{"id":1944,"date":"2013-11-19T14:49:39","date_gmt":"2013-11-19T14:49:39","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=1944"},"modified":"2013-11-19T14:49:39","modified_gmt":"2013-11-19T14:49:39","slug":"warum-copy-and-paste-uncool-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=1944","title":{"rendered":"Warum Copy and Paste uncool ist"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Campact organisiert Kampagnen, bei denen sich Menschen via Internet an gesellschaftlichen Debatten beteiligen k\u00f6nnen. (&#8230;) Schnelles Handeln verbindet Campact mit phantasievollen Aktionen, die \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr eine sozial gerechte, \u00f6kologisch nachhaltige und friedliche Gesellschaft herstellen.&#8220; So weit die Selbstdarstellung der Initiative Campact im Internet (<a href=\"https:\/\/www.campact.de\/campact\/ueber-campact\/campact-im-ueberblick\/\" target=\"_blank\">https:\/\/www.campact.de\/campact\/ueber-campact\/campact-im-ueberblick\/<\/a>). Wie die erw\u00e4hnten &#8222;phantasievollen Aktionen&#8220;\u00a0 &#8211; offenbar eine freundliche Umschreibung f\u00fcr &#8222;unkreative Massenware zum Zwecke der Effekthascherei&#8220; &#8211; unter anderem aussehen, zeigt folgende E-Mail, welche die Mitglieder der Landesgruppe Hessen im Deutschen Bundestag vor einigen Tagen erreichte:<\/p>\n<div>\n<div><em>Sehr geehrte hessische CDU-Abgeordnete des deutschen Bundestages,<\/em><em>wie ich erfahren habe, gibt es innerhalb ihrer Fraktion einige Widerst\u00e4nde gegen Demokratie in Deutschland, was mich ein wenig verwundert hat, da der Name Ihrer Partei cDu demokratisch beinhaltet und es sich von daher mir nicht erschl\u00f6sse, wenn es sich bewahrheiten sollte. Gerade hier in Hessen baue ich darauf, dass Mitglieder einer demokratischen Partei auch f\u00fcr demokratische Inhalte stehen und fordere von Ihnen f\u00fcr dieses basale Versprechen einzustehen.<\/em><em>Mehr Informationen \u00fcber den Hintergrund dieser E-Mail k\u00f6nnen Sie bekommen, wenn Sie diesem Link folgen:<\/em><br \/>\n<em><a href=\"https:\/\/www.campact.de\/Volksentscheid-Aktion\" target=\"_blank\">https:\/\/www.campact.de\/Volksentscheid-Aktion<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Bitte informieren Sie mich \u00fcber die mediale \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Ihre PERS\u00d6NLICHE Meinung zur Demokratie!<\/em><\/p>\n<p><em>Beste Gr\u00fc\u00dfe<\/em><br \/>\n<em><\/em><br \/>\n<em> <\/em><em>J.W. (Name bekannt)<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<p>Mein Fraktionskollege Matthias Zimmer hat dem Unterzeichner wie folgt geantwortet:<br \/>\n<i>\u00a0<\/i><\/p>\n<\/div>\n<div><em>Sehr geehrter Herr W. von campact,<\/em><\/p>\n<div>\n<div>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>ich wei\u00df nicht, was mich an Ihrem Schreiben mehr \u00e4rgert: Die historische Unkenntnis, die sich darin manifestiert, oder die gewisse Rotzl\u00f6ffeligkeit des Urteils. Deshalb, bevor ich Ihre Frage beantworte, ad usum delphini einige Vorbemerkungen.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><em>Sie schreiben, es g\u00e4be Widerst\u00e4nde gegen die Demokratie in der CDU-Bundestagsfraktion, nur weil dort wohlerwogene\u00a0 Gr\u00fcnde gegen die von Ihnen gewollten direkten Volksentscheide vorgetragen werden. Sie unterstellen damit, die CDU sei nicht mehr demokratisch bzw. sei es nur dann, wenn wir Ihre Forderungen<\/em> <em>teilen. Ich geh\u00f6re einer Partei an deren Gr\u00fcndungsgeneration die Schrecken der Naziherrschaft am eigenen Leib zu sp\u00fcren bekommen hat. Einige davon haben im Widerstand gegen das Naziregime ihr Leben riskiert. Ich erinnere nur an Jakob Kaiser, der einer der Namensgeber der Bundestagsgeb\u00e4ude ist. Ich k\u00f6nnte aber auch an viele kirchlich und gewerkschaftlich gebundene Mitglieder der Gr\u00fcndungsgeneration der Union erinnern. Ihnen war allen die Demokratie ein heiliger Schatz nach den Gr\u00e4ueln des Nationalsozialismus. Einige haben ganz bewusst das Ende der Weimarer Republik\u00a0 erlebt und daraus die Konsequenz gezogen, die Demokratie selbst zu st\u00e4rken. Vielleicht wissen Sie das alles nicht. Vielleicht ist Ihnen der beinahe existenzielle Ernst nicht bekannt, mit dem mit der Gr\u00fcndung unserer Partei Demokratie gelebt und verteidigt wurde. Ich kann Ihnen aber versichern: Dies ist nach wie vor der Fall.