{"id":3601,"date":"2019-05-02T18:53:38","date_gmt":"2019-05-02T17:53:38","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3601"},"modified":"2019-05-03T11:33:38","modified_gmt":"2019-05-03T10:33:38","slug":"enter-the-matrix","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3601","title":{"rendered":"Enter the Matrix."},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Der Cyber-Informationsraum als neue Dom\u00e4ne der Konfliktaustragung im 21. Jahrhundert.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich will gleich mit einer\nAnnahme aufr\u00e4umen, zu der man kommen k\u00f6nnte, wenn man die \u00dcberschrift w\u00f6rtlich\nnimmt: Konflikte werden k\u00fcnftig nicht ausschlie\u00dflich digital ausgetragen.\nKriege, Katastrophen und Gewalt werden auch k\u00fcnftig anders als Computerspiele\nim wahrsten Sinne des Wortes handfeste Folgen f\u00fcr Menschen und ihr Leben, ihr\n\u00dcberleben haben. <\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir also die Matrix\nbetreten, wie die \u00dcberschrift suggeriert, dann beschreiben wir eine Welt, in\nder Maschinen und Menschen um die Vorherrschaft k\u00e4mpfen. Allerdings unter anderen\nVoraussetzungen, denn die Maschinen haben die Oberhand \u2013 zumindest im Film. Wir\nhingegen nutzen heute Maschinen und K\u00fcnstliche Intelligenz, um als Menschen\ngegeneinander zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den\nTitel des Vortrags hat Professor Carlo Masala formuliert. Ob es das Ziel war,\nneugierig zu machen, ob der Bezug auf die drei Filme ein Synonym f\u00fcr eine\nbedrohliche digitale Zukunft sein sollen, das habe ich nicht hinterfragt. Aber\nich gebe zu: Die Filme mag ich. Neo, der Auserw\u00e4hlte. Trinity, die an ihn\nglaubt, Morpheus, der ihn wie ein Vater begleitet. Und nat\u00fcrlich der f\u00fcr eine\ngute Geschichte obligatorische Verr\u00e4ter Cypher sowie der Kampf f\u00fcr das\n\u00dcberleben von Zion. Eine gut gemacht Science-Fiction Geschichte. Oder\nvielleicht mehr als das? Wir kommen darauf noch zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Digitalisierung\nbesch\u00e4ftigt mich in meiner politischen Arbeit seitdem ich dem Deutschen\nBundestag angeh\u00f6re. Im Jahre 2009 war ich Mitglied der Enquete-Kommission\nInternet und digitale Gesellschaft, gemeinsam mit anderen habe ich daf\u00fcr gestritten,\ndass wir seit 2013 einen eigenen Fachausschuss im Bundestag f\u00fcr Fragen der\nDigitalisierung haben. Und seit 2017 gibt es eine Staatsministerin f\u00fcr\nDigitalisierung im Kanzleramt. Eine Forderung der damaligen Enquete-Kommission.\n<\/p>\n\n\n\n<p>Es tut sich also etwas in der\ndeutschen Politik, wenngleich der israelische Historiker Yuval Harari nicht\nv\u00f6llig falsch liegt: <strong>\u201eDie\nRegierungsschildkr\u00f6te kann mit den technologischen Hasen nicht mithalten.\u201c<\/strong> Wir\nd\u00fcrfen also keineswegs zufrieden sein und stehenbleiben. <\/p>\n\n\n\n<p>Vor einigen Tagen habe ich die\nSchrift <strong>\u201eDigital Mensch bleiben\u201c<\/strong> von\nVolker Jung gelesen. Er ist kein ausgewiesener Digitalexperte, sondern der\nPr\u00e4sident der Evangelischen Landeskirche in Hessen und Nassau. Ein Kirchenmann,\nder \u00fcber Digitalisierung schreibt? Das soll uns weiterbringen? Es reicht, wenn\ndie Kirche sich um die Seelsorge und die Feldgottesdienste k\u00fcmmert, m\u00f6chte man\ndazwischenrufen. Das digitale Kampffeld ist eine Aufgabe der Streitkr\u00e4fte und\nNerds. Ob das stimmt, dar\u00fcber will ich mit Ihnen diskutieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Worum soll es heute gehen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Erstens:\nIch will Sie sensibilisieren f\u00fcr einen in der Menschheitsgeschichte nicht nur in\nseiner Geschwindigkeit einmaligen und fortdauernden Ver\u00e4nderungsprozess, zu dem\nwir uns verhalten m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens:\nIch will Ihnen einen \u00dcberblick geben \u00fcber das, was Deutschland, Europa und die\nNATO tun, um auf die digitale Revolution unter sicherheitspolitischen Aspekten zu\nreagieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Drittens:\nIch will mit Ihnen die entscheidende Frage in den Mittelpunkt stellen. Wie\nverhalten wir uns als Menschen? Was meint Resilienz in diesem Kontext?