{"id":1544,"date":"2013-03-19T10:43:19","date_gmt":"2013-03-19T10:43:19","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=1544"},"modified":"2013-04-18T09:17:45","modified_gmt":"2013-04-18T09:17:45","slug":"armut-und-reich-in-deutschland-oder-die-belastbarkeit-von-statistiken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=1544","title":{"rendered":"Armut und Reich in Deutschland oder die Belastbarkeit von Statistiken"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/IMG_1201_s.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-1545\" alt=\"IMG_1201_s\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/IMG_1201_s.jpg\" width=\"900\" height=\"552\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/IMG_1201_s.jpg 900w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/IMG_1201_s-420x258.jpg 420w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/IMG_1201_s-744x456.jpg 744w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/IMG_1201_s-768x471.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der j\u00fcngste Armuts- und Reichtumsbericht hat f\u00fcr heftige Diskussionen gesorgt. Die Menschen in Deutschland treibt die Frage, wie gerecht es in unserem Land zugeht, um. Und das kann ich gut verstehen. Im parteipolitischen Schlagabtausch prallen da oft Zahlenreihen und Prozentzahlen aufeinander. Ich pers\u00f6nlich finde das von der EU vorgegebene Instrument zur Messung von Armut in unserer Gesellschaft hoch problematisch. Warum will ich hier kurz erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Es bleibt festzuhalten, dass es den Menschen in Deutschland oft besser geht als vor vier Jahren. Die Zahlen der Menschen, die von Hartz IV leben, ist um eine Million gesunken und darunter viele Kinder. Deutlich mehr Menschen haben einen Job \u2013 und zwar einen Job, von dem sie leben k\u00f6nnen. Wir hatten noch nie so viele sozialversicherungspflichtige Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse wie derzeit. Seit Angela Merkel Bundeskanzlerin ist, geht die Schere zwischen Arm und Reich nicht weiter auseinander. Das ist ein Erfolg! Das Deutsche Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung hat berechnet: Die Armutsgefahr hat in Deutschland zwischen 1999 und 2004 deutlich zugenommen, seither nicht mehr. Im Gegenteil, die Einkommensschere hat sich wieder geschlossen. Das zeigt: Unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel geht es den Menschen besser.<\/p>\n<p>Viele Menschen haben aber das Gef\u00fchl, dass es immer ungerechter in unserem Land zugeht. Und aktuelle Statistiken \u2013 so der Eindruck \u2013 best\u00e4tigen ja dieses Bild. So hei\u00dft es beispielsweise, dass die Armutsgef\u00e4hrdung in Deutschland steige. Fast 16 Prozent der Haushalte seien davon betroffen. Armutsgef\u00e4hrdet ist nach der g\u00e4ngigen Definition der EU, wer \u00fcber weniger als 60 Prozent des gewichteten (nationalen) Nettoeinkommens verf\u00fcgt. Was bedeutet diese Definition, wenn wir uns in Deutschland mit anderen L\u00e4ndern vergleichen?<\/p>\n<p>Wenn in einer Gesellschaft wie Nordkorea alle Menschen hungern, ist auf der Basis die-ser Statistik keiner armutsgef\u00e4hrdet. Es hungern ja alle gleich, und weniger als 60 Pro-zent des gewichteten Nettoeinkommens verdient auch niemand. Schon das zeigt, wie absurd diese Statistik ist. Wenn in Griechenland alle Geh\u00e4lter und Renten gek\u00fcrzt wer-den, dann f\u00fchrt das auf der Basis dieser Berechnungen nicht zu mehr Armut. Ist das realistisch?