{"id":1168,"date":"2012-09-10T13:39:39","date_gmt":"2012-09-10T12:39:39","guid":{"rendered":"http:\/\/petertauber.wordpress.com\/?p=1168"},"modified":"2017-02-16T09:22:03","modified_gmt":"2017-02-16T09:22:03","slug":"intersexualitat-auch-mein-thema-im-bundestag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=1168","title":{"rendered":"Intersexualit\u00e4t &#8211; auch (m)ein Thema im Bundestag"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man an die Arbeit des Deutschen Bundestag denkt, so kommen einem momentan\u00a0sicherlich die gro\u00dfen und viel diskutierten Themen in den Sinn &#8211; wie etwa das\u00a0Betreuungsgeld oder die &#8222;Eurorettung&#8220;. Au\u00dferhalb der Scheinwerfer der gro\u00dfen B\u00fchne gibt\u00a0es aber eine Vielzahl anderer Themen, die von den Abgeordneten oftmals in sehr gro\u00dfer\u00a0Detailarbeit bearbeitet werden. Mitunter werden sehr weitreichende Entscheidungen\u00a0getroffen, die f\u00fcr einen Teil der Bev\u00f6lkerung von besonderer Bedeutung sind. Einem solchen\u00a0Bereich widme ich mich bereits seit mehreren Monaten intensiv. Seit langem fordert die\u00a0Gruppe der intersexuellen Menschen eine Verbesserung ihrer Situation. Intersexuelle\u00a0Menschen \u2013 fr\u00fcher h\u00e4ufig \u201eZwitter\u201c oder \u201eHermaphroditen\u201c genannt &#8211; sind Menschen, die nicht\u00a0in das medizinische und rechtliche Konstrukt zweier abgrenzbarer Geschlechter passen,\u00a0die weder als klar m\u00e4nnlich noch als klar weiblich definierbar sind. Da nach vorsichtigen Sch\u00e4tzungen knapp 10.000 -12.000 Personen Intersexuelle sind, h\u00f6rt man von deren\u00a0individuellen Problemlagen sehr wenig.<\/p>\n<p>Daher hat die Bundesregierung den Deutschen Ethikrat gebeten, eine umfangreiche Analyse\u00a0der Lebenslage der intersexuellen Menschen vorzunehmen. In einem transparenten und\u00a0mehrstufigen Verfahren waren insbesondere die intersexuellen Menschen selbst aufgerufen,\u00a0die Punkte zu benennen, die sie am meisten belasten. Der Ethikrat hat eine detaillierten\u00a0Bericht entworfen und dem Gesetzgeber Handlungsempfehlungen an die Hand zu geben, die\u00a0nun zu \u00fcberpr\u00fcfen sind und in gesetzliches Handeln \u00fcberf\u00fchrt werden sollen. Die Ergebnisse findet man <a href=\"http:\/\/www.ethikrat.org\/intersexualitaet\" title=\"Ethikrat Intersexualit\u00e4t\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Vor der Sommerpause fand eine Anh\u00f6rung statt, in der geladene Experten und Betroffene\u00a0die Gelegenheit hatten, den Bundestagsabgeordneten ihre individuelle Sichtweise zu\u00a0erl\u00e4utern und wichtige Hinweise f\u00fcr die Umsetzung auf den Weg zu geben.\u00a0So wird von den Betroffenen die M\u00f6glichkeit einer dritten Geschlechtsangabe gefordert,\u00a0die \u00fcber das altbekannte \u201em\u00e4nnlich-weiblich\u201c hinausgehen, da intersexuelle Menschen\u00a0sich hier nicht wiederfinden und somit gezwungen werden, Angaben zu machen, die\u00a0ihrer Lebenswirklichkeit nicht entsprechen. Diskutiert wurde \u00fcber die Frage, ob man f\u00fcr\u00a0Intersexuelle die M\u00f6glichkeit einr\u00e4umt, diese Frage bei Eintragungen im Pass und der\u00a0Geburtsurkunde offen zu lassen oder vielleicht eine weitere Kategorie \u201eandere\u201c eingef\u00fchrt\u00a0werden k\u00f6nnte. Ein Rechtsexperte hat daraufhin \u00fcber die Rechtsfolgen berichtet, die von\u00a0einer solchen \u00c4nderung ausgehen. Alternativ steht der Vorschlag im Raum, den Betroffenen die M\u00f6glichkeit zu geben, auf eine Festlegung des Geschlechts zu verzichten, bzw. diese Entscheidung erst sp\u00e4ter zu treffen.<\/p>\n<p>Besonders wichtig ist den intersexuellen Menschen zudem die Frage, wie man medizinisch\u00a0mit der Frage der Intergeschlechtlichkeit umgeht. In bewegenden Stellungnahmen\u00a0konnte man von schlimmen Erfahrungen der intergeschlechtlichen Menschen lesen, die\u00a0Operationen zur Geschlechtsfestlegung bereits im Kindesalter \u00fcber sich ergehen lassen\u00a0mussten. Damit zw\u00e4ngt man Menschen in eine Geschlechterrolle, die ihrem wahren Gef\u00fchl\u00a0nicht entsprechen und bereitet damit vielfach einen leidvollen Lebensweg, mit dem die\u00a0intersexuellen Menschen umgehen m\u00fcssen. Hier bestand in der Anh\u00f6rung weitgehende\u00a0Einigkeit, dass ein solches Vorgehen einen Versto\u00df gegen das Menschenrecht auf k\u00f6rperliche\u00a0Unversehrtheit darstellt und in Zukunft nicht mehr erfolgen darf. Handlungsbedarf gibt es\u00a0zudem bei der Frage, welche Beratungs- und Hilfsangebote man diesem Personenkreis in\u00a0Zukunft zukommen lassen sollte, damit gerade auch den Eltern neugeborener intersexueller\u00a0Kinder Hilfestellung an die Hand geben kann in einer sehr schwierigen Lebensphase.<\/p>\n<p>Es wird nun darum gehen, einen weiteren Prozess zu beginnen, um diese Fragen im Sinne\u00a0der Betroffenen verbindlich zu regeln. Ich bin als zust\u00e4ndiger Berichterstatter meiner\u00a0Fraktion sehr gespannt wie dieses Thema weiter geht. Auch diese Woche werde ich mich in zwei ausf\u00fchrlichen Terminen wieder diesem Thema widmen. Und besonders hoffe ich, dass wir\u00a0diesem Personenkreis auch ganz abseits der gro\u00dfen B\u00fchne helfen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\"><p>Wenn man an die Arbeit des Deutschen Bundestag denkt, so kommen einem momentan\u00a0sicherlich die gro\u00dfen und viel diskutierten Themen in&hellip;<\/p>\n<\/div>\n<div class=\"link-more\">\n\t<a href=\"https:\/\/blog.petertauber.de\/?p=1168\" class=\"more-link\">\n\t\tWeiterlesen<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Intersexualit\u00e4t &#8211; auch (m)ein Thema im Bundestag&rdquo;<\/span>&hellip;\t<\/a>\n<\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"footnotes":"","_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","enabled":false},"version":2}},"categories":[785,3,6],"tags":[29,256,272,292,293,396],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p35WCI-iQ","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1168"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1168"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1168\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2971,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1168\/revisions\/2971"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1168"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1168"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.petertauber.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1168"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}