Archiv nach Schlagworten: Pilgerfahrt

Der wahre Reichtum dieses Landes

Günter Rams und Michael Frischkorn verbindet auf den ersten Blick nicht sonderlich viel miteinander. Der eine ist  überzeugter Christdemokrat, der andere eingefleischter Sozi. Doch beide haben etwas getan, was sie von vielen anderen unterscheidet. Sie haben nicht nur über Not und Armut in der Gesellschaft philosophiert und anklagende Worte gegenüber der Politik formuliert. Sie haben gemeinsam  angepackt. Beide haben die Gelnhäuser Tafel zu einer anerkannten und effektiven Institution im mittleren Kinzigtal gemacht, die einerseits der Öffentlichkeit die Not, die es auch in einer wirtschaftlich starken Region, in der ansonsten „die Welt noch in Ordnung ist“, vor Augen führt und andererseits täglich Zeugnis ablegt von dem, was man echten Bürgergeist nennen kann und muss. Männer und Frauen, denen es gut geht, die ein sorgenloses Leben führen können, helfen und übernehmen Verantwortung für die Schwachen in der Gesellschaft. Sie tun dies auf eine Art und Weise, die mit den Worten „christliche Nächstenliebe“ und „Menschlichkeit“ gut umschrieben ist. Und es ist schwer vorstellbar, dass der Staat sich diesen Menschen so individuell und einfühlsam nähern kann, wie es die fleißigen Helfer der Gelnhäuser Tafel tun. Sie alle haben ein Denkmal verdient, aber wahr ist auch, dass es jemanden braucht, der sie anspricht, antreibt und motiviert. Und ohne Michael Frischkorn und Günter Rams, das kann man wohl mit Fug und Recht sagen, wäre die Gelnhäuser Tafel nicht das, was sie ist. Beide machen nicht viel Aufheben um ihr Tun. Und 1.200 Menschen im Altkreis Gelnhausen erfahren immer wieder, dass sie nicht „egal“ sind. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass unsere Gesellschaft längst nicht so kalt ist, wie manche es immer wieder glauben machen.

Jedes Mal, wenn ich nun an einem Blumenladen vorbeikomme, dann denke ich unwillkürlich: „Wie lange es den wohl noch gibt?“ Denn manchmal geht das ganz schnell. Auf einmal ist er nicht mehr da, der kleine Laden an der Ecke. Der Laden, an dem man doch so oft vorbeigegangen ist, den man selten genug betreten hatte, um etwas zu kaufen, selbst wenn man im Gespräch mit Freunden allzu oft darüber philosophierte, dass mit der Umstrukturierung des Einzelhandels hin zu mehreren großen Ketten auf der grünen Wiese und der Verödung der Innenstädte ein Stück Lebenskultur verloren gehe. Ähnlich war das auch bei dem kleinen Blumenladen in Berlin. Auch hier drohte die Schließung. Und sicherlich hätte das Sachar Kriwoj nicht weiter gestört, wenn es nicht – wie er selbst sagt – „der Blumenladen seiner Freundin“ gewesen wäre, die ihn wohl nicht gerade begeistert von der bevorstehenden Schließung berichtet hatte. Sachar Kriwoj gehört zu den Menschen, für die das Internet ein, wenn nicht der bestimmende Teil, seines Lebens ist. Manche würden ihn daher als Netzavantgarde, andere als Nerd bezeichnen. Auf jeden Fall hat er etwas getan, dass nicht nur die Möglichkeiten des Internets aufzeigt: Er hat über das Internet, seinen Blog und die sozialen Netzwerke zur Rettung des kleinen Blumenladens aufgerufen, dem das nötige Geld fehlte, um nach einer Erkrankung des Eigentümers weiterzumachen. Er hat damit Menschen zum Nachdenken über ihr eigenes Konsumverhalten gebracht. Und nach kurzer Zeit haben auch Zeitungen und regionale Rundfunk- und Fernsehsender über den Laden und die „Rettungsaktion“  berichtet. Den Laden gibt es heute noch. Er gibt dem Kiez in Berlin, in dem er sich befindet, ein individuelles Gesicht. Und Sachar Kriwoj, der ansonsten mit und für das Internet lebt, kann jetzt dort weiter für seine Freundin Blumen kaufen, anstelle sie im Netz zu bestellen. Wie viele andere Berliner auch.

Am Ortseingang hielt auf einmal ein Auto neben uns: „Seid ihr  Pilger? Wollt ihr in die Kirche?“ Wir nickten. „Klar!“ „Gut. Ich hab den Schlüssel. Ich fahr vor und schließ euch auf.“ Sprach’s und fuhr davon. Wir schleppten unsere schon recht müden Beine die gut 1,5 Kilometer bis zur Kirche hinterher. Auch oder gerade ein Mann Gottes hatte offensichtlich kein Einsehen mit uns oder er wollte uns schlicht und einfach nicht in Versuchung führen. Das alte Gotteshaus in Flatow in der Mark Brandenburg auf dem Weg nach Bad Wilsnack war eine Offenbarung. Die kleine Kirche aus dem 15. Jahrhundert hatte nicht zuletzt dank des Einsatzes von Karlheinz Sandow, so hieß unser Mann Gottes, die DDR mit nur wenigen Blessuren überstanden. Mit wie viel Begeisterung und Herzblut der er von „seiner“ Kirche und ihrer Geschichte sprach, faszinierte uns.  Nach einem halbstündigen Vortrag und einem Stempel in unserem Buch ließ er uns dann kurz zum Gebet am Altar, den er selbst renoviert hat, allein. Inzwischen war nämlich ein weiterer Pilger eingetroffen und der sollte schließlich auch alles über das Kirchlein erfahren. Karlheinz Sandow ist einer der Menschen, die in der Dunkelheit ein Licht anzünden, die Zuversicht verbreiten. Mit welcher Inbrunst er von der Bewältigung aktueller Probleme beim Denkmalschutz berichtete oder von den Winkelzügen erzählte, mit denen er der DDR-Staatsführung ein Schnippchen schlug, um wieder Material zur Kirchensanierung zu erhalten, das ließ uns stumm zuhören. Und wie fröhlich er von der gestiegenen Zahl der Kinder berichtete, die nun zur Christenlehre in der Gemeinde gehen würde. Man kann nur schwer beschreiben, wie wir uns fühlten, als wir ihn verließen. Jugendliche würden vielleicht sagen, wir waren „geflasht“. Nach weiteren 8 Kilometern kamen wir im Storchendorf Linum an. Im dortigen Landgasthof bezogen wir Quartier. Und als wir von Karlheinz Sandow in Flatow berichteten war die Freude doppelt groß. Den kannten auch hier nämlich alle.

