{"id":3641,"date":"2019-06-12T17:03:34","date_gmt":"2019-06-12T16:03:34","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3641"},"modified":"2019-06-12T17:03:34","modified_gmt":"2019-06-12T16:03:34","slug":"braucht-unsere-gesellschaft-die-kirchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3641","title":{"rendered":"Braucht unsere Gesellschaft die Kirchen?"},"content":{"rendered":"\n<p>Ist die in der \u00dcberschrift gew\u00e4hlte Frage mehr als\nnur eine rhetorische Frage? Sicher nicht f\u00fcr einen Christen. Manch einer wird\nschon die Frage als ein \u00c4rgernis empfinden. Aber in einer zunehmend\nahistorischen und entchristlichten Gesellschaft, in der der immer wieder zu\nh\u00f6rende Ruf nach der christlichen Pr\u00e4gung unseres Landes bisweilen doch klingt\nwie das Pfeifen im Walde, muss diese Frage nicht nur gestellt, sondern vor allem\nauch beantwortet werden. An einer solchen Antwort will ich mich versuchen.\nBraucht unsere Gesellschaft also die Kirchen?<\/p>\n\n\n\n<p>Die rechtliche Stellung der Kirchen in unserer\nGesellschaft ist klar geregelt. Zun\u00e4chst kann man rein rechtlich betrachtet zu\ndem Schluss kommen, dass mit dem Ende des Zweiten Deutschen Kaiserreichs und\nder Revolution 1918 das Staatskirchentum sein Ende fand, ein Staatskirchentum,\ndass \u2013 um genau zu sein \u2013 ja vor allem auf die evangelische Kirche fokussierte.\nIn dem in der Folgezeit neu zu gr\u00fcndendem Verh\u00e4ltnis von Staat und Kirche und mit\ndem Religionsverfassungsrecht unseres Grundgesetzes wurde die \u00dcberzeugung\nmanifestiert, dass die Trennung von Staat und Kirche gleicherma\u00dfen Distanz und Kooperation\ngebietet. Dies geschah in W\u00fcrdigung der Bedeutung, die christlicher Glaube,\nkirchliches Leben und diakonischer Dienst auch im religi\u00f6s neutralen Staat f\u00fcr\ndas Gemeinwohl und den Gemeinsinn der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger haben. Das \u00e4nderte\nsich eben auch nicht nach dem Zweiten Weltkrieg, denn zumindest in der Bundesrepublik\nherrschte die \u00dcberzeugung vor, dass die Kirchen und viel mehr noch der\nchristliche Glaube eine m\u00f6gliche moralische Grundlage bzw. institutionelles\nFundament zu sein h\u00e4tten, um nach der Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus\nDeutschland neu aufzubauen. <\/p>\n\n\n\n<p>Insofern kann man mit Fug und Recht sagen, dass die\nbestehenden v\u00f6lkerrechtlichen Vertr\u00e4ge zwischen Staat und Kirche eine klare\nSprache sprechen. In verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen \u2013 vom Milit\u00e4r\nbis hin zu den Bildungseinrichtungen \u2013 werden die Kirchen als Akteure gebraucht\nund nehmen Aufgaben wahr, die von Seiten des Staates nicht erledigt werden\nk\u00f6nnen. Doch die Antwort auf die Frage, ob unsere Gesellschaft die Kirchen\nbraucht, erschlie\u00dft sich ja nicht aus dem rechtlichen Rahmen. Zumal es dabei\nbleibt, dass das Kreuz das Zeichen Christi ist und kein staatliches Symbol.<\/p>\n\n\n\n<p>Unabh\u00e4ngig von dem gegr\u00fcndeten Verh\u00e4ltnis von\nKirchen und Staat ist festzuhalten, dass wir zwar ein s\u00e4kularer Staat sind,\naber eben weit davon entfernt, eine s\u00e4kulare B\u00fcrgergesellschaft zu sein. J\u00fcrgen\nHabermas hat darauf in seinen Gedanken zu Politik und Religion hingewiesen.\nDaraus entsteht ein Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen Staat, religi\u00f6sen B\u00fcrgern und\nnicht religi\u00f6sen B\u00fcrgern. Unsere Verfassung garantiert allen\nReligionsgemeinschaften den gleichen Freiraum, den diese freilich durch\nhistorische, kulturelle Pr\u00e4gung unserer Gesellschaft und auf der Grundlage\nihrer eigenen Verfasstheit unterschiedlich ausf\u00fcllen. W\u00e4hrend der Staat im\nVerh\u00e4ltnis zu den Kirchen auf ein tradiertes Miteinander setzt, steht er mit\nBlick auf \u201eneue\u201c Religionen wie den Islam, die zudem keine den christlichen\nKirchen vergleichbare Verfasstheit haben, vor neuen Herausforderungen. Doch\nzur\u00fcck zu den Kirchen und ihrer Rolle in der Gesellschaft und zur\u00fcck zu\nHabermas.