{"id":3577,"date":"2019-03-15T13:00:13","date_gmt":"2019-03-15T12:00:13","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3577"},"modified":"2019-03-15T13:00:13","modified_gmt":"2019-03-15T12:00:13","slug":"innere-fuehrung-und-deutsches-soldatentum-im-21-jahrhundert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3577","title":{"rendered":"Innere F\u00fchrung und deutsches Soldatentum im 21. Jahrhundert"},"content":{"rendered":"\n<p>Teil\nder eigenen Geschichte der Bundeswehr ist die Innere F\u00fchrung. Mit ihr wollten\ndie Gr\u00fcnderv\u00e4ter der Bundeswehr eine neue Form der milit\u00e4rischen\n\u201eF\u00fchrungskultur\u201c etablieren. Die Innere F\u00fchrung stand dabei immer vor der\nHerausforderung, gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen zu adaptieren, wie zum\nBeispiel die \u00d6ffnung der Streitkr\u00e4fte f\u00fcr Frauen, und zugleich unter Beweis zu\nstellen, dass sie in einer schrumpfenden oder wachsenden, in der Wehrpflicht\nwie der Freiwilligenarmee, im Einsatz und der Landesverteidigung\n\u201efunktioniert\u201c. Zweifel daran gab es immer wieder. Gleichwohl hat sie sich in\nwechselvollen Zeiten immer wieder bew\u00e4hrt. Wie kommt das eigentlich? Worauf\ngr\u00fcndet sich die Innere F\u00fchrung? Es lohnt angesichts des 60. Jubil\u00e4ums des\nBeirats f\u00fcr Fragen der Inneren F\u00fchrung bei der Bundesministerin der\nVerteidigung ein Blick auf die Gedankenwelt der Begr\u00fcnder der Inneren F\u00fchrung\nund ihre immaterielle Grundlage. Dabei treten wichtige Erkenntnisse zutage und\nes zeigt sich, dass die Ideen der Inneren F\u00fchrung auch im 21. Jahrhundert\ntragen k\u00f6nnen, weil sie auf zeitlosen Werten deutschen Soldatentums gr\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMilit\u00e4risches F\u00fchrertum beruht nicht auf rationalem Kalk\u00fcl, spezialisiertem Fachwissen und technischer Routine, sondern auf hoher Geistigkeit, vereint mit Charakter und Seelenst\u00e4rke.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser\nSatz \u2013 wenngleich \u00e4lter, er stammt von Clausewitz \u2013 beschreibt, wie ich finde, sehr\ngut, was das Ziel der Inneren F\u00fchrung bis heute ist. Das Ziel ist \u201eein freier\nMensch, guter Staatsb\u00fcrger und vollwertiger Soldat\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nwenigsten Menschen sind das von sich aus. Wir sind gepr\u00e4gt durch Erfahrung,\ndurch Erziehung, durch Bildung und Ausbildung. Das macht uns als Menschen neben\nunserem eigenen Charakter, unserer Individualit\u00e4t aus. Im Soldaten den\nEinzelnen zu sehen und zu fragen, in welchem Umfeld er sein vor allem geistiges\nR\u00fcstzeug erwirbt, das war und ist der wesentliche Gedanke der Inneren F\u00fchrung. So\nsoll nicht nur der milit\u00e4rische F\u00fchrer bef\u00e4higt werden, sondern im Denken aller\nSoldatinnen und Soldaten Normen und Werte verankert werden, die es erm\u00f6glichen\nden Auftrag zu erf\u00fcllen und im Kampf zu bestehen, denn darum geht es am Ende\nauch in der Inneren F\u00fchrung.<\/p>\n\n\n\n<p>Verteidigungsminister Hans Apel hat das zusammengefasst, was den Soldaten der Bundeswehr ausmachen muss: \u201eSoldatische Pflichterf\u00fcllung und milit\u00e4rische T\u00fcchtigkeit sind nicht zu trennen von den politischen Zielen, denen sie dienen.