{"id":2132,"date":"2014-05-28T13:27:18","date_gmt":"2014-05-28T13:27:18","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2132"},"modified":"2017-02-16T09:31:21","modified_gmt":"2017-02-16T09:31:21","slug":"vor-40-jahren-war-das-internet-noch-science-fiction-fortschritte-und-chancen-der-digitalisierung-nutzen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2132","title":{"rendered":"Vor 40 Jahren war das Internet noch Science Fiction &#8211; Fortschritte und Chancen der Digitalisierung nutzen!"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_2134\" aria-describedby=\"caption-attachment-2134\" style=\"width: 620px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/WP9A9721_ed_z.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-2134\" alt=\"Foto: Tobias Koch\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/WP9A9721_ed_z-1024x602.jpg\" width=\"620\" height=\"364\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2134\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Tobias Koch<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung findet seit einigen Monaten schon eine Diskussion \u00fcber die Herausforderungen der Digitalisierung statt. Ich wurde schon mehrfach darauf angesprochen, warum dort \u201eausgewiesene\u201c Netzexperten wie Martin Schulz ihre Ideen ver\u00f6ffentlichen k\u00f6nnen, die Union aber nicht stattfindet. Die Antwort darauf ist einfach: Das scheint nicht gew\u00fcnscht. Ich habe \u2013 auch als Reaktion auf manch anderen Beitrag, dessen pessimistische Sichtweise mich ge\u00e4rgert hat \u2013 einen Text verfasst. Daf\u00fcr ist in der Zeitung und damit in der Diskussion aber offenbar kein Platz. Deshalb ver\u00f6ffentliche ich ihn hier \u2013 weil er in diesem Internet sicher Leserinnen und Leser findet, die mit einer positiven, optimistischen und zugleich differenzierten Sichtweise auf die Digitalisierung etwas anfangen k\u00f6nnen. \u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Internet ist schon eine verr\u00fcckte Sache. Das Feuilleton der FAZ widmet den durch das Netz ausgel\u00f6sten Ver\u00e4nderungen unserer Welt inzwischen eine ganze Serie an Gastbeitr\u00e4gen von klugen K\u00f6pfen. Leider sind diese klugen K\u00f6pfe zu oft Kulturpessimisten ersten Ranges. Der Untergang jeglicher Werte und Grundrechte, der Zusammenbruch der sozialen Marktwirtschaft stehen bevor, so postulieren sie und Anzeichen daf\u00fcr seien die leeren Gesch\u00e4fte in manch einer Fu\u00dfg\u00e4ngerzone, die vom ver\u00e4nderten Einkaufsverhalten der Menschen zeugen, zur\u00fcckgehende Abonnentenzahlen der Tageszeitungen sowie das \u00fcberall zu beobachtende Starren von Menschen auf ihr mobiles Endger\u00e4t, wenn sie an Bushaltestellen warten oder im Zug sitzen.<\/p>\n<p>Da muss doch jemand was machen, wenn schon die B\u00fcrger ungefragt ihren Medienkonsum und ihre Lebensgewohnheiten \u00e4ndern und dieses Internet uns offensichtlich zwingt, \u00fcber unsere Welt neu nachzudenken. Wo sind die Politiker? Aber \u2013offensichtlich ist auch die Politik in der digitalen Welt nicht mehr das was sie mal war.<\/p>\n<p>Nachdem die FDP es in vier Jahren\u00a0Regierungsbeteiligung geschafft hat, jede Form von Regulierung, verschiedene Gesetzesvorhaben und die Umsetzung von EU-Verordnungen zu verz\u00f6gern und so alles zu verhindern, was man an freiheitlichen, b\u00fcrgerrechtlichen und im Sinne der sozialen Marktwirtschaft ordnungspolitischen Rahmenbedingungen f\u00fcr das Internet h\u00e4tte setzen k\u00f6nnen, fordert nun Rainer Br\u00fcderle als L\u00f6sung mit einem #Aufschrei dazu auf, Google zu zerschlagen. Na gut, Gregor Gysi war auch auf seiner Buchvorstellung. Das erkl\u00e4rt einiges.