Das C grenzt nicht aus – es ist eine Einladung!

Immer mal wieder taucht die Diskussion auf, welchen Wert das C noch im Namen der CDU hat. Im Interview mit der Beilage der ZEIT ‚Christ und Welt‘ hat nun der geschätzte Historiker Paul Nolte auch zu dieser Frage Stellung genommen. Mit Blick auf gesellschaftliche Veränderungen stehe die Frage im Raum, ob das C für die CDU in Zukunft noch entscheidendes Bindeglied sein kann. Ich meine entschieden: Ja!

Ein Blick in die Vergangenheit kann nie schaden: Nach den bitteren und vernichtenden Erfahrungen des menschenverachtenden Terrorregimes der Nationalsozialisten wuchs eine ökumenische Einsicht: Der gemeinsame Kampf für Freiheit, Frieden und Recht muss die Konfessionsgrenzen überwinden! Das war die Geburtsstunde der CDU. Von Beginn an war also das C in unserem Parteinamen ein Integrationsmerkmal – als Mittel der Ausgrenzung ist es gänzlich ungeeignet. Es war als Brücke gemeint. Auch das Union als Namenbestandteil der CDU verweist darauf, wie ernst es Christdemokraten mit dieser Offenheit meinten.

Das gilt auch heute noch. Das C ist kein dogmatisches Abgrenzungsinstrument. Es so zu verstehen, wäre eine Pervertierung der gesamten christlichen Lehre und des Leitbildes derjenigen, die die CDU 1945 nach den Schrecken des Krieges, gespeist durch die Erfahrungen der Gefängnisse und Konzentrationslager gegründet haben. Das C ist eine Einladung – eine Einladung an alle, die auf die Freiheit des Einzelnen bauen, aus der Verantwortung für den Nächsten wächst. Aus dem C kann man kein konkretes politisches Programm ableiten; es ist weniger Landkarte als Kompass. Ich meine, dass dieser Kompass vielen Menschen auch heute noch helfen kann und zwar unabhängig, ob sie selbst einer christlichen Konfession angehören. Gerade das macht die Stärke des C in der Union aus.

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist die einzige Fraktion im Deutschen Bundestag, bei der ein Kreuz im Fraktionssaal hängt. (Foto: CDU/CSU-Bundestagsfraktion)

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist die einzige Fraktion im Deutschen Bundestag, bei der ein Kreuz im Fraktionssaal hängt. (Foto: CDU/CSU-Bundestagsfraktion)

Dieser Kompass hilft in der Politik, auf unterschiedliche Herausforderungen zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Antworten zu geben. Wer den Einzelnen in den Mittelpunkt der Politik stellt, der fährt mit dem C als Kompass besser als mit den einfachen und immer gültigen Rezepten von einmal entworfenen Ideologien. Die CDU würde sich einen Bärendienst erweisen, wenn sie diesen Kompass über Bord werfen würde! Die aktuelle Erfahrung zeigt uns übrigens, dass es in unserem Land viele Menschen gibt, die einen solchen Kompass für sich im politischen Raum suchen und darum den Weg zur CDU finden – darunter sind auch viele deutsche Bürger muslimischen Glaubens.

Die CDU ist gerade deshalb in unserer multireligiösen Gesellschaft eine politische Heimat für viele – unabhängig von ihrer Religion, ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, ja auch unabhängig ihrer sexuellen Identität. Natürlich können wir als Partei besser werden, wenn es darum geht, willkommen zu sagen. Aber ich erlebe in vielen Gesprächen mit Angehörigen anderer Religionen, dass sie sich gerade durch die Wertebindung des C von der CDU als politischer Heimat angezogen fühlen. Für mich ist ganz klar: Wer im C eine Ausgrenzung sieht, hat die Botschaft des Tischlers aus Nazareth nicht verstanden!

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4 Kommentare.

  1. Danke für diesen wichtigen Beitrag. Ja, das „C“ ist nicht ein „gegen“, sondern ein „für“. Genau das ist aber das, was ich bei der CDU in den letzten Jahren oft vermisst habe. Der „Kompass“ ist doch etwas ganz Wunderbares und bietet den Menschen „Orientierung“. Die klare „Orientierung“ ist „Not-wendig“. Hier in Baden-Württemberg erleben wir das gerade sehr schmerzlich (z.B. beim sogenannten Bildungsplan). Gottes Segen – und es gilt: Ubi spiritus domini, ibi libertas (wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit)2. kor 3,17

  2. H-M Büxenstein

    Der letzte Satz irritiert mich. Mein Glaube ist nicht
    an den Tischler von Nazareth gebunden, sondern an den
    Sohn Gottes, der eine zeitlang als Tischler gearbeitet hat. Aber er war, ist und bleibt eine Person der göttlichen Drei-Einheit.
    Wer das unterschlägt kann auch für die Handwerker-Innung plädieren.

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