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die digitale Revolution findet statt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im\nJahr 2005 wurde Angela Merkel Bundeskanzlerin. Das erste iPhone kam erst 2007\nauf den Markt. Heute ver\u00e4ndert die Digitalisierung die Welt: 8,4 Milliarden\nGer\u00e4te sind derzeit weltweit mit dem Internet der Dinge verbunden, bald sollen\n50 Milliarden Ger\u00e4te miteinander vernetzt sein. Staat, Industrie und Gesellschaft\nsind von einem ungehinderten Zugang zum Netz abh\u00e4ngig. Cloud Computing, Big\nData, Industrie 4.0 sind die Stichworte. Und l\u00e4ngst sind Energie-, Wasser-,\nLebensmittel- und Gesundheitsversorgung ohne das Internet undenkbar. Eine\nfundamentale Ver\u00e4nderung in nicht mal einem Menschenalter!<\/p>\n\n\n\n<p>Machen\nwir uns bewusst: Um 50 Millionen Nutzer zu erreichen, brauchte das Radio 38\nJahre, das Fernsehen 13 Jahre, das Internet 4 Jahre und Facebook 3,5 Jahre!\nPrognosen sind deshalb schwierig. Die Geschwindigkeit und der damit\neinhergehende kulturelle Wandel \u2013 denn es bleibt nicht bei der technischen\nInnovation \u2013 sind dabei wesentliche Aspekte! Die OECD meldet dieser Tage, dass\njeder zweite Arbeitsplatz in Deutschland wegfallen oder sich ver\u00e4ndern wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine\nerste Begegnung mit der Digitalisierung war die elektrische Schreibmaschine im\nB\u00fcro meiner Mutter. Eine ganze Zeile konnte man dort speichern und korrigieren.\nDer digitale H\u00f6hepunkt meiner Teenagerzeit waren ein Spiel namens Frogger, bei\ndem man einen gepixelten Frosch \u00fcber eine viel befahrene Stra\u00dfe steuern musste.\nMeistens wurde er \u00fcberfahren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sehr sich unser Verhalten\nin nicht einmal einer Generation ver\u00e4ndert hat, sieht man im Alltag. Wie wir\neinkaufen, wie wir uns verabreden, wie wir uns im \u00f6ffentlichen Raum bewegen,\nwie sich die k\u00f6rperliche Belastbarkeit ver\u00e4ndert.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn Sie mich fragen, was das\nSchlimmste in meiner Grundausbildung war, dann kann ich nicht von drei Tagen\nBIWAK bei Dauerregen sprechen oder den f\u00fcnf Kilo extra, die man im\nKampfrucksack mit sich trug, weil man unerlaubterweise ein Snickers als\n\u201eZusatzverpflegung\u201c eingepackt hatte. <\/p>\n\n\n\n<p>Das schlimmste in der\nGrundausbildung war die lange Schlange vor der Telefonzelle. Und wenn man\ndirekt davorstand und es noch 20 Minuten bis zum Zapfenstreich waren und der\n\u201eKamerad\u201c, der gerade seiner Freundin ausgiebig von seinen Heldentaten\nberichtete, noch ein F\u00fcnfmarkst\u00fcck einwarf. Kein Kontakt nach Hause. Und am\nWochenende Streit: \u201eWarum hast du nicht wie versprochen angerufen?\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Es\nsind nicht nur diese \u201eKleinigkeiten\u201c, die sich ver\u00e4ndern. Die Folgen der\nDigitalisierung sind weitreichender. Der israelische Historiker Yuval Harari\nglaubt, dass mit der Digitalisierung das Ende der Religionen gekommen sei. Der\nMensch werde mittels der Digitalisierung selbst in g\u00f6ttliche Sph\u00e4ren vorsto\u00dfen.\nDer Dataismus, eine Art Datenreligion, werde an die Stelle der Religion treten,\ndenn diese h\u00e4tten keine Antworten auf die entstehenden neuen Fragen der\nMenschheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn\nwir \u00fcber die Matrix und \u2013 menschliche \u2013 Konflikte reden, dann m\u00fcssen wir deshalb\ngrunds\u00e4tzlich werden. Dann geht es um mehr, als um die Entwicklung neuer Technologie\nund deren Anwendung zur Generierung von Sicherheit. F\u00fcr uns gilt daher\nallgemein die Frage zu kl\u00e4ren: Was bedeutet der Wandel der Welt, die digitale\nRevolution f\u00fcr uns als Streitkr\u00e4fte? <\/p>\n\n\n\n<p>Auf\nden n\u00e4chsten Krieg bereitet man sich immer ausgehend von den Erfahrungen des\nletzten Krieges vor. Wenn wir nicht mit dieser \u201eRegel\u201c brechen, dann wird das\nfatale Folgen haben. Kriege und Konflikte werden l\u00e4ngst nicht mehr nur am\nBoden, in der Luft und auf dem Wasser gef\u00fchrt, sondern auch im Netz.