{"id":142,"date":"2010-07-21T19:31:12","date_gmt":"2010-07-21T18:31:12","guid":{"rendered":"http:\/\/petertauber.wordpress.com\/?p=142"},"modified":"2010-07-21T19:31:12","modified_gmt":"2010-07-21T18:31:12","slug":"freiwilliges-dienen-ein-jahr-fur-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=142","title":{"rendered":"Freiwilliges Dienen &#8211; ein Jahr f\u00fcr Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Erst war \u201enur\u201c eine Verk\u00fcrzung des Wehrdienstes auf sechs Monate geplant, doch inzwischen hat der Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Wehrpflicht selbst auf den Pr\u00fcfstand gestellt und damit eine regelm\u00e4\u00dfig wiederkehrende Debatte um Sinn und Zweck erneut befeuert. So r\u00fcckt das Ende der Wehrpflicht vielleicht wieder ein St\u00fcck n\u00e4her. Bis auf CDU und CSU sowie Teile der SPD diskreditieren inzwischen alle anderen im Bundestag vertretenen Parteien zudem Wehr- und Zivildienst als \u201eZwang\u201c, der jungen Menschen Lebenszeit raube. Diese Sichtweise ist bedenklich, weil eine freiheitliche Demokratie darauf angewiesen ist, dass ihre Staatsb\u00fcrger immer wieder f\u00fcr die staatliche Ordnung aktiv eintreten und sich engagieren. Hinzu kommt, dass wissenschaftliche Untersuchungen ein ganz anderes Bild ergeben: Viele Zivildienstleistende und auch Wehrpflichtige erleben ihren Dienst ganz individuell als Chance, um sich weiter zu qualifizieren, oft sogar eine Orientierung f\u00fcr ihren sp\u00e4teren Berufsweg finden. Wehr- und Zivildienst sind l\u00e4ngst Lerndienste, die jungen M\u00e4nnern neben der Erf\u00fcllung einer Pflicht Perspektiven er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Gerade dies offenbart aber die gro\u00dfe Schw\u00e4che der Wehrpflicht: junge Frauen und die vielen ausgemusterten jungen M\u00e4nner werden nicht zu einem Dienst herangezogen. Folglich \u201eprofitieren\u201c sie auch nicht von den entsprechenden Erfahrungen, die ein Teil ihrer Generation macht. Die Alternative, eine einj\u00e4hrige Dienstpflicht f\u00fcr alle, ist zwar im Kern keine schlechte Idee und findet immer wieder prominente Bef\u00fcrworter, sie ist aber \u2013 alle verfassungsrechtlichen Bedenken au\u00dfen vorgelassen \u2013 wohl kaum mehrheitsf\u00e4hig. Darum ist es an dieser Stelle konsequent, den Blick st\u00e4rker auf die F\u00f6rderung des freiwilligen Dienens zu richten.<\/p>\n<p>Wenn junge M\u00e4nner vom Wehr- und Zivildienst in ihrer pers\u00f6nlichen Entwicklung profitieren, dann gilt dies nat\u00fcrlich auch f\u00fcr die gut 40.000 jungen M\u00e4nner und Frauen, die sich im vergangenen Jahr daf\u00fcr entschieden haben, ein Freiwilligenjahr zu absolvieren. Wir stellen aber auch fest, dass es vor allem Jugendliche mit einem besseren Schulabschluss und einem entsprechenden sozialen Hintergrund sind, die sich f\u00fcr einen Freiwilligendienst bewerben. Dies ist einerseits erfreulich, weil es zeigt, dass es nach wie vor eine breite b\u00fcrgerliche Verantwortungskultur gibt, aber es darf nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass vielen jungen Menschen nicht in den Sinn kommen w\u00fcrde, einen solchen Dienst f\u00fcr die Gesellschaft zu leisten.<\/p>\n<p>Fast alle Freiwilligen berichten nach der Ableistung ihres Dienstes begeistert von ihren Erlebnissen und Eindr\u00fccken. Die jungen Frauen und M\u00e4nner k\u00f6nnen glaubhaft ihre Erfahrungen weitergeben und damit nicht nur dokumentieren, dass ihr Dienst wertgesch\u00e4tzt wurde, sondern auch, dass sie pers\u00f6nlich davon profitiert haben. Man kann sich vorstellen, dass dies ein wichtiger Impuls sein kann, um noch mehr junge Menschen f\u00fcr einen freiwilligen Dienst zu begeistern.<\/p>\n<p>Das b\u00fcrgerschaftliche Engagement junger Menschen in den Freiwilligendiensten wird k\u00fcnftig durch den demografischen Wandel \u201egef\u00e4hrdet\u201c, wenn es uns in den n\u00e4chsten Jahren nicht gelingt, eine Freiwilligenkultur zu entwickeln, bei der die Wirtschaft in ihren Anspr\u00fcchen an Schule und Hochschule in Deutschland nicht mehr allein das Diktat eines zeitlich schnellen und stromlinienf\u00f6rmigen Durchlaufens des Bildungssystems in den Vordergrund stellt. Wir werden erleben, dass Unternehmen sich bereits in der Oberstufe um Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler bem\u00fchen. Ob es unter solchen Vorzeichen dann noch gelingen kann, Jugendliche in nennenswerter Zahl f\u00fcr ein freiwilliges zeitlich gebundenes Engagement zu begeistern, darf man bezweifeln. Es braucht also eine Kultur, in der Unternehmen verinnerlichen, dass Bewerberinnen und Bewerber, die in ihrem Lebenslauf ein Freiwilligenjahr vorweisen, in einem Ma\u00dfe soziale Kompetenzen mitbringen, die sie zus\u00e4tzlich qualifizieren.