<\/p>\n\n\n\n<p>Der ber\u00fchmte deutsche Soziologe weist darauf hin,\ndass der Staat viel von seinen religi\u00f6sen B\u00fcrgern, von den Christen, verlangt.\nEr schreibt den Religionsgemeinschaften, den Kirchen eine \u201evitale Rolle in der\nB\u00fcrgergesellschaft\u201c und damit in \u201eder politischen \u00d6ffentlichkeit\u201c zu.<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Er fordert sie geradezu auf, ihre in religi\u00f6ser\n\u00dcberzeugung wurzelnde Haltung zu moralisch komplexen Fragen wie \u201eAbtreibung,\nSterbehilfe, vorgeburtliche Eingriffe in das Erbgut\u201c einzubringen. Zugleich\nm\u00fcssen religi\u00f6se B\u00fcrger aber im s\u00e4kularen Staat akzeptieren, dass \u201eder\npolitisch relevante Gehalt sich in einem von Glaubensautorit\u00e4t unabh\u00e4ngigen\nDiskurs behaupten\u201c muss (und das oft nicht kann).<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> Ein Beispiel hierf\u00fcr ist die Debatte um den Schutz\ndes Lebens an seinem Anfang und an seinem Ende. Die christliche Pr\u00e4gung unserer\nGesellschaft manifestiert sich eben nicht im Aufh\u00e4ngen von Kreuzen in\n\u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden, sondern viel mehr in der gesetzlichen Regelung zur\naktiven Sterbehilfe. <\/p>\n\n\n\n<p>Der liberale Staat mutet Christen zu, dass auf\nphilosophische Vernunft gest\u00fctzte Grunds\u00e4tze von Demokratie und Rechtsstaat\nGrundlage staatlichen Handelns sind, und nicht g\u00f6ttliche Wahrheit. Christen\nm\u00fcssen also den \u201eobjektiven Vorrang, den politische Entscheidungen im\nEinzelfall gegen\u00fcber religi\u00f6sen Grund\u00fcberzeugungen behaupten, mit dem\nsubjektiven Vorrang ihrer existentiellen, f\u00fcr sie selbst letztlich\nausschlaggebenden Glaubens\u00fcberzeugungen in Einklang bringen k\u00f6nnen\u201c, so\nHabermas.<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Das beschriebene Spannungsverh\u00e4ltnis ist nicht\neinseitig. Noch einmal J\u00fcrgen Habermas: \u201eDer liberale Staat muss auch den\ns\u00e4kularen B\u00fcrgern zumuten, religi\u00f6se Mitb\u00fcrger, die ihnen in der politischen \u00d6ffentlichkeit\nbegegnen, nicht nur als Person zu achten, sondern als Teilnehmer an der gemeinsamen\nPraxis des \u00f6ffentlichen Vernunftgebrauchs von Staatsb\u00fcrgern ernst zu nehmen.\nDie Zumutung besteht darin, dass s\u00e4kulare B\u00fcrger sich nicht der M\u00f6glichkeit\nverschlie\u00dfen sollten, in der artikulierten Sprache religi\u00f6ser Stellungnahmen\nund \u00c4u\u00dferungen gegebenenfalls Resonanzen eigener verdr\u00e4ngter Intuitionen\nwiederzuerkennen, darin als potentielle Wahrheitsgehalte zu entdecken, die in\neine \u00f6ffentliche, religi\u00f6s ungebundene Argumentation eingebracht werden\nk\u00f6nnen.\u201c<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Christen sind also\nein \u00c4rgernis f\u00fcr manch einen im \u00f6ffentlichen Diskurs, denn sie treten f\u00fcr ihre\nWerte und \u00dcberzeugungen ein. Und der Diskurs ist oft ein \u00c4rgernis f\u00fcr Christen,\ndenn l\u00e4ngst nicht mehr in jeder Frage kann man davon sprechen, dass christliche\nPositionen die Deutungshoheit f\u00fcr sich beanspruchen k\u00f6nnen. Erinnern wir uns: Schon der Apostel Paulus wusste, dass die Botschaft des\nMannes aus Nazareth, die Botschaft des Kreuzes, ein \u201e\u00c4rgernis\u201c ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Insofern stelle\nich mir die Frage, wie sich Politik und Kirche beeinflussen, nicht in erster\nLinie als Politiker und gew\u00e4hlter Volksvertreter. Ich stelle sie mir als\ngl\u00e4ubiger Christ, der erwartungsvoll und hoffnungsfroh darauf angewiesen ist,\nwas die Kirche f\u00fcr ihn bereith\u00e4lt und was Kirche in unserer Gemeinschaft\nleisten kann, ja auch muss, denn ich mit meiner Stimme alleine dringe kaum\ndurch. Ich brauche die Kirchen und die Gemeinde an meiner Seite. <\/p>\n\n\n\n<p>Was\nhei\u00dft das nun konkret mit Blick auf die Bedeutung der Kirchen in unserer\nGesellschaft? Rufen wir uns eine j\u00fcngst in den Medien und in den sozialen\nNetzwerken breit und sehr emotional gef\u00fchrte Debatte in Erinnerung: Offensichtlich\nempfand Ulf Poschardt, Chefredakteur einer wichtigen deutschen Tageszeitung,\ndie Botschaft des Kreuzes bei seinem letzten Gottesdienstbesuch am\nWeihnachtsfest 2017 ebenfalls als ein \u00c4rgernis, denn er schimpfte in einer ver\u00f6ffentlichten\nPolemik \u00fcber kirchliche Einmischung in Politik. Gerade aus dem rechtspopulistischen\nund dem kirchenkritischen Umfeld erhielt er, der selbst als Liberaler gelten\nkann, gro\u00dfen Zuspruch.