{"id":3053,"date":"2017-04-19T06:26:56","date_gmt":"2017-04-19T06:26:56","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3053"},"modified":"2017-04-24T09:03:29","modified_gmt":"2017-04-24T09:03:29","slug":"adenauers-vermaechtnis-europa-ist-wie-ein-baum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3053","title":{"rendered":"Adenauers Verm\u00e4chtnis: Europa ist wie ein Baum"},"content":{"rendered":"<p>Angesichts des Brexits, der Staatsschuldenkrise in Europa, des R\u00fcckbaus demokratischer Rechte in manchen osteurop\u00e4ischen Staaten, des aggressiven Auftreten Russlands und der neuen US-Administration steht das vereinte Europa vor neuen Herausforderungen. Es hat manchmal den Anschein, als habe sich in der Bev\u00f6lkerung eine gewisse Europa-M\u00fcdigkeit breitgemacht. Viel ist von anti-europ\u00e4ischen Populisten zu lesen, und immer wieder wird die europ\u00e4ische B\u00fcrokratie kritisiert.<\/p>\n<p>Europa ist viel mehr als die Institutionen der Europ\u00e4ischen Union. Was muss unsere Antwort auf die Kritik an Europa sein? Was ist die gro\u00dfe Erz\u00e4hlung, die uns alle verbindet? An welchem Europa wollen wir festhalten? Was ist die Antwort der CDU? Einer der gr\u00f6\u00dften deutschen Europ\u00e4er, Konrad Adenauer, hat uns die Richtung gewiesen, in die Christdemokraten dieses Europa weiterdenken sollten. Vor 50 Jahren ist der erste deutsche Bundeskanzler gestorben. Ein guter Zeitpunkt, sich an sein europ\u00e4isches Verm\u00e4chtnis zu erinnern.<\/p>\n<p>Europa als B\u00fcndnis des Friedens war Konrad Adenauer wichtig. Seine deutsche und europ\u00e4ische Identit\u00e4t waren f\u00fcr den \u00fcberzeugten Rheinl\u00e4nder stets eins. \u201eIch bin Deutscher und bleibe Deutscher, aber ich war auch immer Europ\u00e4er und habe als solcher gef\u00fchlt.\u201c So hat er es einmal formuliert. Die Einheit Europas war f\u00fcr ihn auch immer untrennbar mit der Einheit Deutschlands verbunden.<\/p>\n<p>Den Nationalstaat hielt Adenauer nicht f\u00fcr obsolet, aber er war bereit, wiedergewonnene Souver\u00e4nit\u00e4t aufzugeben, um den Deutschen gerade dadurch ein bisher nicht gekanntes Ma\u00df an Frieden, Freiheit und Wohlstand zu erm\u00f6glichen. Er war \u00fcberzeugt: \u201eKein europ\u00e4isches Volk ist allein in der Lage, sich milit\u00e4risch zu sch\u00fctzen oder wirtschaftlich zu entwickeln. Best\u00fcnde man darauf, in der heutigen Welt die traditionellen Begriffe des Nationalismus hochzuhalten, so bedeutete dies die Aufgabe Europas.\u201c Heute sind es Rechtspopulisten, die die Menschen glauben machen wollen, Europa gef\u00e4hrde ihren Wohlstand und ihre Sicherheit. Dabei ist es genau umgekehrt: Die Europ\u00e4ische Union und der Souver\u00e4nit\u00e4tsverzicht der Nationalstaaten hat eine bisher in der europ\u00e4ischen Geschichte ungekannte Epoche des Friedens m\u00f6glich gemacht.<\/p>\n<p>Zwei Weltkriege und der innere Zusammenbruch Deutschlands f\u00fchrten f\u00fcr Adenauer zu der Erkenntnis, dass es ohne ein vereintes Europa keine Garantie f\u00fcr dauerhaften Frieden auf dem Kontinent geben k\u00f6nne. Doch Adenauer war sich ebenso bewusst, dass sich Europa nicht wie ein Haus bauen lassen w\u00fcrde. \u201eMan bestellt soundso viel Beton, Sand, eiserne Tr\u00e4ger usw., hat einen Plan und f\u00e4ngt an zu arbeiten. Europa, das ist eher wie ein Baum, der w\u00e4chst, der eine Schicht nach der anderen ansetzt, der aber nicht konstruiert werden kann\u201c, so der Kanzler im Jahr 1960. Dieses Bild passt auch gut zu den heutigen Zeiten. Ein starker Baum trotzt dem Sturm eher als manch ein auf Sand gebautes Haus.<\/p>\n<p>Die Wurzeln dieses Baumes sind das Verm\u00e4chtnis Adenauers. 1951, nur sechs Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, legte er mit anderen europ\u00e4ischen Staatsm\u00e4nnern aus Frankreich, Italien und den Beneluxstaaten den Grundstein f\u00fcr die Europ\u00e4ische Union. Die Europ\u00e4ische Gemeinschaft f\u00fcr Kohle und Stahl erm\u00f6glichte den Wiederaufbau und das Wirtschaftswunder. 1957 unterzeichnete der deutsche Kanzler die R\u00f6mischen Vertr\u00e4ge, mit denen die Europ\u00e4ische Wirtschaftsgemeinschaft geschaffen wurde. Deren Prinzipien \u2013 freier Personen-, Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr \u2013 sind bis heute tragende S\u00e4ulen des europ\u00e4ischen Projekts. Die vier europ\u00e4ischen Freiheiten sind unteilbar, und sie d\u00fcrfen nicht relativiert werden.