<\/p>\n<p>Die SPD schickt den allseits bekannten Internetexperten Martin Schulz ins Rennen. Der kommt zu dem Ergebnis, dass alles ganz schlimm sei, die Sozialdemokraten aber ja vermeintlich schon immer an der Seite der Schwachen gestanden h\u00e4tten und in der SPD den Amis sowie niemand traue &#8211; au\u00dfer damals Helmut Schmidt beim NATO-Doppelbeschluss &#8211; und er deswegen empfehle, auf kluge alte M\u00e4nner wie Hans Magnus Enzensberger zu h\u00f6ren. Der wiederum lobt Schulz und fordert uns ultimativ auf, jeglichen technischen Schnickschnack aus unserem Leben zu verbannen. Superidee! Das h\u00e4tten die Maschinenst\u00fcrmer des 19. Jahrhunderts nicht besser formulieren k\u00f6nnen. Bis heute danken der deutsche Maschinenbau und die Automobilindustrie f\u00fcr diese weitsichtige und zukunftsorientierte Haltung, die sich allerdings genauso wenig durchsetzen konnte, wie meine altbekannte Forderung, das Internet einmal auszudrucken und dann abzuschalten.<\/p>\n<p>Gr\u00fcn ist bekanntlich die Farbe der Hoffnung. Und Hoffnung macht die Antwort der gr\u00fcnen Frontfrau Katrin G\u00f6ring-Eckardt auf Martin Schulz. Sie verweist darauf, dass der Mensch als freies Individuum nicht zwangsl\u00e4ufig zum Opfer der Algorithmen werden muss. Sie beschreibt die Chancen des Netzes, wirkt dabei aber nicht naiv und hat gleichzeitig die Herausforderungen im Blick. Damit hebt sie sich wohltuend von Schulz und seinen Apologeten ab, wenngleich ihr nicht alle in ihrer Partei mit dieser Grundhaltung folgen d\u00fcrften.<\/p>\n<p>Was macht die Union? Sie hat sich f\u00fcr einen eigenen Ausschuss f\u00fcr digitale Themen im Deutschen Bundestag eingesetzt und die Digitalisierung zu einem der wichtigsten Themen f\u00fcr die Zukunft unseres Landes erkl\u00e4rt. Von Volker Kauder liest man, es werde in dieser Legislaturperiode kein Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung geben, mit Nadine Sch\u00f6n wird eine Netzpolitikerin stellvertretende Fraktionsvorsitzende der CDU\/CDU-Bundestagsfraktion und Alexander Dobrindt versorgt das Land mit schnellem Internet. \u00dcber allem wacht ein fr\u00f6hlich twitternder Peter Altmaier im Kanzleramt, der schon lange die Chancen der Digitalisierung erkannt hat. Wie gesagt: Auch in der Politik \u00e4ndert das Netz alles.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2133\" aria-describedby=\"caption-attachment-2133\" style=\"width: 900px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/WP9A9469_s.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2133\" alt=\"Twitterwall mit dem Hashtag #mn14 bei der MediaNight der CDU im Mai. (Foto: Tobias Koch)\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/WP9A9469_s.jpg\" width=\"900\" height=\"489\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/WP9A9469_s.jpg 900w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/WP9A9469_s-420x228.jpg 420w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/WP9A9469_s-744x404.jpg 744w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/WP9A9469_s-768x417.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2133\" class=\"wp-caption-text\">Twitterwall mit dem Hashtag #mn14 bei der MediaNight der CDU im Mai. (Foto: Tobias Koch)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dem aufmerksamen Beobachter entgeht nicht, dass Katrin G\u00f6ring-Eckarts Menschenbild dem der CDU sehr nahe kommt: Auch f\u00fcr Christdemokraten ist der Mensch nicht ein \u201eOpfer\u201c der \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde (in diesem Falle des Internets). Wir stellen fest, dass es die B\u00fcrger selbst sind, die ihren Medienkonsum, ihre Gewohnheiten, ihren Alltag \u00e4ndern. Wir stellen fest, dass dieses Internet uns offensichtlich zwingt, \u00fcber unsere Welt neu nachzudenken.