<\/p>\n\n\n\n<p>Poschardts\nKritik entlarvt ihn selbst, denn offensichtlich hat er ein klares Bild, was\nAufgabe der Kirche ist: Verk\u00fcndung des Glaubens ohne Bezug zu den Ereignissen\nunserer Zeit. Gerade das Gegenteil ist aber Auftrag der Kirche in unserer Welt.\nWer nur noch zur Christmette am Heiligabend einen Gottesdienst besucht, der hat\nwohl bestimmte Erwartungen: Kerzen, traditionelle Lieder, eine Unterst\u00fctzung\ndes f\u00fchligen, friedvollen und famili\u00e4ren Moments, der Weihnachten umweht,\nKrippenspiel und die Lesung der Weihnachtsgeschichte. Manch ein Pfarrer wagt\ndann aber doch, genau das zu tun, was er sonnt\u00e4glich auch sonst zum Gegenstand\nseiner Predigt macht: Neben der Verk\u00fcndigung der frohen Botschaft eine\n\u00dcbersetzung auf das jetzt und hier.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit\nseiner Kritik, er habe bei vielen Predigten eher das Gef\u00fchl, bei einer linken\npolitischen Veranstaltung zu sein, als einem christlichen Gottesdienst\nbeizuwohnen, l\u00f6ste Poschardt eine Debatte aus, die leider schon wieder verebbt\nist. Das ist schade, denn so falsch seine Kritik an einer politischen Kirche\nist, so richtig ist es, die Rolle der Kirche in einer pluralistischen und\nvielerorts entchristlichten Gesellschaft zu diskutieren. Kirche darf und soll nicht\nparteipolitisch agieren. Und eine Predigt, die sich allein an den Ereignissen\nvon Fukushima abarbeitet oder den Einsatz von Glyphosat in der Landwirtschaft\nthematisiert, ohne den Gegenstand der Predigt in einen christlichen Kontext\neinzubetten, ist eben keine Predigt, sondern eine politische Rede und hat auf\nder Kanzel nichts zu suchen. Doch darum geht es nicht. Wenn Kirche nicht\nparteipolitisch agieren soll, so kann sie doch gar nicht anders, als politisch\nzu sein. In einer pluralistischen Gesellschaft leistet sie damit zugleich einen\nBeitrag zur Orientierung. Daf\u00fcr braucht es Kirche.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nKirche auf die zeitlose und gegenwartsfreie Verk\u00fcndigung der Heiligen Schrift\nreduzieren zu wollen, wie es Poschardt offensichtlich vorschwebt, ist deshalb falsch.\nKirche muss immer Partei ergreifen. Das ist vor allem f\u00fcr die evangelische\nKirche, niedergeschrieben im Stuttgarter Schuldbekenntnis 1945, die Lehre aus\ndem Versagen von Christen w\u00e4hrend des Nationalsozialismus. Treuer beten,\nbrennender lieben, fr\u00f6hlicher glauben und vor allem mutiger bekennen: das ist\nes, was Christen sich seitdem zum Ziel gesetzt haben. Ein ebenso eindrucksvolles\nBeispiel ist der Hirtenbrief der polnischen Bisch\u00f6fe an ihre deutschen\nAmtsbr\u00fcder im Jahre 1965, der ein erster Schritt zur Vers\u00f6hnung zwischen\nDeutschen und Polen nach dem zweiten Weltkrieg war. Und heute gibt es immer\nwieder neue Fragen f\u00fcr und an die Kirchen. So ist der Einzug einer\nrechtsextremen Partei in den Deutschen Bundestag deshalb eine neue\nHerausforderung. Es bleibt spannend zu beobachten, ob sie ihrer Aufgabe als\nmoralischer Kompass gerecht werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Haupts\u00e4chlich\nst\u00f6rt mich an der Kritik einer politischen Kirche, dass sie ahistorisch ist und\nverkennt, was christlicher Auftrag ist. Trotzdem k\u00f6nnen wir Poschardt und seinesgleichen\nf\u00fcr ihre Provokation dankbar sein, denn \u00fcber die Frage, was die Predigt eines\nGottesdienstes leisten soll und was unter einer politischen Kirche zu verstehen\nist, k\u00f6nnen wir uns aus meiner Sicht auch der Antwort auf die Frage ann\u00e4hern,\nwarum unsere Gesellschaft und damit auch die \u201ePolitik\u201c die Kirche