{"id":2233,"date":"2014-10-26T12:55:20","date_gmt":"2014-10-26T12:55:20","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2233"},"modified":"2021-04-26T23:44:17","modified_gmt":"2021-04-26T22:44:17","slug":"meine-predigt-zur-speisung-der-funftausend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2233","title":{"rendered":"Meine Predigt zur &#8222;Speisung der F\u00fcnftausend&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Am 26. Oktober 2014 hatte ich Gelegenheit, im Rahmen einer Veranstaltungsreihe der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau in der Wiesbadener Marktkirche eine Predigt zu halten. Den Predigttext findet man im Matth\u00e4us-Evangelium, Kapitel 14, Verse 13-21. Es geht um die bekannte Geschichte der Speisung der F\u00fcnftausend. Wer wissen will, warum diese Geschichte keine Ank\u00fcndigung des allumfassenden Sozialstaates ist oder warum es ganz gut ist, dass die J\u00fcnger damals nicht verbeamtet wurden, der mag den Predigttext hier nachlesen:<\/p>\n<figure id=\"attachment_2234\" aria-describedby=\"caption-attachment-2234\" style=\"width: 448px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/DSC_8177.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2234\" alt=\"Marktkirche in Wiesbaden\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/DSC_8177.jpg\" width=\"448\" height=\"299\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/DSC_8177.jpg 448w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/DSC_8177-420x280.jpg 420w\" sizes=\"(max-width: 448px) 100vw, 448px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2234\" class=\"wp-caption-text\">Am Ende des Gottesdienstes in der Marktkirche in Wiesbaden.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Liebe Br\u00fcder und Schwestern,<\/p>\n<p>\u201eUnd sie a\u00dfen alle und wurden satt und hoben auf, was \u00fcbrigblieb von Brocken, zw\u00f6lf K\u00f6rbe voll.\u201c So hei\u00dft es bei Matth\u00e4us. Ein sch\u00f6nes Happy End. Da wird am Anfang ein Mangel beschrieben, eine Herausforderung, eine Notlage \u2013 und dann kommt der Held, und am Ende ist alles gut.<\/p>\n<p>Eigentlich eine sch\u00f6ne Vorlage f\u00fcr Hollywood oder von mir aus auch f\u00fcr die deutsche Filmf\u00f6rderung. Aber kennen Sie das nicht auch? Wenn man ins Kino geht und wenn dann der Film so wundersch\u00f6n endet \u2013 dann sinkt man vielleicht zufrieden in den Sessel, aber irgendwie sagt man dann auch: \u201eEigentlich zu sch\u00f6n, um wahr zu sein.\u201c<\/p>\n<p>Daher ist das heutige Evangelium vielleicht doch keine geeignete Filmvorlage \u2013 denn die Erz\u00e4hlung von Jesus ist wahr! Vielleicht anders wahr, als wir uns heute eine naturwissenschaftlich-\u00fcberpr\u00fcfbare Wahrheit vorstellen. Aber dennoch: Ich glaube daran, dass diese Geschichte wahr ist. Doch was sagt uns diese Geschichte? Anstelle von 5000 will ich heute drei Gedanken mit Ihnen und Euch teilen:<\/p>\n<p><b><span style=\"text-decoration: underline;\">Das Wunder der Gemeinschaft in Christus<\/span><\/b><\/p>\n<p>Erstens: Jesus schenkt sich uns in der Gemeinschaft. Das Erleben von Gemeinschaft in Jesus schenkt uns einen Mehrwert. Ein technisches Wort, das so viel mehr meint \u2013 Frieden, Gl\u00fcck und Geborgenheit. Das Gef\u00fchl als Mensch angenommen und angekommen zu sein. Er l\u00e4sst uns in \u00dcberf\u00fclle zur\u00fcck.<\/p>\n<p>\u201eWo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.