{"id":2744,"date":"2016-06-07T09:23:21","date_gmt":"2016-06-07T09:23:21","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2744"},"modified":"2017-02-16T09:21:35","modified_gmt":"2017-02-16T09:21:35","slug":"seht-da-sind-die-katholiken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2744","title":{"rendered":"Seht, da sind die Katholiken!"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Leipzig \u2013 das ist nicht nur der Ort, an dem sich rund um Fronleichnam\u00a0Tausende zum Katholikentag getroffen haben. Leipzig ist auch der Ort, an dem mein hessischer Landsmann Johann Wolfgang von Goethe einige Jahre studierte. Ein von ihm gern besuchter Ort war Auerbachs Keller \u2013 eine Leipziger Institution. Ein Denkmal setzte Goethe dieser Gastst\u00e4tte im Faust I mit der Szene<i> Auerbachs Keller in Leipzig<\/i>. Einige Kapitel sp\u00e4ter begegnet dem Leser der Trag\u00f6die die weltber\u00fchmte Gretchenfrage. Gretchen fragt den Gelehrten Heinrich Faust: \u201eNun sag, wie hast du\u2019s mit der Religion?\u201c\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2745\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/IMG_4734.jpg\" alt=\"IMG_4734\" width=\"1908\" height=\"1908\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/IMG_4734.jpg 1908w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/IMG_4734-420x420.jpg 420w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/IMG_4734-744x744.jpg 744w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/IMG_4734-768x768.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/IMG_4734-1200x1200.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1908px) 100vw, 1908px\" \/><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Dieser Frage hatte sich auch die Stadt Leipzig zu stellen, als sie Gastgeberin des diesj\u00e4hrigen Katholikentags war. Nur vier Prozent der Leipzigerinnen und Leipziger sind katholisch, elf Prozent evangelisch. Auf den ersten Blick nicht gerade der naheliegendste Ort f\u00fcr solch ein kirchliches Gro\u00dfereignis. Auf den zweiten Blick aber doch vielleicht genau der richtige Ort. Denn: Wo stellt sich die Gretchenfrage dr\u00e4ngender als an Orten, in der Kirche, in der Religion nicht zum Alltag der Menschen geh\u00f6rt.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Wenn heute die Religionsfreiheit f\u00fcr Muslime ganz offen in Frage gestellt wird, wenn Kirche immer wieder unter Legitimationsdruck ger\u00e4t, wenn viele Menschen mit christlichen Feiertagen nichts mehr anfangen k\u00f6nnen, wenn Religion aus dem \u00f6ffentlichen Raum gedr\u00e4ngt wird, dann stellt sich unserem ganzen Land die Frage: \u201eNun sag, wie hast du\u2019s mit der Religion?\u201c<\/span><span class=\"s1\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Mit dieser Frage k\u00f6nnen wir uns sehr abstrakt besch\u00e4ftigen \u2013 mit Verweis auf unser gewachsenes Religionsverfassungsrecht und die korporative Religionsfreiheit, mit philosophischen Ann\u00e4herungen an den Menschen als <i>homo religiosus<\/i>, mit kulturgeschichtlichen Betrachtungen der christlichen Pr\u00e4gung Europas und mit vielem mehr.<\/span><span class=\"s1\">\u00a0<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_2750\" aria-describedby=\"caption-attachment-2750\" style=\"width: 1300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13268231_1021412934617030_2369590935898811192_o.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2750 size-full\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13268231_1021412934617030_2369590935898811192_o.jpg\" alt=\"13268231_1021412934617030_2369590935898811192_o\" width=\"1300\" height=\"865\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13268231_1021412934617030_2369590935898811192_o.jpg 1300w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13268231_1021412934617030_2369590935898811192_o-420x279.jpg 420w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13268231_1021412934617030_2369590935898811192_o-744x495.jpg 744w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13268231_1021412934617030_2369590935898811192_o-768x511.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13268231_1021412934617030_2369590935898811192_o-1200x798.