{"id":1474,"date":"2013-02-28T06:11:38","date_gmt":"2013-02-28T06:11:38","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.petertauber.de\/?p=1474"},"modified":"2017-02-16T09:22:00","modified_gmt":"2017-02-16T09:22:00","slug":"danke-joseph-ratzinger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=1474","title":{"rendered":"Danke Joseph Ratzinger!"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin evangelisch und das aus \u00dcberzeugung. Darum habe ich lange \u00fcberlegt, ob ich meine Gedanken zum angek\u00fcndigten R\u00fccktritt des Papstes niederschreibe. Nachdem ich die gro\u00dfe Ehre hatte, Benedikt XVI. pers\u00f6nlich zu begegnen, und mich die oft erschreckend einseitige Darstellung des Heiligen Vaters in den deutschen Medien zunehmend nervt, habe ich mich daf\u00fcr entschieden.<\/p>\n<p>Als damals eine gro\u00dfe deutsche Zeitung \u201eWir sind Papst\u201c getitelt hat, da galt das f\u00fcr mich als Deutscher, aber nicht f\u00fcr mich als Christ, wenngleich ich der \u00dcberzeugung bin, dass in Zeiten, in denen Christen auch in unserer Gesellschaft immer mehr Anfeindungen ausgesetzt sind, die \u00d6kumene wichtiger denn je ist. Es war und bleibt ein bewegendes Zeugnis, dass nach der Geschichte des 20. Jahrhundert und 500 Jahre nach Luther ein Deutscher an die Spitze der katholischen Kirche gew\u00e4hlt wurde.<\/p>\n<p>Der Papst \u2013 auch wenn er Deutscher ist \u2013 steht einer der wenigen globalen Organisationen vor, in der Menschen aller Rassen und Nationen, arm und reich, jung und alt, zusammenfinden. Die Kirche existiert seit mehr 2000 Jahren. In diesen 2000 Jahren haben Menschen versucht, den Lehren Jesu Christi nachzufolgen \u2013 und dabei alle nur erdenklichen Fehler gemacht, eben weil sie Menschen sind. Das gilt auch f\u00fcr die Kirche unserer Zeit und das wei\u00df auch der Papst. Dass sich die Kirche dabei in der modernen Welt der Kritik stellen muss ist gut so. Ob alle Kritik berechtigt ist, sei dahingestellt.\u00a0<a href=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Audienz-051.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-large wp-image-1494\" alt=\"Generalaudienz mit Benedikt XVI.\" src=\"http:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Audienz-051-1024x701.jpg\" width=\"620\" height=\"424\" srcset=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Audienz-051-1024x701.jpg 1024w, https:\/\/blog.petertauber.de\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Audienz-051-300x205.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Glaube vieler deutscher Medien, die katholische Kirche, der mehr als eine Milliarde Menschen angeh\u00f6ren, habe sich in ihrer Lehrmeinung nach gut 20 Millionen deutschen Katholiken oder gar nach dem Feuilleton deutscher Tageszeitungen zu richten, offenbart eine Hybris, die beeindruckt. Auch wenn die Kirche manchmal erschreckend weltfremd wirkt, auch wenn manche ihrer Repr\u00e4sentanten Fehler machen, so kann man das sich bewusste Entziehen der Mechanismen der Moderne (oder der Mediendemokratie) durch die Kirche auch als St\u00e4rke und nicht als Schw\u00e4che interpretieren. Die frohe Botschaft des Herrn bleibt seit 2000 Jahren eine Quelle der Kraft und Hoffnung f\u00fcr die Menschheit \u2013 unabh\u00e4ngig der Tagespresse.<\/p>\n<p>Welches Zerrbild haben Journalisten oft von dem Menschen Josef Ratzinger gezeichnet? Das ein Papst klare Worte finden muss \u2013 gegen\u00fcber dem Islam beispielsweise oder der Ungerechtigkeit in der Welt \u2013, kann man ihm nicht vorwerfen, dass sollte man von ihm erwarten. Glaube ist anstrengend. Er fordert und verlangt von den Menschen etwas. Glauben ist nichts f\u00fcr denjenigen, der nach steter \u201ewellness\u201c trachtet. Das wusste schon Luther. Ein Papst muss daher klare Worte sprechen, gerade wenn sie nicht politisch korrekt sind. Es ist bezeichnend, dass die deutschen Medien nur die \u00c4u\u00dferungen von ihm aufgegriffen haben, die zur Skandalisierung geeignet waren \u2013 wohlgemerkt meist durch das Weglassen oder die Verk\u00fcrzung. Sein theologisches Wirken, sein stetes Mahnen f\u00fcr Gerechtigkeit, sein Eintreten f\u00fcr die Schwachen und Armen war selten eine Schlagzeile wert.