SCHWARZER PETER

Meine Antwort auf die Massenemails (zum Leistungsschutzrecht)

Im Laufe der letzten drei Jahre habe ich eine Menge an Masssenemails bekommen. Meistens initiiert von so lustigen Gesellen wie Campact. Ich frage mich inzwischen, warum jemand sich an einer solchen Aktion beteiligt und was sich die Macher denken. Offensichtlich nicht viel. Glaubt da jemand ernsthaft, dass er damit politische Meinungsbildung bei Abgeordneten beeinflusst? Nicht im ernst oder? Das einzige was da hängen bleibt ist die Botschaft „Es gibt wieder ein Massenmailing zum Thema „Vegetarisches Essen in der Kantine des Bratwurstverbandes“. Jetzt gibt es eine neue Email zum Thema LSR (für die nicht eingeweihten: Leistungsschutzrecht), die gestern begann mein Emailpostfach vollzuspamen. Na gut, bei drei Emails kann man noch nicht von Spam reden, aber trotzdem wollte ich mal bevor das weitergeht mal ein paar grundsätzliche Dinge dazu loswerden und hier auch meine Antwort vorab veröffentlichen!

Wer einem Abgeordneten schreibt und möchte, dass seine Email auch direkt gelesen wird, der sollte ein paar simple Regeln beachten:

1. Die Anrede sollte individualisiert sein. Briefe und Emails an „Sehr geehrte Damen und Herren“ oder am besten noch mit einer Anrede, bei der das Geschlecht des Adressaten durch „Sehr geehrte/r“ individuell wählbar ist, steigern nicht die Lust des vermeintlichen Adressaten die Email auch wirklich zur Kenntnis zu nehmen geschweige denn sie zu lesen!

2. Copy and Paste ist nicht cool. Wer ein Anliegen hat, der sollte sich die Mühe machen, drei individuelle Zeilen zu formulieren. Seiner Empörung durch das simple Kopieren von Textbausteinen zum Ausdruck zu bringen schwächt die Empörung doch deutlich ab. Und im politischen Diskurs sollte das eigene Argument im Mittelpunkt stehen und nicht das, was Lobbyisten von Campact und Co. vorformuliert haben. Selber denken wird von Abgeordneten erwartet – zu recht. Aber selber denken sollten auch Bürgerinnen und Bürger und sich nicht vereinnahmen lassen.

3. „It’s the Internet, stupid!“ Das Internet wird gepriesen als u.a. ein Ort des Austauschs zwischen Menschen. Dann sollte man es auch entsprechend nutzen. Es geht um die Kommunikation zwischen Menschen. Da passen Massenemails auch nicht wirklich. Sie sind technisch und kalt, wecken keine Emotionen und erlauben keinen wirklich persönlichen Austausch. Also lasst es bleiben. Schreibt Emails, twittert oder postet in sozialen Netzwerken – das ist Kommunikation.

Hier meine Antwort auf die Massenemails zum Leistungsschutzrecht:

„Sehr geehrte Frau IX, sehr geehrter Herr Ypsilon,

erst mal ein kleiner Tipp. Kein Abgeordneter liest unpersönliche Massenemails. Sie erreichen mit dem Senden solcher Emails genau das Gegenteil: der oder die Abgeordnete wird sie ungelesen in den Papierkorb werfen (lassen). Auch die pure Masse schindet keinen Eindruck. Mich langweilen solche Emails eher. Viel lieber lese ich persönliche Dinge wie „Tauber du Depp“ oder „Lieber Herr Dr. Tauber“ – Hauptsache ich merke, der Absender meint auch wirklich mich. Wenn Sie das Internet als echtes Dialogmedium nutzen wollen, dann nehmen Sie sich bitte auch die Zeit und verfassen ein paar persönliche Zeilen. Schließlich scheint Ihnen das Thema ja am Herzen zu liegen, sonst würden Sie nicht schreiben (oder sich an einer Kettenemail beteiligen).

Zum Leistungsschutzrecht selbst. Ich unterstelle mal, dass Sie sich auch damit nicht richtig befasst haben, sonst hätten Sie zumindest mir nicht eine solche oberflächliche Email geschickt. Erstens ist nämlich meine persönlich kritische Haltung hinreichend bekannt – die entsprechenden Links habe ich Ihnen beigefügt. Auch da wünsche ich mir, dass man vorher überlegt, wem man da eigentlich schreibt. Und zweitens rate ich immer dazu, vorsichtig zu formulieren. Auch ich teile die Einschätzung, dass das LSR nicht zwingend eine Verbesserung darstellt, aber ob die Folgen so dramatisch sind wie von den Lobbyisten von Google und Co. beschrieben, steht ebenfalls in den Sternen. Auch ich erkenne den Sinn eines LSR nicht richtig, aber die Auswirkungen kann ich nicht zuverlässig abschätzen – wobei ich inhaltlich eher der Meinung des BITKOM als der der Zeitungsverleger folge. Es ist also angebracht, Vermutung als solche zu formulieren und nicht den Eindruck zu erwecken, man wisse schon, was in der Zukunft passiert. Menschen mit dieser Gabe können viel Geld verdienen, sind aber nach meiner persönlichen Einschätzung selten.

