Jahr für Jahr ist der Veröffentlichung der Geburtenrate eine Hiobsbotschaft für die Zukunft dieser Gesellschaft. Die Deutschen bekommen zu wenig Kinder und die Gründe dafür sind so vielschichtig, dass es mit der oft von linker Seite vorgetragenen Idee, man müsse nur ausreichend Betreuungsplätze schaffen, sicherlich nicht getan ist, wenn man die Rahmbedingungen für junge Familien entscheidend verbessern will. Viele Wissenschaftler untersuchen die Gründe, warum junge Paare oft zögern, sich den meist vorhandenen Kinderwunsch zu erfüllen. Ein maßgeblicher Grund, so die Forscher, sei, dass viele Paare den Eindruck hätten, dass Familien mit Kindern in unserer Gesellschaft allein gelassen werden.
Sicherlich ist es richtig, dass wir von anderen Nationen noch viel lernen können, wenn es darum geht, kinderfreundlicher zu sein. Eine Extrakasse im Supermarkt oder auch beim Einchecken am Flughafen – oft sind es durchaus „Kleinigkeiten“, die signalisieren, dass Kinder und Familien willkommen sind. Während wir uns also im Alltag durchaus selbstkritisch fragen sollten, wie rücksichtsvoll wir Familien begegnen, ist aber natürlich auch die Politik gefragt.
Oft ist es nach meiner Einschätzung so, dass viele familienpolitische Leistungen öffentlich kaum wahrgenommen werden. So verschärft sich u.U. noch der Eindruck, die Politik tue zu wenig für Familien. Im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend werden die bestehenden familienpolitischen Leistungen gerade auf ihre Wirksamkeit untersucht. Das scheint mir angesichts von insgesamt 152 (!) unterschiedlichen Angeboten mit einem Gesamtvolumen von 195 Milliarden Euro auch notwendig.
Was man aber nicht stehen lassen kann, ist die Aussage, die Politik sei untätig gewesen. Darum hier ein kurzer Überblick, was die christlich-liberale Koalition für Familien auf den Weg gebracht hat:
- Wir haben das Kindergeld bereits 2010 deutlich erhöht. Eltern erhalten für das erste und zweite Kind monatlich statt 164 nun 184 Euro, für das dritte Kind statt 170 nun 190 Euro für alle weiteren Kinder statt 195 Euro nun 215 Euro. Auch die steuerlichen Freibeträge für Kinder haben wir erhöht – von 6.024 Euro auf 7.008 Euro.
- Wir haben mit dem Bildungs- und Teilhabepaket über 2,5 Millionen Kindern mehr Teilhabe in der Gesellschaft ermöglicht, indem Kosten für Schulausflüge, Nachhilfe, Mittagsverpflegung und die Mitgliedschaft in Vereinen übernommen werden.
- Wir haben Kinderarmut wirksam bekämpft. Seit 2009 sind über 250.000 Kinder weniger auf Hartz IV angewiesen. Die Kinderarmutsquote liegt bei 8,3 Prozent, während sie im europäischen Durchschnitt bei über 12 Prozent liegt.
- Wir haben das Bundeskinderschutzgesetz beschlossen, um künftig dafür zu sorgen, dass Kindern in Not schneller und effektiver geholfen werden kann und Missbrauch von Kindern wirksam bekämpft wird.
- Mit den Familienhebammen, die der Bund seit 2012 insgesamt mit 177 Mio. Euro und ab 2016 jährlich mit 51 Mio. Euro finanziert, helfen wir Eltern und Kindern auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben.
- Das Elterngeld wird akzeptiert und hilft Eltern, gemeinsam Verantwortung für das geborene Kind zu übernehmen. Es hilft zudem den Müttern beim Wiedereinstieg in die Erwerbstätigkeit. Inzwischen nehmen fast 30 Prozent der Väter die so genannten Vätermonate in Anspruch.
- Der Bund finanziert den Ausbau der Krippenplätze in den Kommunen mit insgesamt 5,4 Milliarden Euro. Darüber hinaus beteiligt sich der Bund ab nächstem Jahr mit 845 Mio. Euro an den laufenden Betriebskosten der kommunalen Einrichtungen zur Kinderbetreuung.
