{"id":554,"date":"2011-09-26T17:49:56","date_gmt":"2011-09-26T16:49:56","guid":{"rendered":"http:\/\/petertauber.wordpress.com\/?p=554"},"modified":"2011-09-26T17:49:56","modified_gmt":"2011-09-26T16:49:56","slug":"der-papst-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=554","title":{"rendered":"Der Papst in Berlin"},"content":{"rendered":"<p>Nun hat Papst Benedikt XVI. Deutschland besucht, war in Berlin, Erfurt und Freiburg, hat vor dem Bundestag gesprochen und nach dem Ende der apostolischen Reise des Heiligen Vaters fragt man sich, was von diesem Besuch bleibt. Ich hatte bereits im April die Gelegenheit zu einer pers\u00f6nlichen Begegnung mit dem Papst und war damals sehr beeindruckt von diesem klugen Mann auf dem Stuhle Petris.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/tauber.he-webpack.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/audienz-051.jpg?w=300\" alt=\"\" title=\"Audienz-05\" width=\"300\" height=\"205\" class=\"alignleft size-medium wp-image-562\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/audienz-051.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/audienz-051-420x288.jpg 420w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/audienz-051-744x510.jpg 744w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Damit ich nicht falsch verstanden werde: als Protestant stehe ich nicht im Verdacht alle Lehrmeinungen der katholischen Kirche f\u00fcr richtig zu erachten. Als Christ sehe ich manche Dinge kritisch, darum bin ich eben evangelisch, aber die im Vorfeld des Papstbesuches ge\u00e4u\u00dferte Kritik kann ich gr\u00f6\u00dftenteils nicht nachvollziehen. Die Debatte zeugt teilweise von einer erschreckenden Unkenntnis der katholischen Kirche und auch des christlichen Glaubens. Dass der Papst sich als Oberhaupt von mehr als einer Milliarde katholischer Christen weltweit nicht zu jeder \u201eKleinigkeit\u201c in der \u00f6ffentlichen Debatte in Deutschland \u00e4u\u00dfert, ist das erste, was seine Kritiker verstehen sollten. Bei einem gewissen Teil vermutet man nicht nur eine Aversion gegen\u00fcber der Amtskirche als Motivation f\u00fcr den Protest, sondern zugleich scheint die Tatsache, dass der Papst Deutscher ist, ein weiterer Dorn im Auge der Kritiker zu sein. Dass dar\u00fcber hinaus die weit verbreiteten Klischees \u00fcber Benedikt XVI. recht schnell als solche offenkundig werden, entlarvt viele Kritiker zudem als \u201eSchreih\u00e4lse\u201c. Von der Toleranz, die Lessing in seiner Ringparabel Nathan den Weisen fordern l\u00e4sst, sind sie alle meilenweit entfernt und Christen, Juden und Muslime sind sich untereinander n\u00e4her, als die angeblich so aufgekl\u00e4rten Kirchen- und Papstkritiker. Sie verbindet der Glaube an die Existenz einer Wahrheit, die aber jeder Gl\u00e4ubige suchen muss und die ihm nicht aufgezwungen werden kann. <\/p>\n<p>Wer st\u00e4ndig rumschreit, dem fehlt die notwendige Aufmerksamkeit zum Hinschauen und Zuh\u00f6ren. Und genau das hat sich beim Besuch des Papstes aus meiner Sicht gelohnt. Ich habe sowohl seine Rede vor dem Deutschen Bundestag geh\u00f6rt als auch an dem gro\u00dfen Gottesdienst im Berliner Olympiastadion teilgenommen. Die Worte von Benedikt XVI. an die Adresse der Bundestagsabgeordneten waren durchaus anspruchsvoll. Ich empfand die Erinnerung an unsere eigentliche Aufgabe als Abgeordnete mit \u201eh\u00f6rendem Herz\u201c f\u00fcr die Menschen da zu sein, nicht als anma\u00dfende Ermahnung, sondern als richtigen Hinweis. Zu unterscheiden zwischen Gut und B\u00f6se ist zwar aufgrund von Political Correctness und eines Toleranzbegriffs, der allzu oft in Beliebigkeit m\u00fcndet, nicht mehr g\u00e4ngige Praxis im politischen Diskurs, aber das hei\u00dft ja nicht, dass es nicht trotzdem sinnvoll w\u00e4re, dies wieder