{"id":3757,"date":"2020-04-02T17:28:40","date_gmt":"2020-04-02T16:28:40","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3757"},"modified":"2020-04-02T17:32:55","modified_gmt":"2020-04-02T16:32:55","slug":"zum-10-jahrestag-des-karfreitagsgefechts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3757","title":{"rendered":"Zum 10. Jahrestag des Karfreitagsgefechts"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/Mk8Erw6IGAY\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Meine sehr verehrten Damen, meine Herren,<br \/>\nliebe Familien und Angeh\u00f6rige,<br \/>\nSoldatinnen und Soldaten,<\/p>\n<p>das Erinnern an das Gefecht bei Isah Kehl und an die am Karfreitag, den 2. April 2010, gefallenen Soldaten, geh\u00f6rt inzwischen zur Erinnerungskultur unserer Bundeswehr. Auch wir haben uns heute hier versammelt um an<\/p>\n<p>den Hauptgefreiten Martin Agustyniak,<br \/>\nden Stabsgefreiten Robert Hartert und<br \/>\nden Hauptfeldwebel Nils Bruns<\/p>\n<p>zu erinnern und ihrer zu gedenken. Viele Angeh\u00f6rige und Freunde sind heute hier. Viele Kameraden erinnern sich an Momente, die sie mit ihnen geteilt haben. Und so ist der Schmerz \u00fcber den Verlust noch immer sp\u00fcrbar. Auch nach zehn Jahren. Ein Schmerz, den man nicht teilen und verstehen kann, wenn man die drei nicht pers\u00f6nlich kannte. Dessen bin ich mir bewusst.<\/p>\n<p>Doch Sie sollen wissen, dass den drei M\u00e4nnern nicht nur hier, im Fallschirmj\u00e4gerbataillon 373, sondern vielerorts \u00fcber die Bundeswehr hinaus ein ehrendes Andenken bewahrt wird. Warum ist das so? Es gibt mehrere Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p>Das so genannte Karfreitagsgefecht war zwar nicht das erste und nicht das letzte Gefecht der Bundeswehr in Afghanistan \u2013 und es wird nicht das letzte Gefecht unserer Streitkr\u00e4fte bleiben \u2013 aber die Dauer, die H\u00e4rte und die Opfer dieses Kampfes, mit drei gefallenen und acht verwundeten Soldaten, hatte es so in der Bundeswehr noch nicht gegeben.<\/p>\n<p>Die Erinnerung an diesen Kampf und seine Toten steht daher auch stellvertretend f\u00fcr das Erinnern an alle 35 Soldaten, die in Afghanistan gefallen sind. F\u00fcr alle insgesamt 59 in den Auslandseins\u00e4tzen gefallenen Kameraden, f\u00fcr die 114 in den einsatzgleichen Verpflichtungen und den Auslandseins\u00e4tzen ums Leben gekommenen Angeh\u00f6rigen unserer Streitkr\u00e4fte sowie f\u00fcr insgesamt 3298 seit Gr\u00fcndung der Bundeswehr in treuer Pflichterf\u00fcllung verstorbenen Bundeswehrangeh\u00f6rigen.<\/p>\n<p>An alle erinnern wir gemeinsam im Ehrenmal der Bundeswehr in Berlin. Sie sind im Tod miteinander verbunden, so wie alle, die um die Toten trauern, miteinander verbunden sind.<\/p>\n<p>Wir wollen heute hier gemeinsam trauern. An die Toten denken. An die, die wir kannten. Aber auch an die, deren Namen uns nicht gel\u00e4ufig sind. Die aber ihre Pflicht getan haben getreu ihres Eides. Ich bitte Sie daher um einige Momente des stillen Gedenkens.<\/p>\n<p>Wir werden auch k\u00fcnftig in der Bundeswehr Momente dieses Gedenkens brauchen. Sie sind notwendig.<\/p>\n<p>Es ist viel \u00fcber das Karfreitagsgefecht geschrieben worden. Mir geht es heute nicht darum, den Verlauf nach zu zeichnen. Mir ist etwas Anderes wichtig.<\/p>\n<p>Alle deutschen Soldaten, die bei Isah Kehl gek\u00e4mpft haben, haben den Kampf angenommen. Acht wurden verwundet, drei haben mit dem Leben daf\u00fcr bezahlt. Sie haben gemeinsam gek\u00e4mpft. Miteinander und f\u00fcreinander. Der gro\u00dfe Moltke hat es so formuliert: \u201eNicht der Glanz des Erfolges, sondern die Lauterkeit des Strebens und das treue Beharren in der Pflicht auch da, wo das Ergebnis kaum in die \u00e4u\u00dfere Erscheinung tritt, wird \u00fcber den wahren Wert des Menschen entscheiden.