{"id":3293,"date":"2018-03-11T16:12:55","date_gmt":"2018-03-11T16:12:55","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3293"},"modified":"2024-10-14T09:07:57","modified_gmt":"2024-10-14T08:07:57","slug":"nachts-laufen-viele-kilometer-wunderbar-laufpeter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3293","title":{"rendered":"Nachts laufen, viele Kilometer, wunderbar. #lauflos"},"content":{"rendered":"<p>Manchmal ist es drau\u00dfen zu kalt oder eine Verletzung plagt einen. Manchmal braucht man einfach eine Pause. Wer dennoch nicht vom Laufen lassen will, der greift dann zum Buch. Keine schlechte Idee. Auch ich habe das getan und m\u00f6chte hier wieder vier B\u00fccher, die sich mit dem Laufen besch\u00e4ftigen, empfehlen.<\/p>\n<p><strong style=\"color: #000000 !important;\">Wigald Boning, Bekenntnisse eines Nachtsportlers, Hamburg 4. Auflage 2012.<\/strong><\/p>\n<p>Nein, die Bekenntnisse von Wigald Boning sind sicher kein erst gemeinter Ratgeber in Sachen Sport oder Laufen. Aber da ich selbst schon zu den unm\u00f6glichsten Zeiten die Laufschuhe geschn\u00fcrt habe, hat mich der Titel schon angesprochen, und er h\u00e4lt, was er verspricht! Anschaulich schildert Boning nicht nur die Ausreden, die einen zun\u00e4chst daran hindern, regelm\u00e4\u00dfig Sport zu machen. Und wunderbar zu lesen ist auch der \u00dcbergang hin zum Suchtfaktor Laufen. Irgendwann geht es nur noch um die Frage, wie man den t\u00e4glichen Lauf in den Tagesablauf integrieren kann, wie gut das Gef\u00fchl tut, wenn man fr\u00fch morgens, wenn andere erst wach werden, schon seine erste Runde absolviert hat. Doch Boning bel\u00e4sst es nicht beim Laufen. Es reicht ihm nicht, mitten in der Nacht aus dem Haus zu schleichen, um sowohl das Laufen als auch den Job und die Familie unter einen Hut bringen zu k\u00f6nnen. Es muss ein Marathon sein. Er bekennt sich: \u201eIch bin ein Suchtmensch.\u201c Und er schafft es, seinen Weg zum erfolgreichen Marathon unterhaltsam und humorvoll zu erz\u00e4hlen, egal ob ihn deutsche Schlager als Ohrwurm qu\u00e4len oder er beim ersten Nachtlauf nicht nur die stolz erworbene Stirnlampe zerlegt, sondern auch noch im Schneematsch v\u00f6llig durchn\u00e4sst deren Reste vom Boden aufsammelt. Doch der erfolgreich absolvierte Marathon reicht dem Suchtmenschen nicht. Das kennen viele L\u00e4ufer, die immer wieder den n\u00e4chsten Marathon ins Auge fassen, obwohl das urspr\u00fcngliche Ziel ja nur war, einmal im Leben einen Marathon zu laufen. Und manchen reicht ja selbst das nicht: Es muss ein Ultramarathon sein. Boning st\u00fcrmt in v\u00f6llig unzureichender Kleidung den Berg hinauf und bringt sich dabei ernsthaft in Gefahr. Er f\u00e4hrt 24 Stunden am St\u00fcck mit dem Rad und am Ende durchpfl\u00fcgt er zur Belustigung der Berliner schwimmend die Spree. Alles in allem ein wunderbar kurzweiliges Buch, f\u00fcr alle, die das Laufen und den Sport lieben.<\/p>\n<p><strong style=\"color: #000000 !important;\">Matthias Politycki, 42,195. Warum wir Marathon laufen und was wir dabei denken, Hamburg 2015.<\/strong><\/p>\n<p>Matthias Politycki? Das ist doch der \u201eAbenteurer der deutschen Gegenwartsliteratur\u201c, der vor allem eins kann: \u201egut schreiben\u201c, wie es Hajo Steinert vom Tages-Anzeiger formuliert hat. Und der hat ein Buch \u00fcbers Laufen geschrieben? Genauer gesagt ein Buch \u00fcber das Marathonlaufen? Ja, hat er. Schon die Gliederung macht Lust auf mehr. Die Einleitung ist mit \u201eStarterbreich\u201c \u00fcberschrieben. Er bekennt: \u201eNein, ich lebe nicht f\u00fcrs Laugen. Aber ohne Laufen w\u00e4re mein Leben nicht mein Leben, das schon.