{"id":3770,"date":"2020-04-21T10:34:16","date_gmt":"2020-04-21T09:34:16","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3770"},"modified":"2024-01-17T17:32:13","modified_gmt":"2024-01-17T16:32:13","slug":"unsere-veteranen-was-bundeswehr-und-gesellschaft-fuer-veteranen-tun-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3770","title":{"rendered":"Unsere Veteranen \u2013 Was Bundeswehr und Gesellschaft f\u00fcr Veteranen tun k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p>Nicht nur die Bundeswehr, auch unsere Gesellschaft hat den Umgang mit Soldaten, die im Einsatz einen Schaden an Leib oder Seele erlitten haben, erst lernen m\u00fcssen. Der Veteran ist das sichtbare Bild der Einsatzrealit\u00e4t der Bundeswehr. Die Eins\u00e4tze, in die unsere Soldatinnen und Soldaten gehen, sind gef\u00e4hrlich. Inzwischen sind 111 Soldaten dabei ums Leben gekommen und gefallen. Daraus erw\u00e4chst eine neue Aufgabe. Es geht nicht nur um ein w\u00fcrdiges Erinnern an die Toten, es geht um den Umgang mit denjenigen, die treu gedient haben und als Veteranen in unserer Gesellschaft leben.<\/p>\n<p>Manch einen Veteranen, auch wenn er kein K\u00f6rperteil eingeb\u00fc\u00dft hat, wenn er nicht psychisch erkrankt ist, lassen die Erinnerungen nicht los. Manch einer ringt damit, dass zumindest ein Teil der Gesellschaft keine Notiz von seinem Einsatz f\u00fcr unser Vaterland nimmt. Die Politik muss kl\u00e4ren, was der Staat f\u00fcr die Veteranen tut. Es geht um Fragen der F\u00fcrsorge \u00fcber das dicht gekn\u00fcpfte soziale Netz unseres Landes hinaus. Es gilt, die vielf\u00e4ltigen Bed\u00fcrfnisse der Veteranen wahrzunehmen, anzuerkennen und zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Der Umgang mit den Veteranen ist Ausdruck unseres Selbstbildes. Wir wollen, dass B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger Verantwortung in der Gesellschaft \u00fcbernehmen, weil wir wissen, dass B\u00f6ckenf\u00f6rde Recht hat. Der Verfassungsrechtler hat uns gemahnt, dass \u201eder freiheitlich, s\u00e4kularisierte Rechtsstaat von Voraussetzungen lebt, die er selbst nicht garantieren kann.\u201c Veteranen sind also der augenf\u00e4llige Ausdruck einer Einsatzbereitschaft von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern f\u00fcr die freiheitlich-demokratische Grundordnung.<\/p>\n<p>Clausewitz hat gesagt: \u201eAllem wozu Streitkr\u00e4fte gebraucht werden, liegt die Idee des Gefechts zu Grunde; denn sonst w\u00fcrde man ja keine Streitkr\u00e4fte gebrauchen.\u201c Der Satz von Clausewitz spricht eine Wahrheit aus, der sich unsere Gesellschaft nur ungern stellt. Der Veteran gibt dieser Wahrheit ein Gesicht. Die Auseinandersetzung mit den Belangen der Veteranen ist somit auch eine Chance f\u00fcr die deutsche Gesellschaft, sich mit ihren eigenen sicherheitspolitischen und nationalen Interessen zu befassen.<\/p>\n<p>Die Veteranen brauchen jemanden, der ihre Interessen in der \u00d6ffentlichkeit vertritt und permanent f\u00fcr sie ansprechbar ist. Bisher hat der stellvertretende Generalinspekteur als f\u00fcr die Reservistenarbeit zust\u00e4ndig auch die Interessen der Veteranen wahrgenommen. Ihm sollte ein Beauftragter f\u00fcr Veteranenfragen im Range eines Generals im aktiven Dienst zugeordnet werden, der explizit f\u00fcr die Belange der Veteranen verantwortlich ist. Er vermittelt zwischen Interessensgruppen und Bundeswehr, ist Anlaufstelle f\u00fcr Fragen. Eine wichtige Aufgabe ist dar\u00fcber hinaus, die Belange der Veteranen in der \u00d6ffentlichkeit und gegen\u00fcber den Medien zu artikulieren.<\/p>\n<p>Es braucht daher ein Veteranenb\u00fcro, eine Anlaufstelle f\u00fcr Sorgen und Probleme aller Art an zentraler Stelle. Und daraus kann sich ein Veteranenheim entwickeln. Es kann und muss ein Ort entstehen, der Ausdruck ist der Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr diejenigen, die treu gedient haben. Sie haben Treue verdient &#8211; von Seiten der Bundeswehr und mehr noch von Seiten der Gesellschaft. Darum geht es bei dem Veteranenb\u00fcro um konkrete Hilfe nicht um Symbolpolitik, so wichtig auch Symbole sind, um die Sichtbarkeit der Veteranen in der Gesellschaft zu steigern.