http://c-netz.info/blog/cnetz-bleibt-bei-kritischer-haltung-zum-leistungsschutzrecht/

http://c-netz.info/blog/das-leistungsschutzrecht-hemmt-innovation-es-foedert-sie-nicht/

Trotzdem erstmal danke, dass Sie mir zu diesem Thema geschrieben haben. Ich denke, das parlamentarische Verfahren beginnt erst. Ob das Gesetz überhaupt und wenn ja in welcher Form beschlossen wird bleibt abzuwarten. Nachdem es in intensiven Gespräche gelungen ist, die Blogger zu schützen, werden wir sehen, wie die weitere Debatte verläuft. Diese aufmerksam zu beobachten, dazu lade ich Sie ein! Meine persönliche Einschätzung können Sie wie gesagt in den obigen Links nachlesen.

Herzliche Grüße

Ihr Tauber“

14 Kommentare zu “Meine Antwort auf die Massenemails (zum Leistungsschutzrecht)

  1. Lieber Herr Dr. Tauber,
    das Posting ist absolut nachvollziehbar. Aber da Sie von „Lobbyisten von Campact und Co.“ bzw. von „Lobbyisten von Google und Co.“ sprechen, würde ich doch um Verständnis insoweit werben wollen, als es sich typischerweise bei den Menschen, die Ihnen solche Mails schicken, doch eher um „normale Bürger“ handelt, die leider keinen direkten Zugang zu Bundestagsabgeordneten oder gar dem Kanzleramt selbst haben und daher zu diesem – wenig geeigneten – Mittel greifen.

    1. Sehr geehrter Herr Engeln, aber genau das ist doch falsch. Wer behauptet denn, dass „normale“ Bürger keinen direkten Zugang zu Bundestagsabgeordneten haben???? Jeder kann mich jederzeit überall treffen, mich anrufen, mir schreiben… Mit Verlaub, aber das Argument ist wirklich Quatsch.

      1. Es lässt tief blocken, Herrn Engelns Antwort einfach als Quatsch abzutun. Herr Tauber – mit Verlaub, aber Ihre Entgegnung ist Quatsch. Es redet auch niemand von Ihnen als Person…und allgemein SIND Politiker nunmal für den Wähler schwer erreichbar – außer es ist gerade Wahlkampf…

        In Campact oder Avaaz dann „den Feind“ zu sehen, ist albern und arrogant

        1. Bitte genau lesen! Campact und Avaaz sind keine „Feinde“, aber wer wirklich etwas ändern will, der muss schon mehr tun, als nur eine Massenemail verschicken. Die Aktionen von Campact werden nicht mal zur Kenntnis genommen und verändern tun sie gar nichts. Um nichts anderes geht es. Und ich bleibe bei der Behauptung, dass es Quatsch ist zu behaupten, Politiker seien nicht oder schwer zu erreichen. Auch da muss man sich halt selbst Zeit nehmen und den Kontakt suchen. Ich kann nicht für jeden Kollegen die Hand ins Feuer legen, aber die meisten geben sich viel Mühe und verwenden viel Zeit darauf, ansprechbar und erreichbar zu sein. Den Gegenbeweis müssen Sie erst einmal antreten! Und die Frage, dass Politiker nur im Wahlkampf erreichbar sind ist ein so – verzeihen Sie – blödes Klischee. Das können Sie besser glaube ich! 🙂

      2. Lieber Herr Dr. Tauber,
        ich fühle mich missverstanden: Dass Sie persönlich ansprechbar sind, ist mir bekannt und zeigt ja auch dieses Blog. Ich hatte Ihnen mitnichten unterstellen wollen, Sie seien für normale Bürger nicht erreichbar. Primär wollte ich darauf hinweisen, dass für die Absender der Mails die Bezeichnung „Lobbyist“ nicht zutreffen dürfte, weil Lobbyisten sich üblicherweise anderer Methoden bedienen – der Fall Leistungsschutzrecht zeigt es ja.

