{"id":1379,"date":"2012-11-06T09:40:47","date_gmt":"2012-11-06T08:40:47","guid":{"rendered":"http:\/\/petertauber.wordpress.com\/?p=1379"},"modified":"2012-11-06T09:40:47","modified_gmt":"2012-11-06T08:40:47","slug":"rettet-die-pressefreiheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=1379","title":{"rendered":"Rettet die Pressefreiheit!"},"content":{"rendered":"<p>Mit gro\u00dfem Interesse habe ich in den letzten Tagen die Debatten um die angebliche Beeinflussung der Presse durch Parteien, deren Pressesprecher und die daraus folgende k\u00fcnstliche Emp\u00f6rungswelle verfolgt. Eigentlich wollte ich au\u00dfer Kopfsch\u00fctteln nichts dazu beitragen. Eigentlich. Nachdem es nun einen offenen Streit zwischen <a href=\"http:\/\/www.marinaslied.de\/?p=762\" target=\"_blank\">Marina Weisband<\/a> (Piraten) von <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/spiegelblog\/marina-weisbands-falsche-vorwuerfe-gegen-den-spiegel-a-865411.html\" target=\"_blank\">Merlind Theile<\/a> (Spiegel-Journalistin) \u00fcber eine Geschichte im Spiegel gibt, in der angeblich nicht freigegebene Zitate zu lesen sind, m\u00f6chte ich nun doch ein paar pers\u00f6nliche Punkte zu diesem Thema loswerden. Mich hat n\u00e4mlich vor allem genervt, dass diejenigen, die vorgeben haben, nun mal eine ganz andere Politik machen zu wollen, jetzt so tun, als ob sie nicht nur in diesem Fall, sondern j\u00fcngst immer h\u00e4ufiger \u201eOpfer\u201c der Presse w\u00e4ren, weil Journalisten nach dem Reiz des Neuen nun auf einmal auch kritisch \u00fcber die Piratenpartei berichten. Und \u00fcbrigens nicht kritischer als \u00fcber andere Parteien \u2013 aber da sind wir schon beim Problem: die eigene Wahrnehmung.<\/p>\n<p>Mich nervt das schwarz-wei\u00df Denken und die wie gesagt aus meiner Sicht k\u00fcnstliche Emp\u00f6rung. Die Pressefreiheit ist in der Tat ein hohes und sch\u00fctzenswertes Gut, aber sie ist wohl kaum in Gefahr (gewesen). Genauso wenig ist zu konstatieren, dass in den Redaktionen jeden Tag Willk\u00fcr herrscht und die journalistische Sorgfaltspflicht verletzt wird. Selbst in den vielen Zeitungen, die der SPD geh\u00f6ren, kann man hin und wieder was Kritisches \u00fcber die Sozialdemokratie lesen. Schon die Debatte um den CSU-Sprecher empfand ich als l\u00e4cherlich. <\/p>\n<p>Leute! Jeden Tag rufen Pressesprecher in Redaktionen an, versuchen Infos weiterzugeben, Geschichten zu platzieren, Hinweise auf vermeintlich falsche Darstellungen zu geben, Hintergrundinfos zu liefern und zu erreichen, dass der Laden f\u00fcr den sie arbeiten, m\u00f6glichst gut dargestellt wird. Das ist ihr Job. Und dabei kommt es sicherlich auch vor, dass sie sich mal im Ton vergreifen. Journalisten treiben das umgekehrte Spiel und lassen sich f\u00fcr die entsprechenden Infos auch darauf ein, mal was \u201eNettes\u201c zu schreiben. F\u00fcr eine gute Geschichte macht man eben Kompromisse. Es soll sogar schon vorgekommen sein, dass Journalisten eine Story schon fertig hatten, aber nur noch den Namen eines Politikers suchten, dem sie ihre \u201eZitate\u201c in den Mund legen konnten. Das ist nat\u00fcrlich nicht das, was wir unter \u201eQualit\u00e4tsjournalismus\u201c verstehen. Aber es bedeutet auch nicht den Untergang des Abendlandes.<\/p>\n<p>So etwas kommt \u00fcbrigens schon in der Kommunalpolitik vor. Ich kenne B\u00fcrgermeister, die haben schon den Rauswurf von Redakteuren beim Verlagschef gefordert. Oppositionsfraktionen, die geschlossen das Abo ihrer Tageszeitung als politisches Signal k\u00fcndigen wollten, weil eben jener B\u00fcrgermeister st\u00e4ndig (und aus ihrer Sicht zu gut) pr\u00e4sent und meist positiv dargestellt wurde. (\u00dcbrigens spannend, wie unterschiedlich offensichtlich der B\u00fcrgermeister und die Opposition die Darstellung in der Presse wahrnehmen. Wir reden n\u00e4mlich von B\u00fcrgermeister und Opposition in ein und derselben Stadt.)