{"id":3870,"date":"2021-03-15T19:13:30","date_gmt":"2021-03-15T18:13:30","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3870"},"modified":"2021-03-25T09:25:46","modified_gmt":"2021-03-25T08:25:46","slug":"ein-zeichen-der-erinnerung-setzen-sollte-die-bundeswehr-sollte-eine-kaserne-nach-ihrem-bisher-wichtigsten-einsatz-benennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3870","title":{"rendered":"Ein Zeichen der Erinnerung setzen \u2013 Sollte die Bundeswehr eine Kaserne nach ihrem bisher wichtigsten Einsatz benennen?"},"content":{"rendered":"\n<p>Afghanistan und kein Ende? Seit 20 Jahren verteidigen jetzt deutsche Soldat:innen Deutschland am Hindukusch, wie es der zu fr\u00fch verstorbene Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) einmal formuliert hat. Diese Aussage l\u00f6st bis heute Kontroversen aus. Wir sind uns nicht einig, ob der Einsatz ein Erfolg ist oderschon war. Und manch einer kann nicht einmal richtig erkl\u00e4ren, warum wir in Afghanistan sind. \u00c4hnlich gro\u00df wie die Unsicherheit und Uneinigkeit bei diesem Einsatz war damals die Emp\u00f6rung, als endlich ein Minister, es war Karl Theodor zu Guttenberg, ausgesprochen hat, dass Krieg ist in Afghanistan. Ein Krieg, in dem deutsche Soldaten k\u00e4mpfen und sterben. Den Soldat:innen tat es gut, dass ein deutscher Politiker die Dinge endlich beim Namen nannte. Die bef\u00fcrchtete \u00f6ffentliche Aufregung unterblieb auch deshalb, weil die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger im Fernsehen die Bilder der K\u00e4mpfe sahen und l\u00e4ngst wussten, was die Politik nun endlich beim Namen nannte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht alle deutschen Soldaten:innen wurden nach der R\u00fcckkehr aus dem Einsatz freudestrahlend am Flughafen von ihren Liebsten in den Arm genommen. Bei manchen Familien klingelten ein Pfarrer und ein Vorgesetzter an der Haust\u00fcr, um die Nachricht vom Tod oder der Verwundung eines Angeh\u00f6rigen zu \u00fcberbringen, bevor die Gefallenen dann mit milit\u00e4rischen Ehren in die Heimat zur\u00fcckgebracht und die Verwundeten medizinisch evakuiert wurden. Nicht nur die Angeh\u00f6rigen und die Kamerad:innen in der betroffenen Einheit und im Einsatz: Die ganze Bundeswehr musste sich erstmals in einem gr\u00f6\u00dferen Ma\u00dfe dem Thema Tod und Verwendung im konkret stellen. Das hat die Streitkr\u00e4fte insgesamt ver\u00e4ndert. Der Aufbau einer m\u00f6glichst umfassenden F\u00fcrsorge hat gedauert. Mit dem Wald der Erinnerung und dem Ehrenmal der Bundeswehr mussten erst Orte des Gedenkens und Erinnerns entstehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"731\" src=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2TK1836_ed_c-1200x731.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3871\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2TK1836_ed_c-1200x731.jpg 1200w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2TK1836_ed_c-800x487.jpg 800w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2TK1836_ed_c-600x366.jpg 600w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2TK1836_ed_c-768x468.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/2TK1836_ed_c.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption>Im Gespr\u00e4ch mit Soldatinnen und Soldaten am 20.06.18 in Mazar-e Sharif, Afghanistan im Camp Marmal. \/ Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wenn ein Krieg \u00fcber 20 Jahre dauert, dann vergessen die meisten, was eigentlich der Grund f\u00fcr den Krieg war. Der Krieg gegen den Terror, das Zerschlagen der Netzwerke von Al-Qaida, deren Macht die Zwillingst\u00fcrme des World Trade Center in New York zum Einst\u00fcrzen brachte und von denen auch eine permanente Gefahr f\u00fcr die westlichen Demokratien ausging, die Solidarit\u00e4t in unserem Verteidigungsb\u00fcndnis, der NATO, f\u00fchrte deutsche Soldaten in dieses ferne Land. Dass dort nach dem Ende der Talibanherrschaft wieder Freiheiten m\u00f6glich sind, M\u00e4dchen wieder die Schule besuchen, es Universit\u00e4ten und Schulen gibt, war nicht der Kriegsgrund. Es ist h\u00f6chstens ein Nebeneffekt, wenn auch ein positiver. Ein Erfolg ist es auch, dass die Gefechte gegen die Taliban, die 2010 noch deutsche Soldat:innen k\u00e4mpfen mussten, nun von den afghanischen Streitkr\u00e4ften selbst gef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch man muss und darf auch kritisch Bilanz ziehen. Das Land hat bis jetzt keineswegs die stabile Ordnung, die man sich zu Beginn des Krieges vorgestellt hat und auch der Weg zum heutigen Status hat sehr viel l\u00e4nger gedauert als urspr\u00fcnglich gedacht. Ebenfalls ist zweifelhaft, wie \u00fcberlebensf\u00e4hig die angestrebte neue Ordnung im Falle eines Abzugs der internationalen Truppen wirklich ist \u2013 und ob zeitnah \u00fcberhaupt eine wahrhafte und nachhaltige Friedensl\u00f6sung gefunden werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Zeitweilig waren gleichzeitig \u00fcber 5.000 deutsche Soldat:innen in Kabul, Mazar-i-Sharif, Feyzabad, Kunduz und anderen Orten im Norden Afghanistans im Einsatz &#8211; insgesamt mehr als 95.000 seit 2001. Sie haben dort oft Unbeschreibliches erlebt. Und sie h\u00e4tten es verdient, wenn wir ihnen dabei mehr zuh\u00f6ren w\u00fcrden. Denn bei aller politischer Bewertung muss man als Fazit f\u00fcr die Bundeswehr sagen: Die Bundeswehr war trotz aller Probleme und Herausforderungen in der Lage, alle Auftr\u00e4ge durchhaltef\u00e4hig durchzuf\u00fchren. Das ist ohne Wenn und Aber ein Erfolg. Die Streitkr\u00e4fte hat sich in der direkten Auseinandersetzung &#8211; im Kampf auf dem Schlachtfeld behauptet. Das ist ein Erfolg. Und die Soldatinnen und Soldaten erinnern uns an Clausewitz, der einmal gesagt hat: \u201eAllem wozu Streitkr\u00e4fte gebraucht werden, liegt die Idee des Gefechts zugrunde. Sonst w\u00fcrde man ja keine Streitkr\u00e4fte gebrauchen.