\u201c<\/p>\n<p>\u00dcbertragen auf das Karfreitagsgefecht f\u00fchrt uns das vor Augen, warum alle, die bei Isah Kehl gek\u00e4mpft haben, tapfere und treue Soldaten waren. Sie haben ausgeharrt. In einer f\u00fcr sie un\u00fcbersichtlichen Situation. Sie haben ihre Pflicht getan. Um ihren Auftrag zu erf\u00fcllen und den Kameraden, der neben ihnen k\u00e4mpfte, zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3764\" aria-describedby=\"caption-attachment-3764\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3764\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK1002_ed_c.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"1025\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK1002_ed_c.jpg 1500w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK1002_ed_c-585x400.jpg 585w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK1002_ed_c-800x547.jpg 800w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK1002_ed_c-768x525.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK1002_ed_c-1200x820.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3764\" class=\"wp-caption-text\">Wald der Erinnerung in Potsdam. \/ Foto: Tobias Koch<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Schriftsteller J\u00fcrgen Busche hat beschrieben, was diese Situation meint, in die der Soldat im Kampf gestellt wird und die f\u00fcr uns in unseren warmen Wohnzimmern kaum nachzuvollziehen ist:<\/p>\n<p>\u201eDer Soldat muss handeln, obwohl es gef\u00e4hrlich und der Erfolg unsicher ist. Und: der Soldat muss handeln, weil es gef\u00e4hrlich und der Erfolg unsicher ist. Im einen Aspekt muss er Bedrohung aushalten, im anderen sie als Chance erkennen und nutzen k\u00f6nnen. Beides verlangt nach dem geh\u00f6rigen Ma\u00df. Aushalten und nutzen k\u00f6nnen, erweist den Helden im Kriege. Die F\u00e4higkeit aber, das geh\u00f6rige Ma\u00df zu finden, bildet sich im Frieden und bew\u00e4hrt sich zuletzt auch nur dort.\u201c<\/p>\n<p>Busche schreibt von der Ausbildung im Frieden und mir gef\u00e4llt das Bild gut, dass der deutsche Soldat ein Bewahrer des Friedens ist. Aber Busche spricht auch eine Wahrheit aus, die lange so nicht ausgesprochen worden ist. Und ich meine, dass wir es nicht nur den Gefallenen des Karfreitagsgefechts schuldig sind, diese Wahrheit deutlich zu benennen. Was meine ich?<\/p>\n<p>Neben dem Erinnern und dem Gedenken gibt es einen weiteren Grund, warum uns der 2. April 2010 so intensiv besch\u00e4ftigt. Der Tag und die Ereignisse f\u00fchren uns vor Augen, was Sinn und Zweck der Bundeswehr ist.<\/p>\n<p>Clausewitz hat es so formuliert: \u201eAllem, wozu Streitkr\u00e4fte gebraucht werden, liegt die Idee eines Gefechts zum Grunde; denn sonst w\u00fcrde man ja dazu keine Streitkr\u00e4fte gebrauchen.\u201c<\/p>\n<p>Das bedeutet: Soldaten sind sowohl Verteidiger des Vaterlandes als auch \u201ePeacekeeper mit Gewaltanwendungspotential\u201c, wie es in einer Schrift \u00fcber den Einsatz der Bundeswehr als Blauhelmsoldaten hei\u00dft. Und ja. Soldaten der Bundeswehr sollen k\u00e4mpfen k\u00f6nnen, um nicht k\u00e4mpfen zu m\u00fcssen. So lautete ein Satz, den man w\u00e4hrend des Kalten Krieges immer wieder h\u00f6ren und lesen konnte. Und ja. Im Grundgesetz steht: Der Bund stellt Streitkr\u00e4fte zu seiner Verteidigung auf.<\/p>\n<p>Egal wie man es sagt. Am Ende geht es um das Gefecht. Soldaten m\u00fcssen in der Lage sein zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Deutsche Soldaten haben gek\u00e4mpft. Bei Isah Kehl. In Afghanistan. Sie haben Deutschland auch am Hindukusch verteidigt. So umstritten der Satz von Verteidigungsminister Peter Struck ist, so richtig ist er aus meiner Sicht auch. Deutschland hat sich am Krieg gegen die Taliban, am Krieg gegen den Terror beteiligt. Aus Solidarit\u00e4t im B\u00fcndnis und weil wir nicht wollten, dass der Terror \u00e4hnliche Verheerungen in Europa anrichtet wie am 11. September 2001 in den USA. Es war der erste B\u00fcndnisfall in der Geschichte der NATO.