{"id":402,"date":"2011-04-27T07:53:45","date_gmt":"2011-04-27T06:53:45","guid":{"rendered":"http:\/\/petertauber.wordpress.com\/?p=402"},"modified":"2020-10-22T07:20:16","modified_gmt":"2020-10-22T06:20:16","slug":"mein-besuch-in-der-ewigen-stadt-teil-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=402","title":{"rendered":"Mein Besuch in der ewigen Stadt Teil II"},"content":{"rendered":"<p>Der n\u00e4chste Morgen begann bereits um 8 Uhr mit dem ersten Programmpunkt. Das italienische Fr\u00fchst\u00fcck war nicht sonderlich erw\u00e4hnenswert, nicht nur aufgrund des opulenten Nachtmahls. In unserer Unterkunft hatte man sich aber auf die Fr\u00fchst\u00fccksbed\u00fcrfnisse der deutschen G\u00e4sten eingestellt und so gab es neben S\u00fc\u00dfigkeiten und ein wenig Wei\u00dfbrot auch die f\u00fcr den einen oder anderen gewohnte Kost inklusive Schwarzbrot. F\u00fcr mich fiel das Fr\u00fchst\u00fcck allerdings aus. Ich habe stattdessen auf der Dachterrasse den Blick sowohl auf die Engelsburg, die ehemalige Zufluchtsst\u00e4tte der P\u00e4pste, und den Petersdom genossen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_404\" aria-describedby=\"caption-attachment-404\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/tauber.he-webpack.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/foto-0511.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-404\" title=\"Foto 051\" src=\"http:\/\/tauber.he-webpack.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/foto-0511.jpg?w=300\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/foto-0511.jpg 600w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2011\/04\/foto-0511-420x314.jpg 420w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-404\" class=\"wp-caption-text\">Mosaik aus der Basilika Santa Prassede und dort die unter Papst Paschales I. erbaute Kapelle des hl. Zeno. Das Mosaik zeigt Christus gefolgt von einem Engel der in die H\u00f6lle hinabsteigt um Adam und Eva zu retten. Der Teufel in Ketten ist im Hintergrund zu sehen.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bis zur Heimreise am Gr\u00fcndonnerstag erwartete uns nun ein mehr als volles Programm. Daf\u00fcr galt es in jeder Hinsicht ger\u00fcstet zu sein, wobei die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer ja an dicht getaktete Termine gew\u00f6hnt sind. So begann dieser Tag mit einem Besuch auf dem Campo Santo Teutonico, dem deutschen Friedhof am Vatikan. Der Campo Santo befindet sich auf dem Gel\u00e4nde des ehemaligen Circus des Nero, in dem viele christliche M\u00e4rtyrer, darunter wohl auch Paulus, den Tod fanden. Umgeben vom Vatikanstaat gelangt man auf den zum Campo Santo geh\u00f6rigen Friedhof und in die Kirche, indem man bei der Schweizer Garde in deutscher Sprache um Einlass bittet. Auf dem Campo ist auch eines der beiden deutschsprachigen Priesterkollegien Roms untergebracht. Begr\u00fc\u00dft und gef\u00fchrt wurden wir dabei vom Rektor des Campo Santo Teutonico, Don Hans-Peter Fischer. Geleitet wird der Campo von deutsch- oder flamischsprachigen katholischen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern Roms.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich war die Reise f\u00fcr meine Kolleginnen und Kollegen und mich aber mehr als nur geistigee Erbauung. Zahlreiche politische Gespr\u00e4che standen auf dem Programm. Mit Kardinal Lajolo, der fr\u00fcher einmal Nuntius des Vatikans in Berlin gewesen war und nun als \u201eMinisterpr\u00e4sident des Vatikanstaates\u201c fungiert, sprachen wir \u00fcber die innere Organisation des Vatikanstaates und die bilateralen Beziehungen. Als Kenner Deutschlands war der Kardinal au\u00dferdem ein guter Gespr\u00e4chspartner um \u00fcber das Bild Deutschlands aus Sicht des Vatikans zu sprechen. Und nat\u00fcrlich war es f\u00fcr die Abgeordneten sch\u00f6n zu h\u00f6ren, dass man in Rom Deutschland als starke und verl\u00e4ssliche Kraft Europas sch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>Mit dem Pr\u00e4sidenten des P\u00e4pstlichen Rates f\u00fcr Gerechtigkeit und Frieden, dem aus Ghana stammenden Kardinal Turkson sprachen wir \u00fcber die Entwicklung Afrikas. Dort