SCHWARZER PETER

Der liebe Gott sieht alles!

Auch ich habe den offenen Brief an Google bezüglich des Klarnamenzwangs unterzeichnet, auch wenn mir nicht jeder Halbsatz hundertprozentig gefällt. Den gibt es hier. Es ging mir aber um eine grundsätzliche Haltung in der Frage der Pseudonymität, die ich absolut teile. Dabei will ich keineswegs einer leider weit verbreitete Staatsskepsis im Netz das Wort reden. Ich glaube an die parlamentarische Demokratie und an den Rechtsstaat. Deswegen hinken auch aus meiner Sicht auch weit hergeholte Vergleiche mit Diktaturen in diesem Zusammenhang. Trotzdem fallen mir auch in unserer Gesellschaft schon aus meinem eigenen Umfeld jede Menge Beispiele ein, in denen Menschen ein Pseudonym wählen, um sich im Internet zu bewegen. Und diese Möglichkeit, ein Pseudonym zu nutzen, halte ich schon für wichtig.

Ich habe Freunde, die mit mir über soziale Netzwerke kommunizieren, aber das unter einem Pseudonym tun, da sie in der öffentlichen Verwaltung arbeiten und diese aber in der politischen Führung (gerade) von der anderen Feldpostnummer geleitet wird und sie Nachteile für ihr berufliches Fortkommen befürchten, wenn der oberste Dienstherr sieht, dass sie mit mir befreundet sind oder mich gar auf Probleme hinweisen. Ich kenne Schüler, die sich unter einem Pseudonym im Internet bewegen, weil Sie nicht wollen, dass Eltern und Lehrer all ihre Aktivitäten nachvollziehen können. Ich finde, es steht dem Staat nicht zu, dies zu reglementieren und zu unterbinden. Leider haben einige Kollegen aus meiner Fraktion eine andere Auffassung als ich. Im Original liest sich die Meldung so.


Peter Tauber ist im sozialen Netzwerk Facebook mit einem „Klarnamen“ angemeldet. Dass in Netzwerken wie diesen jedoch auch Pseudonyme verwendet werden dürfen empfindet der Abgeordnete als wichtig.

Meine davon vollständig abweichende Haltung bedeutet aber nicht, um es noch einmal für alle deutlich zu machen, dass ich der uneingeschränkten Anonymität das Wort rede. Den Unterschied zwischen Pseudonymität und Anonymität haben aber offensichtlich nicht alle verstanden und fürchten wohl wieder einen „rechtsfreien Raum“, um den es doch aber gar nicht geht! Keiner stellt in Abrede, dass es möglich sein muss, herauszufinden, wer hinter dem Pseudonym „Papa Schlumpf“ steckt, wenn diese Person sich Kindern in sozialen Netzwerken in unlauterer Absicht nähert. Daher ist es durchaus zu begrüßen, wenn Google und Facebook um die wahre Identität ihrer Nutzer wissen, aber sie sollten ihren Nutzern nicht vorschreiben, ob sie sich „Peter Tauber“ oder „Täubchen“ nennen. Zum Glück ist das beispielsweise bei twitter kein Problem. Ich kenne Mitarbeiter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, die unter einem wunderbaren Pseudonym twittern. Ob die betreffenden Kritiker der Pseudonymität aus meiner Fraktion das wissen?

Ich bin der Meinung, dass es nicht Aufgabe des Staates ist, seine Bürger in diesem Bereich Vorschriften zu machen. Er muss lediglich dafür Sorge tragen, dass im Falle rechtswidriger Handlungen die Strafverfolgungsbehörden tätig werden oder beispielsweise im Falle des Zustandekommens eines Vertrags dieser auch eingehalten wird. Bei Ebay nutze ich ja auch ein Pseudonym und erst, wenn ich einen Artikel ersteigert habe und die Lieferanschrift übermittele und bezahle, erfährt der Verkäufer meine Identität. Ebay kann diese Pseudonymität aber aufheben, sollte es Probleme geben. Und gerade weil das so ist gibt es in der Regel keine Probleme mit den Pseudonymen auf Ebay.

Am Ende sieht wahrscheinlich nur der liebe Gott alles. Das ist in Ordnung. Sowohl für die, die an ihn glauben, als auch für die, die das nicht tun. Dem Staat fällt diese göttliche Rolle aber sicher nicht zu, denn er ist das Werk von Menschen.

5 Kommentare zu “Der liebe Gott sieht alles!

  1. Wieder mal ein sehr ehrlicher und guter Beitrag! Ebay machts vor und es ist über Jahre kein Problem (jetzt ja auch nicht). Erst wenn eine grundsätzliche Debatte begonnen wird melden sich die vermeintlichen Wortführer und wissen gar nicht so recht was sie da von sich geben..

  2. Toller Artikel.
    Was mir fehlt: unabhängig vom Gottesbild, fällt es dem Staat schon deshalb nicht zu, weil er in seiner eigenen Verfassung die Grundrechte garantiert. Dazu gehört nunmal, dass niemand mit einem Namensschild rumlaufen muss. Nicht auf der Straße und schon gar nicht im Internet, wo jede Äußerung potentiell ewig gespeichert bleibt und leicht auffindbar ist.

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