitet, und dabei gemeinsam mit mir dafür gestritten, dass die CDU sich für ein modernes Einwanderungsgesetz ausspricht, in dem bestehende Regelungen zusammengefasst werden und neue hinzukommen. Ich war im April selbst in Kanada, um mir anzuschauen, wie dort eine gesteuerte Einwanderung, die sich an den Bedürfnissen des Landes orientiert und bei der Integration groß geschrieben wird, funktioniert. Hier findet man meinen Reisebericht. Auf dem Parteitag in Karlsruhe haben wir nun dazu einen entsprechenden Beschluss gefasst, dem eine fast einjährige Debatte vorausging, die in zu Beginn des Jahres in einem Interview in der WELT angestoßen hatte. Dass die CDU Deutschland als Einwanderungsland beschreibt und daraus programmatisch die Konsequenzen zieht freut mich sehr.

Als Generalsekretär habe ich in diesem Jahr weit über 100 CDU-Kreisverbände und -Stadtverbände besucht. Hier gibt es eine Auswahl meiner Termine in 2015. Mir sind diese Gespräche an der Basis sehr wichtig. Und darum beschäftige ich mich seit Amtsantritt mit der Frage, wie sich die CDU verändern muss, damit sie bleibt was sie ist: die erfolgreiche Volkspartei der Mitte. Mit der Parteireform „Meine CDU 2017“ hat der Parteitag in Karlsruhe nun einen Beschluss verabschiedet, der uns helfen soll, dieses Ziel zu erreichen. Und daraus ergibt sich automatisch einer meiner Arbeitsschwerpunkte im kommenden Jahr. Denn das, was wir in Karlsruhe beschlossen haben, muss nun mit Leben gefüllt werden.

Veröffentlichung mit Urhebernennung "Foto: Tobias Koch". Fotograf: Tobias Koch www.tobiaskoch.net  Kontaktadresse für Rückfragen: contact@tobiaskoch.net www.facebook.com/tokography

Im Juni hat die CDU außerdem ihren 70. Geburtstag gefeiert. Für mich waren vor allem die Begegnungen mit unseren Gründungsmitgliedern etwas ganz besonderes. Bis heute gefällt mit der Film, den wir mit Mitgliedern aus allen Generationen gemacht haben, besonders gut. Mich berühren diese Beispiele und vor allem dieser Ausblick auf morgen am Ende des Films. Wir haben wirklich tolle Mitglieder! Dazu gepasst hat auch der Tag der offenen Tür im Berliner Konrad-Adenauer-Haus, zu dem wir erstmals eingeladen hatten. https://www.cdu.de/artikel/tag-der-offenen-tuer-im-konrad-adenauer-haus

Peter Tauber und Kurt Biedenkopf am 17.06.15 in Berlin im Konrad-Adenauer-Haus. / Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Ebenfalls zum ersten Mal hat die CDU auf meine Initiative hin zu einem offenen Mitgliederkongress eingeladen. Über 1.500 Mitglieder sind dieser Einladung gefolgt. Das Thema Digitalisierung wird uns auch in den nächsten Jahren intensiv fordern, auch wenn manch andere aktuelle Herausforderung den Blick dafür verstellt. Wollen wir aber eine offene Gesellschaft und die starke Volkswirtschaft im Herzen Europas bleiben, dann müssen wir uns um alle damit zusammenhängenden Fragen von Big Data bis hin zum autonomen Fahren kümmern.

2015 08

Den Sommer habe ich für eine Woche im Praktikum genutzt. Eine Woche lang habe ich jeden Tag in einem anderen Beruf hospitiert und mitgearbeitet: Ich war in einem landwirtschaftlichen Betrieb, im Stahlwerk, bei der Bundespolizei, bei Playmobil und bei einem Bäcker im Einsatz. Bilder und einen Bericht findet Ihr hier. Außerdem habe ich zwei Tage im Rahmen der Aktion „Helfende Hände“ der Bundeswehr in einer Flüchtlingsunterkunft geholfen. Meine Erfahrungen kann man ebenfalls hier, hier und hier nachlesen.

2015 10

Ab und an muss man als Generalsekretär auch mal den Holzhammer rausholen. Nicht immer lohnt es sich, auf jede Attacke des politischen Gegners hart zu antworten, aber bei Ralf Stegner ist das manchmal nötig. Bei seiner Kritik an der soliden Haushaltspolitik von Wolfgang Schäuble, auf die wir als CDU zu recht stolz sein können, war dann die rote Linie überschritten und ich habe ihn in einer Pressekonferenz als „Rote Null“ bezeichnet. Das hat die Presse dankbar aufgegriffen.

Neben mehreren Auftritten in Talkshows habe ich viele Interviews gegeben. Ich kann nicht verhehlen, dass auch der „Gastauftritt“ in der heute show für mich etwas Besonderes war. Wer sich das noch einmal anschauen will, der findet das Interview mit Oliver Welke hier.

Besuch einer Klasse der Haupt- und Realschule Birstein bei Peter Tauber am 29.06.15 im Reichstag in Berlin. / Fotograf: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)

Durch meine Arbeit als Abgeordneter und Generalsekretär habe ich viel erlebt und viele Menschen getroffen. Manches berührt einen auch fernab der offiziellen Politik – positiv wie negativ. Es ist nicht immer leicht, dass „wegzustecken“. Auch dieses Jahr bin ich viel gelaufen. Mein Sport hilft mir bei meinem Beruf. Ich kann abschalten, nachdenken und bleibe fit und gesund. Dabei lerne ich viele Menschen kennen. Immer wieder hatte ich dieses Jahr Begegnungen, die mich bis heute beschäftigen und nicht loslassen. Wie zum Beispiel das Gespräch mit Mike Kleiß oder auch der Halbmarathon in Halle, den ich in persönlicher Bestzeit gelaufen bin, um meinen Freund Rainer Haseloff, den Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, zu unterstützen, damit er seine erfolgreiche Arbeit als Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt fortsetzen kann. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich einen Marathon erfolgreich absolviert und war nach Weiltal im April gleich auch noch im Herbst in Frankfurt am Main am Start. Das Interesse an meinem Laufen war in der Tat groß. Gut gefallen hat mir das Interview mit Achim Achilles für Spiegel Online, das man hier findet. Jan Böhmermann hat mein Laufen zu einem Lied inspiriert, und mir gefällt es. Welcher Politiker kann schon von sich behaupten, ein Lied von Böhmermann „geschenkt“ bekommen zu haben?

2015 05

Und das Laufen hilft übrigens auch gegen die sogenannten „Trolle“, die einem vor allem im Netz zu zahlreich begegnen. Viel Spaß hatte ich daher auch bei Hyperbole TV und dem Format „Disslike“, wo ich mal die Trolle kommentieren durfte. Zum Abschluss meines persönlichen Jahresrückblicks für Euch also noch was zum Schmunzeln. Es war ein tolles Jahr. Ich freue mich auf das was kommt und sage Danke für viele gute Momente, für viel Unterstützung und viele tolle Begegnungen mit wunderbaren Menschen.