<\/p>\n\n\n\n<p>Auftrag\nunserer Bundeswehr ist es also, zur Resilienz von Staat und Gesellschaft gegen\n\u00e4u\u00dfere Bedrohungen unter neuen Voraussetzungen beizutragen. Cyber-Resilienz ist\ndabei nur ein Aspekt und meint technisch die F\u00e4higkeit unserer Systeme und\nStrukturen, nach einem externen Schock in den Ursprungszustand zur\u00fcckzukehren oder\nsich an die durch den Schock verursachte Ver\u00e4nderung anzupassen und ihre\nKernaufgaben weiterhin zu erf\u00fcllen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Digitalisierung\nund die Streitkr\u00e4fte<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Aufstellung des\nKommandos Cyber- und Informationsraum im April 2017 haben wir gehandelt. Die Digitalisierung\ner\u00f6ffnet der Bundeswehr neue F\u00e4higkeiten und Chancen \u2013 sowohl physisch als auch\nvirtuell.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit welchen Herausforderungen\nsind wir konfrontiert? Es beginnt mit dem Aussp\u00e4hen von Informationen und Datendiebstahl,\ngeht \u00fcber Manipulation von Informationen oder Denial of Service und reicht bis\nhin zur physischen Zerst\u00f6rung von Infrastrukturen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und selbst\nwenn es sich nicht unmittelbar um kinetische Aktivit\u00e4ten handelt, kann Gefahr\nf\u00fcr Leib und Leben entstehen, bspw. durch einen Angriff auf die Krankenhausinfrastruktur.\nDie Verwundbarkeit von Staat und Gesellschaft durch Cyber-Angriffe hat sich in\nden letzten Jahren immer wieder gezeigt. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Allein die Bundeswehr verzeichnet am Tag\n4.500 sicherheitsrelevante Angriffe auf unsere Systeme.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Konflikte in der realen Welt \u00fcbertragen sich\nauf den Cyberraum. Sichtbar ist das hier bei uns in Europa! Russland\nnutzt Cyberangriffe nicht nur zur Informationsbeschaffung. Unsere baltischen\nVerb\u00fcndeten, aber auch unsere Soldaten in Litauen k\u00f6nnen aus eigener Erfahrung\nbeschreiben, dass im Netz t\u00e4glich \u201egek\u00e4mpft\u201c wird. Dabei bleibt es aber nicht.\nRussland finanziert \u00fcberall in Europa Parteien, deren Programm darauf angelegt ist,\ndie Einheit Europas zu zerst\u00f6ren \u2013 auch in Deutschland. <\/p>\n\n\n\n<p>Zwei\nBeispiele digitaler Propaganda seien hier genannt: Die Meldung, deutsche\nBeh\u00f6rden h\u00e4tten tschechische Prostituierte f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge angeworben, die dann\nmit Geschlechtskrankheiten zur\u00fcck in ihre Heimat gegangen seien und dort Freier\nangesteckt h\u00e4tten, ist zwar blanker Unsinn, hat aber in Tschechien f\u00fcr eine\nbreite Diskussion in sozialen Netzwerken gesorgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch\nbekannter ist der vielf\u00e4ltige Versuch, die Schuld Russlands am Abschuss des\nmalaysischen Flugzeugs zu verschleiern, oder gar der Ukraine zuzuschieben.\nNicht nur soziale Netzwerke transportieren die russische Propaganda, sondern\nauch \u201egekaufte\u201c Journalisten oder Propagandasender wie RT.<\/p>\n\n\n\n<p>Laut Erkenntnissen des franz\u00f6sischen Au\u00dfenministeriums kommen 80 Prozent aller Desinformationen aus Russland. Die Transatlantic Comission on Election Integrity unter Beteiligung des ehemaligen NATO-Generalsekret\u00e4rs Anders Rasmussen hat festgestellt, dass bis zu 20 Prozent der wahlbezogenen online-Kommunikation von Trollen oder Bots stammt. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Darknet\nfinden Sie \u201eDienstleister\u201c f\u00fcr gesteuerte Desinformation. Die Beeinflussung\neiner Wahl kostet 400.000 Dollar. F\u00fcr 200.000 Dollar werden \u00f6ffentliche\nProteste provoziert. Auch China nutzt langfristig und strategisch angelegt\nCyberangriffe mit dem Ziel der Aufkl\u00e4rung au\u00dfen-, sicherheits- und\nwirtschaftspolitischer Standpunkte und Handlungsoptionen. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der EAD (Europ\u00e4ische Ausw\u00e4rtige Dienst) hat, um auf diese Entwicklungen zu reagieren, die East StratCom Task Force ins Leben gerufen. Allein f\u00fcr das Jahr 2017 konnten \u00fcber 3.500 auf russische Desinformation zur\u00fcckgehende Falschmeldungen in den Medien identifiziert werden. L\u00e4ngst werden au\u00dfen- und sicherheitspolitische Absichten durch Cyber-Operationen flankiert. Ein drittes Beispiel war und ist \u00fcbrigens die Propaganda des so genannten Islamischen Staates.