<\/p>\n<p>Frieden in Afghanistan scheint m\u00f6glich. Nicht so, wie ihn sich manche gew\u00fcnscht oder vorgestellt haben. Aber doch so, dass erkennbar von diesem Land keine Gefahr mehr f\u00fcr den Westen und die freie Welt ausgeht. Und wenn es ein dauerhafter Friede sein wird, dann haben auch die Menschen in Afghanistan gewonnen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3759\" aria-describedby=\"caption-attachment-3759\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3759\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/339__2TK1713_ed_c.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"918\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/339__2TK1713_ed_c.jpg 1500w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/339__2TK1713_ed_c-600x367.jpg 600w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/339__2TK1713_ed_c-800x490.jpg 800w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/339__2TK1713_ed_c-768x470.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/339__2TK1713_ed_c-1200x734.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3759\" class=\"wp-caption-text\">Gedenken an gefallene Soldaten am 19.06.18 in Mazar-e Sharif (Afghanistan) im Camp Marmal. \/ Foto: Tobias Koch<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gewonnen. Gesiegt. Wir tun uns schwer mit solchen Formulierungen. Und ich meine auch nicht alleine den milit\u00e4rischen Sieg. Gewonnen hat bei der Mission Sophia im Mittelmeer die Menschlichkeit, wenn deutsche Soldaten \u00fcber 22.000 Menschen aus Seenot gerettet haben. Wenn in Mali deutsche Soldaten helfen, die Streitkr\u00e4fte auszubilden, damit das Land Stabilit\u00e4t, Frieden und Ordnung zur\u00fcckerlangt, dann ist das ein Sieg. Aber am Ende geht es auch darum, dass unsere Soldaten siegen sollen, wenn sie k\u00e4mpfen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>An unsere Gesellschaft, an die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger gerichtet m\u00f6chte ich sagen:<\/p>\n<p>Wir haben lange gebraucht, um die Sache beim Namen zu nennen. In Afghanistan herrschte Krieg. Wir sind dort hingegangen, um zu k\u00e4mpfen. Und ja: Um zu gewinnen. Wer von Soldatinnen und Soldaten das \u00c4u\u00dferste verlangt, n\u00e4mlich ihr Leben einzusetzen f\u00fcr die Erf\u00fcllung des Auftrages, der kann doch nicht ernsthaft etwas Anderes erwarten.<\/p>\n<p>Die Politik redet gerne von der Bundeswehr als Parlamentsarmee. Mit Blick auf die Frage, wer \u00fcber den Einsatz der Bundeswehr entscheidet, mag das eine richtige Formulierung sein. Sie gef\u00e4llt mir trotzdem nicht so richtig. Denn in Wahrheit ist die Bundeswehr die Armee dieses Landes und nicht die Armee des Parlaments. In unseren Streitkr\u00e4ften dienen unsere S\u00f6hne und T\u00f6chter, unsere Br\u00fcder und Schwestern, unsere V\u00e4ter und M\u00fctter.<\/p>\n<p>Deswegen ist es gut, wenn wir Anteil nehmen, am Dienst und am Alltag unserer Soldaten. Ich freue mich dar\u00fcber, wenn ich h\u00f6re, dass unsere Soldatinnen und Soldaten viel Wertsch\u00e4tzung erfahren, wenn sie mit dem Zug fahren. Ich freue mich, wenn in St\u00e4dten und Gemeinden die gelbe Schleife als Zeichen der Verbundenheit an Rath\u00e4usern oder in Unternehmen angebracht wird.<\/p>\n<p>Aber ich sage auch: Es braucht mehr davon. Unsere Soldatinnen und Soldaten sollen sp\u00fcren, dass die Menschen stolz auf sie sind und hinter ihnen stehen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3763\" aria-describedby=\"caption-attachment-3763\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3763\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK1015_ed_c.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"988\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK1015_ed_c.jpg 1500w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK1015_ed_c-600x395.jpg 600w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK1015_ed_c-800x527.jpg 800w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK1015_ed_c-768x506.