{"id":3100,"date":"2017-06-29T18:00:43","date_gmt":"2017-06-29T18:00:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3100"},"modified":"2017-06-29T19:42:15","modified_gmt":"2017-06-29T19:42:15","slug":"die-ehe-ist-ein-aeusserliches-weltlich-ding","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3100","title":{"rendered":"\u201eDie Ehe ist ein \u00e4u\u00dferliches, weltlich Ding&#8230;\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der Deutsche Bundestag stimmt \u00fcber die \u00d6ffnung der Ehe f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare ab. Bis auf die Adoption hat der Gesetzgeber in allen anderen Bereichen unseres Rechts die Unterschiede zwischen heterosexuellen und gleichgeschlechtlichen Paaren beseitigt. Dar\u00fcber hinaus ist die Ehe \u2013 in unserem Kulturkreis stark mit dem christlichen Glauben verkn\u00fcpft \u2013 eine wichtige Grundlage f\u00fcr das Zusammenleben in Familien mit Kindern und eine Verantwortungsgemeinschaft zwischen Erwachsenen. Nun entscheiden die Abgeordneten des Deutschen Bundestages ihrem Gewissen folgend \u00fcber diese wichtige gesellschaftspolitische Frage.<\/p>\n<p>Ich werde f\u00fcr die \u00d6ffnung der Ehe auch f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare stimmen und m\u00f6chte diesen Schritt gerne begr\u00fcnden. Wer meine politische Arbeit verfolgt, den wird dies nicht wundern, denn ich habe immer wieder deutlich gemacht, dass ich in dieser Frage eine andere Haltung vertrete als es der Beschlusslage meiner Partei entspricht. Ich habe aber auch erlebt, dass viele unserer Mitglieder und W\u00e4hler mit dieser offiziellen Haltung der Partei nicht gl\u00fccklich waren oder sind.<\/p>\n<p>Mir ist vorab wichtig: Ich habe Respekt vor anderen Meinungen. Darum finde ich es teilweise unertr\u00e4glich, mit welchen Vorw\u00fcrfen und Attacken diejenigen bedacht werden, die sich gegen eine \u00d6ffnung von Ehe f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare stellen. Auch sie haben Argumente, die man nicht teilen muss, aber die Geh\u00f6r verdienen. Dies gilt  ganz besonders f\u00fcr Menschen katholischen Glaubens, f\u00fcr die die Ehe zwischen Mann und Frau ein heiliges Sakrament ist, aber allgemein f\u00fcr jeden, der eine \u00d6ffnung der Zivilehe mit seinem christlichen Eheverst\u00e4ndnis nicht \u00fcberein bringen kann. Denn am Ende ist eine Gewissensentscheidung immer mit den Werte- und Moralvorstellungen eines jeden Einzelnen verbunden.  Ich bin stolz darauf, dass es in der Volkspartei CDU m\u00f6glich ist, sich in dieser grunds\u00e4tzlichen Frage trotz unterschiedlicher Meinung mit Respekt zu begegnen. Diesen Respekt w\u00fcrde ich mir in sozialen Netzwerken, von den politischen Mitbewerbern und an anderer Stelle in der aktuellen Diskussion ebenfalls w\u00fcnschen. <\/p>\n<p><strong>Warum stimme ich als Abgeordneter f\u00fcr die \u00d6ffnung der Ehe?<\/strong> Die obligatorische staatliche Zivilehe \u2013 und um die geht es \u2013 gibt es seit dem Jahr 1874. Eingef\u00fchrt wurde sie im Rahmen des Kulturkampfes unter Otto von Bismarck. Sie ist die Grundlage und der Rechtsrahmen f\u00fcr das verbindliche Zusammenleben von Mann und Frau aus Sicht des Staates. Und es ist gut, dass der Staat hier einen verbindlichen Rechtsrahmen definiert. Ich w\u00fcnsche mir eine Gesellschaft, in der nicht jeder sofort nach dem Staat ruft, sondern in der Menschen f\u00fcreinander Verantwortung \u00fcbernehmen \u2013 bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und bei anderen Problemen. <\/p>\n<p>Wenn k\u00fcnftig auch gleichgeschlechtliche Paare das im Rahmen der Ehe tun, dann bef\u00fcrworte ich das. Der Artikel 1 unseres Grundgesetzes stellt die W\u00fcrde des Menschen an die erste Stelle. Wir wollen zudem in einer Gesellschaft leben, in der niemand aufgrund seiner Herkunft, seiner Meinung, seines Glaubens oder seiner sexuellen Orientierung diskriminiert wird. Wahr ist: Gerade Homosexuelle haben trotz dieses Gebots immer wieder gesellschaftliche Diskriminierung und auch eine Diskriminierung durch die Politik erleiden m\u00fcssen. Es ist wichtig, dass die Politik durch diese Entscheidung das Signal aussendet, dass wir Diskriminierung und Homophobie, die in unserer Gesellschaft existiert, nicht hinnehmen.<\/p>\n<p><strong>Warum stimme ich als Christdemokrat f\u00fcr die \u00d6ffnung der Ehe?<\/strong> Ich erinnere mich noch gut daran, dass gerade linke Parteien von der SPD \u00fcber die Gr\u00fcnen bis hin zur Linkspartei in meiner Jugend immer wieder gegen die Ehe zu Felde zugezogen sind. \u201eAltmodisch\u201c und \u201e\u00fcberholt\u201c sei die Ehe. Ein \u201eUnterdr\u00fcckungsinstrument\u201c gegen\u00fcber der Frau und eine staatliche Bevormundung, weil sie durch die Privilegierung, die sie dank des Grundgesetzes genie\u00dft, Menschen zur Heirat zwinge. Schon damals hat die politische Linke die Tatsache ignoriert, dass sich die meisten jungen Menschen eine auf Dauer angelegte Partnerschaft in Form der Ehe als ideale Beziehungsform w\u00fcnschen. Dass Krisen und Br\u00fcche im Leben oft dazu f\u00fchren, dass Ehen scheitern, hat nichts damit zu tun, dass dieser Wunsch und diese Sehnsucht nach einer solchen dauerhaften Beziehung eher noch zugenommen haben. Heute ist es sogar so, dass gleichgeschlechtliche Paare auch deshalb nicht alleine nach der rechtlichen Gleichstellung mit der Ehe streben, sondern ihre verbindliche Partnerschaft als Ehe bezeichnen wollen. Das spricht daf\u00fcr, dass die politische Linke diesen Kulturkampf verloren hat. <\/p>\n<p><strong>Warum stimme ich als evangelischer Christ f\u00fcr die \u00d6ffnung der Ehe?