{"id":427,"date":"2011-05-30T10:05:47","date_gmt":"2011-05-30T09:05:47","guid":{"rendered":"http:\/\/petertauber.wordpress.com\/?p=427"},"modified":"2011-05-30T10:05:47","modified_gmt":"2011-05-30T09:05:47","slug":"der-regulierer-im-eigenen-haus-erspart-das-gesetz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=427","title":{"rendered":"Der Regulierer im eigenen Haus erspart das Gesetz"},"content":{"rendered":"<p>Nach dem gescheiterten Jugendmedienschutzstaatsvertrag gibt es nun diverse Anl\u00e4ufe, dass Thema Jugendschutz im Internet neu auf die Tagesordnung zu setzen. Das Ansinnen ist l\u00f6blich, denn in der Tat gilt es Kinder und Heranwachsende davor zu bewahren, sich das eine oder andere \u201eUnsch\u00f6ne\u201c  im Netz anzusehen oder damit konfrontiert zu werden. Die Frage ist aber zun\u00e4chst einmal, mit welchem Ziel das geschieht. Wenn der Anspruch ist, Kinder und Jugendliche von allem fern zu halten, was einen schlechten Einfluss aus\u00fcben k\u00f6nnte, dann wird diese Form des Jugendschutzes kl\u00e4glich scheitern. Trotz aller Gewaltpr\u00e4vention l\u00e4sst sich schlie\u00dflich auch nicht jede Schulhofschl\u00e4gerei verhindern und ganz ehrlich \u2013 Kinder und Jugendliche darauf vorzubereiten, dass es im Leben nun mal oft nicht  gerecht zu geht, sondern dass es Unbill und \u00c4rgernisse gibt, denen man sich stellen muss \u2013 auch das ist etwas, dass Kinder lernen m\u00fcssen. Entscheidend ist also nicht, Kinder von der Lebenswirklichkeit abzuschotten (und das gilt auch f\u00fcr das Internet), sondern sie dabei zu begleiten, wenn sie das Internet f\u00fcr sich entdecken.<\/p>\n<p>Das hierzu notwendige Stichwort ist \u201eMedienkompetenz\u201c. Es ist daher wichtig, dass die Enquete-Kommission diesem Thema eine eigene Projektgruppe unter der Leitung von Thomas Jarzombek gewidmet hat. Deutlich ist bei den konstruktiven Diskussionen geworden, dass Medienkompetenz unter dem speziellen Gesichtspunkt des Internets eine Querschnittsaufgabe ist. Keineswegs geht es nur darum, Heranwachsende zu begleiten und ihnen das Handwerkszeug zu vermitteln, um sich im Netz sicher und selbstbestimmt bewegen zu k\u00f6nnen. Gleiches gilt n\u00e4mlich f\u00fcr P\u00e4dagogen aber vor allem auch f\u00fcr Eltern. (Nebenbei bemerkt: auch politische und gesellschaftliche Entscheidungstr\u00e4ger m\u00fcssen ein Mindestma\u00df an Medienkompetenz mitbringen, wenn sie sich mit netzpolitischen Fragen befassen.) Daraus folgt, dass Medienkompetenz auch eine permanente Aufgabe ist und man mit Blick auf den Jugendschutz nur schwerlich einen Zustand erreichen wird, bei dem Politiker ein Gesetz machen und man sich dann entspannt zur\u00fcck lehnen kann. So wird das nicht funktionieren. <\/p>\n<p>Unter dem Gesichtspunkt des Jugendschutzes springt daher aus meiner Sicht der Ruf nach gesetzli-chen Regelungen viel zu kurz. Auch die Selbstregulierung von Inhalteanbietern im Netz, die analog zur Filmindustrie diskutiert wird, kann nur ein weiterer Baustein sein. Das Internet f\u00fchrt uns hier deutlich die Begrenztheit staatlicher Eingriffsm\u00f6glichkeiten vor Augen, wenn wir in einem Abw\u00e4-gungsprozess von Jugendschutz und staatlicher Regulierungsm\u00f6glichkeiten nicht Freiheitsrechte im Internet beschneiden wollen. Meine Position ist klar: ich will das nicht und bin deswegen auch ein erkl\u00e4rter Gegner von Netzsperren (was nat\u00fcrlich nicht einem Freibrief zur Verbreitung illegaler Inhalte im Netz gleichkommt).<\/p>\n<p>Wenn man von der unzureichenden M\u00f6glichkeit staatlicher Regulierung im Jugendschutz mit Blick auf das Internet \u00fcberzeugt ist, dann muss der Blick zweifelsfrei auf die Eigenverantwortung des Einzelnen fallen. Es ist bezeichnend, dass viele Eltern nach der Politik rufen, um unliebsame Inhalte aus dem Internet zu verbannen, aber viel zu wenige Mamis und Papis sich einmal daheim hinsetzen, um die oft kostenlose Jugendschutzsoftware auf dem heimischen Rechner zu installieren. Und es w\u00e4re fahrl\u00e4ssig, wenn die Politik weiter den Eindruck vermittelt, sie k\u00f6nne dieses Problem den Eltern abnehmen. Das entledigt den Staat nicht einer gewissen F\u00fcrsorge, die aber nur darin bestehen kann, Eltern und P\u00e4dagogen das notwendige Werkzeug in die Hand zu geben, um den Jugendschutz zu gew\u00e4hrleisten. Darauf haben Eltern und P\u00e4dagogen durchaus einen Anspruch. Dann sind sie aber auch selbst gefragt! Neben der Frage guter Software im Bereich des Jugendschutzes sind Eltern n\u00e4mlich aufgefordert, mit den Spr\u00f6sslingen das Gespr\u00e4ch zu suchen und dar\u00fcber zu reden, was sie da im Internet gesehen haben. Machen wir uns nichts vor: es gibt sicherlich angenehmere Gespr\u00e4che als mit dem eigenen Nachwuchs \u00fcber Pornografie und Gewalt sowie politischen Extremismus im Netz zu sprechen. Auch hier kann der Staat ihnen die Erziehungskompetenz kaum abnehmen, sondern allenfalls durch geschultes Personal in Betreuungseinrichtungen und Schule Hilfestellungen geben. Ans\u00e4tze gibt es vielf\u00e4ltige \u2013 wie beispielsweise die Schulungsma\u00dfnahmen der Heraeus-Bildungsstiftung im Bereich social media f\u00fcr Lehrerinnen und Lehrer.<br \/>\nIch bleibe aber bei der \u00dcberzeugung: Der Medienkonsum von Kindern und Jugendlichen zu Hause geht den Staat aber nichts an. Hier sind die Eltern gefragt. Und wer wieder nach staatlicher Regulie-rung ruft: jedes Kind hat zwei Regulierer zu Hause. Ein so hohes Ma\u00df an staatlicher Aufsicht w\u00e4re gar nicht zu leisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Nach dem gescheiterten Jugendmedienschutzstaatsvertrag gibt es nun diverse Anl\u00e4ufe, dass Thema Jugendschutz im Internet neu auf die Tagesordnung zu setzen.&hellip;<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"link-more\">\n\t<a href=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=427\" class=\"more-link\">\n\t\tWeiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Der Regulierer im eigenen Haus erspart das Gesetz&rdquo;<\/span>&hellip;\t<\/a>\n<\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"footnotes":"","_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false},"version":2}},"categories":[6,8],"tags":[35,775,68,92,98,117],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p35WCI-6T","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/427"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=427"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/427\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=427"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=427"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=427"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}