\u201c Das unterschreiben sicher viele passionierte L\u00e4ufer. Jedes weitere Kapitel stellt einen Kilometer eines Marathons dar. Und neben den Gef\u00fchlen, die den oder die L\u00e4uferin da beschleichen, pr\u00e4sentiert Politycki Interessantes und Anekdotisches rund um das Thema Laufen. Vom Color Run, bei dem man jeden Kilometer mit einer anderen Farbe bespr\u00fcht wird, hatte ich bis dato noch nie etwas geh\u00f6rt. Er warnt vor den Fallstricken des intensiveren Laufens. Denn f\u00fcr manche wird das Laufen vom lieb gewonnenen Hobby zur Passion. \u201eM\u00e4nner entwickeln als L\u00e4ufer ein Ern\u00e4hrungsbewusstsein wie ansonsten allenfalls Frauen mit einer Essst\u00f6rung.\u201c Da kann ich zum Gl\u00fcck nicht mitreden. F\u00fcr mich ist und bleibt Kuchen ein Hauptgrund, um die Laufschuhe anzuziehen. Jeder gute 10 Kilometerlauf rechtfertigt ein St\u00fcck Frankfurter Kranz. Der These seines Laufkumpanen Seb zufolge, nach der \u201eeine sch\u00f6ne Mitl\u00e4uferin (&#8230;) mindestens so leistungssteigernd wie ein Gel\u201c sei, kann ich allerdings schon eher etwas abgewinnen. Diese bei Kilometer 11 formulierte These wird bei Kilometer 35 mit einer britischen Studie untermauert, nach der M\u00e4nnern das Laufen angeblich leichter f\u00e4llt, sobald Frauen zusehen. Mit solchen Dingen kann man sich in der Tat wunderbar w\u00e4hrend eines langen Laufes ablenken und gerade bei Kilometer 35 braucht es die Ablenkung. Und Kurzweil und Ablenkung, auch manch Nachdenkliches bietet dieses wunderbare Buch. Wer bis in den \u201eZielbereich\u201c des Buches durchh\u00e4lt \u2013 und das d\u00fcrfte so schwer nicht sein -, wer selbst einmal einen Marathon beendet hat, der stimmt Politycki wohl zu. Er schreibt: \u201eF\u00fcr diesen einen Tag ist jeder ein besserer Mensch. Nichts ist mehr vorstellbar, um das man noch k\u00e4mpfen w\u00fcrde. G\u00e4be es nur L\u00e4ufer auf der Welt, es k\u00e4me nirgendwo mehr zum Krieg \u2013 jedenfalls solang man die L\u00e4ufer am Laufen h\u00e4lt.\u201c Nun, wenn man nicht l\u00e4uft, dann ist das Lesen dieses Buches eine gute Alternative anstatt einen Krieg anzufangen.<\/p>\n<p><strong style=\"color: #000000 !important;\">Mike Klei\u00df, Laufwunder. Wie sie dein Leben ver\u00e4ndern, G\u00fctersloh 2016.<\/strong><\/p>\n<p>Ich gebe es zu. Bei den beiden folgenden B\u00fcchern bin ich kein neutraler Rezensent. Mike Kleiss, der Autor, ist mein Freund. Er hat \u00fcber den Beginn unserer Freundschaft <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/sport\/fitness\/article138179088\/Wie-Peter-Tauber-gegen-den-Shitstorm-anlaeuft.html\">einen wunderbaren Beitrag geschrieben<\/a> und\u00a0da ist es nun folgerichtig, dass ich mal was zu seinen B\u00fcchern sage. In den Laufwundern kommt nun auch noch eine Geschichte mit mir vor. Was soll ich also sagen? Superbuch. Nein, im Ernst. Mikes zusammengetragene Geschichten hat er alle erlebt. Und selbst wenn das nicht immer hundertprozentig stimmen sollte, dann sind sie so sch\u00f6n, ber\u00fchren einen, machen nachdenklich, so dass man sich w\u00fcnscht, sie seien wahr. Sein Rat, achtsam zu laufen, bei einer Erk\u00e4ltung nichts zu erzwingen, sondern auf den eigenen K\u00f6rper zu h\u00f6ren, ist klug. Seine Auseinandersetzung