braucht. <\/p>\n\n\n\n<p>Der\nregelm\u00e4\u00dfige Kirchg\u00e4nger und Gottesdienstbesucher wei\u00df, dass die Predigt ein\nzentraler Moment des (evangelischen) Gottesdienstes ist. Sie ist aber kein\ntheologisches Proseminar, keine Fortsetzung des Konfirmandenunterrichts und\nkeine Einweisung in Luthers Katechismus. Eine gute Predigt stellt anhand einer\nStelle aus der Heiligen Schrift einen Gegenwartsbezug her und hilft uns,\ndar\u00fcber nachzudenken, ob uns das Wort Gottes Orientierung und Hilfe bei den\nProblemen unserer Zeit ist \u2013 nicht nur f\u00fcr uns selbst, sondern auch im\nMiteinander mit unserem N\u00e4chsten.<\/p>\n\n\n\n<p>Seinen\nGlauben zu finden und zu leben kann nicht bedeuten, sich auszusuchen, was einem\ngut gef\u00e4llt, und bei dem zu bleiben, was irgendwie guttut. Die Kirchen k\u00e4men\nansonsten nicht mehr \u00fcber die Funktion eines Serviceunternehmens hinaus. Nein,\nGlaube bringt auch Konsequenzen mit sich. Nun mag manch einer einwenden, dass\nhierf\u00fcr zun\u00e4chst einmal eine religi\u00f6se Erziehung erforderlich sei, die von den\nhauptamtlichen Verantwortungstr\u00e4gern durchzuf\u00fchren sei. Nat\u00fcrlich tragen\nBisch\u00f6fe, Priester und Diakone Verantwortung, es ist aber falsch, dass der\nPfarrer vor allem dazu da ist, Grundregeln des christlichen Glaubens zu\nerkl\u00e4ren und zu vermitteln. Das w\u00e4re so, als wenn ich ernsthaft behaupte, der\nKoch sei daf\u00fcr da, den G\u00e4sten im Restaurant zu zeigen, wie man mit Messer und\nGabel isst.<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nZweite Vatikanische Konzil ist bei dieser Frage deutlich, wenn es die\nSelbstverantwortung der Gl\u00e4ubigen in den Mittelpunkt r\u00fcckt. Danach geh\u00f6rt es zu\nden Aufgaben eines Christen, seinen Glauben zu pflegen und zu vertiefen. Man\nk\u00f6nnte nun beklagen, dass das Bewusstsein f\u00fcr die Verantwortung des Einzelnen\nverlorengegangen sei, um im gleichen Atemzug die Verantwortung beim Pfarrer\nabzuladen. Doch Glaube darf nie bequem sein. In gleicher Weise, wie er uns Mut\nund Freude macht, muss er fordern und uns zweifeln, ja auch manchmal\nverzweifeln lassen an den Aufgaben und der \u201eRadikalit\u00e4t\u201c der frohen Botschaft.\nAuch darin manifestiert sich die Aufgabe der Kirche in unserer Gesellschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nmuss also die Frage gestellt werden, mit welcher Haltung man Christ sein\nm\u00f6chte. Mache ich es mir bequem im Glauben? H\u00e4ngt mein Glauben eher von meinen\nVorlieben, ja meinen politischen Vorstellungen ab? Ist mein Glaube, meine\nFr\u00f6mmigkeit nur ein Schmuckst\u00fcck, das ich bei passenden Anl\u00e4ssen wie eine\nMonstranz vor mir hertrage, weil es momentan in meine Biographie passt? In dem\nFall st\u00e4nde Glauben dann in einer Reihe mit der Mitgliedschaft in einem\nFu\u00dfballclub oder der Passion f\u00fcr schnelle Autos. Mit der christlichen Botschaft\nund Kirche hat das allerdings nicht mehr viel zu tun. Denn es ist egal, ob die\nFahne von Bayern M\u00fcnchen oder das Kreuz da h\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<p>Christsein\nfordert uns immer wieder neu. Die Botschaft von Liebe und Vers\u00f6hnung verlangt, das\neigene Handeln daran auszurichten und zwar in aller Konsequenz. Doch welche\nKonsequenzen sind das? Sind wir uns sicher? K\u00f6nnen wir das sein? Glauben\nbedeutet, sich stets zu hinterfragen. Martin Werlen, M\u00f6nch des Klosters\nEinsiedeln, erinnert uns daran, dass \u201eeine Kirche, in der alles klar ist, (&#8230;)\nnicht katholisch\u201c<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> ist.\nKirche ist also nicht nur f\u00fcr s\u00e4kulare B\u00fcrger, sondern auch f\u00fcr christliche\nB\u00fcrger manchmal ein \u00c4rgernis, mindestens anstrengend. Kirche hat \u00fcbrigens die\nKraft, uns immer wieder zu \u00fcberraschen. Wer h\u00e4tte gedacht, dass zu Beginn des\n21. Jahrhunderts ein Deutscher auf dem Stuhle Petri Platz nimmt? Und dies nicht\nnur gut 500 Jahre nach der Reformation, sondern auch nach dem nicht einmal ein\nMenschenalter zur\u00fcckliegenden Schrecken des Nationalsozialismus. Und noch\nbesser: Benedikt XVI. verzichtete von sich aus auf das Amt und machte Platz f\u00fcr\nden ersten Jesuiten, der den Namen Franziskus w\u00e4hlte und seitdem nicht nur\nkatholische Christen, sondern auch den Rest der Welt immer wieder\n\u00fcberrascht.