 

 

Die Fotos stammen bis auf die Bilder zur Woche im Praktikum und das Bild vom Lauf in Halle (Saale) von Tobias Koch. Veröffentlichung nur mit Urhebernennung „Foto: Tobias Koch“. www.tobiaskoch.net
Kontaktadresse für Rückfragen: contact@tobiaskoch.net, www.facebook.com/tokography

Meine Laufergebnisse #laufpeter

2015 Laufen 02

Ich laufe. Und zwar gerne. Immer wieder. Warum ich das tue, kann man u.a. in meinem Interview mit Achim Achilles und dem Interview mit Julian Heissler nachlesen. Außerdem nutze ich eine App um eine Läufe aufzuzeichnen. Darüber kann man ebenfalls nicht nur streiten, sondern hier nachlesen, wie es dazu kam. Nicht jeder hat das so gut verstanden wie Mike Kleiss. Aber echte Läufer verstehen sich eben.

Wer meiner Lauferei folgen will, der kann das in sozialen Netzwerken unter dem Hasthag #laufpeter tun. Wer den erfunden und eingeführt hat, weiß ich gar nicht mehr. Aber eine der Ursachen, war die oben mehrfach thematisierte Kritik an meinem Sport und dem Umgang damit. Vielleicht war in der Tat der eine oder andere genervt, dass er den Spiegel vorgehalten bekommen hat. Andere habe ich seitdem für das Laufen begeistern können. Das ist eine schöne Erfahrung und diese Ergebnisse zählen mehr als die Resultate von Wettkämpfen und offiziellen Läufen.

Gleichwohl: Und hier sind nun meine Ergebnisse – also die der offiziellen Läufe, an denen ich teilgenommen habe:

Brüder Grimm Lauf

Der Brüder Grimm-Lauf ist eine Institution. Fünf Etappen in 48 Stunden über 82 Kilometer vom Marktplatz in Hanau bis in die Altstadt von Steinau an der Straße – im wahrsten Sinne des Wortes auf den Spuren der Brüder Grimm. Unterwegs unterstützen die örtlichen Vereine von den Turnern bis hin zu den Maltesern die Läuferschar. Ich habe bis jetzt sieben mal Mal teilgenommen und fünf Mal das ersehnte „Finisher“-Trikot in der Katharinenkirche übergeben bekommen – nicht ohne Stolz. Auf das nächste Jahr freue ich mich schon.

2011 7:50:22
2012 7:42:00
2014 7:53:34
2015 7:11:33
2016 6:48:13 PB

Marathon

Im Jahr 2015 bin ich meinen ersten Marathon gelaufen. Auf der schönen und leicht hügeligen Strecke von Schmitten bis Weilburg war der kleine aber feine Weiltalmarathon Bühne für meine Premiere. Ankommen war das Ziel. Ob und wann ich den nächsten Marathon laufe, erfahrt ihr dann.

13. Weiltalmarathon 19.04.2015 04:12:14
34. Frankfurt-Marathon 24.10.2015 04:36:56
33. Reykjavik-Marathon 20.08.2016 04:17:23
43. Berlin-Marathon 25.09.2016 04:07:35
35. Frankfurt-Marathon 30.10.2016 04:00:58
Tel Aviv-Marathon 23.02.2017 03:59:33 (PB)

Halbmarathon

Meinen ersten Halbmarathon bin ich im Jahr 2013 gelaufen. Der heimatliche Vogelsberger Südbahnlauf stand damals auf dem Programm und ist definitiv aufgrund der Landschaft und trotz der 240 Höhenmeter (ungewöhnlich bei einem Halbmarathon) meine Lieblingsstrecke auf dieser Distanz. Hier meine Ergebnisliste für die „halbe Distanz“.

11. Vogelsberger Südbahnlauf 21.07.2013 1:57:57
13. Vogelsberger Südbahnlauf 19.07.2015 1:54:55
14. Händellauf Halbmarathon Halle 06.09.2015 1:45:55 (PB)
14. Vogelsberger Südbahnlauf 17.07.2016 1:47:50

Fortsetzung folgt…

Gastbeitrag von Carolin Specht: 12 Monate weltwärts in Togo

Ab September 2015 habe ich das Privileg im Rahmen des weltwärts Programms, das 2007 vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufen wurde, für 12 Monate in den westafrikanischen Staat Togo zu reisen.

weltwärts ist ein entwicklungspolitischer Freiwilligendienst für junge Erwachsene im Alter von 18 bis 28 Jahren, die sich in einem Zeitraum von sechs bis 24 Monaten in einem Land des sogenannten Globalen Südens sozial engagieren. Einsatzbereiche sind Bildung, Gesundheit, Landwirtschaft, Umweltschutz, Demokratieförderung und Menschenrechte. weltwärts versteht sich nicht als Entwicklungshilfe sondern ist ein Lerndienst, der jungen Menschen, wie mir, einen interkulturellen Austausch und Einblicke in entwicklungspolitische Zusammenhänge ermöglicht. Der Freiwilligendienst soll jungen Menschen globale Abhängigkeiten und Wechselwirkungen bewusst und durch das Leben vor Ort und der Arbeit in Einsatzstellen, als gestaltbare Prozesse, begreifbar machen. weltwärts soll das Engagement für die Eine Welt nachhaltig fördern und weltwärts möchte gegenseitige Verständigung, Achtung und Toleranz fördern.

Seit 2013 gibt es neben dem Nord-Süd Programm nun auch die Süd-Nord Komponente des weltwärts Programms. Das bedeutet, dass junge Menschen aus den „weltwärts Ländern“ (Entwicklungs- und Schwellenländer Afrikas, Asiens, Lateinamerikas) nach Deutschland reisen, um sich bei uns für ein Jahr in einem sozialen Projekt zu engagieren.

Meinen weltwärts Freiwilligendienst werde ich, als Medizinisch Technische Laboratoriumsassistentin, im Süden Togos in einem kleinen Krankenhaus absolvieren. Das OSV Solidarité (Organisation pour la santé et la vie, Centre Medico-Social Solidarité) in Kpalimé, ist mit 30 Betten für stationäre Behandlungen, einem Labor, einer Apotheke, einer medizinische Abteilung und einer Entbindungsstation ausgestattet und wird für die nächsten 12 Monate meine Einsatzstelle sein.