Man konnte sehen, dass alle gut gelaunt waren. Die Klasse hatte offensichtlich Spaß auf ihrer Abschlussfahrt nach Berlin. Dazu gehörte dann wohl oder übel auch der Besuch des Bundestages und ein Gespräch mit einem Politiker. Angesichts dieser Aussichten und des übrigen Programms war es in der Tat erstaunlich, wie fröhlich und aufmerksam die Schülerinnen und Schüler waren, als ich ihre Klasse in der Otto-Hahn-Schule in Hanau besuchte.  Alle waren gebürtig aus Hanau, doch ihre Eltern sind aus aller Herren Länder in die Stadt am Main östlich von Frankfurt gekommen. Alle verbindet, dass sie eine so genannte SchuB-Klasse besuchen. Mit diesem neuen bildungspolitischen Konzept sollen junge Menschen, die aus verschiedensten Gründen Probleme haben, einen Schulabschluss zu erreichen und einen Ausbildungsplatz zu finden, auf die Zeit nach der Schule vorbereitet werden. Viele betonen in öffentlichen Reden die Notwendigkeit, sich dieser Gruppe junger Menschen besonders anzunehmen. Hinter vorgehaltener Hand haben aber leider Viele die Jungen und Mädchen bereits aufgegeben. Nicht so ihre Lehrerin und ihre Sozialpädagogin. Es war beeindruckend, mit welcher Überzeugung beide an die Fähigkeiten ihrer „Zöglinge“ glaubten, aber zugleich realistisch deren Chancen erkannten, diese sind nicht rosarot – trotz dieses guten Programms und des damit verbundenen Aufwands. Aber darum geht es nicht allein. Man merkte den jungen Menschen an, dass sie sich ernst genommen fühlten – eine für sie wahrscheinlich neue Erfahrung. Wie viel Kraft und Aufwand notwendig sind, und dass doch jeder dieser Mädchen und Jungen die Mühe wert ist, habe ich dann bei meinem zweiten Zusammentreffen mit der Klasse gespürt. Dabei kann man über schlechte Rahmenbedingungen, falsche bildungspolitische Weichenstellungen in den letzten Jahrzehnten und andere Dinge klagen. Doch viel wichtiger war, den jungen Leuten deutlich zu machen, dass sie selbst ihre Chancen erkennen und ergreifen müssen. Und darum sind diese Menschen so wichtig. Jemand muss denen, die sich selbst oft für chancenlos halten, zeigen, dass sie erfolgreich sein können, wenn sie sich anstrengen, an sich glauben und vielleicht auch noch das notwendige Quäntchen Glück haben. Beide stellen mit ihrem Tun nicht die Statistik auf dem Kopf. Auch in dieser Klasse finden nicht alle einen Ausbildungsplatz oder haben erkannt, dass es einer eigenen Anstrengung bedarf. Aber beide Frauen vermitteln den Eindruck, dass ihr Beruf mehr Berufung als reiner Broterwerb ist. Man wünscht sich mehr Menschen, die ihren Job mit so viel Herzblut tun und das andere spüren lassen.

Manchmal fragt man sich, was Politik erreichen kann und erreichen soll. Man fragt sich (oder wird gefragt), warum man Politik macht, warum es wichtig ist, sich zu engagieren und für wen man das eigentlich tut. Wenn von Politik die Rede ist, dann werden sofort eine Menge Negativbeispiele bemüht: Partikularinteresseren einzelner gesellschaftlicher Gruppen oder gar Unternehmen, unnötiger Streit und unerträgliche Polemik und als Beispiel dafür wird immer wieder über  Menschen geredet, die den eigenen Vorteil nutzen, auch wenn sie wissen, sie tun dies auf Kosten anderer oder der Allgemeinheit. Ganz oft reden Politiker bei solchen grundsätzlichen Fragen dann von Wirtschaftsdaten, Arbeitslosenzahlen, Statistiken oder noch schlimmer ideologisch geprägten Weltbilder, wie die Menschen und die sie umgebende Welt bitteschön zu sein hat.

Ich habe von sechs Menschen erzählt. Und ich hätte noch von so vielen mehr berichten können, die ich immer wieder treffe oder gerade in den letzten neun Monaten getroffen und kennengelernt habe. Auf den ersten Blick haben sie alle mit den letzten Gedanken zur Politik nicht viel zu tun. Und wie so oft im Leben lohnt sich auch hier ein zweiter, ein genauerer Blick. Denn man macht Politik nicht für Zahlen, Daten und Statistiken. Man macht Politik für Menschen – und nicht für die Menschen, die immer nur meckern und fordern – , sondern für die, die mit eigenen Ideen, Kreativität und einer positiven Einstellung ihr Leben gestalten und damit automatisch Gutes für andere tun. Sie sind die wahren Helden dieses Landes. Sie sind die Motivation für mich, Politik zu machen. Darum sollte uns allen bewusst sein: Der wahre Reichtum dieses Landes sind seine Menschen.

