{"id":3410,"date":"2018-07-20T04:20:04","date_gmt":"2018-07-20T04:20:04","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3410"},"modified":"2018-07-20T05:12:16","modified_gmt":"2018-07-20T05:12:16","slug":"zur-sicherung-des-rechts-und-des-anstands-gehoert-die-anstaendige-behandlung-aller-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3410","title":{"rendered":"\u201eZur Sicherung des Rechts und des Anstands geh\u00f6rt die anst\u00e4ndige Behandlung aller Menschen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Heute j\u00e4hrt sich zum 74. Mal das Attentat von Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Adolf Hitler. Den 20. Juli erinnern wir heute als einen der gro\u00dfen Freiheitstage in der deutschen Geschichte.<\/p>\n<p>Dabei gedenken wir der M\u00e4nner und Frauen, die im Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime ihr Leben einsetzten. Sie sind uns heute Helden und Vorbilder und stifteten mit ihrer Tapferkeit, ihrem Mut und ihrer Treue Tradition f\u00fcr unsere Streitkr\u00e4fte und dar\u00fcber hinaus. Ganz besonders gilt dies f\u00fcr denjenigen, der das Attentat auf Hitler nicht nur plante, sondern auch zur Tat schritt: Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Das Attentat erreichte nicht sein Ziel: den Tod des Tyrannen. Noch gelang die Selbstbefreiung der Deutschen von der nationalsozialistischen Diktatur. Und trotzdem gilt es zu Recht als \u201eAufstand des Gewissens\u201c.<\/p>\n<p>Die milit\u00e4rische Lage Deutschlands war zum Zeitpunkt des Attentats und des Staatsstreichs vom 20. Juli 1944 bereits hoffnungslos. Diese Hoffnungslosigkeit dr\u00fcckte Generalmajor Henning von Tresckow, einer der Mitverschw\u00f6rer, so aus: <strong>\u201eDas Attentat auf Hitler muss erfolgen, um jeden Preis. Sollte es nicht gelingen, so muss trotzdem der Staatsstreich versucht werden. Denn es kommt nicht mehr auf den praktischen Zweck an, sondern darauf, dass die deutsche Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte unter Einsatz des Lebens den entscheidenden Wurf gewagt hat. \u00a0Alles andere ist daneben gleichg\u00fcltig.\u201c<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_3416\" aria-describedby=\"caption-attachment-3416\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3416\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6125_ed_c.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"1000\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6125_ed_c.jpg 1500w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6125_ed_c-600x400.jpg 600w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6125_ed_c-800x533.jpg 800w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6125_ed_c-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6125_ed_c-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3416\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Worte von Tresckows lassen in den Hintergrund treten, dass es an diesem Tag aber um mehr ging als um die Ehrenrettung Deutschlands. Das Ziel war nicht weniger als \u201eWiederherstellung der vollkommenen Majest\u00e4t des Rechts\u201c, wie es der Entwurf der Regierungserkl\u00e4rung der Verschw\u00f6rer verhie\u00df. Die Widerstandsk\u00e4mpfer hatten eine klare Vorstellung davon, wie sie Deutschland im Falle des Erfolgs politisch neu aufbauen wollten. Das Recht sollte wieder herrschen, das 1933 mit der Macht\u00fcbernahme Hitlers beseitigt worden war. Und es sollte seine Frieden stiftende Wirkung entfalten.<\/p>\n<p>Der 20. Juli und Stauffenberg f\u00fchren uns als Stern in dunkler Zeit vor Augen, dass der Nationalsozialismus nicht nur die gr\u00f6\u00dfte B\u00fcrde unserer Geschichte ist, sondern machen uns deutlich, dass Geschichte nicht linear verl\u00e4uft und dass es immer wieder M\u00e4nner und Frauen der Tat braucht, um richtig zu handeln.