Mein großes Interesse gilt dabei ganz besonders dem Arbeitsalltag in einer Klinik ohne High-tech Equipment zur Diagnostik und Therapie verschiedenster Erkrankungen und der Unterstützung des einheimischen, medizinischen Personals in der Diagnostik und Behandlung von Krankheiten, die in Deutschland nur noch selten oder gar nicht vorkommen. Die Möglichkeit in den Kontakt mit Menschen einer anderen Kultur zu treten, die eine andere Lebensweise vertreten und mit anderen Therapieansätzen Patienten behandeln und heilen, sehe ich als eine riesige Bereicherung für meinen persönlichen Horizont. Durch interkulturelles Lernen, Freiwilligenarbeit und Selbstorganisation möchte ich die Verständigung zwischen Völkern fördern und mich nachhaltig und sozial für die „Eine Welt“ engagieren.
Betreut werde ich von den Internationalen Jugendgemeinschaftsdiensten (ijgd) mit Hauptsitz in Berlin und in Togo von der Partnerorganisation ASTOVOT (Association Togolaise de Volontaires au Travail), die sich seit 1957 für die Unterstützung lokaler Selbsthilfe, für Freiwilligenarbeit und internationale Völkerverständigung einsetzt. (Mehr Infos unter www.ijgd.de und www.astovot.org)

Der weltwärts- Freiwilligendienst wird zu 75% vom BMZ gefördert. Die restlichen 25% müssen von meiner Entsendeorganisation ijgd aufgebracht werden. Innerhalb des Programms sind Freiwillige dazu aufgefordert, einen Förderkreis aufzubauen um durch ihre Spenden die Durchführung des Freiwilligendienstes zu unterstützen, sowie Öffentlichkeitsarbeit für entwicklungspolitische Themen zu leisten. Pro Freiwilligenmonat ist eine Spendensumme von 225€ erwünscht. Durch den Aufbau eines Förderkreises wird die Durchführung des Freiwilligendienstes unterstützt und die öffentliche Wahrnehmung der Freiwilligendienste, bzw. globaler Zusammenhänge gestärkt.

Ich freue mich riesig und bedanke mich ganz herzlich, dass auch Herr Dr. Peter Tauber meinen weltwärts Freiwilligendienst in Togo unterstützt! Hurra! ☺

Über die Autorin:
Die 23 Jahre alte Gründauerin Carolin Specht ist Medizinisch-Technische Laboratoriumsassistentin, begeisterte Brüder-Grimm-Lauf Läuferin und wird ab September 2015 für 12 Monate einen weltwärts-Freiwilligendienst in Togo leisten.

Mehr aktuelle Infos finden Sie im Blog von Carolin Specht.

carolinspecht

Generalsekretäre in die Produktion – meine Woche im Praktikum

Wie letztes Wochenende hier angekündigt, habe ich in dieser Woche jeden Tag in einem anderen Betrieb ein Praktikum gemacht. Das Handelsblatt hatte im Frühjahr gefordert, Parteigeneräle sollten mal in die Produktion gehen – und das habe ich nun, wie früher auch schon gemacht. Fünf Tage, fünf Bundesländer, fünf Betriebe, über 1500 Kilometer.

Am ersten Tag meiner Praktikumswoche war ich im Milchviehbetrieb meines Bundestagskollegen Kees De Vries in Sachsen-Anhalt. Auf vier Betriebsstätten verteilen sich rund 1.700 Kühe und Kälber. Noch vor dem Frühstück konnte ich beim Füttern der Kälber, Futterranschieben im Stall und der Tierkontrolle mithelfen. Nach einer gemeinsamen Kaffeepause mit der Mannschaft stand das Melken auf dem Arbeitsplan. Pro Tag werden über 20.000 Liter Milch produziert. Ohne Digitalisierung ginge auch da gar nichts mehr. Beim Mittagessen diskutierten wir über die Bedeutung der Landwirtschaft, Fragen der Tierhaltung, Abhängigkeit vom Wetter und die Entwicklung des Milchpreises. Landwirtschaft ist aber längst nicht mehr nur die Arbeit im Stall. Und so ging es zum Abschluss noch ins Büro, wo der Familienbetrieb mit 1.300 Hektar gemanaged wird. Natürlich haben wir auch über den Mindestlohn gesprochen. Insgesamt klappt es da recht gut, aber bei Saisonkräften in der Erntezeit ist noch nicht alles optimal; hier müssen wir dran bleiben. Mir wurde wieder mal deutlich, wie viel harte Arbeit und Aufwand hinter unseren guten Lebensmitteln steckt – und dass dazu sehr viel Idealismus gehört.

Tag 1

Am Dienstag war ich bei ArcelorMittal Eisenhüttenstadt. In dem traditionsreichen Stahlunternehmen ganz im Osten von Brandenburg sind rund 2.800 Menschen beschäftigt. Es hat eine enorme Bedeutung für die gesamte Region. Los ging es im Berufsbildungszentrum. Azubis im zweiten Lehrjahr zeigten mir das Feilen, Bohren und Fräsen an der konventionellen Drehmaschine. Danach waren wir am Hochofen. 5.000 Tonnen Eisen fließen hier tagtäglich raus, 1.500 Grad heiß. Im Stahlwerk werden in diesem Jahr über 2 Millionen Tonnen Stahl gefertigt. Anschließend konnte ich im Warmwalzwerk wieder selber mit anpacken – natürlich erst nach der obligatorischen Arbeitssicherheitsbelehrung. Zum Abschluss durfte ich dann beim „Bindebandabschneiden“ helfen. Dabei wird die Fixierung um kaltgewaltzen, aufgerollten Bandstahl entfernt. Stahlindustrie war für mich wieder etwas Neues. Was ich dort zu sehen bekommen habe, hat mich schwer beeindruckt – vor allem die hohe Identifikation der Mitarbeiter mit dem Standort, der einen gewaltigen Strukturwandel erlebt hat. Wir müssen in der Politik unbedingt die Rahmenbedingungen – insbesondere beim Thema Energie – so setzen, dass Deutschland ein starker Industriestandort bleibt.

Tag 2

Der dritte Tag meiner Praktikumswoche führte mich ins sächsische Pirna zur Bundespolizeidirektion. Das ist natürlich nicht wirklich „Produktion“, aber es war mir wichtig, auch mal die Menschen, die Tag und Nacht für unser aller Sicherheit arbeiten, zu begleiten. Die Direktion hat 3.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, verteilt auf Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Präsident Jörg Baumbach erläuterte mir die größten Herausforderungen für seine Direktion – steigende Flüchtlingszahlen, grenzüberschreitende Kriminalität, Gefahren durch islamistischen Terrorismus. Nach der täglichen Lagebesprechung ging es auf Streife in der Grenzregion zu Tschechien – zunächst mit Beamten in zivil, anschließend in einem Polizeiauto. Die Zusammenarbeit von Bundespolizei und Landespolizei läuft in Sachsen vorbildlich und erfolgreich. In der Bundespolizeiinspektion Berggießhübel habe ich mit den Beamten über die technische und personelle Ausstattung, das Ansehen von Polizisten in der Gesellschaft, aber auch das Problem gewaltbereiter Fußballfans gesprochen. Ich finde, dass wir immer wieder deutlich machen müssen: Gewalt gegen Polizisten ist ein Angriff auf uns alle. Zum Abschluss des Tages begleitete ich Bundespolizisten am Flughafen und Hauptbahnhof Dresden. Es war spannend, die Abläufe dort auch mal von der anderen Seite kennen zu lernen.

