{"id":2453,"date":"2015-07-02T07:00:43","date_gmt":"2015-07-02T07:00:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2453"},"modified":"2017-02-16T09:21:45","modified_gmt":"2017-02-16T09:21:45","slug":"der-tod-wurde-statt-ware","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2453","title":{"rendered":"Der Tod \u2013 W\u00fcrde statt Ware"},"content":{"rendered":"<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"560\" height=\"315\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/nbwO23wda4Y\" frameborder=\"0\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Die Frage der menschenw\u00fcrdigen Begleitung in unserer letzten Lebensphase, geh\u00f6rt zu den gr\u00f6\u00dften Herausforderungen unserer Gesellschaft. Das Sterben besch\u00e4ftigt nicht nur alte Menschen. Ein w\u00fcrdiger Abschied, Leid, Sterben und Tod betreffen alle Altersklassen. Es ist schwierig die Balance zwischen Lebensschutz und Selbstbestimmung zu finden. <\/p>\n<p>Derzeit wird im Bundestag heftig \u00fcber das Thema diskutiert. In der Debatte um die \u201eorganisierte Sterbehilfe\u201c steht f\u00fcr mich immer der Mensch im Vordergrund. Deshalb bin ich konsequent gegen eine gewerbliche oder ehrenamtlich organisierte Sterbehilfe. F\u00fcr mich ist ein solch unmoralisches Verhalten, bei dem Betroffene und deren Familie zu Handlungen gedr\u00e4ngt werden, unbegreiflich. Genau deshalb bin ich fest entschlossen, den <a href=\"http:\/\/www.dghs.de\/fileadmin\/user_upload\/Dateien\/PDF\/Gesetzentwuerfe\/Gesetzentwurf_217_Brand_et_al.pdf\">fraktions\u00fcbergreifenden Antrag der Bundestagsabgeordneten Michael Brand, Kerstin Griese, Kathrin Vogler, Harald Terpe zur \u201eStrafbarkeit der gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfigen F\u00f6rderung der Selbstt\u00f6tung\u201c<\/a> zu unterst\u00fctzen.  <\/p>\n<p>Der Antrag zeigt eine gute L\u00f6sung, um organisiertem Druck auf Sterbende und ihre Angeh\u00f6rigen entschieden entgegenzuwirken und so ein Sterben in W\u00fcrde zu erm\u00f6glichen. Nat\u00fcrlich muss auf die \u00c4ngste der Menschen vor m\u00f6glichen langen und schmerzhaften Sterbeprozessen eingegangen werden. Es gilt hier auch, die Angeh\u00f6rigen der Betroffenen auf bestm\u00f6gliche Art und Weise in die Versorgung einzubeziehen und ihnen Geh\u00f6r zu schenken, ihre \u00c4ngste und Bed\u00fcrfnisse wahr- und ernst zu nehmen.  Im Kern geht es darum, sowohl die gesch\u00e4ftsm\u00e4\u00dfige als auch die gewerbliche Sterbehilfe zu verbieten. Unber\u00fchrt davon bleibt die Beihilfe zum Suizid, die in vielen F\u00e4llen gelebt wird, wenn Menschen unvorstellbar leiden. Dieser Ausweg, den der Gesetzgeber aus gutem Grund nicht strafbewehrt stellt, bleibt offen.<\/p>\n<p>Damit ist der Gesetzesentwurf aus meiner Sicht derjenige, der am besten differenziert. Er sch\u00fctzt das Leben als h\u00f6chstes Gut und bewahrt Freir\u00e4ume f\u00fcr individuelle Schicksale, die sich einer Regelung durch den Gesetzgeber entziehen. Es gibt dramatische Momente und Schicksale, da schweigt das Recht. F\u00fcr mich ist es eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, dass den Betroffenen sowie den Angeh\u00f6rigen mit Respekt und Achtung entgegengetreten wird. Dies gelingt mit dem von mir unterst\u00fctzten Gesetz aus meiner Sicht am besten. <\/p>\n<p>Um ihnen zu helfen muss der Palliativbereich konsequent ausgenbaut und der Tod darf keinesfalls zur kommerziellen Ware werden. Wir beobachten in den Niederlanden, die die Sterbehilfe entsprechend liberalisiert haben, einen Trend. Immer \u00f6fter m\u00fcssen sich alte  und sterbenskranke Menschen sowie ihre Angeh\u00f6rigen daf\u00fcr rechtfertigen, dass sie am Leben h\u00e4ngen. Warum sie nicht einfach \u201eSchluss machen\u201c w\u00fcrden.  Genau deshalb empfinden wir es als befremdlich, dass in Deutschland zunehmend Vereine und Einzelpersonen assistierten Suizid anbieten. Die Antwort darauf kann nicht sein, die H\u00fcrden f\u00fcr einen Selbstmord zu senken, sondern sich zu fragen, ob die Selbstt\u00f6tung wirklich der letzte Ausweg ist. Viele Experten machen f\u00fcr Selbstmorde oft auch Depressionen verantwortlich, die behandelbar sind. Dar\u00fcber hinaus ist die Verbesserung in der Palliativmedizin ein ganz zentraler Baustein. <\/p>\n<p>Im Gegensatz zur klassischen heilenden Medizin steht bei der Palliativmedizin nicht die Verl\u00e4ngerung des Lebens im Fokus. Vielmehr ein selbstbestimmtes, w\u00fcrdevolles Leben bis zuletzt zu erm\u00f6glichen. Dabei stehen die Linderung von Schmerzen und die psychosoziale Betretung im Vordergrund. Besonders die wohnliche und pers\u00f6nlich abgestimmte Atmosph\u00e4re in den Hospizen wird von den Betroffenen und Angeh\u00f6rigen als sehr unterst\u00fctzend empfunden. Auch eine Realisierung des Wunsches seinen letzten Lebensabschnitt zu Hause im Kreise der Familie verleben zu d\u00fcrfen, ist aufgrund ambulanter Palliativversorgungs- und Palliativ-Care-Teams m\u00f6glich.  <\/p>\n<p>Die unionsgef\u00fchrte Bundesregierung liegt nicht nur eine quantitative Steigerung des Angebots sondern auch eine qualitative Verbesserung der Versorgung am Herzen.  <\/p>\n<p>Mein christliches Verst\u00e4ndnis ist es, dass jedem ein Sterben in W\u00fcrde erm\u00f6glicht werden muss. Der Tod wird zunehmend aus der Mitte der Gesellschaft verdr\u00e4ngt. Kaum bleibt mehr Zeit f\u00fcr Trauer und Abschied. Und wir sollten den klugen Satz beherzigen, dass niemand durch die Hand, sondern an der Hand eines Menschen sterben soll. Wir alle w\u00fcnschen uns, am Ende nicht alleine zu sein, ohne Schmerzen zu sterben \u2013 f\u00fcr Christen verbunden mit der Hoffnung auf das ewige Leben. Im 90. Psalm hei\u00dft es: \u201eHerr, lehre uns bedenken, dass wir sterben m\u00fcssen, auf dass wir klug werden.\u201c Eine kluge Entscheidung in dieser elementaren Frage w\u00fcnsche ich allen Abgeordneten des Deutschen Bundestages. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Die Frage der menschenw\u00fcrdigen Begleitung in unserer letzten Lebensphase, geh\u00f6rt zu den gr\u00f6\u00dften Herausforderungen unserer Gesellschaft. 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