\u201c (Mt 18,20) Diese Zusage Jesu erleben wir Christen in jedem Gottesdienst; am deutlichsten bei der Feier des Abendmahles. Und nichts anderes nimmt die Erz\u00e4hlung von der Speisung der F\u00fcnftausend vorweg, denn auch hier hei\u00dft es: \u201eEr nahm die f\u00fcnf Brote und die zwei Fische, sah auf zum Himmel und dankte und brach\u00b4s und gab die Brote den J\u00fcngern.\u201c \u2013 Nehmen, danken, brechen und geben: all dies kennen wir vom Abendmahl.<\/p>\n<p>Genau hierin liegt f\u00fcr mich eine tiefere Wahrheit der Geschichte. Es geht nicht einfach nur um eine Ethik des Teilens. Es geht durchaus um eine spezifisch christliche Ethik. Es geht um unseren Glauben an die durch Christus gestiftete Gemeinschaft. Denn ohne Jesus, ohne seine Vorwegnahme des Abendmahls w\u00e4re die Geschichte tats\u00e4chlich nur eine Filmvorlage. Dann w\u00e4re die Geschichte tats\u00e4chlich eine s\u00e4kulare Wundergeschichte. Erst durch den Bezug zu Jesus wird diese Geschichte f\u00fcr uns Christen wahr.<\/p>\n<p>Wenn wir also in Christus zusammenkommen, dann werden wir beschenkt, dann erfahren wir \u00dcberf\u00fclle \u2013 die Geschichte spricht von zw\u00f6lf K\u00f6rben, die am Ende \u00fcbrig bleiben. Er macht uns satt. Nicht im buchst\u00e4blichen, aber \u00fcbertragenden Sinne. Unsere Seele findet im Vertrauen auf Gottes Liebe und im Erleben christlicher Gemeinschaft Ruhe. Wir k\u00f6nnen fr\u00f6hlich sein.<\/p>\n<p>Sie wissen alle, dass diese Zahl kein Zufall ist: Denken Sie nur an die zw\u00f6lf Apostel oder die zw\u00f6lf St\u00e4mme Israels. Oder nehmen Sie die zw\u00f6lf zum Quadrat, dann bekommen Sie 144 \u2013 laut Offenbarung des Johannes werden 144 000 gerettet werden. Zahlen haben in der Bibel immer Bedeutung.<\/p>\n<p>Wof\u00fcr stehen aber die zw\u00f6lf K\u00f6rbe? Zw\u00f6lf ist das Produkt aus Drei und Vier. Drei ist die g\u00f6ttliche Zahl \u2013 Stichwort Dreifaltigkeit. Vier ist die menschliche Zahl oder die Zahl der irdischen Welt \u2013 vier Himmelsrichtungen, vier Elemente. Damit steht Zw\u00f6lf f\u00fcr die Verbindung von Himmel und Erde, von Gott mit den Menschen. In der Zahl Zw\u00f6lf ber\u00fchren sich also Himmel und Erde.<\/p>\n<p>Auch bei Lukas k\u00f6nnen wir von einer weiteren Speisenvermehrung lesen, der sogenannten Speisung der Viertausend. Dort bleiben am Ende sieben K\u00f6rbe \u00fcbrig. Diese Zahl ist nichts anderes als die Zw\u00f6lf, da sie zwar nicht das Produkt, aber die Summe aus Drei und Vier ist.<\/p>\n<p>So viel zur Zahlenspielerei: Am Ende bleibt die Botschaft, Gott und Mensch begegnen sich in dieser Geschichte. Sie begegnen sich jedoch nicht irgendwo, sondern in Christus.<\/p>\n<p>Und das ist ja auch die Botschaft des gesamten Evangeliums: Jesus predigt stets vom Reich Gottes. Aber er predigt nicht nur vom Reich Gottes; er selbst als Person und auch sein Handeln sind ebenfalls immer ein Verweis auf dieses Reich Gottes.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2235\" aria-describedby=\"caption-attachment-2235\" style=\"width: 448px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/DSC_8165.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2235\" title=\"Mit Pfarrer Dr. Jeffrey Myers an der Kirchent\u00fcr.