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK1015_ed_c-1200x790.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3763\" class=\"wp-caption-text\">Im Wald der Erinnerung in Potsdam. \/ Foto: Tobias Koch<\/figcaption><\/figure>\n<p>An die Familien und Angeh\u00f6rigen gerichtet m\u00f6chte ich sagen:<\/p>\n<p>Wir danken Ihnen. Wir danken f\u00fcr Ihre F\u00fcrsorge und Unterst\u00fctzung, denn das, was Sie geben, geht weit \u00fcber das hinaus, was wir, was der Dienstherr tun kann. Nicht umsonst reden wir oft von Soldatenfamilien. Sie verstehen, was der Eid Ihres Sohnes und Ihrer Tochter bedeutet. Und unausgesprochen haben Sie mitgeschworen. Vielleicht hadern Sie manchmal mit der Entscheidung des Familienmitglieds, Soldat geworden zu sein. Aber Sie lassen den- oder diejenige nicht alleine.<\/p>\n<p>An diejenigen gerichtet, die in Staat und Politik Entscheidungen treffen, m\u00f6chte ich sagen:<\/p>\n<p>Es ist gut, dass der Deutsche Bundestag entscheidet, ob und wo und wie lange deutsche Soldaten in einen Auslandseinsatz gehen. Es ist richtig, dass dies immer in einem System kollektiver Sicherheit geschieht. Immer sind wir an der Seite von Freunden und Verb\u00fcndeten. Nie alleine. Daraus folgt der Auftrag an die Politik, die notwendigen Mittel zur Verf\u00fcgung zu stellen, damit Waffen, Ger\u00e4t und Material in ausreichender Zahl und in entsprechender Qualit\u00e4t zur Verf\u00fcgung stehen.<\/p>\n<p>Wir sollten uns daran erinnern, dass auch mit der besten Ausbildung und dem modernsten Ger\u00e4t, Krieg und Einsatz Opfer fordert.<\/p>\n<p>Wenn es notwendig ist, dass Soldaten in einen Einsatz gehen und einen Angriff auf \u201edas Leben und die Freiheit\u201c abwehren, dann m\u00fcssen wir daf\u00fcr Sorge tragen, dass die Bundeswehr dazu in der Lage ist. Aus meiner Sicht meint das aber mehr als gute Ausbildung und einsatzbereites Ger\u00e4t. Politik und Gesellschaft m\u00fcssen akzeptieren, dass man Streitkr\u00e4fte nicht wie ein Unternehmen f\u00fchren und organisieren kann. Wir sind Streitkr\u00e4fte und keine Firma. Soldaten sind Kameraden und keine Kollegen.<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich eine besondere F\u00fcrsorge. Wir haben viel getan in den letzten Jahren. Wir haben nicht nur gelernt, was es bedeutet, wenn unsere Soldaten k\u00e4mpfen und fallen. Wir mussten auch lernen, was es bedeutet, wenn sie mit einem Schaden an Leib und Seele wieder nach Hause kommen. Ich w\u00fcnsche mir, dass wir noch mehr tun. Die Botschaft muss klar sein. Wir lassen niemanden zur\u00fcck. Weder im Gefecht. Noch zu Hause, wenn er oder sie nach seinem Dienst f\u00fcr unser Land im Leben nicht mehr zurechtkommt.<\/p>\n<p>An unsere Soldatinnen und Soldaten gerichtet m\u00f6chte ich sagen:<\/p>\n<p>Das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. So lautet ihr Eid. Aber was hei\u00dft das eigentlich? Sie sind bereit, ihr Leben einzusetzen, um ihren Auftrag zu erf\u00fcllen, auch f\u00fcr ihren Kameraden und ihre Kameradin, unter schwersten Bedingungen. Sie sind bereit zu k\u00e4mpfen. Sie treffen Entscheidungen nicht nur f\u00fcr sich selbst, sondern auch f\u00fcr andere. Ihr Tun bleibt nie folgenlos. Und im Zweifel hat im Gefecht gerade das Nichtstun die schlimmsten Folgen.<\/p>\n<p>Wir verlangen viel von Ihnen. Mehr als je von deutschen Soldaten verlangt worden ist. Sie sollen nicht nur k\u00e4mpfen. Sie sollen nicht nur helfen und unterst\u00fctzen. Sie sollen auch verstehen, was es meint, wenn wir in einem vernetzten Ansatz von Au\u00dfenpolitik, Diplomatie und Entwicklungszusammenarbeit bem\u00fcht sind, in oft un\u00fcbersichtlichen Situationen und schwierigen Bedingungen Frieden und Stabilit\u00e4t zu schaffen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3765\" aria-describedby=\"caption-attachment-3765\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3765\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK0992_ed_c.