\u201c Um es in eine aktuelle Debatte zu \u00fcbersetzen: Wer Reichsb\u00fcrger ist, der kann eben nicht Soldat der Bundeswehr sein. Ein Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung, versinnbildlicht durch die deutschen Farben, ist zwingend geboten und Grundvoraussetzung f\u00fcr treues Dienen. <\/p>\n\n\n\n<p>Doch\nwie kann man einer Armee \u2013 aufgebaut auf Befehl und Gehorsam als unerl\u00e4ssliches\nPrinzip milit\u00e4rischen Handelns \u2013 &nbsp;vermitteln, dass sie Demokratie, Aufkl\u00e4rung,\nFreiheit und dem Recht verpflichtet ist? Das funktioniert nur, wenn diese Werte\nf\u00fcr den Soldaten und die Soldatin erfahrbar werden. Im Dienst. <\/p>\n\n\n\n<p>Was\nsich heute als Herausforderung herausstellt, das war in seinen Anf\u00e4ngen nahezu\nunerh\u00f6rt und v\u00f6llig neu. Vor 60 Jahren galt es, eine Armee in der Demokratie\nund eine Armee der Demokratie aufzubauen. Historische Vorbilder gab es keine.\nDie Bundeswehr ist bis heute die einzige Armee weltweit, die sich auf einer\nNegativtradition gr\u00fcndet, n\u00e4mlich nicht so sein zu wollen wie die Wehrmacht.\nWie schwierig dieser Anfang war, zeigt sich unter anderem darin, dass in der\nPlanung lange von einer \u201eneuen Wehrmacht\u201c die Rede war. Sp\u00e4ter war die Wahl der\nSprache ein wichtiger Aspekt der Inneren F\u00fchrung. Und bis heute ist sie\nGegenstand von Diskussionen und bisweilen auch humorvoller Betrachtungen. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nhalte es f\u00fcr einen wichtigen Punkt Innerer F\u00fchrung, Dinge klar zu benennen. Es\nist richtig, dass wir wieder von \u201eGefallenen\u201c sprechen, weil so die\nGesellschaft versteht, dass die Umst\u00e4nde des Todes von Soldaten gewaltsam sind.\nOb es uns gelingt, die notwendige gesellschaftliche Debatte zu erreichen, wenn\nwir \u00fcber PESCO, VJTF23 oder FCAS sprechen, darf man getrost bezweifeln.\nBaudissin widmete der Sprache besonders viel Aufmerksamkeit. Wir sollten das\nheute aus unserer Sicht ebenfalls wieder st\u00e4rker tun.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch\nnoch einmal zur\u00fcck zu den Umst\u00e4nden, aus denen heraus die Innere F\u00fchrung\ngedanklich entstand. Die Bundeswehr war keine Kopie, keine Restauration. Etwas\n\u201egrundlegend Neues\u201c sollte geschaffen werden. Doch was war die Motivation \u00fcber\ndie organisatorische Neuaufstellung einer Armee hinaus \u00fcber das innere Gef\u00fcge,\ndie Haltung, das Miteinander von Soldaten neu nachzudenken?<\/p>\n\n\n\n<p>Wolf von Baudissin hat den Grund klar beschrieben: \u201eWir haben ernsthaft und redlich umzudenken und uns bewusst zu machen, dass der Soldat in allererster Linie f\u00fcr die Erhaltung des Friedens eintreten soll; denn im Zeitalter des absoluten Krieges mit seinen eigengesetzlichen, alles vernichtenden Kr\u00e4ften gibt es kein politisches Ziel, welches mit kriegerischen Mitteln angestrebt werden darf und kann \u2013 au\u00dfer der Verteidigung gegen einen das Leben und die Freiheit zerst\u00f6renden Angriff.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Doch war\ndas wirklich so unerh\u00f6rt neu? Oder auf welchen Werten und Ideen gr\u00fcndete,\nwelcher Ideen beriefen sich er und die geistigen V\u00e4ter der Inneren F\u00fchrung?<\/p>\n\n\n\n<p>Wie gesagt: Die Konzeption der Inneren F\u00fchrung schuf den Typ des modernen Soldaten, der \u201efreier Mensch, guter Staatsb\u00fcrger und vollwertiger Soldat zugleich\u201c, sein sollte. Dieser Anspruch ist zeitlos.