Pilgerreise Tag 4: von Barenthin nach Bad Wilsnack

Man spürt beim Aufstehen Muskeln, von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt. Aber der strahlend blaue Himmel entschädigt dafür. Das Wetter ist so schön wie am ersten Tag. Hoffentlich bleibt es so. Wir sind froh, wenn wir in Wilsnack sind. Und nächstes Mal nehmen wir uns zwei Tage mehr Zeit und laufen kleinere Tagesetappen. So viel steht fest.
Das Dorf Görike wird von der Kirche überragt. Sie prägt die Mitte des Ortes und stammt aus dem Mittelalter. Das Ende des Sozialismus wird versinnbildlicht durch viele leer stehende Gebäude einer LPG, die einen Kontrast zu den alten Bauernhäusern bilden. Dass wir hier keiner Menschenseele auf der Straße begegnen, wundert kaum.
Nächster Ort ist Klein-Leppin. Gleich zu Beginn kommen wir an einer wohl aus DDR-Zeiten stammenden Ferienanlage vorbei. Gegenüber steht eine ehemalige große und verfallene Mühle. Auch die dazugehörige 1920 erbaute Villa steht leer. Überall begegnen uns Zeichen der wechselvollen deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, umso mehr wirken die alten Kirchen als Orte der Beständigkeit, der Orientierung in einer sich stetig verändernden Welt. Trotzdem hat man immer wieder das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben ist.  Als wir das Dorf Richtung Groß-Leppin verlassen, kräht mehrmals ein Hahn.
Groß-Leppin ist keines der klassischen Straßendörfer. Vielmehr steht die im 14. Jahrhundert erbaute Kirche in der Mitte und kann von der Straße nicht direkt erreicht werden. Wie in allen anderen Dörfern auch steht ein kleines Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr in der Nähe des Gotteshauses. Ein modernes Löschfahrzeug passt hier kaum hinein.
So kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier das Beten um Regen oder die Hilfe von außerhalb im Falle eines Brandes dringend geboten sind.
Bei einem Halt an der Plattenburg, die einst der Familie von Saldern gehörte, sammeln wir die letzten Kräfte. Die Burg gehört zu den größten Wasserburgen im norddeutschen Raum. Nun liegt nichts mehr zwischen uns und unserem Ziel.
Bad Wilsnack ist ein Kurort. Das wird uns schon am Ortsschild deutlich gemacht. Wir kommen an einer modernen Klinik vorbei. Aber niemand eilt herbei, um uns zu pflegen. Also weiter! Dass wir am Ziel sind, wird uns hier noch nicht recht bewusst, denn anders als in den Dörfern und Städtchen auf unserm Weg ist die Wunderblutkirche eben nicht schon am Ortseingang zu sehen. Noch haben wir das Ziel, das uns über die letzten Meter hilft, nicht vor Augen.
Aber dann: Die Wunderblutkirche in Bad Wilsnack. Man steht davor und fühlt sich ganz klein. Und dies nicht aufgrund der beeindruckenden Größe des Bauwerks. Max und ich betreten nacheinander die Kirche.
Jeder für sich schickt seine Gedanken auf die Reise, bestaunt das Bauwerk. Wir lesen die Erläuterungen zu Geschichte der Kirche und des Pilgerwesens. Ich kaufe mir ein Pilgerabzeichen, das die drei stilisierten Hostien zeigt, die uns jetzt die ganze Zeit begleitet haben. Nun ist Zeit für die Ruhe, für ein Gebet. Wahrscheinlich sind wir ein bisschen überwältigt von dem Moment. Wir singen nicht, wie wir uns das ja eigentlich vorgenommen haben, und jeder verbringt die nächste halbe Stunde für sich allein. Wie zufällig treffen wir uns wieder am Ausgang der Kirche, ein stummes Nicken und wir gehen hinaus.
Die Kirche wirkt nun noch wuchtiger, noch größer. Man steht davor und fühlt sich ganz klein. Aber auch geborgen und nicht alleine. Das ist gut.

Man spürt beim Aufstehen Muskeln, von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt. Aber der strahlend blaue Himmel entschädigt dafür. Das Wetter ist so schön wie am ersten Tag. Hoffentlich bleibt es so. Wir sind froh, wenn wir in Wilsnack sind. Und nächstes Mal nehmen wir uns zwei Tage mehr Zeit und laufen kleinere Tagesetappen. So viel steht fest.
Das Dorf Görike wird von der Kirche überragt. Sie prägt die Mitte des Ortes und stammt aus dem Mittelalter. Das Ende des Sozialismus wird versinnbildlicht durch viele leer stehende Gebäude einer LPG, die einen Kontrast zu den alten Bauernhäusern bilden. Dass wir hier keiner Menschenseele auf der Straße begegnen, wundert kaum.
Nächster Ort ist Klein-Leppin. Gleich zu Beginn kommen wir an einer wohl aus DDR-Zeiten stammenden Ferienanlage vorbei. Gegenüber steht eine ehemalige große und verfallene Mühle. Auch die dazugehörige 1920 erbaute Villa steht leer. Überall begegnen uns Zeichen der wechselvollen deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, umso mehr wirken die alten Kirchen als Orte der Beständigkeit, der Orientierung in einer sich stetig verändernden Welt. Trotzdem hat man immer wieder das Gefühl, dass die Zeit stehen geblieben ist.  Als wir das Dorf Richtung Groß-Leppin verlassen, kräht mehrmals ein Hahn.
Groß-Leppin ist keines der klassischen Straßendörfer. Vielmehr steht die im 14. Jahrhundert erbaute Kirche in der Mitte und kann von der Straße nicht direkt erreicht werden. Wie in allen anderen Dörfern auch steht ein kleines Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr in der Nähe des Gotteshauses. Ein modernes Löschfahrzeug passt hier kaum hinein.  So kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier das Beten um Regen oder die Hilfe von außerhalb im Falle eines Brandes dringend geboten sind.
Bei einem Halt an der Plattenburg, die einst der Familie von Saldern gehörte, sammeln wir die letzten Kräfte. Die Burg gehört zu den größten Wasserburgen im norddeutschen Raum. Nun liegt nichts mehr zwischen uns und unserem Ziel.
Bad Wilsnack ist ein Kurort. Das wird uns schon am Ortsschild deutlich gemacht. Wir kommen an einer modernen Klinik vorbei. Aber niemand eilt herbei, um uns zu pflegen. Also weiter! Dass wir am Ziel sind, wird uns hier noch nicht recht bewusst, denn anders als in den Dörfern und Städtchen auf unserm Weg ist die Wunderblutkirche eben nicht schon am Ortseingang zu sehen. Noch haben wir das Ziel, das uns über die letzten Meter hilft, nicht vor Augen.
Aber dann: Die Wunderblutkirche in Bad Wilsnack. Man steht davor und fühlt sich ganz klein. Und dies nicht aufgrund der beeindruckenden Größe des Bauwerks. Max und ich betreten nacheinander die Kirche.  Jeder für sich schickt seine Gedanken auf die Reise, bestaunt das Bauwerk. Wir lesen die Erläuterungen zu Geschichte der Kirche und des Pilgerwesens. Ich kaufe mir ein Pilgerabzeichen, das die drei stilisierten Hostien zeigt, die uns jetzt die ganze Zeit begleitet haben. Nun ist Zeit für die Ruhe, für ein Gebet. Wahrscheinlich sind wir ein bisschen überwältigt von dem Moment. Wir singen nicht, wie wir uns das ja eigentlich vorgenommen haben, und jeder verbringt die nächste halbe Stunde für sich allein. Wie zufällig treffen wir uns wieder am Ausgang der Kirche, ein stummes Nicken und wir gehen hinaus.  Die Kirche wirkt nun noch wuchtiger, noch größer. Man steht davor und fühlt sich ganz klein. Aber auch geborgen und nicht alleine. Das ist gut.