<\/p>\n<p>Vor dem 30. Januar 1933 war die Geschichte der Deutschen eine stete Entwicklung zu mehr Rechtsstaatlichkeit und Freiheit gewesen. Man kann das an Jahreszahlen festmachen und ich will uns nur einige in Erinnerung rufen, die auch heute traditionsstiftend f\u00fcr die Bundeswehr sind: 1813 Freiheitskriege und das Eiserne Kreuz, 1848\/49 Revolution und Paulskirchenverfassung, 1919 Gr\u00fcndung der Weimarer Republik und nat\u00fcrlich der Verfassungstag unseres Grundgesetzes, der 23. Mai 1949, der sich im kommenden Jahr zum 70. Mal j\u00e4hren wird. Es sind Momente der Freiheit, die in einer Linie stehen und die ihren H\u00f6hepunkt in der Freiheitsbewegung und dem Fall der Mauer 1989 und der Einheit der Nation 1990 fanden.<\/p>\n<p>Doch der 20. Juli 1944 ist auch ein sperriges Datum. Das hat wenig mit der Tatsache zu tun, dass das Attentat scheiterte. Fakt ist: Viele tun sich heute schwer, Taten gut zu hei\u00dfen, die mit Gewalt herbeigef\u00fchrt worden sind, auch wenn sie wie ein Tyrannenmord einen guten Sinn haben. Dabei ist manchen Angeh\u00f6rigen meiner Generation, die das Gl\u00fcck haben, in einer freiheitlichen Demokratie und in Frieden aufgewachsen zu sein, nicht so recht bewusst, dass Freiheit unter Umst\u00e4nden nicht nur mit Worten verteidigt werden muss.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3415\" aria-describedby=\"caption-attachment-3415\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3415\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6146_ed_c.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"866\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6146_ed_c.jpg 1500w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6146_ed_c-600x346.jpg 600w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6146_ed_c-800x462.jpg 800w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6146_ed_c-768x443.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6146_ed_c-1200x693.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3415\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sperrig ist das Datum auch, weil es uns teilweise sehr schwerf\u00e4llt, sich in die Gedankenwelt der Verschw\u00f6rer hineinzuversetzen. Die Verschw\u00f6rer des 20. Juli k\u00e4mpften f\u00fcr die Wiederherstellung des Rechts, aber sie hatten doch bisweilen Vorstellungen einer k\u00fcnftigen staatlichen Ordnung Deutschlands, die weit weg sind von der verfassungsgem\u00e4\u00dfen Ordnung des Grundgesetzes. Sie leitete ein Ehrbegriff, der heute manchem Zeitgenossen fremd ist \u2013 leider kann man hinzuf\u00fcgen. Das darf aber nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass das Attentat dem Grundgesetz den Weg ebnete. Auch deshalb geh\u00f6rt der 20. Juli 1944 zum festen Bestand der deutschen Erinnerungskultur.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Bundeswehr ist er zudem von herausragender Bedeutung: Der neue Traditionserlass spricht ausdr\u00fccklich den 20. Juli 1944 als Kernbestand unseres Traditionsverst\u00e4ndnisses an. Und er geht noch weiter. Der neue Erlass erlaubt zu fragen, wo die Traditionslinien eigentlich herkommen, auf die sich Stauffenberg und die Verschw\u00f6rer berufen? Es sind die preu\u00dfische Tradition und Werte, die von den Nazis missbraucht worden waren, die in der Tat und dem Denken der M\u00e4nner des 20. Juli lebendig sind. Die Treue zu einer \u00dcberzeugung, auch wenn sie mit Risiken behaftet ist, die Freiheit, die nicht nur zur Verantwortung bef\u00e4higt, sondern sie sogar einfordert. Diese von Stauffenberg und den M\u00e4nnern des 20. Juli wenn man so will rehabilitierten Werte finden sich bis heute wieder in der ethischen Verantwortung des Offiziers, wie sie sich im Staatsb\u00fcrger in Uniform und dem Prinzip der Inneren F\u00fchrung manifestieren.<\/p>\n<p>Der neue Traditionserlass weitet also den Blick auf die gesamte deutsche Milit\u00e4rgeschichte und die Zeit weit vor den dunklen Jahren des Nationalsozialismus.<\/p>\n<p><strong>Wichtig ist dabei die Erkenntnis, dass milit\u00e4risches Handeln nicht f\u00fcr sich steht, sondern immer wertegebunden ist \u2013 ob man will oder nicht.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_3414\" aria-describedby=\"caption-attachment-3414\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3414\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6162_ed_1_c.