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch\nwas bedeutet das heute? Der moderne Soldat handelt nicht isoliert und losgel\u00f6st\nin einem \u201ebezugsfreien Raum\u201c. Sein Bezugsrahmen ist die\nfreiheitlich-demokratische Grundordnung, das Grundgesetz und die geltenden\nGesetze der Bundesrepublik Deutschland. Er ist nicht nur der deutschen Nation\nverpflichtet, sondern auch der Staatsform, die sich die Deutschen 1949 gegeben\nhaben: der Republik.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Innere F\u00fchrung schuf also ein berufsethisches Ideal des verantwortlichen Soldaten, der sein Handeln an den Normen unseres Rechtsstaates orientiert. Er ist also nicht nur seinem Vorgesetzten verantwortlich, sondern es gibt eine Verantwortung die sich am Ende immer an den Ma\u00dfst\u00e4ben des Grundgesetzes und der darin niedergelegten Grundrechte messen lassen muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Davon ist klar zu unterscheiden der Soldat, der sich allein auf das milit\u00e4rische Handwerk konzentriert. Das ist nicht der Anspruch, den wir heute an die Frauen und M\u00e4nner in Uniform stellen. Dieser ist h\u00f6her. Der ehemalige Generalinspekteur Schneiderhahn hat es zugespitzt so formuliert: \u201eEin professioneller, hoch motiviert k\u00e4mpfender Soldat ohne Bindung an unsere Werteordnung ist letztlich nichts anderes als ein S\u00f6ldner.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Wir\nverlangen also viel von unseren Soldatinnen und Soldaten, denn diese Bindung an\nunsere Werteordnung kann nicht befohlen werden. Man muss sie sich selbst\nerarbeiten oder anerziehen. <\/p>\n\n\n\n<p>Hier\ngilt es daran zu erinnern: Die Innere F\u00fchrung sollte nie ein bevormundendes\nRegelwerk sein. Es geht in der Tat um Selbsterziehung! Und das verlangt viel\nvon den Soldatinnen und Soldaten. Manch einer m\u00f6chte aufzeigen und\nwidersprechen: Wie jetzt? Die Werteordnung ist f\u00fcr den Soldaten bindend, aber\ner muss sich selbst entsprechend erziehen? Eine klare Antwort: Ja! Freilich\nmuss der Dienstherr ihm dazu die M\u00f6glichkeit geben durch historische,\npolitische und ethische Bildung oder auch die Pflege von Tradition.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch gilt das auch f\u00fcr das milit\u00e4rische Handwerk? Ausdr\u00fccklich ja! Noch einmal Baudissin: Das Ideal ist nicht der \u201ehart erzogene\u201c, sondern der \u201esich selbst hart erziehende\u201c Soldat. Die Innere F\u00fchrung ist also nicht nur etwas f\u00fcr die gepflegte politische Diskussion auf Augenh\u00f6he zwischen Hauptgefreitem und Stabsoffizier. Sie soll Werte und Normen vermitteln, die dem Soldaten die notwendige H\u00e4rte und Kampfbereitschaft vermitteln und erlernen lassen, die er braucht, um den Kampf und das Gefecht nicht nur zu bestehen, sondern zu gewinnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer\nsich tiefer mit der Ideengeschichte der Inneren F\u00fchrung besch\u00e4ftigt, der wird\nfeststellen: Die V\u00e4ter der Inneren F\u00fchrung \u2013 allen voran Baudissin \u2013 griffen\nauf Werte zur\u00fcck, die weit vor den unseligen, unheilvollen Jahren des\nNationalsozialismus gegr\u00fcndet sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Die ethische\nFundierung des Soldatenberufs ist bei Baudissin christlich-protestantisch und\npreu\u00dfisch begr\u00fcndet. Das ist nicht unproblematisch, bedenkt man, dass unsere\nGesellschaft l\u00e4ngst multireligi\u00f6s ist und das historische Preu\u00dfen uns ja meist\neher verkl\u00e4rt oder diffamiert und selten so konkret begegnet wie in dem lesenswerten\nBuch \u00fcber Preu\u00dfen von Christopher Clark.