Pilgerreise Tag 3: von Wusterhausen nach Barenthin

Nun liegt die Hälfte des Weges hinter uns, und der Tag begann beim Bäcker in Wusterhausen gleich mit einer Überraschung. Nachdem wir bei Lichte betrachtet die herrlich sanierte Altstadt begutachtet haben und leider nicht in die Kirche konnten, wollten wir uns mit einem frischen Kaffee für den Weg stärken. Vorbildlich von der Bäckerin umsorgt, lobten wir im Gegenzug die Schönheit des Städtchens und vor allem des Marktplatzes – nicht ahnend, dass wir damit einen wunden Punkt trafen, denn offensichtlich stößt die Neugestaltung vor Ort nicht auf ungeteilte Zustimmung.
Wir äußerten Verständnis für die vorgetragenen Probleme bei der Stadtsanierung und erwähnten beiläufig, dass bei uns im Hessischen die Bürger bei den entsprechenden Progammen aktiv teilhaben würden. Das wisse sie, entgegnete die Frau. Sie habe erst kürzlich wieder ihre Tochter, die in Gelnhausen am Obermarkt im Kindergarten arbeitet und in Neuberg wohnt, besucht. Da war die Überraschung groß. So klein ist die Welt. Nach dem Kaffee und einem Kuchenstück machten wir uns auf den Weg.Das größ te Städtchen auf unserem Weg nach Wilsnack ist Kyritz, unser nächstes Ziel. Wohl jeder kennt diesen Ort, bekannt als „Kyritz an der Knatter“, obwohl der malerische Ort ja eigentlich an dem Flüsschen Jäglitz liegt. Das Knattern meint eher das ehemals überall gut vernehmbare Geräusch der vielen Windmühlen, die in alten Zeiten den Fluss säumten.
Bevor wir uns von Kyritz aus weiter auf den Weg nach Örehfeld und Berlitt machten, besuchten wir die offen stehende Marienkirche, um ein „Großer Gott wir loben dich“ zu singen. Wie herrlich klang das in der hohen, spätgotischen Hallenkirche, die hinter der klassizistischen Fassade verborgen liegt. Wir haben nicht jeden Ton getroffen, aber mit Inbrust gesungen. Vielleicht hat uns die ebenfalls in der Kirche anwesende Frau deshalb nicht nur für das Lied gedankt und gesagt, wie schön doch Gesang in der Kirche immer wieder klinge, sondern auch von ihrem Großvater erzählt, der bezüglich des Singens in der Kirche immer zu sagen pflegte: „Im Himmel klingt es immer besser.“ das ist tröstlich. Wir werden trotzdem in Willsnack alle elf Strophen des Liedes singen.
Als wir Kyritz verlassen, bricht die Sonne durch! Nach dem Städtchen wirken die folgenden Dörfer umso kleiner. Rehdorf macht sogar einen recht trostlosen Eindruck. Vor der sehr kleinen Fachwerkkirche treffen wir einen anderen Pilger, der dort sitzt und liest. Uns zieht es weiter. Wir wollen heute nicht so spät ankommen. Max bei beißt vorbildlich die Zähne zusammen und ich ignoriere ebenfalls meine recht heftig schmerzende rechte Ferse.
Nach dem traurigen Bild, das Rehfelden hinterlässt, werden wir in Berlitt mit einer wunderschönen, aber leider verschlossenen Kirche, und dem daneben liegenden Schloß  entschädigt. Der Wind rauscht, die Vögel zwitschtern. Man hört jemanden mit der Axt Holz spalten, ein paar Stimmen und nur selten ein Auto. Schließlich nehmen wir Abschied von der dörflichen Idylle und ziehen weiter nach Barenthin.
Barenthins Dorfstraße ist durchweg von einer Allee geziert. Ein schönes Dorf mit einer beeindruckenden Kirche, deren Turm wohl dereinst als Wehrturm diente. Leider haben wir auch hier versäumt anzurufen, um uns aufschließen zu lassen. Dass das Dörfchen ein schöner Fleck zum Leben ist, merkt auch Max an. Ein Zeichen hierfür sind die Katzen, die uns begegnen und die laut ihm doch einen recht zufriedenen Eindruck machen. Mit Blick auf den Kirchturm,  den alten Wehrturm, stellen wir fest, dass wir am Ende dieses Tages auch nicht mehr besonders wehrhaft sind. Aber wir sind unserm Ziel ein großes Stückchen näher.

Nun liegt die Hälfte des Weges hinter uns, und der Tag begann beim Bäcker in Wusterhausen gleich mit einer Überraschung. Nachdem wir bei Lichte betrachtet die herrlich sanierte Altstadt begutachtet haben und leider nicht in die Kirche konnten, wollten wir uns mit einem frischen Kaffee für den Weg stärken. Vorbildlich von der Bäckerin umsorgt, lobten wir im Gegenzug die Schönheit des Städtchens und vor allem des Marktplatzes – nicht ahnend, dass wir damit einen wunden Punkt trafen, denn offensichtlich stößt die Neugestaltung vor Ort nicht auf ungeteilte Zustimmung.
Wir äußerten Verständnis für die vorgetragenen Probleme bei der Stadtsanierung und erwähnten beiläufig, dass bei uns im Hessischen die Bürger bei den entsprechenden Progammen aktiv teilhaben würden. Das wisse sie, entgegnete die Frau. Sie habe erst kürzlich wieder ihre Tochter, die in Gelnhausen am Obermarkt im Kindergarten arbeitet und in Neuberg wohnt, besucht. Da war die Überraschung groß. So klein ist die Welt. Nach dem Kaffee und einem Kuchenstück machten wir uns auf den Weg.Das größ te Städtchen auf unserem Weg nach Wilsnack ist Kyritz, unser nächstes Ziel. Wohl jeder kennt diesen Ort, bekannt als „Kyritz an der Knatter“, obwohl der malerische Ort ja eigentlich an dem Flüsschen Jäglitz liegt. Das Knattern meint eher das ehemals überall gut vernehmbare Geräusch der vielen Windmühlen, die in alten Zeiten den Fluss säumten.
Bevor wir uns von Kyritz aus weiter auf den Weg nach Örehfeld und Berlitt machten, besuchten wir die offen stehende Marienkirche, um ein „Großer Gott wir loben dich“ zu singen. Wie herrlich klang das in der hohen, spätgotischen Hallenkirche, die hinter der klassizistischen Fassade verborgen liegt. Wir haben nicht jeden Ton getroffen, aber mit Inbrust gesungen. Vielleicht hat uns die ebenfalls in der Kirche anwesende Frau deshalb nicht nur für das Lied gedankt und gesagt, wie schön doch Gesang in der Kirche immer wieder klinge, sondern auch von ihrem Großvater erzählt, der bezüglich des Singens in der Kirche immer zu sagen pflegte: „Im Himmel klingt es immer besser.“ das ist tröstlich. Wir werden trotzdem in Willsnack alle elf Strophen des Liedes singen.
Als wir Kyritz verlassen, bricht die Sonne durch! Nach dem Städtchen wirken die folgenden Dörfer umso kleiner. Rehdorf macht sogar einen recht trostlosen Eindruck. Vor der sehr kleinen Fachwerkkirche treffen wir einen anderen Pilger, der dort sitzt und liest. Uns zieht es weiter. Wir wollen heute nicht so spät ankommen. Max bei beißt vorbildlich die Zähne zusammen und ich ignoriere ebenfalls meine recht heftig schmerzende rechte Ferse.
Nach dem traurigen Bild, das Rehfelden hinterlässt, werden wir in Berlitt mit einer wunderschönen, aber leider verschlossenen Kirche, und dem daneben liegenden Schloß  entschädigt. Der Wind rauscht, die Vögel zwitschtern. Man hört jemanden mit der Axt Holz spalten, ein paar Stimmen und nur selten ein Auto. Schließlich nehmen wir Abschied von der dörflichen Idylle und ziehen weiter nach Barenthin.
Barenthins Dorfstraße ist durchweg von einer Allee geziert. Ein schönes Dorf mit einer beeindruckenden Kirche, deren Turm wohl dereinst als Wehrturm diente. Leider haben wir auch hier versäumt anzurufen, um uns aufschließen zu lassen. Dass das Dörfchen ein schöner Fleck zum Leben ist, merkt auch Max an. Ein Zeichen hierfür sind die Katzen, die uns begegnen und die laut ihm doch einen recht zufriedenen Eindruck machen. Mit Blick auf den Kirchturm,  den alten Wehrturm, stellen wir fest, dass wir am Ende dieses Tages auch nicht mehr besonders wehrhaft sind. Aber wir sind unserm Ziel ein großes Stückchen näher.