- Das Betreuungsgeld kommt und unterstützt die jungen Eltern, die sich in der frühen Lebensphase ihres Kindes ohne Inanspruchnahme eines Krippenplatzes um den Nachwuchs kümmern wollen. Wir schaffen damit Wahlfreiheit für junge Familien. Pro Monat erhalten die Eltern für das zweite und dritte Lebensjahr 150 Euro. Das Geld kann auch für Bildungssparen oder eine zusätzliche private Altersvorsorge eingesetzt werden.
- Mit der Förderung von Betriebskindergärten und einem Aktionsprogramm zur Kindertagespflege fördern wir ergänzende Betreuungsangebote. Die Qualifizierung der Tagesmütter und -väter wird bundesweit flächendeckend umgesetzt auf der Basis von Kooperationsvereinbarungen zwischen Bund, den meisten Ländern und der Bundesagentur für Arbeit: Ein gemeinsames Gütesiegel für Bildungsträger eröffnet neu gewonnenen Tagespflegepersonen den Zugang zu einer 160-Stunden-Mindestqualifizierung. Seit 2012 fördert der Bund die Festanstellung von Tagesmüttern und -vätern mit Lohnkostenzuschüssen.
- Wir investieren 400 Mio. Euro mit der „Offensive Frühe Chancen“ in 4.000 Kitas, die sich der Sprach- und Integrationsförderung widmen. So verbessern wir die Startchancen von Kindern.
- Kinderlärm ist Zukunftsmusik. Wir haben dafür gesorgt, dass das Bundesimmissionsschutzgesetz geändert wird, damit Kinderlärm künftig kein Grund für Klagen sein kann.
- Die christlich-liberale Koalition stellt seit 2013 jährlich 10 Mio. Euro bereit, um ungewollt kinderlose Paare bei der Inanspruchnahme reproduktionsmedizinischer Leistungen zu unterstützen.
- Gemeinsam mit den Arbeitgeberverbänden haben wir die Charta „Familienbewusste Arbeitszeiten“ auf den Weg gebracht. Darin verpflichten sich die Arbeitgeber, Arbeitszeiten familiengerechter zu gestalten, z.B. mit mehr 30-Stunden-Stellen für Frauen und Männer.
- Die neue Familienpflegezeit erlaubt es, die Pflege eines älteren Familienmitglieds und den eigenen Beruf besser miteinander zu vereinbaren. Nun kann man ohne den Arbeitsplatz zu verlieren und ohne große Gehaltseinbußen mehr Zeit für die Pflege eines Angehörigen aufwenden.
- Mit dem Programm „Mehr Männer in Kitas“ wollen wir mehr Männer für den Beruf des Erziehers gewinnen, damit Kinder von weiblichen und männlichen Vorbildern lernen können. Dafür stellen wir 13 Mio. Euro bereit.
- Die Bundesstiftung Mutter und Kind für schwangere Frauen in besonderen finanziellen Notlagen fördern wir jährlich mit 92 Mio. Euro – unbürokratisch und zielgenau.
- „Viele Eltern, die im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft eine Fehlgeburt erlitten haben, leiden darunter, dass ihr Kind rechtlich nicht als Kind anerkannt wurde, wenn es weniger als 500 Gramm wog. Wir haben nun dafür gesorgt, dass auch diese Kinder, die man „Sternenkinder“ nennt, auf Wunsch der Eltern ins Personenstandsregister eingetragen werden und bestattet werden können.
- Wir machen uns stark für Kinderrechte! Deutschland hat als eines der ersten Staaten die UN-Kinderrechtskonvention ohne Vorbehalte ratifiziert, und wir setzen uns für ein Individualbeschwerdeverfahren für Kinder und Jugendliche ein.
Ich bin persönlich der Überzeugung, dass die Unterstützung junger Familien auch in der nächsten Legislaturperiode eine der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben sein wird. Und weil Menschen so unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie sie ihr Familienleben organisieren möchten, brauchen wir flexible und vielschichtige Angebote und Lösungen. Auch da unterscheidet sich die Union von SPD und Grünen, die mit Zwangsbeglückung entscheiden wollen, wie Familie am besten gelebt werden kann. Mein Familienbild ist das nicht. Natürlich brauchen wir intelligente Hilfesysteme für Kinder und Jugendliche, aber in der Regel hat der Staat in den Kinderzimmern nichts verloren, denn die meisten Eltern machen einen ziemlichen guten Job. Den will und kann der Staat ihnen nicht abnehmen, aber wir sollten darüber reden, wie wir es Eltern leichter machen können, sich für ein Kind oder gar mehrere Kinder zu entscheiden.


Letzte Kommentare