{"id":319,"date":"2011-01-18T17:15:49","date_gmt":"2011-01-18T16:15:49","guid":{"rendered":"http:\/\/petertauber.wordpress.com\/?p=319"},"modified":"2011-01-18T17:15:49","modified_gmt":"2011-01-18T16:15:49","slug":"eine-rede-zu-protokoll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=319","title":{"rendered":"Eine Rede zu Protokoll"},"content":{"rendered":"<p>Manche stellen sich das ganz einfach vor, eine Rede im Bundestag zu halten. Unabh\u00e4ngig von der Rede selbst, gibt es da aber eine Menge Dinge zu beachten. Im letzten Jahr konnte ich f\u00fcnf Mal im Plenum sprechen. Da stellt sich dann irgendwann auch so etwas wie Routine ein. Vor der ersten Rede \u2013 das gebe ich unumwunden zu \u2013 ist man allerdings schon etwas nerv\u00f6s, selbst wenn man sich einredet, dass das im Prinzip auch nichts anderes sei, als wenn man im Kreistag redet. Wie l\u00e4uft das eigentlich ab, bin ich mehrfach gefragt worden. Zun\u00e4chst wird man einige Tage \u2013 im Idealfall eine Woche vorher \u2013 informiert, dass man zu einem bestimmten Tagesordnungspunkt spricht. Es kommt aber auch schon vor, dass man erst einen Tag vorher von seinem Einsatz erf\u00e4hrt. Die Redner und die Redezeiten werden von den jeweiligen Vorsitzenden der Arbeitsgruppen in der Fraktion festgelegt. Entscheidend ist dabei nat\u00fcrlich vor allem, ob der Tagesordnungspunkt sich in den so genannten \u201eBerichterstattungen\u201c widerspiegelt. Wer also in der Fraktion Berichterstatter zum Thema \u201eHartz IV\u201c ist, der wird mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit oft im Bundestag sprechen. Wer f\u00fcr Tierschutzfragen oder Zivildienst zust\u00e4ndig ist, vermutlich seltener. Nun kann es nat\u00fcrlich sein, dass ein Thema unerwartet in den Focus der \u00d6ffentlichkeit ger\u00e4t und es regelm\u00e4\u00dfig wiederkehrende parlamentarische Diskussionen gibt \u2013 und schon ist man ein \u201egefragter Redner\u201c. Als Berichterstatter f\u00fcr die Freiwilligendienste konnte ich daher aufgrund der Aussetzung der Wehrpflicht im vergangenen Jahr drei Mal sprechen. Und wahrscheinlich wird es zu diesem Thema noch weitere Parlamentsdebatten geben.<\/p>\n<p>Nachdem man dann wei\u00df, zu welchem Thema man spricht, beginnt die Vorbereitung. Nat\u00fcrlich liest man nicht nur den jeweiligen Antrag. Gab es zu dem Thema in der vergangenen Legislaturperiode schon Debatten? Was haben die Redner dort vorgetragen? Welche Partei hat welche Position?  Was sagen Experten und Betroffene? Mit wem kann man sich vorher eventuell noch austauschen? All diese und noch weitere Punkte gilt es abzuarbeiten. Bei der ersten Rede kommen noch andere, vermeintlich banale Aspekte hinzu: Wie bekomme ich das hin, dass ich die Redezeit nicht \u00fcberziehe (oder \u2013 was mindestens genauso \u201eschlimm\u201c ist \u2013 Redezeit verschenke)? Wie reagiere ich auf Zwischenrufe oder Fragen? Und wie um Himmelswillen bekomme ich das Rednerpult eigentlich auf die richtige H\u00f6he eingestellt? Die guten Ratschl\u00e4ge von Kolleginnen und Kollegen aus der Fraktion sind ehrlich gesagt nicht immer dazu angetan, zur Beruhigung beizutragen. Man fragt sich selbst: Soll ich die Rede ausformulieren oder Stichworte benutzen? Am Ende \u2013 wie so oft \u2013 war alles halb so wild. Und es gibt bei der ersten Rede im Bundestag einen sch\u00f6nen Brauch: Am Ende der Rede gratuliert der Bundestagspr\u00e4sident zu dieser ersten gehaltenen Rede und w\u00fcnscht viel Erfolg f\u00fcr die weitere parlamentarische Arbeit. Und dann klatschen alle anwesenden Kolleginnen und Kollegen Beifall \u2013 was ja nicht unbedingt \u00fcblich ist in den normalen politischen Debatten. Das ist \u00fcbrigens ein gutes Beispiel f\u00fcr den oft kollegialen Umgang miteinander, den ich oft erlebe (wobei auch Ausnahmen hier die Regel best\u00e4tigen).<\/p>\n<p>Zwei Mal durfte ich im vergangenen Jahr eine Rede zu Protokoll geben. Was das nun wieder bedeutet? Manche Tagesordnungspunkte k\u00f6nnen aufgrund von Verz\u00f6gerungen im parlamentarischen Ablauf nicht mehr beraten werden. Nicht zu jedem Thema kann und muss das Parlament um 2 Uhr morgens debattieren. Dann verst\u00e4ndigen sich die Fraktionen darauf, Tagesordnungspunkte nicht in der Aussprache zu beraten und die Reden werden dann zu Protokoll gegeben. Dass diesen Reden dann eine gewisse \u201eW\u00fcrze\u201c fehlt, kann man sich vorstellen. Denn weder gibt es Zwischenrufe \u2013 wie ich das gerne tue \u2013 noch kann man auf diese in seiner eigenen Rede reagieren. Nun bin ich aber gespannt, wie oft ich im Jahr 2011 im Plenum des Deutschen Bundestages reden darf!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Manche stellen sich das ganz einfach vor, eine Rede im Bundestag zu halten. 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