Freiwillige vor!

Mit der Aussetzung der Wehrpflicht steht unsere Gesellschaft vor mehreren großen Herausforderungen. Nicht nur organisatorisch ist zu fragen, wie die gut 90.000 Zivildienstleistenden, die aus den sozialen Einrichtungen nicht mehr wegzudenken sind, durch eine ausreichende Zahl an Freiwilligen ersetzt werden können. Es bleibt auch offen, wie man die jungen Leute erreicht, die zunächst durchaus mit wenig Begeisterung, bisweilen sogar unwillig ihren Dienst antraten, um dann am Ende durchaus positiv auf die Zeit als „Zivi“ zurückzublicken. Im Klartext: Mit dem Prinzip der Freiwilligkeit erreichen wir nicht zwingend eine Gruppe junger Leute, denen dieser Blick über den Tellerrand und gewisse Zumutungen im Rahmen des Dienstes durchaus einmal gut tun würden.

Doch der Reihe nach: Derzeit haben die christlich-liberale Koalition und das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend alle Hände voll zu tun, zunächst eine Regelung zu finden, die im Falle der Aussetzung der Wehrpflicht so etwas wie Planungssicherheit für die Träger im Bereich des Zivildienstes und der Freiwilligendienste gewährleistet. Ziel ist es dabei vor allem, die Einrichtungen in die Lage zu versetzen, den erfolgreichen Umstieg auf das Freiwilligenprinzip vollziehen zu können. Dessen ungeachtet gilt es zu überlegen, wie das eigentliche Ziel, die Schaffung eines bundesweit einheitlichen Freiwilligendienstes – im Idealfall in der Zuständigkeit des Bundes – gestaltet und durchgesetzt werden kann.

Natürlich ist klar, dass es den jungen Männern und Frauen, die sich freiwillig verpflichten, egal ist, wie der Dienst heißt, wer zuständig ist. Nicht egal sind hingegen die Frage des „Taschengeldes“ bzw. des Solds und die Art der Anerkennung des Freiwilligendienstes. Welche Zusatzqualifikationen können die Freiwilligen erwerben? Wie können das neu erworbene Wissen und die angeeigneten Fähigkeiten bescheinigt werden? Es geht schließlich darum, deutlich zu machen, dass der Freiwilligendienst auch persönliche Perspektiven eröffnet und nicht nur ein Dienst an unserem Land ist. Hier ist noch unheimlich viel zu tun und gute Ideen sind gefragt.

Mich beschäftigen derzeit zwei Dinge: Erstens werbe ich sehr dafür, die politische Bildungsarbeit für alle Freiwilligen um eine wichtige Komponente zu erweitern. Im Rahmen der politischen Bildung und staatsbürgerlichen Erziehung sollten Freiwillige aus allen Einsatzbereichen inklusive der Freiwilligen der Bundeswehr für eine Woche zusammenkommen, um diesen Teil des Bildungsprogramms gemeinsam zu durchlaufen. Der Grundgedanke, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern vor Augen zu führen, dass sie alle gemeinsam die Generation bilden, die unser Land in den nächsten Jahrzehnten tragen und gestalten wird, kann so gefördert werden. Außerdem besteht so die Möglichkeit zum Austausch über die vielfältigen Einsatzbereiche von Freiwilligen in unserer Gesellschaft. So kann das Bewusstsein einer gemeinsamen Verantwortung für das große Ganze wachsen. Und die daraus resultierende Bereitschaft, für unser Land Verantwortung zu nehmen, brauchen wir künftig dringender denn je.

Genauso wichtig ist aber zunächst die Frage, wie es gelingen kann, eine ausreichende Zahl an Freiwilligen zu gewinnen. „Tu was für dein Land. Tu was für dich.“ ist derzeit ein viel zitierter Spruch im Zusammenhang mit dieser Frage. Wir brauchen in der Tat eine breit angelegte Werbekampagne, um junge Menschen zu motivieren und oft ja auch erst einmal zu informieren, welche Möglichkeiten ein Freiwilligendienst ihnen persönlich bietet. Die Einsatzgebiete sind inzwischen vielfältig. Neben dem sozialen Bereich und der Bundeswehr werden Freiwillige im Sport, in der Kultur, in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen sowie bei den Feuerwehren und im Katastrophenschutz gebraucht. Unser Land ist dringend auf die Einsatzbereitschaft der jungen Generation angewiesen. Der Zusammenhalt und das Bewusstsein, dass wir als Deutsche die vor uns liegenden Herausforderungen nur mit einem Mehr an Gemeinsinn meistern werden, kann durch die Jugendfreiwilligendienste wachsen. Also: Wir brauchen eine gute und ansprechende Werbekampagne, damit wir genug junge Männer und Frauen begeistern, wenn es heißt: „Freiwillige vor!“

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