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><em>Demokratie lebt von der Gewaltenteilung und der Repr\u00e4sentation; das ist seit Montesquieu und Locke ein fester Bestandteil demokratischen Selbstverst\u00e4ndnis. Zwar gibt es, etwa in der Tradition von Rousseau, auch durchaus Elemente identit\u00e4rer und direkter Demokratie. Mir scheint aber, dass diese im terreur der Gesinnung unter Robespierre gr\u00fcndlich diskreditiert worden sind. Sie sind als Vorbild und Gestaltungsprinzip f\u00fcr unsere Demokratie wenig geeignet. Nicht wenige hatten bei der Gr\u00fcndung der Bundesrepublik Deutschland die gro\u00dfe Sorge, dass es auch plebiszit\u00e4re Elemente gewesen sind, die mit zum Untergang der Weimarer Republik gef\u00fchrt hatte. Deswegen hat man Elemente direkter Volksentscheidung mit gro\u00dfer Vorsicht und Zur\u00fcckhaltung betrachtet.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><em>Ihre Sprache und ihre Unduldsamkeit mag auf Ihre Jugend zur\u00fcck zu f\u00fchren sein, aber sie k\u00f6nnte auch Ausdruck jenes terreur der Wohlmeinenden sein, die schon immer andere Meinungen nicht gelten lassen wollten und zun\u00e4chst einmal als undemokratisch oder gegen den Geist der Demokratie diskreditiert haben. Das war und ist die Vorstufe totalit\u00e4rer Denkhaltungen. Vielleicht tue ich Ihnen Unrecht, aber dann sollten Sie weniger missverst\u00e4ndlich formulieren und einer Partei, die aus dem Terror des Dritten Reiches die Demokratie geformt hat unterstellen, wir seien nicht demokratisch, nur weil wir nicht Ihrer Meinung sind.<\/em><\/p>\n<p><em>Und nun zur Antwort: Ja, ich lehne eine Ausweitung von Volksentscheiden auf Bundesebene aus grunds\u00e4tzlichen Erw\u00e4gungen ab. Dar\u00fcber diskutiere ich auch gerne, aber nicht mit Leuten, die mich dann antidemokratischer Umtriebe verd\u00e4chtigen.<\/em><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div>\n<div>\n<div>\n<p><em>Mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/em><\/p>\n<p><em>Prof. Dr. Matthias Zimmer MdB<\/em><\/p>\n<p>Dem ist aus meiner Sicht wenig hinzuzuf\u00fcgen. In einem Blog-Beitrag (<a href=\"\/\/blog.petertauber.de\/?p=1291)\" target=\"_blank\">http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=1291<\/a>)\u00a0 habe ich bereits vor einigen Monaten deutlich zum Ausdruck gebracht, was ich von solchen Massenemails halte. Hier noch einmal eine kurze Zusammenfassung:<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Wer einem Abgeordneten schreibt und m\u00f6chte, dass seine Email auch direkt gelesen wird, der sollte ein paar simple Regeln beachten.<\/p>\n<p>1. Die Anrede sollte individualisiert sein. Briefe und Emails an \u201cSehr geehrte Damen und Herren\u201d oder am besten noch mit einer Anrede, bei der das Geschlecht des Adressaten durch \u201cSehr geehrte\/r\u201d individuell w\u00e4hlbar ist, steigern nicht die Lust des vermeintlichen Adressaten die Email auch wirklich zur Kenntnis zu nehmen geschweige denn sie zu lesen!<\/p>\n<p>2. Copy and Paste ist nicht cool. Wer ein Anliegen hat, der sollte sich die M\u00fche machen, drei individuelle Zeilen zu formulieren. Seiner Emp\u00f6rung durch das simple Kopieren von Textbausteinen zum Ausdruck zu bringen schw\u00e4cht die Emp\u00f6rung doch deutlich ab. Und im politischen Diskurs sollte das eigene Argument im Mittelpunkt stehen und nicht das, was Lobbyisten von Campact und Co. vorformuliert haben. Selber denken wird von Abgeordneten erwartet \u2013 zu recht. Aber selber denken sollten auch B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger und sich nicht vereinnahmen lassen.<\/p>\n<p>3. \u201cIt\u2019s the Internet, stupid!\u201d Das Internet wird gepriesen als u.a. ein Ort des Austauschs zwischen Menschen. Dann sollte man es auch entsprechend nutzen. Es geht um die Kommunikation zwischen Menschen. Da passen Massenemails auch nicht wirklich. Sie sind technisch und kalt, wecken keine Emotionen und erlauben keinen wirklich pers\u00f6nlichen Austausch. Also lasst es bleiben. Schreibt Emails, twittert oder postet in sozialen Netzwerken \u2013 das ist Kommunikation.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>&#8222;Campact organisiert Kampagnen, bei denen sich Menschen via Internet an gesellschaftlichen Debatten beteiligen k\u00f6nnen. 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