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4re dieses Fundament also nicht Anlass genug, die Innere F\u00fchrung kritisch zu hinterfragen? Baudissin war in Tat gepr\u00e4gt durch das christliche Menschenbild und ein Preu\u00dfentum, dass er so definierte: \u201ePreu\u00dfen, so schwer und unter so viel Verzicht erk\u00e4mpft, lie\u00df [\u2026] eine spezielle Zuchtform entstehen [\u2026]. Ihr besonderer Adel besteht darin, dass sie die Unterordnung unter das Ganze mit innerer Freiheit und Selbstverantwortlichkeit des Menschen verbindet und somit jeden Dienst in die h\u00f6here Ebene \u00fcberzeugter Freiwilligkeit und damit unbegrenzter Opferwilligkeit erhebt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Genau dieses Ideal begegnet uns bis heute in der Inneren F\u00fchrung. Und \u201e\u00fcberzeugte Freiwilligkeit\u201c als Motiv des Dienens ist ein wunderbarer Begriff. Wir finden genau diese Werte \u00fcbrigens bei den M\u00e4nnern des 20. Juli, allen voran Henning von Tresckow, wieder. Er hat das damals in seinen Worten anl\u00e4sslich der Konfirmation seiner S\u00f6hne wie folgt formuliert: \u201eWahres Preu\u00dfentum hei\u00dft Synthese zwischen Bindung und Freiheit, zwischen selbstverst\u00e4ndlicher Unterordnung und richtig verstandenem Herrentum, zwischen Stolz auf das Eigene und Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Anderes, zwischen H\u00e4rte und Mitleid.\u201d Den Ausgleich, das richtige Ma\u00df und die Mitte zu suchen, das erkennt man in diesen Worten. Auch darum geht es eben in der Inneren F\u00fchrung. Nicht jedem wird bewusst sein, wie sehr die alten Preu\u00dfen in ihrem Denken also noch heute unsere Streitkr\u00e4fte pr\u00e4gen \u2013 und zwar im positiven Sinne.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wie ist das mit dem Christlichen bei Baudissin? Auch dazu gibt es ein, wie ich finde, unerh\u00f6rt starkes Zitat von ihm, das ich vor dem Hintergrund vieler gesellschaftlicher Debatten und einem Erstarken der politischen R\u00e4nder f\u00fcr au\u00dfergew\u00f6hnlich aktuell halte. Er erinnert die Soldaten daran: \u201eMenschlichkeit ist nicht teilbar. Soll sie nur noch bestimmten Gruppen vorbehalten bleiben, so wird sie ganz und gar verloren gehen. Der Soldat, der keine Achtung vor dem Mitmenschen hat, \u2013 und auch der Feind ist sein Mitmensch \u2013 ist weder als Vorgesetzter, noch als Kamerad oder als Mitb\u00fcrger ertr\u00e4glich.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Was f\u00fcr eine Kritik, was f\u00fcr ein hoher Anspruch ist das \u00fcber die Grenzen der Streitkr\u00e4fte hinaus? Der Wutb\u00fcrger, der PEGIDA-Demonstrant als unertr\u00e4glicher Mitb\u00fcrger. Baudissin verlangt ein Bekenntnis, er verlangt das Eintreten f\u00fcr die freiheitlich-demokratische Grundordnung ohne Wenn und Aber. Und der Soldat soll f\u00fcr diese Werte nicht nur innerhalb der Bundeswehr, sondern in der gesellschaftlichen Debatte das Wort ergreifen. Die Innere F\u00fchrung als Voraussetzung daf\u00fcr, dass die Bundeswehr Schule der Nation sein kann? Auf jeden Fall will Baudissin den m\u00fcndigen Offizier, der zu seiner Meinung steht und diese einbringt, wenn er fordert: \u201eDer Soldat und insbesondere der Offizier wird nur dann innerhalb und au\u00dferhalb der Bundeswehr die notwendige Autorit\u00e4t erlangen, wenn er auch dann zur Wahrheit steht, wenn sie etwas kostet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist\nwichtig, noch einmal klarzustellen: Die Innere F\u00fchrung ist kein exklusiv\nchristliches Konzept. Aber sie \u00fcbersetzt christliche Grundgedanken in s\u00e4kulare Werte.