st\u00e4rker und h\u00f6rbar zu tun. <\/p>\n<p>Die Wurzeln unseres Denkens sind laut Benedikt XVI. im r\u00f6mischen Rechtsverst\u00e4ndnis, der griechischen Philosophie und im christlichen Glauben zu suchen. Daraus abgeleitet erteilte der Papst auch einem Positivismus, der das Naturrecht verneint und damit auch einer \u201e\u00d6kologie des Menschen\u201c entgegensteht, eine klare Absage. Es war eben genau dieser Dreiklang und die Einbettung des christlichen Glaubens als Europa pr\u00e4gende Geisteskraft, die am Ende auch dazu f\u00fchrte, dass auch Abgeordnete, die sich vorher eher ablehnend bis negativ ge\u00e4u\u00dfert hatten, von der Rede angetan bis begeistert waren. Es war eine kluge Rede, die denen, die aufmerksam zugeh\u00f6rt haben, helfen kann, die richtigen Koordinaten f\u00fcr die politische Arbeit nicht aus dem Blick zu verlieren.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/tauber.he-webpack.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/audienz-07.jpg?w=300\" alt=\"\" title=\"Audienz-07\" width=\"300\" height=\"202\" class=\"alignright size-medium wp-image-564\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/audienz-07.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/audienz-07-420x283.jpg 420w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/audienz-07-744x502.jpg 744w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Nach der Rede von Professor Josef Ratzinger stand dann noch der Gottesdienst mit Papst Benedikt XVI. im Olympiastadion an. Es war wirklich etwas Besonderes, mit mehr als 60.000 Menschen gemeinsam \u201eGro\u00dfer Gott wir loben Dich\u201c zu singen. Dort war der Papst ganz Kirchenoberhaupt und predigte, f\u00fcr den Glauben einzustehen und die Botschaft in die Welt zu tragen. Am Ende des Gottesdienstes spielte die Musikgruppe das wundersch\u00f6ne Lied \u201eDamit ihr Hoffnung habt\u201c. Es war das Lied des 2. \u00d6kumenischen Kirchentags. Auch das ist ein sch\u00f6nes Zeichen und beschreibt am Ende, was Christen von diesem Besuch des Papstes mitnehmen k\u00f6nnen: die Hoffnung, dass das, wof\u00fcr Christen in dieser Gesellschaft stehen, auch die Menschen erreicht, die selbst nicht glauben.<\/p>\n<p>Wer sich mit der Person des Papstes auseinandersetzen will, dem empfehle ich als Einstieg einen kurzen und durchaus provokanten Text \u00fcber zehn angebliche Irrt\u00fcmer \u00fcber den Heiligen Vater zur Lekt\u00fcre: <a href=\"http:\/\/tinyurl.com\/65afsl6\">http:\/\/tinyurl.com\/65afsl6<\/a>. Um zu verstehen, was Benedikt XVI. umtreibt, kann man auch den Journalisten Paul Badde zitieren, der \u00fcber den Papst schreibt: \u201eEr ist doch kein Mann von vorgestern. Er ist von vorvorvorvorgestern. Er ist 2000 Jahre alt. Er ist Petrus. Er ist Galil\u00e4er und stammt aus Bethsaida am See. Darum m\u00fcht er sich so ab, die katholische Kirche als einer der letzten wahren Radikalen dieser Welt an ihre ureigene Wurzel zur\u00fcck zu binden \u2013 und mit ihrer authentischen, apostolischen, trotz aller Br\u00fcche letztlich ungebrochenen Tradition zu vers\u00f6hnen, zur\u00fcck zu ihrem Ursprung in Jesus von Nazareth, der von sich gesagt hat: \u201eIch bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.\u201c Wer das nicht versteht, hat von der katholischen Kirche nichts verstanden. Benedikt XVI. hat sich mit Haut und Haar der ewigen Wahrheit des barmherzigen Gottes verschreiben, f\u00fcr den er auch sterben wird wie sein Vorg\u00e4nger. Er ist ein Mann von vorvorgestern und von \u00fcber\u00fcbermorgen. Wie viele Imperien sind in den letzten 2000 Jahren zerbr\u00f6selt? Der Papst bleibt. Petrus ist der Fels in dieser Welt.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Nun hat Papst Benedikt XVI. 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