{"id":2542,"date":"2015-10-10T07:54:18","date_gmt":"2015-10-10T07:54:18","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2542"},"modified":"2017-02-16T09:21:44","modified_gmt":"2017-02-16T09:21:44","slug":"ein-neues-deutsches-leitbild","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2542","title":{"rendered":"Ein neues deutsches Leitbild"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man in der Welt herumfragt, was typisch Deutsch ist, d\u00fcrften einige Begriffe schnell fallen: Deutsches Brot und Bier, Weihnachtsm\u00e4rkte und Autos, Flei\u00df und Disziplin, aber auch german angst und Gartenzwerge. Nicht alle diese Bilder stimmen. Der Gartenzwerg kommt aus der T\u00fcrkei, und auf die uns zugeschriebene german angst sollten wir nicht stolz sein. Und hinzukommt: Nach unserem Verst\u00e4ndnis ist das ja l\u00e4ngst nicht alles, was unser Land ausmacht. <\/p>\n<p>Momentan stehen bei der Bew\u00e4ltigung der hohen Zahl von Fl\u00fcchtlingen und Asylbewerbern die praktischen Fragen im Vordergrund: Wie k\u00f6nnen Unterk\u00fcnfte organisiert und die Verfahren beschleunigt werden? Was k\u00f6nnen wir tun, damit die Sicherung der EU-Au\u00dfengrenzen wieder funktioniert und die Ankommenden gerecht innerhalb Europas verteilt werden? Was m\u00fcssen wir tun, um die Fluchtursachen vor Ort zu bek\u00e4mpfen? An der L\u00f6sung dieser Aufgaben arbeitet die Politik.<\/p>\n<p>Doch auch wenn wir diese akuten Probleme bew\u00e4ltigt haben, liegt noch viel Arbeit vor uns. Denn viele von denen, die bei uns Schutz suchen, werden bleiben. Wenn aber viele Menschen aus anderen L\u00e4ndern bei uns bleiben werden, dann wird das unser Land ver\u00e4ndern. Manche wollen das nicht. Zur Wahrheit geh\u00f6rt: Unser Land hat sich immer ver\u00e4ndert. Dazu braucht es keine Fl\u00fcchtlinge. Die Bundesrepublik des Jahres 2015 ist eine andere als die des Jahres 1955 oder 1995. Trotzdem ist es unser Vaterland, und es gibt Werte und Rechtsnormen, die wir richtig finden und bewahren wollen. Wer glaubt, er k\u00f6nne Ver\u00e4nderung aufhalten, der wird sie erleiden. Es ist das Selbstverst\u00e4ndnis von Christdemokraten, dieser Ver\u00e4nderung eine Richtung zu geben.<\/p>\n<p>Und diese Richtung soll eine Gute sein: Niemand w\u00fcnscht sich heute ein gesellschaftliches Klima, in dem Frauen keine Vertr\u00e4ge ohne Zustimmung des Ehemanns abschlie\u00dfen d\u00fcrfen oder es Verfolgung von Homosexuellen durch den Staat gibt. Beides war \u00fcbrigens in der fr\u00fchen Bundesrepublik geltende Rechtslage und damit deutsche Leitkultur. Diese hat sich also ver\u00e4ndert, und \u00fcber viele dieser Ver\u00e4nderungen sind wir heute froh. Weil wir in Frieden und Freiheit leben, kommen aktuell viele Menschen zu uns. Sie werden verstehen m\u00fcssen, dass sie \u201eein Gesamtpaket kaufen\u201c. Frieden und Freiheit gibt es nicht ohne Gleichberechtigung, Toleranz, Rechtstreue. Wir m\u00fcssen erkl\u00e4ren, was das bedeutet. <\/p>\n<p>Wir d\u00fcrfen daher begangene Fehler nicht wiederholen  Um die Gastarbeiter hat sich damals niemand wirklich bem\u00fcht. Man dachte (oder hoffte), sie gehen irgendwann wieder. Aber sie sind hier geblieben, haben sich etwas aufgebaut, Familien gegr\u00fcndet. Die strikte Ablehnung der Realit\u00e4t Deutschlands als Einwanderungsland durch die Union war genauso falsch wie rot-gr\u00fcne Multikulti-Tr\u00e4ume. Integration setzt Anstrengungen voraus \u2013 f\u00fcr die, die neu hinzukommen, aber eben auch f\u00fcr die, die schon da sind.<\/p>\n<p>Als die CDU schon einmal eine Diskussion \u00fcber die deutsche Leitkultur forderte, war die Emp\u00f6rung gro\u00df. Heute h\u00f6rt man solche Forderungen auch von Gr\u00fcnen und Sozialdemokraten. Bereits zu Beginn des Jahres habe ich nicht nur eine Diskussion \u00fcber ein deutsches Leitbild eingefordert, sondern daf\u00fcr geworben, den Vorschlag von Wissenschaftlern der Humboldt-Universit\u00e4t aus der Studie \u201eTypisch Deutsch\u201c aufzugreifen, ein solches konkretes Leitbild zu ermitteln. Das Einwanderungsland Kanada hat das \u00fcbrigens gemacht, um sich dar\u00fcber klar zu werden, was die eigene Gesellschaft ausmacht, was sie Neuank\u00f6mmlingen anzubieten hat, aber noch wichtiger: was sie von diesen erwartet.  <\/p>\n<p>Unser Grundgesetz ist die Basis dieses Leitbildes, aber dazu geh\u00f6rt aus meiner Sicht mehr. Die Bereitschaft, sich ehrenamtlich in unserer Gesellschaft zu engagieren; die Idee, dass jeder, der flei\u00dfig ist und sich anstrengt, den sozialen Aufstieg schaffen kann; dass Religionsfreiheit hei\u00dft, die Religion wechseln zu d\u00fcrfen; dass Gleichberechtigung bedeutet, dass zunehmend Frauen den Ton angeben, und Toleranz und Gleichstellung, dass sich zwei M\u00e4nner auf der Stra\u00dfe ganz selbstverst\u00e4ndlich k\u00fcssen; dass Familien mit vielen Kindern Unterst\u00fctzung von allen erfahren und nicht als asozial beschimpft werden; aber auch der Stolz auf Deutschland, das Mitsingen unserer Nationalhymne und die gemeinsame Freude \u2013 nicht nur beim Fu\u00dfball, sondern gerne auch etwas lauter und fr\u00f6hlicher an unserem Nationalfeiertag: All das steht so nicht im Grundgesetz, aber w\u00e4re aus meiner Sicht ein sch\u00f6ner und wichtiger Bestandteil eines neuen deutschen Leitbildes.<\/p>\n<p>Die Menschen, die hier bleiben, sollten Schwarz-Rot-Gold als ihre Farben lieben lernen. Dazu geh\u00f6rt dann  auch, dass wir uns fragen, wie wir \u00fcber unser Land sprechen. Denn wenn wir nicht begeistert von Deutschland sind, wie sollten wir dann andere daf\u00fcr begeistern? Und wir k\u00f6nnen doch wahrlich stolz auf unser Vaterland sein \u2013 ein Land, das mit allen Nachbarn in Frieden und Freundschaft lebt, das frei, demokratisch und offen ist, das f\u00fcr viele Menschen aus anderen Regionen ein Sehnsuchtsland ist. Wir m\u00fcssen denen, die bleiben, aber auch pr\u00e4gende Momente unserer Geschichte erkl\u00e4ren: Wer in Deutschland aufgewachsen und zur Schule gegangen ist wei\u00df, warum wir eine besondere Verantwortung f\u00fcr die Sicherheit Israels haben, warum wir dankbar und gl\u00fccklich sind, dass es wieder lebendige j\u00fcdische Gemeinden bei uns gibt. Wer Antisemitismus lebt, der stellt sich au\u00dferhalb der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Wenn wir \u00fcber die Werte unserer Gesellschaft diskutieren, dann m\u00fcssen wir uns aber ehrlich machen. Es reicht nicht, von Muslimen zu verlangen, sich klar von Homophobie und Antisemitismus zu distanzieren, wenn wir beides auch so in unserer Gesellschaft haben. Es reicht nicht, Sorge \u00fcber den Verlust der durch das christliche Abendland gepr\u00e4gten Werte zu \u00e4u\u00dfern und sinnbildlich die Umbenennung von Weihnachtsm\u00e4rkten zu beklagen, wenn man selbst den verkaufsoffenen Sonntag fordert, aus der Kirche austritt und nicht mehr erkl\u00e4ren kann, was Pfingsten bedeutet.   <\/p>\n<p>Im \u00dcbrigen: Ein gesellschaftliches Leitbild gilt auch f\u00fcr die, die bereits hier leben \u2013 Deutsche wie Einwanderer gleicherma\u00dfen. Die Diskussion dar\u00fcber wird nie zu Ende sein. Denn jede Generation muss aufs Neue kl\u00e4ren, welche Werte zu einem solchen Leitbild geh\u00f6ren. Aus meiner Sicht kommt der CDU bei dieser Diskussion \u00fcber das Verbindende in der Gesellschaft eine Schl\u00fcsselrolle zu. Denn wir haben die Br\u00fccke schon im Namen \u2013 das \u201eU\u201c f\u00fcr Union, das Gegens\u00e4tze \u00fcberwinden will. Wir m\u00fcssen der Motor in der Debatte sein, die nun wieder einmal dringend notwendig ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Wenn man in der Welt herumfragt, was typisch Deutsch ist, d\u00fcrften einige Begriffe schnell fallen: Deutsches Brot und Bier, Weihnachtsm\u00e4rkte&hellip;<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"link-more\">\n\t<a href=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2542\" class=\"more-link\">\n\t\tWeiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Ein neues deutsches Leitbild&rdquo;<\/span>&hellip;\t<\/a>\n<\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"footnotes":"","_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false},"version":2}},"categories":[785,6],"tags":[723,110],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p35WCI-F0","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2542"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2542"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2542\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2543,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2542\/revisions\/2543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2542"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2542"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2542"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}