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"1009\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6162_ed_1_c.jpg 1500w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6162_ed_1_c-595x400.jpg 595w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6162_ed_1_c-800x538.jpg 800w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6162_ed_1_c-768x517.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6162_ed_1_c-1200x807.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3414\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Damit sind wir bei der entscheidenden Frage: Was sagt uns der 20. Juli heute, wenn wir nicht nur ein historisches Ereignis erinnern wollen? Das Milit\u00e4r war wesentliches Herrschaftsinstrument zweier Diktaturen in Deutschland im 20. Jahrhundert und deshalb kann f\u00fcr einen loyal der freiheitlich-demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland dienenden Soldaten die Armeen dieser Zeit nicht traditionsbildend sein. Es ist aber der M\u00fche wert, in dieser Zeit und erst recht in den Zeiten davor nach Vorbildern zu suchen, die \u00e4hnlich gehandelt haben, wie die M\u00e4nner des 20. Juli oder die durch ihre Taten f\u00fcr uns heute Tradition stiftend sein k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Milit\u00e4risches Vorbild kann heute nur sein, wer und was dem vom Gewissen und Werten des Grundgesetzes geleiteten Gehorsam entspricht. Nur diese Art des milit\u00e4rischen Gehorsams geh\u00f6rt zum ethischen Fundament unserer Streitkr\u00e4fte.<\/p>\n<p>Es gibt Stimmen \u2013 auch in der Bundeswehr \u2013 die sehen den Soldaten lediglich als \u201eFachmann\u201c. Das entspricht einem Trend unserer Zeit, einer voranschreitenden Spezialisierung der Arbeitswelt.<\/p>\n<p>Sicherlich, der Soldat lernt sein Handwerk, aber wir verlangen auch aufgrund des 20. Juli mehr von ihm. Soldaten sind nicht nur \u201eFachleute\u201c. Sie sind politisch \u2013 nicht im Sinne einer Parteipolitik, aber im Sinne, dass man von ihnen fordern kann und muss, dass sie in ihrem Tun als Staatsb\u00fcrger in Uniform, als B\u00fcrger f\u00fcr die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik eintreten. Sie tragen vor allem als Offiziere eine ethische Verantwortung.<\/p>\n<p>In der letzten Zeit gibt es vor allem in den sozialen Netzwerken den Versuch von Seiten der Rechtspopulisten, den Widerstand gegen Hitler umzudeuten, in einen allgemeinen Widerstand gegen Herrschaft. Nat\u00fcrlich muss man der damit einhergehenden Relativierung der Unrechtsherrschaft des Nationalsozialusmus entgegentreten. Dieser Versuch ist aber auch deshalb interessant, weil die M\u00e4nner des 20. Juli fr\u00fcher f\u00fcr Rechtsextreme schlicht Verr\u00e4ter waren. Aufgrund ihrer Popularit\u00e4t und der unbestrittenen Gr\u00f6\u00dfe ihrer Tat versuchen sich heute Rechtsextreme und auch Politiker der AfD zur Legitimierung ihrer eigenen politischen Ziele auf Sophie Scholl und die Helden des 20. Juli zu beziehen. Das ist ahistorisch und besch\u00e4mend. Wer zum Widerstand gegen die heutige politische Ordnung aufruft oder sie in Frage stellt, der kann sich gerade nicht auf die Verschw\u00f6rer berufen. Deutlich wird das vor allem durch einen Satz in der von Stauffenberg mit entwickelten Regierungserkl\u00e4rung. Dieser lautet: <strong>\u201eZur Sicherung des Rechts und des Anstands geh\u00f6rt die anst\u00e4ndige Behandlung aller Menschen.\u201c<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_3412\" aria-describedby=\"caption-attachment-3412\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3412\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6207_ed_c.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"1000\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6207_ed_c.jpg 1500w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6207_ed_c-600x400.jpg 600w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6207_ed_c-800x533.jpg 800w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6207_ed_c-768x512.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6207_ed_c-1200x800.