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie tun\nwir, um uns sch\u00fctzen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Fakt\nist: Bedrohungen im Cyber-Raum durch Hacker und Kriminelle sowie staatliche\nAkteure werden sich nie vollst\u00e4ndig verhindern lassen! Es geht um Resilienz und\neine effektive Abwehr von bzw. einen ad\u00e4quaten Umgang mit Cyber-Bedrohungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Verbesserung der Resilienz ist eine\ngesamtgesellschaftliche Aufgabe und keine technische Frage.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es\nbeginnt bei uns selbst! B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger m\u00fcssen einen Beitrag leisten, zum\nBeispiel durch ein erh\u00f6htes Augenmerk auf die Sicherheit unserer eigenen\nGer\u00e4te.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Wirtschaft\nist gefordert: IT-Sicherheit muss bei der Entwicklung eines Produktes von Beginn\nan mitgedacht werden. Produkte m\u00fcssen mit sicheren Grundeinstellungen\nausgeliefert werden (\u201eSecurity by Design\u201c und \u201eSecurity by Default\u201c). <\/p>\n\n\n\n<p>Die\nPolitik muss handeln. Die Bundesregierung agiert ressortabgestimmt in drei\nBereichen: Cyber-Abwehr (BMI), Cyber-Au\u00dfenpolitik (AA) und Cyber-Verteidigung\n(BMVg). Das sind wir.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Cyber-Abwehr\numfasst die zivilen Ma\u00dfnahmen zum Schutz von Informationen und IT-Systemen, zur\nBek\u00e4mpfung und Strafverfolgung von Cyber-Kriminalit\u00e4t sowie zur Spionageabwehr\nim Cyber-Raum.<\/p>\n\n\n\n<p>In der\nCyber-Au\u00dfenpolitik koordiniert das AA deutsche Interessen und Vorstellungen in\nBezug auf Cyber-Sicherheit in UN, OSZE, EU und NATO. Die Festlegung internationaler\nNormen gestaltet sich schwierig: W\u00e4hrend westliche Staaten die Anwendbarkeit\ndes V\u00f6lkerrechts im Cyber-Raum betonen, pochen Russland und China auf\nStaatensouver\u00e4nit\u00e4t im Internet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hauptaufgabe\nunserer Bundeswehr ist die Cyber-Verteidigung. Dazu z\u00e4hlen F\u00e4higkeiten zu\nAufkl\u00e4rung und Wirkung im Cyber-Raum und F\u00e4higkeiten zur Abwehr von\nCyber-Angriffen und damit zum Schutz eigener Informationen, IT, sowie Waffen-\nund Wirksysteme. Machen wir uns bewusst: Unsere Waffensysteme sind k\u00fcnftig nichts\nanderes als hochkomplexe fahrende, schwimmende und fliegende IT-Systeme. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sp\u00e4testens der Panzer der n\u00e4chsten\nGeneration ist ein digital vernetzter Computer mit Kanone.<\/strong><em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es wird immer wieder die Frage diskutiert, ob es eine erweiterte oder neue Rechtsgrundlage braucht, um der Bundeswehr im Cyberkrieg eine sichere Handlungsgrundlage zu geben. Wir sind der Auffassung, dass mit dem Parlamentsbeteiligungsgesetz und der verfassungsm\u00e4\u00dfigen Grundlage f\u00fcr die Landes- und B\u00fcndnisverteidigung Rahmenbedingungen vorliegen, die uns handlungsf\u00e4hig machen. Von zentraler Bedeutung f\u00fcr die St\u00e4rkung unserer Cyber-Resilienz sind insbesondere die pr\u00e4ventiven und reaktiven Ma\u00dfnahmen zum Schutz der IT-Infrastruktur.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein\nganz wesentliches Element ist das Zentrum f\u00fcr Cyber-Sicherheit der Bundewehr\nmit dem Cyber Security Operations Centre. Die Soldatinnen und Soldaten der\nDienststelle stellen die Sicherheit der IT-Infrastruktur von Bundeswehr und\nBMVg 24\/7 sicher. Sie beteiligen sich beispielsweise am nationalen Computer Emergency\nResponse Team (CERT).<\/p>\n\n\n\n<p>Eine\nNebenbemerkung sei gestattet: Die M\u00e4nner und Frauen, die wir f\u00fcr diese Aufgabe\ngewinnen wollen \u2013 auch als Quereinsteiger \u2013 zwingen uns, in der Rekrutierung\nneu zu denken. Nicht jeder Nerd, den ich zur Abwehr eines Hackerangriffs gerne\neinsetzen m\u00f6chte, bringt die k\u00f6rperliche Robustheit mit, die wir normalerweise\nvon Soldaten erwarten sollten. \u00dcber Berufs- und Universit\u00e4tsabschl\u00fcsse will ich\nda gar nicht sprechen. Und zugleich m\u00fcssen wir dem Anspruch manch eines\nSoldaten in diesem Bereich gerecht werden, der gerade das Milit\u00e4rische, den\nDienst in Uniform als erstrebenswert und reizvoll empfindet. Wir m\u00fcssen also\ngenerell st\u00e4rker fragen, was k\u00f6nnen M\u00e4nner und Frauen mit ihren individuellen\nF\u00e4higkeiten leisten und einbringen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zusammenarbeit zwischen Streitkr\u00e4ften,  Industrie und