{"id":1676,"date":"2013-07-19T17:34:52","date_gmt":"2013-07-19T17:34:52","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=1676"},"modified":"2013-07-19T17:34:52","modified_gmt":"2013-07-19T17:34:52","slug":"grun-grun-grun-weis-alles-besser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=1676","title":{"rendered":"Gr\u00fcn, gr\u00fcn, gr\u00fcn &#8230;. wei\u00df alles besser!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/2013-06-24-GRUENE-2a-FB.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1677\" alt=\"2013-06-24 GRUENE 2a FB\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/2013-06-24-GRUENE-2a-FB.png\" width=\"843\" height=\"403\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/2013-06-24-GRUENE-2a-FB.png 843w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/2013-06-24-GRUENE-2a-FB-420x201.png 420w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/2013-06-24-GRUENE-2a-FB-744x356.png 744w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/2013-06-24-GRUENE-2a-FB-768x367.png 768w\" sizes=\"(max-width: 843px) 100vw, 843px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Coverausschnitt: Norbert Golluch, Stano Kochan: Die gr\u00fcne Wende. Frankfurt am Main, Eichborn Verlag 1985.<\/p>\n<p>Als ich das letzte Mal dar\u00fcber geschrieben habe, dass die Gr\u00fcnen inzwischen die Partei sind, die dem Bevormundungsstaat wieder das Wort reden, wurde ich kritisiert. Die von mir genannten Beispiele seien doch Einzelf\u00e4lle, auch in anderen Parteien gebe es immer wieder Rufe nach neuen Verboten. Au\u00dferdem solle ich nicht auf anderen Parteien \u201erumhacken\u201c. Nun gut. Nicht nur im Wahlkampf wird oft die Frage gestellt, was die Parteien denn eigentlich unterscheidet. Aus meiner Sicht sind es genau diese Punkte, die Union und Gr\u00fcne unterscheidbar machen.<\/p>\n<p>Ich bleibe dabei: Die Gr\u00fcnen unterscheiden sich vor allem deswegen von der CDU, weil sie ihre Politik moralisch \u00fcberh\u00f6hen. Sie wissen, was richtig oder falsch ist. Das ist bei uns Christdemokraten anders. Erstens haben wir innerhalb unserer Volkspartei oft so ein gro\u00dfes Meinungsspektrum, dass wir es uns schlichtweg nicht erlauben k\u00f6nnen, jeden, der von der Parteilinie abweicht, zum Idioten und r\u00fccksichtslosen Egoisten abzustempeln, wie es die Gr\u00fcnen eben meist tun. Zweitens lehrt uns das christliche Menschenbild, dass der Mensch Fehler macht, dass er Schw\u00e4chen hat und dass wir ihn annehmen sollen wie er ist. Das gr\u00fcne Menschenbild geht zwar auch davon aus, dass Menschen Fehler machen (aber nicht alle, nur die, die noch nicht unter der Sonnenblume leben), aber man kann ihn \u201eumerziehen\u201c, zum besseren bekehren und im Zweifel durch Verbote die Welt besser machen.<\/p>\n<p>Neue Beispiele f\u00fcr gr\u00fcne Verbotsfantasien? Bitte, gerne! Cem \u00d6zedemir schrieb neulich auf Facebook, er wolle nichts mehr davon lesen, wenn CDU-Politiker zu Konzerten von Rock-Bands wie AC\/DC gehen. Diese Musikgruppen w\u00fcrden sich sicherlich nicht mit der Politik der CDU identifizieren, darum sollten die \u201ekonservativen Politiker\u201c das doch sein lassen, so schrieb er sinngem\u00e4\u00df. Das w\u00e4re ungef\u00e4hr so, wie wenn man Cem \u00d6zdemir als gr\u00fcnem Politiker das Fliegen verbieten wolle. Ach halt, da war ja mal was mit den Bonusmeilen lieber Cem oder? Wer im Glashaus sitzt&#8230;<\/p>\n<p>Ein Nutzer auf Facebook hat das wie folgt kommentiert: \u201eRock\u2019n Roll steht nicht f\u00fcr Rauchverbot, Gl\u00fchbirnenverbot und Motorrollerverbot. Rock\u2019n Roll steht nicht f\u00fcr das subventionierte Solardach auf dem Reihenh\u00e4uschen. Rock\u2019n Roll steht nicht f\u00fcr Political Correctness, Binnen-I und Gender-Gap. Rock\u2019n Roll steht nicht f\u00fcr vegetarische Donnerstage in Beamtenkantinen. Rock\u2019n Roll steht f\u00fcr viel, aber ganz bestimmt nicht f\u00fcr gr\u00fcne Politik!