<\/p>\n<p>Nicht alle Veteranen finden sich nach ihrem Dienst in der Gesellschaft zu recht. Neben einer medizinischen Betreuung und Rahmenbedingungen, die einen weiteren Dienst in der Bundeswehr erm\u00f6glichen, gibt es eine Zahl an Veteranen, f\u00fcr die das Hilfesystem an seine Grenzen st\u00f6\u00dft. Sie brauchen einen R\u00fcckzugsraum sowie Unterst\u00fctzung nicht nur medizinisch und psychologisch, sondern oft auch in sozialen Fragen. Der Staat hat gegen\u00fcber diesen Menschen eine F\u00fcrsorgepflicht. Deshalb ist f\u00fcr den genannten Personenkreis die Gr\u00fcndung eines Veteranenheims angezeigt. In Warendorf kann in Kooperation mit den Dienststellen der Bundeswehr, dem Veteranengeneral sowie dem Beauftragten f\u00fcr PTBS ein Haus entstehen, dass sowohl Anlaufstelle und Beratung, als auch Wohnstatt f\u00fcr Betroffene bietet. Dies gilt auch f\u00fcr Berlin und andere Orte. Neben einer zentralen Anlaufstelle wird es dezentrale L\u00f6sungen brauchen, die den unterschiedlichen Belangen und Bed\u00fcrfnissen gerecht werden. Ein Beirat mit Expertinnen und Experten und die Einbindung in das Netzwerk der Hilfen w\u00fcrde die Stellung des Veteranenheims im Verbund der verschiedenen Hilfs- und Unterst\u00fctzungsorganisationen st\u00e4rken. Das Veteranenheim ist das Signal: Wir lassen niemanden zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Mit der Ausrichtung der Invictus Games in Deutschland 2023 setzt die Bundeswehr ein Zeichen. Die Invictus Games sind eine gro\u00dfe Chance, Solidarit\u00e4t und Verbundenheit mit den Veteranen und mit den Streitkr\u00e4ften in der Gesellschaft zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Neben dem Bund Deutscher EinsatzVeteranen (BDV) haben sich eine Vielzahl von Verb\u00e4nden den Belangen der Veteranen angenommen. Gruppen wie PTBS-Eisblume sind im Netzwerk der Hilfen organisiert. Diese Vielfalt an Verb\u00e4nden spiegelt eine Bandbreite an Interessen und Aufgaben wieder. Es ist gut, dass sich nicht nur eine Organisation der Sache der Veteranen annimmt. Die Vielfalt entspricht der Pluralit\u00e4t einer offenen Gesellschaft. Dies kn\u00fcpft an der Tradition der Veteranen als Teil der b\u00fcrgerlichen Vereinskultur an.<\/p>\n<p>Die genannten Vorschl\u00e4ge erheben nicht den Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit. Sie sind Impulse f\u00fcr die Debatte um eine Veteranenpolitik, die die Bundeswehr und die Gesellschaft in die Pflicht nimmt. Die M\u00e4nner und Frauen, die f\u00fcr unsere Freiheit, unsere Werte, unseren Wohlstand eintreten, haben es verdient, dass wir f\u00fcr sie Verantwortung \u00fcbernehmen, wenn sie ihren Dienst geleistet haben.<\/p>\n<p><em>Der Text ist bereits in der Rubrik \u201eFremde Federn\u201c in der FAZ erscheinen und steht hier in einer leicht aktualisierten Form. <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Nicht nur die Bundeswehr, auch unsere Gesellschaft hat den Umgang mit Soldaten, die im Einsatz einen Schaden an Leib oder&hellip;<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"link-more\">\n\t<a href=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3770\" class=\"more-link\">\n\t\tWeiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Unsere Veteranen \u2013 Was Bundeswehr und Gesellschaft f\u00fcr Veteranen tun k\u00f6nnen&rdquo;<\/span>&hellip;\t<\/a>\n<\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3771,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"footnotes":"","_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false},"version":2}},"categories":[825],"tags":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK1131_ed_1_c.jpg","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p35WCI-YO","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3770"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3770"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3770\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4029,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3770\/revisions\/4029"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3771"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3770"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3770"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3770"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}