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Meine Predigt zur „Speisung der Fünftausend“

Am 26. Oktober 2014 hatte ich Gelegenheit, im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau in der Wiesbadener Marktkirche eine Predigt zu halten. Den Predigttext findet man im Matthäus-Evangelium, Kapitel 14, Verse 13-21. Es geht um die bekannte Geschichte der Speisung der Fünftausend. Wer wissen will, warum diese Geschichte keine Ankündigung des allumfassenden Sozialstaates ist oder warum es ganz gut ist, dass die Jünger damals nicht verbeamtet wurden, der mag den Predigttext hier nachlesen:

Marktkirche in Wiesbaden

Am Ende des Gottesdienstes in der Marktkirche in Wiesbaden.

Liebe Brüder und Schwestern,

„Und sie aßen alle und wurden satt und hoben auf, was übrigblieb von Brocken, zwölf Körbe voll.“ So heißt es bei Matthäus. Ein schönes Happy End. Da wird am Anfang ein Mangel beschrieben, eine Herausforderung, eine Notlage – und dann kommt der Held, und am Ende ist alles gut.

Eigentlich eine schöne Vorlage für Hollywood oder von mir aus auch für die deutsche Filmförderung. Aber kennen Sie das nicht auch? Wenn man ins Kino geht und wenn dann der Film so wunderschön endet – dann sinkt man vielleicht zufrieden in den Sessel, aber irgendwie sagt man dann auch: „Eigentlich zu schön, um wahr zu sein.“

Daher ist das heutige Evangelium vielleicht doch keine geeignete Filmvorlage – denn die Erzählung von Jesus ist wahr! Vielleicht anders wahr, als wir uns heute eine naturwissenschaftlich-überprüfbare Wahrheit vorstellen. Aber dennoch: Ich glaube daran, dass diese Geschichte wahr ist. Doch was sagt uns diese Geschichte? Anstelle von 5000 will ich heute drei Gedanken mit Ihnen und Euch teilen:

Das Wunder der Gemeinschaft in Christus

Erstens: Jesus schenkt sich uns in der Gemeinschaft. Das Erleben von Gemeinschaft in Jesus schenkt uns einen Mehrwert. Ein technisches Wort, das so viel mehr meint – Frieden, Glück und Geborgenheit. Das Gefühl als Mensch angenommen und angekommen zu sein. Er lässt uns in Überfülle zurück.

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ (Mt 18,20) Diese Zusage Jesu erleben wir Christen in jedem Gottesdienst; am deutlichsten bei der Feier des Abendmahles. Und nichts anderes nimmt die Erzählung von der Speisung der Fünftausend vorweg, denn auch hier heißt es: „Er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, sah auf zum Himmel und dankte und brach´s und gab die Brote den Jüngern.“ – Nehmen, danken, brechen und geben: all dies kennen wir vom Abendmahl.

Genau hierin liegt für mich eine tiefere Wahrheit der Geschichte. Es geht nicht einfach nur um eine Ethik des Teilens. Es geht durchaus um eine spezifisch christliche Ethik. Es geht um unseren Glauben an die durch Christus gestiftete Gemeinschaft. Denn ohne Jesus, ohne seine Vorwegnahme des Abendmahls wäre die Geschichte tatsächlich nur eine Filmvorlage. Dann wäre die Geschichte tatsächlich eine säkulare Wundergeschichte. Erst durch den Bezug zu Jesus wird diese Geschichte für uns Christen wahr.

Wenn wir also in Christus zusammenkommen, dann werden wir beschenkt, dann erfahren wir Überfülle – die Geschichte spricht von zwölf Körben, die am Ende übrig bleiben. Er macht uns satt. Nicht im buchstäblichen, aber übertragenden Sinne. Unsere Seele findet im Vertrauen auf Gottes Liebe und im Erleben christlicher Gemeinschaft Ruhe. Wir können fröhlich sein.