Wissenschaft<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Unsere\nCyber-Spezialistinnen und -Spezialisten stehen nicht nur im engen fachlichen\nAustausch mit Beh\u00f6rden im In- und Ausland, sondern auch mit der Industrie und\nder Wissenschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit\ndem Forschungsinstitut CODE wollen wir mithilfe aktueller und unabh\u00e4ngiger\nForschung innovative technische Neuerungen und Konzepte zum Schutz von Daten, Software\nund Systemen untersuchen. Durch die enge Kooperation mit Beh\u00f6rden und\nIndustriepartnern erm\u00f6glichen wir den Studierenden und Mitarbeitern am\nForschungsinstitut, beste Studien-, Forschungs- und\nQualifikationsm\u00f6glichkeiten. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch\nf\u00fcr mich sind \u00fcbrigens die laufenden Projekte spannend f\u00fcr meine t\u00e4gliche\nArbeit, wenn ich nur an das Projekt \u201eIT-Trendbeobachtung und Analyse f\u00fcr das\nBAAINBw aus universit\u00e4rer Sicht\u201c denke.<\/p>\n\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich\nwird in der Region Halle\/Leipzig eine neue Bundesbeh\u00f6rde, die Agentur f\u00fcr Innovation\nin der Cyber-Sicherheit, entstehen. Hier konzentrieren wir uns auf die Vergabe\nvon Forschungsauftr\u00e4gen sowie die Koordination, wenn es um Sicherheitstechnologien\ngeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Erw\u00e4hnt werden muss an dieser Stelle noch das Cyber Innovation Hub in Berlin sowie die zunehmende Zusammenarbeit mit unseren Verb\u00fcndeten und Partnern im Bereich Defensive Cyber-Space Operations, beispielsweise bei der deutsch-niederl\u00e4ndischen Kooperation Digitalisierung landbasierter Operationen oder mit Israel beim Stichwort \u201eCyber Dome\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Instrumente\nauf nationaler, EU- oder NATO-Ebene, um Cyber-Resilienz zu gew\u00e4hrleisten?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die\nvon mir beschriebene Aufgabenteilung klingt so, als ob BMI, AA und BMVg\nisoliert voneinander handeln. So war es in der Vergangenheit tats\u00e4chlich auch.\nDie Bearbeitung von Cyber-Vorf\u00e4llen fand in jeder Beh\u00f6rde im Rahmen der eigenen\nZust\u00e4ndigkeit statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei\nkomplexen Cyber-Vorf\u00e4llen ist Koordination unabdingbar, denn ein Cyber-Angriff\nkann sich an unterschiedlichen Orten gleichzeitig auswirken. Es ist zun\u00e4chst oft\nnicht feststellbar, ob es sich um technische Probleme, kriminelle\nCyber-Aktivit\u00e4ten oder einen staatlich gesteuerter Cyber-Angriff handelt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bundesregierung hat deswegen die Weiterentwicklung der bestehenden Strukturen hin zu einem Cyber-Abwehrzentrum Plus beschlossen. Dadurch schaffen wir ein klares Cyber-Lagebild, zu dem alle Ressorts die Ihnen vorliegenden Informationen und F\u00e4higkeiten beitragen. <\/p>\n\n\n\n<p>In\nfolgenden Schritten werden wir die Stakeholder in der Cyber-Sicherheit\nzusammenf\u00fchren (Bundeswehr, Polizeibeh\u00f6rden, Nachrichtendienste, BSI und CERTs,\nInternet Service Provider, Betreiber kritischer Infrastrukturen) und Strukturen\nf\u00fcr die Koordination bei der Bearbeitung von komplexen Cyber-Vorf\u00e4llen etablieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Es\ngeht nicht nur national: Die EU ist von enormer Bedeutung. Ein Beispiel ist die\nPESCO: Dort haben wir Projekte zur St\u00e4rkung der Cyber-Verteidigungsf\u00e4higkeiten\nder Mitgliedstaaten auf den Weg gebracht. Und mit der Cyber Diplomacy Toolbox\ngibt es eine Umsetzungsrichtlinien\nf\u00fcr gemeinsame diplomatische Reaktion der EU auf feindliche Cyberaktivit\u00e4ten von\nvorbeugenden Ma\u00dfnahmen bis hin zu Sanktionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nNATO entwickelt ihre Cyber-F\u00e4higkeiten ebenfalls weiter. So bietet das NATO\nCrisis Management System einen Rahmen f\u00fcr vorabgestimmte Ma\u00dfnahmen, die im\nFalle eines Cyberangriffs ergriffen werden k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>In der NATO besteht Einigkeit dar\u00fcber,\ndass ein Cyber-Angriff den B\u00fcndnisfall ausl\u00f6sen kann, wenn seine Auswirkungen\neinem bewaffneten Angriff gleichkommen. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aktuell\nfand im NATO-Zentrum f\u00fcr Cyberabwehr in Estland die j\u00e4hrliche \u00dcbung Locked\nShields statt. Rund 1.200 Experten \u2013 Soldaten und Zivilisten \u2013 aus 30 L\u00e4ndern\n\u00fcbten dort den digitalen Ernstfall.