&nbsp; Auch das ist Aufgabe der\nKirche in unserer Gesellschaft \u2013 zu \u00fcberraschen, Perspektiven zu \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieso\nemp\u00f6rt es manche, wenn die Kirche Partei ergreift? Sicher nicht nur, weil\nkirchliche W\u00fcrdentr\u00e4ger damit unsere private Komfortzone hinterfragen.\nOffensichtlich l\u00e4sst \u00f6ffentliche Kritik aus der Kirche auch die nicht kalt, die\nihr vermeintlich fernstehen. Woran liegt das? Eine Antwort kann die in\nDeutschland auch durch Luthers Lehre von den zwei Reichen besonders ausgepr\u00e4gte\nVorstellung sein, religi\u00f6ses Bekenntnis und weltlichen Alltag m\u00fcsse man\nvoneinander trennen. Luther pr\u00e4gt bis heute unser Denken \u00fcber das Verh\u00e4ltnis\nvon Staat und Religion. Auf der einen Seite steht das pers\u00f6nliche Verh\u00e4ltnis\ndes Menschen zu Gott und auf der anderen Seite sein Verhalten in der weltlichen\nGemeinschaft, die er zu st\u00fctzen und zu st\u00e4rken den Auftrag hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Hier\nist Vorsicht geboten! Unabh\u00e4ngig von der Frage der Richtigkeit von Luthers\nLehre ist es falsch, daraus abzuleiten, dass Kritik an weltlichen Zust\u00e4nden aus\nder Reihe der Kirche unbotm\u00e4\u00dfig sei. Das Gegenteil ist nach den Erfahrungen\nzweier Diktaturen mit Blick auf das Verhalten der Kirche in dieser Zeit\nrichtig. Wohlgemerkt: Eine politische Kirche ist gefragt, keine parteipolitische.\nAls evangelischer Christ und Christdemokrat sei der Einschub erlaubt, dass die\nKritik, dass manche Mitarbeiter und Pfarrer der evangelischen Kirche in ihrem\nDienst am Herrn eine dezidiert linke parteipolitische Orientierung nicht nur\ndurchscheinen lassen, durchaus ihre Berechtigung hat. Doch dies ist nicht der\nentscheidende Punkt, sondern es geht um das Grundlegende. <\/p>\n\n\n\n<p>Und noch\nein pers\u00f6nlicher Einschub sei gestattet: Mit Blick auf die so genannten\nC-Parteien gibt es ja ebenfalls ein Spannungsfeld. So verbunden sich\nChristdemokraten und Christsoziale den Kirchen f\u00fchlen, so deutlich wird dann\neben auch in politischen Debatte, wo dem Verweis auf die christliche Lehre\nRealpolitik gegen\u00fcbersteht. Doch gerade die Parteien mit dem C im Namen w\u00fcrden\nohne die Kirchen einen wesentlichen Resonanzboden verlieren, der sie\norientierungslos machen w\u00fcrde. Konrad Adenauer hat dieses Spannungsverh\u00e4ltnis\nzwischen Kirche, Christdemokraten, christlich und s\u00e4kular gepr\u00e4gten B\u00fcrgern so\nzusammengefasst: \u201eDie Christen m\u00fcssen sich engagieren. Viele andere m\u00fcssen uns\nw\u00e4hlen. Vor allem m\u00fcssen Christen f\u00fchren.\u201c<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a> Das\ngeht wieder nicht ohne die Kirchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das bis hierhin Gesagte kritisch\n\u00fcberpr\u00fcfend, hilft ein Perspektivwechsel. Eine Kritik an der Kirche, weil sie Positionen einnimmt,\ndie nicht den eigenen Auffassungen\nentsprechen, ist wohlfeil. Denn vielleicht ist es gar nicht die Kirche, die\nparteipolitisch wertet, sondern wir! Ruft die Kirche dazu auf, gegen\nstaatliches Unrecht in einer tyrannischen Diktatur vorzugehen, agiert sie\npolitisch, ohne kritisiert zu werden. Verteidigt sie hingegen das Kirchenasyl,\nso sehen darin gerade Konservative eine Grenz\u00fcberschreitung. Unterst\u00fctzt sie\nfriedliche Demonstrationen f\u00fcr Menschenrechte und Meinungsfreiheit, agiert sie\npolitisch, ohne kritisiert zu werden. Verteidigen kirchliche W\u00fcrdentr\u00e4ger das\nungeborene Leben, ergie\u00dft sich eine Hetzkanonade der politischen Linken \u00fcber\ndie Bisch\u00f6fe. Aber Kirche muss sich gerade deshalb zu allen Themen \u00e4u\u00dfern.