Sie wissen alle, dass diese Zahl kein Zufall ist: Denken Sie nur an die zwölf Apostel oder die zwölf Stämme Israels. Oder nehmen Sie die zwölf zum Quadrat, dann bekommen Sie 144 – laut Offenbarung des Johannes werden 144 000 gerettet werden. Zahlen haben in der Bibel immer Bedeutung.

Wofür stehen aber die zwölf Körbe? Zwölf ist das Produkt aus Drei und Vier. Drei ist die göttliche Zahl – Stichwort Dreifaltigkeit. Vier ist die menschliche Zahl oder die Zahl der irdischen Welt – vier Himmelsrichtungen, vier Elemente. Damit steht Zwölf für die Verbindung von Himmel und Erde, von Gott mit den Menschen. In der Zahl Zwölf berühren sich also Himmel und Erde.

Auch bei Lukas können wir von einer weiteren Speisenvermehrung lesen, der sogenannten Speisung der Viertausend. Dort bleiben am Ende sieben Körbe übrig. Diese Zahl ist nichts anderes als die Zwölf, da sie zwar nicht das Produkt, aber die Summe aus Drei und Vier ist.

So viel zur Zahlenspielerei: Am Ende bleibt die Botschaft, Gott und Mensch begegnen sich in dieser Geschichte. Sie begegnen sich jedoch nicht irgendwo, sondern in Christus.

Und das ist ja auch die Botschaft des gesamten Evangeliums: Jesus predigt stets vom Reich Gottes. Aber er predigt nicht nur vom Reich Gottes; er selbst als Person und auch sein Handeln sind ebenfalls immer ein Verweis auf dieses Reich Gottes.

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Mit Pfarrer Dr. Jeffrey Myers an der Kirchentür.

Brotvermehrung als Vorwegnahme des Himmelreiches

Damit bin ich bei meinem zweiten Punkt: Die Brotvermehrung als Vorwegnahme des Himmelreiches. Die Erzählung verführt, sie als politisches Programm und als Auftrag für unser Leben im Hier und Jetzt auszulegen. Das klingt verlockend und nach einer einfachen „Übersetzung“; geht aber an ihrem eigentlichen Kern vorbei. Auf den Verweischarakter von Jesus – auf die darstellende, übertragene Bedeutung, Bilder und Geschichten, die uns einen tieferen Sinn aufzeigen sollen – habe ich bereits hingewiesen. Werfen wir aber noch einen Blick auf den Ort des Geschehens:

Matthäus und Lukas sprechen von einer „Wüste“, Markus von einer „wüsten Stätte“. Die Einheitsübersetzung übersetzt mit „einsame Gegend“ oder „einsamer Ort“. Egal, welcher Übersetzung man folgt: Es handelt sich stets um einen Ort außerhalb der ‚zivilisierten‘ Welt – Jesus selbst entrückt dieses Geschehen unserer Welt; er verweist nicht auf das Hier und Jetzt, sondern auf das kommende Reich Gottes.

Das mag für den einen oder anderen von Ihnen zunächst einmal befremdlich klingen. Aber rufen Sie sich einmal die vielen guten Taten Jesu in Erinnerung, von der die Evangelien erzählen. Mir ist kein Fall einer Heilung bekannt, in deren Nachgang Jesus sagen würde: So, jetzt kannst Du wieder arbeiten gehen, Geld verdienen und Deine Familie durchbringen – am besten natürlich noch Steuern zahlen, damit das ganze Gemeinwesen gut funktioniert.

Jesu Wirken in der Welt war immer ein Wirken, das über das Hier und Jetzt hinauswies; es geht bei diesem Wirken immer um den Erlösungsgedanken; denken Sie nur an einen Satz wie: „Dein Glaube hat Dir geholfen.“

All das bedeutet, dass wir Jesus und die Erzählungen von seinem Wirken nicht missverstehen dürfen als praktischen Aktionsplan für die Bewältigung des täglichen Lebens. Natürlich schenkt uns Jesus, schenkt uns seine Botschaft Orientierung für unser eigenes Leben. Natürlich sind wir als Christen aufgerufen, bereits hier auf Erden am Reich Gottes mitzubauen. Wir würden uns aber übernehmen und uns selbst überfordern, wenn wir glaubten, wir selbst könnten diese Welt erlösen.