Pilgerreise Tag 2: von Linum nach Wusterhausen

Am zweiten Tag wollen wir bis Wusterhausen laufen. Zunächst wird aber gefrühstückt, danach wollen wir uns die wunderschöne Kirche von Linum näher ansehen. Die großen Storchennester entlang der Hauptstraße des Dorfes sind beeindruckend. Nicht in jedem Nest sitzt ein Storchenpaar, aber die, die da sind, machen ihrem Namen als Klapperstorch alle Ehre. Ich habe noch keine Beschwerden beim Laufen, aber um Max mache ich mir ein paar Sorgen. Er hat schon fast alle Blasenpflaster verbraucht. Nun frühstücken wir aber erstmal.
Etwas Wegzehrung haben wir beim Dorfbäcker erworben, und Schwester Anneliese, die im alten Pfarrhaus neben der Kirche wohnt, war so freundlich, uns die alte gotische Kirche aufzuschließen. Die Schwester, deren offensichtlich biblisches Alter wir nicht zu schätzen vermochten, erzählte uns allerhand über die Geschichte der Kirche und des Dorfes, das früher weit über 2.000 Einwohner zählte und vom Torfabbau lebte. In dieser Zeit bat man den preußischen König Wilhelm I. um einen Neubau der zu klein gewordenen Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Die Krone Wilhelms ziert bis heute die Kirchtumsspitze. Schwester Anneliese, die sicher auch nach uns noch vielen Pilgern, die an ihr Fenster klopfen, die schöne alte Kirche zeigen wird, schlossen wir in unser Gebet mit ein und zogen weiter.
Unser Weg führte uns an den Dörfern Hakenberg und Tarnow vorbei. Die im preußischen Klassizismus erbaute Kirche von Tarnow prägt das Bild des verschlafenen aber zugleich idyllischen Dorfes. Uns zog es aber schnell weiter nach Fehrbellin, den Ort, in dem 1675 der große Kurfürst die Schweden schlug und damit Preußens Machstellung begründete. Ein Denkmal erinnert daran. Aufgrund des noch langen Weges wagten wir hier keinen historischen Exkurs und müssen wohl noch einmal wieder kommen.
An einer kleinen Brücke über den Rhin machen wir Halt. Max hat in Fehrbellin sämtliche Pflastervorräte der Kurfürsten-Apotheke leer gekauft und die kommen jetzt zum Einsatz. Mir tut bis jetzt nur die rechte Ferse weh.
Inzwischen begann es zu regnen. Aber dank unserer guten Ausrüstung und einer Tüte Gummibärchen kann uns das nicht schrecken. Die einsame Landschaft ist herrlich ruhig. Keine Autobahn, kein Fluglärm ist zu hören. Wir erleben Wildwechsel, begegnen einer Schafherde und nur die Traktoren der Bauen erinnern uns daran, dass wir im 21. Jahrhundert leben. Alle Menschen, denen wir begegnen, grüßen freundlich. Manche halten an und fragen nach unserem Ziel. Wenn wir sagen, dass wir noch bis Wusterhausen wollen, staunt der ein oder andere ungläubig.
Das Dörfchen Protzen liegt leicht ab des Weges. Einfach vorbeilaufen sollte man aber auf keinen Fall. Auch Theodor Fontane erwähnt den Ort, der Stammsitz der Familie von Kleist war. Solche berühmten preußischen Namen begegnen uns fast überall.
Einen Besuch wert ist die schöne alte aus dem 13. Jahrhundert stammende Feldsteinkirche in Manker. Das daneben stehende Pfarrhaus ähnelt dem Haus, in dem Schwester Anneliese wohnt. Wir fragen uns, ob noch mehr Pfarrhäuser in diesem fast italienlisch wirkenden Stil erbaut wurden.
Der Regen und die Kilometer fordern ihren Tribut. Wir schleppen uns mehr recht als schlecht vorwärts. Leider trifft man aufgrund des Regens auch keine Menschen mehr, obwohl jetzt am späten Nachmittag offensichtlich viele auf dem Weg nach Hause sind.
Unser Mobiltelefon ist zum Gesangbuch mutiert. Wenigstens klingt unser „Großer Gott wir loben Dich“ noch recht kraftvoll. Bei „Nun danket Alle Gott“ sind wir noch nicht so textsicher. Das singen wir nicht in geschlossenen Ortschaften, damit man uns keine Steine nachwirft.
Angekommen in Wusterhausen sind wir heute sehr müde und erschöpft, aber auch ein bißchen euphorisch. Nun liegen insgesamt 74 Kilometer hinter uns. In Linum, von wo aus wir heute früh aufbrachen, lebte einst Luise Hensel. Von der Pastorentochter und Nichte von Felix Mendelsohn-Batholdys stammt das bekannte Gebet „Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe beide Äuglein zu…“ das passt heute richtig gut.