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie steht es um unsere Resilienz?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nbesch\u00e4ftigen uns mit russischen Trollfabriken, der vollst\u00e4ndigen digitalen\n\u00dcberwachung von B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern, dem Zugriff auf deutsche\nIT-Infrastruktur durch chinesische Konzerne. All das sind hoch aktuelle Fragen,\nund wir m\u00fcssen uns dazu verhalten. Aber das wird nicht reichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus\nmeiner Sicht geht es noch um weit mehr als um technische Fragen. Es geht um\nunser Denken, woran wir glauben, was wir f\u00fcr wahr halten, wem wir vertrauen,\nwas uns eint! Die Kernfrage, wie wir uns als Menschen im Verh\u00e4ltnis zur KI\nsehen, zur Maschine, werden wir beantworten m\u00fcssen. <\/p>\n\n\n\n<p>Tritt\nan die Stelle der Religionen der von Harari beschriebene und bereits erw\u00e4hnte\nDataismus? Angesichts der zunehmenden Bedeutung der Religionen in der Welt \u2013\nDeutschland ist da lediglich eine Ausnahme \u2013 und der Suche nach Sinn und Spiritualit\u00e4t\nbin ich skeptisch, ob Harari richtig liegt. Nun bin ich selbst ein religi\u00f6ser\nMensch. Den drei gro\u00dfen abrahamitischen Religionen, dem Judentum, dem\nChristentum und dem Islam, ist gemein, dass in den Heiligen Schriften der\nFrage, was den Menschen ausmacht, was der Mensch ist, die zentrale Bedeutung\nzukommt. Das Suchen nach Antworten auf diese Frage nimmt aus meiner Sicht eher\nzu \u2013 auch bei Menschen, die keiner dieser Religionen angeh\u00f6ren. Den drei gro\u00dfen\nWeltreligionen ist dabei gemein, dass sie im Menschen zugleich das G\u00f6ttliche\nund seine Schw\u00e4chen identifizieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Kennen\nSie die biblische Geschichte von Kain und Abel? Beide waren Br\u00fcder. Der eine\nt\u00f6tete den anderen aus Neid und Eifersucht. Aber es steht in der Bibel nicht\nwie. Vielleicht mittels eines Virus? Oder mittels moderner Drohnentechnologie? Oder\nin der Matrix? Ich sage das, weil ich nicht sicher bin, ob sich die grundlegenden\nFragen der Menschheit wirklich \u00e4ndern. Unabh\u00e4ngig von der Technik. Wir sind\nMenschen und wollen das Menschliche bewahren. Die Suche nach Sinn ist es, die\nMenschen antreibt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie erinnern sich.<\/strong> <strong>Wir befinden uns noch immer in der Matrix.<\/strong>\nUnd sicherlich liegt eine Faszination der Filme auch in den aufgezeigten\ntechnischen M\u00f6glichkeiten. Doch das ist nicht das Wesentliche. Der Sieg Neos\nliegt in der Besinnung auf das Menschsein. <\/p>\n\n\n\n<p>Die\nFilme sind, wem das noch nicht klar geworden ist, eine Allegorie auf das Neue\nTestament. Thomas A. Anderson lautet der Name Neos zun\u00e4chst. Rudiment\u00e4re\nGriechisch-Kenntnisse vorausgesetzt f\u00e4llt sofort auf, dass dieser Name\n\u201eMenschensohn\u201c bedeutet. So wie auch Jesus genannt wird. Und Neo ist schlicht\nein Anagramm f\u00fcr One, der Eine, der Auserw\u00e4hlte. Deutlich wird das gleich zu\nBeginn des Filmes, als Neo die gecrackte Software verkauft und die Person zu\nihm sagt: \u201eDu\nhast mich gerettet, Mann. Du bist mein Erl\u00f6ser!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die weiteren Analogien alle aufzuz\u00e4hlen, sprengt den Rahmen. Trinity ist\ndie Trinit\u00e4t Gottes zwischen Gottvater, symbolisiert in der Person des Morpheus\nund Neo, dem Sohn. Zwei Beispiele seien noch erw\u00e4hnt: Wo leben die freien, die befreiten Menschen? Im Mittelpunkt der Erde\ngibt es in Matrix die Stadt Zion \u2013 biblisch: die Stadt Gottes \u2013 der einzige Ort,\nan dem Freiheit herrscht, an dem die Matrix keine Macht hat. Und ist die Stadt\nZion, die Stadt Gottes, in der Bibel nicht der Ort, an dem wahre Freiheit\nherrscht? <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Tod und Auferstehung Neos finden ihr\nSpiegelbild in Jesus Christus. Neo opfert sich und nimmt seinen eigenen Tod in\nKauf, um die Menschheit zu retten.<\/strong><strong> <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fchrt zur Auferstehung, zum neuen Leben\nNeos? Es ist die Liebe!