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1300px) 100vw, 1300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2750\" class=\"wp-caption-text\">Unterwegs auf der Kirchenmeilen bot sich immer wieder Zeit fu\u0308r spontane Gespra\u0308che mit anderen Besuchern.<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Wir k\u00f6nnen aber auch mit wachem Blick auf die ganz konkrete Wirklichkeit der Religion in unserer Umgebung schauen \u2013 und dabei ganz besonders auf die Menschen, die aufgrund ihrer religi\u00f6sen \u00dcberzeugung mit anpacken und die Welt mit jeder auch noch so kleinen Tat ein St\u00fcckchen besser machen.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Genau dies habe ich bei meinem Besuch des Katholikentages einmal mehr erleben k\u00f6nnen. Ich habe begeisternde Menschen getroffen, spannende Geschichten geh\u00f6rt und wunderbare Gespr\u00e4che gef\u00fchrt. Dabei zog sich wie ein roter Faden durch all diese Begegnungen: Glaube ist f\u00fcr viele etwas, das einen aufr\u00fcttelt, das einen f\u00f6rmlich zum Handeln und Anpacken zwingt. Viele Gl\u00e4ubige f\u00fchlen sich nicht auf der Zuschauertrib\u00fcne wohl, sie wollen mitmischen \u2013 und das aus ihrem religi\u00f6sen Selbstverst\u00e4ndnis heraus.<\/span><\/p>\n<p class=\"p2\"><span class=\"s1\">Und: Glaube habe ich auf dem Katholikentag auch nicht als etwas erlebt, das die Welt in Rosarot f\u00e4rbt. Der gelebte Glaube ersch\u00f6pft sich nicht in einem fr\u00f6hlichen Halleluja und klatschender Begleitung von religi\u00f6sem Liedgut. Es gibt wohl kein Problem in unserem Land, das nicht auf dem Katholikentag angesprochen wurde. Aber im Unterschied zu denjenigen in unserem Land, die sich auf der Zuschauertrib\u00fcne bequem eingerichtet haben und mit n\u00f6rgelndem Unterton der Problembeschreibung fr\u00f6nen, sp\u00fcrte ich in Leipzig ein echtes Ringen \u2013 um gute L\u00f6sungen, um Verbesserung f\u00fcr die Menschen, um Konsens und Zusammenhalt.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_2749\" aria-describedby=\"caption-attachment-2749\" style=\"width: 1300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13329608_1021412877950369_3056026892493350509_o.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2749 size-full\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13329608_1021412877950369_3056026892493350509_o.jpg\" alt=\"13329608_1021412877950369_3056026892493350509_o\" width=\"1300\" height=\"690\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13329608_1021412877950369_3056026892493350509_o.jpg 1300w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13329608_1021412877950369_3056026892493350509_o-420x223.jpg 420w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13329608_1021412877950369_3056026892493350509_o-744x395.jpg 744w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13329608_1021412877950369_3056026892493350509_o-768x408.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13329608_1021412877950369_3056026892493350509_o-1200x637.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1300px) 100vw, 1300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2749\" class=\"wp-caption-text\">Gespra\u0308ch am Stand von donum vitae, einem Verein fu\u0308r Schwangerenkonfliktberatung.<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Da sind Haupt- und Ehrenamtliche bei den Maltesern, die anpacken, indem sie nicht nur Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnfte betreiben sondern vor allem Integration voranbringen. Da sind Frauen und M\u00e4nner bei <i>donum vitae<\/i>, die sich selbst organisieren, um schwangeren Frauen in einer schwierigen Entscheidungssituation zur Seite zu stehen. Da sind junge Menschen im Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), die sich der Frage stellen, wie Politik aus Perspektive junger Menschen aussehen muss. Da sind Milit\u00e4rseelsorger, die R\u00e4ume f\u00fcr Soldatinnen und Soldaten schaffen, um \u00fcber ihren schwierigen\u00a0 und wichtigen Dienst f\u00fcr unser Land zu sprechen.