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3412\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Man muss nicht nur soziale Netzwerke bem\u00fchen, sondern es reichen die Protokolle des Bundestages, um nachzulesen, dass dort jetzt eine Partei sitzt, die Menschen wieder in Gut und B\u00f6se einteilt: Deutsche und Fremde, Gesunde und Behinderte oder auch Christen und Muslime. Freilich sind sie unterschiedlich, aber man darf ihnen eben nicht einen unterschiedlichen Wert beimessen und ihnen unterschiedliche Rechte zubilligen will. Das f\u00fchrt nicht zur Herrschaft des Rechts, die Stauffenberg und die M\u00e4nner des 20. Juli wiederherstellen wollten, sondern zum Gegenteil.<\/p>\n<p><strong>Der 20. Juli selbst ist und bleibt ein zentraler Bezugspunkt der Traditionspflege der Bundeswehr. Man darf dabei eins nicht \u00fcbersehen: Sich auf den 20 Juli zu beziehen verlangt viel. Das geht weiter \u00fcber die Frage hinaus, ab wann man einem Befehl nicht mehr befolgen darf.<\/strong><\/p>\n<p>Was uns heute aber so klar scheint, war f\u00fcr Stauffenberg eine der entscheidenden Herausforderungen. Er wusste um den Bruch des Rechts, doch er rang nicht nur mit der Frage der Legitimit\u00e4t der Tat! Schlie\u00dflich hatten er und andere diesem Deutschland in Gestalt \u201edes F\u00fchrers\u201c unbedingten Gehorsam geschworen. Sie waren damit quasi Gefangene geworden. Die \u201everdammte Pflicht\u201c als feststehender Ausdruck soldatischen Sprachgebrauchs in dieser dunklen Zeit zeugt davon. Und wir erkennen einmal mehr: Hitlers Diktatur, \u00fcberhaupt die nationalsozialistische Ideologie, bedeuteten Tod \u2013 nicht f\u00fcr die Opfer des Regimes allein. Deren Leiden h\u00e4tte mit einem gegl\u00fcckten Attentat am 20. Juli 1944 ein Ende bereitet werden k\u00f6nnen. Im Jahr nach dem Attentat starben jedoch noch einmal so viele Menschen wie in den f\u00fcnf Kriegsjahren zuvor.<\/p>\n<p><strong>Der \u201eAufstand des Gewissens\u201c war Ausdruck des Selbstbehauptungsanspruchs der deutschen Nation.<\/strong> Stauffenberg und die Mitverschw\u00f6rer setzten ihr Leben genau aus diesem Grund ein. Und das war eben weit mehr als soldatische Pflichterf\u00fcllung im Kampf. Es war das Selbstverst\u00e4ndnis von Offizieren, die auch Staatsb\u00fcrger waren. Er selbst hat den Anspruch formuliert, dass der Soldatenberuf kein \u201enine to five Job\u201c ist und sich die Herausforderung dieses Berufs auch nicht mit der europ\u00e4ischen Arbeitszeitverordnung beschreiben l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Stauffenberg umreisst sein Berufsverst\u00e4ndnis in einem Brief an einen Kameraden folgenderma\u00dfen: Ihn erf\u00fclle <strong>\u201edie brennende Sorge und Liebe zur Sache\u201c. (&#8230;) \u201eNur der\u201c k\u00f6nne \u201esein Vaterland, nur der seine Armee liebe[n], der sich selbst mit seinem ganzen Dasein mit verantwortlich f\u00fchlt, der auch sein privates Leben, seine Familie, Kinder mit in diese Verantwortung einbezieht.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>General Dietrich von Choltitz, der Retter von Paris, kannte Stauffenberg, wusste um seinen fordernden Charakter und auch wie andere ihn bewunderten. Er sagte \u00fcber Stauffenberg: <strong>\u201eDer Stauffenberg war das Ideal der kommenden deutschen Jugend. Gescheit, ganz einfach, ein reizendes Familienleben, ein braver, christlicher, ehrlicher, tapferer Mann. Das war der Typ des deutschen jungen Menschen, der \u2026[in] die F\u00fchrung kommen muss.\u201c<\/strong> Legt man den eigenen Anspruch Stauffenbergs und seine Beschreibung durch Choltitz zugrunde, dann verlangen wir viel von unseren jungen Offizieren, wenn wir ihnen Stauffenberg als Vorbild voranstellen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3411\" aria-describedby=\"caption-attachment-3411\" style=\"width: 1500px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3411\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6217_ed_c.jpg\" alt=\"\" width=\"1500\" height=\"1074\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6217_ed_c.jpg 1500w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6217_ed_c-559x400.jpg 559w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6217_ed_c-800x573.jpg 800w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6217_ed_c-768x550.