Am zweiten Tag wollen wir bis Wusterhausen laufen. Zunächst wird aber gefrühstückt, danach wollen wir uns die wunderschöne Kirche von Linum näher ansehen. Die großen Storchennester entlang der Hauptstraße des Dorfes sind beeindruckend. Nicht in jedem Nest sitzt ein Storchenpaar, aber die, die da sind, machen ihrem Namen als Klapperstorch alle Ehre. Ich habe noch keine Beschwerden beim Laufen, aber um Max mache ich mir ein paar Sorgen. Er hat schon fast alle Blasenpflaster verbraucht. Nun frühstücken wir aber erstmal.
Etwas Wegzehrung haben wir beim Dorfbäcker erworben, und Schwester Anneliese, die im alten Pfarrhaus neben der Kirche wohnt, war so freundlich, uns die alte gotische Kirche aufzuschließen. Die Schwester, deren offensichtlich biblisches Alter wir nicht zu schätzen vermochten, erzählte uns allerhand über die Geschichte der Kirche und des Dorfes, das früher weit über 2.000 Einwohner zählte und vom Torfabbau lebte. In dieser Zeit bat man den preußischen König Wilhelm I. um einen Neubau der zu klein gewordenen Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Die Krone Wilhelms ziert bis heute die Kirchtumsspitze. Schwester Anneliese, die sicher auch nach uns noch vielen Pilgern, die an ihr Fenster klopfen, die schöne alte Kirche zeigen wird, schlossen wir in unser Gebet mit ein und zogen weiter.
Unser Weg führte uns an den Dörfern Hakenberg und Tarnow vorbei. Die im preußischen Klassizismus erbaute Kirche von Tarnow prägt das Bild des verschlafenen aber zugleich idyllischen Dorfes. Uns zog es aber schnell weiter nach Fehrbellin, den Ort, in dem 1675 der große Kurfürst die Schweden schlug und damit Preußens Machstellung begründete. Ein Denkmal erinnert daran. Aufgrund des noch langen Weges wagten wir hier keinen historischen Exkurs und müssen wohl noch einmal wieder kommen.
An einer kleinen Brücke über den Rhin machen wir Halt. Max hat in Fehrbellin sämtliche Pflastervorräte der Kurfürsten-Apotheke leer gekauft und die kommen jetzt zum Einsatz. Mir tut bis jetzt nur die rechte Ferse weh.
Inzwischen begann es zu regnen. Aber dank unserer guten Ausrüstung und einer Tüte Gummibärchen kann uns das nicht schrecken. Die einsame Landschaft ist herrlich ruhig. Keine Autobahn, kein Fluglärm ist zu hören. Wir erleben Wildwechsel, begegnen einer Schafherde und nur die Traktoren der Bauen erinnern uns daran, dass wir im 21. Jahrhundert leben. Alle Menschen, denen wir begegnen, grüßen freundlich. Manche halten an und fragen nach unserem Ziel. Wenn wir sagen, dass wir noch bis Wusterhausen wollen, staunt der ein oder andere ungläubig.
Das Dörfchen Protzen liegt leicht ab des Weges. Einfach vorbeilaufen sollte man aber auf keinen Fall. Auch Theodor Fontane erwähnt den Ort, der Stammsitz der Familie von Kleist war. Solche berühmten preußischen Namen begegnen uns fast überall.
Einen Besuch wert ist die schöne alte aus dem 13. Jahrhundert stammende Feldsteinkirche in Manker. Das daneben stehende Pfarrhaus ähnelt dem Haus, in dem Schwester Anneliese wohnt. Wir fragen uns, ob noch mehr Pfarrhäuser in diesem fast italienlisch wirkenden Stil erbaut wurden.
Der Regen und die Kilometer fordern ihren Tribut. Wir schleppen uns mehr recht als schlecht vorwärts. Leider trifft man aufgrund des Regens auch keine Menschen mehr, obwohl jetzt am späten Nachmittag offensichtlich viele auf dem Weg nach Hause sind.
Unser Mobiltelefon ist zum Gesangbuch mutiert. Wenigstens klingt unser „Großer Gott wir loben Dich“ noch recht kraftvoll. Bei „Nun danket Alle Gott“ sind wir noch nicht so textsicher. Das singen wir nicht in geschlossenen Ortschaften, damit man uns keine Steine nachwirft.
Angekommen in Wusterhausen sind wir heute sehr müde und erschöpft, aber auch ein bißchen euphorisch. Nun liegen insgesamt 74 Kilometer hinter uns. In Linum, von wo aus wir heute früh aufbrachen, lebte einst Luise Hensel. Von der Pastorentochter und Nichte von Felix Mendelsohn-Batholdys stammt das bekannte Gebet „Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe beide Äuglein zu…“ das passt heute richtig gut.