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"915\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK0992_ed_c.jpg 1500w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK0992_ed_c-600x366.jpg 600w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK0992_ed_c-800x488.jpg 800w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK0992_ed_c-768x468.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK0992_ed_c-1200x732.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3765\" class=\"wp-caption-text\">Im Wald der Erinnerung in Potsdam. \/ Foto: Tobias Koch<\/figcaption><\/figure>\n<p>Verteidigungsminister Hans Apel hat das zusammengefasst, was den Soldaten der Bundeswehr ausmachen muss: \u201eSoldatische Pflichterf\u00fcllung und milit\u00e4rische T\u00fcchtigkeit sind nicht zu trennen von den politischen Zielen, denen sie dienen.\u201c<\/p>\n<p>Wir verlangen von Ihnen deshalb das aktive Eintreten f\u00fcr die Freiheitliche demokratische Grundordnung. Die Konzeption der Inneren F\u00fchrung beschreibt den Typ des modernen Soldaten, der \u201efreier Mensch, guter Staatsb\u00fcrger und vollwertiger Soldat zugleich\u201c sein soll.<\/p>\n<p>Doch gilt das auch f\u00fcr das milit\u00e4rische Handwerk? Noch einmal Baudissin: Das Ideal ist nicht der \u201ehart erzogene\u201c, sondern der \u201esich selbst hart erziehende\u201c Soldat. Die Innere F\u00fchrung ist also nicht nur etwas f\u00fcr die gepflegte politische Diskussion auf Augenh\u00f6he zwischen Mannschaftsdienstgrad und Stabsoffizier. Sie soll Werte und Normen vermitteln, die dem Soldaten die notwendige H\u00e4rte und Kampfbereitschaft vermitteln und erlernen lassen, die er braucht, um den Kampf und das Gefecht nicht nur zu bestehen, sondern zu gewinnen.<\/p>\n<p>Innere F\u00fchrung ist deshalb kein Selbstzweck. So will all unser Tun sich am Ende daran messen lassen, ob es dazu beitr\u00e4gt, kampfbereite Streitkr\u00e4fte vorzuhalten. Dessen war sich Baudissin bewusst. Seine Schlussfolgerung: \u201eDer Soldat wird erst dann ein H\u00f6chstma\u00df an abwehrbereiter Kriegst\u00fcchtigkeit entwickeln [\u2026], wenn er sich aus staatsb\u00fcrgerlicher Einsicht unterordnet und der Gemeinschaft gegen\u00fcber verantwortlich f\u00fchlt. Dies l\u00e4sst sich nur dadurch erreichen, dass der Einzelne w\u00e4hrend des Dienstes das erlebt, was er notfalls verteidigen muss.\u201c<\/p>\n<p>Wichtig ist zu verstehen, dass diese F\u00e4higkeit zum Kampf in der Bundeswehr eine ethische Einordnung erf\u00e4hrt. Baudissin erinnert die Soldaten daran: \u201eMenschlichkeit ist nicht teilbar. Soll sie nur noch bestimmten Gruppen vorbehalten bleiben, so wird sie ganz und gar verloren gehen. Der Soldat, der keine Achtung vor dem Mitmenschen hat, \u2013 und auch der Feind ist sein Mitmensch \u2013 ist weder als Vorgesetzter, noch als Kamerad oder als Mitb\u00fcrger ertr\u00e4glich.\u201c<\/p>\n<p>Ich hoffe, dass Sie wissen, dass Sie im besten Deutschland leben d\u00fcrfen, dass es je gab. Und dass dieses Deutschland es wert ist, es zu verteidigen und zu sch\u00fctzen. Fritz Dietlof Graf von Schulenburg, einer der M\u00e4nner des 20. Juli hat es so formuliert: \u201eIch sp\u00fcre, da\u00df ich mit gro\u00dfer, hei\u00dfer Liebe mit Deutschland verwachsen bin, so stark, da\u00df ich manchmal meine, ich sp\u00fcrte, wie es lebt und atmet, (&#8230;). Und ich sehe es als hohe Aufgabe an, die ein Menschenleben wert ist, es in seiner Vielgestaltigkeit begreifen zu lernen, so dass man daf\u00fcr k\u00e4mpfen und sich opfern kann.