\" alt=\"DSC_8165\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/DSC_8165.jpg\" width=\"448\" height=\"299\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/DSC_8165.jpg 448w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/10\/DSC_8165-420x280.jpg 420w\" sizes=\"(max-width: 448px) 100vw, 448px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2235\" class=\"wp-caption-text\">Mit Pfarrer Dr. Jeffrey Myers an der Kirchent\u00fcr.<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Brotvermehrung als Vorwegnahme des Himmelreiches<\/b><\/p>\n<p>Damit bin ich bei meinem zweiten Punkt: Die Brotvermehrung als Vorwegnahme des Himmelreiches.\u00a0Die Erz\u00e4hlung verf\u00fchrt, sie als politisches Programm und als Auftrag f\u00fcr unser Leben im Hier und Jetzt auszulegen. Das klingt verlockend und nach einer einfachen \u201e\u00dcbersetzung\u201c; geht aber an ihrem eigentlichen Kern vorbei. Auf den Verweischarakter von Jesus \u2013 auf die darstellende, \u00fcbertragene Bedeutung, Bilder und Geschichten, die uns einen tieferen Sinn aufzeigen sollen \u2013 habe ich bereits hingewiesen. Werfen wir aber noch einen Blick auf den Ort des Geschehens:<\/p>\n<p>Matth\u00e4us und Lukas sprechen von einer \u201eW\u00fcste\u201c, Markus von einer \u201ew\u00fcsten St\u00e4tte\u201c. Die Einheits\u00fcbersetzung \u00fcbersetzt mit \u201eeinsame Gegend\u201c oder \u201eeinsamer Ort\u201c. Egal, welcher \u00dcbersetzung man folgt: Es handelt sich stets um einen Ort au\u00dferhalb der \u201azivilisierten\u2018 Welt \u2013 Jesus selbst entr\u00fcckt dieses Geschehen unserer Welt; er verweist nicht auf das Hier und Jetzt, sondern auf das kommende Reich Gottes.<\/p>\n<p>Das mag f\u00fcr den einen oder anderen von Ihnen zun\u00e4chst einmal befremdlich klingen. Aber rufen Sie sich einmal die vielen guten Taten Jesu in Erinnerung, von der die Evangelien erz\u00e4hlen. Mir ist kein Fall einer Heilung bekannt, in deren Nachgang Jesus sagen w\u00fcrde: So, jetzt kannst Du wieder arbeiten gehen, Geld verdienen und Deine Familie durchbringen \u2013 am besten nat\u00fcrlich noch Steuern zahlen, damit das ganze Gemeinwesen gut funktioniert.<\/p>\n<p>Jesu Wirken in der Welt war immer ein Wirken, das \u00fcber das Hier und Jetzt hinauswies; es geht bei diesem Wirken immer um den Erl\u00f6sungsgedanken; denken Sie nur an einen Satz wie: \u201eDein Glaube hat Dir geholfen.\u201c<\/p>\n<p>All das bedeutet, dass wir Jesus und die Erz\u00e4hlungen von seinem Wirken nicht missverstehen d\u00fcrfen als praktischen Aktionsplan f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung des t\u00e4glichen Lebens.\u00a0Nat\u00fcrlich schenkt uns Jesus, schenkt uns seine Botschaft Orientierung f\u00fcr unser eigenes Leben. Nat\u00fcrlich sind wir als Christen aufgerufen, bereits hier auf Erden am Reich Gottes mitzubauen. Wir w\u00fcrden uns aber \u00fcbernehmen und uns selbst \u00fcberfordern, wenn wir glaubten, wir selbst k\u00f6nnten diese Welt erl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Die Geschichte von der Brotvermehrung verweist auf das Reich Gottes, auf unsere Erl\u00f6sung, auf die Erl\u00f6sung der ganzen Welt.<\/p>\n<p><b><span style=\"text-decoration: underline;\">Die Grenzen des Politischen<\/span><\/b><\/p>\n<p>Damit bin ich bei meinem dritten und letzten Punkt: Denn mit dem Verweis auf das Reich Gottes beschreibt die Geschichte auch die Grenzen des Politischen.<\/p>\n<p>Als Politiker erliegt man ja oft der Versuchung, f\u00fcr alle Probleme eine L\u00f6sung parat haben und jederzeit Handlungsf\u00e4higkeit unter Beweis stellen zu m\u00fcssen. Umschrieben wird das h\u00e4ufig mit dem schrecklich klingenden Wort \u201aProbleml\u00f6sungskompetenz\u2018.