&nbsp;Die Liebe von Trinity. Trinity beugt sich \u00fcber Neo\nund gibt ihm den Kuss des Lebens \u2013 oder besser ihren Odem. Als Neo erwacht ist\nsein Aussehen ver\u00e4ndert. Der Zuschauer erf\u00e4hrt schnell, was er nun kann. Er\nfliegt, beherrscht feindliche Pistolenkugeln durch ein Wort aus seinem Mund:\n\u201eNein!\u201c Und Jesus hat seinen J\u00fcngern nach seiner Auferstehung gesagt: \u201eMir\nist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden.\u201c (Mt. 28,18) Die Macht der Matrix hingegen ist am Ende. Im Programmcode der Matrix taucht pl\u00f6tzlich eine Fehlermeldung\nauf:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u2026 SYSTEM FAILURE \u2026<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Neos Himmelfahrt beginnt am Schluss des Films, indem er die Augen zum Himmel hebt und in\ndie Wolken fliegt. Jetzt ist es an den Menschen etwas daraus zu machen. Der Weg\nist bereitet. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Damit\nsind wir wieder beim Thema. Was machen wir aus den Chancen der Digitalisierung?\nWelchen Gestaltungsspielraum gibt sie uns? Nutzen wir diesen oder lassen wir\nuns gefangen nehmen? <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Fragen Sie sich selbst, ob Sie Ihr Smartphone\neffektiv nutzen oder das Smartphone Sie f\u00fchrt und, wie es der Internetphilosoph\nJaron Lanier formuliert hat, Ihre sozialen Netzwerke eine gigantische\n\u201eZeitvernichtungsmaschine\u201c sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Ihre\nGeneration wird als \u201edigital native\u201c beschrieben. Sie w\u00e4hnen sich im Vorteil\ngegen\u00fcber ihren Eltern oder gar Gro\u00dfeltern, die offensichtlich mit diesem\nWandel schlechter zurechtkommen. Und das ist ja auch nicht ganz falsch. In\nWahrheit ist es aber so, dass gerade ihre Generation Probleme damit hat,\nDesinformationen als solche zu erkennen. Sie hat das kritische Denken nicht\ngelernt, das ist zumindest das Ergebnis einer Studie des Stanford-Wissenschaftlers\nSam Wineburg. Anders ist es auch nicht zu erkl\u00e4ren, dass jemand RT oder Sputnik\nf\u00fcr ernstzunehmende Quellen h\u00e4lt, deren Artikel man in sozialen Netzwerken\nteilen kann. Das ist ungef\u00e4hr so, als wenn wir fr\u00fcher die DDR-Zeitung Neues\nDeutschland oder die sowjetische PRAWDA in Bundeswehr-Kasernen zum Lesen\nausgelegt h\u00e4tten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Resilienz f\u00fcr die Freiheit bilden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wenn\nwir \u00fcber Resilienz reden, dann reden wir \u00fcber die F\u00e4higkeit der Menschen, sich\nder Manipulation durch diejenigen, die unsere Art zu leben zerst\u00f6ren wollen, zu\nentziehen und dem etwas entgegen zu setzen. Gem\u00e4\u00df dem Motto von Google \u201eDon\u2019t\nbe evil!\u201c m\u00fcssen wir uns f\u00fcr das Gute und Richtige entscheiden. Wir m\u00fcssen uns\nwieder bekennen. Zur Freiheit, zur Demokratie, zum Recht. Diese Prinzipien\nhaben es erm\u00f6glicht, dass die Menschen in Deutschland und Europa ein noch nie\ngekanntes Ma\u00df an Wohlstand und individueller Freiheit ein Leben lang, ein\nlanges Leben, genie\u00dfen k\u00f6nnen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wir leben im besten Deutschland, dass es\nje gab. Einigkeit und Recht und Freiheit sind Grundlagen und Voraussetzungen,\num den neuen Herausforderungen zu begegnen. <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Diese\nWerten und Normen werden angegriffen und infrage gestellt. Resilienz bedeutet,\ndass wir diese Prinzipien gegen alle Angriffe verteidigen. Das setzt die\nBereitschaft voraus, daf\u00fcr einen Preis zu zahlen. Es wird uns etwas kosten.\nDazu m\u00fcssen wir bereit sein. Fragen Sie sich selbst, ob Sie das sind? Und haben\nwir verstanden, dass es sein kann, dass wir alles verlieren, wenn wir nicht\nbereit sind, einen Preis zu bezahlen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ein\nBlick in die Geschichte lehrt uns, dass gr\u00f6\u00dfere Umstellungsphasen h\u00e4ufig mit\nKriegen verbunden sind. Menschen haben \u2013 vielleicht sogar zurecht aus ihrer\nindividuellen Perspektive \u2013 Angst vor dem Wandel. Wir haben es geh\u00f6rt: Jeder zweite\nJob in Deutschland wird laut der OECD wegfallen oder sich stark ver\u00e4ndern. Das\ndamit einhergehende \u201eKr\u00e4nkungspotential\u201c f\u00fcr das Individuum ist eine Gefahr f\u00fcr\nden sozialen Frieden. <\/p>\n\n\n\n<p>Das\nbedeutet, B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger