Angela Merkel in Gelnhausen: Ein Blick hinter die Kulissen

Es ist fast Mitternacht, als der letzte Transporter der CDU Deutschlands vom Gelnhäuser Obermarkt rollt. Wenige Stunden zuvor haben sich hier knapp 3000 Besucher dicht an dicht gedrängt, um beim offiziellen Wahlkampfauftakt von Angela Merkel live dabei zu sein. Johannes Wiegelmann klappt die letzten Bierbänke zusammen und entfernt die Überreste der Kabelbinder, an denen am späten Nachmittag die Begrüßungsplakate für die Kanzlerin prangten. Bei ihm liefen in den vergangenen Wochen alle Fäden zusammen. Als Leiter des TeamTauber, dem ehrenamtlichen Unterstützerteam von CDU-Generalsekretär Dr. Peter Tauber, der hier seinen Wahlkreis hat, hat der 24-Jährige schon einige Veranstaltungen mit bekannten Bundespolitikern organisiert. Doch der Besuch der Kanzlerin stellt alles bisher Dagewesene  in den Schatten.

In enger Abstimmung mit den Verantwortlichen im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin sowie den Sicherheitsbehörden, der Polizei, der Stadt Gelnhausen und Rettungskräften wurde in wenigen Wochen die größte politische Kundgebung in der altehrwürdigen Barbarossastadt seit dem Besuch von Helmut Kohl in den 90er Jahren auf die Beine gestellt. Dass die Kanzlerin ausgerechnet Gelnhausen als Startpunkt für den Bundestagswahlkampf ausgewählt hat, ist eine große Ehre –  nicht zuletzt für Peter Tauber, der den Wahlkampf der Bundespartei als Generalsekretär maßgeblich organisiert. Gut 50 Termine dieser Art wird die CDU-Vorsitzende bis zum Wahltag absolvieren, da ist ein Höchstmaß an Professionalität von allen Beteiligten gefragt.

In Gelnhausen läuft alles wie am Schnürchen: Am Veranstaltungstag bahnen sich die Lastwagen mit der mobilen Bühne und riesigen Tonmasten an Bord schon früh morgens ihren Weg auf den Obermarkt, der eigens für die Kundgebung für den Verkehr gesperrt ist. In den folgenden  Stunden erfolgt der Aufbau, die Helfer – darunter rund 65 Mitglieder der CDU Main-Kinzig – werden en Detail auf ihren Einsatz vorbereitet. Die Sicherheitszone rund um die Bühne ist zu diesem Zeitpunkt längst nur noch für geladene Gäste zugänglich, die eine Einladung für die Großveranstaltung ergattert haben. Nach zwei Tagen waren alle Sitzplätze im Innenbereich vergeben.


Doch auch die Plätze im Außenbereich füllen sich rasch, ganz wagemutige Anwohner klettern sogar aufs Dach, um einen freien Blick auf die Kanzlerin, die an diesem Tag neben Peter Tauber auch vom hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier und dem heimischen Bürgermeisterkandidaten Christian Litzinger begleitet wird, zu erhaschen.


Noch ist es aber nicht soweit, denn der Weg der Kanzlerin führt zunächst durch die Altstadt in die historische Marienkirche. Dort wird die evangelische Pfarrerstochter bereits von Dekan Klaus-Peter Brill, Pfarrer Uwe Steuber und seinem Kollegen Rainer Schomburg erwartet. Die persönliche Begegnung mit Angela Merkel wird wohl nicht nur Uwe Steuber nicht so schnell vergessen: „Es war schon etwas Besonderes, als der Anruf von Peter Tauber kam: Hätten Sie Zeit, Frau Merkel am Montag durch die Marienkirche zu führen?“, erinnert er sich. Lange überlegen muss Steuber nicht: „Ein kurzer Moment der Besinnung und ruhige Orgelmusik – so hatte es sich die Kanzlerin gewünscht.

Beim Rundgang erlebte ich eine interessierte und konzentrierte Angela Merkel. Sie war sehr angetan von dem imposanten Gebäude, von den Steinmetzarbeiten und von der harmonischen Musik. Ich glaube, der Gang durch die Marienkirche hat ihr gefallen und gutgetan.“


Draußen auf dem Obermarkt läuft derweil ein kleines Rahmenprogramm. Das Jugendprojekt „Moving Artists“ der Stadt Gelnhausen unter der Leitung von Franz Grob begeistert ebenso wie Simone Grünewald, die im historischen Kostüm der Grimmelshausens-Figur „Courasche“ im Zwiegespräch mit der Moderatorin über die Stadtgeschichte plaudert.