\nWollen wir christliche Werte, die uns Kompass in allen Lebenslagen sind, in\nentscheidenden Fragen auf stumm schalten? <\/p>\n\n\n\n<p>Ein Christentum,\ndas nur noch im Privaten stattfindet, mag das zwischenmenschliche Miteinander\nf\u00f6rdern, aber es taugt nicht mehr als Widerstandskraft gegen das Schlechte in\nder Gesellschaft. Es braucht auch hier die Kirche als Stimme im \u00f6ffentlichen\nDiskurs.<em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die\ndrei wesentlichen Aufgaben der Kirche und eines Christen sind es, den Glauben\nzu bezeugen (<em>Martyria<\/em>), den Glauben zu feiern (<em>Liturgia<\/em>) und dem\nGlauben dienen (<em>Diakonia<\/em>). Voraussetzung f\u00fcr <em>Martyria<\/em> und <em>Diakonia<\/em>\nist stets die Gemeinschaft (<em>Koinonia<\/em>), also gerade nicht das Wirken im\nPrivaten. <\/p>\n\n\n\n<p>Darum\nging es auch Paulus. An erster Stelle stand bei ihm die Botschaft, Christus zu\nerkennen, zu begegnen. An der Botschaft von Liebe und Vers\u00f6hnung hatte sich\ndann das Handeln auszurichten. Die Frage, wie man mit Notleidenden, Kranken und\nBehinderten umgeht, leitet sich unweigerlich daraus ab. Sollen Pfarrer \u00fcber das\nGleichnis vom barmherzigen Samariter predigen, ohne unseren Umgang mit Menschen\nin Not, mit Fl\u00fcchtlingen zu thematisieren? Lauschen wir der Geschichte der\nSintflut, ohne \u00fcber die Folgen des Klimawandels nachzudenken? H\u00f6ren wir die\nBergpredigt, ohne dar\u00fcber zu sprechen, wo es unserer Gesellschaft an R\u00fccksicht,\nan Empathie, an Miteinander fehlt? <\/p>\n\n\n\n<p>Die\nbeiden wohl ber\u00fchmtesten christlichen deutschen M\u00e4rtyrer des 20. Jahrhunderts,\nAlfred Delp und Dietrich Bonhoeffer, haben uns deutlich gemacht, dass die\nPredigt eben genau das sein muss, was Poschardt und andere kritisieren: Konkret\nauf uns und unsere Lebenswelt bezogen. Alfred Delp mahnt: \u201eMan wird uns die\nBotschaft vom Heile nicht glauben, wenn wir nicht alles tun f\u00fcr die Heilung des\ngegenw\u00e4rtigen Lebens!\u201c<a href=\"#_ftn7\">[7]<\/a> Und\nBonhoeffer macht klar, dass das Christsein sich eben nicht in der Vorbereitung\nauf das ewige Leben nach dem Tode ersch\u00f6pft<em>:<\/em>\n\u201eMag sein, dass der J\u00fcngste Tag morgen anbricht, dann wollen wir gern die\nArbeit f\u00fcr eine bessere Zukunft aus der Hand legen. Vorher aber nicht.\u201c<a href=\"#_ftn8\">[8]<\/a><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Christen\nund die Kirchen haben also einen Gestaltungsanspruch. Klar muss dabei\ngleichwohl sein, dass die politische nie ohne die frohe Botschaft stehen kann. Eine\nPredigt auf die politische Botschaft zu reduzieren, schw\u00e4cht die geistliche\nAutorit\u00e4t der Verk\u00fcndiger des Evangeliums und reduziert das Evangelium auf ein\nschm\u00fcckendes Beiwerk in der politischen Auseinandersetzung. Gesetze und Moral\nfolgen aus der Begegnung mit Jesus Christus. Das Evangelium ist der tragende,\nja der letzte Grund. <\/p>\n\n\n\n<p>Religion\nbraucht und hat ihren Platz in unserer modernen Gesellschaft. Unser Land,\nunsere Geschichte sind gepr\u00e4gt vom Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen dem politischen\nund religi\u00f6sen Feld. Staat und Kirche m\u00f6gen sich institutionell trennen lassen,\nnicht jedoch die Botschaften. Religion ist kein Selbstzweck, sondern will in\ndie Gesellschaft hineinwirken. Deswegen muss auf der Kanzel \u00fcber den\nKlimawandel, Kriege und Waffenexporte, den Umgang mit den Schwachen in unserer\nGesellschaft, den ma\u00dflosen Reichtum unserer Zeit, \u00fcber Medien, die f\u00fcr\nSchlagzeilen die W\u00fcrde von Menschen mit F\u00fc\u00dfen treten, selbstgerechte Politiker\nund falsche Vorbilder gesprochen werden. Das ist gewollt. Andernfalls\n\u00fcberlassen wir einer Ethik ohne religi\u00f6ses Fundament das Feld, ja wir\nverzichten im Zweifel auf jede Ethik und Moral. Die Folgen\nf\u00fcr eine Gesellschaft, die sich zunehmend von Tugenden und moralischen\nAnspr\u00fcchen losl\u00f6st, sind an den grundlegenden politischen, \u00f6konomischen und\nsozialen Problemen abzulesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ernst-Wolfgang\nB\u00f6ckenf\u00f6rde hat festgestellt, dass \u201eder\nfreiheitliche, s\u00e4kularisierte Staat von Voraussetzungen (lebt), die er selbst\nnicht garantieren kann.