{"id":2922,"date":"2017-02-04T10:01:48","date_gmt":"2017-02-04T10:01:48","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2922"},"modified":"2017-02-04T10:03:27","modified_gmt":"2017-02-04T10:03:27","slug":"wie-man-den-geist-ludwig-erhards-am-leben-erhaelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2922","title":{"rendered":"Wie man den Geist Ludwig Erhards am Leben erh\u00e4lt"},"content":{"rendered":"<p>Es w\u00e4re ein Leichtes, anl\u00e4sslich des 120. Geburtstages von Ludwig Erhard auf eine der vielen aktuellen Erfolgsgeschichten in Deutschland zu verweisen. Etwa auf einen der zahlreichen erfolgreichen Mittelst\u00e4ndler, die mit daf\u00fcr sorgten, dass Deutschland 2016 wieder Exportweltmeister war. Oder auf einen der \u00fcber vier Millionen Erwerbst\u00e4tigen, die seit 2005 einen neuen Job gefunden haben. Oder auf einen der 122 Landkreise, in denen im Januar rein statistisch Vollbesch\u00e4ftigung herrschte. Es ist kein Wunder, dass die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vor wenigen Tagen schrieb: \u201eDeutschland geht\u00b4s so gut wie nie.\u201c Das alles zeigt: Die Verhei\u00dfung der Sozialen Marktwirtschaft \u2013 Wohlstand f\u00fcr alle \u2013 ist keine Utopie.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2923\" aria-describedby=\"caption-attachment-2923\" style=\"width: 3000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/26898276102_31e2f45a65_o.jpg\" alt=\"\" width=\"3000\" height=\"1801\" class=\"size-full wp-image-2923\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/26898276102_31e2f45a65_o.jpg 3000w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/26898276102_31e2f45a65_o-420x252.jpg 420w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/26898276102_31e2f45a65_o-744x447.jpg 744w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/26898276102_31e2f45a65_o-768x461.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/26898276102_31e2f45a65_o-1200x720.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 3000px) 100vw, 3000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2923\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Tobias Koch<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aber fast 70 Jahre nach ihrer Einf\u00fchrung steht die Sozialen Marktwirtschaft als Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung vor gro\u00dfen Herausforderungen. International sehen wir eine erschreckende R\u00fcckkehr zu kleingeistigem Protektionismus und wirtschaftsfeindlichem Populismus von rechts und links \u2013 siehe die ma\u00dflose, unberechtigte Kritik am Freihandelsabkommen TTIP.<\/p>\n<p>Und in Deutschland ist leider auch nicht alles rosarot. Das zeigt eine Geschichte aus meiner Heimat. Ein B\u00e4cker in einer kleinen Gemeinde fand keine Lehrlinge mehr und war deswegen kurz davor, seinen Laden zu schlie\u00dfen. Vor allem, weil ihm nach eigenen Aussagen die Discounter mit ihren Aufbackbr\u00f6tchen das Leben schwer machen und die Einnahmen oft nur noch die Ausgaben deckten. Zehn Leute h\u00e4tten bei einer Pleite ihren Job verloren. Aber vor einigen Monaten fand er einen \u00e4thiopischen Fl\u00fcchtling, der bei ihm als Lehrling anfing und mit gro\u00dfem Engagement bei der Sache war. F\u00fcr diesen Schritt musste der B\u00e4cker im Internet ekelhafte Hetze \u00fcber sich ergehen lassen. Aber er blieb standhaft, und heute sind alle Beteiligten froh, diesen Schritt gegangen zu sein. Diese Geschichte zeigt, was Soziale Marktwirtschaft in vielen Facetten ausmacht. Dazu geh\u00f6ren \u00fcbrigens auch Freiheit und Demokratie. Ludwig Erhard hat selbst erkl\u00e4rt, dass ihn erst das Erlebnis der totalit\u00e4ren Herrschaft des Dritten Reiches und die pers\u00f6nliche Begegnung mit dem Widerstandsk\u00e4mpfer Carl Goerdeler von der Wissenschaft in die Politik brachten. Der Freiheitsgedanke der Sozialen Marktwirtschaft geht deshalb weit \u00fcber eine wirtschaftspolitische Freiheit hinaus.