<\/p>\n<p>Einfacher macht es sich die politische Linke, wenn sie den Menschen als Opfer der Entwicklung \u00a0konstruiert, dem nur der f\u00fcrsorgliche Staat helfen k\u00f6nne. So kommen sie zu dem Schluss, dass der Staat folgerichtig das Internet und die gro\u00dfen das Internet pr\u00e4genden (amerikanischen) Konzerne b\u00e4ndigen muss.<\/p>\n<p>Keine Frage. Es ist eine Aufgabe von Politik, Regulierung so zu gestalten, dass das Internet Fortschritt bedeutet und Chancen. Auch der Internetphilosoph Jaron Lanier argumentiert in diese Richtung: Er beschreibt ein m\u00f6gliches Szenario zur k\u00fcnftigen \u00f6konomischen Wertsch\u00f6pfung in der digitalen Welt, dass uns vor Herausforderungen stellen wird. Nach und nach werden nach seiner Prognose alle Wirtschaftszweige von der Digitalisierung erfasst. Wo und ob k\u00fcnftig neue Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr die entstehen, im Zuge der Digitalisierung verschwinden werden, ist dabei die zentrale Frage. Er ist zuversichtlich, dass der Mensch diese Herausforderungen meistern kann und wird. Aber dazu bedarf es neuer Ideen und Ans\u00e4tze. Und er hebt sich wohltuend von denen ab, die auf der einen Seite die b\u00f6sen Internetgiganten sehen und auf der anderen Seite hilflose Staaten und ungesch\u00fctzte B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger.<\/p>\n<p>Wenn Christdemokraten \u00fcber das Internet und die Chancen und Herausforderungen reden, dann gilt zun\u00e4chst zu kl\u00e4ren, auf welcher Basis wir das tun. F\u00fcr uns ist das Netz nicht per se gut oder b\u00f6se. Das Internet ist das, was wir damit und daraus machen. Demzufolge kann es eben auch eine Verhei\u00dfung sein f\u00fcr mehr Freiheit, Demokratie und Wohlstand. Es kann ein subversives Instrument sein, um Autorit\u00e4ten zu hinterfragen \u2013 Politiker, \u00c4rzte, Verwaltungen, Beh\u00f6rden und selbst Journalisten m\u00fcssen sich auf eine Art und Weise der Kritik stellen, wie das noch vor wenigen Jahren undenkbar schien. Nach wie vor hat das Internet etwas Egalit\u00e4res. Es schafft die Basis f\u00fcr eine neue Form von Teilhabe und Partizipation in der pluralistischen Massengesellschaft des 21. Jahrhunderts. Die Frage, ob der Mensch partizipiert entscheidet sich in ihm selbst. Hat er die notwendige Bildung, den notwendigen Zugang und die (soziale) Kompetenz, um diese Chancen f\u00fcr sich zu nutzen? Das ist eine Frage, auf die wir Antworten geben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Was folgt aus der Annahme, dass die Zukunft offen ist und nicht wie von Martin Schulz pessimistisch formuliert der Mensch in der digitalen Welt sein selbst\u00e4ndiges Wesen einb\u00fc\u00dft? Wenn es um Daten, die \u00d6konomie der Zukunft, Sicherheit in der globalen Welt und politische Strukturen und Kultur geht, m\u00fcssen wir endlich anfangen, neue Paradigmen aufzustellen. Die alten sind untauglich. Hilflose Metaphern wie \u201eDas Internet ist kein rechtsfreier Raum\u201c bringen das zum Ausdruck. Niemand, den man ernst nehmen kann, fordert, dass das Internet ein rechtsfreier Raum sein m\u00fcsse. Wir sind in vielen Fragen bisher aber die Antwort schuldig geblieben, wie wir allgemein g\u00fcltige Rechtsnormen auch in der digitalen Welt durchsetzen oder uns auch der kritischen Debatte stellen, ob die digitale Welt einen Teil dieser Normen ver\u00e4ndert. Neue Paradigmen brauchen wir daher, wenn es um den Umgang mit Daten geht, um unser Verst\u00e4ndnis von Sicherheit und Souver\u00e4nit\u00e4t, um Wirtschaft und Arbeit sowie um unsere Kultur.