\u201c<\/p>\n<p>Wer das Beispiel einfach abtun m\u00f6chte, der sollte die dahinter zutage tretende Geisteshaltung nicht \u00fcbersehen, die sich auch in anderen Bereichen zeigt: Keinesfalls harmlos ist der verdeckte Boykottaufruf mancher gr\u00fcner Politiker, keine israelischen Produkte mehr zu kaufen &#8211; wegen der israelischen Politik in den \u201ebesetzten Gebieten\u201c. Da hilft es auch nichts, wenn manche gr\u00fcne Politiker das auf Produkte aus dem Westjordanland reduziert sehen wollen und eine Kennzeichnung solcher Produkte fordern. Die israelische Botschaft in Berlin reagierte zu Recht irritiert und erkl\u00e4rte, es handle sich um einen &#8222;weiteren Versuch, Israel negativ herauszuheben und dabei zu einem wirtschaftlichen Boykott aufzurufen&#8220;. Die Gr\u00fcnen sind nat\u00fcrlich emp\u00f6rt. Bei einer Kennzeichnung von Produkten gehe es mitnichten um Boykott, sondern nur um die Erm\u00f6glichung einer \u201einformierten Kaufentscheidung\u201c. Danke, liebe Gr\u00fcne. Wer also Produkte aus den \u2013 nach eurer Lesart \u2013 besetzten Gebieten kauft, der soll dabei wenigstens ein schlechtes Gewissen haben. Unabh\u00e4ngig davon, hat Euch Gr\u00fcnen keiner gesagt, wie haarscharf ihr damit an der Grenze des Antisemitismus entlangschrammt oder sie sogar \u00fcberschreitet?<\/p>\n<p>Drittes Beispiel: Die nordrheinwestf\u00e4lische Gesundheitsministerin Barbara Steffens ist ein gro\u00dfer Freund hom\u00f6opathischer Medizin. Als Privatperson ist das ihr gutes Recht. Es steht jedem frei, seine Gesundheit einem Arzt der eigenen Wahl anzuvertrauen. Bedenklich wird das ganze allerdings, wenn eine Ministerin ernsthaft naturwissenschaftliche Erkenntnisse in Zweifel zieht. Fehlt nur noch, dass Sie Charles Darwin als Scharlatan abstempelt. Was hat die Frau gesagt? Hier eine Kostprobe: <i>\u00a0<\/i>\u201cAlso Erstens: Ich bin \u00fcberzeugt davon, dass es wirkt, und dass es [die Hom\u00f6opathie] individuell in vielen F\u00e4llen einfach das beste Mittel ist oder beste Weg ist, um die Selbstheilung der Menschen zu aktivieren. Das Zweite ist einfach, dass ich es anma\u00dfend finde, dass irgendwer meint, dass man naturwissenschaftlich den Menschen, Krankheitsprozesse und Genesungsprozesse mal eben so einfach erkl\u00e4ren k\u00f6nnte.\u201c Dazu f\u00e4llt einem nicht mehr viel ein, finde ich. \u201eMal eben so einfach\u201c Krankheiten zu erkl\u00e4ren, so machen das \u00c4rzte ja. Da bleibt kritisch zu fragen, welches Wissenschaftsbild diese Ministerin pflegt. Als Politikerin sollte sie wissen, dass die Welt \u2013 und das gilt auch f\u00fcr Krankheiten \u2013 meist komplexer ist und einfache Erkl\u00e4rungen selten zu einer L\u00f6sung f\u00fchren. Kein Naturwissenschaftler oder Mediziner wird die Bedeutung sozialer oder psychologischer Einfl\u00fcsse auf den Krankheitsverlauf verneinen, aber umgekehrt Krankheit zu einer Frage der inneren Einstellung zu machen ist haneb\u00fcchen \u2013 erst recht f\u00fcr eine Ministerin.<\/p>\n<p>Man ist versucht zu sagen: \u201eAm gr\u00fcnen Wesen soll die Welt genesen.\u201c Doch in Wahrheit steckt dahinter auch eine linke Hoffnung auf eine Hegemonie des Denkens in unserer Gesellschaft und am besten noch dar\u00fcber hinaus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Coverausschnitt: Norbert Golluch, Stano Kochan: Die gr\u00fcne Wende. Frankfurt am Main, Eichborn Verlag 1985. 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