<\/p>\n<p>Auf die Spitze treiben wir Politiker diese Versuchung in der aberwitzigen Vorstellung, die Welt retten \u2013 oder in anderen Worten: die Welt erl\u00f6sen zu k\u00f6nnen. Dieser Anspruch ist an Hybris und Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung wahrscheinlich kaum zu \u00fcbertreffen.<\/p>\n<p>Aber \u2013 dieser Einschub sei mir erlaubt \u2013 eine solche Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung hat ja ihren Ursprung nicht bei den Politikern alleine. Auch W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler, Medien, Interessenvertreter treten mit dieser Erwartung an Politik heran.<\/p>\n<p>Schauen wir uns doch nochmal kurz die Erz\u00e4hlung an: Da gibt es ein Problem, mit dem die J\u00fcnger Jesus konfrontieren. Der Ort ist \u00f6de, die Menschen hungrig. Und f\u00fcnf Brote und zwei Fische sind f\u00fcr die Masse der Menschen \u2013 nach logischem Menschenverstand \u2013 eigentlich nicht genug. Eine typische Ausgangsposition eines Politikers.<\/p>\n<p>In meiner Welt w\u00fcrde es jetzt erst richtig losgehen. Da w\u00fcrden einige J\u00fcnger ein erstes Konzept erarbeiten; Mehrheiten werden gesucht; Gegenkonzepte erstellt; Kompromisslinien gesucht; Petitionen eingereicht und so weiter und so fort.<\/p>\n<p>Am Ende w\u00fcrde vielleicht ein Kompromiss stehen, der erst einmal ber\u00fccksichtigt, wer von den vielen Menschen \u00fcberhaupt bed\u00fcrftig ist. Denn es ist doch nicht gerecht, wenn ein reicher Kaufmann unter den Zuh\u00f6rern genauso behandelt werden w\u00fcrde wie ein arbeitsloser Fischer. Dann m\u00fcsste aber nat\u00fcrlich auch Bed\u00fcrftigkeit definiert werden und die Bed\u00fcrftigen m\u00fcssten ihre Bed\u00fcrftigkeit nachweisen.<\/p>\n<p>Am Ende muss das Ganze \u00fcberwacht werden \u2013 mir k\u00e4me da eine m\u00f6gliche Verbeamtung der Apostel in den Sinn.<\/p>\n<p>Stellen wir uns dies alles einmal vor: Glauben wir tats\u00e4chlich, dass am Ende noch zw\u00f6lf K\u00f6rbe \u00fcbrig bleiben w\u00fcrden?! Das ganz vern\u00fcnftig sogar eine R\u00fccklage gebildet wurde? Nein, die Brotvermehrung ist keine Parabel auf das Politische, das ist nicht der Entwurf des allumsorgenden Sozialstaates.<\/p>\n<p>Jesus geht es nicht einfach um das Stillen materieller Bed\u00fcrfnisse \u2013 denken Sie nur an den Satz: \u201eDer Mensch lebt nicht vom Brot allein.\u201c Es geht um Bed\u00fcrfnisse, die \u00fcber das Materielle hinausgehen; um Bed\u00fcrfnisse, die das Geistige in den Blick nehmen, das Bed\u00fcrfnis nach Erl\u00f6sung.<\/p>\n<p>Wir werden \u2013 so hoffen wir \u2013 Erl\u00f6sung im Jenseits erwarten d\u00fcrfen. Aber eine Ahnung dieser Erl\u00f6sung k\u00f6nnen wir bereits im Hier und Jetzt bekommen.<\/p>\n<p>Es ist eine Erl\u00f6sung, die auf das Miteinander bezogen ist. Eine Erl\u00f6sung in der Gemeinschaft \u2013 Gemeinschaft in der Familie, im Freundeskreis, in der Nachbarschaft, in der Kirchengemeinde, aber auch im gesellschaftlichen Miteinander.\u00a0Hier sehe ich eine zentrale Aufgabe von Politik. Das lehrt uns das Gleichnis wieder: Sie muss f\u00fcr einen starken Zusammenhalt sorgen, f\u00fcr ein gelingendes Miteinander, f\u00fcr mit Leben gef\u00fcllte Solidarit\u00e4t.