{"id":316,"date":"2011-01-10T11:14:04","date_gmt":"2011-01-10T10:14:04","guid":{"rendered":"http:\/\/petertauber.wordpress.com\/?p=316"},"modified":"2011-01-10T11:14:04","modified_gmt":"2011-01-10T10:14:04","slug":"tu-was-fur-dein-land-tu-was-fur-dich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=316","title":{"rendered":"Tu was f\u00fcr Dein Land. Tu was f\u00fcr Dich."},"content":{"rendered":"<p>Am Montag der vergangenen Woche sind vorerst die letzten Wehrpflichtigen in Deutschlands Kasernen einger\u00fcckt. Und es werden voraussichtlich die letzten bleiben, bis sich \u2013 was Gott verh\u00fcten m\u00f6ge \u2013 die sicherheitspolitische Lage so dramatisch ver\u00e4ndert, dass unser Land wieder auf das Prinzip von Gerhard von Scharnhorst (1755-1813) zur\u00fcckgreifen muss, nachdem \u201ealle B\u00fcrger des Staates geborene Verteidiger desselben\u201c sind. Manche bejubeln nun das Ende des \u201eZwangsdienstes\u201c. Ich wei\u00df offen gestanden nicht so recht, ob ich \u00fcber das Ende von Wehr- und Zivildienst froh sein soll. Vielleicht liegt das auch an meinen eigenen Erfahrungen. Ich bekenne: Ich bin am Anfang auch nicht freiwillig und mit Begeisterung zu den Fahnen geeilt. Ich musste, weil Heuschnupfen und Allergie als Grund zur Ausmusterung nicht ausreichend waren.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich war die Zeit bei der Bundeswehr in vielerlei Hinsicht lehrreich. Zwar konnte ich einen gro\u00dfen Teil der milit\u00e4rischen Kompetenzen im Zivilleben nicht wirklich gebrauchen \u2013 ein Rekord beim Zerlegen und Zusammensetzen des MG ist im Studien- und Berufsalltag selten hilfreich -, aber es gab durchaus Dinge in der Ausbildung, von denen ich heute noch profitiere. Meine Ausbilder haben nicht nur viel von mir \u2013 von uns \u2013 verlangt, sie haben mir und meinen Leidensgenossen auch etwas zugetraut. Ich habe Dinge getan, bin an die Grenzen meiner Belastbarkeit gegangen und habe diese Herausforderungen gemeistert. Herausforderungen, denen ich mich freiwillig nie gestellt h\u00e4tte. Und am Ende habe ich gemerkt: Du kannst viel mehr, als du ahnst.<\/p>\n<p>Die zweite Erfahrung war, dass man meist die gestellten Aufgaben gemeinsam besser meistert und dabei die oft unausweichlichen Entbehrungen besser zu tragen sind, wenn man nicht wegschaut und jeder versucht, dem anderen zu helfen. Wer beim Gefechtsmarsch nach gef\u00fchlten 20 Kilometern und blutigen Blasen an den F\u00fc\u00dfen auf einmal gefragt wird, ob man noch laufen k\u00f6nne oder der Vordermann f\u00fcr die n\u00e4chsten Kilometer den Rucksack f\u00fcr einen tragen soll, der wei\u00df wovon ich rede. Wir haben das schlicht Kameradschaft genannt und nicht viel Aufhebens darum gemacht. \u00a0Und wir wussten, wir k\u00f6nnen uns aufeinander verlassen.<\/p>\n<p>Die viel beschworene Alkoholexzesse gab es in meiner Grundausbildung nicht. Ein gepflegtes Dienstabschlussbier am Donnerstag war da schon das h\u00f6chste der Gef\u00fchle. An Feiern und Diskobesuche war w\u00e4hrend der Grundausbildung sowieso nicht zu denken, denn an der Ank\u00fcndigung unserer Ausbilder, dass der erste Teil des Films Full Metal Jacket ihr erkl\u00e4rter Lieblingsfilm sei, war einiges dran. Nat\u00fcrlich war es l\u00e4ngst nicht so schlimm. Aber f\u00fcr uns \u201everw\u00f6hnte Abiturienten\u201c war es eine enorme Umstellung. Wie oft haben wir geflucht und uns gefragt, warum wir nicht verweigert haben (dass wir geflissentlich ignorierten, dass auch viele Zivildienstleistende keinen leichten Job hatten, war uns nat\u00fcrlich klar).<\/p>\n<p>Dass nicht jede dienstliche T\u00e4tigkeit sinnvoll schien und wir auch Tage hatten, die man als \u201eGammeldienst\u201c bezeichnen k\u00f6nnte, mag so sein, aber es war dann doch eher die Ausnahme von der Regel. Unterm Strich waren wir eigentlich recht froh, dass es nach der Grundausbildung eben nicht so weiterlief, wie in den ersten drei Monaten.<\/p>\n<p>Der Wehrdienst war f\u00fcr mich eine Herausforderung,\u00a0 eine unliebsame Notwendigkeit, der ich mich gestellt habe. Interessant ist, dass diejenigen, die sich offen darauf eingelassen haben, in der Regel positive Erfahrungen und Erinnerungen mitgenommen haben. Wer st\u00e4ndig negativ und meckernd durch die Welt l\u00e4uft, der findet und fand nat\u00fcrlich auch beim Bund genug Dinge, die man kritisieren konnte. Ich kann f\u00fcr mich nur sagen, dass ich viel \u00fcber mich selbst, aber auch \u00fcber andere Menschen gelernt habe. Manche nennen das abstrakt soziale Kompetenzen. Ich pers\u00f6nlich kann nur sagen, dass ich diese Erfahrungen nicht missen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Mit der Aussetzung der Wehrpflicht k\u00f6nnen junge M\u00e4nner diese Zeit nun anders verplanen. Ob sie sie besser nutzen, sei dahingestellt. Darum kann ich jedem nur empfehlen, sich nach der Schule und der Ausbildung gut zu \u00fcberlegen, sich f\u00fcr ein Freiwilliges Soziales Jahr, den neuen Bundesfreiwilligendienst oder eben auch einen einj\u00e4hrigen freiwilligen Dienst bei der Bundeswehr zu verpflichten. Unabh\u00e4ngig davon, dass unser Land von diesem Dienst profitiert, hat auch jeder selbst etwas davon. Tu was f\u00fcr Dein Land. Tu was f\u00fcr Dich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Am Montag der vergangenen Woche sind vorerst die letzten Wehrpflichtigen in Deutschlands Kasernen einger\u00fcckt. Und es werden voraussichtlich die letzten&hellip;<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"link-more\">\n\t<a href=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=316\" class=\"more-link\">\n\t\tWeiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Tu was f\u00fcr Dein Land. 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