<\/p>\n<p>Was ist also zu tun? Derzeit leisten rund 40.000 junge M\u00e4nner und Frauen ein Freiwilliges Soziales Jahr oder ein Freiwilliges \u00d6kologisches Jahr. Mehr als doppelt so viele junge Menschen, darunter eine steigende Zahl mit Migrationshintergrund, hat Interesse an einem freiwilligen Dienst, findet aber keine Einsatzm\u00f6glichkeit oder die Finanzierung fehlt. Das ist fatal und geradezu fahrl\u00e4ssig, denn unsere Gesellschaft verschenkt hier ein enormes Potential an Einsatzbereitschaft. Wir k\u00f6nnen uns das eigentlich nicht leisten.<\/p>\n<p>Sicherlich gibt es noch viel mehr junge Menschen, die man f\u00fcr einen freiwilligen Dienst begeistern kann, wenn man bedenkt, dass es zahlreiche weitere Einsatzm\u00f6glichkeiten f\u00fcr Freiwillige gibt, die \u00fcber das klassische FSJ und F\u00d6J hinausgehen. Das bereits existente Freiwilligenjahr im Bereich der Kultur ist daher genauso ausbauf\u00e4hig ein Freiwilligenjahr im Sport mit allen Perspektiven f\u00fcr die Turn- und Sportvereine. Neu hinzukommen k\u00f6nnte ein Freiwilligenjahr unter dem Stichwort Bildung, das den Einsatz von freiwilligen Jugendlichen in der Kinderbetreuung und in Ganztagsschulen erlaubt. Man mag sich ausmalen, welchen positiven Effekt und welche Vorbildfunktion junge Menschen f\u00fcr nahezu Gleichaltrige an dieser Stelle einnehmen k\u00f6nnten. Und nat\u00fcrlich sollte die Bundeswehr jungen M\u00e4nnern und Frauen auch k\u00fcnftig die M\u00f6glichkeit geben, ein Jahr als \u201eEinj\u00e4hrigfreiwillige\u201c ihren Dienst in der Truppe zu leisten. Das Aussetzen der Wehrpflicht w\u00e4re also nicht das Ende, sondern vielmehr eine Chance, Wehrdienst und Zivildienst intelligent weiterzuentwickeln.<\/p>\n<p>Am Ende dieser Entwicklung steht das freiwillige Dienstjahr als \u2013 um es an dieser Stelle einmal altmodisch aber doch wahrheitsgem\u00e4\u00df zu formulieren \u2013 Ehrendienst f\u00fcr unser Land und unsere Gesellschaft. Was w\u00e4re so schlimm daran, wenn es \u201ezum guten Ton\u201c geh\u00f6ren w\u00fcrde, dass junge Menschen an einem Platz, der ihren F\u00e4higkeiten und Neigungen entspricht, eine Zeit ihres Lebens nicht nur in den Dienst der Gesellschaft stellen, sondern dieses Jahr zus\u00e4tzlich ganz bewusst f\u00fcr sich selbst als erweitertes Bildungsjahr nutzen? Dann bekommt der Satz \u201eHaben Sie gedient?\u201c in Vorstellungsgespr\u00e4chen eine ganz andere, auf einmal unheimlich moderne Bedeutung. Wem dieser Zugang zu patriotisch klingt, f\u00fcr den kann man es auch wie folgt formulieren: Die Rendite einer so verstandenen Freiwilligenkultur f\u00fcr Deutschland ist sensationell. Und es ist angesichts der Finanzund Wirtschaftskrise in jedem Fall eine absolut sichere Investition.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Erst war \u201enur\u201c eine Verk\u00fcrzung des Wehrdienstes auf sechs Monate geplant, doch inzwischen hat der Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die&hellip;<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"link-more\">\n\t<a href=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=142\" class=\"more-link\">\n\t\tWeiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Freiwilliges Dienen &#8211; ein Jahr f\u00fcr Deutschland&rdquo;<\/span>&hellip;\t<\/a>\n<\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"footnotes":"","_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false},"version":2}},"categories":[6],"tags":[],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p35WCI-2i","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/142"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=142"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/142\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=142"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=142"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=142"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}