        1. Welche Methoden nutzen denn Lobbyisten? Das würde mich mal fernab der gängigen Klischees interessieren. Ich kann nicht erkennen, dass Google, BITKOM, Axel Springer aber auch VERDI, der paritätische Wohlfahrsverband, die Caritas oder andere mit unterschiedlichen Methoden arbeiten. Alle nutzen das gleiche Handwerkszeug – mehr oder weniger erfolgreich und mit unterschiedlichem Mitteleinsatz… 🙂

  2. Herr Tauber, ich bin einfach „halbwegs erschüttert“, warum Sie eine Meinung – geäußert per Massenmail – so abwerten gegenüber einer individuell geäußerten Meinung. Ich benutze Dinge wie eptition, Avaaz, Campact und Co sehr gern, und finde die Idee dahinter gut…die Teilnehmer sagen Ihnen einfach „Der Meinung bin ich auch“. Das sollten Sie akzeptieren. „so lustigen Gesellen wie Campact“…das beleidigt mehr oder weniger auch die Teilnehmer an solchen Kampagnen. Hinter jeder einzelnen Massenmail steht ein Mensch, der eine Meinung hat, sich in der Politik gern „einmischen“, besser einbringen möchte. Sein Sie doch froh darüber – gerade in Zeiten, in denen immer wieder Worte wie Politikverdrossenheit die Runde machen. Dann sind manche Entscheidungen vielleicht auch nicht mehr „alternativlos“…und niemand verlangt von Ihnen, individuell zu antworten…Sie sollten einfach einen Strich auf der imaginären Liste machen: „Ach, noch einer ist dieser Meinung“. Das ist mein Wunsch an Sie!

    Ich glaube Ihnen auch durchaus, dass Sie erreichbar sind – auch einige Kollegen von Ihnen. Aber gerade die aktuelle Bundespolitik, mithin die sogenannte Elite, hat die Volksnähe nicht gerade erfunden. Daher ist die „Beschwerde“ aus meiner Sicht durchaus gültig. Wenn Sie einer Reihe der letzten Entscheidungen Volksbefragungen machen könnten, würde das aus meiner Sicht sehr deutlich werden. Ja, das ist so nicht machbar, schon klar…

    1. Klar nehme ich das zur Kenntnis. Sie werden aber damit leben müssen, dass 100 Massenemails, die für eine Sache sind, u.U. aufgehoben werden durch eine einzige selbstformulierte und glaubwürdige Email dagegen. Ich will einfach nur für den direkten Dialog werben – auch wenn ich weiß, dass es für Politiker sehr schwer ist, diese Erreichbarkeit zu gewährleisten.

  3. Also ich habe beim Campact zum LSR auch geklickt. Und sieht man sich den Blogeintrag hier an (den ich in der Digitalen Presseschau gefunden habe, die über twitter beworben wurde) plus die Kommentare, dann muss man auch den Eindruck gewinnen, dass sie bei Peter Tauber auch gewirkt hat. Danke für den Beleg!

  4. sehr geehrter herr tauber,

    ich bin durch meinen cousin, der in einer politischen organisation arbeitet und sich dort mit dem thema ’new media‘ und ’social networking‘ viel auseinandersetzt, auf ihren blog-eintrag aufmerksam gemacht worden. auch er vertritt ihre meinung zu den massenmail-syndrom, daher hat er mir ihren link gesendet.
    ich nehme – ausgewaehlt – regelmaessig als unterstuetzer an einigen mail-plattformen wie avaaz oder fishfight (spezialisiert auf das lobbying fuer die neue gemeinschaftliche eu fischereireform) teil. ich verstehe ihren einwand, dass eine menge unpersoenliche massenmails nur bedingt als persoenliches statement zu ihnen durchdringen. und ich weiss auch aus eigener erfahrung, das man sehr wohl mit einer persoenlichen mail einen abgeordneten erreichen kann. das ist auch gut so. ich habe aber den eindruck, dass die massenmails zu bestimmten themen auch fuer einen abgeordeneten schon einen wichtigen zweck erfuellen koennen, naemlich eine tendenz zu erkennen, wie viele menschen sich wohl gerade fuer ein thema – aus welchem grund dann auch im einzelnen – emotional angesprochen fuehlen und zur (mindest-)teilhabe animieren lassen. ich bin sicher, dass man schon unterschiede im aufkommen je thema entdecken kann. klar, dass sie diese bestandsaufnahme in ihrem tagesgeschaeft nicht selber machen koennen, aber ich wuerde – so stelle ich mir das vor – einen mitarbeiter dransetzen, der in regelmaessigen abstaenden eine uebersicht erstellt, zu welchem thema von welcher plattform wie viele mails angekommen sind und ob das thema ueberhaupt viele befuerworter gefunden hat. wie gesagt, ich glaube, fuer einen politiker ist so eine tendenz-einschaetzung interessant und wichtig. insofern erfuellen diese massenmails schon einen nuetzlichen zweck. ich werde sie daher weiter versenden.

    viele gruesse,
    marc wohlrabe
    berlin

    1. Lieber Marc Wohlrabe, natürlich können Sie solche Angebote gerne nutzen. Wie Sie wirken hängt wahrscheinlich individuell vom Empfänger und nicht vom Absender ab. Darum hoffen wir das Beste, dass am Ende dennoch ein Dialog stattfindet. Dieser muss ja nicht dazu führen, dass man einer Meinung ist, wohl aber, dass man die andere Meinung respektiert. Es grüßt Peter Tauber

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