<\/p>\n<p>Am Anfang dessen steht der Gedanke an die Freiheit des Einzelnen. Denn Freiheit steht am Beginn der christlichen Botschaft. Wenn man die Sch\u00f6pfungsgeschichte liest, gerade auch die Erz\u00e4hlung von der Vertreibung aus dem Paradies, dann wird deutlich: Gott hat uns Menschen als freie Wesen geschaffen. Gott wollte keine Marionetten oder Roboter, die einfach tun, was er sagt.<\/p>\n<p>Daher hei\u00dft es auch bei Paulus im Galaterbrief \u2013 ich zitiere: \u201eIhr aber seid zur Freiheit berufen.\u201c (Gal 5,13)<\/p>\n<p>Und wenige Tage vor dem Reformationstag erinnere ich auch gerne daran, dass eine der wichtigsten Flugschriften von Martin Luther den Titel tr\u00e4gt: \u201eVon der Freiheit eines Christenmenschen\u201c. Hier beschreibt Luther treffend den scheinbaren Widerspruch der Freiheit: \u201eEin Christenmensch ist ein freier Herr \u00fcber alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.\u201c<\/p>\n<p>Freiheit ist ein Schl\u00fcsselbegriff f\u00fcr uns Christen. Und gerade Politiker sind hieran fest gebunden. Die Freiheit zu achten, ist Auftrag der Politik. Gleichzeitig muss Politik die eigenen Grenzen kennen. Politik hat nicht die Aufgabe, die Welt zu retten; aber sie kann dabei helfen, dass Menschen im Miteinander und im Zusammenhalt eine Ahnung davon erfahren d\u00fcrfen, was Erl\u00f6sung und Begegnung mit Gott bedeuten kann.<\/p>\n<p>Auch f\u00fcr diesen Gedanken steht die Erz\u00e4hlung von der Speisung der F\u00fcnftausend.<\/p>\n<p><b><span style=\"text-decoration: underline;\">Schluss<\/span><\/b><\/p>\n<p>Lassen Sie mich meine drei Punkte in drei Zitaten zusammenfassen.\u00a0Mein erster Gedanke bezog sich auf die Gemeinschaft, deren Erleben ein Geschenk ist. Hierzu ein Zitat eines protestantischen M\u00e4rtyrers. Klaus Bonhoeffer, der \u00e4ltere Bruder Dietrich Bonhoeffers, ebenfalls von den Nationalsozialisten hingerichtet, schreibt in seinem Abschiedsbrief: \u201eWer aber herzlich dankbar annimmt, gibt oft mehr.\u201c<\/p>\n<p>Meinen zweiten Gedanken \u2013 die Brotvermehrung als Vorgriff auf das Himmelreich \u2013 m\u00f6chte ich unter einen Ausspruch stellen, der auf den Philosophen Karl Popper zur\u00fcckgeht; er hei\u00dft: \u201eWer den Himmel auf Erden will, schafft die H\u00f6lle auf Erden!\u201c. Oder wie Bundespr\u00e4sident Joachim Gauck einmal sagte: \u201eSie hatten vom Paradies getr\u00e4umt und wachten in Nordrhein-Westfalen auf.\u201c<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich noch ein Zitat zu den Aufgaben des Politikers. Das Zitat stammt von Papst Benedikt, und ich finde, dass man fast 500 Jahre nach dem Thesenanschlag Luthers auch einen Papst in einer evangelischen Kirche zitieren darf. Vor dem Deutschen Bundestag sagte Benedikt: \u201eWie w\u00e4re es, wenn uns, den Gesetzgebern von heute, eine Bitte freigestellt w\u00e4re? Was w\u00fcrden wir erbitten? Ich denke, auch heute k\u00f6nnen wir letztlich nichts anderes w\u00fcnschen als ein h\u00f6rendes Herz \u2013 die F\u00e4higkeit, Gut und B\u00f6se zu unterscheiden und so wahres Recht zu setzen, der Gerechtigkeit zu dienen und dem Frieden.\u201c<\/p>\n<p>Genau diese Bitte m\u00f6chte ich auch heute \u00e4u\u00dfern. Und ich m\u00f6chte Sie bitten, mich und alle Verantwortungstr\u00e4ger unseres Landes in diesem Sinne in Ihr Gebet zu nehmen.<\/p>\n<p>Und der Friede Gottes, welcher h\u00f6her ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Ewigkeit. Amen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Am 26. 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