<\/p>\n<p>Der freiwillige Abschied aus einem Amt, nicht herbeigef\u00fchrt durch Skandale, sondern durch die eigene Einsicht, der schweren Aufgabe k\u00f6rperlich nicht mehr gewachsen zu sein, wird nun wieder genutzt, nicht nur den Stab \u00fcber einen Menschen zu brechen, sondern gleich erneut mit der Institution Kirche abzurechnen. Heilige Einfalt! Wie durchsichtig ist das? Golo Mann hat in seiner \u201eDeutschen Geschichte\u201c mit Blick auf die Kirche einen wahren Satz geschrieben: \u201eAber die Korruption der Kirche beweist nichts gegen ihre Mission. Im Gegenteil. Dass auf den Menschen kein Verlass ist, dass er der Gnade bedarf, gerade diese Erkenntnis haben alle christlichen Konfessionen gemeinsam.\u201c<\/p>\n<p>Als Bundestagsabgeordneter war ich nicht nur von Ratzingers Rede im Deutschen Bundestag beeindruckt. Auch da gab es vorher einen inszenierten Aufschrei \u2013 nachher waren sich alle einig, dass der Heilige Vater kluge Worte an die Politik gerichtet hatte. Die heilige Messe im Olympiastadion, die mit einem \u00f6kumenischen Lied endete, war ebenfalls etwas besonderes. Aber die pers\u00f6nliche Begegnung mit Benedikt XVI. am Rande einer Generalaudienz auf dem Petersplatz in Rom war f\u00fcr mich einer der H\u00f6hepunkte dieser Legislaturperiode. Dieser Mann, der schon vor zwei Jahren im Amt sichtlich gealtert war, der sich aufgerieben hat f\u00fcr seine Aufgabe, hatte trotz seiner Gebrechen eine Ausstrahlung, die mich tief ber\u00fchrte. Er war warmherzig, offen, die Art wie er schon vorher bei der Generalaudienz die vor allem jungen Menschen auf dem Petersplatz begeisterte, war bewegend. Es war sch\u00f6n, bewegend, nachdenklich machend und fr\u00f6hlich, laut und leise zugleich.<\/p>\n<p>Die Sprache Benedikts XVI. beeindruckt und nimmt gefangen. Es lohnt sich n\u00e4her hinzuschauen, zu h\u00f6ren, zu lesen. Der Kabarettist Willibert Pauels hat in einem Artikel \u00fcber den Papst das folgende Zitat Ratzingers aufgegriffen, das mir so au\u00dferordentlich gut gef\u00e4llt, weil es voller W\u00e4rme und Trost und zugleich intellektueller Tiefe ist: \u201eDas Einzige, was ewig bleibt, ist die menschliche Seele. Denn sie ist kostbarer als das ganze Universum. Deshalb ist das, was von uns bleibt, das, was wir in die Seelen der Menschen gelegt haben. Die Liebe, die Erkenntnis, das Wort, das die Seele ber\u00fchrt und \u00f6ffnet zur Freude.\u201c<\/p>\n<p>Was bleibt von Benedikt\u00a0XVI.? Seine B\u00fccher \u00fcber Jesus Christus, seine theologischen Werke und Enyzkliken \u00fcber die Liebe und die Hoffnung. Seine strengen Richtlinien gegen den Missbrauch durch Kleriker und das auf die Opfer zugehen, sein sensibles Auftreten auch ei schwierigen Auslandsreisen \u2013 ob in Gro\u00dfbritannien, im Libanon oder in der T\u00fcrkei, sein Anstossen von Diskussionen.<\/p>\n<p>Andreas P\u00fcttmann hat geschrieben: \u201eSelbst durch seinen \u2013 mehr als 700 Jahre Konvention sprengenden \u2013 R\u00fccktritt in W\u00fcrde und Demut hat er noch Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr Kirche und Gesellschaft gesetzt. Angesichts all dessen kann man durchaus ins Gr\u00fcbeln kommen, wie die intellektuelle, geistliche und charakterliche Klasse dieses Papstes eigentlich noch einmal von einem Nachfolger erreicht werden soll. Die insgesamt \u00fcber 30-j\u00e4hrige r\u00f6mische \u201e\u00c4ra Ratzinger\u201c \u2013 denn Johannes Paul II. verdankte ihm \u201edas theologische Profil meines Pontifikats\u201c \u2013 d\u00fcrfte in der R\u00fcckschau als eine der bedeutenden der Kirchengeschichte betrachtet werden.\u201c<\/p>\n<p>Ich bin evangelisch und das aus \u00dcberzeugung. Aber ich respektierte und achtete diesen Papst nicht nur. Ich mochte ihn. Bleibt zu hoffen, dass er der Christenheit als einfacher Arbeiter im Weinberg des Herrn, so hat er sich glaube ich selbst oft gesehen, noch lange erhalten bleibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Ich bin evangelisch und das aus \u00dcberzeugung. 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