<\/p>\n<p>1. Wir m\u00fcssen endlich Datenpolitik machen. Das Schlagwort von den Daten als W\u00e4hrung der Zukunft ist in aller Munde. In der Tat haben Daten einen Wert. Darum ist auch das Gerede von der Datensparsamkeit nicht klug. Sammelt mehr Daten! Wichtig ist nicht, wie viele Daten gesammelt werden, sondern was daraus gemacht wird. Ich will, dass nicht nur mein Hausarzt, sondern auch jeder Notarzt innerhalb von Sekunden auf alle meine relevanten Gesundheitsdaten zugreifen kann. Ich will, dass ich selbst endlich lesen und verstehen kann, was mein Hausarzt da aufschreibt, wenn er seine Stirn in Falten legt nach der Untersuchung. Und ich will nachvollziehen k\u00f6nnen, wann welcher Arzt sich mit meinen Gesundheitsdaten besch\u00e4ftigt hat. Jeder Zugriff sollte registriert werden. Aber ich will nicht, dass Versicherungen oder mein Arbeitgeber auf diese Daten zugreifen k\u00f6nnen. Sollte jemand widerrechtlich meine Daten lesen, dann will ich das ebenfalls wissen und erwarte, dass dieser Missbrauch bestraft wird. Es ist m\u00f6glich, das technisch sicherzustellen. Dass es dabei auch zu Missbrauch kommen kann wird niemand bestreiten, das ist aber nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass dieser Missbrauch entdeckt und bestraft werden muss. Auch das ist technisch m\u00f6glich. Also lasst uns mit Daten arbeiten und lasst uns \u00fcber die Frage reden, wie Daten k\u00fcnftig besser in unsere Wertsch\u00f6pfungskette integrieren und f\u00fcr uns zum Positiven nutzen k\u00f6nnen \u2013 und zwar nicht f\u00fcr ein paar Konzerne, sondern f\u00fcr diejenigen, die Daten zur Verf\u00fcgung stellen.<\/p>\n<p>2. Lasst uns dar\u00fcber reden, wie wir innere und \u00e4u\u00dfere Sicherheit sowie meine Rechte als B\u00fcrger auch in der digitalen Welt ins Gleichgewicht bringen. Der Staat hat in meinem Wohnzimmer nichts verloren. Und er hat auch nicht meine E-Mails zu lesen. Er hat aber daf\u00fcr zu sorgen, dass auch kein anderer unbefugt meine E-Mails liest. Kurz und gut: Der Staat hat die Aufgabe f\u00fcr meine digitale Sicherheit \u00a0und digitale Integrit\u00e4t zu garantieren. Wir m\u00fcssen unsere eigenen Nachrichtendienste und Institutionen in die Lage versetzen, Angriffe von au\u00dfen abzuwehren. Der NSA-Untersuchungsausschuss sollte nicht nur die Frage beantworten, welche Daten von deutschen Nutzern wann und wie abgesch\u00f6pft worden sind. Der Untersuchungsausschuss muss f\u00fcr die Politik vor allem eine Antwort darauf liefern, in welchem Umfang wir \u00fcberhaupt in der Lage sind, ungewollte Zugriffe auf Daten von staatlichen Stellen und auf Daten deutscher B\u00fcrger zu unterbinden. Wenn wir unseren eigenen Staat dazu in die Lage versetzen wollen, m\u00fcssen deutsche Beh\u00f6rden die daf\u00fcr notwendigen Kompetenzen haben und materiell entsprechend ausgestattet sein. Diese Sicherheit zu generieren kostet viel Geld. Der Bundestag hat sich j\u00fcngst in einer Anh\u00f6rung damit befasst. Und es bedarf eines Grundvertrauens in unseren eigenen Rechtsstaat, dass diese F\u00e4higkeiten nicht missbr\u00e4uchlich eingesetzt werden. Es ist bedenklich, dass man oft erlebt, dass B\u00fcrger wesentlich leichtfertiger ihre Daten Google anvertrauen als deutschen \u00c4mtern und Beh\u00f6rden. Historisch mag das Misstrauen der Deutschen gegen\u00fcber dem eigenen Staat begr\u00fcndbar sein. Aber wenn wir von unserem Staat einen gewissen Schutz erwarten, dann m\u00fcssen wir sicherstellen, dass der Staat die Aufgabe, die wir ihm zuschreiben erf\u00fcllen kann. In den engen Grenzen, die unsere Verfassung und unser Rechtsstaat setzen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2140\" aria-describedby=\"caption-attachment-2140\" style=\"width: 900px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/WP9A0189_1_s.