\nNiemand muss also preu\u00dfisch denken und Christ sein, um Grundgedanken der\nInneren F\u00fchrung zu verstehen und im Dienstalltag zu praktizieren. Aber wir sollten\nuns, wenn wir immer wieder \u00fcber Tradition diskutieren, doch der Wurzeln unseres\nDenkens bewusst sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie steht es nun heute um das \u201einnere Preu\u00dfentum\u201c, wie es Baudissin selbst genannt hat? Um die Innere F\u00fchrung? Kritik an der Inneren F\u00fchrung ist nichts Neues. Es gab sie in der Fr\u00fchphase \u2013 verschm\u00e4ht von alten Offizieren als \u201einneres Gew\u00fcrge\u201c, w\u00e4hrend des Kalten Krieges, und auch heute macht sich manch einer leichtfertig \u00fcber die Innere F\u00fchrung lustig, wenn junge Offiziere beispielsweise achselzuckend von \u201eOpas Ideen\u201c reden.<\/p>\n\n\n\n<p>Kritik,\nselbst wenn sie zugespitzt oder polemisch daherkommt, ist nicht zwingend schlecht!\nDie kritische und selbstkritische Auseinandersetzung \u00fcber die Sinnhaftigkeit\nsoldatischen Dienens ist schlie\u00dflich ein elementarer Wesenszug der Inneren\nF\u00fchrung. In welcher Armee der Welt k\u00f6nnen Mannschaften und Generale miteinander\nauf Augenh\u00f6he Grundfragen diskutieren, ohne dass daraus Nachteile f\u00fcr die\nUntergebenen resultieren? <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\nsehe ein anderes Problem: Negative Ereignisse wie Rechtsextremismus oder sexuelle\n\u00dcbergriffe werden mit dem Versagen der Inneren F\u00fchrung gleichgesetzt, w\u00e4hrend\nPositives nicht mit ihr in Verbindung gebracht wird. Ich erlebe allerdings solche\npositiven Beispiele t\u00e4glich; zuletzt in Litauen beim Besuch unserer Soldaten\ndort. <\/p>\n\n\n\n<p>Allerdings muss man immer wieder deutlich machen: Innere F\u00fchrung ist mehr als ein blo\u00dfer Ansatz zur Menschenf\u00fchrung, sondern beschreibt die Identit\u00e4t eines verantwortungsbewussten und konstruktiv-kritischen Soldaten im 21. Jahrhundert. Unsere Soldatinnen und Soldaten sind heuteVerteidiger des Vaterlandes und \u201ePeace-Aktivisten mit Gewaltaus\u00fcbungspotenzial\u201c, wie es Angelika D\u00f6rfler-Dierken in ihrer Schrift zu den \u201eEthischen Grundlagen der Inneren F\u00fchrung\u201c formuliert. \u00dcbrigens sehr lesenswert.<\/p>\n\n\n\n<p>Innere F\u00fchrung ist deshalb kein Selbstzweck. So will all unser Tun sich am Ende daran messen lassen, ob es dazu beitr\u00e4gt, kampfbereite Streitkr\u00e4fte vorzuhalten. Dessen war sich Baudissin bewusst. Seine Schlussfolgerung: \u201eDer Soldat wird erst dann ein H\u00f6chstma\u00df an abwehrbereiter Kriegst\u00fcchtigkeit entwickeln [&#8230;], wenn er sich aus staatsb\u00fcrgerlicher Einsicht unterordnet und der Gemeinschaft gegen\u00fcber verantwortlich f\u00fchlt. Dies l\u00e4sst sich nur dadurch erreichen, dass der Einzelne w\u00e4hrend des Dienstes das erlebt, was er notfalls verteidigen muss.