<\/strong> Schon Luther hat gesagt, die Ehe sei \u201eein \u00e4u\u00dferliches, weltlich Ding\u201c. Im Gegensatz zur katholischen Kirche ist f\u00fcr uns evangelische Christen die Ehe kein heiliges Sakrament. Um nicht falsch verstanden zu werden: Evangelische Christen streben in gleicher Weise danach, vor Gott den Bund f\u00fcrs Leben zu schlie\u00dfen. Ohne ein sakramentales Eheverst\u00e4ndnis mag es f\u00fcr einen evangelischen Christen leichter sein, mit dem Scheitern einer bis zum Lebensende angelegten Beziehung umzugehen und eine neue Bindung einzugehen. Nun hat Luther nichts zur Trauung bzw. Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren gesagt. Woran soll man sich also in dieser Frage, wenn man sich ihr aus christlicher Sicht n\u00e4hern will, orientieren? Ganz lutherisch kann man sich dann nur direkt an die Heilige Schrift selbst wenden. Mir sind die Bibelstellen bekannt, auf die gerne verwiesen wird, um zu begr\u00fcnden, warum die Ehe allein Mann und Frau vorbehalten ist. Ich will ganz ehrlich sagen, dass mich das nicht \u00fcberzeugt. Jesus Christus, der Sohn Gottes, Ma\u00dfstab f\u00fcr unser Handeln, hat im Neuen Testament an keiner Stelle etwas zur gleichgeschlechtlichen Liebe gesagt. Deswegen liegt es nah, dass es keine Bekenntnisfrage ist, wie man sich zur \u00d6ffnung der Ehe stellt. Im Sinne Jesu k\u00f6nnte man auch argumentieren, dass f\u00fcr ihn immer der Mensch im Mittelpunkt steht und Gottes Liebe allumfassend ist. <\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich neben allem Trennenden zwischen der evangelischen und katholischen Kirche in dieser Frage eines betonen: Beide Kirchen sch\u00e4tzen von allen unterschiedlichen Lebensformen Ehe und Familie besonders hoch, denn gerade in diesen Bindungen lernt ein Mensch Elementares f\u00fcr das gesellschaftliche Miteinander: Verantwortung f\u00fcr Andere zu \u00fcbernehmen und sich selbst dabei hintenanzustellen. Eine Familie ist nach diesem Verst\u00e4ndnis als Schule f\u00fcr das Leben, aber auch als Ort der Lebens- und Glaubensweitergabe zu verstehen und zu sch\u00fctzen. Als Christ muss ich aber zur Kenntnis nehmen, dass viele Menschen nicht mehr in klassischen Familienmodellen aufwachsen, dass aus vielerlei Gr\u00fcnden das klassische Familienmodell nicht mehr als Lebensform ausgew\u00e4hlt wird, nicht ausgew\u00e4hlt werden kann oder dass Menschen in ihrer Ehe und Familie scheitern. Gerade dann ist es auch Aufgabe und Herausforderungen f\u00fcr die Kirchen, in ihrer seelsorgerischen Arbeit vor Ort f\u00fcr diese Menschen Antworten und Halt zu geben. Und dann darf ich ebenso voller Respekt und Stolz feststellen, dass f\u00fcr die Seelsorge irrelevant ist, welches Ehe- oder Familienverst\u00e4ndnis beim Gegen\u00fcber vorherrscht. Denn dies macht unser christliches Menschenbild und Werteverst\u00e4ndnis ebenso aus. Das sollten die, die die Kirchen immer leichtfertig kritisieren, bedenken. <\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte mir gew\u00fcnscht, dass wir diese Debatte mit mehr Zeit und mehr Austausch gef\u00fchrt h\u00e4tten. Aber Politik beginnt mit dem Betrachten der Wirklichkeit. Und das f\u00fchrt mich am Ende zu einem \u201eJa\u201c in der Abstimmung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Der Deutsche Bundestag stimmt \u00fcber die \u00d6ffnung der Ehe f\u00fcr gleichgeschlechtliche Paare ab. Bis auf die Adoption hat der Gesetzgeber&hellip;<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"link-more\">\n\t<a href=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3100\" class=\"more-link\">\n\t\tWeiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;\u201eDie Ehe ist ein \u00e4u\u00dferliches, weltlich Ding&#8230;\u201c&rdquo;<\/span>&hellip;\t<\/a>\n<\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3103,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"footnotes":"","_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false},"version":2}},"categories":[785],"tags":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/1TK3536_ed_c.jpg","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p35WCI-O0","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3100"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3100"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3100\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3102,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3100\/revisions\/3102"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3103"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3100"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3100"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3100"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}