Tag 3

Am Donnerstag ist ein kleiner Traum für mich wahr geworden, denn ich war bei der Firma Geobra Brandstätter in der Nähe von Zirndorf. Der Name sagt nicht jedem etwas. Aber die bekannteste Marke des Unternehmens – Playmobil – kennt jeder. Ich bin mit den Figuren aufgewachsen und sammele sie noch immer. Das Unternehmen ist eine faszinierende Erfolgsgeschichte: Seit 1974 wurden 2,8 Milliarden Playmobil-Figuren produziert. In der Produktion in Dietenhofen arbeiten 1.500 Leute, in 67 Länder wird exportiert. Es ist etwas Besonderes, dass ein Spielwarenhersteller ausschließlich in Europa produziert. Da in der Region Vollbeschäftigung herrscht, werden gerade hier in Bayern qualifizierte Einwanderer als Mitarbeiter immer wichtiger. Zunächst wurde mir das Lager gezeigt, in dem viele Tausende Artikel vorrätig sind und verschickt werden. Anschließend ging es in die Produktion, wo ich mir zunächst alle Schritte – Arbeitsvorbereitung, Spritzerei, Druckerei, Montage – anschauen und mit Azubis über ihre Jobaussichten sprechen konnte. Für die politische Arbeit in Berlin nehme ich mit, dass Zeitarbeit, entgegen mancher Behauptungen, sehr gut funktionieren kann, weil damit Arbeitskräfte an ein Unternehmen rangeführt werden und häufig auch eine Übernahmeperspektive haben. Den Nachmittag verbrachte ich dann nach einer Sicherheitsunterweisung in der Montage am Fließband. Dabei habe ich Kartons mit Figuren und Bauteilen bestückt – pro Minute 25 – sowie Kartons auf Paletten geladen. Außerdem wurde mir bei meinem Besuch noch die Produktion der zweiten Marke des Unternehmens – Lechuza – gezeigt. Hier werden ebenfalls aus Kunststoff Pflanzenkübel und ab nächstes Jahr Gartenmöbel hergestellt. Ich muss wohl nicht extra betonen, dass der Tag im Playmobil-Shop ausklang.

Tag 4

Für den letzten Tag meiner Praktikumswoche ging es in die hessische Heimat. Endlich mal wieder im eigenen Bett schlafen. Doch nicht wirklich lange, denn pünktlich um 2.45 Uhr war ich in der Bäckerei von Wolfgang Naumann in Kefenrod. Diese macht Brot, Brötchen, Kuchen und andere Köstlichkeiten für 27 Filialen, alleine in der Backstube sind fast 40 Mitarbeiter beschäftigt. An verschiedenen Stellen konnte ich selbst Hand anlegen: Baguette sowie Kürbiskern- und Mohnbrötchen fürs Backen vorbereiten, Brotlaibe während des Backens bestreichen, süße Stückchen mit Pflaumen, Mandeln oder Kakaostreuseln belegen, Brötchen aus dem Ofen holen. Nach dem Backen ging es zum Ausfahren der Waren an die Filialen in Büdingen, Gründau, Linsengericht und Gelnhausen. Zur Stärkung gab es im Café der Büdinger Filiale Frühstück – dort gibt es übrigens freies WLAN. Es geht also, wenn man will. Zurück in der „Backstubb“ durfte ich dann wieder Hand anlegen: Gemeinsam haben wir CDU-Kekse gebacken – mit Schokoladen- und Marmeladenfüllung. Montagmorgen werde ich diese an die Kollegen im Konrad-Adenauer-Haus verteilen. Somit werden auch sie ein bisschen von meiner Praktikumswoche profitieren, bei der ich sehr viel gelernt habe und großen Spaß hatte.

Tag 5

Nun ist es Zeit, Bilanz zu ziehen: Die Woche war intensiv und abwechslungsreich. Ich habe sehr viel Neues kennen gelernt und tolle Menschen getroffen. Diese Erfahrung wird mir sicher auch bei der Arbeit in Berlin helfen. Einigen konkreten Punkten, die ich erfahren habe, möchte ich in den nächsten Wochen nachgehen. Also auch dafür hat diese durchaus anstrengende Woche etwas gebracht. Vor allem hat mich aber begeistert, mit wieviel Herzblut die Leute ihre Arbeit tun – auch unter größter körperlicher und mentaler Belastung. Mir ist klar, dass ich immer nur einen ersten oberflächlichen Eindruck bekommen konnte. Und in viele Berufsfelder, die mich auch interessieren würden, konnte ich gar nicht reinschauen. Deshalb hoffe ich, im nächsten Jahr wieder so eine Praktikumswoche machen zu können. Denn persönlich und politisch habe ich sehr viel mitgenommen.

(M)ein Ziel: Digital Caring

Wie ist das mit den guten Vorsätzen oder Zielen für 2014? Hattet Ihr welche? Oder sind sie nach noch nicht einmal einer Woche alle über Bord geworfen? Ich hatte ja angekündigt, dass ich dazu etwas schreibe. Das hole ich nun endlich nach. Und der Sonntag scheint mir ja neben dem Kirchgang und dem Sport ein guter Tag zum Nachdenken zu sein.

Mich treibt schon seit längerer Zeit ein Thema um: die Diskursfähigkeit unserer Gesellschaft und wie wir miteinander umgehen. Und ich meine damit explizit nicht nur der Umgang miteinander im Netz. Nach meiner Meinung unterscheidet sich das nicht substanziell von der analogen Welt. Wer im Internet rumtrollt, der tut das zwar vielleicht nicht (immer) in der S-Bahn, aber zu einem mitfühlenden Menschen, der Rücksicht nimmt, die Meinung anderer bereit ist anzuhören und es nicht darauf anlegt, andere permanent zu ärgern, wird er sicher nicht. Trotzdem will ich mich zunächst auf den Diskurs im Netz konzentrieren, auch weil ich glaube, dass wir vor allem für politische Diskussionen erwarten können, das die Bedeutung des Internets zunehmen wird.

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Mich hat der zitierte Tweet veranlasst, nun endlich etwas dazu aufzuschreiben. Und bevor der #Aufschrei kommt: Nein! Ich will nicht die Enthüllungen von Edward Snowden verharmlosen oder ablenken. Aber der Tweet trifft aus meiner Sicht den Kern des Problems. In unserem Alltag wird unsere Freiheit durch Trolle und böse Menschen im Netz weit mehr eingeschränkt, als durch die vermeintlichen Aktivitäten der Geheimdienste. Man muss schon ein dickes Fell haben, wenn man inhaltlich mal von der Mehrheitsmeinung abweicht oder auch einigen „Meinungsführern“ im Netz widerspricht. Mir persönlich macht das nichts aus. Ich werde ja sogar dafür bezahlt, in schwierigen Situationen stehen zu bleiben. Es ärgert mich aber trotzdem. Und wie ist das mit denjenigen, die gerne einfach nur mit diskutieren wollen und dann erleben, wie mit ihnen umgegangen wird, wenn sie mal nicht Mainstream sind? Einen sehr lesenswerten Blogpost zur Meinungsmacht im Netz hat übrigens @herrurbach geschrieben!