mit dem Thema vegan zu laufen offenbart, dass das Laufen und alles drum herum \u2013 eben auch die Ern\u00e4hrung \u2013 eine ernste Sache sein k\u00f6nnen. Bei Drohungen gegen\u00fcber dem Autor, weil er auch ein kritisches Wort zur veganen Ern\u00e4hrung verliert, da h\u00f6rt der Spa\u00df in der Tat auf. Immer wieder gerne lese ich seine Geschichte, in denen seine beiden Hunde vorkommen. Das \u201eLaufen mit vier Pfoten\u201c beschreibt er so, dass man fast \u00fcberlegt, sich einen Hund anzuschaffen. Fast. Was mir an dem Buch gefallen hat, dass man es Geschichte f\u00fcr Geschichte lesen kann. Am Sonntag nach oder bei einem Kaffee, Samstag nach einem langen Lauf oder einfach so morgens beim M\u00fcsli. Und dann \u00fcberlegt man, ob man nicht selbst schon das eine oder andere Laufwunder erlebt hat und merkt, wie viel Spa\u00df und Kraft einem dieser Sport doch gibt.<\/p>\n<p><strong style=\"color: #000000 !important;\">Mike Klei\u00df, More Power. Lauf dich frei! Vom \u00fcbergewichtigen Kettenraucher zum Marathonl\u00e4ufer \u2013 eine Erfolgsgeschichte, Kulmbach 2014.<\/strong><\/p>\n<p>Das erste Buch \u00fcber das Laufen von Mike Kleiss ist ein Buch, in dem er \u00fcber sich selbst schreibt. Schonungslos. Und ziemlich offen. Das muss man erstmal machen. Es ist nach wie vor so in unserer Gesellschaft: Wer eine Schw\u00e4che zugibt, der macht sich angreifbar. Der Autor hat das Laufen erst sp\u00e4t f\u00fcr sich entdeckt. Karriere, Job, Freunde, Partys. Alles war wichtiger als einmal selbst auf sich zu achten. Rauchen, gutes Essen, Alkohol: Am Ende wog Mike Kleiss 40 Kilo mehr als im guttaten. Er wusste, er musste etwas \u00e4ndern. Viele wissen das. L\u00e4ngst nicht alle handeln dann auch. Dass sich dieser Kampf lohnt, dass man ihn gewinnen kann, wie viel Freude, Lebensfreude und Kraft man daraus ziehen kann, dass beschreibt er eindringlich in diesem Buch. In 18 Monaten nahm er die besagten 40 Kilo ab, lief einen Halbmarathon und weil das nicht reichte musste auch gleich noch der erste Marathon gelaufen werden. Er selbst schreibt: \u201eIch startete als dickes, rauchendes Wrack, das sich selbst nicht mehr mochte. Ich stand an einem Punkt im Leben, an dem ich das Gef\u00fchl hatte, am Abgrund zu stehen. (&#8230;) Im Verlauf der Monate hatte ich den Rand des Abgrunds verlassen und war in die andere Richtung gegangen. Immer fester wurde die Erde unter meinen F\u00fc\u00dfen, immer sicherer die Wege. (&#8230;) Jeder Lauf wurde zu einer gro\u00dfen Freude.\u201c Die Geschichte von Mike Kleiss ist eine Geschichte, die viele, die laufen, erz\u00e4hlen k\u00f6nnen. Aber er hat sie aufgeschrieben. Und damit macht er immer noch Menschen Mut. Mut, dass es sich immer noch lohnt, immer wieder lohnt, loszulaufen. Und dass man es schaffen kann. Ich finde ja, wir leben in einer Zeit, in der es mehr Mut und Optimismus braucht und weniger negative Gedanken und Verzagtheit. Darum lohnt sich das Buch auch als Lekt\u00fcre f\u00fcr diejenigen, die nicht 40 Kilo abnehmen wollen oder m\u00fcssen. Einfach nur laufen, das ist sch\u00f6n und gut. Aber einmal dar\u00fcber nachzudenken, was das Laufen im Kopf bewegt. Das lohnt sich. Oder wie es Mike Kleiss sagen w\u00fcrde: So l\u00e4uft es.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Manchmal ist es drau\u00dfen zu kalt oder eine Verletzung plagt einen. Manchmal braucht man einfach eine Pause. 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