<\/p>\n<p>Das Beispiel des B\u00e4ckers zeigt aber vor allem: In der Sozialen Marktwirtschaft steht der Mensch im Mittelpunkt. Ludwig Erhard schrieb dazu in seinem Bestseller \u201eWohlstand f\u00fcr alle\u201c: \u201eMa\u00dfstab und Richter \u00fcber Gut und B\u00f6se der Wirtschaftspolitik sind nicht Dogmen oder Gruppenstandpunkte, sondern ist ausschlie\u00dflich der Mensch, der Verbraucher, das Volk. Eine Wirtschaftspolitik ist nur dann und nur so lange f\u00fcr gut zu erachten, als sie den Menschen schlechthin zum Nutzen und Segen gereicht.\u201c Und wie der B\u00e4cker k\u00fcmmern sich viele Unternehmer, Mittelst\u00e4ndler und Vorgesetzte in Deutschland vorbildlich um ihre Angestellten. Aber wir sehen auch das Gegenteil. Am schlimmsten finde ich dabei nicht F\u00e4lle wie die von Ex-VW-Chef Martin Winterkorn. Sondern die \u201eF\u00e4lle\u201c im Kleinen, die nur selten justiziabel sind: Firmen, die ihre Mitarbeiter 24 Stunden erreichbar halten, die schlechte L\u00f6hne zahlen oder die M\u00fctter oder V\u00e4ter bei der R\u00fcckkehr aus der Elternzeit schikanieren. Genau wie der freiheitliche Staat lebt auch die Soziale Marktwirtschaft von Voraussetzungen, die sie selbst nicht schaffen kann. Dazu geh\u00f6rt verantwortungsvolles Unternehmertum nach dem Leitbild des \u201eehrbaren Kaufmanns\u201c. Dazu geh\u00f6ren aber auch die Leistungsbereitschaft und \u201eVerantwortungsfreudigkeit\u201c \u2013 wie Ludwig Erhard das so sch\u00f6n genannt hat \u2013 von anderen Beteiligten. Wir sehen zum Beispiel Verb\u00e4nde, die in Sonntagsreden gerne auf die Soziale Marktwirtschaft verweisen, beim ersten Problem aber nach staatlichen F\u00f6rdergeldern rufen. Und dann sehen wir auch Menschen, die lieber auf Kosten der Solidargemeinschaft leben anstatt zu arbeiten. Gerade einige junge Leute sind nicht mehr bereit, f\u00fcr einen Job auch Zugest\u00e4ndnisse zu machen, und etwa als B\u00e4cker um 2 Uhr nachts aufzustehen. Die Soziale Marktwirtschaft steht f\u00fcr Solidarit\u00e4t mit denen, die sich nicht selbst helfen k\u00f6nnen. Aber diese Solidarit\u00e4t ist keine Einbahnstra\u00dfe.<br \/>\nDie Soziale Marktwirtschaft setzt v\u00f6llig zu Recht auf Leistung, Wettbewerb und Eigenverantwortung. Wer bestehen will, muss sich anstrengen. Und wer sich anstrengt, soll mehr haben als der, der sich nicht anstrengt.<\/p>\n<p>Leider ist der Leistungsgedanke in Deutschland in den vergangenen Jahren ins Hintertreffen geraten. Beispiel Bildung: Der berechtigte Wunsch, dass mehr Kinder aus Nicht-Akademiker-Familien Abitur und einen Uni-Abschluss machen k\u00f6nnen, hat nicht dazu gef\u00fchrt, dass diese Kinder gezielt zu besseren Leistungen gef\u00f6rdert werden. Sondern die L\u00e4nder, gerade die rotgr\u00fcn-regierten, haben einfach die Standards gesenkt. So ist in Berlin die Zahl der Abiturienten mit einem 1,0-Abi binnen zehn Jahren um das 14-Fache gestiegen. Die Folgen: Das Handwerk sucht h\u00e4nderingend ausbildungsf\u00e4hige Lehrlinge. Denn: Die Sch\u00fcler mit den guten Noten gehen auf die Uni, viele mit schlechteren Noten sind nicht ausbildungsf\u00e4hig. Und an den Unis beklagen immer wieder Professoren die steigende Zahl von Studenten, die nicht hochschulreif sind. Am Ende mangelt es uns so auf doppelte Weise an gut ausgebildeten Fachkr\u00e4ften.<\/p>\n<p>Zur Wahrheit geh\u00f6rt auch, dass wir in Deutschland F\u00e4lle von tats\u00e4chlichen und vermeintlichen Leistungs-Ungerechtigkeit haben. Bei uns gibt es Arbeitnehmer, die zwei oder drei Jobs haben und trotz Mindestlohn noch zum Sozialamt m\u00fcssen, um ihre Familie ern\u00e4hren zu k\u00f6nnen. Vermeintlich ungerecht ist, dass der \u00f6rtliche B\u00e4cker und der gro\u00dfe Discount-B\u00e4cker im Wettbewerb stehen. Aber nach den Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft ist das in Ordnung. Ob aber immer mehr Discount-B\u00e4cker f\u00fcr das traditionsreiche B\u00e4cker-Handwerk und die Lebendigkeit von Ortskernen vorteilhaft sind, ist f\u00fcr mich mehr als fraglich.