Wie wäre es, wenn wir uns vornehmen, die Meinung des anderen oder wenigstens die Person zu respektieren, auch wenn wir ihre Aussagen für grundfalsch halten? Der französische Literatur-Nobelpreisträger Romain Rolland hat einmal gesagt: „Eine Diskussion ist unmöglich mit jemandem, der vorgibt, die Wahrheit nicht zu suchen, sondern schon zu besitzen.“ Das vergessen ziemliche viele Leute im Netz. Und viele haben auch nicht verstanden, dass Demokratie nicht heißt, dass jeder möglichst laut rumschreit und seine eigene Meinung als die einzig richtige präsentiert, sondern dass Demokratie am Ende die Kunst des Kompromisses ist. Von dieser Einsicht sind viele Diskurse (im Netz) Lichtjahre entfernt.

Ich erlebe übrigens, dass gerade mir als bürgerlichem Politiker die vermeintlich tolerante Linke im Netz besonders intolerant begegnet. Aber darüber können wir ja noch an anderer Stelle diskutieren. Und ja: Ihr werdet Tweets von mir finden, bei denen auch ich mich mal im Ton vergriffen habe. Mir tut das oft leid. Trotzdem befürchte ich, dass mir das wahrscheinlich leider hin und wieder passieren wird.

Mit Verboten kann man die meisten gesellschaftlichen Herausforderungen nicht lösen. Und deshalb kann man „Nettiquette“ nicht verordnen. Es ist eine Frage der Erziehung, des guten Benehmens und der Bildung. Auf Knopfdruck wird sich also an meiner Wahrnehmung – sollte sie denn stimmen – nichts ändern. Aber wir alle können ja jeden Tag versuchen, es anders zu machen. Das wäre ja kein schlechtes Ziel oder kein schlechter Vorsatz für 2014.

Ich behaupte also, dass derzeit zu viele Diskussionen im Netz destruktiv sind. Das liegt vielleicht daran, dass es leichter ist, sich abzugrenzen als sich selbst zu hinterfragen oder nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Wir brauchen aber Empathie und Mitgefühl, wir brauchen echtes Interesse an unserem Gesprächspartner und seiner Meinung. Wir sollten ihm nicht absprechen, dass er etwas Gutes will, nur weil er unsere Meinung oder unser Weltbild nicht teilt. Meine Erfahrung ist aber, dass genau das geschieht. Einen solchen, zugegebenermaßen hohen Anspruch, kann man in dem Begriff „Digital Caring“ zusammenfassen. Ich finde, es lohnt sich, ausführlicher darüber zu reden, was man darunter künftig verstehen sollte und wie wir zu einer Gesellschaft werden, in der ein solches Selbstverständnis herrscht.

Digital Caring ist noch viel mehr. Wie gehen wir mit denen um, die nicht mitkommen? Lohnt es sich, einer erkennbaren Zahl an Menschen ihre „Angst“ vor diesem Internet zu nehmen? Nun mag manch ein Nerd darüber lachen und diese Menschen als gestrig oder dumm abqualifizieren, aber das ist nicht klug, denn es offenbart ein Spannungsverhältnis in unserer Gesellschaft, das mit dem Begriff „digitale Spaltung“ treffend beschrieben ist. Dahinter verbirgt sich weit mehr als nur die Unterscheidung in Menschen mit und ohne Internetanschluss. Der Spiegel-Journalist Christian Stöcker bringt es auf den Punkt: „Noch nie in der Geschichte der Menschheit haben sich in so schneller Abfolge so viele so tief greifende technische Veränderungen ereignet, die unmittelbar den Alltag jedes Einzelnen betreffen. Nicht alle können dieses Tempo mitgehen.“ Darum müssen wir uns vor allem um die kümmern, die mit der Geschwindigkeit des Wandels Probleme haben. Das ist eine weitere Form des Digital Carings. Es kommen weitere dazu. Wirksam etwas gegen Cyber-Mobbing zu tun gehört aus meiner Sicht auch zu einer der Aufgaben der großen Koalition. Und hier kann die Politik wirklich etwas tun.

Aber vielleicht fangen wir mal damit an, wie wir miteinander umgehen. Ich habe mir vorgenommen, mich an folgendem Zitat aus den Römerbriefen des Paulus zu orientieren: „Haltet euch nicht selbst für klug.“ (Römer, 12,16). Und weil ich Zitate liebe und nicht jeder von Euch bibelfest sein mag, habe ich gleich noch das passende Zitat von Obi-Wan Kenobi dabei: „Luke, auch du wirst noch entdecken, dass viele Wahrheiten, an die wir uns klammern, von unserem persönlichen Standpunkt abhängig sind.“ Sucht Euch also eins aus. Darüber nachzudenken, wie man Menschen mit einer anderen Meinung begegnet, kann zumindest nicht schaden. Und hart in der Sache streiten, Argumente für fadenscheinig oder falsch halten, darf man trotzdem.

Nachtrag: Auf Twitter und auch hier in den Kommentaren wurde mir mehrfach vorgeworfen, ich hätte bewusst versucht, die Enthüllungen von Edward Snowden zu verharmlosen oder das Agieren der NSA zu relativieren. Dem widerspreche ich. Auch in dem von mir zitierten Tweet geschieht das ja nicht. Es geht um zwei unterschiedliche Dinge, die aber beide für sich geeignet sind, den offenen Diskurs im Netz einzuschränken – auf jeweils unterschiedliche Art und Weise. Das gegeneinander aufzurechnen ist und war nicht meine Absicht und ist eine böswillige Unterstellung. Vielmehr ging es darum, auf eine weitere Art von Einschränkung von Meinungsfreiheit hinzuweisen, die ja offensichtlich – das zeigen die vielen positiven Kommentare – nachvollziehbar ist. Zu der Diskussion um die NSA-Affäre: Ich bin dafür, einen Untersuchungsausschuss einzusetzen, der diese komplexe Materie aufarbeitet. Darum bleibe ich auch bei dem Wort „vermeintlich“, denn wir bräuchten keinen Untersuchungsausschuss, wenn völlige Klarheit herrschen würde, was die NSA nun genau tut, wo und wie sie geltendes Recht bricht bzw. wie und ob sich deutsche Dienste an Recht und Gesetz halten.

