{"id":3832,"date":"2020-10-16T15:48:39","date_gmt":"2020-10-16T14:48:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3832"},"modified":"2020-10-16T15:48:39","modified_gmt":"2020-10-16T14:48:39","slug":"dein-jahr-fuer-deutschland-freiwilliger-wehrdienst-im-heimatschutz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3832","title":{"rendered":"Dein Jahr f\u00fcr Deutschland \u2013 Freiwilliger Wehrdienst im Heimatschutz"},"content":{"rendered":"<p>Als die Bundeswehr im Sommer den neuen \u201eFreiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz\u201c (FWD-HSch) im Juni vorgestellt hat, da gab es eine F\u00fclle von kritischen Nachfragen. In der Tat steht die Bundeswehr ja vor vielen Herausforderungen. Die materielle Einsatzbereitschaft hat nicht den Stand, der w\u00fcnschenswert w\u00e4re, trotz steigender Zahlen ist der Haushalt noch nicht ausreichend, um alle notwendigen R\u00fcstungsvorhaben zu finanzieren und die Rekrutierung ist angesichts der Demographie eine weitere spannende Aufgabe. Zudem gibt es bereits einen Freiwilligen Wehrdienst. Warum also eine weitere Form? Was ist der Mehrwert? Einige der zahlreichen Fragen will ich hier in K\u00fcrze beantworten.<\/p>\n<p><strong>Wof\u00fcr brauchen wir eine neue Form des Freiwilligen Wehrdienstes?<\/strong><\/p>\n<p>Die Bundeswehr w\u00e4chst \u2013 in der Zukunft sollen 203.000 M\u00e4nner und Frauen Uniform tragen. Dar\u00fcber hinaus plant die Bundeswehr mit einer Reserve von 100.000 Soldatinnen und Soldaten. Diese Zahlen ergeben sich aus den Schlussfolgerungen des <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/resource\/blob\/975292\/736102\/64781348c12e4a80948ab1bdf25cf057\/weissbuch-zur-sicherheitspolitik-2016-download-bmvg-data.pdf?download=1\">Wei\u00dfbuchs der Bundesregierung<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.bmvg.de\/resource\/blob\/26544\/9ceddf6df2f48ca87aa0e3ce2826348d\/20180731-konzeption-der-bundeswehr-data.pdf\">der Konzeption der Bundeswehr<\/a>, dem <a href=\"https:\/\/www.bundeswehr.de\/resource\/blob\/139810\/21b668f541ce76edf0d80fbf28d2c857\/download-strategie-der-reserve-data.pdf\">F\u00e4higkeitsprofil unserer Streitkr\u00e4fte und der Strategie der Reserve<\/a>. Mit einer Grundbeorderung der ausgeschiedenen Zeit- und Berufssoldaten wird man die Aufwuchsf\u00e4higkeit der Bundeswehr und die Einsatzbereitschaft der Reserve alleine nicht gew\u00e4hrleisten k\u00f6nnen. Der FWD-HSch ist ein Mittel, um den notwendigen milit\u00e4rischen Bedarf an Soldatinnen und Soldaten in der Territorialen Reserve zu generieren.<\/p>\n<p><strong>Was ist der Unterschied zum etablierten Freiwilligen Wehrdienst?<\/strong><\/p>\n<p>Schon heute leisten rund 8.000 junge M\u00e4nner und Frauen einen Freiwilligen Wehrdienst. Die Dauer des Dienstes variiert stark \u2013 genauso wie die Aufgaben, in denen die so genannten FWDL\u2019er eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Die Soldaten im FWD-HSch werden gezielt f\u00fcr die Aufgaben im Heimatschutz ausgebildet \u2013 klassisch in den F\u00e4higkeiten eines Wach- und Sicherungssoldaten \u2013, heimatnah beordert und ihre aktive Dienstzeit ist auf sieben Monate beschr\u00e4nkt. Weitere f\u00fcnf Monate dienen sie im Laufe der folgenden Jahre in den aus den Regionalen Sicherungs- und Unterst\u00fctzungskompanien aufwachsenden Heimatschutzkompanien und Heimatschutzbataillonen. Die \u00dcbungen finden jeweils in unterschiedlichem Zeitrahmen und Dauer statt.<\/p>\n<p>Die freiwillig Wehrdienstleistenden im Heimatschutz werde nach drei Monaten Allgemeine Grundausbildung und vier Monaten Spezialausbildung Heimatschutz in die Reserve \u00fcberf\u00fchrt. Die verbliebenen f\u00fcnf Monate Dienstzeit sollen heimatnah und zeitlich flexibel gestaltet werden. Die Gesamtdauer des FWD-HSch betr\u00e4gt somit zw\u00f6lf Monate.