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2140\" alt=\"Foto: Tobias Koch\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/WP9A0189_1_s.jpg\" width=\"900\" height=\"524\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/WP9A0189_1_s.jpg 900w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/WP9A0189_1_s-420x245.jpg 420w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/WP9A0189_1_s-744x433.jpg 744w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/WP9A0189_1_s-768x447.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2140\" class=\"wp-caption-text\">Foto: Tobias Koch<\/figcaption><\/figure>\n<p>3. Wir m\u00fcssen entscheiden, ob wir die Chancen f\u00fcr Fortschritt und volkswirtschaftliches Wachstum, die das Internet uns bietet, nutzen wollen. Unter dem Stichwort Industrie 4.0 schreitet die Digitalisierung der Volkswirtschaften unaufhaltsam voran. Dabei gilt es nicht nur, f\u00fcr Deutschland und Europa industriepolitische Kapazit\u00e4ten zu bewahren und neu aufzubauen. In der Automobilindustrie und im Maschinenbau, den S\u00e4ulen unserer Wirtschaft, stellt sich die Frage, ob deren Gesch\u00e4ftsmodell k\u00fcnftig noch unabh\u00e4ngig von digitalen Plattformen, die au\u00dferhalb der EU zu Hause sind, funktioniert. Wenn kein Auto mehr ohne Google fahren kann, weil die Vernetzung nicht anders zu organisieren ist, dann wird die Frage, ob es in Wolfsburg oder in Toyota vom Band rollt, zweitrangig. Denn die Wertsch\u00f6pfung wird dort generiert, wo die gr\u00f6\u00dfte Innovation herkommt. Deshalb m\u00fcssen wir unsere St\u00e4rke, n\u00e4mlich den innovativen Mittelstand gerade in den Bereichen Maschinenbau und Automotive, aber auch in allen anderen Branchen bis hin zur Dienstleistung besser mit der Digitalisierung verkn\u00fcpfen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt die digitale Wirtschaft selbst. Setzen wir die richtigen Rahmenbedingungen f\u00fcr innovative Start Ups? Die Bundesregierung pr\u00fcft nun die von Netzpolitikern der CDU vorgeschlagene Einf\u00fchrung eines Markt 2.0 als neuem B\u00f6rsensegment. Au\u00dferdem steht die Idee eines Venture Capital Gesetzes im Raum, damit innovative junge Unternehmen nicht abwandern und damit die Wertsch\u00f6pfung auf Dauer woanders stattfindet. Im Bereich der Software und der IT-Sicherheit ist Deutschland stark, aber was m\u00fcssen wir tun, damit wir diese Kompetenz behalten? Wir sollten die Bereiche identifizieren, wo unsere Abh\u00e4ngigkeit von amerikanischen oder gar chinesischen Technologieanbietern zu gro\u00df ist. Europa muss Handlungsf\u00e4higkeit zur\u00fcckgewinnen und wird das nur gemeinsam k\u00f6nnen. Und die Frage, warum Google und Co. nicht in Ma\u00dfe ihrer Wertsch\u00f6pfung in Deutschland auch Steuern zahlen, stellt sich ebenfalls. Nat\u00fcrlich sollen amerikanische Konzerne in Europa gute Gesch\u00e4fte machen, aber sie sollen hier auch Steuern zahlen.<\/p>\n<p>4. Wie wollen wir in der digitalen Gesellschaft leben, lernen und arbeiten? Diesen Fragen hat sich bereits die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages \u201eInternet und digitale Gesellschaft\u201c gewidmet. Fertige Antworten haben wir noch lange nicht, auch weil noch gar nicht absehbar ist, wohin uns dieser Wandel f\u00fchrt. Wir leben in einer revolution\u00e4ren Zeit, die Gott sei Dank unblutig vonstatten geht. Dennoch m\u00fcssen wir uns fragen: Nutzen unsere allgemeinbildenden Schulen, die Universit\u00e4ten aber auch die Berufsschulen schon die M\u00f6glichkeiten, um junge