{"id":2112,"date":"2014-04-24T18:38:27","date_gmt":"2014-04-24T18:38:27","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2112"},"modified":"2014-04-24T18:38:27","modified_gmt":"2014-04-24T18:38:27","slug":"zwischenruf-sport-und-politik-kann-man-nicht-trennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2112","title":{"rendered":"Zwischenruf: Sport und Politik kann man nicht trennen."},"content":{"rendered":"<p>Ich habe Clemens T\u00f6nnies, den Chef des FC Schalke 04, \u00f6ffentlich daf\u00fcr kritisiert, dass er mit der Mannschaft zu Putin in den Kreml fahren wollte und dann noch behauptet hat, das habe mit Politik nichts zu tun und man solle den Sport doch bitte \u201epolitikfrei\u201c halten. Der Mann ist ein erfolgreicher Unternehmer. Davor ziehe ich den Hut. Seine wirtschaftliche Kompetenz ist daher wohl unzweifelhaft. Aber von Politik und dem Zusammenhang von Sport und Politik  hat er offenbar nicht so viel Ahnung und sollte deshalb eher zur\u00fcckhaltend sein. Nicht nur mit Blick auf die Reise des FC Schalke 04, sondern vor allem mit Blick auf sein Bild von Sport und Politik  muss man ihm dringend widersprechen.<\/p>\n<p>Gerne m\u00f6chte ich meine Kritik hier auf meinem Blog kurz erkl\u00e4ren:<\/p>\n<p>1. Warum ist die Reise kein normaler Mannschaftsausflug, sondern ein Politikum? Putin l\u00e4dt T\u00f6nnies und den FC Schalke 04 doch nicht ein, weil er ein Fan der Mannschaft ist, oder weil der russische Konzern Gazprom Hauptsponsor der Fu\u00dfballmannschaft ist. Er l\u00e4dt ein, weil er darauf baut, damit starke und hoffentlich sympathische Bilder f\u00fcr die russischen und die westlichen Medien zu liefern. In Zeiten au\u00dfenpolitischer Krisen soll so Normalit\u00e4t suggeriert werden. Eine erfolgreiche deutsche Fu\u00dfballmannschaft beim russischen Pr\u00e4sidenten. Daf\u00fcr liefert der Schalke-Pr\u00e4sident samt seiner Mannschaft Putin die Kulisse. Der Termin hat mit Sport also gar nichts zu tun! Es geht nur um politische Propaganda. Entweder versteht T\u00f6nnies das nicht oder er will es nicht sehen: Beides ist schlimm.<\/p>\n<p>2. Kann Sport unpolitisch sein? Es ist v\u00f6llig ahistorisch zu behaupten, der Sport sei unpolitisch. Das war er noch nie. Der Sport steht f\u00fcr bestimmte Werte: den Wettkampfgedanken, die Messbarkeit von Leistungen, V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, Fairplay \u2013 um nur einige zu nennen. All diese Werte k\u00f6nnen im Sinne von Demokratie und Freiheit, aber auch im Sinne von Diktatur und Unterdr\u00fcckung instrumentalisiert werden. Wir haben das in der Geschichte des Sports in Deutschland selbst erlebt. Und auch der bundesrepublikanische Sport ist nat\u00fcrlich politisch, etwa wenn der DFB erkl\u00e4rt, dass der Fu\u00dfball und der Sport einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten. Wer also behauptet, der Sport sei unpolitisch, der hat die Idee des Sports nicht verstanden, denn der Sport ist auch eine politische Idee und nicht nur ein Konzept zur Freizeitgestaltung oder K\u00f6rperert\u00fcchtigung. Der Sport will Gesellschaft ver\u00e4ndern! Er ist das Konzept der K\u00f6rperkultur, das historisch und philosophisch den Werten der westlichen Welt und einer industriellen liberalen Wirtschaftsordnung entspricht, das aber zugleich global attraktiv ist und Menschen in seinen Bann zieht. Darin liegt eine zus\u00e4tzliche politische Dimension des Sports.<\/p>\n<p>3. Was folgt daraus? Der Sport ist nicht losgel\u00f6st von den politischen Konflikten und Auseinandersetzungen. Er muss sich den politischen Konflikten der jeweiligen Zeit stellen und hat das auch immer getan \u2013 nicht immer erfolgreich als eigenst\u00e4ndige Kraft, sondern oft auch anbiedernd und systemstabilisierend in Diktaturen. Der Sport war aber auch oft ein Ort des Widerstands oder des Protests gegen herrschende Zust\u00e4nde. Gerade aufgrund der system\u00fcbergreifenden Attraktivit\u00e4t des Sportes ist die Entscheidung des Boykotts von Sportveranstaltung oder die bewusste Teilnahme, um Dialog zu erm\u00f6glichen oder Raum f\u00fcr Begegnung zu schaffen, in der Geschichte immer diskutiert worden. Das war schon bei den olympischen Spielen der Neuzeit 1896 der Fall, bei denen ein Teil der deutschen Athleten aus den Reihen der Deutschen Turnerschaft die Spiele boykottierte, setzte sich \u00fcber die Olympischen Spiele 1936 im Nationalsozialismus bis hin zu aktuellen Debatten \u00fcber die Fu\u00dfball-WM in Katar oder die Winterspiele in Sotschi fort. Das ist auch gut so. Man w\u00fcrde der Idee des Sports schaden, wenn man so tut, als ob das Umfeld belanglos ist, in dem sportliche Gro\u00dfveranstaltungen stattfinden. Dazu geh\u00f6rt dann auch: Die getroffene Entscheidung \u00fcber einen Boykott oder eine Teilnahme bleibt oft umstritten und kann sich im Nachhinein auch als falsch herausstellen. Aber die Debatte dar\u00fcber, welche Position der organisierte Sport vertritt und welchen Zielen der Sport dient, muss gef\u00fchrt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Ich habe Clemens T\u00f6nnies, den Chef des FC Schalke 04, \u00f6ffentlich daf\u00fcr kritisiert, dass er mit der Mannschaft zu Putin&hellip;<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"link-more\">\n\t<a href=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2112\" class=\"more-link\">\n\t\tWeiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Zwischenruf: Sport und Politik kann man nicht trennen.&rdquo;<\/span>&hellip;\t<\/a>\n<\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"footnotes":"","_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false},"version":2}},"categories":[1],"tags":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p35WCI-y4","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2112"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2112"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2112\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2114,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2112\/revisions\/2114"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2112"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2112"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2112"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}