<\/p>\n<p><strong>Was bedeutet \u201eHeimatschutz\u201c und warum wird die Regionalit\u00e4t so betont?<\/strong><\/p>\n<p>Der Heimatschutz ist eine von mehreren wichtigen Aufgaben der Bundeswehr, die in der Konzeption der Bundeswehr beschrieben werden. Neben der nationalen Krisen- und Risikovorsorge und den subsidi\u00e4ren Unterst\u00fctzungsleistungen in Deutschland tr\u00e4gt der Heimatschutz zur gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge und zur Resilienz von Staat und Gesellschaft bei.<\/p>\n<p>Naturkatastrophen und besonders schwere Ungl\u00fccksf\u00e4lle in den vergangenen Jahren in Deutschland haben gezeigt, dass die Bundeswehr nicht nur im Rahmen des internationalen Krisenmanagements mit aktiven milit\u00e4rischen Beitr\u00e4gen wichtige Unterst\u00fctzung leisten muss. Hochwasser, schwere Wald- und Moorbr\u00e4nde, heftige Schneef\u00e4lle mit weitreichenden Folgen f\u00fcr Mensch, Tier und Infrastruktur und nicht zuletzt die aktuelle Corona-Pandemie: Die Bundeswehr packt auch innerhalb Deutschlands mit an, schnell einsatzbereit und durchhaltef\u00e4hig, wo immer n\u00f6tig, und innerhalb der Vorgaben des Grundgesetzes.<\/p>\n<p>Wir wissen, dass f\u00fcr viele, die sich f\u00fcr einen Dienst in den Streitkr\u00e4ften interessieren, eine enge Bindung zu ihrer unmittelbaren Heimat wichtig ist. In der Territorialen Reserve kann sichergestellt werden, dass die Reservisten in ihren regionalen Heimatschutzverb\u00e4nden beordert werden.<\/p>\n<p><strong>Gibt es genug Bewerberinnen und Bewerber f\u00fcr den FWD-HSch?<\/strong><\/p>\n<p>Die Bewerberzahlen sind schon jetzt sehr gut, obwohl der Startschuss erst am 1. April 2021 f\u00e4llt. Derzeit finden die ersten Beratungsgespr\u00e4che statt und die Karrierecenter der Bundeswehr sind vorbereitet, alle Fragen rund um den neuen Dienst zu beantworten. Wir gehen davon aus, dass der Dienst aufgrund der zeitlichen Konzeption, der Unterteilung in aktive Dienstzeit und Reservedienst, dauerhaft attraktiv ist. Erg\u00e4nzend ist die M\u00f6glichkeit, den Reservedienst heimatnah zu absolvieren, f\u00fcr viele ein Attraktivit\u00e4tsfaktor.<\/p>\n<p><strong>Warum wird nicht gleich die Wehrpflicht wieder eingef\u00fchrt?<\/strong><\/p>\n<p>Die Wehrpflicht ist nicht abgeschafft, sondern lediglich ausgesetzt. Die Sicherheitslage macht derzeit die Heranziehung von Wehrpflichtigen nicht notwendig. Hinzu kommt, dass viele Waffensysteme, wie zum Beispiel der neue Sch\u00fctzenpanzer PUMA eine Komplexit\u00e4t haben, die den Einsatz von Wehrpflichten in einer Dienstzeit von 12 Monaten nahezu verunm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem w\u00fcrden sich viele Fragen stellen, wenn die Bundeswehr k\u00fcnftig wieder Wehrpflichtige heranziehen w\u00fcrde: Sollten dann nicht auch die Frauen gleichberechtigt neben den M\u00e4nnern einen Wehrdienst leisten? Diese Frage w\u00fcrde sicher mit Ja beantwortet werden. Daraus folgt, dass jedes Jahr rund 800.000 Rekrutinnen und Rekruten gemustert werden m\u00fcssten. Die Bundeswehr hat weder einen Bedarf an einer solch hohen Zahl an Soldatinnen und Soldaten noch die Ausbildungskapazit\u00e4ten. Viele verbinden zudem mit dem Ruf nach der Wehrpflicht die Idee, den Zusammenhalt in der Gesellschaft und das Miteinander zu st\u00e4rken. Das sind wichtige Ziele, aber die Wehrpflicht ist zun\u00e4chst ein sicherheitspolitisches Instrument. Wenn man den gesellschaftlichen Zusammenhalt st\u00e4rken will, dann sollte man besser \u00fcber die Einf\u00fchrung einer allgemeinen Dienstpflicht, die ihren Schwerpunkt in sozialen Aufgaben hat, aber auch eine Dienstm\u00f6glichkeit in den Streitkr\u00e4ften enthalten k\u00f6nnte, diskutieren.