\u201c<a href=\"#_ftn9\">[9]<\/a> J\u00fcrgen Habermas springt B\u00f6ckenf\u00f6rde bei. F\u00fcr ihn ist\nzweifelhaft, dass die philosophisch hergeleitete \u201eVernunftmoral\u201c, auf die sich\ndie verfassungsrechtliche Integration weitgehend s\u00e4kularisierter Gesellschaften\nin letzter Instanz st\u00fctzt, ausreichend ist.<em>\n<\/em>In meinen Worten: Es kann nicht Aufgabe des Gesetzgebers sein,\nbeispielsweise \u201eN\u00e4chstenliebe\u201c oder \u201eBarmherzigkeit\u201c zu definieren und\ndurchzusetzen. Unsere Verfassung und die im Grundgesetz niedergelegten Werte\nsowie unsere Rechtsordnung leben deshalb von der Existenz der Kirchen, des\nChristentums und seiner unsere Gesellschaft nach wie vor pr\u00e4genden Kraft. Als\nChristen wissen wir, dass Bergpredigt und die zehn Gebote im Gegensatz zum \u201eanything\ngoes\u201c des heutigen Zeitgeistes stehen. Und Luther hat uns gemahnt: \u201eIch\nbeschw\u00f6re dich, wenn du recht vom Evangelium denkst, glaube nur nicht, seine\nSache k\u00f6nne ohne L\u00e4rmen, ohne \u00c4rgernis und Aufruhr betrieben werden.\u201c Da ist es\nwieder, das \u00c4rgernis, von dem auch Paulus sprach.<em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist\nAufgabe der Kirche, den Hass gegen\u00fcber Fl\u00fcchtlingen, das moralische Versagen\nvon so genannten Eliten, die Verrohung der Sprache im \u00f6ffentlichen Diskurs, die\nAusweglosigkeit mancher in Armut lebender Menschen oder die Gottlosigkeit und\nReligionsfeindlichkeit manch eines Zeitgenossen zu thematisieren und im\nweiteren Schritt das geistliche Fundament unseres Staates zu festigen. Das\ngeschieht in der Kirche, im Gottesdienst. Und nat\u00fcrlich soll man frohgemut mit\nLiebe und Hoffnung und im Glauben gest\u00e4rkt aus dem Gottesdienst gehen, aber\nnicht mit dem wohligen Gef\u00fchl, das man nach dem Genuss des Weihnachtsbratens\nhat. Dietrich Bonhoeffer hat erkannt: \u201eDie Predigt des Wortes Gottes ist die\neinzige ernsthafte Bedrohung einer stolz gewordenen Menschheit.\u201c<a href=\"#_ftn10\">[10]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht\nist es gerade das, was die Kritiker an einer politischen Kirche unserer Zeit\nst\u00f6rt. Wenn zum Beispiel die Kirchen im Zuge der Fl\u00fcchtlingspolitik daran\nerinnert haben, im Fl\u00fcchtling stets den N\u00e4chsten zu sehen, dann war immer klar,\ndass auch Christen in der Politik an dem absoluten Anspruch der christlichen\nBotschaft scheitern werden, denn nat\u00fcrlich waren und sind die M\u00f6glichkeiten\nunserer Gesellschaft angesichts des weltweit millionenfach verursachten Leides\ndurch Krieg und Flucht begrenzt. Sonst h\u00e4tte Angela Merkel ja nicht trotz aller\nHilfsbereitschaft im Herbst 2015 sofort Ma\u00dfnahmen ergriffen, um die Zahl der\nFl\u00fcchtlinge, die nach Deutschland kommen, zu reduzieren, ohne die Augen vor dem\nLeid zu verschlie\u00dfen, und Milliarden f\u00fcr die Fl\u00fcchtlingshilfe vor Ort zur\nVerf\u00fcgung zu stellen. Wer geglaubt hat, die Kirchen h\u00e4tten gefordert, auf\ngeeignete Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung von Fluchtursachen oder schnellere\nAsylverfahren zu verzichten, der hat sie aber nicht verstanden. Die Kirchen\nm\u00fcssen uns daran erinnern, was Gottes Gebot ist, und uns zugleich dem\u00fctig\nwerden lassen, weil wir nicht nur an dieser Stelle, sondern auch allzu oft\nsonst in unserem Alltag daran scheitern, seine Gebote zu erf\u00fcllen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nKirche zerst\u00f6rt deshalb die Selbstverliebtheit und den Stolz vieler\nZeitgenossen \u2013 gerade im politischen Berlin, in den Medien, wo zu viele f\u00fcr\nsich in Anspruch nehmen, sie h\u00e4tten verstanden und w\u00fcssten, was nun zu tun ist.