Ich bin nicht angerufen worden

Hinter mir liegt eine eindrucksvolle Woche. Die Zahl der Nachrichten per SMS, per E-Mail, die Anrufe und Nachrichten auf Facebook und Twitter kann ich kaum zählen, geschweige denn darauf antworten. Allen, die mir gratuliert haben, sage ich daher an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön. Ich bin jetzt so oft gefragt worden, wie das eigentlich kam, was die Aufgaben des Generalsekretärs sind und welche Ziele ich mir gesetzt habe. Also noch einmal von Anfang an:

2013-12-17-Wahl der Kanzlerin

Donnerstag, 12. Dezember, war ein ganz normaler Tag in meinem Wahlkreis. Ich hatte zahlreiche Termine und am Abend stand eine umfangreiche Sitzung des CDU-Kreisvorstands auf der Tagesordnung. Wie so häufig habe ich im Laufe des Tages so oft telefoniert, dass der Akku meines Telefons den Geist aufgab. Nachdem ich wieder erreichbar war, tauchten sofort zahlreiche Nachrichten meines Berliner Büros auf: Ich müsse am Freitag früher als geplant nach Berlin kommen, denn im Kalender stehe nun ein persönliches Gespräch mit der Vorsitzenden der CDU, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel. „Worum geht es?“ – „Davon war nicht die Rede.“

Da saß ich dann und überlegte. Ist es vermessen, zu glauben, Angela Merkel will mir eine Aufgabe übertragen? Und wenn ja welche? Dass die Einladung nur einer fröhlichen Plauderei oder dem Weihnachtswichteln galt, schien mir ziemlich unwahrscheinlich. Aufgrund meiner bisherigen politischen Arbeit lag etwas anderes nahe als die Aufgabe des Generalsekretärs – und doch hat mich die Vorsitzende dann gefragt, ob ich mir vorstellen könne, dieses Amt zu übernehmen. Was soll ich sagen? Natürlich habe ich „Ja“ gesagt. Es ist eine große Ehre und ein großer Vertrauensbeweis der Parteivorsitzenden. Wir haben dann noch eine gute Stunde über die anstehenden Aufgaben und viele andere Dinge gesprochen. Am Sonntag sollte ich dem Präsidium vorgestellt und am Montag durch den Bundesvorstand benannt werden. Es grenzt übrigens fast an ein Wunder im politischen Berlin, dass die Entscheidung der Parteivorsitzenden erst gut 48 Stunden später über die Ticker lief.

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»Sind Sie schon angerufen worden?« Dies war die beliebteste Frage von Journalisten im politischen Berlin kurz vor Bekanntgabe der Ministerposten und deren Besetzung. Auch mich haben sie am letzten Samstag mit dieser Frage konfrontiert worden. Ich konnte diese Frage wahrheitsgemäß mit „Nein“ beantworten, denn Angela Merkel hat mich in einem persönlichen Gespräch und nicht am Telefon gefragt, ob ich bereit bin, die Aufgabe des CDU-Generalsekretärs zu übernehmen.

Als die ersten Meldungen über den Ticker liefen, konnte ich mich vor Anfragen, Glückwünschen und Nachrichten kaum retten. Nachdem mein Vorgänger Hermann Gröhe sich trotz seiner neuen Aufgabe die notwendige Zeit genommen hatte, um mit mir die Übergabe zu besprechen, ging es erneut Schlag auf Schlag. Mir war vor allem wichtig, schnell das Konrad-Adenauer-Haus, unsere Parteizentrale, kennenzulernen. Das Gebäude gehört sicherlich von seiner Architektur her zu den besonders sehenswerten in Berlin und drinnen arbeiten mehr als 100 Menschen für die Union. Was sind die Aufgaben der Geschäftsstelle und wie ist sie strukturiert? Das kann man hier nachlesen.

Ich bin sehr freundlich aufgenommen worden und habe dabei mit dem Bundesgeschäftsführer Dr. Klaus Schüler einen erfahrenen und klugen Politikmanager an meiner Seite. Am Donnerstag erfolgte dann die offizielle Amtseinführung durch die Parteivorsitzende und in Gegenwart meines Vorgängers Hermann Gröhe in der Parteizentrale. Jetzt bin ich der 13. Generalsekretär der CDU Deutschlands. Gefragt hat mich Angela Merkel am 13. Dezember. Da scheint die Zahl 13 für mich eine echte Glückszahl zu sein. Im April werde ich dann hoffentlich vom nächsten Bundesparteitag gewählt.

Vor uns liegen große Aufgaben. Zunächst wollen wir zehn Kommunalwahlen, drei Landtagswahlen und vor allem die Europawahl bestehen und dabei gut abschneiden.

Darüber hinaus ist das Wahlergebnis des 22. Septembers für uns eine große Verpflichtung, denn wir haben in nahezu jeder gesellschaftlichen Gruppe in unserem Land die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler erreichen können. Vor allem junge Menschen, die erstmals CDU gewählt haben, werden sich fragen, was wir dafür tun, damit sie zuversichtlich ihre eigene Zukunft bauen können. In einer von Zuwanderung geprägten Gesellschaft steht die Union vor der Herausforderung, Antworten zu geben: Was verbindet uns alle? Was wollen wir gemeinsam für Deutschland erreichen? Das sind wichtige Themen, denen ich mich widmen will.

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Wir wollen außerdem offen sein für Menschen, die unsere Überzeugungen teilen, aber noch nicht Mitglied der CDU sind. Neue Formen der Mitarbeit zu entwickeln, ist eine der spannenden Aufgabe der kommenden Zeit.

Für mich persönlich gilt: Viele Mitglieder kennen mich noch nicht und auch die Öffentlichkeit ist neugierig. Viele Journalisten haben mich ausführlich beschrieben. Ganz gut identifizieren kann ich mich mit dem Bild, das Ulf Poschardt in der WELT von mir gezeichnet hat.

Doch zunächst freue ich mich auf das Weihnachtsfest. Für mich ist das die schönste Zeit im Jahr. Ich bin zu Hause in Gelnhausen bei meiner Familie und treffe meine Freunde. Danach gibt es 2014 viel zu tun. Ich werde dabei mit ganzer Kraft für die CDU arbeiten und mich auf die Themen konzentrieren, die die Union voranbringen – und nicht über jedes Stöckchen springen, das mir Aktivisten oder die Presse hinhalten.

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Bilder: Tobias Koch (tobiaskoch.net)

Der 18. Deutsche Bundestag konstituiert sich.

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Zum zweiten Mal durfte ich die Konstituierung des Deutschen Bundestages als Abgeordneter miterleben. Das war natürlich für mich ein besonderer Tag, der durch die im Hintergrund laufenden Vorgespräche zu den Koalitionsverhandlungen durchaus auch an der einen oder anderen Stelle hektisch wurde. Wie in der Vergangenheit auch habe ich mir vorgenommen, besondere Momente niederzuschreiben. Wer meine Sicht auf die Ereignisse nachlesen will, der hat hier die Gelegenheit.

Zunächst einmal habe ich den besten Anzug aus dem Schrank geholt, die Frisur sorgfältig gerichtet und dann ging es zum ökumenischen Gottesdienst in die St. Hedwigskathedrale. Es war ein schöner Gottesdienst, der Mut für die vor uns liegenden Aufgaben gemacht hat, aber auch zur Ruhe und Gelassenheit mahnt sowie uns die Grenzen menschlichen Handelns vor Augen geführt hat. Am besten haben mir die beiden Strophen des Liedes „Nun danket all und bringet Ehr“ gefallen, die wir im Rahmen des Gottesdienstes gesungen haben:

Er lasse seinen Frieden ruhn
auf unserm Volk und Land;
er gebe Glück zu unserm Tun
und Heil zu allem Stand.