Pilgerreise Tag 1: von Berlin in das Storchendorf Linum

Die Sonne scheint herrlich. Max Schad und ich sind bereit für unsere erste Pilgerfahrt nach Wilsnack in der Mark Brandenburg. Die Stadt war im Mittelalter der wohl bedeutendste Pilgerort Nordeuropas und wurde in einem Atemzug mit Santiago, Rom und Aachen genannt. Aus ganz Europa kamen die Menschen in die Wunderblutkirche, um drei Hostien zu verehren, die 1383 den Brand der Kirche unbeschadet überstanden hatten. In den Trümmern der Kirche blieben nur die Hostien, auf denen nun Blutstropfen zu sehen waren, unversehrt. Damals wie heute pilgern Menschen, um Buße zu tun, um Fürbitte zu halten, Dank zu sagen oder auch aufgrund eines Gelübdes.
Ich hatte mir im Falle meiner Wahl drei Dinge vorgenommen. Eine davon war die Pilgerreise nach Wilsnack, die ich nun einlöse. Der Dank steht für mich im Vordergrund für die Dinge, die Gott an mich gewandt hat. Aber auch die Sorge, vielleicht vor der Größe der Aufgabe nicht zu bestehen. Auch hier bitte ich Jesus Christus, meinen Herrn, um Hilfe. Und schön, das mein Freund und Bruder im Glauben Max mich auf diesem Weg begleitet. Für ihn ist es die Suche oder der Weg zu seinem Glauben.
Am Sonntag Jubilate war der Gottesdienst im Berliner Dom ein guter Anfang für unseren Weg.  „Nun danket Alle Gott“ – den Choral von Leuthen – haben wir noch gesungen und uns dann auf den Weg gemacht.
Nach einem strammen Marsch durch Berlin erreichten wir in Henningsdorf   die Stadtgrenze. Über den märkischen Sand geht es bei blauem Himmel weiter Richtung Bützow, ein Dorf mit einer schönen alten Kirche aus   Feldsteinen und mittelalterlichem Geläut. Alle Menschen, denen wir
begegnen, sind freundlich und herzlich. Ein Sonntag wie gemalt.
Der weitere Weg führte und durch die unverwechselbare Landschaft, die  auch Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ so trefflich beschreibt. Ob schweigend, singend oder im  Gespräch: ohne die Zwänge des Alltags fühlt man sich herrlich frei.
Der Höhepunkt des Tages war sicherlich der Besuch der alten Kirche in  Flatow. Am Ortseingang hielt auf einmal ein Auto neben uns: „Seid ihr  Pilger? Wollt ihr in die Kirche?“ Wir nickten. „Klar!“ „Gut. Ich hab den Schlüssel. Ich fahr vor und schließ euch auf.“ Sprach’s und fuhr davon. Wir schleppten unsere schon recht müden Beine die gut 1,5 Kilometer bis zur Kirche hinterher. Auch oder gerade ein Mann Gottes hat offensichtlich kein Einsehen mit uns oder er wollte uns schlicht und einfach nicht in Versuchung führen.
Das alte Gotteshaus war eine Offenbarung. Die kleine Kirche aus dem 15. Jahrhundert hatte nicht zuletzt dank des Einsatzes von Herrn Sandow, so hieß unser Mann Gottes, die DDR mit nur wenigen Blessuren überstanden. Mit wieviel Begeisterung und Herzblut der gute Mann von „seiner“ Kirche und ihrer Geschichte sprach, faszinierte uns.  Nach einem halbstündigen Vortrag und einem Stempel in unserem Buch ließ er uns dann kurz zum Gebet am Altar, den er selbst renoviert hat, allein. Inzwischen war nämlich ein weiterer Pilger eingetroffen und der solte schließlich auch alles über das Kirchlein erfahren. Wir dankten unserm guten Hirten, beteten und zogen weiter.
Nach weiteren 8 Kilometern kamen wir im Storchendorf Linum an. Nach 32 Kilometern endete hier unsere erste Etappe. Im Landgasthof Storchenklause wurden wir begeistert begrüßt. Die Gäste quittierten  unseren Bericht und den Grund unserer Wanderung mit liebevollen  Scherzen, durchsetzt mit Respekt für die zurückgelegte Wegstrecke und  belustigt, ob der Freiwilligkeit unseres Tuns. Und als wir von Herrn Sandow in Flatow berichteten war die Freude doppelt groß. Den kannten nämlich alle.
Unser erster Tag klang auf der Terrasse der Storchenklause bei gutem Essen in einer lauen Frühlingsnacht aus.

Die Sonne scheint herrlich. Max Schad und ich sind bereit für unsere erste Pilgerfahrt nach Wilsnack in der Mark Brandenburg. Die Stadt war im Mittelalter der wohl bedeutendste Pilgerort Nordeuropas und wurde in einem Atemzug mit Santiago, Rom und Aachen genannt. Aus ganz Europa kamen die Menschen in die Wunderblutkirche, um drei Hostien zu verehren, die 1383 den Brand der Kirche unbeschadet überstanden hatten. In den Trümmern der Kirche blieben nur die Hostien, auf denen nun Blutstropfen zu sehen waren, unversehrt. Damals wie heute pilgern Menschen, um Buße zu tun, um Fürbitte zu halten, Dank zu sagen oder auch aufgrund eines Gelübdes.
Ich hatte mir im Falle meiner Wahl drei Dinge vorgenommen. Eine davon war die Pilgerreise nach Wilsnack, die ich nun einlöse. Der Dank steht für mich im Vordergrund für die Dinge, die Gott an mich gewandt hat. Aber auch die Sorge, vielleicht vor der Größe der Aufgabe nicht zu bestehen. Auch hier bitte ich Jesus Christus, meinen Herrn, um Hilfe. Und schön, das mein Freund und Bruder im Glauben Max mich auf diesem Weg begleitet. Für ihn ist es die Suche oder der Weg zu seinem Glauben.
Am Sonntag Jubilate war der Gottesdienst im Berliner Dom ein guter Anfang für unseren Weg.  „Nun danket Alle Gott“ – den Choral von Leuthen – haben wir noch gesungen und uns dann auf den Weg gemacht.
Nach einem strammen Marsch durch Berlin erreichten wir in Henningsdorf   die Stadtgrenze. Über den märkischen Sand geht es bei blauem Himmel weiter Richtung Bützow, ein Dorf mit einer schönen alten Kirche aus   Feldsteinen und mittelalterlichem Geläut. Alle Menschen, denen wir  begegnen, sind freundlich und herzlich. Ein Sonntag wie gemalt.
Der weitere Weg führte und durch die unverwechselbare Landschaft, die  auch Theodor Fontane in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ so trefflich beschreibt. Ob schweigend, singend oder im  Gespräch: ohne die Zwänge des Alltags fühlt man sich herrlich frei.
Der Höhepunkt des Tages war sicherlich der Besuch der alten Kirche in  Flatow. Am Ortseingang hielt auf einmal ein Auto neben uns: „Seid ihr  Pilger? Wollt ihr in die Kirche?“ Wir nickten. „Klar!“ „Gut. Ich hab den Schlüssel. Ich fahr vor und schließ euch auf.“ Sprach’s und fuhr davon. Wir schleppten unsere schon recht müden Beine die gut 1,5 Kilometer bis zur Kirche hinterher. Auch oder gerade ein Mann Gottes hat offensichtlich kein Einsehen mit uns oder er wollte uns schlicht und einfach nicht in Versuchung führen.
Das alte Gotteshaus war eine Offenbarung. Die kleine Kirche aus dem 15. Jahrhundert hatte nicht zuletzt dank des Einsatzes von Herrn Sandow, so hieß unser Mann Gottes, die DDR mit nur wenigen Blessuren überstanden. Mit wieviel Begeisterung und Herzblut der gute Mann von „seiner“ Kirche und ihrer Geschichte sprach, faszinierte uns.  Nach einem halbstündigen Vortrag und einem Stempel in unserem Buch ließ er uns dann kurz zum Gebet am Altar, den er selbst renoviert hat, allein. Inzwischen war nämlich ein weiterer Pilger eingetroffen und der solte schließlich auch alles über das Kirchlein erfahren. Wir dankten unserm guten Hirten, beteten und zogen weiter.
Nach weiteren 8 Kilometern kamen wir im Storchendorf Linum an. Nach 32 Kilometern endete hier unsere erste Etappe. Im Landgasthof Storchenklause wurden wir begeistert begrüßt. Die Gäste quittierten  unseren Bericht und den Grund unserer Wanderung mit liebevollen  Scherzen, durchsetzt mit Respekt für die zurückgelegte Wegstrecke und  belustigt, ob der Freiwilligkeit unseres Tuns. Und als wir von Herrn Sandow in Flatow berichteten war die Freude doppelt groß. Den kannten nämlich alle.
Unser erster Tag klang auf der Terrasse der Storchenklause bei gutem Essen in einer lauen Frühlingsnacht aus.