\nDemut ist keine Tugend, die man in der Hauptstadt h\u00e4ufig antrifft. Die von der Kirche vorgetragene\nKritik, die gerade auch dieses Establishment st\u00f6rt, da sie deren Wahrheiten\nanzweifelt und ihnen \u201edie eine Wahrheit\u201c gegen\u00fcberstellt, offenbart,\ndass die im \u00f6ffentlichen Diskurs oft zynisch vorgetragene Kritik an den\nZust\u00e4nden in Wahrheit eine tiefe pers\u00f6nliche Unsicherheit verdeckt und keine\ndringend notwendige Selbstkritik darstellt. Sie f\u00fchrt all denen, die sonst\nvieles besser wissen und die auf alles eine Antwort haben, eins vor Augen:\nErl\u00f6sung gibt es nur durch Jesus Christus. Das erf\u00e4hrt man als Christ, darin\nwird man im Gottesdienst best\u00e4rkt, wenn man sonntags in die Kirche geht. &nbsp;<em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Martin\nWerlen erinnert uns an das von Augustinus aufgegriffene Wort Jesu, das er\nseinem eigenen Leben vorangestellt hat: \u201eIch bin gekommen, Feuer auf die Erde\nzu werfen. Wie froh w\u00e4re ich, es w\u00fcrde schon brennen.\u201c<a href=\"#_ftn11\">[11]<\/a>\nWir brauchen als Christen kein neues Feuer. Wir m\u00fcssen nur die Glut unter der\nAsche entdecken. Und dann kann das Feuer des Glaubens ausgehend von den Kirchen\nin unsere Gesellschaft hinein hell brennen \u2013 nicht gef\u00e4hrlich, sondern\nleuchtend, Hoffnung weckend und W\u00e4rme gebend. Es kommt auf die Glieder Jesu\nChristi an, wie andere auf dieses Feuer schauen. <\/p>\n\n\n\n<p>Zum\nSchluss gebe ich Martin Werlen das Wort: \u201eNehmen wir uns ein Beispiel an den\nHeiligen. Niemand wurde heiliggesprochen, weil er oder sie sitzen geblieben ist\noder der vergangenen Zeit nachgetrauert hat. Heilige stellen sich der\nSituation, die sie \u00e4rgert und provoziert, suchen darin Gottes Willen und finden\ndie Glut des Glaubens.\u201c<a href=\"#_ftn12\">[12]<\/a>\nJetzt bin ich sicher kein Heiliger. Aber es gibt sie, diese heiligen M\u00e4nner und\nFrauen in der Kirche. Das ist ein gutes Gef\u00fchl. Und auch deshalb braucht es\nKirche in unserer Gesellschaft.<br><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a>\nHabermas, <em>Politik und Religion, <\/em>in: <em>Politik und Religion: Zur Diagnose der Gegenwart<\/em>,\nhg. v. Friedrich Wilhelm Graf, Heinrich Meier, 2017, S. 289.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a>\nHabermas, <em>Vorpolitische Grundlagen des\ndemokratischen Rechtsstaates?, <\/em>in: Habermas, Ratzinger, <em>Dialektik der S\u00e4kularisierung: \u00dcber Vernunft\nund Religion<\/em>, hg. v. Florian Schuller, 2005, S. 36.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a>\nHabermas, <em>Politik und Religion, <\/em>in: <em>Politik und Religion: Zur Diagnose der\nGegenwart<\/em>, hg. v. Friedrich Wilhelm Graf, Heinrich Meier, 2017, S. 291<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a>\nHabermas, <em>Politik und Religion, <\/em>in: <em>Politik und Religion: Zur Diagnose der\nGegenwart<\/em>, hg. v. Friedrich Wilhelm Graf, Heinrich Meier, 2017, S. 293.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a>\nWerlen, <em>Heute im Blick<\/em>, 2017, S. 6.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a>\nP\u00fcttmann, <em>Gesellschaft ohne Gott<\/em>,\n2011, S. 269.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a>\nBleistein, <em>Alfred Delp: Geschichte eines\nZeugen,<\/em> 1989, S. 216. <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref8\">[8]<\/a>\nBonhoeffer, <em>Widerstand und Ergebung<\/em>, DBW Band 8, Seite 36.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref9\">[9]<\/a>\nB\u00f6ckenf\u00f6rde, <em>Staat, Gesellschaft,\nFreiheit<\/em>, 1976, S. 60.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref10\">[10]<\/a> Bonhoeffer, <em>Illegale Theologenausbildung: Sammelvikariate 1937-1940<\/em>, DBW Band 15, Seite 534.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref11\">[11]<\/a> Einheits\u00fcbersetzung der Heiligen Schrift (Stuttgart 2016),\nEvangelium nach Lukas 12, 49.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref12\">[12]<\/a> Werlen, <em>Heute im\nBlick<\/em>, 2015, S. 41.&nbsp; <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Ist die in der \u00dcberschrift gew\u00e4hlte Frage mehr als nur eine rhetorische Frage? 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