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Was\nergibt sich aus dem Gesagten f\u00fcr die Innere F\u00fchrung im 21. Jahrhundert? Die Innere\nF\u00fchrung sieht den Soldaten nicht als Material, sondern als Menschen, schreibt\nAngelika D\u00f6rfler-Dierken.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei\nallen Herausforderungen des Dienstes darf die Achtung und F\u00f6rderung von Menschenw\u00fcrde\nund Menschenrechten nicht aus dem Blick geraten. Soldaten sind keine Figuren\nauf dem Rei\u00dfbrett.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei\nsoll die Innere F\u00fchrung totalit\u00e4re Tendenzen \u00fcberwinden helfen. Es geht eben nicht\num die Aufl\u00f6sung von Disziplin. Gerade deshalb soll nicht das gesamte\nSoldatenleben durch Befehl und Gehorsam geregelt werden. Damit geht eine\ngeistige Haltung einher, die Unterschiede und Spannungen aush\u00e4lt und nicht\neliminiert. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Innere\nF\u00fchrung hat daher die \u201evern\u00fcnftige Einsicht\u201c zum Ziel. Es geht darum, die Identifikation\nmit der T\u00e4tigkeit zu erm\u00f6glichen, die nur durch Sinnhaftigkeit entsteht. Dar\u00fcber\nsteht das Primat des Gewissens. Der Bundeswehrsoldat \u201egehorcht nicht um des\nGehorsams willen, sondern aus Gewissenhaftigkeit und Verantwortung; er dient\nnicht um des Dienens willen, sondern aus Mitverantwortung [\u2026].\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Das Gewissen ist dabei zentral. Schon Luther hat in seiner Schrift \u201eOb Kriegsleute auch in seligem Stande sein k\u00f6nnen\u201c formuliert: \u201eGutes Gewissen gibt Kampfkraft.\u201c Da begegnet uns das christliche Element erneut, denn schon Luther verlangt dem Soldaten ab, selbst zu bewerten, ob sein Kriegsdienst rechtm\u00e4\u00dfig ist. Die Innere F\u00fchrung soll ihn genau dazu in die Lage versetzen. Wehrkraft entsteht dann, wenn der Soldat nicht nur gut ausgebildet ist, nicht nur Kameradschaft erlebt, sondern die Werte, die er verteidigen soll, in der Kaserne, im Dienstalltag und dar\u00fcber hinaus in Beziehung zur Gesellschaft erlebbar sind. Soldaten der Demokratie, die Einigkeit und Recht und Freiheit verpflichtet sind, ben\u00f6tigen mehr denn je einen inneren Kompass und ein sicheres ethisches Urteilsverm\u00f6gen. <\/p>\n\n\n\n<p>Keine Frage: Die Innere F\u00fchrung steht immer wieder vor neuen Herausforderungen. Es geht nicht darum, ihre Erfolge und Highlights zu beschreiben. Hier gilt das Moltkewort: \u201eWenn man eine ruhmvolle Tat zu erz\u00e4hlen hat, so braucht man nicht zu sagen, dass sie ruhmvoll gewesen ist. Die einfache Darstellung des Verlaufs enth\u00e4lt das Lob.\u201c Die n\u00fcchterne Beschreibung der Geschichte und das Bewusstmachen der ideengeschichtlichen Wurzeln der Inneren F\u00fchrung k\u00f6nnen uns helfen, die richtigen Fragen und Antworten f\u00fcr eine Zukunft zu geben, in der die Innere F\u00fchrung ihren Platz im Gef\u00fcge der Streitkr\u00e4fte beh\u00e4lt. Das muss unser Anspruch sein. &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Teil der eigenen Geschichte der Bundeswehr ist die Innere F\u00fchrung. Mit ihr wollten die Gr\u00fcnderv\u00e4ter der Bundeswehr eine neue Form&hellip;<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"link-more\">\n\t<a href=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3577\" class=\"more-link\">\n\t\tWeiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Innere F\u00fchrung und deutsches Soldatentum im 21. 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