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2018\/07\/1TK6217_ed_c-1200x859.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3411\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Tobias Koch (www.tobiaskoch.net)<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr mich ist klar: Stauffenberg war ein Held. Helden sind Menschen, die \u00fcber sich hinauswachsen. Sie sind aber keine Heiligen. Helden handeln sicherlich nicht immer richtig. Und sie m\u00fcssen auch kein tadelloses Leben gef\u00fchrt haben. Sie werden zu Helden durch ihre au\u00dfergew\u00f6hnlichen Taten und damit zu Vorbildern. F\u00fcr Stauffenberg war es ein langer Weg voller Zweifel bis zur Tat &#8211; von der Bef\u00fcrwortung Hitlers bei dessen Macht\u00fcbernahme bis hin zur Entscheidung, ihn selber zu t\u00f6ten. Aber er ist den Weg bis zum Ende gegangen. Die Kraft, die F\u00e4higkeit, sich selbst infrage zu stellen und dann die Konsequenzen zu ziehen, Verantwortung zu \u00fcbernehmen, zu handeln wissend um die negativen Folgen: das ist es, was uns an ihm so fasziniert.<\/p>\n<p>Wie gesagt: Wir verlangen viel von unseren jungen Offizieren und Soldaten, wenn wir ihnen Stauffenberg als Vorbild \u201ehinstellen\u201c. Wir m\u00fcssen uns deshalb die Frage stellen, ob wir ihnen alles geben, was sie brauchen, um ihm nacheifern zu k\u00f6nnen. Die Wahrheit ist: Gesellschaft und Politik haben da Nachholbedarf, wenn man auf die letzten 20 Jahre schaut. Die erfolgreiche Umsetzung der Trendwenden Material und die Bereitstellung der notwendigen Haushaltsmittel werden ein Lackmustest. Und dazu tritt das innere R\u00fcstzeug, dass wir mit der Inneren F\u00fchrung und der Tradition den Soldaten an die Hand geben.<em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Generalleutnant Wolf Graf von Baudissin, einer der V\u00e4ter der inneren F\u00fchrung, hat abgeleitet u.a. aus dem Vorbild Stauffenbergs formuliert, was heute von einem Soldaten der Bundeswehr erwartet wird: <strong>\u201eDer Soldat und insbesondere der Offizier wird nur dann innerhalb und au\u00dferhalb der Bundeswehr die notwendige Autorit\u00e4t erlangen, wenn er auch dann zur Wahrheit steht, wenn sie etwas kostet.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Und genau dies ist es, was uns allen, die wir das Gl\u00fcck haben, in Frieden und Freiheit aufzuwachsen, an diesem Tag zu denken geben sollte.<\/p>\n<p>Unsere Zeit ist reich an Menschen, die sagen \u201eman m\u00fcsste mal\u201c oder \u201edie da oben\u201c. Wenn wir dieses Land noch besser machen wollen als es schon ist \u2013 und es ist auch Dank der M\u00e4nner des 20. Juli trotz ihres Misserfolgs das beste Deutschland das es je gab \u2013, dann braucht es Mut und Verantwortung und die Frage nach dem eigenen Handeln. In unserem Rechtsstaat, in einem Deutschland, dass \u201eEinigkeit und Recht und Freiheit\u201c in einem geeinten Europa dient, sollte es doch viel leichter sein, den Grund\u00fcberzeugungen und dem Verantwortungsethos eines Stauffenbergs nacheifern zu k\u00f6nnen, m\u00f6chte man meinen.<\/p>\n<p>Deshalb braucht es heute mehr Menschen in unserem Land, die sagen: \u201eIch mache.\u201c oder noch besser: \u201eIch diene.\u201c Auch deswegen sind viele Soldaten, die ich in der Bundewehr kennenlerne, vorbildlich. Sie haben bewusst oder unbewusst verstanden, was Stauffenberg uns auftr\u00e4gt. Eine Bundeswehr, die sich darauf besinnt, ist Schule der Nation. Und so verneige ich mich &#8211; mit und f\u00fcr die Bundeswehr &#8211; gerade an diesem Tag vor Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg und den M\u00e4nnern und Frauen des 20. Juli.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Heute j\u00e4hrt sich zum 74. Mal das Attentat von Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Adolf Hitler. 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