<\/p>\n<p><strong>Warum sollen sich junge Menschen f\u00fcr einen solchen Dienst \u00fcberhaupt begeistern?<\/strong><\/p>\n<p>Viele junge Menschen wollen einen Dienst f\u00fcr unser Land leisten. Und im zivilen Bereich kann man das ja bereits mit dem Bundesfreiwilligendienst oder dem klassischen Freiwilligen Sozialen Jahr. Aber unsere Freiheit muss im Zweifel verteidigt werden. Die Erweiterung des Freiwilligen Wehrdienstes um eine Version, die andere Vorstellungen und Lebensplanungen von jungen Menschen abbildet, ist daher nur konsequent.<\/p>\n<p><strong>Was genau beinhaltet die Ausbildung im Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz?<\/strong><\/p>\n<p>Die Ausbildung besteht zun\u00e4chst aus einer dreimonatigen Grundausbildung an einem von insgesamt elf Grundausbildungsstandorte. Diese sind deutschlandweit verteilt und sollen die Rekrutinnen und Rekruten m\u00f6glichst heimatnah ausbilden. Nach der Grundausbildung folgt die viermonatige Spezialausbildung. Diese Spezialausbildung besteht aus zwei Anteilen. Ein Teil ist die Ausbildung \u201eHeimatschutz\u201c mit den Schwerpunkten Wach- und Sicherungsaufgaben sowie\u00a0ABC-Abwehr und Feldj\u00e4gerdienst. Sie findet an den Ausbildungsst\u00fctzpunkten Wildflecken, Berlin und Delmenhorst statt. Der zweite Teil ist die Ausbildung an den jeweiligen Landeskommandos der Heimatbundesl\u00e4nder der Rekrutinnen und Rekruten. Hier liegt der Schwerpunkt auf den regionalen Besonderheiten im Bundesland. Anschlie\u00dfend folgt der Dienst in Heimatn\u00e4he der freiwillig Wehrdienstleistenden. Dieser dauert insgesamt f\u00fcnf\u00a0Monate, die sich nach Absprache phasenweise auf die folgenden sechs Jahre aufteilen lassen.<\/p>\n<p><strong>Weitere Fragen zum Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz? <\/strong><\/p>\n<p>Bei weiteren Fragen zum FWD-Hsch \u2013 von der Besoldung bis hin zur M\u00f6glichkeit der Weiterverpflichtung \u2013\u00a0 empfehle ich die Internetangebote der Bundeswehr. Antworten gibt es <a href=\"https:\/\/www.bundeswehr.de\/de\/ueber-die-bundeswehr\/die-reserve-der-bundeswehr\/reservist-werden-in-der-bundeswehr-\/reserve-der-streitkraeftebasis-\/pilotprojekt-freiwilliger-wehrdienst-im-heimatschutz-\">beispielsweise hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Als die Bundeswehr im Sommer den neuen \u201eFreiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz\u201c (FWD-HSch) im Juni vorgestellt hat, da gab es eine&hellip;<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"link-more\">\n\t<a href=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3832\" class=\"more-link\">\n\t\tWeiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Dein Jahr f\u00fcr Deutschland \u2013 Freiwilliger Wehrdienst im Heimatschutz&rdquo;<\/span>&hellip;\t<\/a>\n<\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3833,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"footnotes":"","_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false},"version":2}},"categories":[825],"tags":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/202009031334__3TK5227_ed_1_c.jpg","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p35WCI-ZO","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3832"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3832"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3832\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3834,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3832\/revisions\/3834"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3833"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3832"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3832"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3832"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}