Leute auf eine sich ver\u00e4ndernde Arbeitswelt vorzubereiten? Vermitteln wir ausreichend Medienkompetenz? Wer sich an den Informatikunterricht in den 1980er Jahren erinnert, der zuckt innerlich zusammen bei der Vorstellung schon Grundsch\u00fcler eine Programmiersprache lernen zu lassen. \u00dcbertragen auf das Internet muss man die Strukturen des Netzes \u00a0&#8211; auch die technischen \u2013 verstehen. Und dar\u00fcber hinaus muss ich lernen, wie ich mich verhalte und welche Regeln gelten. Lernen und wissen wir genug \u00fcber die Anwendung von Verschl\u00fcsselungstechniken? Auch das ist nicht nur eine Frage der Bequemlichkeit, sondern auch des Wissens.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen begreifen, dass wir aufgrund unserer Sprache wenn es um die Kultur des Netzes geht als Deutsche souver\u00e4n agieren k\u00f6nnen. Der Gedanke der Kulturnation erh\u00e4lt in einem globalen Medium eine v\u00f6llig neue Bedeutung. Darin liegt eine Chance. Und hierin liegt auch der letztliche Unterschied zwischen uns und dem Algorithmus, darauf hat auch der Technikforscher Carl Benedikt Frey hingewiesen. Wir sind kultiviert oder sind es nicht. Wir lernen, R\u00fccksicht aufeinander zu nehmen oder nicht. F\u00fcr eine menschliche digitale Gesellschaft wird auch die Frage der Teilhabe und des Zugangs entscheidend sein. Am Ende steht die Idee, Menschen \u00fcber das Netz zu beteiligen und sogar Wahlen \u00fcber das Netz zu organisieren. All diese Fragen entscheiden wir.<\/p>\n<p>Schauen wir uns um: Mit Estland gibt es ein echtes Musterland in Europa wenn es um die Digitalisierung geht. Wir sollten die Probleme anpacken, lernen von denen, die sich den Herausforderungen der Digitalisierung nicht nur stellen, sondern sie meistern. Es ist Zeit die eigene Filterbubble zu verlassen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Deutschland gilt: Wenn wir es schaffen, den Breitbandausbau und damit den Netzzugang f\u00fcr alle voranzutreiben, die Netzneutralit\u00e4t abzusichern, das notwendige Kapital f\u00fcr innovative Unternehmen in Deutschland zu b\u00fcndeln, unsere Bildungsprozesse und Inhalte an die digitale Welt anzupassen, eine deutsche Stimme \u00a0st\u00e4rker in der Internet Governance laut werden zu lassen (und statt Sportereignissen ein Internet Governance Forum in Deutschland auszurichten), dann w\u00e4re bis 2017 schon viel gewonnen.<\/p>\n<p>Es versteht sich von selbst, dass wir uns damit nicht zufrieden geben k\u00f6nnen. Gerade ist auf der Net Mundial in Brasilien deutlich geworden, was wir leisten m\u00fcssen: Wir brauchen eine globale Verfassung f\u00fcr das Netz und die Herausforderung wird sein, dass nicht nur Regierungen daran mitschreiben, sondern, wie es Wolfgang Kleinw\u00e4chter zu recht gefordert hat, die Zivilgesellschaft, die Wirtschaft und die technische Community sich daran beteiligen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Jean Luc Picard, der legend\u00e4re Captain des Raumschiffs Enterprise, erkl\u00e4rt bei einer Zeitreise zur\u00fcck ins 21. Jahrhundert Lilli, einer Frau die er dort trifft, dass \u00a0\u201eder Erwerb von Reichtum (&#8230;) nicht mehr die treibende Kraft in unserem Leben\u201c sei. Die Menschen arbeiteten im 24. Jahrhundert, um sich \u201eselbst zu verbessern. Und den Rest der Menschheit.&#8220; Davon sind wir noch weit weg. Das ist Science Fiction. Aber das war das Internet vor 40 Jahren, 1974 als ich geboren wurde, auch noch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung findet seit einigen Monaten schon eine Diskussion \u00fcber die Herausforderungen der Digitalisierung statt. 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