{"id":2564,"date":"2015-10-31T07:17:01","date_gmt":"2015-10-31T07:17:01","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2564"},"modified":"2017-02-16T09:21:43","modified_gmt":"2017-02-16T09:21:43","slug":"wem-gehoeren-die-deutschen-farben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2564","title":{"rendered":"Wem geh\u00f6ren die deutschen Farben?"},"content":{"rendered":"<p>Zwei Tage lang habe ich vor kurzem als Reservist der Bundeswehr in einer Fl\u00fcchtlingsunterkunft in Offenbach geholfen. An den W\u00e4nden der Halle hingen Bilder, die Fl\u00fcchtlingskinder gemalt hatten. Neben vielen schrecklichen Dingen malten die Kinder vor allem eins: schwarz-rot-goldene Fahnen. Wie kommt das? Was verbinden sie mit diesen Farben? Ihre Geschichte und Bedeutung werden sie wohl kaum kennen.<\/p>\n<p>Auf dem \u00c4rmel meines Feldanzugs war ebenfalls die Deutschlandfahne aufgen\u00e4ht \u2013 so wie auf allen Uniformen deutscher Soldaten. Ich trage diese Farben mit Stolz. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Fl\u00fcchtlinge-17-e1445079266244.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Fl\u00fcchtlinge-17-e1445079266244.jpg\" alt=\"Fl\u00fcchtlinge 17\" width=\"2448\" height=\"2448\" class=\"alignright size-full wp-image-2551\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Fl\u00fcchtlinge-17-e1445079266244.jpg 2448w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Fl\u00fcchtlinge-17-e1445079266244-420x420.jpg 420w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Fl\u00fcchtlinge-17-e1445079266244-744x744.jpg 744w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Fl\u00fcchtlinge-17-e1445079266244-768x768.jpg 768w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/Fl\u00fcchtlinge-17-e1445079266244-1200x1200.jpg 1200w\" sizes=\"(max-width: 2448px) 100vw, 2448px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Legende nach waren es die L\u00fctzowschen J\u00e4ger, die ihre Jacken schwarz f\u00e4rbten, goldene Kn\u00f6pfe und rote Aufschl\u00e4ge trugen, um so in den Freiheitskriegen gegen Napoleon einheitlich aufzutreten. Als Freiwillige in einer nicht regul\u00e4ren milit\u00e4rischen Einheit erreichten sie &#8211; nicht nur weil bekannte M\u00e4nner wie Friedrich Ludwig Jahn und Joseph Eichendorff in ihren Reihen dienten &#8211; eine legend\u00e4re Ber\u00fchmtheit.  Die J\u00e4ger wurden zum Sinnbild des Strebens nach Freiheit und mehr noch der Bereitschaft f\u00fcr diese Freiheit alles einzusetzen \u2013 auch das eigene Leben. <\/p>\n<p>Sp\u00e4ter griffen die Studenten die Farben auf. Es ging nicht mehr gegen Napoleon, sondern gegen die deutsche Kleinstaaterei und die F\u00fcrstenherrschaft f\u00fcr nationale Einheit, Freiheit und politische Mitbestimmung. Auf dem Hambacher Fest, das nicht nur ein deutsches, sondern ein europ\u00e4isches Freiheitsfest war, wehten die Farben \u00fcber dem Schloss. Im Vorm\u00e4rz und in der Revolution von 1848 wurde die schwarz-rot-goldene Fahne endg\u00fcltig zur deutschen Trikolore der Freiheit und der Hoffnung.  L\u00e4ngst ging es auch um soziale Fragen, denn Millionen Deutsche mussten ihre Heimat aus wirtschaftlicher Not verlassen. Allein in die USA wanderten \u00fcber f\u00fcnf Millionen aus. Meist schickten die Familien die S\u00f6hne, wenn sie es sich nicht leisten konnten, gemeinsam auszuwandern.<\/p>\n<p>Es herrschte tiefe Verzweiflung in deutschen Landen. Hoffman von Fallersleben dichtete: \u201eAlles l\u00e4sst sich schwarz nur sehen, Rot und Gold, wo bleibt ihr?\u201c Jacob Grimm formulierte als Abgeordneter der Paulskirche 1848: \u201eDas deutsche Volk ist ein Volk von Freien und deutscher Boden duldet keine Knechtschaft. Fremde Unfreie die auf ihm verweilen macht er frei.