Darüber hinaus hat uns der Prälat in seiner Ansprache wie gesagt an die Grenzen unseres Tuns erinnert – nicht nur, was die politischen Gestaltungsmöglichkeiten betrifft, sondern auch im übergeordneten Sinne. In der Tat hat er aus meiner Sicht damit Recht, dass sich das politische Berlin oft ein bisschen zu wichtig nimmt. Natürlich treffen wir wichtige Entscheidungen für unser Land und sollten die vorausgehenden Debatten mit Sorgfalt führen. Aber die Wahrheit ist auch, dass die Menschen sich nicht Tag ein Tag aus mit Politik beschäftigen und wir selbst auch daran denken sollten, dass es ganz viele andere Dinge im Leben gibt, die auch ihre Bedeutung haben. Der Prälat hat uns am Ende mit auf den Weg gegeben: „Deutschland ist stark. Machen Sie daraus etwas für die Menschen. Auch das ist ein Gottesdienst.“ Das hat mir gut gefallen.

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Für mich ist die erneute Wahl in den Bundestag eine große Ehre und Verpflichtung zugleich. Es war toll, diesmal einen etwas anderen Blickwinkel einnehmen zu können. Während die neuen Abgeordneten parallel Vorstellungsgespräche mit möglichen Mitarbeitern führen und den Schlüsseln für ihre neuen Büros nachlaufen, habe ich die Gelegenheit, mich in inhaltliche Gespräche zu den anstehenden Koalitionsverhandlungen einzubringen. Eine kurze Zeit lief sogar über den Ticker, ich sei Verhandlungsführer der Union in der Unterarbeitsgruppe Digitale Agenda, in der ich nun mitarbeiten darf. Ich finde es ist schon eine tolle Sache, in der zweiten Legislaturperiode überhaupt für meine Partei am Verhandlungstisch Platz zu nehmen. Aber das steht ja erst in den nächsten Wochen an und wird von mir hier sicherlich auch beschrieben werden.

Nach dem Gottesdienst hat unser Alterspräsident Heinz Riesenhuber mit einer sowohl unterhaltsamen als auch ernsthaften Rede die Sitzung eröffnet. Heinz Riesenhuber ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Urgestein der Union. Er hat das mit der ihm eigenen Art gemacht und zum Glück war das Mikrofon fest installiert, sonst hätte er es wahrscheinlich geschnappt und wäre seiner Neigung gefolgt, beim Vortrag durch die Reihen zu gehen und dabei einzelne Kolleginnen und Kollegen anzusprechen.

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Dieser Bundestag ist übrigens wieder einmal etwas Besonderes: Wir haben noch nie so viele weibliche Abgeordnete: Der Anteil beträgt 36 Prozent und auch der Anteil der Abgeordneten mit Migrationshintergrund war noch nie so hoch. Ich finde, dass der Bundestag ein guter Querschnitt unseres Volkes ist. Dass passt auch gut zu einem der schönen Sätze, die unser neuer alter Bundestagspräsident Norbert Lammert heute gesagt hat: „Ein Parlament ist keine Versammlung von Heiden und Heiligen, sondern von Volksvertretern.“

Und damit meint er wahrscheinlich, dass wir in unserem Handeln durchaus an besonderen Maßstäben gemessen werden, aber das wir am Ende eben auch Fehler machen und normale Menschen sind. Auch für Abgeordnete gelten, so Lammert, die Grundrechte. Ich freue mich auf jeden Fall auf meine Arbeit in den nächsten vier Jahren auch wenn die Arbeit in der großen Koalition sicherlich nicht leichter wird. Die Bürgerinnen und Bürger haben hohe Erwartungen. Zumindest für die Union werde ich versuchen, einen Beitrag zum Erfolg dieser Legislaturperiode zu leisten.

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Die Fotos hat Tobias Koch zur Verfügung gestellt (www.tobiaskoch.net)! Danke!

Was passiert jetzt?

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Nun ist fast eine Woche seit der Bundestagswahl vergangen. Das Ergebnis war ein toller Erfolg für die CDU. Auch ich habe mich über 48,8 Prozent der Erststimmen gefreut und sage „Danke“ für einen großen Vertrauensvorschuss. Mit dem viertbesten Ergebnis bei den Erststimmen in Hessen und einem großen Abstand von Zweit- und Erststimmen werde ich mich bemühen, meinen Wahlkreis – also meine Heimat – gut in Berlin zu vertreten.

Ich schaue auf einen spannenden Wahlkampf zurück. Mit Peter Altmaier und Volker Kauder hatte ich prominente Unterstützung. Mit dem TeamTauber war ich vielerorts präsent. Wir haben unzählige Gespräche geführt und den Bürgern die Gelegenheit gegeben, mehr über mich und meine politischen Vorstellungen zu erfahren. Das Internet war eine zusätzliche Säule des Wahlkampfes, auch wenn Veranstaltungen und Straßenwahlkampf nach wie vor im Vordergrund standen. Ich durfte viele tolle Menschen kennenlernen.

Sehr fair war die Debatte mit meiner Mitbewerberin Bettina Müller, der ich zum Einzug in den Bundestag über die Landesliste gratuliere. Auch mit den anderen Kandidaten waren die Debatten sachlich. Persönliche Angriffe erfolgten von keiner Seite. Ich denke, dass das gut so war.

Doch eine Woche nach der Wahl fragen sich die Bürgerinnen und Bürger, wie es weitergehen soll. An mich wird oft die Frage gerichtet, wer mein „Wunschpartner“ für eine Koalition wäre. Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Zunächst einmal hat die CDU das beste Ergebnis seit über 20 Jahren erzielt. Das ist zweifellos der Arbeit der letzten Jahre und Angela Merkel als Bundeskanzlerin geschuldet. Mit der FDP hätte es problemlos für eine Fortsetzung der christlich-liberalen Koalition gereicht. Doch die FDP ist draußen. Die Frage, wie es weitergeht, ist also berechtigt.

Die Grünen haben im Wahlkampf überzogen. Ihre Pläne zur Steuererhöhung und Vorschläge wie die Einführung eines Veggie-Days haben aus der eigentlich libertären Partei eine politische Kraft werden lassen, bei der die Menschen den Eindruck hatten, sie wolle ihnen Vorschriften machen. Die SPD hatte eine Kanzlerkandidaten, bei dem man im Zweifel war, ob er überhaupt Kanzler werden will. Eine Zusammenarbeit mit den Linken, die jetzt in der Tat theoretisch möglich wäre, haben beide ausgeschlossen. Das war klug, nicht nur weil eine Mehrheit mit acht Stimmen denkbar knapp wäre, sondern weil Grüne und SPD sowohl europa- als auch außenpolitisch wenig bis keine Schnittmengen mit der Linkspartei aufweisen.