<\/p>\n<p>Ich kenne Abgeordnete, die z\u00e4hlen die Zeilen ihrer Artikel und vergleichen das mit dem Konkurrenten der anderen Partei, um dann die Redaktion anzurufen und sich zu beschweren. Und ich kenne Journalisten, die schneiden Abgeordnete im wahrsten Sinne des Wortes und drucken keine Fotos oder Artikel ab, in denen der Abgeordnete Erw\u00e4hnung findet. Machen kann man da nichts.<\/p>\n<p>Wer t\u00e4glich mit der Presse zu tun hat und selbst ein geisteswissenschaftliches Studium absolviert hat, der wei\u00df noch von der Uni und lernt jeden Tag erneut, dass das Streben nach Objektivit\u00e4t eben genau das bleibt: ein Streben danach. Und die Wahrnehmung, was eine objektive Berichterstattung ist, h\u00e4ngt vor allem von Leser ab und nicht allein vom Autor eines Textes.<\/p>\n<p>Auch Journalisten haben es nicht leicht. Es hat sich etwas ver\u00e4ndert. Heute m\u00fcssen sie sich ganz anders f\u00fcr Texte und Argumente rechtfertigen. Durch Blogs und social media m\u00fcssen sie R\u00fcckfragen aushalten und Gegenpositionen werden anders sichtbar als in den \u00fcberfl\u00fcssigen Gegendarstellungen, die die Redaktionen ja meist dort verstecken, wo sie keiner findet. Das ver\u00e4ndert auch die Arbeit von Journalisten.<\/p>\n<p>Wer Politik macht, der muss mit Kritik leben \u2013 auch und gerade mit Kritik, die er selbst als ungerecht empfindet. Nat\u00fcrlich kenne ich auch Journalisten, bei denen ich den Eindruck habe, dass sie mich offensichtlich nicht \u201em\u00f6gen\u201c. Da bekomme ich in jedem Kommentar eine mit. Na und? Locker bleiben. Erstens steht nirgendwo geschrieben, dass Leser diese Meinung eins zu eins \u00fcbernehmen \u2013 vielleicht bewirkt es genau das Gegenteil. Und zweitens gleicht sich das oft wieder aus. Drittens sei angemerkt: man kann es nicht \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sage ich Journalisten auch, wenn ich mich nicht richtig widergegeben f\u00fchle. Das m\u00fcssen Journalisten aushalten. Wie immer, wenn Menschen miteinander zu tun haben, sollte man dabei freundlich und respektvoll miteinander umgehen. Viele Journalisten, die ich kenne, nehmen ihre Arbeit sehr ernst. Und dann m\u00fcssen sie eben kritisch sein. <\/p>\n<p>Wer damit nicht umgehen kann oder schlimmer noch, die Schuld zuerst bei anderen sucht und nicht bei sich, der ist aus meiner Sicht wirklich ungeeignet f\u00fcr die Politik. Da gilt der alte Satz meines Freundes Friedrich Bohl, ehemaliger Kanzleramtsminister unter Helmut Kohl, der mal zu mir gesagt hat: \u201eWem es in der K\u00fcche zu hei\u00df ist, der darf eben nicht Koch werden.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Mit gro\u00dfem Interesse habe ich in den letzten Tagen die Debatten um die angebliche Beeinflussung der Presse durch Parteien, deren&hellip;<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"link-more\">\n\t<a href=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=1379\" class=\"more-link\">\n\t\tWeiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Rettet die Pressefreiheit!&rdquo;<\/span>&hellip;\t<\/a>\n<\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"footnotes":"","_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false},"version":2}},"categories":[6],"tags":[183,323,329,342],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p35WCI-mf","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1379"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1379"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1379\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1379"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1379"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1379"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}