\u201c<\/p>\n<p>An die Toten und Gefallenen. An die Verwundeten. Ihr seid nicht vergessen. Wir denken heute an Euch. Und ganz besonders an die drei gefallenen Kameraden des Karfreitagsgefechts. F\u00fcr Christen ist der Karfreitag ein besonderer Tag. Jesus ist am Kreuz gestorben f\u00fcr uns. Und er ist auferstanden. F\u00fcr Christen ist dieser Tag der Trauer deswegen immer auch mit Hoffnung verbunden. Das kann tr\u00f6stlich sein. Und allen, die Trost suchen, w\u00fcnsche ich, dass Sie ihn finden. Bei Gott oder in der Familie, bei Freunden oder Kameraden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3758\" aria-describedby=\"caption-attachment-3758\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3758\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/342__1TK3855_ed_c.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"1000\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/342__1TK3855_ed_c.jpg 1500w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/342__1TK3855_ed_c-600x400.jpg 600w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/342__1TK3855_ed_c-800x533.jpg 800w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/342__1TK3855_ed_c-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/342__1TK3855_ed_c-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3758\" class=\"wp-caption-text\">Gedenken an gefallene Soldaten am 19.06.18 in Mazar-e Sharif (Afghanistan) im Camp Marmal. \/ Foto: Tobias Koch<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ich w\u00fcnsche mir, dass wir nicht nur den Karfreitag oder den 2. April nutzen, um an die Toten von Isah Kehl zu erinnern. Sie sind gr\u00f6\u00dfer als das. Sie geh\u00f6ren in eine Reihe mit allen, die bereit waren, Ihr Leben einzusetzen, damit wir in Frieden und Freiheit leben k\u00f6nnen. Deshalb denken wir an \u00fcber 3000 M\u00e4nner und Frauen.<\/p>\n<p>Dieses Jahr wird sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 75. Mal j\u00e4hren. Der Volkstrauertag wird unter diesem Zeichen stehen. Und es ist gut, dass wir die Toten der Weltkriege, die Opfer von Krieg und Gewalt, die toten Soldaten nicht vergessen.<\/p>\n<p>Aber in Zukunft muss der Volkstrauertag mehr noch als bisher Raum geben f\u00fcr das Gedenken an die Toten der Bundeswehr. Wenn wir alle zusammen, nicht nur die Angeh\u00f6rigen der Bundeswehr und ihre Familien, sondern wir als Gesellschaft, am Volkstrauertag innehalte, gedenken, danken, dann werden die, die gestorben und gefallen sind, wissen, dass sie nicht vergessen sind.<\/p>\n<p>Den Toten die Ehre. Den Lebenden zur Mahnung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Meine sehr verehrten Damen, meine Herren, liebe Familien und Angeh\u00f6rige, Soldatinnen und Soldaten, das Erinnern an das Gefecht bei Isah&hellip;<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"link-more\">\n\t<a href=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3757\" class=\"more-link\">\n\t\tWeiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Zum 10. Jahrestag des Karfreitagsgefechts&rdquo;<\/span>&hellip;\t<\/a>\n<\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3760,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"footnotes":"","_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false},"version":2}},"categories":[825],"tags":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/1TK3833_ed_1_peter_tauber__foto_tobias_koch_s.jpg","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p35WCI-YB","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3757"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3757"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3757\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3768,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3757\/revisions\/3768"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3760"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3757"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3757"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3757"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}