{"id":308,"date":"2011-01-03T14:16:20","date_gmt":"2011-01-03T13:16:20","guid":{"rendered":"http:\/\/petertauber.wordpress.com\/?p=308"},"modified":"2011-01-03T14:16:20","modified_gmt":"2011-01-03T13:16:20","slug":"was-mich-im-kommenden-jahr-leiten-soll","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=308","title":{"rendered":"Was mich im kommenden Jahr leiten soll"},"content":{"rendered":"<p>Neben den tagespolitischen Entscheidungen fragen viele Menschen einen Politiker auch nach seinen grundlegenden \u00dcberzeugungen. Was leitet ihn in seinem Handeln? Worauf nimmt er Bezug, wenn er sich grunds\u00e4tzlichen Herausforderungen n\u00e4hert. Manche sind erschrocken ob der erkennbaren Beliebigkeit von \u00dcberzeugungen mancher Entscheidungstr\u00e4ger (Nicht zu verwechseln mit dem manchmal notwendigen Ver\u00e4nderungen von Meinungen in Sachfragen). Doch f\u00fcr viele Menschen, die in Verantwortung stehen, sind ideengeschichtliche Ideale und Werte oder aber eben auch religi\u00f6se \u00dcberzeugungen durchaus handlungsleitend.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt deshalb wird in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden in Deutschland diskutiert, welchen Stellenwert die Religion und auch das pers\u00f6nliche religi\u00f6se Bekenntnis in unserer Gesellschaft noch spielt, bzw. k\u00fcnftig spielen soll. In einer christlich gepr\u00e4gten Kultur, in der allerdings viele Menschen nicht praktizierende Christen sind, sondern sich allenfalls zu den in unserer Gesellschaft geltenden und christlich gepr\u00e4gten Werten bekennen, in der andere Religionsgemeinschaften ihren Platz gefunden haben oder suchen, stellt sich diese Frage vielleicht mit einer neuen Intensit\u00e4t. F\u00fcr die CDU wird dies immer wieder dann deutlich, wenn \u00fcber das \u201eC\u201c im Parteinamen diskutiert wird.<\/p>\n<p>Dass auch viele Menschen ohne christliches Bekenntnis, manche sogar \u00fcberzeugte Muslime, sich in der Partei mit dem C engagieren, ist dabei kein Widerspruch \u2013 im Gegenteil. Einer Politik, die auf dem christlichen Menschenbild aufbaut, den liberalen, sozialen und konservativen Werten, die man in der Union findet, k\u00f6nnen sich eben auch Menschen ohne religi\u00f6se Bindung oder Angeh\u00f6rige einer anderen Religionsgemeinschaft verpflichtet f\u00fchlen.<\/p>\n<p>Deswegen ist der Argwohn mancher Zeitgenossen auch unbegr\u00fcndet, das christliche oder das religi\u00f6se Bekenntnis eines Politikers f\u00fchre zwangsl\u00e4ufig dazu, dass er missionieren wolle, seine eigenen Glaubensbr\u00fcder und \u2013schwestern bevorzuge bei seinen Entscheidungen oder \u00e4hnliche krude Unterstellungen. Da wird also oft eine Art Generalverdacht formuliert, wenn man erkl\u00e4rt, dass die eigene religi\u00f6se \u00dcberzeugung nat\u00fcrlich das eigene Denken pr\u00e4gt und man daraus die Werte, f\u00fcr die man einsteht, ableitet (Das man gerade als Christ darum wei\u00df, dass man an dem Anspruch, diesen Werten stets und immer gerecht zu werden, scheitern muss, ist eine andere Frage und kann hier nicht n\u00e4her ausgef\u00fchrt werden. Aber vielleicht ist gerade das eine wohltuende Unterscheidung gegen\u00fcber denen, die moralinsauer immer die Wahrheit und den Unfehlbarkeitsanspruch ihrer politischen \u00dcberzeugung vor sich hertragen, wie es beispielsweise Volker Beck von den Gr\u00fcnen gerne tut).