<\/p>\n<p>Nach \u00fcber 70 Jahren Frieden und Wohlstand, nach dem Kalten Krieg und der errungenen Wiedervereinigung wissen wir heute, dass Konrad Adenauer mit seinen Visionen f\u00fcr den Weg zu einem vereinten Europa Recht behalten hat. Die europ\u00e4ische Integration ist das gr\u00f6\u00dfte zivilisatorische Projekt des 20. Jahrhunderts. F\u00fcr Adenauer war dieses Europa nicht nur eine Herzensangelegenheit und ein Friedenswerk. Viel fr\u00fcher als andere erkannte er, dass der Einfluss der europ\u00e4ischen Nationen ohne das vereinte Europa marginalisiert werden w\u00fcrde: \u201eDie Gefahr, in der die europ\u00e4ischen V\u00f6lker schweben, wird klar, wenn man die Verteilung der Macht auf der Erde pr\u00fcft und dabei feststellen muss, mit welcher Schnelligkeit der Verlust der europ\u00e4ischen L\u00e4nder an Macht schon fortgeschritten ist.\u201c<\/p>\n<p>Adenauer hat dieses Europa immer in Verbindung mit der transatlantischen Partnerschaft gedacht. Und auch hier sind seine Worte mahnend und vision\u00e4r zugleich, wenn man sieht, vor welchen Herausforderungen die NATO und die deutsch-amerikanische Freundschaft heute stehen. Dem Alten aus Rh\u00f6ndorf war bewusst, dass gerade das Besinnen auf die eigene St\u00e4rke die Grundlage f\u00fcr ein dauerhaftes B\u00fcndnis des freien Europas mit den Vereinigten Staaten sein muss.<\/p>\n<p>\u201eDas eine ist, wir m\u00fcssen alles tun, damit Amerika Europa nicht aufgibt. Und auf der anderen Seite: wir m\u00fcssen alles tun, damit die Einigung Europas vorankommt. Das ist die gro\u00dfe Aufgabe, die wir Europ\u00e4er haben\u201c, so Adenauer. Und unglaublich aktuell mutet auch seine Analyse mit Blick auf die Bereitschaft der Amerikaner, ihren Beitrag zum Funktionieren dieses B\u00fcndnisses zu leisten, an: \u201eWenn dieses Europa nicht den Willen zeigt, sich zu einer Einheit zusammenzufinden (&#8230;), dann liegt doch die Gefahr au\u00dferordentlich nahe, dass der verantwortliche Mann in den Vereinigten Staaten sagt: \u201aMehr als ich getan habe, kann Amerika nicht tun. Dann muss Europa sehen, wie es selbst fertig wird.\u2019\u201c Angesichts der Aktualit\u00e4t dieses Satzes, mancher Uneinigkeit der Europ\u00e4er und der Haltung des neuen US-Pr\u00e4sidenten erschrickt man fast.<\/p>\n<p>Unsere Verpflichtung gegen\u00fcber Adenauer bleibt es, jeden Tag aufs Neue f\u00fcr diese Idee Europas zu k\u00e4mpfen. Das bedeutet aber nicht, einfach mehr Geld nach Br\u00fcssel zu \u00fcberweisen, wie es der SPD-Au\u00dfenminister fordert. Die vorhandenen Mittel m\u00fcssen vor allem effektiv eingesetzt werden. Dabei kann die EU in der Tat besser werden. Dass viele Menschen aller Unkenrufe zum Trotz begeistert von der Idee Europas sind, zeigt sich derzeit jeden Sonntag: bei den \u201ePulse of Europe\u201c-Demonstrationen \u00fcberall in unserem Land. Europa ist eine Herzensangelegenheit. Das war so f\u00fcr Konrad Adenauer \u2013 und das ist Europa f\u00fcr uns Christdemokraten heute.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Angesichts des Brexits, der Staatsschuldenkrise in Europa, des R\u00fcckbaus demokratischer Rechte in manchen osteurop\u00e4ischen Staaten, des aggressiven Auftreten Russlands und&hellip;<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"link-more\">\n\t<a href=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=3053\" class=\"more-link\">\n\t\tWeiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Adenauers Verm\u00e4chtnis: Europa ist wie ein Baum&rdquo;<\/span>&hellip;\t<\/a>\n<\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":3071,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"footnotes":"","_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false},"version":2}},"categories":[785],"tags":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/KonradAdenauer.jpg","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p35WCI-Nf","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3053"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3053"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3053\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3074,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3053\/revisions\/3074"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3071"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3053"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3053"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3053"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}