Gastbeitrag: Die Krimkrise in den Diskussionen der IPS-Praktikanten 2014

Über die Krimfrage wird nicht nur in den politischen Kreisen heftig diskutiert. Sie stellt ein wichtiges Thema, das auch von den Teilnehmern am Internationalen Parlamentsstipendium 2014 oft besprochen wird, dar. Am Programm nehmen unter anderem auch Personen russischer und ukrainischer Herkunft (8 Personen aus Russland und 6 Personen aus der Ukraine), die von dieser Problematik direkt betroffen sind, teil. Da aber die meisten Praktikanten politisch interessiert und aktiv sind, wird die Krimkrise nicht nur unter ihnen besprochen.

Ein Forum, im dessen Rahmen jede Woche unterschiedliche politisch aktuelle Themen besprochen werden, wurde bereits in der ersten Woche von den Stipendiaten selbst gegründet, um gemeinsam diskutieren zu können, um Wissen, Ideen und Gedanken auszutauschen. Bei einem der bevorstehenden Treffen (24.03-30.03) sollten auch die Ukraine-Russland-Beziehungen bzw. die Krimfrage besprochen werden. In kleineren Runden haben einige der Stipendiaten ihre Meinungen darüber schon ausgetauscht. Die Initiative geht sogar darüber hinaus: eine junge Dame aus Lettland hat sechs Personen befragt, um herauszufinden, wie die Geschehnisse aus den letzten Monaten in Russland, in der Ukraine aber auch in den Nachbarstaaten und in den USA wahrgenommen werden. Das Hauptziel der Untersuchung liegt darin, herauszufinden, wie die Praktikanten die Krim-Krise wahrnehmen, ob sie einen Krieg befürchten, wie sie sich darüber informieren und was für eine Position sie dabei vertreten.

Interessanterweise kommt die Jekaterina aus Lettland zum Ergebnis, dass die befragten Personen die Medien in ihren Heimatländern nicht vertrauen können. Deutsche Medien (z.B. die Deutsche Welle oder der Spiegel) werden bevorzugt. Die Praktikanten haben in diesem Kontext ein Privileg – sie beherrschen neben der Muttersprache auch andere Sprachen sehr gut.

IPS-Stipendiaten diskutieren auf einem selbstgegründeten Forum über politische Themen - so auch über die Krim-Krise. Foto: Bilal El Soussi

IPS-Stipendiaten diskutieren auf einem selbstgegründeten Forum über politische Themen – so auch über die Krimkrise. Foto: Bilal El Soussi

Die Stipendiaten äußern ihre Befürchtungen offen. Sie haben Angst vor einem Krieg, vor einer Blockade zwischen Russland und der Ukraine aber auch vor darauf folgenden regionalen Konflikten in Osteuropa und ihren möglichen Auswirkungen auf die internationalen Beziehungen (inkl. EU, USA) und auf die Weltwirtschaft insgesamt. Trotzdem bleibt die Hoffnung, dass es zu keinen großen Eskalationen kommen wird.

Die Darstellung der Krim-Geschehnisse ist in jedem Land unterschiedlich. Kritisiert werden dabei die Einseitigkeit und der Mangel an Objektivität der Darstellung (z.B. in Russland, wo die meisten Massenmedien dem Staat gehören). Die Medien werden auch als einen möglichen Weg, den bereits bestehenden Konflikt zu verschärfen, betrachtet. Eine Lösung des Problems findet man, indem man Informationen aus allen möglichen bzw. aus unterschiedlichen Quellen sammelt und vergleicht. Die sozialen Netzwerke und die unabhängigen Internetmedien werden bevorzugt, da sie unterschiedliche, zum Teil auch kontroverse Meinungen und politische Positionen anbieten sowie auch scharfe Kritik.

Die Teilnehmer am Programm äußern selten extreme Meinungen und Positionen. Sie glauben, dass die Krim die Möglichkeit bekommen soll, autonom zu handeln und zu entscheiden, wie ihre Zukunft aussehen wird. Die goldene Mitte wird bei den meisten Aussagen gesucht. Die aktuelle Krise in der Ukraine wird unter anderem auch als die Folge der unvernünftigen Politik der bisherigen ukrainischen Regierung sowie gleichzeitig auch als Resultat der politischen Fehler seitens der russischen Seite wahrgenommen. Die russische Position wird von einigen der an der Umfrage teilnehmenden Personen als aggressiv und illegitim bezeichnet. Der Angriff der russischen Armee wird als illegal definiert. Die amerikanische Position zeichnet sich natürlich durch die Miteinbeziehung der Bedeutung der USA und durch das Betonen der Rolle des UN-Sicherheitsrates für die Lösung des Konflikts aus. Der Einfluss der westlichen Mächte sowie auch die Möglichkeit, Sanktionen von außen einzusetzen, werden angesprochen. Insgesamt lässt sich sagen, dass die Positionen der Stipendiaten sich je nach Herkunftsland voneinander deutlich unterscheiden. 

Befragung: http://www.mitmischen.de/diskutieren/topthemen/politikfeld_auswaertiges/Krim-Krise/Umfrage_IPS/index.jsp

Die Autorin des Gastbeitrages, Tonya Georgieva, ist 24 Jahre alt und kommt aus Sofia (Bulgarien). Ihr Studium der Politikwissenschaften hat sie an der Universität Wien abgeschlossen. Bis Juli arbeitet Tonya im Rahmen des Internationalen Parlaments-Stipendiums (IPS) im Deutschen Bundestag. Mehr Informationen zum IPS hier.

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1 Kommentare.

  1. „..zuwanderer sein..“

    du traeumer musst weg.

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