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das auszusprechen, davor scheut sich die deutsche Politik noch immer. Aber es ist trotzdem wahr. Aktuell laufen wir allerdings Gefahr, diese Wahrheit noch mehr zu verdr\u00e4ngen, denn zu sch\u00f6n sind doch die Bilder der freundlichen und hilfsbereiten Soldat:innen in der momentanen Amtshilfe, in den Gesundheits\u00e4mtern oder Impfzentren im Kampf gegen Corona.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1200\" height=\"709\" src=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1TK2481_ed_c-1200x709.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3873\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1TK2481_ed_c-1200x709.jpg 1200w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1TK2481_ed_c-800x473.jpg 800w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1TK2481_ed_c-600x354.jpg 600w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1TK2481_ed_c-768x454.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/1TK2481_ed_c.jpg 1500w\" sizes=\"(max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><figcaption>Blick vom Camp Marmal in Mazar-e Sharif, Afghanistan. \/ Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Die aktuelle Debatte um die Fortf\u00fchrung des Afghanistaneinsatzes ist deshalb eine Chance: Sich mit der Notwendigkeit des Einsatzes, seinen Ursachen und Zielen erneut zu befassen. Aber mehr noch sich bewusst zu machen, dass der Einsatz unabh\u00e4ngig von seinen politischen Zielen &nbsp;den Deutschen und ihren internationalen Verb\u00fcndeten gezeigt hat, dass deutsche Streitkr\u00e4fte selbst unter schwierigsten Bedingungen weltweit handlungsf\u00e4hig und jederzeit verl\u00e4sslich sind. Deshalb d\u00fcrfen die M\u00e4nner und Frauen der Bundeswehr stolz von sich sagen, dass sie ihre Auftr\u00e4ge in Afghanistan bis heute erf\u00fcllt haben. Unter Opfern, aber tapfer und treu.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht nur aufgrund der Gefallenen und Verwundeten pr\u00e4gt dieser Einsatz wie kein anderer unsere Streitkr\u00e4fte und deren Bild in unserer Gesellschaft. Vielleicht wird in Zukunft der Einsatz im Sahel auf dem afrikanischen Kontinent eine \u00e4hnlich pr\u00e4gende Wirkung haben. Bis dahin ist es jedoch noch ein langer Weg. Wir tun als Gesellschaft gut daran &#8211; gleich was wir vom politischen Mandat halten &#8211; den Soldat:innen zu danken. Und die Bundeswehr sollte sich \u00fcberlegen, wie sie auch in ihrer Tradition diesen vielfach pr\u00e4genden Einsatz verankern kann. Der Armee im Einsatz wird im Wald der Erinnerung gedacht, das Ehrenmal erinnert an die Toten der Bundeswehr. Der Einsatz in Afghanistan sollte eine solit\u00e4re Benennung und Ansatz zum Gedenken finden. Vielleicht w\u00e4re die Benennung einer Kaserne nach dem wichtigsten Einsatzland ein Anfang.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Afghanistan und kein Ende? Seit 20 Jahren verteidigen jetzt deutsche Soldat:innen Deutschland am Hindukusch, wie es der zu fr\u00fch verstorbene&hellip;<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"link-more\">\n\t<a href=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3870\" class=\"more-link\">\n\t\tWeiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Ein Zeichen der Erinnerung setzen \u2013 Sollte die Bundeswehr eine Kaserne nach ihrem bisher wichtigsten Einsatz benennen?&rdquo;<\/span>&hellip;\t<\/a>\n<\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3872,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"footnotes":"","_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false},"version":2}},"categories":[1],"tags":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/AE7FDE1C-FF5D-475A-8643-C6C3BFDA0ED5_c.jpg","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p35WCI-10q","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3870"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3870"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3870\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3881,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3870\/revisions\/3881"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3872"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3870"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3870"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3870"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}