{"id":44,"date":"2010-05-29T14:18:57","date_gmt":"2010-05-29T13:18:57","guid":{"rendered":"http:\/\/petertauber.wordpress.com\/?p=44"},"modified":"2020-10-22T07:00:33","modified_gmt":"2020-10-22T06:00:33","slug":"pilgerreise-tag-2-von-linum-nach-wusterhausen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=44","title":{"rendered":"Pilgerreise Tag 2: von Linum nach Wusterhausen"},"content":{"rendered":"<div id=\"_mcePaste\">Am zweiten Tag wollen wir bis Wusterhausen laufen. Zun\u00e4chst wird aber gefr\u00fchst\u00fcckt, danach wollen wir uns die wundersch\u00f6ne Kirche von Linum n\u00e4her ansehen. Die gro\u00dfen Storchennester entlang der Hauptstra\u00dfe des Dorfes sind beeindruckend. Nicht in jedem Nest sitzt ein Storchenpaar, aber die, die da sind, machen ihrem Namen als Klapperstorch alle Ehre. Ich habe noch keine Beschwerden beim Laufen, aber um Max mache ich mir ein paar Sorgen. Er hat schon fast alle Blasenpflaster verbraucht. Nun fr\u00fchst\u00fccken wir aber erstmal.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Etwas Wegzehrung haben wir beim Dorfb\u00e4cker erworben, und Schwester Anneliese, die im alten Pfarrhaus neben der Kirche wohnt, war so freundlich, uns die alte gotische Kirche aufzuschlie\u00dfen. Die Schwester, deren offensichtlich biblisches Alter wir nicht zu sch\u00e4tzen vermochten, erz\u00e4hlte uns allerhand \u00fcber die Geschichte der Kirche und des Dorfes, das fr\u00fcher weit \u00fcber 2.000 Einwohner z\u00e4hlte und vom Torfabbau lebte. In dieser Zeit bat man den preu\u00dfischen K\u00f6nig Wilhelm I. um einen Neubau der zu klein gewordenen Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Die Krone Wilhelms ziert bis heute die Kirchtumsspitze. Schwester Anneliese, die sicher auch nach uns noch vielen Pilgern, die an ihr Fenster klopfen, die sch\u00f6ne alte Kirche zeigen wird, schlossen wir in unser Gebet mit ein und zogen weiter.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Unser Weg f\u00fchrte uns an den D\u00f6rfern Hakenberg und Tarnow vorbei. Die im preu\u00dfischen Klassizismus erbaute Kirche von Tarnow pr\u00e4gt das Bild des verschlafenen aber zugleich idyllischen Dorfes. Uns zog es aber schnell weiter nach Fehrbellin, den Ort, in dem 1675 der gro\u00dfe Kurf\u00fcrst die Schweden schlug und damit Preu\u00dfens Machstellung begr\u00fcndete. Ein Denkmal erinnert daran. Aufgrund des noch langen Weges wagten wir hier keinen historischen Exkurs und m\u00fcssen wohl noch einmal wieder kommen.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">An einer kleinen Br\u00fccke \u00fcber den Rhin machen wir Halt. Max hat in Fehrbellin s\u00e4mtliche Pflastervorr\u00e4te der Kurf\u00fcrsten-Apotheke leer gekauft und die kommen jetzt zum Einsatz. Mir tut bis jetzt nur die rechte Ferse weh.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Inzwischen begann es zu regnen. Aber dank unserer guten Ausr\u00fcstung und einer T\u00fcte Gummib\u00e4rchen kann uns das nicht schrecken. Die einsame Landschaft ist herrlich ruhig. Keine Autobahn, kein Flugl\u00e4rm ist zu h\u00f6ren. Wir erleben Wildwechsel, begegnen einer Schafherde und nur die Traktoren der Bauen erinnern uns daran, dass wir im 21. Jahrhundert leben. Alle Menschen, denen wir begegnen, gr\u00fc\u00dfen freundlich. Manche halten an und fragen nach unserem Ziel. Wenn wir sagen, dass wir noch bis Wusterhausen wollen, staunt der ein oder andere ungl\u00e4ubig.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Das D\u00f6rfchen Protzen liegt leicht ab des Weges. Einfach vorbeilaufen sollte man aber auf keinen Fall. Auch Theodor Fontane erw\u00e4hnt den Ort, der Stammsitz der Familie von Kleist war. Solche ber\u00fchmten preu\u00dfischen Namen begegnen uns fast \u00fcberall.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Einen Besuch wert ist die sch\u00f6ne alte aus dem 13. Jahrhundert stammende Feldsteinkirche in Manker. Das daneben stehende Pfarrhaus \u00e4hnelt dem Haus, in dem Schwester Anneliese wohnt. Wir fragen uns, ob noch mehr Pfarrh\u00e4user in diesem fast italienlisch wirkenden Stil erbaut wurden.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Der Regen und die Kilometer fordern ihren Tribut. Wir schleppen uns mehr recht als schlecht vorw\u00e4rts. Leider trifft man aufgrund des Regens auch keine Menschen mehr, obwohl jetzt am sp\u00e4ten Nachmittag offensichtlich viele auf dem Weg nach Hause sind.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Unser Mobiltelefon ist zum Gesangbuch mutiert. Wenigstens klingt unser &#8222;Gro\u00dfer Gott wir loben Dich&#8220; noch recht kraftvoll. Bei &#8222;Nun danket Alle Gott&#8220; sind wir noch nicht so textsicher. Das singen wir nicht in geschlossenen Ortschaften, damit man uns keine Steine nachwirft.<\/div>\n<div id=\"_mcePaste\">Angekommen in Wusterhausen sind wir heute sehr m\u00fcde und ersch\u00f6pft, aber auch ein bi\u00dfchen euphorisch. Nun liegen insgesamt 74 Kilometer hinter uns. In Linum, von wo aus wir heute fr\u00fch aufbrachen, lebte einst Luise Hensel. Von der Pastorentochter und Nichte von Felix Mendelsohn-Batholdys stammt das bekannte Gebet &#8222;M\u00fcde bin ich, geh zur Ruh, schlie\u00dfe beide \u00c4uglein zu&#8230;&#8220; das passt heute richtig gut.<\/div>\n<p><em>Fortsetzung folgt&#8230;<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Am zweiten Tag wollen wir bis Wusterhausen laufen. 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