Mit Eintritt drohen, nicht mit Austritt

Nun hat er seine Arbeit aufgenommen, der Runde Tisch gegen Kindesmissbrauch, an dem Experten aller relevanten gesellschaftlichen Organisationen zusammenkommen. Ein Thema, dass in der Öffentlichkeit bisher nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat, soll dort auch auf die Tagesordnung. Der Kindesmissbrauch in der DDR. In den 474 staatlichen Kinderheimen herrschte ein staatlich legitimiertes Regime der Willkür. Grund für Einlieferung waren beispielsweise die Republikflucht der Eltern oder Schulschwänzen. Es gab Dunkelzellen, als Strafe mussten Kinder Putzen bis zur Erschöpfung. Es gab Arrest und Demütigungen – staatlich angeordnet, um die Individualität der Jugendlichen zu brechen. Diese Opfer hatten nicht einmal theoretisch die Chance, zur Polizei zu gehen, auf ein rechtsstaatliches Gerichtsfahren gegen die Peiniger zu hoffen, einen Journalisten zu finden, der den Fall aufdeckt und bekannt macht. Umso wichtiger ist es, auch ihnen die Chance zu geben, über ihr Leiden zu sprechen.
Der Präsident Boliviens Evo Morales hat die Bürger seines Landes vor dem Verzehr von Hühnerfleisch gewarnt, da dies zu „sexuellen Abweichungen“ bei Männern führe. Junge Mädchen würden vorzeitig Brüste wachsen und in Europa sei der Verzehr von Huhn verantwortlich für die „verbreitete Kahlköpfigkeit“. Nun gibt es Streit in Südamerika. Die argentinische Präsidentin wird nämlich mit der Aussage zitiert, dass sie den Genuss von Hühnchenfleisch unbedingt empfehle: „Vielleicht läßt uns Hühnerfleisch sogar fliegen“, sagte sie. Vor dem Hintergrund solcher Sätze lernt man doch die Aussagen zahlreicher deutscher Politiker ganz anders zu schätzen oder? Und ich weiß, was sie jetzt denken: Nein. Ich habe mit Blick auf die „verbreitete Kahlköpfigkeit“ nicht nur Brathähnchen in meiner Kindheit und Jugend gegessen. Ich war mehr für Fischstäbchen zu haben. Ein besonders guter Schwimmer bin ich trotzdem nicht geworden. Schade.
Angeblich denken 25 Prozent aller Katholiken aufgrund der aktuellen Skandale bzw. der Verfehlungen des Augsburger Bischofs Mixa über einen Kirchenaustritt nach. Christ ist man nicht für sich alleine. Die Gemeinde ist wesentlicher Bestandteil des christlichen Glaubens. Wer aus der Kirche austritt, der verlässt eben diese Gemeinde. Darf das Fehlverhalten von Repräsentanten und Institutionen dazu führen, dass man trotz gemeinsamer Überzeugungen eine Gemeinschaft verlässt? Wenn dem so wäre, dann hätte ich schon unzählige Male aus meiner Partei austreten müssen. Da ich aber nach wie vor glaube, dass meine politischen Ideale und Überzeugungen, nur in der CDU eine Heimat finden, ertrage ich manchen „Parteifreund“ auch auf den höheren Ebenen in Demut weiter. Bischof Dyba hat das mal in den schönen Satz gekleidet: „Mit Eintritt drohen, nicht mit Austritt!“ Das wünsche ich den beiden Kirchen – nämlich mehr aktive Christen. Und ehrlich gesagt wünsche ich das natürlich auch meiner Partei. Gerade dann, wenn Bürger unzufrieden sind, sollten sie sich einmischen.
Am Sonntag „Jubilate“ sind mein Freund Max und ich zu einer Pilgerfahrt gestartet. Gut 120 Kilometer von Berlin in die Wunderblutkirche nach Wilsnack, einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte Nordeuropas im Mittelalter, führte uns unser Weg. Nach einem Gottesdienst im Berliner Dom sind wir auch geistig gerüstet gestartet. Und unterwegs begleitet haben uns neben frohen Liedern auch die Texte von Theodor Fontane. Ich will das jetzt nicht mit Urlaub vergleichen, aber es hat mir wieder einmal gezeigt, wie viele wunderschöne Flecken Erde es in Deutschland gibt. Wer unseren Weg nachvollziehen will, der kann das auf meiner Internetseite unter www.petertauber.de nachlesen.
Es geht aufwärts! Zumindest ist nach der Eröffnung der Toskana Therme in Bad Orb die positive Stimmung, die Hoffnung und Zuversicht auf eine gute Zukunft der Kurstadt im Spessart mit Händen zu greifen. Nachdem ich letztes Jahr schon bei Spatenstich und Richtfest dabei war, bin ich natürlich neugierig zur Eröffnung gefahren und wurde nicht enttäuscht. Und ehrlich gesagt: Nach den schwierigen und teilweise auch unbefriedigenden Entscheidungen und Diskussionen zum Thema Griechenland werde ich mir wohl ausgiebig Zeit für einen Besuch (dann in Badehose) nehmen. Ein bisschen Entspannung tut Not. Ich habe mich nämlich trotz der nun aus meiner Sicht alternativlosen getroffenen Entscheidungen sehr geärgert. Schließlich ist diese Krise durchaus in Teilen selbstverschuldet. Man hätte schließlich auch schon in den letzten Jahren genauer hinschauen können. Allerdings sagt sich das so leicht. Da stellt sich wieder mal die Frage: Machen wir das in den Bereichen, wo wir es selbst beeinflussen können immer besser? Und an dieser Stelle darf man Politiker auch mal loben. Bei der Eröffnung ist deutlich geworden: Ohne die sachliche Zusammenarbeit und des trotz inhaltlicher Auseinandersetzungen guten Einvernehmens aller Bad Orber Parteien wäre die Therme nie Wirklichkeit geworden. Und diese Leistung der ehrenamtlichen Politiker verdient Lob und Anerkennung!