Die Geschichte von der Brotvermehrung verweist auf das Reich Gottes, auf unsere Erlösung, auf die Erlösung der ganzen Welt.

Die Grenzen des Politischen

Damit bin ich bei meinem dritten und letzten Punkt: Denn mit dem Verweis auf das Reich Gottes beschreibt die Geschichte auch die Grenzen des Politischen.

Als Politiker erliegt man ja oft der Versuchung, für alle Probleme eine Lösung parat haben und jederzeit Handlungsfähigkeit unter Beweis stellen zu müssen. Umschrieben wird das häufig mit dem schrecklich klingenden Wort ‚Problemlösungskompetenz‘.

Auf die Spitze treiben wir Politiker diese Versuchung in der aberwitzigen Vorstellung, die Welt retten – oder in anderen Worten: die Welt erlösen zu können. Dieser Anspruch ist an Hybris und Selbstüberschätzung wahrscheinlich kaum zu übertreffen.

Aber – dieser Einschub sei mir erlaubt – eine solche Selbstüberschätzung hat ja ihren Ursprung nicht bei den Politikern alleine. Auch Wählerinnen und Wähler, Medien, Interessenvertreter treten mit dieser Erwartung an Politik heran.

Schauen wir uns doch nochmal kurz die Erzählung an: Da gibt es ein Problem, mit dem die Jünger Jesus konfrontieren. Der Ort ist öde, die Menschen hungrig. Und fünf Brote und zwei Fische sind für die Masse der Menschen – nach logischem Menschenverstand – eigentlich nicht genug. Eine typische Ausgangsposition eines Politikers.

In meiner Welt würde es jetzt erst richtig losgehen. Da würden einige Jünger ein erstes Konzept erarbeiten; Mehrheiten werden gesucht; Gegenkonzepte erstellt; Kompromisslinien gesucht; Petitionen eingereicht und so weiter und so fort.

Am Ende würde vielleicht ein Kompromiss stehen, der erst einmal berücksichtigt, wer von den vielen Menschen überhaupt bedürftig ist. Denn es ist doch nicht gerecht, wenn ein reicher Kaufmann unter den Zuhörern genauso behandelt werden würde wie ein arbeitsloser Fischer. Dann müsste aber natürlich auch Bedürftigkeit definiert werden und die Bedürftigen müssten ihre Bedürftigkeit nachweisen.

Am Ende muss das Ganze überwacht werden – mir käme da eine mögliche Verbeamtung der Apostel in den Sinn.

Stellen wir uns dies alles einmal vor: Glauben wir tatsächlich, dass am Ende noch zwölf Körbe übrig bleiben würden?! Das ganz vernünftig sogar eine Rücklage gebildet wurde? Nein, die Brotvermehrung ist keine Parabel auf das Politische, das ist nicht der Entwurf des allumsorgenden Sozialstaates.

Jesus geht es nicht einfach um das Stillen materieller Bedürfnisse – denken Sie nur an den Satz: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ Es geht um Bedürfnisse, die über das Materielle hinausgehen; um Bedürfnisse, die das Geistige in den Blick nehmen, das Bedürfnis nach Erlösung.

Wir werden – so hoffen wir – Erlösung im Jenseits erwarten dürfen. Aber eine Ahnung dieser Erlösung können wir bereits im Hier und Jetzt bekommen.

Es ist eine Erlösung, die auf das Miteinander bezogen ist. Eine Erlösung in der Gemeinschaft – Gemeinschaft in der Familie, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft, in der Kirchengemeinde, aber auch im gesellschaftlichen Miteinander. Hier sehe ich eine zentrale Aufgabe von Politik. Das lehrt uns das Gleichnis wieder: Sie muss für einen starken Zusammenhalt sorgen, für ein gelingendes Miteinander, für mit Leben gefüllte Solidarität.