Mit wem soll die CDU nun eine Koalition anstreben? Laut Meinungsumfragen wünschen sich die meisten Bürger eine große Koalition. Inhaltlich mag das funktionieren, auch wenn es für die CDU bedeuten wird, inhaltlich Abstriche machen zu müssen und mühsame Kompromisse auszuloten. Für das Parlament wäre eine große Koalition aber schwierig. Die Rolle der einzelnen Abgeordneten wird maginalisiert. Eine Mehrheit ist ungefährdet. Abweichende Meinungen werden vielleicht leichter toleriert, aber Druck auszuüben wird ebenfalls schwerer.

Mit den Grünen sind die inhaltlichen Schnittmengen auf den ersten Blick geringer. Doch bleibt hier eine starke Opposition im Bundestag mit der SPD vorhanden und die Parlamentsdebatten lebhaft. Und eine spannende Aufgabe wäre es in der Tat, wenn Union und Grüne gemeinsam die Energiewende gestalten müssten. Nicht übersehen darf man allerdings, dass dann die SPD über den Bundesrat quasi indirekt am Kabinettstisch Platz nimmt. So toll das Ergebnis für die CDU ist, so unbequem ist die Situation jetzt.

Die Menschen vertrauen Angela Merkel als Bundeskanzlerin. Nun gilt es darum, in Gesprächen mit beiden Parteien auszuloten, mit welchem Partner mehr CDU-Politik möglich ist. Das sollte Grundlage für die Entscheidung sein, mit wem wir eine Koalition anstreben. Und dann dürfen wir nicht vergessen, den Menschen deutlich zu machen, warum und wo wir inhaltlich nachgeben müssen, um eine stabile Regierung zu bilden. Das wird für die Partei und die Abgeordneten die größte Herausforderung sein.

Mark Zuckerberg und ich in Berlin – wie es wirklich war

2013-05-21-FB Zuckerberg Tauber 02Foto: Tobias Koch/www.tobiaskoch.net

Als ich vor einigen Wochen die Gelegenheit hatte, den Facebook-Gründer Mark Zuckerberg durch den Reichstag zu führen, löste dies einerseits auf Seiten der Boulevardjournalisten und andererseits auf Twitter und in sozialen Netzwerken großes Interesse aus. Mark Zuckerberg war nach meiner Kenntnis privat in Berlin und wollte mit seiner Frau einmal den Reichstag besuchen. Die vielen Journalisten von BILD und Co. hatten das offensichtlich verstanden und fragten daher gar nicht erst, worüber wir gesprochen haben, sondern versuchten mir das weitere Besuchsprogramm und das Hotel, in dem Zuckerberg nächtigte, zu entlocken. Als ob er mir das mal eben in Kopie rübergeschoben hätte.

Im Netz ging es sehr viel konkreter um die Frage, warum ich Zuckerberg eigentlich getroffen habe und worüber wir geredet haben. In der Tat sind das die beiden relevanten Fragen. Facebook kam auf mich zu und hat gefragt, ob ich in Berlin sei und eine Stunde Zeit hätte für einen Gast und bereit wäre, diesem einmal den Reichstag zu zeigen. Ich habe das bejaht. Wenig später wurde mir eröffnet, wer dieser „Gast“ sei. Warum ich gefragt worden bin, ob es eine Rolle spielte, dass ich das soziale Netzwerk für meine politische Arbeit nutze, kann ich nicht beurteilen und ich habe das auch nicht hinterfragt. Für mich stand die Chance im Vordergrund, diesen Mann einmal persönlich zu treffen.

Ich bin gefragt worden, mit welcher Agenda ich in das Gespräch gegangen bin. Es ist etwas naiv zu glauben, dass die Begegnung den Charakter eines Arbeitsgesprächs gehabt hätte. Aber natürlich habe ich neben „Sightseeing“ im Reichstag auch zur der Zeit aktuelle Punkte angesprochen und umgekehrt wollte Zuckerberg das eine oder andere wissen. Wir haben uns also in den knapp 75 Minuten, die wir unterwegs waren, unterhalten.

Persönlich war ich erstaunt, wie gut er nicht nur über die Debatte in Deutschland, sondern auch über unser politisches System informiert war. Das Verhältnis von Bundesrat und Bundestag, die Rolle der Datenschutzbeauftragten und auch die Frage, ob es u.a. historisch begründet ist, dass die Deutschen ein besonderes Verhältnis zum Datenschutz haben und den Amerikanern, denen die Erfahrungen von zwei Diktaturen fehlen, vielleicht deswegen ein gewisses Verständnis fehlt, waren Gegenstand der Unterhaltung. Auch über Facebook als Plattform für Unternehmen und Medien, gerade vor allem mit lokalem Bezug haben wir gesprochen.

Mir ging es darum, ihm zu vermitteln, dass die kritische Auseinandersetzung auf deutsche Seite nicht aus Unkenntnis resultiert. Ich wollte nicht, dass er nach Hause fährt und den Eindruck hat, dass in Deutschland „Internetausdrucker“ entscheiden. Diesen Vorwurf gegenüber der Politik hört man ja immer wieder auch aus der so genannten Netzgemeinde. Das jüngste Beispiel war die zutreffende Aussage der Bundeskanzlerin, dass viele Entwicklung rund um das Netz für viele Menschen in Deutschland #Neuland seien. Wie recht sie hat und wie unangebracht die Arroganz mancher Digital Natives in diesem Zusammenhang doch ist.

Gerade die, die sich durch eine zum Teil beeindruckende Arroganz auszeichnen und sich im netzpolitischen Berlin tummeln, können sich zumindest dahingehend eine Scheibe von Mark Zuckerberg abschneiden. Er war unkompliziert, direkt, offen und ist ganz einfach aufgetreten. Das hat mir durchaus gut gefallen. Ich hatte nicht erwartet, dass unser Gespräch konkrete politische Ergebnisse zeitigt. Darum gibt es auch nicht. Für mich war das eine spannende Begegnung, das kann ich sagen. Was daraus folgt, ob daraus etwas folgt, dass wird die Zukunft zeigen.

Nachtrag: Als dieser Text bereits geschrieben war (und der Besuch lange zurück lag) hat Edward Snowden veröffentlicht, auf welche Art und Weise der US-Geheimdienst NSA Daten sammelt. Facebook hatte damals in einer Stellungnahme verneint, dass der Geheimdienst pauschal auf die Datenbanken des Unternehmens zugreifen kann. Seitdem gab es keine Äußerungen mehr. Inwieweit das Vertrauen der Nutzer gelitten hat, ist zumindest mit Blick auf Deutschland offen. Sicherlich wäre es spannend gewesen, dieses Thema bei Zuckerberg anzusprechen. Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass ich ihm wieder begegne, dann kommt das Thema auf die Liste. Versprochen.