„Hinter der Bühne hatte ich kurz Gelegenheit direkt neben Frau Merkel zu stehen und kurz mit ihr zu sprechen und war überrascht und beeindruckt. Überrascht, dass sie viel kleiner ist, als sie im Fernsehen wirkt. Und beeindruckt, wieviel Charisma, Ruhe und Freundlichkeit sie im echten Leben ausstrahlt. Wie leise, sympathisch und bescheiden sie wirkte und wieviel Augenmerk sie auf die anwendenden Kinder richtete“, erzählt Grünewald.


Der städtische Jugendarbeiter Franz Grob und seine Schützlinge können sich da nur anschließen: „Es war den Moving Artists  eine Freude und Ehre, beim Besuch von Angela Merkel auftreten zu dürfen.  Für die Kinder und Jugendlichen war es  ein unvergessliches Erlebnis die Bundeskanzlerin anschließend auch noch persönlich zu treffen.  Auch für mich, den Trainer der Moving Artists, war es etwas Besonderes, die Kanzlerin so hautnah  erleben zu dürfen.  Die Kinder und Jugendlichen fanden es auch toll, dass Frau Merkel ihnen zur Begrüßung die Hand gegeben hat und auch noch Zeit für ein Gruppenfoto war.“

Doch zurück zum Geschehen auf der Bühne: Nach der Begrüßung durch Ministerpräsident Volker Bouffier beginnt Angela Merkel mit ihrer Rede, in der sie insbesondere auf die Schwerpunkthemen des Wahlprogramms der Union – Familie, Sicherheit und eine starke Wirtschaft –  eingeht.

Aufmerksam verfolgt werden ihre Ausführungen auch von den Eltern von Peter Tauber, die in den Besucherreihen Platz genommen haben. Manfred Tauber, Vater des CDU-Generals, gefällt, dass Merkel den Abgas- und Dieselskandal thematisiert und insbesondere die Automobilunternehmen in die Pflicht nimmt. „In einer Stadt wie Gelnhausen, in der mit der Firma Veritas ein bedeutender Automobilzulieferer mit vielen Arbeitsplätzen ansässig ist, war das ein wichtiges Zeichen.“

Auch Hagen Mootz, Mitglied des Gelnhäuser Magistrats und örtlicher Unternehmer, ist angetan von Merkels Worten. „Aus Sicht der Bürger geht es darum, was wir als CDU in den kommenden vier Jahren anpacken wollen, um die Bundesrepublik weiter voranzubringen, nicht darum, was der politische Gegner gerade meint oder sagt. Das hat sie sehr glaubhaft und staatsmännisch rübergebracht.“

Nach einer Stunde beendet die Kanzlerin ihren verbalen Parforce-Ritt durch die Bundespolitik. Peter Tauber dankt der Kanzlerin, seiner Chefin, für ihren Besuch. Zum Ende erklingt die Nationalhymne. Leider sind selbst da einige Schreihälse vom rechten Rand nicht ruhig und pfeifen. Ziemlich erbärmlich für selbsternannte Patrioten. Dennoch ist das ein würdiger Abschluss einer gelungenen Veranstaltung.

Der CDU-Tross setzt sich indes noch in der gleichen Nacht in Richtung Bremen in Bewegung.  Am nächsten Tag geht der Wahlkampf dort weiter. Zurück bleiben erschöpfte, aber glückliche Helfer. Und die sind bereits wieder voll motiviert. „Natürlich war das unheimlich viel Arbeit, aber bei einer erneuten Auflage wären die Abläufe schon viel eingespielter und man selbst routinierter“, denkt Johannes Wiegelmann schon an den nächsten Bundestagswahlkampf im Jahr 2021.

Doch das ist noch Zukunftsmusik, denn erstmal heißt es bis zum 24. September 2017 alle Kräfte zu bündeln und für die CDU im direkten Gespräch auch an den Haustüren bei den Wählerinnen und Wählern zu werben. Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben.

1 Kommentar zu “Angela Merkel in Gelnhausen: Ein Blick hinter die KulissenEinen Kommentar schreiben →

  1. Ganz klasse Dokumentation. Nur eine Sache: ich möchte nicht gerne kollektiv in der zweiten Person angeredet werden.
    „Ihre E-Mail-Adresse“ wäre mir sympathischer.

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