Am Anfang dessen steht der Gedanke an die Freiheit des Einzelnen. Denn Freiheit steht am Beginn der christlichen Botschaft. Wenn man die Schöpfungsgeschichte liest, gerade auch die Erzählung von der Vertreibung aus dem Paradies, dann wird deutlich: Gott hat uns Menschen als freie Wesen geschaffen. Gott wollte keine Marionetten oder Roboter, die einfach tun, was er sagt.

Daher heißt es auch bei Paulus im Galaterbrief – ich zitiere: „Ihr aber seid zur Freiheit berufen.“ (Gal 5,13)

Und wenige Tage vor dem Reformationstag erinnere ich auch gerne daran, dass eine der wichtigsten Flugschriften von Martin Luther den Titel trägt: „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Hier beschreibt Luther treffend den scheinbaren Widerspruch der Freiheit: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“

Freiheit ist ein Schlüsselbegriff für uns Christen. Und gerade Politiker sind hieran fest gebunden. Die Freiheit zu achten, ist Auftrag der Politik. Gleichzeitig muss Politik die eigenen Grenzen kennen. Politik hat nicht die Aufgabe, die Welt zu retten; aber sie kann dabei helfen, dass Menschen im Miteinander und im Zusammenhalt eine Ahnung davon erfahren dürfen, was Erlösung und Begegnung mit Gott bedeuten kann.

Auch für diesen Gedanken steht die Erzählung von der Speisung der Fünftausend.

Schluss

Lassen Sie mich meine drei Punkte in drei Zitaten zusammenfassen. Mein erster Gedanke bezog sich auf die Gemeinschaft, deren Erleben ein Geschenk ist. Hierzu ein Zitat eines protestantischen Märtyrers. Klaus Bonhoeffer, der ältere Bruder Dietrich Bonhoeffers, ebenfalls von den Nationalsozialisten hingerichtet, schreibt in seinem Abschiedsbrief: „Wer aber herzlich dankbar annimmt, gibt oft mehr.“

Meinen zweiten Gedanken – die Brotvermehrung als Vorgriff auf das Himmelreich – möchte ich unter einen Ausspruch stellen, der auf den Philosophen Karl Popper zurückgeht; er heißt: „Wer den Himmel auf Erden will, schafft die Hölle auf Erden!“. Oder wie Bundespräsident Joachim Gauck einmal sagte: „Sie hatten vom Paradies geträumt und wachten in Nordrhein-Westfalen auf.“

Schließlich noch ein Zitat zu den Aufgaben des Politikers. Das Zitat stammt von Papst Benedikt, und ich finde, dass man fast 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Luthers auch einen Papst in einer evangelischen Kirche zitieren darf. Vor dem Deutschen Bundestag sagte Benedikt: „Wie wäre es, wenn uns, den Gesetzgebern von heute, eine Bitte freigestellt wäre? Was würden wir erbitten? Ich denke, auch heute können wir letztlich nichts anderes wünschen als ein hörendes Herz – die Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden und so wahres Recht zu setzen, der Gerechtigkeit zu dienen und dem Frieden.“

Genau diese Bitte möchte ich auch heute äußern. Und ich möchte Sie bitten, mich und alle Verantwortungsträger unseres Landes in diesem Sinne in Ihr Gebet zu nehmen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Ewigkeit. Amen!