<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Die Liste lie\u00dfe sich fast beliebig fortsetzen. Aber eines eint alle: Resignation, Jammern und Meckern ist keine Option. Religi\u00f6se \u00dcberzeugung provoziert zur Tat, zum Handeln und Mitmachen. Als Generalsekret\u00e4r erlebe ich diese Haltung t\u00e4glich auch in unserer Partei. Christdemokraten \u2013 ob Christen, Juden, Muslime oder Nichtgl\u00e4ubige \u2013 wollen genauso anpacken. Sie \u00fcberlassen das Meckern gerne anderen, wenn sie stattdessen auch nur einen kleinen Schritt machen k\u00f6nnen, unser Land voranzubringen.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_2747\" aria-describedby=\"caption-attachment-2747\" style=\"width: 1300px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13316921_1021412814617042_186363156013057243_o.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-2747 size-full\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13316921_1021412814617042_186363156013057243_o.jpg\" alt=\"13316921_1021412814617042_186363156013057243_o\" width=\"1300\" height=\"687\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13316921_1021412814617042_186363156013057243_o.jpg 1300w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13316921_1021412814617042_186363156013057243_o-420x222.jpg 420w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13316921_1021412814617042_186363156013057243_o-744x393.jpg 744w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13316921_1021412814617042_186363156013057243_o-768x406.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13316921_1021412814617042_186363156013057243_o-1200x634.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1300px) 100vw, 1300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2747\" class=\"wp-caption-text\">Begegnung mit Flu\u0308chtlingen bei den Maltesern. Mit dabei auch Constantin von Brandenstein-Zeppelin (l.) aus meinem Wahlkreis.<\/figcaption><\/figure>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">\u201eNun sag, wie hast Du\u2019s mit der Religion?\u201c Als Christdemokraten f\u00e4llt uns die Antwort auf diese Frage leicht: Religion ist Kraftquelle f\u00fcrs Anpacken; Religion fordert auf zum Bessermachen; Religion schenkt den Mut zum Handeln. Deshalb wissen wir um den Wert des Religi\u00f6sen. Deshalb stehen wir ohne Wenn und Aber zur Religionsfreiheit. Deshalb hat Religion im \u00f6ffentlichen Raum etwas zu suchen.<\/span><span class=\"s1\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><span class=\"s1\">Seit Jahren begleitet mich ein Satz des Jesuitenpaters Alfred Delp. Als Mitglied des Kreisauer Kreises war er im Widerstand gegen Hitler aktiv und wurde im Februar 1945 in Berlin-Pl\u00f6tzensee von den Nationalsozialisten hingerichtet. Von diesem mutigen und im Glauben tief verwurzelten Mann stammt der Satz: \u201eWer nicht den Mut hat, Geschichte zu machen, wird ihr armes Objekt. Lasst uns tun!\u201c Dieser Satz klang mir beim Katholikentag das eine oder andere Mal in den Ohren. Wir k\u00f6nnen uns gl\u00fccklich sch\u00e4tzen, wie viele Menschen in unserem Land dieser Devise folgen \u2013 vielen Dank ihnen allen!<\/span><\/p>\n<p class=\"p1\"><a href=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13316818_1021412751283715_6194787603044364864_o.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2748\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13316818_1021412751283715_6194787603044364864_o.jpg\" alt=\"13316818_1021412751283715_6194787603044364864_o\" width=\"1300\" height=\"934\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13316818_1021412751283715_6194787603044364864_o.jpg 1300w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13316818_1021412751283715_6194787603044364864_o-420x302.jpg 420w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13316818_1021412751283715_6194787603044364864_o-744x535.jpg 744w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13316818_1021412751283715_6194787603044364864_o-768x552.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/13316818_1021412751283715_6194787603044364864_o-1200x862.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 1300px) 100vw, 1300px\" \/><\/a><\/p>\n<p class=\"p1\"><em>Fotos (4): Tobias Koch<\/em><\/p>\n<p class=\"p1\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Leipzig \u2013 das ist nicht nur der Ort, an dem sich rund um Fronleichnam\u00a0Tausende zum Katholikentag getroffen haben. 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