versucht die Kirche auf der Basis der Soziallehre f\u00fcr ein auf Nachhaltigkeit basierendes Denken und Wirtschaften zu werben. Es gibt eine enge Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung, in deren Mittelpunkt die Vermittlung ethischer wirtschaftspolitischer Konzepte steht, um so eine dauerhafte Stabilisierung der V\u00f6lker in Afrika zu f\u00f6rdern. Da in Afrika der Anteil der Christen prozentual zum Bev\u00f6lkerungswachstum besonders stark w\u00e4chst, kommt hier auch der Kirche eine besondere Rolle zu. In diesem Zusammenhang das Handeln der Kirche einmal nicht aus unserer nationalstaatlichen Perspektive zu beurteilen, sondern die Kirche als Weltorganisation zu begreifen, war lehrreich und informativ.<\/p>\n<p>Nicht minder spannend war das Gespr\u00e4ch mit dem Pr\u00e4sidenten des P\u00e4pstlichen Rates zur F\u00f6rderung der Einheit der Christen. Gerade f\u00fcr mich als Protestanten war es interessant zu h\u00f6ren, welchen Stellenwert die \u00d6kumene hat. Gerade die evangelischen Christen sind gespannt, was der Papst bei seinem Deutschlandbesuch im Herbst in Erfurt zur \u00d6kumene ausf\u00fchren wird. Dass er dies in der Stadt, in der Luther gewirkt hat, tun wird, erh\u00f6ht die Spannung. Neben theologischen Fragen wie der gemeinsamen Feier des Abendmahls stellte der Kardinal noch einmal das gro\u00dfe Interesse des Heiligen Vaters heraus, das Verbindende aller christlichen Kirchen zu betonen. Dabei sei es interessant zu beobachten, dass die theologische \u00dcbereinstimmung mit der Ostkirche gr\u00f6\u00dfer als mit den Protestanten sei. Hingegen gebe es eine deutlich gr\u00f6\u00dfere kulturelle \u00dcbereinstimmung zwischen Protestantismus und Katholizismus als mit der orthodoxen Kirche.<\/p>\n<p>Ich mache mir angesichts der Diskussion \u00fcber die \u00d6kumene meine eigenen Gedanken. Zwei Dinge kommen wir dabei immer wieder in den Sinn. W\u00e4re es nicht kl\u00fcger angesichts des zu-nehmenden Rechtfertigungsdrucks, den das Christentum in Deutschland ausgesetzt ist, auf das Verbindende zu achten, als st\u00e4ndig das Trennende herauszuarbeiten? Und: so sehr ich in lutherischer Sicht manche Kritik an der katholischen Kirche \u00fcben m\u00f6chte, so sehr bewundere ich die Eindeutigkeit der Positionen. Aus meiner Sicht leidet die Evangelische Kirche ja gerade darunter, dass man gef\u00fchlt alles glauben kann was man will. Es fehlt der evangelischen Kirche in Deutschland eben an Klarheit und vor allem an einer wirklichen und dann auch streitbaren Haltung. Die frohe Botschaft verschwindet zu oft hinter Projekten f\u00fcr die Dritte Welt und einer Art wellness-Kirche. Das war sicher nicht im Sinne Luthers. Darum gef\u00e4llt mir auch ein Zitat Peter Hahnes, einem der wenigen profilierten Protestanten in Deutschland, der gesagt hat: \u201eHeute fragt man sich, ob der Papst nicht der eigentliche Nachfolger Martin Luthers ist, denn der wei\u00df, f\u00fcr was er steht. Das wei\u00df ich bei meiner evangelischen Kirche oft nicht mehr.\u201c Das ist leider wahr.<\/p>\n<p>Der besondere H\u00f6hepunkt dieses Tages war aber wohl der Besuch der Sixtinischen Kapelle. Vorbei an der Schweizer Garde hatten wir die Gelegenheit mit unserer Gruppe eine wirklich ausf\u00fchrliche kunstgeschichtliche und theologische Einf\u00fchrung in dieses Wunderwerk Miche-langelos zu bekommen. Die Botschaften, die man heute ohne Erkl\u00e4rung wohl kaum verstehen kann, die Macht der Bildersprache zog wohl jeden in seinen Bann. Der Ort der Konklave war mehr als beeindruckend und hat mich tief ber\u00fchrt. So erfuhren wir beispielsweise, dass die Darstellung des Jesus im Zentrum des gro\u00dfen Gem\u00e4ldes an der R\u00fcckwand der Kapelle als Reaktion auf die Reformation gedeutet werden kann. Michelangelo griff damit die Forderung auf, sich wieder auf Christus zu besinnen.<\/p>\n<p>Den Abschluss des Tages brachte ein Empfang beim Deutschen Botschafter beim Heiligen Stuhl, Dr. Walter J\u00fcrgen Schmid.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Der n\u00e4chste Morgen begann bereits um 8 Uhr mit dem ersten Programmpunkt. 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