<\/p>\n<p>Um nicht falsch zu verstanden werden. Nat\u00fcrlich soll und darf man bei politischen Entscheidungen, beim eigenen Handeln in einer pluralistischen Gesellschaftsordnung, in einem Land das gut daran getan hat, Staat und Religion voneinander zu trennen, eben nicht die Religion oder gar religi\u00f6se F\u00fchrer entscheiden, was dem Land dienlich ist.  Aber andererseits haben die Menschen das Recht zu wissen, woran man glaubt \u2013 nicht nur im religi\u00f6sen Sinne \u2013, f\u00fcr welche Werte man einstehen will und welche \u00dcberzeugungen einen im politischen Tun leiten. Otto von Bismarck hat das einmal so formuliert: \u201eGott hilft mir tragen, und mit Ihm bin ich der Sache besser gewachsen als die meisten unserer Politiker (\u2026) ohne Ihn. Ich werde mein Amt tun; da\u00df Gott mir den Verstand dazu gibt, ist Seine Sache.\u201c<\/p>\n<p>Mir ist im letzten Jahr mehrmals ein Satz Martin Luthers begegnet, \u00fcber den ich viel nachgedacht habe. Es stammt aus seiner Schrift \u201eVon der Freiheit eines Christenmenschen\u201c. Luther formuliert einen Anspruch und zugleich auf den ersten Blick einen Widerspruch, der einem nicht nur als Politiker, sondern auch als Christ Angst und Bange machen k\u00f6nnte: \u201eEin Christenmensch ist ein freier Herr \u00fcber alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.\u201c<\/p>\n<p>Was meint Luther damit? Zun\u00e4chst erinnert er uns daran, dass wir als Menschen \u2013 auch als Christen \u2013 frei sind. In unserem Tun sind wir anderen Menschen eben nicht zwingend Rechenschaft schuldig oder gar gezwungen, Anordnungen oder Befehlen zu folgen, wenn wir dies nicht selbst f\u00fcr richtig erachten und wollen. Diese Gewissheit, dieses Freiheitsversprechen, hat aber eine Kehrseite, der wir uns stets bewusst sein sollten.<\/p>\n<p>Aus der Freiheit erw\u00e4chst eben nicht das Recht, tun und lassen zu k\u00f6nnen, was man will. Freiheit meint im Sinne Luthers vor allem die Freiheit f\u00fcr etwas und nicht die Freiheit von etwas. Aus Sicht Luthers bef\u00e4higt uns diese Freiheit, Verantwortung zu \u00fcbernehmen. F\u00fcr uns selbst, aber eben auch f\u00fcr andere. Dies bedeutet, dass man sich stets selbst fragen muss, was die Folgen des eigenen Handelns sein k\u00f6nnen. Und es bedeutet, dass man hilfsbereitet und offen den Menschen begegnet, die Unterst\u00fctzung und Zuwendung brauchen. Und es bedeutet, sich dem stets dem gro\u00dfen Ganzen, dem Land, Europa und der Welt verpflichtet zu f\u00fchlen. \u00dcbrigens gilt das nicht nur f\u00fcr Politiker. Das gilt f\u00fcr jeden B\u00fcrger!<\/p>\n<p>Die Worte Luthers hat Papst Benedikt XVI. etwas moderner formuliert: \u201eWo der pers\u00f6nliche Egoismus oder die Interessen von Gruppen sich \u00fcber das Gemeinwohl hinwegsetzen, wenn jeder nur an seine eigenen Interessen denkt, kann die Welt nur zugrunde gehen.\u201c Und damit kann der Grundgedanke Luthers f\u00fcr 2011 nicht nur f\u00fcr evangelische und katholische Christen, sondern f\u00fcr alle Menschen ein guter Leitsatz sein. Zumindest f\u00fcr mich ist er es. Und ich freue mich auf das Jahr 2011.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Neben den tagespolitischen Entscheidungen fragen viele Menschen einen Politiker auch nach seinen grundlegenden \u00dcberzeugungen. 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