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2926\" aria-describedby=\"caption-attachment-2926\" style=\"width: 3000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/26925426331_e9457af340_o_m.jpg\" alt=\"\" width=\"3000\" height=\"1875\" class=\"size-full wp-image-2926\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/26925426331_e9457af340_o_m.jpg 3000w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/26925426331_e9457af340_o_m-420x263.jpg 420w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/26925426331_e9457af340_o_m-744x465.jpg 744w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/26925426331_e9457af340_o_m-768x480.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/26925426331_e9457af340_o_m-1200x750.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 3000px) 100vw, 3000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2926\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Tobias Koch<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zu einer Marktwirtschaft geh\u00f6rt auch die \u201esch\u00f6pferische Zerst\u00f6rung\u201c nach Joseph Schumpeter. In einer globalisierten und digitalisierten Welt kann ich heute nicht jedem leistungsbereiten Arbeitnehmer garantieren, dass es seinen Job in 10 oder 20 Jahren noch gibt. Ein Beispiel: Es gibt heute kaum noch Videotheken. Streaming-Dienste haben hier l\u00e4ngst das Rennen gemacht \u2013 mit der Folge, dass Arbeitspl\u00e4tze weggefallen sind. Und ich kann nicht jedem noch so motivierten Arbeiter am Flie\u00dfband garantieren, dass sein Job nicht in naher Zukunft von einem Roboter \u00fcbernommen wird. Als Politiker etwas anderes zu behaupten, ist unredlich. Und auf die Standard-Antwort von SPD und Gr\u00fcnen, gegen alle Unw\u00e4gbarkeiten des Lebens den Sozialstaat aufzubl\u00e4hen, m\u00f6chte ich mit einer \u201eGretchenfrage\u201c von Ludwig Erhard antworten: \u201eHat denn das Eindringen des Staates, der \u00f6ffentlichen Hand und der sonstigen gro\u00dfen Kollektive in das menschliche Leben, hat die damit verbundene Aufbl\u00e4hung der \u00f6ffentlichen Haushalte nun wirklich zur Vermehrung seiner Sicherheit, zur Bereicherung seines Lebens und zur Minderung der Lebensangst jedes einzelnen beigetragen?\u201c Die Antwort d\u00fcrfte klar sein.<\/p>\n<p>Ja, in einer Zeit, in der ohnehin viele Menschen durch globale Entwicklungen verunsichert sind, schafft eine Marktwirtschaft auf den ersten Blick nicht mehr Sicherheit. Aber die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland hat bewiesen, dass sie auch in schwierigen Zeiten f\u00fcr Wohlstand f\u00fcr viele sorgen kann. Wir haben den Wiederaufbau nach dem Krieg, die Wiedervereinigung, die internationale Wirtschaftskrise 2008 und die Eurokrise nicht nur gemeistert, sondern Deutschland steht heute wirtschaftlich so stark da wie noch nie. Das liegt auch an den richtigen politischen Leitplanken. Wir als CDU haben sie in den vergangenen Jahren richtig gesetzt: Mit soliden Finanzen ohne neue Schulden, dem Verzicht auf Steuererh\u00f6hungen und mit Rekordinvestitionen in Bildung, Forschung und Infrastruktur. Aber das liegt vor allem daran, dass es noch genug Menschen in unserem Land gibt, die die Werte und Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft nach Ludwig Erhard mit Leben f\u00fcllen. Der B\u00e4cker in meiner Heimat geh\u00f6rt dazu. Solange es solche Menschen in unserem Vaterland gibt, wird mir um den Wohlstand in Deutschland nicht bange. Wir haben allen Grund zum Optimismus.<\/p>\n<p><i>Ver\u00f6ffentlicht als Namensbeitrag  anl\u00e4sslich des 120. Geburtstages von Ludwig Erhard auf welt.de<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Es w\u00e4re ein Leichtes, anl\u00e4sslich des 120. 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