m\u00fcssen nicht nur selbst einen Beitrag zur\nResilienz unserer Gesellschaft leisten, sie m\u00fcssen durch die Politik dazu\nbef\u00e4higt werden. Ein entsprechend strukturiertes Bildungssystem und ein\naktivierender Sozialstaat sind unverzichtbar. Ich glaube, dass wir angesichts\neiner zunehmenden \u00d6konomisierung des Bildungssystems hier die gr\u00f6\u00dfte Baustelle\nhaben. Werte und Normen, die zur Resilienz bef\u00e4higen, bilden im Erziehungskanon\nkeine hervorgehobene Rolle mehr. Es sind Werte, wie Soldaten sie lernen:\nDisziplin, Pflichtbewusstsein, Kameradschaft. Die Bundeswehr kann also im\nbesten Sinne Schule der Nation sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Resilienz\nim Sinne der \u00e4u\u00dferen Sicherheit kann deshalb in der digitalisierten Welt eben nicht\nan die Streitkr\u00e4fte \u201eausgesourct\u201c werden. Trotz der Aussetzung, nicht\nAbschaffung der Wehrpflicht ist der Satz von Gerhard von Scharnhorst aktueller\nund richtiger denn je. Wir sollten uns wieder bewusst machen, dass jeder B\u00fcrger\n\u2013 und heute auch jede B\u00fcrgerin \u2013 eines Staates die geborenen Verteidiger\ndesselben sind. Dazu m\u00fcssen Sie in der digitalen Welt nicht zwingend eine\nUniform tragen. In sozialen Netzwerken die Werte der Freiheit hochhalten, das kann\njeder! <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Resilienz ist eine Aufgabe f\u00fcr alle und\nnicht nur f\u00fcr die Streitkr\u00e4fte!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Resilienz\nhat deshalb mit den Menschen zu tun, nicht mit Technik. Und zur Wahrheit\ngeh\u00f6rt, dass selbst bei technischer \u00dcberlegenheit ein Sieg der Freiheit und des\nWestens nicht ausgemachte Sache ist. Freie Gesellschaften brauchen mehr Kraft\nals totalit\u00e4re Systeme, um in Konflikten zu bestehen, wie die Geschichte des\nKalten Krieges uns lehrt. Die gute Nachricht: Die Freiheit setzt Ressourcen und\nKr\u00e4fte frei, \u00fcber die nur freie Gesellschaften verf\u00fcgen. Deswegen ist die\nentscheidende Frage, was mir Menschen mitgeben, damit sie in der Matrix\nbestehen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jack\nMa, der chinesische Gr\u00fcnder von Alibaba, hat sich zehnmal in Harvard beworben\nund wurde immer abgelehnt. Auf die Frage, was er f\u00fcr wichtig h\u00e4lt, gibt er eine\nerstaunliche Antwort: Die Menschen m\u00fcssten zuvorderst Sport, Kunst und Musik\nlernen. Die Schule solle vor allem Kreativit\u00e4t f\u00f6rdern. Also sollen Menschen\ndas lernen, was Computer nicht k\u00f6nnen. Werte, \u00dcberzeugungen und N\u00e4chstenliebe!\nDas mache den Menschen aus. Daraus kann in der Tat auch Resilienz erwachsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und in\nder Matrix? Marvin Minsky, einer der Pioniere der K\u00fcnstlichen Intelligenz hat\nauf die Frage, wie schlaue Maschinen die Welt ver\u00e4ndern w\u00fcrden, geantwortet:\n\u201eWenn wir Gl\u00fcck haben, werden sie uns als Haustiere behalten.\u201c Und das hat er\nernst gemeint. <\/p>\n\n\n\n<p>Er ist\ndamit nicht alleine: Wolfram Henn, Professor f\u00fcr Humangenetik und Mitglied im\nDeutschen Ethikrat fordert: \u201eWir sollten uns (&#8230;) mit Szenarien einer\nCyber-Revolution aus dem Innern von Rechnersystemen befassen.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Aber\ndas ist dann erst das n\u00e4chste Kapitel in der Matrix. Bis dahin m\u00fcssen wir\ndarauf achten, dass der Mensch innerlich frei bleibt, dass Einigkeit und Recht\nund Freiheit die Grundlage f\u00fcr unser Zusammenleben und unsere Ordnung in\nDeutschland und Europa bleiben. <\/p>\n\n\n\n<p>Dazu braucht es die Resilienz unserer Gesellschaft, aber vor allem Streitkr\u00e4fte, die in ihrem Innern das Leben, was sie verteidigen sollen, wie es Wolf Graf von Baudissin formuliert hat. Nur dann werden wir abwehrbereit und kampff\u00e4hig sein und am Ende bestehen. Danke f\u00fcr Ihre Bereitschaft als junge Offiziere, sich in den Dienst dieses Kampfes f\u00fcr die Freiheit zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Vortrag gehalten an der Universit\u00e4t der Bundeswehr in M\u00fcnchen am 2. Mai 2019 auf Einladung von Professor Carlo Masala.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Der Cyber-Informationsraum als neue Dom\u00e4ne der Konfliktaustragung im 21. Jahrhundert. 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