{"id":2023,"date":"2014-01-05T15:11:11","date_gmt":"2014-01-05T15:11:11","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2023"},"modified":"2014-01-06T20:42:48","modified_gmt":"2014-01-06T20:42:48","slug":"mein-ziel-digital-caring","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=2023","title":{"rendered":"(M)ein Ziel: Digital Caring"},"content":{"rendered":"<p>Wie ist das mit den guten Vors\u00e4tzen oder Zielen f\u00fcr 2014? Hattet Ihr welche? Oder sind sie nach noch nicht einmal einer Woche alle \u00fcber Bord geworfen? Ich hatte ja angek\u00fcndigt, dass ich dazu etwas schreibe. Das hole ich nun endlich nach. Und der Sonntag scheint mir ja neben dem Kirchgang und dem Sport ein guter Tag zum Nachdenken zu sein.<\/p>\n<p>Mich treibt schon seit l\u00e4ngerer Zeit ein Thema um: die Diskursf\u00e4higkeit unserer Gesellschaft und wie wir miteinander umgehen. Und ich meine damit explizit nicht nur der Umgang miteinander im Netz. Nach meiner Meinung unterscheidet sich das nicht substanziell von der analogen Welt. Wer im Internet rumtrollt, der tut das zwar vielleicht nicht (immer) in der S-Bahn, aber zu einem mitf\u00fchlenden Menschen, der R\u00fccksicht nimmt, die Meinung anderer bereit ist anzuh\u00f6ren und es nicht darauf anlegt, andere  permanent zu \u00e4rgern, wird er sicher nicht. Trotzdem will ich mich zun\u00e4chst auf den Diskurs im Netz konzentrieren, auch weil ich glaube, dass wir vor allem f\u00fcr politische Diskussionen erwarten k\u00f6nnen, das die Bedeutung des Internets zunehmen wird.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Bildschirmfoto-2014-01-05-um-09.28.10.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Bildschirmfoto-2014-01-05-um-09.28.10.png\" alt=\"Bildschirmfoto 2014-01-05 um 09.28.10\" width=\"608\" height=\"359\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2024\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Bildschirmfoto-2014-01-05-um-09.28.10.png 608w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Bildschirmfoto-2014-01-05-um-09.28.10-420x248.png 420w\" sizes=\"(max-width: 608px) 100vw, 608px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Mich hat der zitierte Tweet veranlasst, nun endlich etwas dazu aufzuschreiben. Und bevor der #Aufschrei kommt: Nein! Ich will nicht die Enth\u00fcllungen von Edward Snowden verharmlosen oder ablenken. Aber der Tweet trifft aus meiner Sicht den Kern des Problems. In unserem Alltag wird unsere Freiheit durch Trolle und b\u00f6se Menschen im Netz weit mehr eingeschr\u00e4nkt, als durch die vermeintlichen Aktivit\u00e4ten der Geheimdienste. Man muss schon ein dickes Fell haben, wenn man inhaltlich mal von der Mehrheitsmeinung abweicht oder auch einigen \u201eMeinungsf\u00fchrern\u201c im Netz widerspricht. Mir pers\u00f6nlich macht das nichts aus. Ich werde ja sogar daf\u00fcr bezahlt, in schwierigen Situationen stehen zu bleiben. Es \u00e4rgert mich aber trotzdem. Und wie ist das mit denjenigen, die gerne einfach nur mit diskutieren wollen und dann erleben, wie mit ihnen umgegangen wird, wenn sie mal nicht Mainstream sind? Einen sehr lesenswerten <a href=\"http:\/\/stephanurbach.de\/2012\/03\/trolle-und-das-wegsehen-gelten-im-netz-andere-machtstrukturen\/\" title=\"Fight the Troll!\" target=\"_blank\">Blogpost zur Meinungsmacht im Netz<\/a> hat \u00fcbrigens @herrurbach geschrieben! <\/p>\n<p>Wie w\u00e4re es, wenn wir uns vornehmen, die Meinung des anderen oder wenigstens die Person zu respektieren, auch wenn wir ihre Aussagen f\u00fcr grundfalsch halten? Der franz\u00f6sische Literatur-Nobelpreistr\u00e4ger Romain Rolland hat einmal gesagt: \u201eEine Diskussion ist unm\u00f6glich mit jemandem, der vorgibt, die Wahrheit nicht zu suchen, sondern schon zu besitzen.\u201c Das vergessen ziemliche viele Leute im Netz. Und viele haben auch nicht verstanden, dass Demokratie nicht hei\u00dft, dass jeder m\u00f6glichst laut rumschreit und seine eigene Meinung als die einzig richtige pr\u00e4sentiert, sondern dass Demokratie am Ende die Kunst des Kompromisses ist. Von dieser Einsicht sind viele Diskurse (im Netz) Lichtjahre entfernt. <\/p>\n<p>Ich erlebe \u00fcbrigens, dass gerade mir als b\u00fcrgerlichem Politiker die vermeintlich tolerante Linke im Netz besonders intolerant begegnet. Aber dar\u00fcber k\u00f6nnen wir ja noch an anderer Stelle diskutieren. Und ja: Ihr werdet Tweets von mir finden, bei denen auch ich mich mal im Ton vergriffen habe. Mir tut das oft leid. Trotzdem bef\u00fcrchte ich, dass mir das wahrscheinlich leider hin und wieder passieren wird.