\u201c Doch diese Verhei\u00dfung, auf deren Erf\u00fcllung die Deutschen als Nation bis 1990 warten mussten, musste erst noch hart erk\u00e4mpft werden. <\/p>\n<p>Bismarck und die Preu\u00dfen konnten den Farben bei der Reichsgr\u00fcndung, die ein Werk der F\u00fcrsten und nicht des Volkes war, nichts abgewinnen. Und auch in der ersten deutschen Republik 1919 hatten die deutschen Farben einen schweren Stand. Die Nationalsozialisten verspotteten sie als \u201eSchwarz-Rot-Senf\u201c.<\/p>\n<p>Nach Gr\u00fcndung der Bundesrepublik taten sich die Deutschen lange schwer mit \u201eihren\u201c Farben. Dabei gab es keinerlei Grund zur Zur\u00fcckhaltung. Die Farben sind historisch nie missbraucht worden. Die Nazis sp\u00fcrten, dass sie mit den Werten, f\u00fcr die diese drei Farben in der deutschen Geschichte standen, nichts anfangen konnten. Doch Hitler hatte den Deutschen die Freude an und den Stolz auf die eigene Nation gr\u00fcndlich verleidet. Da half auch vorerst die R\u00fcckbesinnung auf die Farben von Einigkeit und Recht und Freiheit nichts. Inzwischen ist das anders, und zum Gl\u00fcck nicht mehr nur bei Fu\u00dfballspielen. Wenn die Nationalhymne gesungen wird stehen die Menschen auf, man muss keine Textbl\u00e4tter mehr auslegen. Jeder kennt den Glanz des Gl\u00fcckes, in dem unser Vaterland bl\u00fcht, weil wir sehr wohl wissen, dass die Deutschen nie freier und gl\u00fccklicher lebten als heute. Wir sind uns dessen im Alltag vielleicht nicht bewu\u00dft. Und wir sollten uns fragen: Treten wir, wenn es ernst wird, f\u00fcr die Werte, f\u00fcr die unsere Farben stehen, ein?<\/p>\n<p>Deutsche Schulkinder malen bunte Blumen oder Tiere, vielleicht auch Kinder in allen Hautfarben. So erleben sie selbst den Alltag in ihren Schulen vielerorts. Trotz dieser Vielfalt verbindet die Kinder, dass sie meist alle in Deutschland geboren worden sind. Dass sie Deutschlandfahnen malen ist indes seltener zu beobachten. Vielleicht w\u00e4re es auch an der Zeit, in deutschen Schulen und Kinderg\u00e4rten wenigstens rund um den 3. Oktober wieder zu erz\u00e4hlen, welche Hoffnungen unser Volk in der Vergangenheit mit diesen Farben verbunden hat und was sie bedeuten.<\/p>\n<p>Bei PEGIDA schwenken unter dem Rufen dummer Parolen viele Menschen die deutschen Fahnen. Sie wissen nichts \u00fcber deren Bedeutung. Schwarz, Rot, Gold sind nicht nur die Farben der Freiheit f\u00fcr das deutsche Volk. Sie stehen f\u00fcr die Freiheit aller V\u00f6lker und Menschen, und die Deutschen, die sich diesen Farben verschworen hatten, unterst\u00fctzten den Freiheitskampf der Polen genauso wie die nationale Einigung anderer europ\u00e4ischer L\u00e4nder. Angesichts der vielen dumpfen Ressentiments, die bei den Demonstrationen in Dresden und anderenorts gesch\u00fcrt werden, w\u00fcrden sich diejenigen, die f\u00fcr und unter dieser Fahne gek\u00e4mpft und ihr Leben hingegeben haben, wahrscheinlich sch\u00e4men.<\/p>\n<p>Wenn derzeit in Deutschland Fl\u00fcchtlingskinder malen, dann greifen sie oft zu den Stiften, die ihnen erlauben, eine Deutschlandfahne zu malen. Oft sind auch ihre Autos oder H\u00e4user Schwarz-Rot-Gold. Sie kennen unsere Fahne, aber sie wissen nichts \u00fcber die Bedeutung unserer deutschen Farben. Aber sie geben ihnen unbewusst ihre historische Bedeutung zur\u00fcck. F\u00fcr die Fl\u00fcchtlingskinder sind die Farben Schwarz-Rot-Gold die Farben der Freiheit, des Friedens und der Hoffnung. Das sollte uns stolz machen. Und wir sollten ihnen diese Farben schenken. Sie haben viel mehr einen Anspruch darauf und das Versprechen der Farben auf eine gute Zukunft, auf die Hoffnung, mit Flei\u00df etwas zu erreichen und sicher und beh\u00fctet aufzuwachsen, als diejenigen, die unter unserer Fahne derzeit Hass und Angst im Land verbreiten. Nehmen wir denen unsere deutsche Fahne weg. Sie ist zu sch\u00f6n daf\u00fcr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Zwei Tage lang habe ich vor kurzem als Reservist der Bundeswehr in einer Fl\u00fcchtlingsunterkunft in Offenbach geholfen. 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