<\/p>\n<p>Oder nehmen wir ein anderes Beispiel: Wenn Michael Schumacher morgen seinen Wohnsitz in den Main-Kinzig-Kreis verlegt, dann steigt das gewichtete Nettoeinkommen enorm. Ohne das irgendjemand einen Cent weniger verdient, erh\u00f6ht sich statistisch die Zahl der Menschen, die von Armut gef\u00e4hrdet sind, weil sie eben weniger als die genannten 60 Prozent des gewichteten Nettoeinkommens verdienen.<\/p>\n<p>Genauso fragw\u00fcrdig ist die Statistik der EU \u00fcbrigens, wenn wir uns anschauen, wie dort Reichtum definiert wird. Statistisch gesehen ist derjenige reich, der \u00fcber 200 Prozent des gewichteten Nettoeinkommens verf\u00fcgt. F\u00fcr Deutschland hei\u00dft das: jemand mit 952 Euro und weniger im Monat ist armutsgef\u00e4hrdet und reich w\u00e4re jemand ab einem Nettoeinkommen von 3 250 Euro. Also, zwischen armutsgef\u00e4hrdet und reich liegen &#8211; statistisch gesehen \u2013 gerade einmal 2 200 Euro an Nettoeinkommen. Das ist aus meiner Sicht ziemlich absurd, auch weil es s\u00e4mtliche Lebensumst\u00e4nde ausblendet.<\/p>\n<p>Um es auf die Spitze zu bringen: Ein Student vor dem Abschluss des Studiums gilt in der Regel als armutsgef\u00e4hrdet oder arm. Mit seinem ersten Job kann er dann von einem Tag auf den anderen pl\u00f6tzlich reich werden. Das ist schon abenteuerlich.<\/p>\n<p>Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes ergeben ein anderes Bild. F\u00fcr Deutschland zeigt sich zun\u00e4chst einmal, dass die gemessene Ungleichheit seit 2007 r\u00fcckl\u00e4ufig ist, w\u00e4hrend sie von 2000 bis 2005 zugenommen hat. Das betrifft die Netto\u00e4quivalenzein-kommen auf Haushaltsebene, also alle Einkommensarten.<\/p>\n<p>Die ganze Debatte wird zu sehr mit Blick auf lediglich materielle Faktoren gef\u00fchrt. Men-schen k\u00f6nnen sich durchaus bei gen\u00fcgender materieller Grundausstattung als arm empfinden, wenn sie sozial vereinsamt sind, wenige oder keine personalen Netzwerke haben, wenn sie von Krankheiten geplagt sind oder sich in trostlosen Lebenslagen befinden. Umgekehrt k\u00f6nnen sich Menschen auch bei geringen materiellen Mitteln ihr Leben als reich und gl\u00fccklich vorstellen. Wohlstand und Lebensqualit\u00e4t sind keine ausschlie\u00dflichen Funktionen des Einkommens. Dahinter steht auch die Frage nach einem guten Leben, einem gelingenden Leben.<\/p>\n<p>Armut ist ein relativer Begriff, zum einen relativ zum Einkommen oder Verm\u00f6gen ande-rer, aber auch relativ zu anderen uns wichtigen Lebenschancen. Vieles davon k\u00f6nnen wir messen, vieles nicht. Den Menschen und seine Lebenschancen lediglich auf die materiellen M\u00f6glichkeiten zu reduzieren, erscheint mir falsch. Unsere Gesellschaft als eine zu denunzieren, in der Armut zunimmt, ist ebenfalls schief und falsch.<\/p>\n<p>Zunimmt lediglich der Druck der Oppositionsparteien, ein Thema zu finden. Trotz Fi-nanz- und Wirtschaftskrise, trotz der Staatsschuldenkrise in Europa geht es vielen Menschen in Deutschland heute besser als vor vier Jahren. Das hat viel mit der von der Union gef\u00fchrten Bundesregierung zu tun, aber vor allem mit dem Flei\u00df der Menschen und klugen unternehmerischen Entscheidungen. Das sollten wir nicht st\u00e4ndig schlecht reden.<\/p>\n<p>Foto: Tobias Koch\/www.tobiaskoch.net<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Der j\u00fcngste Armuts- und Reichtumsbericht hat f\u00fcr heftige Diskussionen gesorgt. 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