Das Weihnachtswunder im Ersten Weltkrieg

Sie waren ins Feld gezogen, um für Kaiser und Reich den Sieg zu erringen, die jungen deutschen Soldaten aus der Uckermarck, aus dem Vogelsberg, aus Pommern und Sachsen. Was mit Jubel und klingendem Spiel begann sollte bis Weihnachten siegreich beendet sein. Auf der anderen Seite dachten die französischen und britischen jungen Männer genauso. Auch sie hatten beim Abschied ihren Familien fest versprochen, bis Weihnachten wieder zu Hause zu sein. Nun stand das Weihnachtsfest 1914 vor der Tür. Und auf beiden Seiten entlang der Front im Westen, die sich inzwischen in die gefrorene Erde gekrallt hatte, saßen die Soldaten frierend in ihren Stellungen und schrieben Briefe nach Hause. Wenngleich sie nicht daran zweifelten für die richtige Sache zu kämpfen und am Ende doch siegreich zu bleiben, so war doch das Heimweh an Weihnachten noch stärker als sonst.

Schnee bedeckte am Heiligen Abend die Stellungen entlang der Westfront. Trotz vereinzelter Schusswechsel war es ruhig an der Front. An manchen Abschnitten, wo die feindlichen Gräben oft nur wenige Meter auseinander lagen, hatten die Soldaten eine Art Waffenstillstand geschlossen. Teilweise wussten die Offiziere davon, teilweise nicht. Als es dunkel wird fangen die englischen Soldaten an zu singen. Die Weihnachtslieder schallen auch zu den deutschen Stellungen hinüber. In einer Pause erwidern die deutschen Soldaten den Gesang. Anderenorts bauen sie die dienstlich gelieferten kleinen Tannenbäume mit den Lichtern zusammen und versammeln sich auch in vorderster Front darum. Einige Soldaten kommen auf die Idee, die Bäume auf die Brüstung der Schützengräben zu stellen, damit sie etwas von der deutschen Weihnacht hinübertragen zu den „Tommies“.

Irgendwann passiert es dann. Und zwar nicht nur an einer, sondern an unzähligen Stellen an der Front. Die Soldaten klettern aus ihren Gräben. Plötzlich stehen sie sich gegenüber. Vor noch nicht einmal 24 Stunden haben sie einander nach dem Leben getrachtet und jetzt – nach anfänglichem Zögern – tauschen sie unter Lachen die Weihnachtsrationen. Lebkuchen gegen Corned Beef. Familienfotos von den Liebsten zu Hause werden herumgereicht. Einträchtig steht man beisammen. Die Offiziere entweder mitten unter ihren Männern oder fernab in den Quartieren in der Etappe. Es ist ein wirklich denkwürdiger Heiliger Abend. Noch ein Wunder geschieht. Man verabredet sich für den Weihnachtsmorgen. Der Friede soll weiterreichen. Und wirklich: am nächsten Tag treffen sich die Männer wieder. An mehreren Stellen haben sie Fußbälle mitgebracht. Spontan werden Fußballspiele organisiert. Fotoapparate werden gezückt und es entstehen gemeinsame Bilder, die sogar den Weg in die englischen Zeitungen finden.

Was so unwirklich klingt, ist Weihnachten 1914 tatsächlich passiert. In Großbritannien ist dieses Weihnachtswunder unter dem Begriff „christmas truce“ ein fester Begriff, so wie dort der Große Krieg im kollektiven Gedächtnis noch tiefer verankert ist, als der Zweite Weltkrieg – vielleicht auch, weil der britische Blutzoll in diesem Krieg größer war als im Zweiten Weltkrieg. In Deutschland geriet dieser Weihnachtsfrieden leider in Vergessenheit. Im Rahmen meiner Doktorarbeit bin ich in verschiedenen Quellen immer wieder auf die Fußballspiele zwischen Briten und Deutschen gestoßen. Mich haben die verschiedenen Berichte und Bilder tief berührt. Wer mehr darüber wissen möchte, dem empfehle ich das Buch „Der kleine Frieden im Großen Krieg: Westfront 1914: Als Deutsche, Franzosen und Briten gemeinsam Weihnachten feierten“ von Michael Jürgs, erschienen 2005 bei Goldmann, zur Lektüre.

Ich wünsche allen, die regelmäßig meinen Blog lesen, ein gesegnetes Weihnachtsfest und, dass ihr auch bei allen Streitereien den Blick für das Gemeinsame nicht verliert.