<\/p>\n<p>Mit Verboten kann man die meisten gesellschaftlichen Herausforderungen nicht l\u00f6sen. Und deshalb kann man \u201eNettiquette\u201c nicht verordnen. Es ist eine Frage der Erziehung, des guten Benehmens und der Bildung. Auf Knopfdruck wird sich also an meiner Wahrnehmung \u2013 sollte sie denn stimmen \u2013 nichts \u00e4ndern. Aber wir alle k\u00f6nnen ja jeden Tag versuchen, es anders zu machen. Das w\u00e4re ja kein schlechtes Ziel oder kein schlechter Vorsatz f\u00fcr 2014. <\/p>\n<p>Ich behaupte also, dass derzeit zu viele Diskussionen im Netz destruktiv sind. Das liegt vielleicht daran, dass es leichter ist, sich abzugrenzen als sich selbst zu hinterfragen oder nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Wir brauchen aber Empathie und Mitgef\u00fchl, wir brauchen echtes Interesse an unserem Gespr\u00e4chspartner und seiner Meinung. Wir sollten ihm nicht absprechen, dass er etwas Gutes will, nur weil er unsere Meinung oder unser Weltbild nicht teilt. Meine Erfahrung ist aber, dass genau das geschieht. Einen solchen, zugegebenerma\u00dfen hohen Anspruch, kann man in dem Begriff \u201eDigital Caring\u201c zusammenfassen. Ich finde, es lohnt sich, ausf\u00fchrlicher dar\u00fcber zu reden, was man darunter k\u00fcnftig verstehen sollte und wie wir zu einer Gesellschaft werden, in der ein solches Selbstverst\u00e4ndnis herrscht. <\/p>\n<p>Digital Caring ist noch viel mehr. Wie gehen wir mit denen um, die nicht mitkommen? Lohnt es sich, einer erkennbaren Zahl an Menschen ihre \u201eAngst\u201c vor diesem Internet zu nehmen? Nun mag manch ein Nerd dar\u00fcber lachen und diese Menschen als gestrig oder dumm abqualifizieren, aber das ist nicht klug, denn es offenbart ein Spannungsverh\u00e4ltnis in unserer Gesellschaft, das mit dem Begriff \u201edigitale Spaltung\u201c treffend beschrieben ist. Dahinter verbirgt sich weit mehr als nur die Unterscheidung in Menschen mit und ohne Internetanschluss. Der Spiegel-Journalist Christian St\u00f6cker bringt es auf den Punkt: \u201eNoch nie in der Geschichte der Menschheit haben sich in so schneller Abfolge so viele so tief greifende technische Ver\u00e4nderungen ereignet, die unmittelbar den Alltag jedes Einzelnen betreffen. Nicht alle k\u00f6nnen dieses Tempo mitgehen.\u201c Darum m\u00fcssen wir uns vor allem um die k\u00fcmmern, die mit der Geschwindigkeit des Wandels Probleme haben. Das ist eine weitere Form des Digital Carings. Es kommen weitere dazu. Wirksam etwas gegen Cyber-Mobbing zu tun geh\u00f6rt aus meiner Sicht auch zu einer der Aufgaben der gro\u00dfen Koalition. Und hier kann die Politik wirklich etwas tun.<\/p>\n<p>Aber vielleicht fangen wir mal damit an, wie wir miteinander umgehen. Ich habe mir vorgenommen, mich an folgendem Zitat aus den R\u00f6merbriefen des Paulus zu orientieren: \u201eHaltet euch nicht selbst f\u00fcr klug.\u201c (R\u00f6mer, 12,16). Und weil ich Zitate liebe und nicht jeder von Euch bibelfest sein mag, habe ich gleich noch das passende Zitat von Obi-Wan Kenobi dabei: \u201eLuke, auch du wirst noch entdecken, dass viele Wahrheiten, an die wir uns klammern, von unserem pers\u00f6nlichen Standpunkt abh\u00e4ngig sind.\u201c Sucht Euch also eins aus. Dar\u00fcber nachzudenken, wie man Menschen mit einer anderen Meinung begegnet, kann zumindest nicht schaden. Und hart in der Sache streiten, Argumente f\u00fcr fadenscheinig oder falsch halten, darf man trotzdem.<\/p>\n<p><em>Nachtrag: Auf Twitter und auch hier in den Kommentaren wurde mir mehrfach vorgeworfen, ich h\u00e4tte bewusst versucht, die Enth\u00fcllungen von Edward Snowden zu verharmlosen oder das Agieren der NSA zu relativieren. Dem widerspreche ich. Auch in dem von mir zitierten Tweet geschieht das ja nicht. Es geht um zwei unterschiedliche Dinge, die aber beide f\u00fcr sich geeignet sind, den offenen Diskurs im Netz einzuschr\u00e4nken &#8211; auf jeweils unterschiedliche Art und Weise. Das gegeneinander aufzurechnen ist und war nicht meine Absicht und ist eine b\u00f6swillige Unterstellung. Vielmehr ging es darum, auf eine weitere Art von Einschr\u00e4nkung von Meinungsfreiheit hinzuweisen, die ja offensichtlich &#8211; das zeigen die vielen positiven Kommentare &#8211; nachvollziehbar ist. Zu der Diskussion um die NSA-Aff\u00e4re: Ich bin daf\u00fcr, einen Untersuchungsausschuss einzusetzen, der diese komplexe Materie aufarbeitet. Darum bleibe ich auch bei dem Wort &#8222;vermeintlich&#8220;, denn wir br\u00e4uchten keinen Untersuchungsausschuss, wenn v\u00f6llige Klarheit herrschen w\u00fcrde, was die NSA nun genau tut, wo und wie sie geltendes Recht bricht bzw. wie und ob sich deutsche Dienste an Recht und Gesetz halten.<\/p>\n<p><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Wie ist das mit den guten Vors\u00e4tzen oder Zielen f\u00fcr 2014? Hattet Ihr welche? 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